mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntaasblatt.
M 74
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Reclamen: die 8cile 25 Bia.
Marburg
Donnerstag. 29. März 1906.
Erscheint wöchentlich lieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Rüg. Koch, UmbtisitätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon ob.
NeneKe Telegramme
Berlin, 28. März. Die Steuerkommission des Reichstags beriet gestern die Zigarettensteuer in zweiter Lesung. Die Debatte drehte sich von neuem fast ausschließlich um die Frage, ob die Banderolensteuer oder irie Zuschlagssteuer den Vorzug verdiene. Schließlich wurde wie früher die Banderolensteuer nach dem Anträge Held mit einigen Modifikasionen angenommen.
Berlin, 28. März. Süddeutsche Blätter kündigen den Rücktritt des Kultusministers Dr. Studt an. Wir halten die Meldung im Augenblick für verfrüht. Nach Erledigung des Schul- unterhaltungsgesetzes wird jedoch Herr Dr. Studt kaum mehr lange im Amte bleiben.
Berlin, 28. März. Dem Abgeordnetenhause ist die Denkschrift über die Entwickelung des Klein babnwesens zugegangen. — Das Befinden des Geh. Rats Paasche hat sich gebessert; er erscheint am Mittwoch wieder im Reichstage. — Auch die Konservativen beantragen, die Regierungsvorlage betr. Errichtung eines Reichskolo- nialamts wiederherzustellen.
.Kiel, 27. März. Es wird beabsichtigt, als dritten großen Kreuzer den modernisierten Kreuzer „Kaiserin Augusta" nach Ostasien zu entsenden. Da auch die „Niobe" nach Ostasien geht, werdeit dort drei große und ein kleiner Kreuzer, vier Kanonenboote, drei Flußkanonenboote, zwei Torpedoboote, insgesamt 13 Kriegsfahrzeuge, dauernd stationiert sein.
Wilhelmshaven, 28. März. Die hiesige Ma- rineveNvaltung wird in nächster Zeit zwei Funkenstationen in Betrieb nehmen, von denen die eine, die an der zweiten .Hafeneinfahrt eingerichtet ist, eine ständige drahtlose Verbindung mit Helgoland und Borkum, die andere einen direkten Verkehr mit der Ostseestation Kiel vermittelt.
Lens, 27. März. Die Bergleute nehmen in größerer Zahl die Arbeit wieder auf. Man glaubt, daß sich bei der Abstimmung die große Mehrheit gegen die Fortsetzung des Ausstandes ausspvechen wird. Die deutschen Rettunasmann- schgften, deren Tätigkeit beendigt ist, verabschiedeten sich beute früh von der Gesellschaft in Cour- rieres und kehren nach Deutschland zurück. Die Bergungsarbeiten werden von den französischen Rettungsmannschaften fortgesetzt.
Die Deutsche Reichshank und der (SHb^arft
Das soeben veröffentlichte Ergebnis des Zen- tral-Instituts ist in mancher Beziehung äußerst kehrreich. Das auf 180 Millionen Mark erhöhte Kapital, mit dem die Reichsbank in 1905 arbeitete, hat eine Erhöhung der Umsätze von 221,58 Milliarden Mark auf 251,26 Milliarden Mark gebracht, d. h. auf 30 Millionen Mark Dlehrkapi-
tal ist ein Mehrumsatz von 29,6 Milliarden Mk. erzielt worden, oder das neue werbende Kapital hat sich etwa 1000 Mal umgesetzt. Noch gimsti- ger hat allerdings das bisherige Kapital gearbeitet. Mit diesen Riesenumsätzen läßt das Zentral- Jnssitut jede andere Bank weiter hinter sich zurück, auch die Deutsche Bank, die ihm an Kapital heute um 20 Millionen Mark überlegen ist. In wachsendem Maße hat die Reichsbank mit einem Netze von Zweigairstalten Deutschland überzogen; aus den 414 Filialen Ende 1904 sind Ende 1905 442 geworden. Trotz dieser Riesenumsätze, die mit durch die gesteigerte Filialenzahl erreicht wurden, denn bei der .Hauptbank wurden 96,3 Milliarden, bei den Filial-Anstalten 154,95 Milliarden Mark umgesetzt, hat das Gewinnergebnis sich nicht entsprechend gemehrt. Der Bruttogewinn ist mit 45 247 284 dl gegenüber 45 243 594 Mark fast stationär geblieben, ja das Ergebnis wird noch schlechter, wenn man erwägt, daß erhöhte Derwaltungskosten erforderlich warm. Der Reingewinn bleibt daher um über 1 Million Mark hinter dem des Vorjahres zuriick, er betrug 25,40 gegen 26,45 Mill. Mark in 1904. Die Dividende ist dementsprechend niedriger bemessen 6,15 (7,04) Prozent, aber der tatsächliche Betrag, der durch die Dividendenausschüttung erforderlich wird, hat, da ein Kapital von 180 gegen 150 Mill. Mark zu beriicksichtigm war, mit 11,07 Mill. Mark rund y2 Mill. Mark mehr beansprucht. Infolgedessen hat sich das Reich mit einem ge- ringerm Gewinne begnügm müssen, es erhält 15,98 Mill. Mark gegen 17,02 Mill. Mark.
Die Reichsbank ist in der lebten Hälfte 1905 erheblich angespannt worden und auch im neuen Fahr hat man nicht allzuviel von einer Entspan- nung des Status tnerfen können. Noch immer verharren wir auf dem 5prozenftgen Reichsbank, diskont, während im März 1905 schon ein Dis- kontosatz von 3 Prozmt in Giltigkeit war. Ja, es gewinnt keinen Anschein, daß wir in diesem Monat mit einer Diskontermäßigung rechnm fönnen. Die Reichsbank begibt in dm letzten Tagm wieder Schatzscheine und hat es schließlich durchsetzen können, daß der offene Markt, dessen Geldsätze schon auf 3% Prozent zurückgegangen waren, wieder einen Privatdiskont von 4 Prozmt erreicht hat; recht wmig günstige Aussichten, wenn man bedmkt, daß doch die große Vorbereftung der Industrie und des Handels auf die Handelsverträge mit Jnkrafttretm derselben ihr Ende erreicht hat und die für diese Vorbereitung bean- spruchtm Gelder zurückfließen muffen.
Die Konferenz in Alaeciros.
Algeciras, 27. März. (Agmce Havas ) I" der heutigen Vormittagssitzung hatte die Rcdak- tionskomission den Wortlaut gefaßt, der, wie man hofft, das Einvernehmen über die Frage der
Polizeiinspektion wird herstellm können. Die amerikanischm delegierten hatten eine Forme vorbereitet, welche sie in privatm Unterredungen von den hauptsächlichsten delegierten hatten an- nehmen lassen. Die Sitzung der Kommission wurde unterbrochen, um es möglich zu machen, diese Formel vorzulegm, die dann nach einer ziemlich langen Beratung von der Kommission angenommen wurde. Nach diesem Vorschläge der Amerikaner soll das divlomattsche Korps in Tanger Mitteilung von den Jnspektionsberichten er- halten, damit es imstande ist, festzustellm, ob die Tätigkeit der marokkanischm Polizei dm Beschlüs. sm der Konferenz entspricht, und gemäß den Anträgen die Sicherheit der ftemden Staatsangehörigen und der Handelsbeziehungen gewährleisten. Die Konfermz wird heute Nachmittag 5 Uür zu einer Sftung zusammenttetm.
Algeciras, 27. März. Während der hmtigm Sitzung der Redakttonskommissionssitzung gelang es, auf Grund einer von amerikanischer Seite vorgeschlagenm Fassung eine glückliche Lösung für die bestehenden Differenzen in der Frage der Beaufsichtigung der Polizei zu finden, welche alle Aussicht hat, in der nachmittags 5 Uhr stattfindenden Sitzung die Zustimmung des Plenums zu finden. Auch die Frage der Bankanteile wurde in befriedigendem Sinne geregelt.
Deutschis
Berlin, 28. März.
■r — Se. Majestät der Kaiser hörte gestern Dienstag Morgen die Vorträge des Chefs des Militärkabi- netts und des Chefs des Admiralstabes der Marine. Mittags 12 Uhr fand in der Friedenskirche für die .Herzogin Wilhelm von Mecklenburg eine Trauerfeier statt, gn der das .Kaiserpaar, der Kronprinz, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Friedrich Leopold mit Gemahlin, Friedrich Heinrich und Joachim Albrecht, der Erbgroßherzog von Mecklenburg-Strelitz und Mitglieder des fiirstlichen Hause?, der Reichskanzler u. a. teilnahmen.
— Das Befinden der Kronprinzessin ist den Umständen nach vorzüglich Die hohe Frau, welche ja infolge des ständigen Aufenthaltes an der Riviera unser Winterklima nicht gewöhnt war, hat die kälteren Monate gut überstanden und auch in der letzten Zeit weitere ausgedehnte Spaziergänge unternommen.
— Die Prinzessin Eitel Friedrich muß noch das Bett hüten, ihr Erkältungszustand hat sich noch nicht ganz gehoben.
— Dem Herrenhause ist ein Gesetzentwurf gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen in geschlossenen Ortschaften zugegangen. Insbesondere können an Straßen und Plätzen von hervorragend geschichtlicher oder künstlerischer Bedeutung Bauten und bauliche Veränderungen verboten werden, sofern durch sie die Eigenart des Straßenbildes beeinträchtigt werden würde. Durch die auf Grund des Ortsstatuts aufgegcbcnen Aenderungen des Bauentwurfs dürfen die Kosten der Ausführung nicht wesentlich vermehrt werden.
7 (Nachdruck verboten.)
An der dänischen Grenze.
Roman von Dietrich Theben.
(Fortsetzung.)
„Nein", erwiderte Tofohr auf diese Bemerkung. Und ich weiß ihm auch nicht recht beizukommen, denn ursprünglich nahm selbst Sven nicht die Partei, zu der er sich später bekannte. Der Vater Sven Ocko starb gerade in dem Jahre, in dem die Losreißung der Herzogtümer von Dänemark erreicht wurde, und mit meinem Vater ist dann auch Sven Stur für die Herrschaft des Augustenburger Herzogs eingetreten. Na, mein Vater hat zuerst daran getragen, daß fein Wunsch nicht erfüllt wurde, und daß anstatt dessen die Herzogtümer die preußische Vrovinz wurden. Ter Stürhofer hat es vielleicht überhaupt nicht überwinden können, daß Schleswig-Holstein kein Herzogtum blieb, oder er hätte es erst allmählich fertig gebracht, wenn sich niemand um ihn und feinen Groll gekümmert, wenn man ihn ruhig fick! selbst überlassen hätte. Das ist wohl leider nicht geschahen, und bei dem Charakter Stürs — hm, man kann wohl sagen: dem vieler Nord- friefen überhaupt — hat dann auch ein Liebes- tverben keinen Erfolg gehabt oder — wenn Sie ^vollen — einen andern, als beabsichtigt war —“ ■ „Den entgegengesetzten?"
»Fa, das denke ich mir. Ich war als Junge auch eine etwas störrische Natur, und wenn mich irgend ettvas erregt Watte — fo’n Bündel Unber- fiand wird ja bald einmal aus dem Häuschen ge- ^radit, — da half weder Peitsche noch Zuckerbrot. Itein, Zuckerbrot auch nicht. Es wurde weiter Demaulk *— na, bis etwa eine Nacht dazwischen lag
und der Trotzrausch im Schlafe so sachte der- flogen war.
„So, meine ich, hätte man es mit dem Stift- Hofer auch machen sollen; nicht anrühren, aus- schlafen, sich ernüchtern lassen. Und dann ruhig, gleichmäßig weiter. Das verstand meine gute Mutter, und wenn mein Vater einmal nach der weichen oder ein anderes Mal nach der harten Seite abschweifen wollte, dann war sie es, die ihn immer wieder in die Mitte lenkte. Ich glaube, etwas mehr mütterliches Erziehungstalent täte, wenigstens mitunter, auch im Staate gut. Väter- chens Hand greift oft zu wohlwollend streichelnd und ein anderes Mal wieder zu herrisch anpackend zu. Den Sttirhofer streicheln, das war auch schon verkehrt; aber ihm nachher die Faust zeigen, das ging noch weniger an. Wie ich ihn kenne, hat er sich da erst in die Verbissenheit recht hineingelebt."
„Ja, wie schätzen Sie, Tofohr: wünscht er denn die dänische Herrschaft ernstlich zurück?" fragte der Hoperhofer gespannt.
Tofohr zuckte mft den Schultern.
„Ins Herz kann man ihm ja nicht sehen," meinte er zurückhaltend. „Aber — na ja--
Nein, ich will Sie so nicht abspeisen. Also offen: Sven ist kein dummer Kopf, und er muß Momente haben, in denen er sich der besseren Einsicht nicht verschließen kann. Aber er verkriecht sich dann hinter sich selbst, weist den Sonntagsgedanken zurück und schiM weiter in der Schere des All- tagspftuges."
„Und die anderen der Partei?"
„ »Es gibt Vernagelte darunter, selbsftedend, die wünschen, ohne zu übersehen, was. Und Mitläu. fer. Die meisten. Und Sttirköpse, vielleicht auch Leidensgenossen —"
„Gemaßregelte?"
„Einige. Mehr nur Mitaufgestachelte."
„Keine Ueberzeuaten?"
Fürs Tofohr lächelte.
„Vielleicht. Eine."
„Eine?" wiederholte BÄirend im Frageton.
„Ja. Meine Frau hat mir davon erzählt. Sie bat sie vor ein Paar Wochen gesprochen und Vorwürfe erhalten, daß sie einen Vreußen geheiratet habe. Mein Schwiegervater hielt ja auch zuerst mehr zum gegnerischen Lager, und galt seit der Heirat seiner Tochter als ein Abtrünniger. Das wftd auch meiner Frau noch manchmal vorgehalten."
„Von wem?" forschte Bohrend.
„Na, wie sich's trifft —"
«Wen meinten Sie vorhin mit der Einen?"
„Das bra"^>„ irf, Fk"-- nicht zu verheimlichen: die junge Karen vom Sttirbas. Die will nur einen entschiedenen Freund ihrer Partei zum Mann."
„Pardon." sagte Bebrend aufgeregt, „mir ist da noch einiges nicht klar. Der Sven Stür hat den Hof vienrndlock-tta übernommen — wie alt war er denn damals?"
»Na, so Mitte der Zwanzig."
„Da steht er heute in den Sechzigern?"
„Allerdings."
„Und hat eine Tochter von acht-ebn--?"
, »Fa so. Aber das fttmmt. Und den Sohn — beim Militär — von zweiundzwanzig. Kinder zweiter Ehe — die erffe war ohne Nachkommen. Nach dem Tode der Mutter — ich weiß nicht: waren Sie schon hergezogen? — mußte Karen aus der Pension heimkehren und die Wirtschaft zu Hanse übernehmen. Wie lange sind Sie hier?
— Dem Reichstag ist zum Etat für 1906 ein Er« gänzungSetat zugegangen, in dem 31 000 M verlangt werden zur Umbildung der Gesandtschaft in Tokio ht eine Botschaft, und der weiter bestimmt, daß die Mi- nister-Residentur in Korea in ein Generalkonsulat umgewandelt wird. Weiter werden 6 330 000 <Ä zur Vervollständigung des deutschen Eisenbahnnetzes im Interesse der Landesverteidigung verlangt.
— Eine sozialdemokratische Tienstmädchen-Orga- sation, die sich über das ganze Reich erstrecken soll, wil die Sozialdemokratie gründen. In Nürnberg ist der erste Verein durch die Arbeitersekretärin, Frl. Grün, berg, begründet worden. Der neuen Organisation sollen bereits über 100 Dienstmädchen beigetreten sei«. Waschfrauen und Aufwärterinnen will der neue Ver« ein auch aufnehmen, kurzum das ganze weibliche Dienstpersonal organisieren. Von Nürnberg will sich Helene Grünberg auf Reisen begeben, um für die neue Organisation in ganz Deutschland Stimmung zu machen. Die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft hat angeblich bereits erklären lassen, daß sie die weitgehendste Unterstützung der neuen Organisatton entgegenbringen will. An die Schaffung eines eigene« Organs soll auch demnächst gedacht werden.
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Deutscher Reichstag.
Berlin, 27. März.
Der Reichstag nahm am Dienstag zunächst bee Entwurf wegen Ueberncchme einer Reichsgarantie für den Bau der Bahn von Tualo nach den Manenguba- bergen an und setzte die zweite Lesung des Flotten- gesetzeS fort. Abg. Dr. Spahn (Ctr.) betonte, vorbehaltlich der Regelung der Kostenfrage stimmen seine Freunde dem Entwürfe zu. Hauptaufgabe der deutschen Flotte werde stets der Schuh der heimischen Küste bleiben. Abg. Frbr. b. Richthofen (kons.) verwies auf die engen Beziehungen zwischen Flotte und Rcichsge- danken. Dem Flottenvcrein könne nicht abgestritten werden, dass er das Verständnis für eine starke Flotte in weite Kreise g-tragen habe. Auch seine Freunde stimmen der Vorlage zu. Abg. Dr. Müller» Sagcm (fr. Vp.) zeigte sich geneigt, die geforderte Vermehrung der Auslandschiffe zu bewilligen. Seine Freunde seien jedoch nach wie vor Gegner der Bindung des Ausgabenbewilligungsrechts. Staatssekretär von Tirpitz begrüßte die entgegenkommende Haltung der freisinnigen Volkspartei und hob die Vorzüge des Flottengesehes hervor. Abg. Graf Arnim (Rp.) faßte die Vorlage als die Einlösung des Wechsels auf, der 1900 bei der letzten Flottenvorlage ausgestellt sei. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Vcreinigg.) hielt die Tätigkeit des Flottenvereins für lobenswert. Nach weiterer Debatte kam cs über einen freisinnigen Antrag betr. Einführung einer Reichsvermögenssteuer zu einer namentlichen Abstimmung, wobei sich die Be- schlußunfähigkeit des Hauses hcrausstellte. Die Sitzung mußte abgebrochen werden. Mittwoch 1 Uhr: Wahlprüfungen und Fortsetzung.
$teu6tfdirT Landtag.
Herrenhaus.
Berlin, 27. März.
Das Herrenhaus ehrte am Diestage zunächst das Andenken des verstorbenen Mitgliedes v. Guhmerow in der herkömmlichen Weise. Vor Eintritt in die
Ach so, sieben Monate. Ta liegt der Trauerfall doch wohl eine Reihe Wochen weiter zurück."
„Fch entsinne mich jedenfalls nickt. Aber fager Sie. lieber Tofobr: wie an füe Erziehung der Tochter, so hat der Bauer doch wohl auch an die des Sohnes etwas gewandt —*
„Gewiß —"
„Fa, der dient ja einjährig?"
„N—ein! Er hätte können, denn das Reifezeugnis hatte er. Aber--na, da ist so ein
gewisser dunkler Punkt. Der Alte — Sie würden's ja gelegentlich doch von anderer Seite erfahren — wollte ihn überhaupt nicht dienen lassen — wie man so sagt — Fisimatenten — schickte ibn über die Grenze — na ja, und mußte ihn sich dann vom Hose holen lassen, als er einmal beim, sich zu Besiick da war. Unb da war's natiftftch mit dem Einiäbrigen vorbei. Erft zum Oktober kann er nun zurückkommen, weil dann die drei Jahre um sind."
„Drei?"
„Kavallerie. Fürftenwolder IVanen."
„Waren Sie Soldat?" fronte Bohrend.
„Fa. Einjähriger bei den 3"er Füsilieren in Brandenburg."
„Nnd die Erinnerung daran?"
„Na, es ist einem ja manchmal etwas hart angekommen. Aber die Erinnerung, nein, die möchte ich nicht missen."
„Ich auch nicht," stimmte Bohrend zu. „Viel Ernst, aber auch mancher Scherz. Und ja: straffe Disziplin, aber doch auch viel köstliche Freiheit. Mancher Starrkopf wird in dem bunten Nock um- gekrempelt — wer weiß, ob nicht auch der junge Stürhofer."
Tofohr schüttelte den Kopf.
(Fortsetzung folgt.)