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Nacht, wobei Len Torpedoboien eine besonders wichtige Rolle zugeteilt ist. Die Tätigkeit der Flotte wird nur durch die Sonn- und Feiertage unterbrochen, woraus zu ersehen ist, daß hohe Slnfotcerugcn an das Personal gestellt werden. Tie Gefechtsübungen sollen die Offi­ziere und Mannschaften auf die wichtigste Vorstellung des ganzen Jahres, auf die GefechtLbesichtigui^, vor­bereiten, die schiffsweise zwischen dem 9. und 20. Juni in der Kieler Bucht stattfindet. Mit dem Beginn der Kieler Woche" am 20. Juni tritt eine kurze Ruhe­pause ein; in dieser Zeit werden Schiff und Maschine zu erneuter Tätigkeit instand gesetzt.

Tcutschrr Reichstag.

4- Berlin, 28. März.

Präsident Graf Ballcstrem eröffnet die Sitzung und teilt mit, daß ein Schreiben des ALg. Fusangel (Ctr.) cingegangen sei, worin dieser erklärt, er habe bc! der Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen sich beantragt unter Verzicht auf seine Abgeordneten- immunität, wenn der Reichstag damit einverstanden sei. Tas Schreiben tmrd der Geschäftsordnungskorn- miffion zur werteren Behandlung überwiesen.

Auf der Tagesordnung stehen zunächst zahlreiche Wahlprüfungen.

Tie Dahl des Abg. Weffel (ttl.) beantragt die Wahlprüfungskommiffion für gültig zu erklären.

Tas Haus beschließt demgemäß.

Tesgleichen werden nach den Kommisfionsbe- schlüffen für gültig erklärt die Wahlen der Abgg. Rettich (kons.), Frhr. v. Hodcnberg (Welfe), v. Kardorf (Rp.)

Beweiserhebungen beschließt das Haus zu den Wahlen der Abgg. Dr. Wallau (nl.), Prüschcnk v. Lindenhofen (91p.) und Hagemann (nl.)

Bei der Wahl des Abg. ZimerMaun (dsch. Reform- Partei) beantragt die Kommission Gültigkeitserklärung.

Nach längerer Erörterung nahm das Haus einen Antrag des Abg. Gröber (Ctr.) an, die Wahl an die Rcmtniffion zurückzuverweisen. Bei der Wahl des Abg. Raab (wirtsch. Vgg.) wurde Beweiserhebung beschlossen. Abweichend von dem Anträge der Kom- eriffion, die Beweiserhebung vorschlug, beschloß das Haus die Wahl des Abg. Scherer (Np.) für gültig zu erklären. Tie Wahl des Abg. Bafsermann (nl.) wurde nach kurzer Erörterung für gültig erklärt.

Darauf begann das Haus die zweite Lesung des Marineetats und erledigte nach Erörterung die all­gemeine Erörterung Beim TitelGehalt des Staats- fekretärs". Mit Rücksicht auf die günstige Besetzung bes Hauses wurde nunmehr erst die namentliche Ab­stimmung über den Antrag Ablaß (Einführung einer ReichSvermögenssteuer zur Deckung der Kosten dcr neuen Flottenvorlagc) wiederholt. Der Antrag wurde mit 142 gegn 67 Stirnen bei 3 Stimmcncnthaltungen abgelehnt.

Das Flottengesetz wird in zweiter Lesung ange- nommen.

Donnerstag 1 Uhr: Fortsetzung der Etatsberatung.

Preußischer Landtag. Herrenhaus.

Berlin, 28. März.

Im Herrenhause begann am Mittwoch Bei gutem Sefudje die Etatsberatung. Nach einem längeren Be­richt des Grafen v. Kayserlingk über die Kommissions­beratung lenkte Graf Königsmark die Erörterung auf die starke steuerliche Belastung der kleinen Städte und des platten Landes, namentlich im Osten. Dem Be­dauern über diese Verhältniffe schloß sich Graf Mir­bach an, der zugleich mißbilligte, daß der Zusammen- . schluß der bürgerlichen Parteien gegen die Sozial­demokratie nicht überall durchgeführt sei. Weitere Bemerkungen des Redners veranlaßten den Finanz­minister Frhr. v. Rheirrbaben zu dem Eingeständnis, die Steuerverhältnisse im Osten seien in der Tat be­drückend und die Regierung sinne auf neue Abhilfs- mittel. Eine Reichsvermögensstcuer werde die Zu­stimmung des Bundesrats nicht finden. Die jetzt vom Bundesräte vorgeschlagene Erbschaftssteuer aber er­scheine erträglich. Während Dr. v. Burgsdorff im Kampfe gegen die Sozialdemokratie eine stärkere Ini­tiative der Staatsanwaltschaften befürwortete, hielt Herzog von Drachenberg den Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien für genügend. Damit schloß die Generaldiskussion.

Donnerstag 11 Uhr: Fortsetzung.

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Die Konferenz in Algeciras.

Algeciras, 27. März. (Agence Havas.) Das Hotel Reina Christina war während des ganzen heutigen Tages der Schauplatz großer Erregt­heit. Man zweifelt nicht, daß das heute Vormit­tag über den Text betreffend die Polizeiinspektion getroffene Uebereinkommen von der Konferenz angenommen und von den Regierungen ratifiziert werden wirb. Die gestern mit der Absicht vorge­legten Amendements der Oesterreicher, eine Ver­söhnung in den deutschen und den französischen Gesichtspunkten herbeizuführen, stießen noch auf Schwierigkeiten. Deshalb ergriff die amerika­nische Delegation die Initiative zur Abfassung eines neuen Textes, der für Deutschland und Frankreich annehmbar sein könnte, und trug Sorge, ihn, bevor sie ihn dem Redaktionsaus- schusse vorlegte, durch * die vornehmsten Delega­tionen annehmen zu lassen. Nach dem Früh­stück im Hotel Reina Christina schienen die Dele­gierten von Versöhnung und Eintracht erfüllt. Indessen bleiben noch Schwierigkeiten zu regeln. Die erste besteht darin, daß die Abmachung der Konferenz unterbreitet werden muß; allerdings wird nicht bezweifelt, daß sie angenommen werden wird. Sodann muß man sich vor Augen halten, daß in der Bonkangelegenheit noch zu regeln bleibt die Frage der Zensoren; ferner bleibt in dem Polizeivrosekte noch die Frage wegen der Verteilung der Häfen übrig.

Akgrrirns, 28. März. (Havas.) Heber die gestrige Nachmittagssilnmg der Konferenz tverden «och folgende Einzecheiten gemeldet: Das Polizei­projekt setzt die Taner von fünf Fahren vom Tage der Ratifikation ab fest. Revoil hatte in dem srcrnzösi'chen Entwürfe drei Jahre borge» lchiagen, machte aber heute die Zeitdauer von den Instruktionen seiner Regierung abhängig. Der englische Delegierte Nicolson schlug vor, daß der Jnspeüeir ein Schweizer sein soll, daß dieses

Land am unparteiischsten sei und weil es weder Schiffahrt?- noch große Handelsinteressen zu Marokko und dort feinen Vertreter habe. Er machte weiter den Vorschlag, daß die auf der Konferenz vertretenen Mächte sich an die Bundes- regierungcn mit der Bitte wenden sollten, einen Offizier für diesen Posten zu designieren. Graf WelserAheimd wünschte dagegen, daß der Sultan von Marokko entscheiden solle, ob dieser Offizier Holländer oder Schweizer fein solle. Der hollän­dische Delegierte sprach dem Antragsteller seinen Dank aus, erklärte aber, daß die niederländische Regierung keineswgs darauf bestehe, diesen Offi­zier zu stellen. Es wurde schließlich beschlossen, daß die Delegierten hierüber an ihre Regierungen berichten sollen.

Der LondonerStandard" schreibt: Der Tramn dcr französischen Imperialisten, Marokko mit Al­gier 311 vereinigen, würde gefährlicher in der Aus- führung gewesen sein, als es den Kolonialschwär- mern in Paris erschien. Tie Eroberung Marok­kos würde mehr gekostet haben als die Eroberung Algiers., Der Reichtum und die Manneskraft Frankreichs würden dabei stark in Anspruch ge­nommen worden zu einer Zeit, da Frankreich alle seine Kraft au der Grenze nötig hat. Nun aber kann sich Frankreich der friedlichen Entwicklung der Vorteile, die es schon in Marokko errungen hat, widmen; es wird seine große kommerzielle Stellung zweifellos verbessern. Am Ende ge­winnt Frankreich vielleicht durch die Jnterven- tion Europas. Der deutsche Kaiser wfrd die selbstlose Befriedigung empfinden, dem franzö- schen Volke eine dauernde Wohltat erwiesen z» haben.

Daily Chronicle" schreibt: Wenn Frankreich mit dem Abkommen zufrieden ist, dann ist es auch Großbritannien. Auch dem englischen Publikum ist es angenehm, daß der englische Vertreter in Algeciras übereinstimmend mit Sir Edwards Greys Instruktionen eine beständige und, wie wir hoffen, nicht ganz unwirksame Unterstützung ge­währte.

Deutsche Kosgmen.

Südtvrstafrika. Oberst Dame meldet aus Warmbad: In den Bergen nordöstlich der Linie Pelladrift-Hansdrift befinden sich feine stärkeren feindlichen Kräfte mehr, hingegen führen zahl­reiche Spuren kleinerer Trupps durch das zer­klüftete Gelände nach Osten. Am 21. März wurde eine Pferdewache bei Jerusalem von etwa 39 Hottentotten angegriffen; es fielen hierbei ein Unteroffizier und drei Reiter, ein Reiter wurde leicht verwundet, 15 Pferde wurden abgetrieben. Major v. Estorfs hat die Verfolgung der Hotten­totten mit allen verfügbaren Truppen ausge­nommen. Er erreichte mit den vordersten Teilen am 24. März die Linie Stolzenfels-Ukamas. Es wurden angesetzt: die Abteilung des Majors Tändler (2., 8. und 9. Komp, des Regts. 2, 3. Ers.-Komp., 1/3 9. Batterie, 2 Masch.-Gew.) auf Stolzenfels, die Abteilung des Hauptmanns Heuck (1., 2., 11. Komp. Regts. 1, 1/3 9. Batterie) auf Jerusalem-Blydeverwacht, unter Belassung der 1. Komp. des Regts. 1 in Ondermaitja, die Ab­teilung des Hauptmanns Rappord (7. Komp. Reyts. 2, 1. Etappenkompagnie, 7. Batterie) auf Ariams-Gaputs, die Abteilung des Hauptmanns Hornhardt (3. Komp. Regts. 2, 2/5 2. Batterie, 2 Masch.-Gew.) auf Udabei, während die 1. Komp. Regts. 2 in Harb (nordwestl. Warmbad), 1/2 8. Batt, in Gabis auf Viehposten verblieben, di« Abtestung des Hauptmanns Erckert (10., 11., 12. Komp. Regts. 2, 3/5 2. Batt., 1/2 8. Batterie, 2 Masch.-Gew.) bleibt am Oranje in Linie Ra- mansdrift-Pelladrift und sichert die Etappen- slraße Ramansdrift-Warmbad. Die in Eng- lifckj-Ramansdrist gesammelten Flüchtlinge sind durch die englische Kap-Polizei nach Steinkops (50 Kilometer südlich des Oranje) abtranspor- tiert worden.

Anssllnd.

Frankreich. Im Departement Calvados wird gegenwärtig ein von dem royalistischen General- rat d'Arthenay unterzeichneter Anschlagszettel massenhaft berbrehet, in welchem es heißt, daß die Regierung große Summen für die Wahlen brauche. Tie jüdischen Bankiers hätten sich be­reit erklärt, das Geld vorzustrecken, jedoch ein Pfand verlangt. Die Regierung habe ihnen deshalb die in den Kirchen befindlichen Kostbar- Feiten und Kunstgegenstände als Pfand angebo­ten und zu diesem Zwecke seien die Kircheninven­taraufnahmen veranstaltet worden. Dieser An- schlagszettel rief unter der ländlichen Bevölkerung eine lebhafte Erregung hervor. In Montre- gard (Dep. Haute-Loire) wurde der Landwirt Regis beerdigt, der seinen vor mehreren Wochen bei einer Kirck-eninvcntur erlittenen Verletzungen erlegen war. An der Leichenfeier, bei der heftige Reden gegen das Trennungsgesetz und die Re­gierung gehalten wurden, nahmen etwa 1000 mit Heugabeln bewaffnete Bauern teil.

Marburg und Umgee-eub.

(Nvchdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts mir mit der deutlichen Quellenangabe Obcrheff. Ztg." gestattet)

Stadtvrrvrdncteusitznnz

§ Marburg, 28. März.

Heute Nachmittag um 5 Uhr fand wieder eine Stadtverordnctcnsitzung statt, in der die Beratung des Stadthaushaltsetats fortgesetzt wurde.

Bei Titel Schulneubaufonds unter Ausgabe im Ertreordinarium wurde der Kommissionsantrag an- gerwmmen, 10 400 dH und 19 000 dH zur Bildung eines Schulbaufonds einzustellen. Der Annahme des Antrages gingen Erörterungen über die in der Korn, «issionsfitzung hierüber gepflogenen Verhandlungen

voraus. Zur Beschaffung dcr Kosten für die neue Bürgerschule ist eine Summe von 215 000 Mark ein­gestellt. Für den dort notwendig werdenden Bau einer Turnhalle kommt noch eine Spezialvorlage.

Bei Titel Unterhaltung der Neubaustraßen regte Stadtv. Schäfer die Pflasterung der Casselerstraße an, Worauf ihm der Oberbürgermeister in länge­ren Ausführungen erwiderte, daß dies jetzt aus ver­schiedenen Gründen nicht angängig sei. Stadt­verordneter Stroinsky regt an, ob cs nicht angängig sei, eine kleine Strecke des Bürgersteigs dcr gort« setznng der Biegenstraßc in der Richtung nach der Elisabcthstratze hin, mit Plättchen zu belegen. Ter Oberbürgermeister erwiderte, daß dann wieder neue Kosten entständen, welche die Anlieger früher oder später bezahlen müßten. Ter Antrag wurde dann nach Formulierung und genauer Bezeichnung der Bctr. Straßen angenommen.

Bei Titel Pflasterung der WSrthstraße erwähnte Stadtv. Schäfer, daß man solche Nebenstraßen im In­te reffe der Anlieger, die die Sache schließlich Bezahlen und die Mieten verteuern müßten, doch nicht gleich so teuer pflastern solle. Auch der Stadtv. Stroinsky schloß sich dieser Meinung an, worauf ihm der OBcr- bürgermcister dem Sinne nach erwiderte, daß hier eigentlich die Wertzuwachssteuer in Kraft trete. Wer an diesen Straßen den großen Gewinn durch die Ver­äußerung der Gärten zu Bauplätzen einheimse, möge auch Bezahlen, eine Pflasterung halte übrigens be­deutend länger als die Chaussierung. Stadtv. Eichel­berg beantragt sog. Kleinpflaster für die stillen Stra­ßen, während Stadtv. Storck wieder für richtige Pflasterung war. Stadtv. Schäfer roieS in längerer Rede als Entgegnung auf die Worte des Oberbürger­meisters darauf hin, das? diejenigen, welche die Kosten der Pflasterung bezahtten, »whl kaum die ehemaligen Besitzer des Grund und Bodens, die die großen 61e= winuste eingeheimst hätten, feien, sondern die Nach­folger, die gegenwärtigen Hausbesitzer, die schwer ge­troffen würden. (Sehr richtig). Wer den Gewinn in die Tasche stecke, bezahle nichts. Die Mieter zögen schon gern an chauffierte Straßen, wenn sie ettvas billiger wohnen könnten. (Stimmt). Der Antrag des Stadtv. Eichelberg, den Fahrdamm mit Klein- pflastcr und den Bürgersteig mit Zementplättchen zu machen, fand dann Annahme.

Weiter wurde angeregt, die Rikolaistraße mit bes­serem Pflaster zu versehen und auch die Treppen­stufen des Verbindungswegs zur Ritterstraße, das sog. Vebelsgäßchen, in Stand zu setzen. Man war da­mit einverstanden.

Weiter soll der Bürgersteig am Wehrbaerweg in Stand gesetzt werden. Hierüber gabs eine längere Debatte? da der Oberbürgermeister hierzu eine Er­klärung abgab, weshalb dort die Genehmigung zum Bauen nicht gegeben werden könne, weil dort die Ka­nalisation vorläufig noch nicht gemacht würde. Stadtv. Schäfer hielt es nicht für richtig, daß man den ge­ringen Leuten, die sich vor der Stadt in ihren Grund­stücken kleinere Häuser Bauen wollten, so hindernd in den Weg trete. Man möge ihnen doch das Bauen er­lauben. Auch Stadtv. Stroinsky schloß sich diesen Ausführungen, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, weil es sonst zu weit führen würde, an. U. a. beschloß man dann auch noch einen Betrag für die Instandsetzung des Bürgersteigs vor der Schützenpfuhl­brücke und den oberen Teil des Kaffwegg in den Etat ein, nachdem eine ganze Anzahl Redner hierzu in längeren Erörterungen ihre Meinung geäußert.

Ferner gabs eine lange Diskussion über die Pflasterung und Instandsetzung der Frankfurterstraße, wofür 80 000 Mark in den Etat eingestellt sind. Aus den Verhandlungen hierüber sei erwähnt, daß die An­lieger, die ja um die Instandsetzung der Straße peti­tioniert haben, die Kosten bezahlen müssen. Auch dar­über, ob im Zuge der Frankfurterstraße unterhalb des Kämpfrasens sämtliche Bäume durch Neupflan­zungen ersetzt werden müssen, war man geteilter An­sicht. Jedenfalls werden in diesem Jahre keine Bäume dort mehr gefällt, da erst im nächsten Jahre mit den Arbeiten dort begonnen werden kann. Der sich sehr lang ausdehnende Meinungsaustausch, in dem der Oberbürgermeister, sowie die Stadtv. Storck, Bcrdux, Rohde, Spörhase usw. ihrer Ansicht Ausdruck gaben, nahm man den Antrag an, vorerst 30 000 Mark ein» zustellen und demnächst eine Besichtigung abzuhalten.

Eine ähnliche Debatte entstand über die Frage der Instandsetzung des Krummbogens, die besonders der Stadtv. Bcrdux befürwortete. Stadtv. Stroinsky regte die Errichtung eines Stegs über die Lahn dort an, damit auch die zukünftige Schüler-Anlage bequem erreicht werden könne. Der Oberbürgermeister führte hierzu aus, daß die Wasserbaubehörde zu einem sol­chen Steg wohl die Zustimmung nicht geben würde. ES wurden hier die verschiedensten Vorschläge ge­macht, wie man einen guten und billigen Ucbergang dort bekäme. Sie alle ausführlich zu erörtern, ist zuviel. Stadtv. Brauer meinte, man möge noch ein paar Jahre warten und bann unter Hinzuziehung der Interessenten zu den Kosten eine feste Brücke bauen. Stadtv. Bcrdux betonte immer wieder die Versetzung des Krummbogens in einen menschenwürdigen Zu­stand, wozu der Oberbürgermeister meinte, daß eine Wegeregulierung eine halbe Million kosten würde. Nachdem man hierüber noch hin und her gesprochen, gab der Beigeordnete Reg.-Baumeister Sardcmann Auskunft, daß der Magistrat einen Plan ausarbeiten und vorlegcn würde. Vorbehaltlich einer Spezial­vorlage beschloß man je 10 000 Mark für den Wcg und die Brücke einzustellen.

Es tarnen nun noch einige kleine Sachen zur Beratung und schließlich beschloß man, da es stark auf 9 Uhr ging, morgen nochmals eine Sitzung abzuhal­ten, um den Etat, dessen Hauptziffern wir schon früher nntgeteilt haben, cndgiltig unter Dach und Fach zu bringen.

Marburg, 29. März.

§ Städttisches. Der städtische Etat wird in dcr heute Abend stattfindenden Schlußsitzung end- glltig festgestellt.

* Universität. In Ergänzung unserer gestri­gen Mitteilung, daß Professor H e f f t e r in Bern den Ruf hierher als Direktor des pharma­kologischen Instituts angenommen habe, können wir heute noch mitteilen, daß Professor Heffter sein Lehramt zum 1. Oktober d. I. übernehmen wird.

Wie wir weiter erfahren, bet der Rechtslehrer an unserer Universität Professor Dr. Ernst H ey- mann einen an ihn ergangenen ehrenvollen Ruf an die Universität Breslau ab­lehnt, da er vorzieht, in Marburg zu bleiben. In akademischen Kreisen hot dieser Entschluß des beliebten Hochschullehrers, seinem Wirkungs­

kreise treu zu bleiben, besondere Befriedigung hev vorgerufen.

-t- 50jähriges Militär-Jubiläum. Am 3. April feiert unser in allen Kreisen Marburgs und lveit darüber hinaus verehrte Herr Musikmeister Noack den Tag, an dem vox 50 Jahren oll junger Musiker in das Rheinische Jägerbatailloit Nr. 8 in Wetzlar eingestellt wurde. 1862 absok vierte er sein Examen als Kapellmeister unter beni Generalmusikdirektor Wiprecht, nahm 1866 em dem Feldzuge teil und komponierte zu jener Zeih denLehm op Marsch". Der AusrufLehm op*< war das Feldgeschrei der beiden Truppenteile beti Bonner Husaren und Rheinischen Jäger itnöi Noack hat diese schöne Begrüßung beider Trup­penteile in diesem Marsch, der jetzt noch weit und' breit bekannt ist und immer von alten und jungem Lehm op" gern und mit Begeisterung gehört und! gesungen wird, feftgehalten. Bei der Formierung des neuen Hess. Jägerbataillons Nr. 11, die i» Wetzlar vollzogen wurde, war Noack dazu auscr- selten, die Kapellmeisterstelle zu übernehm«». Bei diesem Bataillon nahm er an den Feldzügen j 870/71 teil, wo er stets bemüht war, durch gute Musik für die Erheiterung dcr Jäger zu sorgen." Zahlreiche Angehörige des Bataillons erinnerni sich daran noch heute mit vielem Dank. Als danw das Jägerbataillon 1882 nach Hagenau verlegte wurde, nahm Herr Noack ans Gesundhcitsriicksich^ tcn seinen Abschied unter der wännsten Anerken- Hmtg, seiner Leistungen und Führung seitens ber. militärischen Vorgesetzten, und erteilte dann hier) nach eigener, erprobter Methode mit dem bestem^ Erfolge vielen hunderten jungen Marburgern! Musikunterricht. Er errichtete auch am hiesigen Kgl. Gymnasium einen Musikvercin, der bis vor einigen Jahren bestand und sich des Beifalls der! Eltern und Schüler erfreute. Im Vorstand Setz! Krieger- und Landwehrvereins war Herr Noack nicht weniger als 14 Jahre als Schriftführeri tätig und hat seinerzeit die Ziele des Vereins, auf dos Wärmste und Nachdrücklichste zu fördern, gesucht. Mit Stolz und Befriedigung darf daher- Herr Noack auf seine Dfilitärzeit und auf seines Wirksamkeit auf dem Gebiete der Musik zurück-' blicken. Auch wir sprechen Herrn Noack ton, ganzem Herzen nufere besten Glückwünsche zu fei«: nein Festtage aus und hoffen, daß es ihm noch! vergönnt ist, das 60jährige Jubiläum in gleicher' Rüstigkeit zu feiern.

§ Tex Getverbeverrin hält heute Abend 9 Uhr im vorderen Bopp'schen Lokal seine General,' Versammlung ab.

* Die letzte Feldpost im März geht von Europa am 31. März ab. Sie benutzt den an diese» Tage in See gehenden englischen Dampfer von Southampton nach Kapstadt. Dieser trifft dort ani 17. April ein. Ein unmittelbarer Anschluß' 3ur Weiterbeförderung dieser Feldpost nach L8- deritzbucht und Lwakopmund ist hier noch nicht bekannt. Falls sie nicht etwa inzwischen eine außerordentliche Gelegenheit durch einen Küsten­dampfer bieten sollte, wird die Feldpost mit eine« der beiden WoermanwDamPferEduard Boh­len" undAline Woermann" befördert, welche jetzt eine regelmäßige vierzehntägige Verbindung zwischen dem Kap und unserem Schutzgebiet un­terhalten. Die Feldpost geht dann am 25. April von Kapstadt ab und ist am 29. in Lüderihbucht. In Swakopmund trifft sie am 2. Mai ein. Diese Feldpost,. die zum Teil auf ausländische Bahnen und Schiffe angewiesen ist, befördert nur Feld- Postbriefe, Feldpostkarten und Feldpostanweisun- gen, die sämtlich beim Marinepostburcau in Ber­lin gesammelt werden. Von diesem werden sie am 30. März, vormittags y212 Uhr, von Lcr Stadtbahn abgeschickt. Feldposisendungen für diese Verbindung müssen also in Berlin und nach- ster Umgebung spätestens am 29., in entfern­teren Orten am 28. März zur Post gegeben werden.

§ Marburger Altertümer-Sammlung. Daß auch in den Kreisen der ländlichen Bewohner ein rcge3 Interesse für die Marburger Altertüinersammlung um sich greift, zeigen die mannigfachen Beiträge, bi; von Landbewohnern gestiftet werden. So find z. B. Herrn Landcsrcntmeistcr Stroinsky für die Samm­lung eine ganze Menge Altertümer, alte Waffen, Kugeln, Werkzeuge, Bücher usw. übergeben wdrden. Hoffentlich finden sich noch recht viele Stifter, die durch allerhand Altertümer, die am urechten Orte viel­leicht doch sonst verloren gehen, die Sammlung unter« stützen.

* Stadttheater. Die gestrige VolkSvorstel- lung, die das bekannte LustspielDoktor Klau s" von L'Arronge brachte, hatte, wie im­mer, ein volles Haus zu verzeichnen, das dem be- liebten, humorvollen Stück mit lebhafter Teil­nahme folgte und den einzelnen Darstellern star­ken Beifall zu teil werten ließ. Die Hauptrollen lagen in dm Händen der Herren Wittman t (Dr. Klaus), Mendel (Griesinger), Stcinmann (von Boden), Lippert (Kutscher Lubowski) und Lütt- johann (Ref. Gerstel) sowie der Damen Mauriee (Julie), Fischer (Marianne) und Schellenoarg (Emma). Die gestrige Vorstellung war im all­gemeinen recht annehmbar. Das Stück ist ja auch derart, daß geübte Schauspieler sich hier auf ver­trautem Boden fühlen. Eine unwirksame oder gar schlechte Aufführung desDoktor Klaus" ist so gut wie ausgeschlossen. Besonders hübsch spielte Herr Wittmann die Titelrolle und Herr Lippert gab die unverwüstliche Figur des Kutschers Lubowski mit bewährter Komik. Auch die übri- gen Darsteller zeigten sich ihrer Aufgabe gewach­sen. Die Regie ließ jedoch sehr zu wünschen übrig, namentlich die Zimmerausstattung hätte sorgfältiger sein dürfen.

§ Kreiskrirgcrverblmd. Die Dclegiertenvcr- sannnlung am nächsten Sonntag beginnt um 2 und nicht um 3 Uhr, wie gestern infolge eines Druckfehlers gemeldet wurde.-ch