mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Zllnstrirtes Sonntaasblatt.
Erscheint wöchmtlich sieben mal.
Druck und Verlag' Iah. Aug.Koch, UmversttLtS-Buchdruckerel 41. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon s5.
Marburg
Sonnabend, 7. April 1906.
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Neneste Telegramme.
i Hamburg, 5. April. Heute Vormittag gegen 11 Uhr ist der Dampfer „Gertrud Woermann" hier eingetroffen. Das Schiff bringt aus Süd- pestafrika 10 höhere Offiziere und Militärbe- pmte und 114 Unteroffiziere und Mannschaften, bon denen sechs verwundet sind.
Dresden, 5. April. Die Reform der Ersten Kammer ist vollständig fehlgeschlagen. Das Ergebnis bedeutet eine eklatante Niederlage der Regierung. Für den Regierungsentwurf stimmten heute in der Zweiten Kammer nur 18 Abgeordnete, 56 gegen ihn, unter ihnen auch zahl- xeiche Konservative. Die Nationalliberalen stimmten geschlossen gegen den Entwurf. Keiner der übrigen Vorschläge erhielt die erforderliche Zweidrittelmehrheit, so daß die Reform mindestens bis zum nächsten Landtag vertagt ist.
Moskau, 5. April. Soweit sich das Ergebnis der Wahlmännerwahlen in ganz Ruhland bisher übersehen läßt, erzielten die Linksparteien im ganzen 856 Mandate, von denen entfallen 'auf die Sozialdemokraten 15, auf die Progres- fisten 195 und auf die Konstitutionell-Demokra- ten 646. Die Zentrumsparteien erhielten 306 Mandate, darunter der Verband vom 30. Okt. 151; den Reichsparteien fielen 138 Mandate zu, den Unabhängigen 947, darunter meist Bauern.
London, 5. April. Aus Durban (Natal) wird telegraphiert: Heute morgen kehrte die Polizei- Abteilung unter Oberst Mansell, die ausmarschiert war, um Frauen und Kinder in dem Lande des Häuptlings Bambaata zu retten, nach Ereyton zurück. Die Kolonne wurde von Bam- baatas Leuten auf dem Rückweg angegriffen Und muhte sich 10 Kilometer weit feuernd zurückziehen. Die Rebellen kamen bis 1 Kilometer vor Ereyton. Die Polizei verlor drei Tote, mehrere wurden verwundet. Die Rebellen sind in starker Anzahl und übermütig wegen ihres Erfolges. Eine Abteilung Truppen marschiert gegen sie aus.
Courriörks.
Die Interpellation Vasly in der Kammer am Dienstag hat mit einem Vertrauensvotum für den Minister Barthou geendet, der sich dafür verbürgte, dah die Untersuchung über die Verantwortung für die Katastrophe unparteiisch geführt werde, und der seither noch eine weitere Untersuchung über die Verantwortlichkeit für die Rettungsarbeiten angeordnet hat. Die Kammer konnte nicht gut anders handeln, denn Herr Barthou ist in jedem Falle sowohl an dem Geschehenen als auch an dem etwa Unter- laffenen persönlich unschuldig wie ein neugeborenes Kind. Aber läht man seine Person einmal an^ dem Spiele, so verstärkt sich freilich mehr und inehr der Eindruck, dah, wie jüngst die Dreizehn, noch viele — und wer weih wie viele — von den unglücklichen Opfern hätten ge-
[6 (Nachdruck verboten.)
An der dänischen Grenze.
Roman von Dietrich Theben.
(Fortsetzung.)
Das Tauwetter hatte sich nicht bloh ange- kündigt, sondern war auch eingetreten, und seit Tagen ging ein dichter Landregen über die friesische Marsch nieder. Erst am Sonntage stahl sich wieder ein bischen Sonne durch das fliegende Gewölk, ein freundlicher Eruh für die geputzten Kirchgänger. Aber der Boden war aufgeweicht, und wer geradezu über die Felder wollte, muhte die üblichen Holzschuhe anlegen, die eine breitere Sohlenfläche boten und nicht so tief in den Ackerschlamm einsanken. Ocko und Karen Stür benutzten den mehr festen Deichrücken und kamen mit dem gewöhnlichen Lederschuhwerk aus.
Die kleine, verwitterte altersgraue Kirche war schon dicht besetzt, als Martin Behrend als einer der letzten ankam. Er trug Gummischuhe über den Stiefeln, die seinen Schritt fast unhörbar machten und die Männer links und die Frauen rechts am Mittelgang unwillkürlich auf« schauen liehen, wenn sein schlanke Gestalt plötzlich ohne das übliche stapfende Geräusch vor oder neben ihnen auftauchte. Er war auch darin „neumodisch", wie mancher ihm folgende Blick tadelnd oder mit etwas widerstrebender Anerkennung feststellte.
Behrend sah befriedigt einen Platz neben Ocko Stür frei und lieh sich darauf nieder. Dicht vor sich bemerkte er auch Fürs Tofohr und andere Bekannte, und auf der Frauenseite Wiebke Frederiksen gleich am Mittelgang, und ein paar
rettet werden können, wenn bei den Rettungsarbeiten geschickter «nd tatkräftiger zu Werke gegangen wäre. In einem Pariser Briese der „Schles. Ztg." werden die Anzeichen für die erwähnte Wahrscheinlichkeit zusammengetragen. Die dreizehn Geretteten sagen übereinstimmend aus, dah sie ihr Leben nicht etwa einem besonders glücklichen Zufall, einem geschützten Winkel oder dergleichen zu verdanken haben; sie haben sich während des llmherirrens in den Zrrgängen zufällig gefunden. Zeitweilig find auch noch mindestens fünf, nach anderen noch mehr Kameraden vereinzelt oder in Trupps mit ihnen zusammengetroffen, die fich dann wieder von ihnen getrennt und aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach langem Hungern «nd Schmachten den Tod gefunden haben. Ferner sagen dieselben Zeugen aus, dah sie in den ersten Tagen auf ihre rythmischen Klopfsignale, wie sie unter den Bergleuten üblich sind, mehrfach Antwort erhalten haben. Der schauerlichste und sicherste Beweis dafür, dah bis in die letzten Tage hinein noch Lebende in den Schächten vorhanden gewesen sein müfien, ist endlich in der Aussage des Bergarbeiter-Delegierten Simon vor der parlamentarischen Untersuchungskommission in Sens enthalten. Simon war am Tage der Katastrophe im Schacht Nr. 3 gewesen und hatte dort drei Leichname an einem bestimmten Punkte gesunden, darunter denjenigen des Ingenieurs Barrault. Als er nach dem Auftauchen der Dreizehn die Erlaubnis zu einer neuen Einfahrt erhielt und dieselbe Stelle besuchte, fand er dort statt der drei Leichen acht, von denen fünf noch ohne jede Spur von Verwesung, ja noch nicht völlig erkaltet waren. Das Zeugnis Simons scheint überhaupt von besonderer Wichtigkeit zu sein. Er hat an dem Unglückstage etwa dreißig Lebende aus der Tiefe heraufgeholt, bei seiner letzten Einfahrt allein siebzehn: mit einem Schwerverwundeten hat er sich fünf Stunden lang geschleppt. In der Ueberzeugung, dah noch zahlreiche Menschenleben gerettet werden könnten, erbat er sich von dem Ingenieur Delafonds dreißig Mann für den nächsten Tag. Statt seine Bemühungen zu unterstützen, hatten die Ingenieure angeblich nichts Eiiigeres zu tun, als die Zugänge zu den Schächten abzusperren. Ein anderer Bergmann, Hurbain, der ebenfalls von der Kommission vernonimen wurde hat allein sieben Lebende und zwei Tote heraufbefördert und mit Simon zusammen noch dreizehn weitere lebendige Bergleute. Trotz seiner Behauptung, dah noch viele Menschenleben gerettet werden könnten, hat man die Absperrungen überstürzt und erst auf seinen und anderer Bergleute Protest hin nachträglich wieder aufgehoben. Diese Beseitigung der schon auf- gesührten Sperrungen verdanken Nemy und seine Eenosien die Rettung, denn nur so konnte die frische Luft bis zu ihnen dringen. Auch Hurbain sagte aus, dah er in einem Stollen der Grube 3 am ersten Tage keine einzige Leiche gefunden habe, während dort vorgestern abend an zwei verschiedenen Stellen zusammen neun Tote in hockender Stellung und ohne Berwes- «ngsspnren gefunden wurden. Furchtbar klingt die Versicherung der Delegierten, Lag nach ihrer
Plätze davon auf der gleichen Bank Karen Stür.
Die kleine Orgel spielte und die Gemeinde sang den Choral mit. Ocko Stür hielt die Hände fest auf dem geschloffenen Gesangbuch, seine Lippen blieben bewegungslos. Er hörte das Orgel- brausen und Singen und das geistliche Wort von der Kanzel wie aus weiter Ferne — wie in der Nacht vor acht Tagen, als er allein heimgewandert war, das Meeresrauschen. Fern, dumpf, ihm in die Ohren fallend, aber ihm nicht verständlich, ein Nachtrauschen nur, ein Der« schwimmendes Summen, Klingen und Wogen.
Er hielt den Kopf geneigt, aber unter den Lidern lebte das Auge und hing wie gebannt an dem blonden Scheitel Wiebke Frederiksens.
Wie aus einem Schlafe wachte er auf. als abermals die Orgel eingesetzt hatte, mit einem brausenden Akkord abrih und bann die Menschen um ihn sich erhoben. Mechanisch erwiderte er einen Händedruck Behrends, folgte ihm aber nicht, sondern trat erst aus der Sitzreihe, als Wiebke biere passiert hatte. Er ging unmittelbar hinter i*r, umfing sie mit bem Auge unb war fnri ’roffen, als er braunen bas Mäb- chen auf Vehrenb zuschreiten unb ihn lebhaft begrüßen sah.
Behrend winkte ihm zu, unb zögernd näherte er sich.
„Ta ist eine Vorstellung doch wohl nicht notig?" fragte Behrend freundlich, und sah über die beiden hinwc- nach dem Ausgange der Kirche.
„Ocko!" rief das Mädchen überrascht. „Das bist--so bist Du geworden?" Sie lachte über
das ganze Gesicht. „Und noch nicht mal sehen lassen hast Du Dich bei uns! Aber da mutz
Ansicht selbst acht Tage nach der Katastrophe noch mindestens 800 Opfer hätten gerettet werden, können, unb baß sie überzeugt seien, auch jetzt noch würbe man einzelne Ueberlebenbe ftnben müssen." — Datz diese Meinung nicht ganz unbegrünbet ist, beweist ja auch bie Tatsache, bah noch vorgestern früh ein weiterer Nebenbei gerettet würbe. Es würbe für alle Zeiten eine entsetzliche Schuld bas Gewissen Frankreichs belasten, wenn jene Verantwortungen, von benen oben gesprochen würbe, nicht in ben Grenzen bes Möglichen einroanbsftei ermittelt unb babei etwa erwiesene Schuld nicht gesühnt würde.
Lens, 5. April. Der Vertreter der Bergleute, Simon, der am Tage der Katastrophe zur Rettung von 17 Arbeitern beigetragen hatte, war gestern Nachmittag mit fünf Kameraden in Schacht 4 hinabgefahren, um zu Schacht 3 zu gelangen. Nach einstündigem mühseligem Marsche gelangten die Leute bis zum St. Barbara-Stollen, etwa 50 Meter vom Fahrstuhl des Schachtes 3 entfernt, und fanden daselbst neun Leichen, die noch ganz warm waren. Nach der Ansicht Simons war der Tod erst vor einigen Stunden eingetreten. Als Simon der vor dem Schacht harrenden Menge, in der sich insbesondere zahlreiche Frauen befanden, diese Mitteilung machte geriet diese in eine furchtbare Erregung und ftiefj wütende Rufe aus, wie: „Nieder mit den Mördern! Hoch der Streik!" Simon erzählte ferner, dah ihn die Gesellschaft, als er am Tage der Katastrophe behufs Rettung von Verunglückten einfuhr, einen Revers unterzeichnen lieh, dah die Gesellschaft, falls ihm ein Unglück zustohen sollte, seinen Hinterbliebenen keine Pension zu zahlen hätte.
Lens, 4. April. Heute Abend wurde ein lebendes Pferd zu Tage gefördert, das in einem Stollen aufgefttnben wurde, wohin es sich, offenbar durch feinen Instinkt geleitet, am Tage der Katastrophe geflüchtet hatte. Es hatte nicht nur ben gesamten Hafer aus ber Kiste aufgefreffen, fonbern auch einen großen Teil der Kiste selbst.
Paris, 5. April. Die „Petite Nepubligue" schreibt: Selbst die wohlmeinendste Auffassung gestattet nicht mehr die Vergwerksgesellschaften entschuldigen zu wollen. Man gelangt notgedrungen zu der entsetzlichen Schluhfolgerung, dah man um jeden Preis das Bergwerk retten wollte, selbst auf die Gefahr hin, lebende Arbeiter einzumauern.
Paris, 5. April. Der sozialistisch-radikale Maffei erklärt in der „Lanterne", wenn die Gesellschaft von Courrieres wirklich eine solche Grausamkeit an den Tag gelegt hat, so müsse sie unbarmherzig ihres Besitzrechts für verlustig erklärt werden.
Lens, 5. April. Die Nachforschungen find während der ganzen Nacht auf Schacht 2 bei Billy-Montigny fortgesetzt worden. Die Aerzte loben die Verwendung von Kautschukhandschuhen und Tüllmasken sehr, die dazu dienen,
man — muh man Augen machen--wird die
Jens machen! Kommst Du.bald mal herüber? Za?"
Er stand verlegen.
„Ja, ja!" stieh er hervor und schämte sich seiner Befangenheit.
„Heut — heut Nachmittag — bin ich bei Behrend —"
„Das ist fein!" erwiderte sie heiter. „Ich habe es aber schon gewußt — von meiner Schwester. Du, Schwager Jürs — ich glaube, Jens kommt auch mit — pah auf, das wird fein. Ich bin auch dabei."--
Das fing er freudig auf.
„Ja? Da wird es noch mal so schön."
„Wirklich? Ich freue mich auch, Ocko."
Das Strahlen ihrer warmen, freudigen Blauaugen glitt auf Karen hinüber, bie etwas seitwärts in ihrer stolzesten Haltung an Behrend vorüberschritt. Der Hoyerhofer grühte; sie dantte karg, unb wenn er bie Absicht gehabt hatte, sie anzusprechen, so hatte ihre herbe, fast herausforbernbe Abkehrung ihn jedenfalls belehrt, daß fein Wunsch von ihr nicht genehmigt wurde.
„Du, Deine Schwester — ist die nicht sonderbar zu Behrend?" fragte Wiebke in einer Abdämpfung ihrer Freude.
Dem jungen Stürhofer hatte es einen Stein von der Seele genommen, dah Behrend ihm mit Wiebke allein gelassen und sich seiner Schwester zugewandt hatte. Er war kein groher Menschenkenner, aber die Situation des Augenblicks schien auch ihm deutlich zu verraten, wohin Behrend sich in feinem Herzen gezogen fühlte. Und in der egoistischen Freude darüber hatte er
die Mäuse und Fliegen, die sich um die Leichen sammeln, abzuhalten. Die Ingenieure glauben, dah sie den Brand vollständig auslöschen werden. — Der Chefingenieur Leon ist heute früh wieder an bie Oberfläche zurückgekommen, nach- bem er während der Nacht die ganze Grube, mit Ausnahme einiger verborgener Winkel abgesucht hatte. Er fand zahlreiche Leichen von Bergarbeitern, von denen er glaubt, dah sie bei der Arbeit erstickt sind. Von Lebenden zeigte sich keine Spur. Die Nachforschungen werden jedoch fortgesetzt.
Deutscher Reichstag.
*i* Berlin, 5. April.
Der Reichstag überblickte am Donnerstag bei der Beratung des Etats der Reichskanzlei das Ergebnis der Konferenz von Algeciras. Di« Beratung, die allgemein mit Spannung erwartet wurde, und denn auch einen starken Besuch im Hause wie auf ben Tribünen hervorgerufen hatte, zeigte bas erfreuliche Resultat, baß mi! ben Verbünbeten Regierungen auch bie große Mehrheit bes Reichstages durch bie Verhandlungen von Algeciras zufrieden gestellt ist. Auf dieses erfreuliche Bild aber warf ein Ohnmachtsanfall, der dem Fürsten Bülow kurz nach seiner einleitenden Rede im Sitzungssaal« traf, einen außerordentlich betrübenden Schatten. Gleich nach Eintritt in die Tagesordnung ergriff der Reichskanzler Fürst Bülow das Wort, um sich über die Marokkopolitik des Rei- dies auszusprechen. Er betonte, daß wir in Marokko weder festen Fuß faffen noch die histo- rischen Rechte Frankreichs und Spaniens antasten wollten. Die deutsche Politik hatte aber dafür zu sorgen, dah das Deutsche Reich nicht als quantit^ n^srliffeable behandelt wurde; das Prinzip der offenen Tür war in Marokko weiter zu wahren, und das Ansehen des Reiches durfte nicht geschädigt werden. Deshalb hab« Deutschland auf eine Konferenz gedrängt und es könne nunmehr sagen: Die Konferenz von Algeciras hat ein für Deutschland und Frankreich gleich befriedigendes, für alle Kulturländer nützliches Ergebnis geliefert. Erster Redner aus dem Hause war Frhr. v. Hettling (Zent.), der sich mit der Marokkopolitik des Reichskanzlers einverstanden erklärte, das Verhalten Oesterreichs in Algeciras als das eines treuen Bundesgenossen rühmte und über die unfreundliche Stellungnahme Ruhlands Beschwerde führte.
Während der Rede bes Abgeordnete« Bebel sinkt der Reichskanzler Fürst Bülov» plötzlich zur Seite und droht vom Stuhl« herabzugleiten. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Bachem bemerkt es, eilt auf die Tribüne und macht auf den Zustand des Reichskanzlers aufmerksam. Staatssekretär Graf Posadowsky, » Soeben und Dr. Bachem hielten den Reichskanzler auf dem Stuhle aufrecht, vis die Abgg Dr. Becker und Dr. Mugdan, beides Aerzte, zur
kaum eine Empfindung dafür, dah und wie fehl Karens Haltung den Freund verletzen mußte.
„Laß sie", entgegnete er nur obenhin. „Die — muß sich aus sich selbst heraus umwachsen," fügte er dann aber doch mit tieferem Sinne hinzu. (Fortsetzung folgt).
StadMealer
Mit der Aufführung der „Offiziers-Tragödie" Rosenmontag von Otto Erich Hartleben fand die diesjährige Winterspielzeit 1905-06 unseres Stadttheaters gestern ihren Abschluß. Hartlebens bühnenwirksames Stück, hier schon durch frühere Aufführungen bekannt, ist leine Tragödie großen Stils, aber doch von eigenem Stimmungsgehalt, dem die gestrige Darstellung im allgemeinen gerecht wurde. Wenigstens steigerte sich, Dank dem guten Spiele bet Haupt- barsteller, bet Beifall bes Hauses von Akt zu Aft unb wat am Schluffe besonders warm unb lebhaft. Vetfchiebene Mitglieder unserer Bühn« traten gestern zum letzten Male hier auf, ba sie im nächsten Winter nicht hierher zurückkehren werben. Nut ungern sieht man hier, wie auch in Gießen, Herrn L ü 11 j o h a n n scheiben, bet gestern Abend in der Rolle bes Hans Rudorfs sich von bem Marburger Theaterpublikum verabschiedete, besten Sympathien der junge, viel- versprechenbe Künstlet fich wähtenb bet zwei Iahte seines Hierseins im weiten Maße erworben hat. In bieser Rolle entfaltete Herr Lütt» johann noch einmal fein ganzes Können unb schuf eine Gestalt, bie trotz ihres schwachen, wenig wiberstanbsfähigen Charatters bie Anteilnahme des Zuschauers im höchsten Grade zn fesseln verstand. Namentlich die Szenen außer«