Jo 70
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Marburg
Sonnabend 24 März 1W6
mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchhain.
Sontttagsbeilage: Illustrirtes Sonntaasblatt.
Neueste Telegramme.
Hamburg, 22. März. Auf der Werst von Blohm u. Voß lief heute nachmittag der große Panzerkreuzer D. in Anwesenheit des in Vertretung des Staatssekretärs von Tirpitz erschienenen Vizeadmirals v. Eickstedt und des Bürgermeisters Dr. Bnrchard glücklich vom Stapel. Den Taufakt vollzog Graf Haeseler, der den Kreuzer „Scharnhorst" taufte. Graf Haeseler schloß seine Ansprache mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser.
Koblenz, 23. März. Hier verlautet, der Kaiser werde in diesem Jahre in Ems eine Badekur gebrauchen und in Koblenz vorübergehend Aufenthalt nehmen.
München, 23. Mai. Die Abgeordnetenkammer genehmigte die Mittel für die verlangte or- deutliche Geographieprofessur an der Universität München. Der Kultusminister versprach, bei Genehmigung einer außerordentlichen Orthopädie- Professur in München, für orthopädischen Unterricht auch an den Universitäten Würzburg und Erlangen sorgen zu wollen.
Kaiserslautern, 23. Mä^. Das endgiltige Resultat der Reichstagswahl im Wahlkreise Kaiserslautern-Kirchheimbolanden ist: Klement (Soz.-Dem.) 7518, Schmidt (verein, gib.) 7571, Roesicke (B. d. Landw.) 6501, Kempf (Zent.) 3764. — Dr. Roesicke fordert in einem Brief an seine Wähler auf, für den liberalen Kandidaten Schmidt einzutreten.
Wien, 22. März. Nach der „Konservativen Korresp." soll dem Abgeordnetenhause nack Ostern eine Regierungsvorlage zugehen, die einen Kredit von 15 Mill. Kronen für Beschaf- fung von Feldartilleriematerial für die österreichische Landwehr anspricht. Bekanntlich sollen die Landwehren in beiden Reichshälften mit Artillerie versehen werden.
Paris, 22. März. Der heuttge Kabinettsrat unter dem Vorsitz Sarriens beschloß, dem Präsidenten der Republik Ordenauszeichnungen für die nach Courrieres gekommenen deutschen Ingenieure und Bergarbeiter vorzuschlagen.
Newyork, 22. März. Das Marineamt läßt aus früher bewilligten Geldern zwei Schlacht, schiffe von je 16 000 Tons bauen.
Tokio, 22. März. In den von der Hungersnot heimgesuchten Distrikten des nördlichen Japan kamen an mehreren Orten ernstere Unruhen vor. Polizei wurde zum Einschreiten gezwungen, um die Aufständischen auseinander zu treiben.
Deutjch-französilche Handelspolitik.
Auf ein fruchtbares Gebiet sucht Prosiessor Dr. Julius Wolf die Augen der Friedensfreunde in einem Artikel zu lenken, den er mst „Gedanken über eine handelspolitische Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland" überschreibt. Das
8 (Nachdruck verboten.)
An der dänischen Grenze.
Roman von Dietrich Theben.
(Fortsetzung.)
Matin Wehrend ging über die Diele und stand plötzlich vor den Leuten.
„De Bur!" rief eine erschreckte Mädchensttmme.
Die schlanke Gestalt des Bauern ragte über die Köpfe der andern hinweg.
„Was ist los?" schnitt Behrends ruhige Frage tn die Sülle.
Keine Antwort. Und niemand rührte sich. „Steven Kammerich!" rief der Bauer.
Der Baßsänger schob sich etwas vor.
„Wären Sie nicht betrunken, so würde der Preuße Ihnen mit einer Ohrfeige antworten. 'Haben Sie verstanden? Aber ein Betrunkener kann niemand beleidigen. Scheren Sie sich ins Bett — und morgen früh sprechen wir uns."
Der Zurechtgewiesene wollte noch nicht, aber vier Anne seiner Arbeits- und Zechgenossen schoben ihn in seine Kammer und hielten den Lärmenden dort fest. Sie zogen die Tür zu und schlossen auch das noch geöffnete Fenster, um den Lärm möglichst in dem kleinen Raume zu er- sticken. Aber erst ein paar derbe Faustschläge der etwas entüchterten Zechbrüder ließen dm Aufgeregten endlich zu einer erzwungenen Ruhe kommm.
Christian Hagen machte seinem Aerger über die Unbotmäßigkeit noch in einer Aussprache mit der Wirtschafterin Luft.
„Dieser Kammerich, der ist der Hetzer, der an allem Schuld hat," bchauptete er. „Die anderm -Serie sind Lapse, und die Deems — ach, die
„Berl. Tagbl." ist durch den Herausgeber der „Friedenswarte" A. H. Fried in die Lage versetzt, von diesem Artikel, der demnächst in der „Friedenswarte" erscheinm soll, schon jetzt Kenntnis zu nehmen. Der Verfasser beschreibt zunächst die handelspolitische Entwicklung Frankreichs seit dem Frankfurter Frieden, der bekanntlich dm beidm vertragschließenden Ländem die Meistbcgünsttgung aus „ewige Zeit" sicherte.
Frankreich, einst der Führer in der Handels. Vertragspolitik, wandte sich seit 1892 dem autonomen Zollregime zu. Jetzt hat es ein Handelsabkommen mit Rußland angenommm. Diesem Abkommm ist ein großes Gewicht beizumessen unter dem Gesichtspunkt, daß sich hier Frankreich sehr weit von seinem Prinzip der autonomen .Handhabung des Tarifs entfernt, wieder einen Handelsvertrag geschlossen hat. Der Verfasser »veist dann weiter darauf hin, daß man sich jiingst- hin in Frankreich mit der Frage einer Modifikation des jetzigen Zollsystems, mit der Frage der Rückkehr zu den Handelsverträgen gleichzeitig an den verschiedmsten Stellen zu befassen beginnt, und daß man mit offensichtlichster Deutlichkeit dabei auf Deutschland weist, als das Land, welches dafür in erster Linie in Betracht kommt. Er bemerkt dazu:
„Es wäre hocherfreulich, toenn in Frankreich sich diese Bestrebungen aus eine kommerzielle Annäherung an das Nachbarland durchringen und feste Gestalt annehmen würdm, toenn es gelänge, in handelspolittscher Beziehung toicber da anzuknüpfen, wo man mit dem Ausbruch des Krieges von 1870 dm Faden entzweischnitt. Denn wir sind überzeugt, daß eine handelsvolittsche Abmachung zwischen dm beiden Ländern auch nach der Polstischm Seite hin reiche Früchte tragen und mithelfen würde, über dm Spalt hinwegzukom- nten, der die zwei Nationen trennt."
Die Friedensfreunde werden darauf aufmerf- sam gemacht, daß sich ihnm hier ein weites und aussichtsreiches Feld für ihre Tättgkeit eröffnet. Wolf führt dazu aus:
„Allm Politischen Aversionen und Konrplika- ttonm zum Trotz hat sich hüben und drüben eine Reihe von prominenten Persönlichkeitm um die Fahne der Friedmsbewegung geschart, proklamiert 6üben und drüben eine Anzahl von Männern als oberstm politischen Gnindsatz: Friede zwischen Dmtfchland und Frankreich! Reiche Arbeit ist bis. her schon von dm Friedensfreunden für die poli- ttsche Annäherung der beiden Länder geleistet worden in Form der Anknüpfung von Persönlichen Beziehungen. Wäre es nicht praktisch, sich nun mit aller Gewalt auf das Gebiet der handelspoli- tischm Abtnachungm zu werfen, all das, was in bet Richtung ber Persönlichen Annäherung geleistet worben ist, in den Dimst dieser Idee zu stellm? Die beidm Staaten haben einander etroaä zu bieten. Die Politischen Gegensätze Der- hinderten es bisher und verhindem es noch, daß
Gänse! Aber alle lassen sie sich von ihm ins Schlepptau nehmen und sehen nicht, was für einen versoffenen Helden sie vor sich haben. Meinst Du, es gibt keine vernünftigen Menschen hier? Natürlich gibts die. Ich glaube, die meisten sogar würden froh sein, wenn endlich mal Frieden Würde. Aber so ein Wühler, — und da läuft gleich wieder 'n ganzer Sagen voll hinter ihm her. Na, und bloß die Kleinlmt? Nee, das ist es ja eben, daß bie Großm auch ’n Brett vorm Kops haben. Je mehr nach Flensburg zu, desto wmiger. Aber hier bei uns rum, grab bei uns. Und der giftigste? ®er vom Stürhof! Der hat ben Preußenhaß nicht bloß löftelweise gefreffen, sondern gleich ganze Schüsseln voll. Unb die gelbhaarige Deem, die Karm, die hat so viel danskesche Raupen im Kopf wie der Alte —"
„Na nee! Sagtest Du nicht vorhin, die wär' fein?" rmteichrach die Wirtschafterin mit Genugtuung.
„Ach waS, fein! Wenn die unfern Bauern so von oben her anguckt, als toär* sie ’ne Prinzeß — — was bilb’t die sich denn ein?"
„Hat sie das getan?"
„Frag' nicht so dwatsch! Vorigm Sonntag muh der Kirche — unser Bauer grüßte sie — und hu! rühr' mich nicht an, kuck' mich nicht mal an! Und dem Altm, dem Fuchs, dem mußte wohl die Mütze angeklebt sein, daß er sie nicht runter- kriegen und wie andere vemünftige Chriftmmen- schen wmigstens bonfen könnt'. Die und der, die wärm für mich beide nicht mchr da, toenn ich Martin Behrend hieße und den großen Hoyerhof hätt' —"
„Meinst, daß der Bauer sich was aus ihnen macht?"
sie sich geben, was sie sich geben können, lieber dieses Hindernis Hinwegzukommen, muffen die vielen persönlichen Beziehungm, welche von dm Freunden ber Friedensidee herüber und hinüber gesponnen wordm sind, nutzbar gemacht werden; ihnen ist als Ziel und Richtung zu geben der Abschluß eines Vertrages, aus dem beide Teile Gewinn ziehen müssen. Ein Handelsvertrag garantiert nicht ben Frieden; aber er ist ganz entschieden ein Moment, welches dm Frieden stärkt, weil er eben bie Wirtschaft zweier Staaten in- cinanber verflicht, das Sehnen eines immer größer roerbenben Kreises von Personen auf beiden Seiten nach einem friedlichen und ungestörten Güteraustausch wachruft. Ein Handelsvertrag ist feine Versicherung gegen den Krieg, aber er bedeutet bie Minderung des Risikos, insosem er kraft des erleichterten und geförderten Warenverkehrs auch die perfönlichm Beziehungm von Land zu Land fertigt und neue vermittelt, mithilft daß die Völker sich in ihrer Eigenart verstehen fernen, daß Gegensätze gemildert und Schroffheiten abgeschliffen werden. Je mchr Warm herüber- unb hinübergeschobm werden, desto besser, desto mehr Jnteressm am Friedm. Wmn es gelingt, ein vorläufig auch noch so mageres Abkommen zwischen dm beiden Nationen zu er- zielen, so ist das schon ein großer Erfolg. Jede über die einfache Beredung der Meistbegünstigung hinausgehende Vereinbarung ist ein Schritt zur Annäherung ber beiben Nationen."
Die Handelspolitik als Mittel für die Politische Annäherung zu benutzm, ist kein völlig neuer Gedanke, aber es ist doch nicht ein schlechtge- wählter Augenblick, ihn gerade jetzt aufzugreifen. Die marokkanische Frage hat so manche Verstimmung gezeitigt. Man wird sie, nach Abschluß ber. Verhandlungen am besten beseittgen können, wenn man auf eine größere wirtschaftliche Annäherung hinarbeitet, zumal bie Verhältnisse für eine derartige praktische Friebensarbeit nicht ungünstig scheinen.
Die Konferenz tn Alneciras.
— Der freikonservative bekannte Abgeordnete v. Kardorff hat sich dem Korrespondenten ber „Neuen Freien Presse" gegenüber tote folgt über bie Konferenz geäußert: „Ich glaube an einen guten Ausgang ber Konferenz. Wmn nicht ganz unberedtenErore Ereignisse bazwischentreten, halte ich ernste Komplikationm für ausgeschlossen. Unb so wie ich, urteilen auch jene meiner Kollegen, die in ber Regel über bie auswärtigen Angelegen- beiten am besten informiert find. Natürlich wird man sich auf beiden Seiten bemühen, noch in letzter Stunde eine möglichst stramme Haltung zu zeigen. Aber hier toie dort besteht der Wunsch. M einer Einigung zu gelangen. Die gegenwärtige Stockung in Algeciras ist meiner Meinung nach nur darauf zurückzuführen, baß das neue franzö-
-Das ist seine Sach'. Ich sag nur, toie ich benfe. Aus dem Kammerich, nee, da macht er sich gewiß nichts. Nur, toenn ich ihn recht kenn', morgen früh, da kann's was absetzen. Und toenn ber morgen mittag noch auf dem Hof ist, da sollt's mich doch wundem."
„Na, der will ja auch von selbst geben —" __ ..Der? Das reb’t er immer, toenn er voll ist. Steht er toas aus bei uns? Na also. Und das weiß der auch selbst. Bester wirb er's so leicht nirgmbs finden — da steckt er schon wieder ein 9o(h zurück, wenn's noch angebt. Unb wir müssen u"s weiter mit ihm ’rumärgem und zusehm, wie der Maulwurf heimlich fortwühlt unb bie an bereu mit rebellisch macht. Ja, bas ist ’ne Welt — da hat's ber anbere Behrend wie in’n Himmel - • • Na, ich hab' noch bie Pferbe zu ftriegdn, toenn sie wieder trocken sind. Gu'n Nacht, Deem."
Und knurrend schob er in ben Stall, während die Wirtschafterin sich noch in der Küche umsah.
Martin Dehrmd saß behaglich lesmd unter ber Lampe. Er hielt sich neben dem Tondemschm Lokalblatt ein paar Berliner Tageszeitungen, in die er am Vormittage nur flüchtig hatte ein- feben können. Der Auftritt mit den Leuten hotte ihn nicht sonderlich aufgeregt und nur so toeit noch beschäftigt als zur Fassung eines be- stimmten Entschlusses für ihn nötig gewesen war. Gin gewisses Herrenbewußtsein fehlte ihm nicht, aber es war gemildert und umgrmzt von einem ausgeprägten Gefühle der Verantwortlichkeit und ber strengen Gerechtigkeit, das ihn überall bedacht toagen und dann erst handeln ließ. Der Störm- fried war ein ungebildeter, nur bedingt zurechnungsfähiger Mensche unb das forderte ein Maß von Nachsicht; aber er war durch die bauernde •
sische Kabinett erst darüber schlüssig werden mußte, welche Jnstruttionen eS den französischen Delegier, ten in Algeciras erteilen soll. Bourgeois ist kein Deutschenhasser, unb jedenfalls habe ich zu seiner staatsmännischen Begabung das Vertrauen, daß er sich nicht in Abenteuer stürzen wird. Was die Angriffe betrifft, bie in letzter Zeit im Zusammenhang mtt ber Marokko-Angelegenheit gegen be» deutschen Reichskanzler gerichtet worben sind, so kann ich sie in keiner Weise emst nehmen. Hinter diesen Angriffen bürste wieder jener „Gegen- spieler" bes Fürsten Bülow stehen, ber seine Be- ziehungen zu einem Teil der Presse ht letzter Zeit wiederholt dazu benützt hat, um seiner Miß- sttmmung darüber Ausdruck zu geben, baß feine zuweilen sehr einflußreiche Persönlichkeit jetzt i» ben Hintergrund gedrängt worden ist. Die Stel. lung des Fürsten Bülow ist jetzt so fest wie nur je."
Algeciras, 21. März. (W. B.) In der heute Vormittag abgehaltenm Komsteesitzung. wurde vorgeschlagen, bas Gehalt eines Hauptmanns in jedem Hafen auf 7000 Francs, das des Inspekteurs auf 25 000 Francs festzusetzen. Die Allgemeinheit des Komitees stellte den Antrag, daß der Inspekteur alljährlich eine allgemeine Inspektion vornehmen und jeden Hafen besuchen soll, sobald irgend ein Zwischenfall seine Anwesenheit dort nötig macht; nach jedem Besuche soll der Inspekteur einen Bericht abfassen, der offiziell an btn Sultan gerichtet und dem diplomatischen Korps in Tanger mitgeteilt werben soll. Die gesamte Diskussion von hellte Morgen ließ allge. mein den Wunsch ber Delegierten erkennen, bie Einrichtung ber Inspektion zur Tatsache werben zu lassen und auch ihre Befugnisse soweit als möglich auszudehnen. In ben Bestrebu- jon ber Delegierten soll ber Gedanke ausgetaucht sein, anstelle der Zuteilung eines Teiles an Spanien die Organisation einer aus Franzosen und Spaniern gemischten Polizei zu übertragen. Von spanischer unb französischer Seite wird dagegen geltend gemacht, baß bie gleichzeitige Anlvesenheit von französischen unb spanischen Offizieren unb Unteroffizieren in jedem Hafen eine Quelle von zahllosen praktischen Schwierigkeiten unb persönlichen Rivalitäten untereinander hinsichtlich des Oberbefehls, der Befugniste, ber verschiedenen Organif^ttonsvwise ber Polizei, bet Aufrechterhaltung ber Disziplin unb ber Instruktion ber Mannschaften der marokkanischen Polizeitrupp« geben würde, mit einem Worte, eine gemischt« Polizei in jedem Hafen sei gleichbedeutend mit der Unmöglichkeit für jede dem Handel unb dem Ver- kehr forderliche Organisation ber Polizei truppe.
Paris, 22. März. Bourgeois teilte dem Mi» nifterrate mit, baß aller Voraussicht nach bie Kon. ferenj in Algeciras halb ihre Arbeiten beendet haben werde. Die noch bestehenden Differenzen seien keineswegs bedeutend.
Madrid, 22. März. Das Blatt des Minister- des Innern „Diario-Universal" bestätigt bas Vor.
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Aufwiegelung ber anberen Arbeitsgenossen auch nicht ungefährlich, und damit war ihm in Behrends Wägungen das Urteil gefvrochen.
Die Zeitungen fesselten den Bauern, unb er bemerkte nackt, daß bie Wirtschafterin reichlich umstänblich abräumte unb ihm unter gesenkten Wimpern Seitenblicke zuwarf. Erst als er bie Stubentür hinter ihr ins Schloß fallen hörte, sah er flüchtig auf, vertiefte sich aber gleich darauf wieder in seine Lektüre unb nahm als letzte« das Tondernsche Blättchen zur Hand.
Die Mamsell hatte, als sie über bie Diele nach ihrer kleinen Stube schritt, das unbestimmte Gefühl, baß Christian Hagen sich noch vor seiner Kammer aufhielt unb sie beobachtete. Sie leuchtete mit ber Küchenlampe bie Richtung ab und sah in ein mißtrauisch schielendes Augenpaar.
„Was stehst Du noch da?" zischelte sie.
„Kann ick nicht?" knurrte.Hagen."
„Du willst wohl Mause fangen?"
„Kann sein. Ich dachte, Du würdest gleich da drin bleiben."
„Um mich brauchst Du Deinen Schädel nicht anzustrengen. Kümmere ich mich um Dich?"
„Nee. Leider nicht."
„Na also!"
„Wenn Du noch nicht übergeschnappt bist, lange kann's nicht mehr dauern."
„Und toenn Du Dir die Flünk noch nicht verbrannt hast. Du Mott Tu, an Dir liegt's wahr, haftig nicht," entgegnete er mit mehr Schlag- fertigtest, als sie ihm sonst gegeben war.
„Nachtwächter!" Sie lachte spöttisch, schlüpfte in ihr Gemach und riegelte ab.
(Fortsetzung folgt.)