mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Allustririe- Sonntaasblatt.
Vierteljährlicher Bezugspreis^ b« Dti ExpLition 2 3)IL, W» bet allm Postämtern 2,25 Mc. Ktjcu Bestellgeld).
''*• ' O JnsertionSgebühr: die gcspaltmeZelle oder verm Raum 10 Pfg, Recloincn: die Zeile 25 Psg.
Marburg
Mittwoch 2S. März 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Äug. Soch, UnwersttätS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Lelephon 55.
41. Iatrra.
Erstes Blatt.
Neueste Telegramme.
Paris, 27. März. Die aus Westafrika einge- iroffene Post berichtet, daß die Arbeiten der französisch-deutschen Grenzkommission in Kamerun fast beendet sind. Die beiden Kommissionen ha- ben festgestellt, daß MtssuMissu, wo im der- gangenen Jahre ein Zusammenstoß zwischen deut- scheu und französischen Truppen stattgefunden hat, auf deutschen: Gebiet sich befindet.
Algier, 26. März. Aus Port Say wird gemeldet: Gegenwärtig ist an den Ufern des Mu- luiaflnsses, von wo fest dem 25. März morgens lebhaftes Geschühfeuer herübertönt, ein Gefecht im Gange. Der Prätendent ließ die Truppen deS Machsen den Muluiafluß überschreiten und in das außerordentlich cmchierte Gebiet der Keb- dala vorrücken. Dann wurde seitens der Regierungstruppen die gesamte Reiterei eingesetzt, während der Prätendent im Gegenteil nur In- fanterie entwickelte. Der Ausgang des Gefechtes ' ist noch unbekannt.
Newyork, 26. März. Einer Meldung der „Information" zufolge wird Admiral Togo der großen Heer- und Flottenfeier, die für April oder Mai in den Vereinigten Staaten geplant ist, persönlich, von zwei Panzerkreuzern erster Klasse begleitet, beiwohnen. Es verlautet, daß der Admiral im Anschluß daran Europa einen Besuch abstatten werde. Ob ihm die beiden Kreuzer auch dorthin folgen werden, ist noch ungewiß.
Lima, 26. März. Die Regierung von Peru beabsichtigt, ihr höheres Schulwesen nach deutschen: System zu organisieren. Oberpräzeptor Dr. Kimmich in Rottenburg a. Neckar hat sich auf fünf Jahre nach Peru verpflichtet. Er erhält neben freier Station und freier Hin- und Rückfahrt ein Jahresgehalt von 12 000 Mark. Mit ihm reisen noch fünf andere Deutsche, worunter Oberlehrer Dr. Ehr aus Rudolstadt und Gymnasialdirektor Dr. Ries aus Jena.
Tokio, 26. März. Die Belassung der russischen Truppen in der nördlichen Mandschurei verursacht hier Beunruhigung. Das Blatt „Nischi- Nischi,, sagt: Die feindliche Haltung Rußlands mache den. Vertrag von Portsmouth mit seiner Erklärung über die Wiederherstellung der Freundschaft zwischen beiden Ländern zu einem wertlosen Stück Papier.
Die soziale Bedeutung
d-r Krieaervereine.
Auf dem letzten Vertretertage des Kyffhäuser- Bundes der Deutschen Landes-Kriegerverbände war beschlossen worden, Ermittelungen über das Vermögen und die Unterstützungstätigkeit der
den Landesverbänden angehörenden einzelnen Vereine anzustellen. Wie die Kyffhäuser-Korr»- spondenz mitteilt, beträgt dos Vermögen der Vereine des rund 83 000 aktive Mitglieder zählenden Württembergischen Kriegerbundes rund 1,64 Millionen Mark. Die einzelnen Vereine zahlten im Jahre 1905 an Unterstützungen 83 543 an Sterbegeldern und Begräbniskosten 95 251 Mark. Sie gaben also für Wohlfahrtspflege 178 794 M aus, das sind mehr als 2 M auf den Kopf.
Die deutsche Kriegerfechtanstalt, die in der Haupstache die Mittel zur Unterhaltung der vier Waisenhäuser des Deutschen Kriegerbundes aufbringt ,hat noch dem Geschäftsbericht im Jahre 1905 einen Reingewinn von 133 860 M gehabt; hiervon wurden aus dem Verkauf von Ansichts- Postkarten 40184 M erzielt. Im Jahre 1901 betrug der Reingewinn 75 762 M, im Jahre 1902 72 985 im Jahre 1903 94 418 M, im Jahre 1904 112 518 und im Jahre 1905 133 860 c$t. Neue Fechtschulen wurden im verstossenen Jahre 105 gegen 77 im Vorjahre bestätigt. Im Kriegerwaisenhaus Glücksburg im Römhild in Meiningen (Evangelisches Haus, Eröffnung: 17. August 1884) befanden sich am 31. Dezember 1905 im Hause 84 Knaben und 27 Mädchen, ar:ßer dem House unter Aufsicht des Kuratoriums in Lehre und Dienst 13 Knaben und 1 Mädchen, auf einer Unteroffiziervorschule 2 Knaben; im Jahre 1905 wurden ausgenommen 23 Knaben und 4 Mädchen, entlasse:: wurden in die Heimat 19 Knaben und 5 Mädchen, vom Kuratorium in die Lehre gebracht 6 Knaben, in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen 1 Knabe. Im Kriegerwaisenhaus Canth in Schlesien (Katholisches Haus, Eröffnung: 15. Jilli 1893) befanden sich am 81. Dezember 1905 im Hause 35 Knaben und 14 Mädchen, außer dem Hause unter Aufsicht des Kuratoriums in Pflege, Dienst oder Lehre 14 Knaben und 6 Mädchen, auf einer Unteroffiziervorschule 3 Knaben: im Jahre 1905 wurden neu ausgenommen 8 Knaben und 1 Mädchen, entlassen wurden in die Heimat 9 Knaben und 1 Mädchen, von dem Kuratorium in Lehre oder Dienst gebracht 1 Knabe und 2 Mädchen, ausgenommen in die llnteroffizicrschule Neubreisach 1 Knabe. Im Renthe-Fink-Haus in Osnabrück (Evangelisches Haus, Einweihung: 16. Juli 1899) befanden sich am 81. Dezember 1905 im Hause 88 Knaben und 25 Mädchen, außer dem Hause unter Aufsicht des Kuratoriums in Lehre und Dienst 24 Knaben und 2 Mädchen; ausgenommen wurden 18 Knaben und 5 Mädchen, entlassen in die Heimat 8 Knaben und 6 Mädchen, vom Kuratorium in die Lchre und Dienst gebracht 6 Knaben und 2 Mädchen, gestorben 1 Knabe. Im Kriegerwaisenhaus Wittlich, Rheinprovinz (Katholisches Haus, Einweihung: 31. Juli 1904) befanden sich am 31. Dezember 1905 im Hause 37 Knaben und 13 Mädchen, außer dem Hause kein Zögling; ausgenommen wurden 18 Knaben
und 10 Mädchen, entlassen wurde niemand. In den vier Kriegerwoisenhäusern hoben seit deren Bestehen im ganzen 838 Kinder Ausnahme gefunden, davon 634 Knaben und 204 Mädchen.
Aus dem Geschäftsbericht der Sterbekasie des Deuffchen Kriegerbundes, Dersicherungsverekn auf Gegenseitigkeit in Berlin, für das Jahr 1905 ersehen wir, daß diese Kasse wiederum erfreuliche Fortschritte gemocht hat. An Zugang waren 8855 Versicherungen mit einem Versicherungskapital von 1969 Millionen M zu verzeichnen. Dos Gesamtversicherungskavital am Ende deS Jahres 1905 betrug 17 779 Millionen welche sich auf insgesamt 75 894 Versicherungen verteilen. Von den Vereinen des Deutschen Krieaer- bundes gehören der Kaffe 471 mit 34 344 Mitgliedern an. An Sterbegeld wurden im Jahre 1905 215 900 ausgezahlt. Die Reserven der Kasse betragen 2,9 Millionen M. Der Gewinnreserve der Versicherten werden vorbehaltlich der Genehmigung der Generalversammlung 69 628 Mark zugeführt, werden.
Tic Konferenz in A^eciros
Ueber die augenblickliche Lage wird aus Algeciras gemeldet, daß die Franzosen sich nach wie vor mit unglaublicher Zähigkeit gegen die von allen Seiten anerkannte Notwen digkeft eines Nachgebens sträuben und es ist, falls Frank, reich überhaupt ernstlich den Abschluß eines Uebereinkommens wünscht, nachgerade nicht mehr verständlich, warum es sich so härtnäckig zeigt. Es ist schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, als ob es sich bei der Beaufsichtigung und Verteilung von der Polizei für Frankreich eben nicht nur um Punkte von sekundärer Wichtigkeit handle, sondern um ein, wenn auch uneingestondenes Hauptinteresse, nämlich dasjenige, feine P o li z ei p ri v i le g i e n allmählich zur faktischen Okkupation eines von vornherein wohl abgerundeten Ge- bietes auSzuge st alten. Nur in diestm Falle kann die Aufsicht durch dos divlomattsche Korps und etwa durch Anordnung der Konferenz herbeizuführende Zersplitterung der von ihm aus- zubildenden Polizeitrupven Grund für Frankreich sein, dem deuffchen Entgegenkommen auch in die- sen Punkten ein starres Festholten entgegenzusetzen. Die allgemeine Auffassung geht hier dahin, daß Frankreich schließlich nicht mehr umhin kann, auch seinerseits jetzt den guten Willen zu einer beruhigenden und befriedigenden Gestaltung der Lage zu zeigen.
Algeciras, 26. März. Die inoffizielle Plenarsitzung begann um 10% llhr. Auf der Tagesordnung steht die Polizeifrage, zu welcher verschiedene Abänderungsvorschläge des Grafen Welsersheimb bevorstchen. Noch im Laufe des gestrigen Tages bedurfte es der unaufhörlichen Tätigkeit und der besonders hingebenden Be
6 (Nachdruck verboten.)
An der dänischen Grenze.
Roman von Dietrich Theben.
(Fortsetzung.)
Aber seinetwegen konnte er machen, was er wollte; er tvar zufrieden, daß er den Widerborsti- gen nur vom Hoyerhof fort wußte. Mft 5en anderen wollte er nun schon wieder sein Auskommen finden.
Ter heitere Sonnenschein lockte den Bamrn in den Garten, und er atmete die frische Morgerr- lüft mit Behagen. Frestich, ein Garten, wie er ihn im schönen Elternhause kennen gelernt hatte, war das nicht. Dort trugen an hundert Obstbäume Blüten und Frucht, eine hochgewölbte, dichte .Buchenlaube bot selbst im heißesten Sommer vor den: Sonnenbrände Schutz, und der Blumenflor war gepflegt, bunt und reich, von den Schneeglöckchen und Krokus, den Syringen, Tulpen und Narzissen im Frühling und Vorsommer und den Sonnenblumen, Astern und Chrysanthemen des Herbstes. In der rauhen Nordmark aber duldete der Sturm, der nur allzu oft vom aufgeregten Meere her m3 Land brauste, nur widerwillig den schattenden und die Landschaft belebenden Baumschmuck, und nur an den schützenden Fachwerk- tnauern der Häuser gediehen hin und wieder ein -haar dürftige Obstspaliere. Der Hoyerhofer hatte probeweise Fliederbüsche und Jasminsträucher jkinschcn lassen; der Sturm spiefte mit ihren Blü- £en und riß sie ab, ehe sie sich auch nur reckst Mffaltet hatten. Nur ein paar Beete mft nie- ffrigcn Rosen waren gediehen, und ein anderes ßnt großdoldigen, feurig roten Meteorpelargonien
stand sogar in gesunder, lachender Mütenpracht, vielleicht aber nur deshalb, weil der Junimonat zufällig ein ungewöhnlich milder und windloser gewesen war. lind derselbe Zufall mochte auch den Gemüsebeeten zu gute gekommen fein, die unter der Pflege der Wirtschafterin gestanden und sich über Erwarten entwickelt hatten.
Das Stück Gartenland war nicht groß und Martin Dehnend hatte es bald nach allen Seften durchmessen. Er ging um die Rückseite des Hau. ses hen:m auf den Hof und schaute frohmütig in das köstliche Morgenschimmern. Wie Silberstreifen im buntfarbigen Erdenkleide blinkten die breiten Gräben, die in weitmaschigem Netze die Aecker durchzogen; die braungriinen Weideflächen wechselten mit goldfarbenen Getreideschlägen: auf den Strohdächern der berftreuten Bauern gchöfte und den Häuschen der kleinen Leute lag ein lila Duft, und über dem allen spannte sich wolkenlos und freudig klar der blaue Himmelsdom.
Weithin stteckte sich der über haushohe Deich, und nur der Turm der von dem Pfarrhaus rmd einigen anderen Anwesen umgebenen Reinen Gemeindekirche ragte mit der Spitze eben noch über den mächtigen Erdwall empor.
Aus dem Schornsteine des Stürhofes wirbelten dünne Rauchwolken, und ein paar Fenster an der der Ebene zugekehrten Langseite des Hauptgebäudes blitzten flüchtig im Sonnenlicht. Auf dem in großen Bogen zum Stürhofe führenden Fahrweg und nahe dem Hofe bemerkte Beh- rend die Gestalt eines Mannes; die Ei.ffernung war aber zu groß, als daß ein Erkenner- möglich gewesen wäre. Sonst lag die ebene Weite noch menschenleer und still, und die einzige: Lebewesen
schienen weithin die meist auch noch lagernden Viehherden auf den Weidegründen.
Eine Frage fiel in M-"st:n Behrends Gedanken. D'e Narzissen in der alten Heimat, wie hie' ert die doch da? Der Name lag ihn auf der Zunge, ohne daß er ihn doch auszusprechen vermochte.
Er kehrte ins Haus zurück und fragte die Mamsell.
„Die? Zetlöschen," wrirde ihm Me Antwort.
Ja. Wie man das nur vergessen konnte.
So fein und blaß wie die 'etlöschen dünkte ihm Karen ~fi"r ,<5-fe d?» Dänen.
Das heißt, ob der ein Däne war wie der Steven Kammerich aus dem Aarhusschen? Oder ob ihm nur die Auflehnung der Kraft- und Trotz, natur zu dem ehemaligen Herrscherhause halten ließ?
Auf der einen Seite das große, geeinte, blühende Reich der Deutschen, auf der anderen das kleine, notierte. unbedeutende -Jnsestand — Vor- keile allgemeiner Natur konnte er von dem Zwergstaate doch wohl kaum erwarten? Oder etwa solche persönlicher Art?
Dazu schien ihm wieder der mannhafte Charakter des Stürhofers nicht angetan, schien ihm der Mann zu kernhaft.
Oder war ihm die Abneigung gegen das Deutschtum vergiftend eingeimpft worden, tote es auf sein Betreiben bei der Tochter geschehen war?
Zum erstenmal kam ihm der Einfall, doch einmal den jungen Tofohr über die nähere Ge- schichte des Stürhofes und seiner Bewohner zu befragen, und mit dem Gedanken reiste auch als. bald der Vorsatz.
Er nahm an, daß Jürs Tofohr sich selbst von der Wahlhandlung ftn Jebsenschm Krug« fern*
mühungen des Grafen, um die französischen Delegierten dem Standpunkte der Majorität der Mächte soweit zu nähern, daß die Polizeistagi heute mit einer gewissen Aussicht auf ein Ueber- einkommen in den wesentlichen Punkten von Plenum beraten werden kann.
Die Konferenz nahm Artikel 4 an, der die Effekffvstärke der Polizeitruppen auf höchsten- 2500 Mann, die Zahl der Offiziere auf höchsten? 20, die der Unteroffiziere auf höchstens 40 fest setzt. Artikel 5, der das Budget für die Polize auf höchstens 2y2 Millionen Francs festste wurde gleichfalls angenommen. Artikel 6 die sich auf die Schaffung einer Jnspekti- Täffgkeit der Polizei und auf die Funk-ic des Jnspekte:rrs, der aus der schweizerischen et ■ niederländischen Armee gewählt werden soll, oe ziehen, gaben Veranlassung zu einer Erörtern"- im Lauf derer der österreichisch-ungarische gierte eine Anzahl Amendements einbrachte, die Jntervenffon des diplomaffschen Korps der Kontrolle der Täffgkeit der Polizei und . Beziehungen des diplomaffschen Korps zu dem Inspekteur vorsehen. Nach Erörterung dieser verschiedenen Amendements wurden diese dem Redakffonskomitee überwiesen mit dem Auftrage, eine neue Faffung vorzubereiten. Die Konferenz nahm zum Schuß Art. 8 und 9 an, nach denen das Gehalt des Inspekteurs auf 25 000 Francs festgesetzt wird. — Die nächste Sitzung ist für Freitag Nachmittag drei Uhr angesetzt.
Algeciras, 26. März. (Meldung der „Agence Havas".) Bei Schluß der heutigen Sitzung schilderte der Herzog von Almodovar der Preffe den Eindruck, den die heutige Sitzung auf ihn gemacht habe. Der Eindruck fei ein guter; er halte die Schwierigkeiten betreffs der Beziehungen zwischen der Pofizei mit dem Maghzen einerseits und dem diplomaffschen Korps andererseits nicht für übev- windlich. Der Herzog bestöffgte, daß die russischen Delegierten bezüglich der Verteilung der Höfe» und der Polizei unter die Franzosen und Spanier vermittelnd eingegriffen und versprochen haben, morgen einen versöhnlichen Vorschlag vor- zulegen.
Kiel, 27. März. Aus einer angeblich unbedingt zuverlässigen diplomatischen Quelle'ersah- ren die „Kieler N. N.", daß Bourgeois sich alle« deutschen Vorschlägen gegenüber absolut ableh. nrnd verhält und bei dem einmal formulierten Programm verharrt. War Rouvier noch geneigt zu geringen Zugeständniffen, so ist sein Nachfolger unbeugsam in seiner Haltung. Diese der deutschen Tiplomaffe unerwartete Haltung Bourgeois findet ihre Erklärung in dem entscheidenden Einfluß, den Clemeneeau im Kabinett ausübt. Nach der öffiziösen Erklärung der „Köln. 3tg.* vom Freitig kann man an eine Verständigung in der Poftzeifrage nicht mehr glauben.
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halten und demnach zu Hause fein würde. Zugleich bot wohl auch der Wahltag die beste Gelegenheit, die gewünschte Auskunft möglichst unauffällig zu erbitten.
So schulterte er denn am Vormittage feine Sprungstange, um den Weg nach dem Tofohrschen Hofe in gerader Richffmg über die Aecker zu nehmen, da er, wenn er dem Fahrwege hätte folgen wollen, einen beträchtlichen UnNveg hätte machen und erst das Jcbiensche Wirtshaus passiv, ren und nachher dorthin hätte wrückkehren müssen.
Kam er an einen der Gräben, die meist mft einem einfachen Anläufe nickst zu nehmen waren, so setzte er die mit einer Stumpfkrücke versehene Stange, die ein Einbobren und Festigen unmöglich machte, auf den Grund und schwang sich bequem hinüber. Des gleichen Hilfsmittels zur Ab. kiirzung der Wege bediente:: sich übrigens all« Einheimischen, vom Pastor bis zum geringsten Arbeiter; es war typisch für die Gegend.
Jürs Tofohr, ein schlichter, ernster Mann am Ausgange der Zwanziger, empfing den Hoyern Hofer mit ungesuchter Freundlichkeit und stand ihm bereitwillig Rede.
„Sind Sie noch im Zweifel zwischen Stür und meiner Wenigkeit?" fragte er lächelnd.
„Das werden Sie kaum annehmen," entgegnete Behrend. „Aber daß Ihr und ja auch mein Gegner heute em etwas erhöhtes Interesse für mich hat, fft wohl nicht unverzeihlich. Und allzu neugierig bin ich nicht einmal. Nur das möchte ich erfahren: was hat es mft der Herkunft Stür- auf sich — liegt darin — oder worin sonst —• der Grund seiner Abneigung gegen uns?"