Einzelbild herunterladen
 

*!»'' !WUWH'i IIIWON ...... l| .............................

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. --

Sonntagsbeilager Illustrirtes Sonntaasblatt.

W

st"SS

M 71

Bierteljährlicher Bezugspreis: bei der ExpLitioa 2 All, bet allen Postämtern 2,25 M. <t$tL Bestellgeld).

JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pia.

Marburg

Sonntag. 25. März 1906.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Martt 21. Telephon 65.

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 26. März. In Bundesratskreisen wird der Anfang April stattfindenden Konferenz über Fragen der Eisenbahntarifreform mit einiger Spannung entgegengeschen. Es scheint mit der Möglichkeit gerechnet zu werden, daß die in Be­tracht kommenden Einzelstaaten geneigt sind, aus dem Wege der Eisenbahngemeinschast einander ein sehr wesentliches Stück entgegenzukommen.

Bremen, 24. März. WieBoemanns Telegr.- Bureau,, aus Berlin meldet, ist dort ein Komitee zusamm eng »treten, welches es sich zur Aufgabe gestellt hat, den Auswandererstrom der osteuropä­ischen Juden von den östlichen Staaten der Ber­einigten Staaten von Amerika nach den Süd­staaten der Union und nach Südamerika abzu­lenken. Das Komitee findet auch in nichtjüdischen Kreisen Sympathie und die großen Schiffahrts­gesellschaften, u. a. der Norddeutsche Lloyd, zei­gen sich bereit, ihre Bestrebungen zu unterstützen.

Leipzig, 26. März. Der Senotspräsident beim Reichsgericht Dr. Freiersleben wurde zum Wirkt. .Geh. Rat mit dem PrädikatErzellenz" ernannt.

Brr«, 24. März. Der Ständerat hat einen Kredit von 10 400 000 Francs für Vermehrung derMunitionsbestände und von 677 000 Franck zur Beschaffung der Ausrüstungsgegenftändc für die Gebirgstruppen bewilligt.

London, 23. März. Nach einer Meldung auk. Tanger haben sich die Gerüchte von dem Erschei- neu von Reiterei des Prätendenten an einem Orte wenige Stunden von Fez bestätigt. Die Reitertruppe, die einige hundert Mann stark ist, f drängt die Stämme in der Nachbarschaft von Fez, sich der Sache des Prätendenten cmzu- schließen.

Tientsin, 23. März. Die Abschiedaudienz des ; Generals Petzels, seiner Familie und der 14 nach Deutschland zurückkehrenden Offiziere der ostasia­tischen Brigade bei der Kaiserin von Peking nahm einen sehr freundlichen Verlauf. Zum erstenmal wurden Damen und Herren zusammen empfangen. General Petz erhielt den Drachen- Orden und die Damen bekamen Geschenke. Die Kaiserin hatte ein vorzügliches Aussehen.

' .........

Ueber den Gcschäftsumfang des Kolonialamtes

schreibt derTag": _

Die Budgetkommission des Reichstages hat e8, wie wir in der Abendausgabe berichteten, abgelehnt, der Schäftung eines selbständigen Reichsamts für die Ko­lonien ihre Zustimmung zu geben. Bei der Bedeu-

ElinnermMn aus dem Marburger Studentenleben.

Bo« L. Müller.

I. ' V.

Dem tollen Jahr 1848 folgten die Zeiten der Reaktion in Kurhessen. Die großen Demokraten- 'hörte waren verschwunden, ja selbst die Polizei mußte sich, samt ihren Polizeirat Müller in Mar­burg, auf kurfürstlichen Befehl den Schnurrbart c6«Ämen lassen. Die älteren Studenten, welche den Trubel der Freiheitsjahre msterlebt hatten, konnten sich in das Hassenpflugsche Regiment schlecht hineinfinden, und so kam es oft vor, daß Studenten relegiert wurden und in einer be- stimmten Frist von 12 oder 24 Stunden die Stadt verlassen mußten.

Die anderen Kommilitonen ließen es sich dann nicht nehmen, ihreni scheidenden Corpsbruder, mit oder ohne Erlaubnis, sang- und klanglos bis zum nächsten Dorfe oder dem Bahnhof das Gelefie zu geben. Solche Züge habe ich öfters gesehen, wo. bei unter Vorantritt der Fahnen ein Zug sich lautlos durch die Stadt bewegte. Aber auch dis- |fe» war untersagt und gewöhnlich wurden die An- lstifter mit Carzer bestraft. Ein solcher Aufzug oder Auszug fand eines Abends durch die Stadt Zum Bahnhof statt. Auf einem weißgedeckten, mit einem Esel bespannten Wagen saß der relegierte Delinquent, der die Stadt verlassen mußte, auf ^nem Schaffst, im Armensündergewand hinter nhm stand angetan -mit rotem Talar der Henker nüt dem Richtschwert. Der mit einem Esel be­kannte Wagen wurde geführt an zwei weißen Servietten zu beiden Seiten von den Sfiefelwich. fffrn, (heute gibt es keine mehr). Sohl und Diet- && beide angetan mit schwarzem Frack, weißer

tung, welche dieser Beschluß möglicherweise gewinnen wird, dürste es von Interesse sein, die Gründe kennen zu lernen, mit denen die Regierung ihre Forderung in der Kommission vertrat.

Der Geschästsumfang der Kolonialabteilung ist, wie insbesondere der Legationsrat Helfferich aus­führte, in einem Maße gewachsen, daß er sich im Rah­men einer Abteilung des Auswärstgen Amtes nicht mehr ordnungsmäßig bewältigen läßt. Die Zahl der Journalnummern der Kolonialabteiluwg einschließlich des Oberkommandos der Schutztruppen, das ja der Kolonialabteilung angegliedert ist, hat sich von 12418 im Jahre 1891 auf 59481 im Jahre 1902 und auf 116 591 im Jahre 1905 gesteigert. Die Kolonialab­teilung allein hat in den letzten beiden Jahren vor dem südwestastikanischen Aufstande 1902 und 1903 mehr als 42 000 Journalnummerngehabt, gegen 12 400 in 1891. Die Kolonialabteilung ist dabei auf einem Personalbestand angekommen, welcher den- stnigen der meisten anderen Reichsämter übertrifft oder erreicht. Für jeden, der den inneren Dienst einer Zentralbehörde kennt, muh eS klar sein, daß die Ge­schäfte der Kolonialabteilung auch in dem Umfange, der nach der Niederwerfung der Aufstände bleibt, un­möglich immer noch durch einen Ministerialdirektor geleitet werden können. Auch in den anderen NeichS- ämtern haben wir die Staatssekretäre und Unter­staatssekretäre doch nicht lediglich auS Dekorations­gründen oder aus einer Freude an der Ausstattung der Beamtenhicrarchie. Staatssekretäre, Unterstaats­sekretäre und Direktoren sind vielmehr die Träger ver­schiedener Funftionen. Der Staatssekretär hat die Vertretung seines Reflorts nach außen wahrzuneh­men, ist der Träger des Geistes und der Ideen, nach denen fein Ressort geführt wird. Der Unterstaats­sekretär hat int allgemeinen die Oberaufsicht über den inneren Dienst und die Sorge für die Einheitlichkeit der Erledigung der Geschäfte wahrzunehmen sowie den Staatssekretär im Bedarfsfälle zu vertreten. Der Direktor schließlich hat den größten Teil der laufenden Geschäfte endgültig zu erledigen und dadurch die höch­sten Spitzen des Ressorts für ihre eigentlichen Auf­gaben freizumachen. Bei kleineren Verhältnissen können zwei dieser Funktionen und vielleicht sogar alle drei von einer einzigen Persönlichkeit wahrge­nommen werden, bei größeren Verhältnissen ist daS unmöglich. Bei der Kolonialabteilung ist es schon lange unmöglich, und die Mängel, die man beklage, haben zum großen Teil ihren Sitz nicht in den Per­sonen. die wohl ausnahmslos stets bemüht waren, ihr Bestes zu tun, sondern in der unzureichenden Organi­sation.

Bei einer Vergleichung zwischen der Geschäftsver­teilung und der Personalbesetzung in den kolonialen Zentralbehörden Frankreichs, Englands und Deutsch­lands müssen, wie von demselben Redner ferner be­tont wurde, die verschiedenartigen Verhältnisse der einzelnen Kolonialreiche und ihrer Verfassung in Be­tracht gezogen werden. Neben der territorialen Aus­dehnung des Kolonialbesitzes komme als wesentlichster Punkt in Betrach der Grad der Selbstverwaltung der Kolonien. Je weitergehend die Selbstverwaltung, desto geringer die der kolonialen Zentralverwaltung er­wachsende Arbeitslast. Im englischen Colonial Office werden die Angelegenheiten von ganz Britisch-Nord- amerika, von garvz Australien und einer Anzahl an­derer Besitzungen in einer kleinen, mit drei oder vier

Weste, Halsbinde, Handschuhen und Cylinder. Darm folgten die Studenten des Corps Teutonia mit fliegenden Fahnen, darunter noch die ältere Farbe dunkelblau, in einem sfillen Zuge nach dem Bahnhof.

VI.

Die Reibereien, welche um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zwischen Studenten und Bürgerssöhnen fwttfanden, führten sehr oft zu aufregenden Straßenszenen.

Sa gab eine minderwertige Veranlasiung den Grund zu einer solchen. Es war im Februar 1859 am folgenden Abend, als der Gesangverein Liederverein im Europäischen Hofe einen Masken, ball abgehalten hatte. Einige Teilnehmer standen cm jenem Abend vor dem Hause des Bäcker Euker in der Barfüßerstraße und warteten auf einen Freund, der noch dadrinnen mit Frau Euker, die seine Tante war, sprack) Während dieses Wartens kommt der Stud. der Berg- und Hüttenkunde Gr., ein Sohn des um diese Zett in Kurhessen so be­kannt gewordenen Schulinspektors Gr. seligen Angedenkens auf die beiden Wartenden zu und rempelte sie an. Gr. war Mitkneipant bei dem Corps Teutonia. Nennen wir die Hauptperson in diesem Drama, das sich nun entwickeln sollte, L. Dieser sagte zi- Gr., er solle sie in Ruhe lassen, sic hätten nichts mit ihm zu schaffen. Als Gr. immer aufdringlicher wurde gegen die Phi­lister, wie er die beiden nannte und dem Euker einen Schlag auf die Nase versetzte, daß sie blutete, faßte L. dem Gr. legte ihn aus die Erde und applizierte ihm eine gehörige Tracht Prügel. Gr., der nunBurschen heraus" und um Hilfe rief, loslassend sprang L. nun durch das gegenüber­liegende'Krafts-Gäßchen und gelangte unbehelligt zu feiner. Wohnung, aus welcher schon die Stu­denten, die dorten wohnten, auf die Hilferufe her-

Beamten besetzten Abteilung bearbeitet, während die Abteilung für die Westasrikanischen Kronkolonien mit sechs oder acht höheren Beamten besetzt ist. Die deut­schen Kolonien hätten leider noch nicht daS Maß von Selbstverwaltung, tote durchweg die englischen Kron­kolonien und die sämtlichen französischen Kolonien. Dasselbe gelte vom Rechnungswesen. In England sei außerdem das Colonial Office von allen technischen und Lieferungsangelegenheiten durch das Institut der Crown Agents entlastet. Daraus erkläre sich die re» lativ niedrige Anzahl von Mittelbeamten. Die Be­setzung mit höheren Beamten sei wohl im englischen toiefranzösischen Kolonialministerium eine ganz we­sentlich stärkere als bei uns.

Die Konferenz in Algeciras.

Die hauptsächlichsten Punkte des neuen österreichischen Entwurfs bestehen darin, daß die Ausscheidung von Casablanca auf­gegeben wird, Frankreich dagegen die Jnspektton der Polizei in der Form annimmt, daß das di- plomattsche Korps in Tanger die Oberaufsicht über die französisch-spanische Polizei vermittels eines Inspekteurs übernehmen soll. In der Bank­frage soll Frankreich entweder nur zwei Anteile für den Rückkauf seines vertragsmäßigen Vor­zugsrechtes annehmen, oder wenn es drei Bank­anteile für diesen Rückkauf erhält, in die Hinzu- fügung eines Supplementes zu Gunsten Deuftch» lcmds einwilligen. Diese Verteilung der Häfen für die Polizeiorganisation wird durch die Konfe­renz selbst vorgenommen werden. Der öster­reichische Enttmtrf macht keinerlei Anspielung hinsichtlich des Planes einer gemischten Polizei in jedem Hafen, der marokkanischen Ursprungs ist. Aber dieser Plan könnte wieder aufloben, wenn der österreichische Entwurf nicht angenom­men wird. Die österreichischen Delegierten wer­den den Entwurf in Gestalt eines Amendements zu ihrem ersten Entwurf einbringen, jedoch nur, wenn sie der Annahme gewiß sind.

London, 23. März. Der Morning Post wird aus Washington telegraphiert: Ein Ueberein- kommen über die Polizeiverwaltung Marokkos wurde von Deutschland und Frankreich akzeptiert. Der Plan wurde von England und den übrigen neutralen Mächten, einschließlich der Vereinigten Staaten, gebilligt. Nominell ist Oesterreich-Un­garn dessen Urheber; tatsächlich stammt er aber von dem amerikanischen Delegierten White und war von der Washingtoner Negierung sanktio­niert. Die Polizeitruppen, Gemeine und Unter­offiziere, sollen allein aus eingeborenen Mauren bestehen, kein Europäer soll in der Mannschaft angestellt werden. Ein Schweizer soll General­inspekteur werden. Die Union schlug einen Ita­liener vor; doch Deutschland machte den Gegen- Vorschlag für einen Schweizer, der angenommen mürbe. SeineAmtsPflichten sind genau festgestellt. Nach den eingangs wiedergebenen Mitteilungen

beikamen. Es waren drei Wingolfe namens Rausch, Bauer und Israel.

L. zog sich schnell um und wollte sich nun den Fortgang mitansehen. Am Eingang vom Markt zur Banüßersttaßc durfte er nicht mehr hindurch. Der Polizeikommissar Briede und der Polizei­diener Rückert verwehrten es ibm. L. geht über den lutherischen Kirchhof die Wendeltreppe her­unter und gelangte in die Barfüßersttaße, die voll von mit Stecken und Rapieren bewaffneten Studenten war, darunter viele Teutonen, die an dem Barfiißertor bei dem alten Becker ihre Kneipe hatten und auf die Hilferufe des Gr. herbeigeeitt waren. Der Hauptspektakel hatte aber eine an- dere Veranlassung. Als Eukers Frermd fortsprang, lief ersterer mtt seiner noch blutenden Nase in sein Elternhaus, das er, da ihn Gr. verfolgte, von innen verriegelte. In dem Hause (jetzt Tromm) war eine Wirtschaft, in der dieBrüder ohne Sorgen" ihre abendlichen Zusammenkünfte hatten. Sie kamen nun, durch den Spektakel der. anlaßt an die Haustüre, öffneten diese und trafen auf der Straße mit den inzwischen zur Hllfe herbeigeeilten Studenten zusammen. Beide Par­teien, die die eigentliche Ursache des Stteites gar nicht kannten, wurden nun handgemein und mälj. ten sich beiderseitig in der Straßenrinne. Sogar dem Scharwächter Mayer der herbeigeeilt war, um Ruhe zu sttften und dazwischen geriet, ging es nicht besser. Acht Tage lang nach dieser Episode gab es fast an jedem Abend Straßenaufzüge, in­dem die Studenten, die damals noch unter der akademischen Polizei standen, die Stadt mit ihren Rapieren lärmend durchzogen.

VII.

Es war im Jahve 1849, damals hielt man noch in der Herrenmühle eine Anzahl Esel, wel­chen die gemahlene Frucht in einem großen Sacke

ist der amerikanische Vorschlag von den öfter« reichischen Delegierten nicht unwesentlich verändert worden.

Algeciras, 23. März. Morgen begibt sich bet Herzog von Almadovar nach Cadix. Die nächst« Konferenzsitzung soll am Montag Vormittag statt- finden. Inzwischen hält die Redaktionskom­mission Beratungen ab.

Algeciras, 22. März. Die Ansicht manch« Opttmisten, daß eine Einigung schon erzielt fei, trifft nicht zu. Es wird noch einiger Zett bediiv« fen, um sie zu erzielen. Das österreichische Pro­jekt wird entweder Freitag Nachmittag ob« Samstag Vormittag in einer Komiteesitzung der Konferenz unterbrettet werden. Der gegenwär- tige Eindruck ist der, daß der Entwurf in Gestalt eines Amendements vorgelegt werden wird, da als Grundlage für die Erörterungen dienen und eine für die Lösung günstige Grundlage bilden wird.

DieKöln. Z." erklärt offiziös: Alle Bemuhun- gen Welsersheimbs in Algeciras, eine Einigung herbeizuführen, stießen auf eine kleinliche Hal­tung aus französischer Seite. Wenn nunmehr noch Regnault den Versuch machen sollte, das Zollkon- trollrocht der französischen Gruppe beizuhalfen, so seien das Scherereien, die als Herausforderung der deutschen Geduld betrachtet, und als solche auch beantwortet würden. Auch in der PofizÄ- frage herrsche französischerseits bei den Delegier­ten das gleiche Bestteben. Sollten die französischen Vertreter unter Annahme, Deutschland verzichte auf Punkt 4 des österreichischen Entwurfs, bet ihren Schikanen und ihrer Unaufrichtigkeit ver- harren, so würde man deutscherseits zu weiterer Versöhnlichkeit nicht raten können, well alsdann der Beweis erbracht sei, daß eine Verständigung von anderer Seite verhindert werden soll.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. März.

Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Morgen mit der Kaiserin einen Spaziergang im Xier». garten, hatte dann eine Unterredung mit dem Reichs« kanzler und empfing später im Schlosse den Geh. Reg.» Rat Dr. Bode. Abends nahm der Kaiser an einem Diner beim Reichstagspräsidenten Grafen Ballestrem teil.

Ueber die Reifeplane des Kaisers steht nur so viel fest, daß der Kaiser im Hochsommer e zwischen ihm und dem König von Norwegen bereits besprochen« Nordlandsreife unternehmen wird. Alle anderen Ncisedispositionen beschränken sich auf das Inland.

Dem Bundesrat ist der Entwurf eines EtatS- notgcsetzes zugcgangen, wonach für die Monate April und Mai die laufenden Reichsausgabcn geleistet wer­den können. Ferner ist dem Bundesräte eine Vor­lage betreffend Ausprägung von Einpfennigstücken zu« gegangen. Es scheint also, haupftächlich wohl in ©üb» deutfchland, ein Bedürfnis für diese kleinste Münze vorhanden zu fein. Der Bundesrat machte sich über

über den Rücken gelegt wurde und die das Mehl den Bäckern brachten. Die Bedienungsmann­schaften dieser Esel waren die Eseltreiber. Die hier anwesenden Studenten trugen damals im Winter sog. Kapuzen von Baumwollbieber, ähn­liche hat man heute wieder. Diese Kaputzen waren entweder grün oder braun und eingefaßt mit rote Kordel und ein Glöckchen hing an der Ka» putze. Die Gattin des Mühlenbesitzers hatte nun, damit die Eseltreiber im Winter nicht frieren soll­ten, jedem eine solche Kaputze zu Weihnachten 1848 zum Geschenk machen lassen. Das verdroß aber die gesamte Studentenschaft, daß ihr Kleid für die Winterszeit so herabgewürdigt worden war. Sie schworen der Frau Louise Sand« Rache, die sie folgendermaßen ausführten. Da­mals trugen die reichen Damen sog. türkische Umhängetücher in weiß und rot, sie waren ge- wirkt und sehr teuer. Auch Frau Louise hatte so ein schönes Umhängetuch. In Marburg waren nun zweiDamen" namens Gr., sie waren Töcht« eines verstorbenen Sfiefelwichsers. Jeder dieser beiden kauften und schenkten die Studenten einen imitierten türkischen Shwal und angetan damit mußten sie tagsüber mehreremal vor der Mühle, wo die Frau Sander wohnte, vorübergehen. Die Kaputzen und die türkischen Shwals kamen damals bald in Mißkredit.

VIII.

John Tydall, em Student der Chemie, b« um 1849/50 hi« in Marburg studierte, schreibt über seinen Aufenthalt folgendes:

Marburg besaß damals 300 Studenten. Die« ses sagte meinem Aufenthalt und meinem Geld­beutel weit mehr zu, als eine größere Universität.

Ich wohnte auf der Ketzerbach, ein« Straße durch die in bet Mitte ein offener von Akazien umsäumter Bach floß. Meine Wohnung war seh»