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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage; Illustrirtes SonntaasLlatt. —
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Jnseriionsgebühr: die gespaltene Zeile oder veren Raum 10 Pfg.
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Marburg
Sonnabend, 31. März 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnwersttätS-BUchdruckerei
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
41. Jabrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 80. März. Die Vorstandssitzung der Deutschen Kolonialgesellschaft findet in Königsberg i. Pr., am G. Juni d. I., dis Haupiver- sammlung ebendort am 7. Jtmi statt.
Berlin, 29. März. Bei dem Hilfsausschutz für die russischen Deutschen gingen bis zum 21. März insgesamt 527 443,75 M ein.
Berlin, 30. März. Auf Anregung der christlichen Arbeitervarbände tritt zu Ostern eine Abordnung deutscher Arbeiter eine auf vier bis fünf Wochen berechnete Studienreise durch die industriellen Gegenden Siidrußlands an. Neben den Vertretern der christlichen Verbände nehmen auch Vertreter der Hirsch-Dunckerschen Vereine, der Gesellschaft für soziale Reform und der Zentralstelle des Volksvereins für das kath. Deutschland daran teil. Die Führung werden Direktor Brandts (M.-Gladbach) und Schiffers (Düsseldorf), der Vorsitzende des christlichen Textilarbei- ler-Verbandes, übernehmen. Die Kosten tragen die Vereine.
Esten, 29. März. Der christliche Arbeiterkongretz Deutschlands wird in diesem Jahre nicht stattfinden. Derselbe ist bis zum nächsten Jahre verschoben worden.
Meiningen, 30. März. Zum 80. Gekntrts- tag des Herzogs Georg II. haben sich der nwi- ningische Staatsminister Frhr. v. Ziller und Oberbürgermeister Schüler von Meiningen nach Ltap Martin begeben, um dem Herzog, der dort augenblicklich weilt, die durch freiwillige Gaben aufgebrachte Gcburtstagsspmde seiner Meininger zu überreichen. Die Spende, die wohltätigen Zwecken dienen soll, beträgt annähernd 130 000 Mark.
Paris, 29. März. Im heutigen Ministerrat legte der Minister des Äeutzeren Bourgeois den Stand der Arbeiten auf der .Konferenz von Algeciras dar. Der Ministerpräsident und Justiz- »ninister Sarnen erörterte die Untersuchungen und Prozesse gegen die Militärfeinde und teilte mit, datz die gerichtlichen Verfahren in normaler Weise ihren Fortgang nehmen Iverden. Der Ministerrat beschlotz sodann, für die nächste Woche die Deratnng der Reform der Kriegsgerichte in der Kammer zu akzeptieren.
London, 29. März. Wie „Daily Telegr." aus Tokio meldet, vollzog sich im Unterbause die cndgiltigc Annahme des Gesetzes betreffend die Verstaatlichung der Eisenbahnen am 28. März unter großer Unordnung. Es kam zu einer Prügelei zwischen den Parlamentsmitgliedern, so datz Polizei gerufen werden mutzte, um die Ordnung wieder herzustellcn.
9 (Nachdruck verboten.)
An der dänischen Grenze.
Roman von Dietrich Theden.
(Fortsetzung.)
3. Kapitel.
Zu Beginn der Erntezeit traf vom Landratsamt ein Schreiben ein, durch das die Wahl Tofohrs bestätigt wurde. Aber nun war überall vom frühen Morgen bis zum späten Abend zu tun, und die Nachricht, die ohnehin jeder voraus- gesehen hatte, wurde von den Parteien gleichmütig hingenommen.
Nur der Hoyerhofer stattete Tofohr gelegentlich einen kurzen Besuch ab und erfuhr hierbei, daß der junge Ocko Sti'ir aus seiner Garnison Fürstenwalde eine Ansichtskarte an den neuen Gemeindevorsteher gerichtet und ihm gratuliert hatte.
Das war für Tofohr eine Ueberraschung gewesen und war es auch für Behrend. Aber zu einer Aussprache, wie jeder sich die Sache deutete, kam es nicht.
Die Ernte war übergut, fast reich. Und als sie eingesahrcn war, erscholl auf den großen Kennen der Dreschertakt.
Und dann kam mit Macht der Herbst. Die Mastochsen wurden verkauft, die Kühe in die Ställe geholt und über die kahlen Felder zog schneidend kalt und brausend ein früher Oktober- e sturm.
Und mit dem Herbste kam aus Fürsien.vcilde der Erbe vom Stürhofe wieder in die einsame Küstenheimat, kletterte am väterlichen Hofe zuerst den hohen Deich hinan und schaute mit glänzenden Augen weithin über das wetternde, schäumende Meer. Und ging dann erst, die ihm nächste» Menschen der Heimat zu begrüßen, den Later, die Schwester.
Die landwirtschaftlich genutzte Fioei- kommWäche in Preußen 1903.
Eine unmittelbare Auskunft darüber, welcher Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche Preußens fwei- kommissarisch gebunden ist, gibt die amtliche preußische Fideikommißstatistik, die lediglich zwischen Fideikommiß- bcsitz überhaupt und fideikominisiarisch gebundenen Waldungen unterscheidet, nicht. Indes ist zu berücksichtigen, daß ein Hauptuntcrschied zwischen dem Fidci- kommiß- und dem sonstigen Grundbesitze in der verhältnismäßig viel stärkeren Bewaldung des ersteren besteht. Scheidet man nun sowohl bei der Gcsamt- wie bei der Fideikommißfläche die zugehörigen Waldungen aus, so dienen von den auf beiden Seiten verbleibenden Flächenbeständen nicht sehrerheblich voneinander abweichende Bruchteile landwirtschaftlichen Zwecken und kann man bei Gegenüberstellung der nicht aus Wald bestehenden Fideikommißfläche und der Gesamtfläche ohne deren Waldungen einigermaßen zuverlässige Schlüffe auf das Mindestmaß des landwirtschaftlich genutzten Fidcikommißgeländes ziehen.
Ende 1903 betrug nach der „Etat. Storr." die
Fideikommißfläche •
H’-'
mit
ohne
Wald
Wald
int Hundertteile der
Reg.-
Gesamtfläche
brz.
mit
ohne
Wald
Wald
Königsberg
6,9
5,8
Gumbinnen
1,2
0,9
Allcnflein
0,9
0,7
Danzig
1,6
1,0
Marienwerd.
4,7
3,4
Stadt Berlin
—
Potsdam
8.0
68
Frankfurt
7.9
4.8
Stettin
62
5,7
Köslin
45
3.5
Stralsund
20,7
19,8
Bosen
7,2
5,5
Bromberg
3.5
2,9
Breslau
15,1
10.6
Liegnitz
9,4
4,7
Oppeln
19,9
11,0
Magdebirrg
6,2
4,4
Merseburg
4,2
3,2
Erfurt
2,5
2.4
mit ohne Wald Wald im Hundertteile der
Reg.» Gesamtfläche bez. mit ohne Wald Wald
Schleswig
7,6
6,5
Hannover
1,6
14
Hildesheim
2,9
2,8
Lüneburg
1,8
0,9
Stade
0,9
0.7
Osnabrück
2.7
1.2
Aurich
3.0
2,8
"lünfler
8,0
5,5
Minden
7.4
4,2
Arnsberg
7,6
3,1
Cassel
6,1
3,3
Wiesbaden
2,7
24
Koblenz
3,9
2,0
Düsseldorf
4.4
3,2
Köln
2,6
1,9
Trier
1,1
0,4
Aachen
1,8
0,7
Sigmaring.
16,3
5,4
im Staate
63
4.4
Nimmt hiernach im Gesamtstaate die Fideikommißfläche überhaupt gerade ein Sechzehntel der ganzen Staatsflächc ein, so sinkt dieser Anteil, wenn man hier wie da die Waldungen nicht mitberücksichtigt, auf unter ein Zwanzigstel herab. Auch in sämtlichen einzelnen LmidcStcilen erscheint nach obiger Zusammenstellung infolge des Waldreichtums der Fideikommiffe deren Ausdehnung bei Ausscheidung der Forsten verhältnismäßig geringer als bei deren Einbeziehung. Da, wo die Fideikommiffe besonders viel Wald enthalten, sind sie mit diesem häufig um ein mehrfaches stärker an der ganzen Fläche des betreffenden Gebietes beteiligt als ohne ihn an der nicht aus Waldungen bestehenden Gesamtfläche, so vor allem in den Hohenzollernschen Landen, aber auch in den Regierungsbezirken Liegnitz, Lüneburg, Osnabrück, Arnsberg, Trier und Aachen. Umgekehrt sind die Unterschiede da, wo die Fideikom-
Verbliifft, wie angewurzelt stand der Sttir- hofer. Das mar--war--fein Sohn?
schien der erstarrende Blick unter den ergrauten, buschigen Brauen staunend zu fragen. Der freie, gerade, kernhaste Bursche, der halt- und willenlose Muttersohn von ehemals? Es schwebte keine Spur von Genugtuung in den harten Zügen des Alten: nur die darin erschreckendeAhnung bebte darin, daß sich die Seele des jungen Menschen freigerungen und er in ihm das gefügige Werkzeug für immer verloren haben könne.
Mt echtem Jubel kam dagegen aus den Wirtschaftsräumen die Schwester herbei. .
„Ocko — Ocko!"
Sie umarmte ibn stürmisch und konnte ihrer Freude nicht genug tun. datz er sich so überraschend zu seinem Vorteile verändert hatte.
„Wie ist das nur möglich, Ocko! Bloß möglich!"
Er lachte übermütig.
„Ja, guck nur! Ich bin auch in ’ner Pension gewesen, grad ww Du, Karen. Aber in noch ’ner bessern!"
„So," knurrte der Dauer. „Pension? Haha!"
Ein Lachen erstickte ihm. Herrisch trat er auf den Sohn zu.
„Das ist jetzt vorbei!" sagte er rauh. „Wenn Dirs gefallen hat — es ist gut, aber ich wills nicht hören! Was Du erlebt hast, — behalt's für Dich! Hier bist Du kein Ulan mehr, kein Nichtstuer — hier heißt's arbeiten!"
„Aber, Vater —"
<wlfs Maul, sag' ich. Schön glatt geleckt bist', en Geck bist' geworden! Hat Haare unter der Nase, wie — hochgewichst wie--wie —l
Aber ich werd' Dich wieder einrenken. Ich werd' Dir die Ulanenschrullen austreiben, wieder ’n brauchbaren Menschen aus Dir machen!"
«Der bin ich geworden, Vater."
mißbcwaldung nicht gerade bedeutend ist, zumeist verhältnismäßig unerheblich, so in den Bezirken Stralsund, Schleswig, Hannover, Stade und Aurich.
Mit ziemlicher Sicherheit läßt sich nun aus obcrr- stehcnder llebcrsicht folgern, daß der Anteil der Fideikommisse an der landwirtschaftlich genutzten Gesamtfläche erst in drei Regierungsbezirken, Breslau. Oppeln und Stralsund, mindestens ein Zehntel, im Be- zirkzirk Stralsund allerdings nahezu schon ein Fünftel, anderseits in den Bezirken Trier, Allenstein, Stade, Aaen, Gumbinnen und Lüneburg noch nicht oder nicht viel über ein Hundertstel beträgt und jedenfalls auch im Gesamtstaate ein Zwanzigstel nicht übersteigt, im allgemeinen also noch verhältnismäßig gering ist.
Die Konferenz in Alaeciras.
Algeciras, 28. März. Der Nedaktionsausschuß trat heute Nachmittag os/2 Uhr zusammen, bo- endete die Beratung der Erklärungen über die Steuern und begann die Erörterung des Reglements über den Waffenschmuggel und des Reglements über den Schmuggel überhaupt, um gewisse Widerspräche in Einklang zu bringen. Die marokkanischen Vertreter fuhren fort, wie sie es schon am Vormittag getan hatten, allerlei Einwände zu erheben.' Während dieser Sitzung des Komitees versammelten sich die ersten Delegierten der Mächte bei dem Herzog von Almodovar und schritten zu der Prüfling der noch zu voll- bringenden Arbeiten. Sie drückten den Wunsch aus, daß tiefe Arbeiten wenn möglich, am nächsten Samstag beendet fein möchten, sodaß im Laufe ter nächsten Wollte das Protokoll zur Schluß- Unterzeichnung vorbereitet werden könnte, die in diesem Falle gegen den 8. April erfolgen wurde
Algeciras, 29. April. Heute Vormittag beriet die Kommission die in enger Wechselwirkung stehenden Fragen des Zollzuschlags und der Spe- zialkasse, in welche die Mehrerträge abzuführen sind, deren Verwendung zur Ausführung öfsent- kicher Verbesserungen. sowie schließlich die Vergebung von Konzessionen und Staatsaufträgen. Es gelang noch nicht, die Opposition der Marokkaner dagegen, datz die Mehrerträge unter europäischer Aufsicht verwendet werden sollen, zu überwinden. Sie zeigen Enttäuschung darüber, daß ihnen die neuen Einkünfte, d. h. das, was sie von der Konferenz erwartet haben, nicht zur freien Verwendung überlassen toerben sollen. Heute Nachmittag findet gleichfalls eine Kommissionssitzung statt.
Köln, 29. März. (W. B.) Der „Köln. Zig." wird aus Algeciras vom 29. ds. telegraphiert: In der Frage der Verteilung der Häfen für die Polizei-Inspekteure ist bereits auf der Grundlage eines russischen Vorschlags eine grundsätzlich-' Einigung erzielt worden. Darnach stellt Frankreich angeblich für 4 und Spanien für 3 Häfen die In-
„Was? — was, was? 'n eingebildeter Aff' bist Du geworden! Was — noch die Sporen an den Beinen? Himmeldonner! Aber weg damit! Meine Gaule sind keine Schindmähren unC der Stürhos ist keine Kaserne! Weg damst!"
Auf dem frischen, ausdrucksvollen Gesichte Ocko Stürs stand?u lesen, wie sehr ibn der Empfang durch den Vater enttäuschte. Aber neben den Empfindungen des Zweifelns und der jähen Trauer fbiegelte cs auch die der Entrüstung und des entschlossenen Auflehnens wieder.
„Ich hab' mir das Wiedersehen anders aus- gemalt, Vater," warf er beherrscht hin.
„Mal', was Du willst!" fauchte der Alte. „Geb auf Deine Stube und nimm die Dinger ab!"
„Tu's doch!" raunte ihm die aus der Freude unvermittelt aufgeschreckte Schwester bittend zu.
„Nein!" entgegnete der Bruder entschieden, und fing gerade und fest den zornfunkelnden Blick des Alten auf. „Vater, ich komme anders wieder, als ich einmal war. Und es mutz gleich von der Seele herunter: ich war auch damals nicht, wie Du mich glaubteft. Ich bin Dir gefolgt, und doch meine eigenen Wege gegangen, unbewußt, halb im Traum — unsicher und taumelnd, aber doch endlich zum Ziel, Vater — zu meinem Glück —"
„Ja, das Mundwerk hast Du aufmachen gelernt — das geht ja wie geschmiert —"
„Endlich zum Ziel, Vater. Ich kannt's nicht, aber ich wollte es suchen. Und drüben, im Däni- schen, da ist es allmählich über mich gekommen, daß ich sehen lernte. Ich habe mich verachtet, daß ich mich so jämmerlich hatte fortschieben lassen, ein markloser Schwächling. Und da hab' ich's gewußt, was mir fehlte: Kraft, und was ich suchen mußte: Kraft, Vater —“
„Straft! Kraft!" äffte der Bauer aufgebracht.
strukteure. Tanger, so heißt es, erhält gemischt« Polizei.
Rom, 29. März. (W. B.) Bei Besprechung des Ergebnisses der Konferenz schreibt die „Tribuna", die Bedeutung der Bereinbarung besteh« darin, daß einerseits die von Deutschland von vornherein prinzipiell anerkannte Stellung Frank- reichs in Marokko mit Rücksicht auf die weite Ausdehnung der algerischen Grenze von ganz Europa und den Vereinigten Staaten anerkannt wurde, daß zugleich aber auch offiziell und allgemein anerkannt wurde, daß die marokkanischeAngelegen- heit durchaus eine internationale fei und daß die territoriale Integrität und Souveränität de) Sultans sowie die offene Tür unter Kontrolle und Garantie aller an der Konferenz teilnehmenden Mächte zu stellen seien.
Algeciras, 29. März. (W. B.) In der heutigen Plenarsitzung wurde eine Reihe von Einzel- beftimmungicu des Zollreglements, darunter die Frage der Zolleinnahmen geprüft und der Kommission zur Formulierung bestimmter Vorschläge überwiesen. Die Frage der Adjudikation der öffentlichen Arbeiten wurde in Angriff genommen. Jnbczug auf die Frage der Bankzensoren erfolgte eine Einigung dahin, daß je ein Zensor von Deutschland, England, Frankreich und Spanien ernannt werden soll.
Rom, 30. März. Die „Italic" erklärt, durch das Konferenzergebnis in Algeciras sei die Würde Deutschlands wie Frankreichs gleichmäßig gewahrt worden. Das „Giornale d'Jtalia" verzeichnet allseifige Befriedigung. Es gebe weder Sieger noch Besiegte. Der „Esercito Jtaliano" schreibt, Deutschland habe in Algeciras semHauPt- ziel erreicht, nämlich in absoluter Weise die Tuni- sierung Marokkos seitens Frankreichs zu ver- hindern.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. März.
Seine Majestät der Kaiser besuchte gestern Donnerstag Morgen den Reichskanzler Fürsten Bülow, besichtigte später im Neuen Königlichen Opernthcat-r in Gegenwart des Chefs des Zivilkabinetts und de« Geheimen Oberbaurats v. Ihne Entwürfe für ein neues Opernhaus zu Berlin und hörte dann den Vortrag des Kriegsministers sowie den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts.
— Das Befinden der Prinzessin Eitel Friedrich läßt noch immer zu wünschen übrig. Die Patientin, die sich am Einholungstage stark erkältet hat, darf auf ärztliche Anordnung das Bett noch nicht verlassen. Wenn auch von irgendwelcher Gefahr nicht die Rede ist, so bedarf sie doch eine Zeitlang der Bettruhe. Der Prinz weilt fast ständig am Lager seiner Gemahlin.
— Der Großherzog und die Großherzogin von Baben werden sich in den ersten Tagen des April wiederum nach dem Süden begeben und einen St»
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„Und ich habe mich verachtet, daß ich noch nicht nachgedacht babe, ob Du im Rechte warft mit Deinen Lehren, Deinem Lieben und Hassen, ober ob Du selbst auf falschen Wegen gingst, selbst nicht hattest, wonach ich vergebens rang: Klarheit! Wahrheit! Und damit Du siehst, daß ich sie gefunden hab', sie alle drei, Vater, ja, darum muß es klar und wahr iverbgn auch zwischen uns von dieser ersten Stunde an —"
„Was, willst Du Lümmel mir gar Vorschriften machen?" unterbrach ihn Sven Stür fast schreiend.
„Laß mich aussprechen, S3ater,"_ bat der Sohn. „Und ein Bekenntnis, das will ich gleich machen. Di, hast mich nicht zum Besuche gerufen damals-, aber ich bin gekommen. Und dann haben sie mich geholt. Nein, sie haben mich — nicht geholt. Ich bin — freiwillig gegangen —"
Der Bauer sprang von seinem Sitze, den ec eingenommen hatte, auf.
„Bist Du verrückt?" donnerte er.
„Ich sage die Wahrheit, Vater. Ich habe dem Landrat angezeigt, was ich vorhatte, und ihn g» beten, mir durch Zwang zu helfen —"
„Elender!"
Sven Stür hob drohend die Faust.
Aber der Sprecher blieb gefaßt.
„Der Bries ist mein Talisman gewesen, Vater. Der Landrat hat ihn an meinen Rittmeister gesandt, und der hat sich meiner angenommen. Gottlob, ich war kein „Unsicherer", kein Gezeichneter, ich hatte den Makel selbst abgestoßen. Ma» hätte mir auch die Schnüre noch gegeben, wenn ich darum gebeten hätte. Aber ich bat nicht; ich war zufrieden mit den drei Jahren, und ich habe es nicht bereut. Vater, ich danke Dir, daß Da mich fo reich unterstützt haft."
(Fortsetzung folgt.)