bie ttfilefincnbe Halttrng bcr Prvrtßi schon Staats« bahnverwalfung meinen Bestrebungen gegenüber (auch hier folge ich dem stenographischen Bericht) noch damit begründet, daß „die Prchlikationen des Vereins enthaltsamer Eisenbahner Zum Teil sehr scharf gegen die Verwaltung gerichtet sind". Selbstverständlich bin ich weit davon entfernt, Euer Hochwohlgeboren bewußt unrichtige Angaben zu unterstellen. Immerhin dürfte es Euer Hochwohlgeboren sch'.ver werden, droRichtrakeit der ketzt- e'wähnten Senterfung zu erweisen. Ter Deutsche Verein enthaltsamer Eisenbahner'ist vom ersten Tage an bemüht gewesen, in seinen Veröffentlichungen auch bei Besprechung der von den maßgebenden Stellen getroffenen Anordnungen sorg fällig alles zu vermeiden, was über den Rah. inen einer berechtigten rein sachlichen Kritik hinausgeht und das Ansehen jener Stellen bei dem Personal zu schädigen geeignet wäre. Eine „gegen" die preußische oder eine andere Verwaltung gerichtete Publikation des Vereiirs ausfindig zu machen, dürfte selbst dem eifrigsten Spürsinn schwerlich gelingen. Noch weniger eine auch nur „zum Teil scharf" oder gar „sehr scharf" gegen die Verwaltung gerichtete Veröffenklichung, zumal meinen Bestrebungen eine wirksame Unterstützung durch die Eisenbahnverwaltungen von allergrößtem Werte ist. Augenscheinlich haben Euer Hochwohlgeboren die Veröffentlichungen des Vereins und die gelegentlichen privaten Meinungsäußerungen seines Vorsitzenden in Tages- Zeitungen usw. nicht in genügendem Maße auseinandergehalten und überdies einzelne einstuß- reiche Personen innerhalb der Verwaltung einfach mit dieser identifiziert: ein Verfahren, das sich unter keinem Gesichtspunkt rechtfertigen lassen dürfte.
Wenn ich z. B. im „Tag" (Nr. 630 v. 19. Dezember 1905) von dem „Widerstreben eines unzureichend unterrichteten Ministerialdirektors" meinen Bestrebungen gegenüber gesprochen habe, so kann darin unmöglich ein Angriff ober gar ein „sehr scharfer" Angriff gegen die Ver- waltung erblickt werden. Kaum ein Angriff gegen den betreffenden Herrn selbst, da die Erwähnung der Tatsache, daß einem hochgestellten Beamten vor einer Reihe von Jahren die ein eingehendes Studium erfordernde genaue Kenntnis der modernen Alkoholfrage noch abging, für diesen keineswegs ohne weiteres einen Vorwurf bedeutet.
Daß mich im Ü6rigen auch die mir in der Der- roaltung widerfahrene mindestens höchst befremd- liche Behandlung keineswegs abhält, das von ihr geschaffene Gute, namentlich den unermüdlichen Ausbau wertvoller Wohlfahrtseinrichtungen, rück, haltlos anzuerkennen, dafür kann ich mich auf eine ganze Reihe von Veröffentlichungen berufen. Auch die neue (4.) Auflage meiner Schrift „Alkohol und Verkehrswesen" legt dafür Zeugnis ab, indem es dort (S. 46) heißt: „Der unter der- schieden en Gesichtspunkten begreiflichen und entschuldbaren bisherigen Zurückhaltung in Maßnahmen, die dem Alkoholgenutz unmittelbar ent
gegenwirken, sicht eine zunehmende Fülle von Einrichtungen vorbeugender Art gegenüber, die bestimmt sind, das Personal dem Anreiz, der Versuchung und dem Zwange zum Alkoholgenuß mehr und mehr zu entziehen. Seit Jahren sind die deutschen Eisenbahnverwaltungen, allen voran die preußische, in anerkennenswerter Weife bemüht, durch Wohlfahrtseinrichtungen der verschie- densten Art die Lebenshaltung ihres zahlreichen Personals zu verbessern. Nicht nur auf dem Gebiet der Wohnungsfürsorge, sondern namentlich auch durch Vermehrung und Verbesserung der Aufent- Halts-, ttebernachtungs- und Unterkunftsräume für das Zug- und Fahrpersonal, die Bahnhofs-, Güterboden- und Streckenarbeiter."
Bon dem Gerechtigkeitsgefichl Euer Hochwcchl- geboren darf ich erwarten, daß Sie Veranlassung nehmen werden, die vorhin erwähnte unzutreffende Angabe richtig zu stellen.
In größter HochachtOig
de Terra, Eisenbahndirektor a. D.
atnentfinimes.
Deutscher Reichstag.
* Berlin, 29. März.
Am Ministertisch: Frhr. v. Rhcinbaben, Dr. Delbrück.
Tas Herrenhaus- setzte am Donnerstag die Etatsberatung fort. Der Etat des Finanzministeriums wurde ohne wesentliche Erörterung bewilligt. Beim Etat der direkten Steuern klagte Graf Mirbach über die zu hohe steuerliche Belastung des Grundbesitzes im Osten, namentlich durch die sozialpolitische Gesetzgebung. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben er- kante an, daß der Osten staatlicher Fürsorge besonders bedürfe, erinnerte aber auch an die dem Osten durch die Miguelsche Steuerreform gebrachten Vorteile. Die Klagen über die steuerliche Belastung des Ostens fanden Uiüerftützung bei Herrn v. Sperber und Frhr. v. Durand, während Oberbürgermeister Struckinann- Hildesheim der Schilderung der Verhältnisse des Ostens mit der Begründung Zweifel entgegensetzte, wenn die Dinge so schlimm seien, würde eS im Osten überhaupt keine Menschen mehr geben. Herr v. Buch bekämpfte erneut die vom Bundesrat vorgeschlagene Reichserbschaftssteuer; die immer stärkere Heranziehung der Wohlhabenden führe zur Vermögenskonfiskation. Frhr. v. Rheinbaben bezeichnete die Reichserb- schastssteuer in der vom Bundesrat vorgeschlagenen Gestalt als verhältnismäßig unschädlich; aus Rücksicht auf das Zustandekommen der Reichsfinanzreform habe jeder der Beteiligten Zugeständnisse machen muffen. Oberbürgermeister Becker-Köln bezeichnete die Reichs- finanzreform gleichfalls als dringend notwendig, damit im Reiche die Pumpwirtschaft ein Ende nehme. Graf v. Mirbach meinte, die Reichsfinanzreform, wie sie heute versucht werde, widerspreche der allerhöchsten Botschaft von 1881. Dieser Auffassung trat Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben mit großer Bestimmtheit entgegen. Beim Etat der Bauverwaltung lenkte Fürst Knyphausen die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Katastrophe in Ost-Friesland am 13. März. Ein Regierungskommissar erwiderte, der Oberpräsi-' dent sei sofort angewiesen worden, für die Beseitigung bet Schäden Sorge zu tragen. Weitere Hilfe habe der Minister des Innern zugesagt. Die weitere Beratung wurde auf Freitag 1 Uhr vertagt.
Marburg r-nd IlmqesiMv.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Zig.' gestattet)
Msrdnr,, 31. März.
• Parolen,llfik findet morgen, bei günstiger Witterung, van Uhr ab auf dem lutherischen Kirckchofe mit folgendem Programm statt: 1. Szene. Marsch und Cbor a. d. Op. „Tannhäuser" von R. Wagner. 2. Ouvertüre z. Op. „Stra- della" von Flotow. 3. „Das Schäfers Morgenlied" von Fr. Schubert. 4. „lieber den Wellen", Walzer von I. Rosas. 5. .Ein Abend bei den Deutschmeistern in Wien", Potpurri von Erst. 6. .Lothringer Marsch" von Ganne.
* Die Gebührenordnung für Serzte in Preußen ist in zwei Punkten ergänzt worden. Vielfach kommt zur ärztlichen Beratung auch der Fernsprecher in Anwendung. Um festzustellen, daß auch solch? Beratung zu bezahlen ist, ist in der Gebührenordnung ein besonderer Satz für die „Beratung eines Kranken durch den Fern- sprecher" eingesetzt worden. Tas Honorar für die Beratung durch den Fernsprecher ist mit 1 bis 3 Mark festgesetzt. Jedoch mit zwei Zusätzen. Erstens steht dem Arzte, wenn die Beratung durch einen Fernsprecher in der Zeit von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens erfolgt, ein Honorar von 2 bis 9 Mark zu. Zweitens steht dem Arzte, wenn die Beratung von einer öffentlichen Fern- fprechstelle aus stattfindet, neben der Gebühr für die Beratung eine Entschädigung für Jeifver- säumnis zu und zwar für fede angefangene halbe Stunde in Höhe von 1.50 Mark bis 3 Mark. So- dann hat es sich als notwendig ertmefen, für Einspritzung von Heilmitteln unmittelbar in eine Blutader einen Satz in die Gebührenordnung neu cinzustellen. Er beträgt 3 bis 20 Mark außer den Kosten für das Mittel.
• Ter hiesige Verein gegen bett Mißbrauch geistiger Getränke ist vom Vorstand des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke (Bors. Senats-Präsident Dr. v. Strauß-Torney) als BezirkS- verei« Marburg formell anerkannt worden. Alle, auch die bisher direkt in Berlin angescklossenen Mitglieder, werden gebeten, den fälligen Jahresbeitrag (mindestens 2 M) soweit dies noch nicht geschehen, an den Kaffenführer, Druckcrcibesiher Bauer, Dcutschhaus- straße, zu entrichten. Die in Berlin herausgcgebenen „Mäßigkr'tsblätker", die übrigens in dem eben erschienenen Februar-März-Hcst eine besonders interessante Abhandlung von Regierungsrat Dr. Wey- man: „Der Abstinenzvogel" bringen, werden den Mitgliedern, auch den jetzt noch neu hinzutrctendcn, im Laufe der nächsten Woche zugestellt werden.
* Bom Wetter. Winter und Frühling streiten um die Herrschaft. Während der Nacht führt der Winter noch das Zepter. Am Tage aber muß er dem Frühling weichen. Unsere gefiederten Sänger kehvc,, allmählich aus dem Süden zurück. Von des Bauines Spitze läßt die Drossel ihr Lied erschallen; hoch aus der Luft entbietet die trillernde Lerche demLandmann ifjren Gnrß. Freund, lich mtt dem Köpfchen nickend, läuft die Bachstelze dem Ackersmann hinter dem Pflug nach, und säu
bert die Furche von den schädlichen Insekten. Eine hoffnungsvollen Anblick gelväyren auch nun/ wieder die Obstbäume mit ihrem reichen Blüten-, ansahe. Einzelne Obstsorten sind geradezu mit Fruchtknospen übersät.
• Zur Beachtung. Bei Beginn der Frühlingswitterung fei darauf hingewiescn, daß so oft ba3. trockene lange vorjährige Gras an Böschungen, Rainen und Bergabhängen von jugendlicher Hand an gezündet wird, meist wohl, um sich an dem schnell dahin laufenden züngelnden Feuer einen angenehme» Anblick zN gewähren. Dabei aber fällt so mancher Strauch, der ein Schutz für die befiederten Sänger bot und mancher junge Nadelbanm dieser Unsitte zum Opfer. Auch man»' chcr Obstbaum wird beschädigt ober Dinge anderer Art' verdorben. Es wäre daher sehr wünschenswert, wenn die Behörden rechtzeitig die nötigen Schritte zur Verhütung dieses jugendlichen Mutwillens veranlaßten.
* Eine außerordentliche Feldpost nach Südwestafrika gebt von Hamburg am 6. April in. See. An diesem Tage wird ein Sonderdampß'r „Adelheid" nach dem Schutzgebiet abgefertigt. Ter Dampfer wird ungefähr am 3. Mai in Slvakopmund cintrefseii. Diese Feldpost wird nur für Pakete benutzt, da sic von der Feldpost über England nach Kapstadt voraussichtlich überholt wird. Diese Feldbriefpost geht am folgenden Tage, den 7. April, von Southampton in See. Sie ist am 24. April in Kapstadt. Schon am folgenden Tage, den 25. April, bietet einer der beiden Wo-ermanndampfer, die den Verkehr zwi- sichen Kapstadt und Siidwestafrika vermitteln, Anschluß nach Lüderihbucht und Swakopmund. Pie- ser Küstendampstr ist am 29. April in Lüderitz- bucht und am 2. Mai in Swakopmund. Feldpost-. Pakete, welck)e mit dem Sonderdampser. „Adelheid" nach dem Schutzgebiet befördert werden sollen, müssen am 4. oder spätestens am 5. zur Post gegeben werden, damit sie noch rechtzeifig in Hamburg zur Uebcrgabe an das Schiff cm- treffen. Die Feldbriefpost über England-Kap«, stadt geht vom Mar'mepostbuvcan am 6. April, vormittags %12 Uhr. Letzte Auslieserungszeitj ist in Berlin der 5. April, in entfernteren Orten, der 4. April.
* 25 Pfennigstücke. Der Reichstag wird sich nächstens mit einem aus seiner Mitte — durch den kaiserlichen Bankdirektor in Thorn, Herrn Ortel — einzubringenden Antrag zu beschäftigen haben, der eine im ganzen Vaterlande beliebte. Münzart wiederherstellen soll. Es handelt sich um ein notwendiges Verkehrsmittel für die kleinen Umsätze des täglichen Lebens, um das alte „Kassemännche", zwei gute Grvschenstück, 2Vi Silbergroschen gleich setzt 25 Pfennige. Von der Nattvendigleit der Vierteilung, der Münzeinheit, also der Mark, die in Verbindung mit der Vermehrung des Nickelgeldes bis zu dem gesetzlichen Betrage schon seit Jahren durch.die Presst und die Handelskammern usw. gefordert wurde, wird man sich hoffentlich bei den Behörden, auch bei der Reichsbank, überzeugen lassen.
♦ Haftung des Tierhalters. In der soeben erschienenen Nummer des „Rechts" (Hannover, Helwing) vom 25. März 1906 bekämpft Prof.
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