fßoben, daß die Rückensäule verletzt und dos Gehirn erschüttert wurde. Qualvolle Tage folgten de« Ha« AL?Halle nach, bis die Arme vom Lode erlöst wurde.
Berniijchtcs.
Berlin, 23. März. Die Hofopernsäugerin ttnmt) von Destinn wird nach Ablauf ihres Vertrages «it der Berliner Gereraliutendantur im Jahre 1908 nicht nur das Kgl. Opernhaus, sondern auch Berlin verlassen. Sie folgte einem Rufe Conrieds, für dessen Kcwyorker Metropolitan Opera-House sie zunächst für drei Jahre verpflichtet worden ist. Emmy von Dcstinn soll in ihrem Kontrakt mit der Metropolitan-Oper eine Jahresgage von hundertsechzigtausend Mark zu- gesichert erhallen haben. DaS Jahreseinkommen soll sich sogar bis zu zweimalhunderttausend Mk. steigern, kenn der Vertrag von 1908 bis 1913 bcsieben bleibt.
Stettin, 22. März. Fast sechsunddreißig Jahre lang hatte der Kriegsinvalide Feucrhelm in Neuen- turg in Pommern eine Revolverkrigel im Körper mit sich heruingctragen. Jetzt ist die Kugel, von Eiter umgeben, aus dem Fleische der einen Oberschenkels zutage getreten. Feuerhelm wurde am 16. August 1870 durch den Splitter einer fronzöfischen Granate em Becken schwer verletzt. Während er mit noch einem, ebenfalls schwer verwundeten Kameraden auf dem Schlachtfelde lag, nahte ein französischer Offizier, der die beiden Deutschen durch Revolverschüsse vollends zu töten beabsichtigte. Der Kamerad starb infolge der neuerlichen Verletzung, Feuerhelm überlebte aber auch die zweite Verwundung. Nur gelang es damals nicht, die Revolverkugel aus dem Körper des Mannes zu entfernen. Jetzt hatte sich die Kugel selbst einen Ausweg gebahnt.
Konstanz: 22. März. In der „Konstanzer geitung' stand dieser Tage folgende lakonische Mitteilung: Ueber die Fastnacht wurden bei einem hiesigen Leihgeschüft 180 Eheringe versetzt.
Stuttgart, 21. März. Wie der „Schwab. Merkur" meldet, entgleiste gestern Abend der non Brüssel kommende Schnellzug bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Bietigheim. Der letzte Wagen, der direkte Wagen Amsterdam—lllm, der jedoch nur schwach besetzt war, wurde vollständig umgeworfen, sodaß die Insassen durch die Wagenfenster steigen mußten. Mehrere Reisende und der Wagenwärter wurden leicht verletzt; die übrigen kamen mit dem Schrecken davon. Bon Stuttgart und Cannstatt wurden alsbald Werkstättenarbeiter mit einem Hilfszuge entsendet, die die Strecke freimachten.
N e u ft a b t, 23. März. Ihre Bärte wachsen zu taffen — diesen heroischen Entschluß faßten bk Männer in Lachen bei Neustadt a. H. Die Barbiere des «nannten Ortes erhielten bisher für das Jahr 2 Mark bei wöchentlich einmaligem Rasteren, 4 Mark aber, wenn diese Prozedur wöchentlich zweimal unternommen werden mußte. Jetzt haben sie sich durch eine Konventionalstrafe von 200 Mark verpflichtet, eine Preiserhöhung auf 3 bezw. 5 Mark durchzuführen and für das Haarschneiden sich extra bezahlen zu lassen, während es bisher in der obigen Taxe inbegriffen war. DaS wollen sich die Bürger nicht gefallen lassen enb haben beschlossen, sich nicht mehr rasieren zu kaffen.
Turin, 22. März. Heute endete der Prozeß gegen einen gewissen Garrero, der seine Frau in einer «timen Unterhaltung mit einem anderen überrascht, ^kl'en erschossen und feine Frau schwer verwundet hatte. Das Gericht sprach Garrero frei. Das Publikum begrüßte das Urteil mit stürmischem Applaus und wurde von einem wahren Delirium ergriffen.
Biete umarmten und küßten Garrero. Endlich wurde er ha Triumph auS dem Gericht hinausbegleitet.
Florenz, 22. März. Die Prinzessin Elvira von Bourbon, die Tochter des Don Carlos, die in Flo» renz mit dem Maler Folchi lebt, der fte vor Jahreu entführte, wollte iu einer Färberei eia Kleid abholen, wobei sie mit der sie bedienende« Verkäuferin über den Preis in Ettrit geriet Dieser ortete in Tätlichkeiten aus, als die Verkäuferin nicht dulden wollte, daß die Prinzessin das Kleid ohne Bezahlung fort- nahm, und letztere eS mit Gewalt an sich brachte. Die Prinzessin verprügelte die Verkäuferin derartig, daß diese sich ins Hospital begeben mußte, um sich verbinden zu lasten. Die Polini schritt eia, verhaftete Elvira und ließ sie nicht eher frei, al» bis daS Zeugnis eines Arztes eintraf, wonach die Verkäuferin in zehn Tagen heilbar sei. Die Angelegenheit erregt begreifliches Aufsehen.
Madrid, 22. März. Die furchtbare Hungersnot in Andalusien dauert fort. In San Luear und Barrameda wurden gestern alle Bäckerläden gestürmt, wobei zahlreiche Personen verwundet würben. Die Gemüter sind heftig erregt. Sehnliche Konflikte stehen in vielen anderem Crtea drob end bri»r.
Loudon, 21. März. Der „Daily Telegraph" meldet auS Tokio: Infolge teilweiser Wiederherstellung der Verbindungen gelangen jetzt Einzelheiten über große Erdbeben auf der Insel Formosa hierher. Danach wird gegenwärtig die Zahl der Umgckomme- nen auf mehrere Tausend geschäht. Die ganze Insel wurde durch Erdstöße erschüttert, #e vom frühen Morgen des 17. März bis spät in die Nacht hinein fortdauerten. Leichte Erschütterungen wurden auch in Japan verspürt, so wurden in Kumamoto während der Nacht und am folgenden Morgen fünf deutliche Erdstöße wahrgenommen. Telegramme aus Formosa melden, daß die blühenden Orte Dabrijo, Naisbiko und Elainko vollständig zerstört worden sind. In Kag sind 200 Eingeborene und 7 Japaner ums Leben gekommen. Dk Behörden verrichten die Geschäfte entweder unter offenem Himmel ober in schnell zusammengezimmerten Hütten. In Dabijo wurden etwa 600 Toto gezählt. Der Sachschaden ist ungeheuer.
ÄSegea Spuckens verhaftet wurden dieser Tage im Foyer eines Newyorker Theaters neun schlecht erzogene Herren, unter ihnen ein reicher Börsenmakler, ein Großkaufmann, ein GrundstückÄuwrnittler und ein bekannter Schauspieler. Obwohl in Rewyork an allen öffentlichen Orten ein Zettel mit der Auftchrist „Spitting forbidden" prangt, hatten die neun Männer doch in den Wandelgängen des Theaters auf dk Erde gespuckt und mußten un nächsten Augenblick den Gang zur Polizeiwache antreten. Der reiche Börsenmakler sollte gegen eine Kaution von 500 Dollars vorläufig freigelassen werden, da er aber nur 300 Dollars bei sich hatte, mußte er die Nacht in einer Zelle verbringen, wo die Gasflamme sozusagen ironisch die an die Wand geklebte Warnung: „No spitting allowed" beleuchtete.
Die Politik bringts an den Tag. „Aber ich bitte Dich, liebe Ella, sag' mir um Himrnelswillen, waS ist vorgefallen. Dubist kaum vier Wochen verheiratet und ich finde dich in Tränen schwimmend?" „Ach, Hulda! Karl hat sich von den Konservativen als Kandidat für den Reichstag aufstellen lassen und jetzt erfahre ich erst aus den liberalen Zeitungen, was für einen schlechten Menschen ich geheiratet habe."
Die erste elekttische Lokomotive für den Simplou- tunnel ist fertig. Sie ist ganz ähnlich gebaut, wie die neueste Maschine für die elektrisch betriebene Peltlin- talbahn, von der ja auch wahrscheinlich einige Fahr-
jeage für Ke erste Zett des Betriebes entlkhen wer- de«. Tie Maschine ist symmetrisch gebaut, an beiden Enden etwas niedriger, in der Mitte mit einem größeren Aufbau, in dem bk Steuerapparate usw. Platz finden und der als Führerstand bkitt. Die Maschine ruht auf drei Hanpttragachsen und zwei Nebenachsen. Die Hauptachsen sind untereinander mittels Kuppelstange starr verbunden, ähnlich wk bei Dampflokomo- ttven. Zwei Motore arbeiten ohne Zwischenschaltung von Zahnrädern direkt auf die Achsen, sie sind für zwei Geschwindigkiten: 84 und 68 Kilometer gebaut. Die Zugkraft der Maschine beträgt bei kleineren Geschwindigkeiten 6, bei größeren 3 sh Tonnen, das Gesamtgewicht 62 Tonnen, wovon 42 Tonnen auf bk angc- triebenen Achsen entfallen.
Ein Schwein als Schrittmacher. Als jüngst die Sekundärbahn von Lüchow nach Salzwedcl fuhr — so berichtet der „Tangermünder Anzeiger" —, lief etwa hinter Wustrow ein Schwein auf den Schienen und immer vor dem Znge her; obgleich geläutet und Dampf geloffen wurde, das Schwein wich nützt. Eine ie Zuge befindliche Fran ftkg aus, um das Borsten- tier zu verscheuchen, aber umsonst, obwohl die Frau eine lange Strecke mitlief. Als abends der Zug von Salzwedcl nach Lüchow fuhr, bemerkte man das Schwein hinter« Bürgerholz wieder. Wieder fuhr der Zug langsamer, wieder dasselbe Manöver, das Schwein lief andauernd vor dem Zuge her, bis ek dicht vor Wustrow plötzlich verschwunden war. SSan kann sich das Gaudium der Fahrgäste denken. Man meinte einerseits, der Maschinenführer sollte drauflos und das Schwein totfahren; dieser Aeußerung wurde eut- gegcngehalten, das fei bei den teuren Fleischpreisen nicht angängig usw.
Neueste Telegramme.
Berlin, 23. März. Wie die „Berliner Morgenpost" von besonderer Seite hört, steht das Pekinger Auswärtige Amt zu dem deutschen Auswärtigen Amte in Unterhandlungen, um dem chinesischen Gesandten in Berlin den Rang eines Botschafters zu verleihen.
Paris, 23. März. Bis jetzt haben an das Kultusministerium etwa 15 000 Geistliche aufgrund des Trennungsgesetzes ihre Pensionsgesuche gerichtet, «ns den katholischen Kultus entfallen davon 14 258, darunter 7082 Gesuche um lebenslängliche Ruhegehälter und 7176 Gesuche um vorübergehende Unterstütz,m- gen. In einer Anzahl Diözesen Beauftragten die Bischöfe ihre Geistlichen, ihnen die PensÜMsgesuche zur SBeiterbeförberimg an die Präfekten ober an das Ministerium zn übergeben. Es heißt, daß mehrere Bischöfe diese Gesuche zuriickbchalten haben.
Tokio, 22. März. Nach einer Meldung beziffert sich der Schaden den das Erdbeben angerichtet hak, auf 180 Millionen Mark. Die Zahl der Getöteten wird nunmehr auf 9000 angegeben.
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Kirchliche Nachrichten.
Sonntag, 25. M Srz 1906.
Reformierte Stadt- und Univerfitätökirche. ll*h llhr: Kindergottesdienst.
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