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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntagsblatt.

JVo 67

Vierteljährlicher Bezugspreis, btt der ExpLüion 2 2)1!., bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cu Bestellgeld).

JnserttonZgebühr: die gespaltene Zeile oder veren Raum 10 Pfg.

Rcclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch 21. März 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jahr-,

Erstes Blatt.

Reueße Telegramme.

Berlin, (9. ZTlärj. Wie verlautet, soll der Generalinspektor der Fußartillerie, General der Infanterie v. perbant, von seinem Posten zurücktreten. Als sein Nachfolger sei General­leutnant v. Dulitz in Frankfurt a. d. Oder in Auf­sicht genommen sein.

B e rl in , 20. Wär;. Eine deutsche Armee-, Marine- unb Kolonialausstellung soll in Berlin : vom (5. Februar bis zum V September statt­

finden.

Berlin, (9- Würz. DerKöln. Zeitung" wird gemeldet, daß die Umbewaffnung der Ar­mee mit dem abgeänderten Gewehr und mit Rohrrücklaufgeschützen bereits zum Teil durch- W geführt ist und bezüglich des Restes regelmäßig fortschreitet.

Posen, 20. März. Wie dieposener N. te#. Naäir." melden, befahl Erzbischof Stablewski sämtlichen Geistlichen deutscher Nationalität aus M .-.den deutschen katholischen Vereinen auszutreten. Der Austritt soll bereits erfolgt sein. (Den Aus­tritt aus den polnischen Strazvereinen fordert der - Erzbischof nicht. Das sind die Folgen des allzu rücksichtsvollen Verhaltens der Regierung gegen­über dem edlen Pan Florian von Stablewski. . Er kümmert sich einfach nicht um sie!)

Nizza, 18. März. Herzog Konstantin von Oldenburg ist gestorben. (Herzog Konstan- tin, der dritte Sohn des Herzogs peter von Oldenburg, ein entfernter Verwandter des Groß­herzogs von Oldenburg, wurde am 9. ZHai 1)850 geboren. Er hat in russischen Mil'tärdiensten gestanden und bekleidete dort den Rang eines Generalleutnants. Vermählt war er morgana­tisch mit Agrappina Djaridze, welche den Titel einer Gräfin v. Zarnekau erhielt.)

p a ri s , 20. März. Das Kriegsgericht von Rennes hat die drei Offiziere, die bei der In- D' ventaraufnahme in der Kirche von Saint Servern M den Gehorsam verweigerten, mit fünf gegen zwei Stimmen für schuldig erklärt. Major Herv 'erhielt einen Monat, die beiden Hauptleute Spiral M und Eieret je einen Tag Gefängnis. Zillen Ver­urteilten wurde Strafaufschub zugebilligt, was die disziplinären Folgen der Verurteilung jedoch nicht ausschließt.

Newyork, 19- März. Der Rücktritt des amerikanischen Botschafters in Zvien ist dem zu großen Eifer zuzuschreiben, mit welchem dessen Gattin für die Ernennung eines weiteren Kardi­nals für Zlmerika wirkte.

(Nachdruck verboten.)

Ein Jugendlraum.

Novelle von kfans Albrecht - Löffel.

l Schluß.)

Sie schwieg, mit teilnahmsvollen Blick in fein bleiches, verstörtes Gesicht schauend.

Sie sind noch nicht zu Ende," sagte er ton­los,sagen Sie alles! was geschah, als Else Rodin die Stunden weiter besuchte?"

Frau Kemper schwieg noch immer.

Schonen Sie mich nicht!" ssieß er befehlend mit heiserer Stimme heraus.Gestehen Sie die ganze Erbärmlichkeit dieses ZHannes! Er hat sie bedroht geschlagen mißhandelt?"

Ja," war die zögernde Zlntwort.Er hat das getan, sinnlos vor IPut und gewiß im Rausche. Aber fassen Sie sich, Herr Baron! And lassen Sie mich nicht weiter reden!"

Dock,!" fuhr er auf.Ich will auch das Schlimmste wissen! Und wenn ich es wünsche..

Er schwieg erschöpft. In sich zusammen­gesunken, mit fieberhaft brennenden Blicken saß er da, die Hände wie in körperlichen Schmerzen in­einander gekrampft.

Line kurze pause entstand. Zluch droben in der, Wohnung wars stiller geworden. Plötzlich ertönte ein streitendes Hin- und Herreden, dann Gelächter, gemeinsamer Gesang von Männer- und Weiberstimmen.

So treiben sie's jetzt manches Zlial da oben," fuhr Frau Kemper in ihrer Schilderung fort.

Nachdem man den schmucklosen, schlichten Sarg meiner Freundin aus dem Hause getragen, tzings mit Rodin schnell abwärts. Er ergab sich »nm völlig dem Trunk und seinen anderen Lei­denschaften, wurde eines Tage» entlassen, und

Die Konferenz in Algeciras.

ZurLage.

Das Neue Wiener Tagblatt meldet aus Paris, daß gegenwärtig ein neuer Vorschlag zur Besei­tigung der in der marokkanischen Frage obwal­tenden Differenzen den Gegenstand vertraulicher Besprechungen bilde. Danach wären zur Reorga­nisation der Polizei in acht offenen Häfen zwar ausschließlich französische und spanische Offiziere zu berufen, allein mit der Oberaufsicht wäre das diplomatische Korps in Tanger zu betrauen, wel­chem als fachmännischer Beirat ein von einem kleineren Staate zu stellender höherer Offizier attachiert werden soll. Dagegen bliebe einerseits der internationale Eharakter der Institution ge­wahrt, andrerseits würde der dem AntragWelsers- heimb nach Frankreichs Zlnsicht anhaftende Zllan- gel beseitigt, daß der Hafen von Easablanca einer befonderen Inspektion unterstände. ZHan hält den Vorschlag für diskutabel, weil er inner­halb des von Deutschland gezogenen Rahmens den Wünschen Frankreichs tunlichst Rechnung trägt.

Die Haltung Englands.

Nach einer Meldung der Temps erhielt Sir Arthur Nicholson in der verflossenen Nacht die telegraphische Instruktion seitens seiner Regie­rung, in allen unerledigten Konferenzfragen die Vertreter Frankreichs rückhaltlos zu unterstützen, sich in der Casablanca-Frage Revoil anzuschlie­ßen und insbesondere dagegen mit anzukämpsen, daß Easablanca oder eine anderer Hafen dem französischen Einflüsse entzogen und dem künftigen Hafenii'.spektor unterstellt werde. Diese Instruktion wurde, wie es beißt, gleichzeitig allen anderen Botschaftern Englands mitgeteilt. Der Temps fügt hinzu, Frankreich fürchte nicht, von irgend einer der ihm bisher freundlich gesinnten Kon- ferenzmächte verlassen zu werden. ZVenn aber wider Erwarten die Konferenz scheitern sollte, so würde Deutschland keineswegs die erhofften Sondererfolge in Marokko einbeimsen, dafür wolle man schon von algerischer Seite sowie von Eeuta und Gibraltar her Sorge tragen. Trotz dieses Bramarbasierens merkt man doch sehr deutlich, daß der Temps und dessen Hintermänner den Augenblick eines auskömmlichen Zlrrangements mit Deutschlands herbeisehnen.

D i e Stellung Deutschlands begründet ein an der Spitze der neuesten Nummer derNordd. Zlllg. Atg." veröffentlichtes amt­liches Expose, das in vernehmlicher Schärfe auf die Möglichkeit des Scheiterns der Konferenz hinweisi Zunächst wird an die gehässige Haltung-mancher Pariser Blätter erinnert, derTemps" wird so­gar ausdrücklich genannt, das Entgegenkommen Deutschlands betont und darauf hingedeutet, daß die Reihe an Frankreich sei, Bürgschaften für die unparteiische Vertretung aller fremden Inter-

da er nichts mehr verdiente, so nun, so mußte (Elfe. . ."

(Elfe verdiente Geld . . . ich bitte, verschwei­gen Sie nichts . . . sagen Sies frei und wahr . . . womit verdiente Else Rodin jenes Geld?"

Frau Kemper zögerte einen Augenblick, dann sagte sie leise:

Sie ist Liedersängerin geworden, Ehansonette, wie sie es nennen, in einem Vergnügungs­lokale."

Bis in die Lippen erblaßt, war Bruno von Volkstadt aufgesprungen.

Frau Kemper . . . was sagten Sie? Wie (Elfe Rodin, die so bescheiden und gut, so unver­dorben war, eine Liedersängerin? Wäre es . . . oder gar . . . ach, Sie wissen mehr, als Sie sagen . . . nicht dies allein . . . sie ist ge­sunken? ..."

Ich kann die schlimme Wahrheit nicht ver­bergen, Herr Baron. Zlber bedenken Sie auch: die Not, die furchtbare bittere Not . . . und der Zwang des Vaters, der Geld und immer Geld verlangte, ihr drohte, wenn sie keines besaß . . . und die schlechte Gesellschaft und die Verführung ... Es war zu viel! Else besaß keinen Freund, keinen Schutz ... So ist sie erlegen, der Himmel nur weiß, nach welchem schweren Kampfe . . ."

Es ist alles aus . . . verloren . . . vorbei!" stöhnte Bruno von Volkstadt.

Er wankte, Frau Kemper war aufgesprungen, um ihn zu stützen.

Seien Sie stark, lieber, gnädiger Herr! Sie bedürfen der Ruhe ... ich will Ihnen eine Er­frischung besorgen . . . vergeben Sie mir, daß ich Ihnen diesen Schmerz bereiten mußte," flehte sie angstvoll, bestürzt.

Er winkte ihr mit matter Handbewegung Schweigen zu. Sie sah in sein von seelischer

essen zu gewähren. Der erste Schritt dazu sei ge­schehen mit dem Zugeständnis, daß ein neutraler Generalinspekteur eingesetzt werden soll. Wir wollen noch an der Hoffnung festhalten, daß sich skrupelloser Uebereifer nicht mächtiger als nüch­terne Ueberlegung erweisen und daß das Bemühen der Delegierten, die von Deutschland von An­fang an anerkannte Sonderstellung Frankreichs und Spaniens mit dem internationalen Recht in Uebereinstimmung zu setzen, doch zum Ziele füh­ren wird. Sollte d ie Konferenz schei­tern, so wird nicht Deutschland die Verantwortung tragen, und die Folgen werden für uns nicht emp­findlicher sein als für andere.

Wien, 20. März. Nach den letzten hier eingetroffenen Informationen ist Frankreich be­reit, das neutrale (Seneralinfpeftorat in Marokko anzunehmen. Nur die Ortsfrage dürste noch einige Schwierigkeiten machen. Eine Besserung der Aussichten wird auch auf die allgemeine Er­müdung zurückgeführt, auf den Gewinn, den Frankreich unter allen Umständen erzielt, und die Zlbneigung, nach so langer Zeit ohne Ergebnis auseinander zu gehen. Es dürfte sich eine Form für ein Kompromiß finden, das niemanden als unterlegen erscheinen läßt.

Das Grubenunglück in Eourrieres

Lens, 19- Wärz. (ID. B.) Die Berg­arbeiter verlangen, daß die Bürgermeister der be­teiligten Orte in den Zlrbeikrbörfern eine Zäh­lung der Einwohner veranstalten sollen, damit die genaue Zahl der Opfer der Katastrophe von Eourrieres festgestellt werden kann. Die Gesell- sckiast hat dis Ziffer der Verunglückten auf 11.95 angegeben, doch verlautet gerüchtweise, c- min­destens (500 Bergleute zu Grunde gegangen seien.

Paris, (st. ZUärj. Minister Ele'nenceau hat im Auftrage des Ministerrats dem früheren Präsidenten Loubet den Vorsitz in dem Komitee angetragen, das die Aufgabe hat, die für die Opfer des Grubenunglücks in Eourrieres einge* gangenen Beiträge zu sammeln und zu verteilen. Loubet hat den Vorsitz angenommen.

Paris, (9. März. (W. B.) Der papft hat an den Bischof von Arras 20 000 Francs für die Hinterbliebenen der Opfer von Eourrieres gesandt.

Lens, (9- März. In einer gestern Abend abgehaltenen Versammlung beschlossen die Aus­ständigen, die von den Bergwerksgesellschaften gemack-ten Vorschläge abzulehneii und den Zlus- stand bis aufs Aeußerste fortzusetzen.

Lens, 19. März. Die Vertreter der Berg- werksgesellschaftcn erklärten in ihren Verhand­lungen mit den Bergarbeitern, daß sie im Inter­esse des öffentlichen Friedens u. a. eine Lohn­erhöhung von (0 bezw. 5 Prozent bewilligen werden. Die Witwen der verunglückten Bergleute

Qual verzerrtes Gesicht, das in dieser Stunde um Jahre gealtert erschien, wie krank und gebrochen glitt er auf fernen Sitz zurück.

Zlus der Wohnung des Schauspielers ertönte jetzt, von den Klängen des Klaviers begleitet, der Gesang einer bellen Mädchenstimme. Sie fang ein keckes und frivoles Lied . . .

Mit starrem Blick, mit gespannten Mienen lauschte der Freiherr.

Else'" f.hrie er plötzlich wild, gellend, wie verzweifelt auf.

Er wollte sich erheben, doch zwei Hände drückten ibn zurück. Dann wurde cs trübe vor seinen Augen. Er sah nur noch, wie ein altes, gutes Gesicht sich besorgt zu ihm niederbeugte, und es schwanden ihm die Sinne in tiefer Ohn­macht.

«

Fündundzwanzig Jahre sind vergangen. Weit und breit ist die Musterwirtschaft der Güter der Herrschaft Volkstadt wohl bekannt, die der Ma- ioratsberr persönlich leitet.

Bruno von Volkstadt ist ein ernster, schweig­samer Mann, der zurückgezogen auf dem alten Stammschlosse wohnt. Nur in den Wintermonaten öffnen sich die Räume zu einigen festlichen Ver­anstaltungen, bei denen eine Verwandte des Frei­herrn, die Witwe eines Majors, neben dem Gast­geber die Pflichten der Repräsentation versieht.

Selten, und nur für kurze Zeit, besucht Herr von Volkstadt die Hauptstadt B., und die präch­tige Besitzung im dortigen Villenviertel bleibt bei­nahe unbewohnt.

In der Ortschaft Volkstadt genießt der Frei­herr die größte Verehrung. Zille schätzen ihn als einen einsichtigen und leutseligen Edelmann, der ungeachtet seiner Standeswürde auch den Gering­sten sich zugänglich zeigt und mit Rat und Tat

sollen solange als nur irgend möglich in den Ave beiterhäusern verbleiben dürfen.

Parts, 20. März. Der Minister de» Aeußern, Bourgeois, empfing am Samstag de» deutschen Botschafter Fürsten Radolin, der ihm die Spende der westfälischen Minenarbeiter i» Höhe von (25 000 Francs sowie die der Inter­nationalen Bohrgesellschaft von Erkelenz m Höhe von (0 000 Francs überreichte. Bourgeois dankte dem Botschafter und erklärte, er sei durch die zahlreichen Beweise der Solidarität von Sei-: ten der Deutschen tief gerührt.

Lens, (9- März. Die Zlnnäherungsar- beiten zur Bekämpfung der Feuersbrunst, die da» Vorgehen gegen -en Schacht 3 unterbricht, werde» in planmäßiger Weise fortgeführt. Die heute Morgen vorgenommenen Luftanalysen scheine» den Nachweis dafür zu liefern, daß der Brand­herd durch Abdämmungen eingeschlossen und da» Feuer teilweise erstickt ist. Die Ingenieure be­fürchten aber, daß es wieder heftig aufflammen wird, sobald die Abdämmungen durchbrochen werden. Die Wetterführung muß vervollständigt werden, um die Sicherheit der Feuerwehrleute und der Bergungsmannschaften zu gewährleiste». Man geht daher jetzt daran, am Schacht Nummer 3 Hilfsventilatoren aufzustellen. Ein solcher be­findet sich bereits im Schachte 4, doch ist dieser Ventilator in schlechtem Zustande. Es liegt Ge­fahr vor, daß sein Versagen den Fortgang der Arbeiten in Frage stellen könnte. Die Ingenieur­kommission gab heute Morgen folgende Mittei­lung bekannt: In den Abdämmungen der ersten und zweiten Linie sind Türen eingcfchnitten wor­den, sodaß man bis zur dritten Abdämmung ge­langen kann. Die Aufstellung des Hilfsventilators in Schacht drei wird fortgesetzt. Einige Zlrbeiter, die die Aufstellung vornehmen sollten, sind cm» scheinend durch Zlusständige festgehalten worden. Man rechnet darauf, heute Zlben- die Zlbdäm» mutigen an Schacht 2 wieder öffnen und gegen den Brandherd vorgehen zu können.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. März.

Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Montag Vormittag zusammen mit der Kaiserin einen Spaziergang im Tiergarten. Der Kaiser stattet, sodann dem Reichskanzler einen Besuch ab und hört« im Königl. Schloh den Vortrag des Chefs des Zivil­kabinetts. Zur Frnhstückstafel folgte das Kaiserpaar einer Einladung des Grafen Tschirschky-Renard in den Kaiserlichen Automobil-Klub.

Prinz und Prinzessin Eitet- Friedrich werden heute Mittag 12 Uhr 55 Mi«, in Potsdam cintreffen und vom Bahnhof ihren Ein­zug in die festlich geschmückte Havelresidenz halten.

Der (Etat der Kaiserlichen Marin« bat wohl selten so geringe Abstriche in der Budgeikom- mission des Reichstages erfahren, wie diesmal. Bei den fortdauernden Ausgaben find 27 852 tWf. abgefetzt, da statt der geforderten 6 Admirale und 4 Vizeadmirale und 4 Admirale und 6 Vizeadmirale bewilligt find. Bei de« einmaligen Ausgaben find 50Z 000 Ulk. ab- und aus dem außerordentlichen Etat \ 50 ooo Ulk. zugesetzt worden.

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stets zu helfen weiß, wenn man feinen Beistand begehrt.

Die älteren Leute im Dorfe Volkstadt glauben, daß der frühe Tod seiner jungen, liebreizenden Gemahlin, die der Majoratsherr als Tochter eines benachbarten adeligenGrundbesitzers nach feiner Rückkehr von langen Reisen heimaefübrt batte und die bald nach der Geburt des einziaen Kindes starb, Schuld an seinem ernsten, stillen, zurückgezogenen Wesen trägt. Die anmutige, acht­zehnjährige Baronesse Wally bildet des Schloss- Ixtrn einziges Glück, und man preist sie, in ihrer Erscheinung, wie in ihrem Eharakter als das Ebenbild ihrer längst verstorbenen Mutter. Die Zirmen im Dorfe besonders sind es, die den F.oeb- herzigen Sinn der Baronesse zu schätzen wissen, denn oft erscheint sie in ihren Hütten, tröstend und hilfsbereit.

Im Arbeitszimmer Brunos von Volkstadt ziert das lebensgroße Gemälde einer jungen, schönen Frau, das berühmte Künstlerhand ge­schaffen, die Wände: Es ist das Porträt der dahingef chic denen Schlossherrin. Und unter di<- fem Gemälde steht auf dem Schreibtische ein kleines, unscheinbares Bild in schlichtem, schwar­zen Rahmen: die Photographie eines liebliche» Mädchengesichtes, dessen sinnige Augen mit dem Ausdruck der Unschuld dem Beschauer entgegen- blicken.

Manches Mal sitzt Bruno von Volkstadt ein­sam, in Sinnen verloren, an seinem Schreibtische. Die Feder ruht, und m.t dem Blicke schweifen die Gedanken des Freiberrn zu dem Mädchen- bilde aus vergangener Zeit., Er denkt dann wohl an den Frühlingstraum seines Lebens, an ge­scheiterte Hoffnungen und Pläne, erinnert sich d- Schicksalssturmes, der eine junge Lebensblüte ' nichtete, zu Tode traf.