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und Kirchhain.

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Ji2. vV Jnserttonsgcbühr: die gespaltene Zelle oder oeren Raum 10 Pfg.

Rcclamen: die ?cile 25 Pia.

Marburg

Dienstag. 20. März 1906.

Erscheint wöchentlich sieben nal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerei 41. Ja^rg« Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Neueste Teleßrammr.

Berlin, <8. März. Der Kaiser verlieh dem beut- Jhen Botschafter, in London, Grafen Wolff-Metternich en Charakter als wirklicher Geheimer Rat mit dem PrädikatExzellenz".

Berlin, (8. März Der langjährige, verdienst­volle Direktor des Bureaus des Reichstages, Geh. Re­gierungsrat Knack, ist gestern Abend gestorben.

Berlin, (8. März, wie die Morgenblätter mel­den, sind in der dem nächsten Abgeordnetenhause zugehen- beu Nebenbahnvorlage 50 Millionen Mark für ben Bau zweiter Geleise eingestellt.

Mailand, (?. März. Hier ist ein Offizier von der preußischen Luftschifferabteilung mit drei Unteroffi­zieren aus Berlin eingetroffen, um Dorkehrungen zu tref­fen, für die Ausstellung von Einrichtungen der deutschen Luftschiffkunst, und von Telegraphie ohne Draht, wei­tere preußische Offiziere und Soldaten werden noch er­wartet; diese werden während der Ausstellung hier blei­ben und aeronautische Hebungen vornehmen.

Verona, (7. März. 3*t Gegenwart des Königs, des 3ustizministers,d er Vertreter des Parlaments und der Belstirden wurde heute das Denkmal für König Humbert enthüllt. Nach ber Feierlichkeit reifte der Kö­nig nach Nom zurück.

Marseille, (7. März. Die gestern hier einge- troffenen deutschen Schüler ber Handelshochschule in Köln besichtigten heute den Hasen und nahmen dann an einem Festmahl teil, bei dem der deutsche Generalkonsul in einer Rede darauf hinwies, wie viel solcher Besuch zur Herstellung freundschaftlicher Beziehungen und Wahrung des allgenreinen Friedens unter den Nationen beitrüge, und sodann den Behörden den Dank für den ben Schü­lern bereiteten Empfang aussvrach. Professor Eckert- Bonn betonte in einer Ansprache die geistigen unb in­dustriellen Beziehung en, die die beiden Länder verbän­den. Die deutschen Schüler reifen morgen nach Nizza weiter.

Ltt in Algeciras.

Die nahende Entscheidung.

Die Stockung der Konferenzarbeiten ist noch nicht überwunden. Die auf Samstag verschobene ptenapHtzung wurde wieder aufgegeben. Da der Luontag ein spanischer .Feiertag ist Gofefstag), wird die Konferenz frühestens am Dienstag die nächste Sitzung abhalten können, wie weit sich die £age_ bis dahin geklärt haben wird, ist noch ganz unsicher. Der Personenwechsel iu Paris ist offenbar auf die zögernde und unklare Haltung der französischen Delegierten von Einfluß. Auch die Vorlage des den neutralen Generalinspektor nickt berücksichtigenden französischen Polizeiprogramms durch Herrn Kegnault hat seine Erklärung ver­mutlich darin, daß aus Paris noch keine detail­lierten Instruktionen eingetroffen sind. Der wert oes österreichischen Projektes bestand für Deutsch- wnd gerade in der Einführung des einer dritten Akacki zu entnehmenden Generalinspektors, dem­nächst in der Errichtung einer neutralen polizei- flation. Die französischen Delegierten haben bis­her weder die Garantien, die der österreichisch- ungariscke Vorschlag bietet, akzeptiert, noch auch andere Vorschläge in Aussicht gestellt, die der von deutscker Seite unbedingt erforderlich erach­teten internationalen Bürgschaft genügen könn­ten. L- liegen also vorläufig in der Haltung der französischen Delegierten Unklarheiten vor, deren Ausgleichung man, abwarten muß, bevor ein Urteil über den weiteren Gang der Dinge möglich ist.

(Nachdruck verboten.)

'Hit Juqenoirauü!

Novelle von Hans Alb recht-Cassel.

(Fortsetzung.)

, Truiio von Volkstadt fühlte, wie ihn ein äher Schmerz bei dieser Erwägung durckzuckte. Und doch er mußte, wo- Sann geschehen sollte 1

Er hatte Else vie Hand geboten, batte sie em- porführeii wollen um ihrer selbst willen, er lieh ihr als Gönner, als Besckützer seinen Beistand Und wollte es das Schicksal so, daß er verzichten fEe ihrer selbst, ihrer Zukunft willen nun oann mußte er das größte Mpser bringen, so Ichwer, so unendlich schwer dies auck war! Er würde dann einen harten Kampf mit sich be- lieben, und er würde seine eigenen Wünsche be- liegen müssen, kostete es auch eine Wunde, die vielleicht niemals vernarbte.---

Unter solchen Betrachtungen und Grübeleien erreichte Herr von Volkstadt die Blumenstraße und bheb vor dem ihm wohlbekannten Hause stehen.

Sein Blick streifte zu den Fenstern im dritten Stock, und es berührte ihn seltsam, als er sie hell erleuchtet fab, ein unbestimmbares Angstgefühl wollte ibn überkommen, dock schnell überwand er es und schritt in das Haus.

Durch -en matt erhellten Flur tastete er sich F1 oer schmalen ausgetretenen Treppe hin, doch raum batte oer Baron einige Treppen genommen, als er betroffen stehen blieb. Er lauschte

Lauter Gesang, begleitet von den Tönen »nes verstimmten Klaviers, drang an fein Ghr. v, Kamen diese Töne nicht aus -er Wohnung Kodms?. Doch er täuschte sich wohll Ls mußte

Die Schwierigkeiten der Lags beleuchten die folgenden TITelöungen aus Alge­ciras bezw. aus London:

Einerseits hält bie deutsche Regierung baran fest, baß ber zu ernennende schweizerische ober holländische Ge­neral-Inspektor bas Kommando über Casablanca erhalte unb angesichts ber besonders vomTemps" täglich an­geschlagenen Tonart ist diese Stellungnahme auch sehr begreiflich. Andererseits muß man zugcben. daß Rou- vier seinem Nachfolger Bourgeois ein Zurückweichen feljt schwer gemacht hat, und daß Leon Bourgeois selbst bet den friedlichsten Absichten nicht wünschen kann, mit einem Echec zu debütieren.

, Am (Quai d'Orsay läßt man durchblicken, daß Bour­geois eventuell bereit wäre, sich mit zwei Anteilen statt drei für das französische Bankkonsortium zu begnügen. Man erklärt aber, daß er den Casablanca betreffenden Vorschlag unter keinen Umständen annehmen werde. Man bestreitet energisch, daß Frankreich in dieser Frage isoliert sei, und sagt, daß England, Spanien, Rußland unb Por­tugal bie französische Auffassung unterstützten, während die Vereinigten Staaten mit dem österreichischen Vor­schläge zufrieden feien unb Italien neutral bleibe.

DieDaily THail", die sonst immer zu .Frank­reick hielt und gegen Deutschland hetzt, beurteilt die Lage Frankreichs nicht als günstig, wenn sie schreibt:

Die Lage werbe noch verschärft burch bie Tatsache, daß Frankeich, abgesehen von England und Spanien, von keiner Seite eine Hnterstützung genieße. Augenblicklich sagt ber Berichterstatter übereinstimmend mit anderen Meldungen, sei der Zntereffenmittelpunkt wieder von Algeciras nach Berlin unb Paris verschoben unb trotz bet früheren französischen Erklärungen gegen Privatver­handlungen, sei zwischen beiden Hauptstädten wieder ein Notenwechsel im Gange. Sonst erwähnt derselbe Ge­währsmann noch, die Vereinigten Staaten spielen gegen­wärtig eine beträchtliche Rolle, doch scheine es fraglich, ob der Botschafter White nicht dabei einen Mißgriff ge­macht habe.Herr White", heißt es weiter,ist einer von den großen, gutmütigen, lebhaften Leuten, von denen man schlimmstenfalls sagen muß, baß sie alles, was sie getan, in bester Absicht getan haben."

Zur Lage in Rußland.

vom hilfsausfckuß für die notleidenden Deutschen in Rußland wird uns mitgeteilt, daß bis zum 10. März er. 478 998.10 2TL verwandt wurden. Davon gingen nach den russiscken (Dft- seeprovinzen 133 500 2TL, für die über (Dftroroo aus Russisch-Polen eintreffenden notleidenden deutschen Rückwanderer wurden 50 000 Ul. be­stimmt, für Deutsche im übrigen Rußland ca. 30 000 Ul. verwendet. Durch Vermittlung des deutschen General-Konsuls in !varschau sind dorthin 4000 Uk. überwiesen worden, von den Spenden wurden allein 67 490.90 Ul. von deut­schen Städten und Gemeinden bewilligt. 3n den Sammlungen haben sich einzelne (Drte besonders hervorgetan, so z. B. die Stadt Frankfurt a. Ul., wo insgesamt 47 042.48 Ul. gesammelt worden sind. Dabei gehen noch beständig aus Frank­furt a. Ul. Spenden beim Berliner hilfsausschuß ein. Der Ausschuß ist besonders bemüht, den Studierenden aus den Vstseeprovinzen, denen das -tubium in ihrem Lande auck im kommenden Sommer-Semester nickt möglick sein wird, da das Rigaer Polvtecknikum und die Dorpater Univer­sität geschlossen bleiben, das Studium an deut­schen Hochschulen nach Ulöglickkeit zu erleicktern, wobei der Hilfsausschuß bei den örtlichen bilfs- ausschüssen und bei den akademischen Behörden

Täuschung fein! Und vielleicht war die Familie ausgezogen!

Zunächst mußte er hierüber Gewißheit er­langen.

Kurz entschlossen zog Bruno an einer vor- gangstnr im zweiten Stock die Klingel.

, Die Tür ward geöffnet und eine ältliche Frau, die Flurlamve hoch in der Hand haltend, ersckien und leucktete dem Ankömmling forschend ins Ge­sicht.

Entschuldigen Sie die Störung!" sagte Druno freundlich,ich möchte zur Familie des Schauspielers Rodin. Sie können mir wohl sagen, ob sie noch in diesem Hause wohnt!"

Die Frau, die prüfend die vornehme Gestalt des Fragenden gemustert hatte, zeigte sich sichtlich betroffen.

Um Verzeihung," gab sie zurück,sind Sie derselbe Herr, der Rodins im vorigen Zähre be­suchte? ßerr Baron von Volkstadt nicht wahr? Dann darf ick wohl bitten, bei mir ein­zutreten. Ick müßte Ihnen Ulancherlei erzählen, und das kann nickt ungestört geschehen."

Die Sprecherin hatte während dieser IDorte Sruno in den Vorgang geleitet und stieß nun die Türe zu einem Zimmer auf.

Ulit einem seltsamen Gefühl innerer Erre­gung leistete der Baron der höflichen Aufforde­rung, einzutreten, Folge.

Em. traulich eingerricktetes Zimmer, dessen altmodische Möbelstücke Helles Lampenlicht über- ffrpmte, empfing ihn. Eine Hauskatze erhob sich beim Eintritt des Fremden aus dem altväterlichen Lehnstuhl, auf dem sie gesessen, und schlich leise schnurrend zum Ofen, in dem ein leichtes Holz» feuer flackerte und bei der Kühle des herbst­abends den Raum mit behaglicher Wärme er­füllte.

vielfach sehr dankenswerte Unterstützungen ge­funden hat. So hat z. B. der Senat der Königs­berger Universität den Beschluß gefaßt, baltischen Studenten, die ihre Hilfsbedürftigkeit nachweisen können, die Kolkngiengelber zu stunden. Die Bestrebungen des Ausschusses finden auch bei den deutschen Reedereien sehr dankenswerte Unter­stützungen, so gewährt die Firma F. h. Bert­ling in Lübeck bedürftigen baltischen Studenten, die zum Sommer-Semester in Deutschland stu­dieren wollen, eine Fahrpreisermäßigung von 25 Prozent und der Norddeutsche Lloyd in Bremen, sowie Robert 2TT. Slomann jun. in Hamburg haben dem Hilfsausschuß Freikarten nach Genua und zurück überwiesen, um damit erholungsbe­dürftige Deutsche aus Rußland zu bedenken. Der Hilfsausschuß batte auch bereits Gelegenheit, in zweckmäßiger Weife von diesen Spenden Gebrauch zu machen.

Petersburg, 17. Uiärz. Zn einer Rede in Thalham batte Lord Rothschild erklärt, Be­weise dafür zu haben, daß in England nicht auf ge­nommene russische Flüchtlinge sofort nach ihrer Rückkehr nach Rußland an der Grenze erschossen worden feien. DiePetersburger Telegraphen- Agentur" ist amtlich ermächtigt, gegen diese Be­hauptung in der kategorischsten Weife zu prote­stieren und sie für positiv unwahr zu erklären.

Das Grubenunglück in Courrieres

k e n s, 17. Ulärz. 3m Schacht 2 werden gegenwärtig aus Bausteinen, Lehm und Zement fed'5 Mieter starke Absperrungsmauern aufge­führt, von denen man hofft, daß sie die Verbrei­tung der durch den Brand erzeugten Gase Ein­halt zu tun vermögen. Diese Absperrvorrich­tungen werden voraussichtlich bis beute Abend fertiggestellt sein. Die deutschen Rettungsmann­schaften werden zum Teil, ebenso wie die pariser Feuerwehrleute, noch hier bleiben, um sich an den versuchen, neue Leichen zutage zu fördern, zu be­teiligen. Der Pariser Sachverständige Dr. Tal­mette, der gestern in Schacht 2 eingefahren ist, riet aber, mit der Bergung der Leichen aufzu­hören, da die Gefahr einer tätlichen 3nfcftion für die Bergungsmannschaften zu groß sei. Die In- genieurfommiffton wird daher vielleicht beschlie­ßen, die Stollen, in denen noch Tote liegen, zu- mauern zu lassen.

Sens, 17 Ulärz. (W. B.) Die in Billy- Ulontigny zusammengetretene Kommission bat ihr Gutachten dahin abgegeben, daß die Arbeiten zur Bergung der Leichen weiter fortgesetzt werden können, unter der Bedingung, daß das System der Luftzufuhr den Vorschlägen des Staatsingenieurs gemäß abgeändert wird.

Lens, 17. Ulärz. Die Delegierten der Berg­arbeiter einigten sich heute dahin, einen Tagelohn von 7 Francs 18 Lent, zu fordern. Auf dieser Grundlage werden die Delegierten, die sich mor­gen mit den Deputierten Basly und Lamendin nach Paris begeben, zu verhandeln haben.

£ en s , 18. Ulärz. Die vergangene Nacht war ruhig. Ulan fab keine Ausständigen. Die Vorarbeiten zu den Zugängen der Schächte wur­den ins Werf gesetzt, um dem Brande Einhalt tun zu können. Ulan wird sodann an die 23er- gung der Leichen geben können. Diese werden

$!C Frau zog einen Stuhl heran und setzte stck ihrem Gaste gegenüber, den sie auf das Sofa genötigt.

Ein gutes, teuherziges Gesicht richtete sich mit teilnehmendem Ausdruck auf den Baron.

Was ich Ihnen zu erzählen Hätte, ist eine traurige Geschichte. Und es tut mir aufrichtig leiö, daß ich es sein muß, die sie Ihnen mitteilt. Doch vielleicht ifts besser, wenn Sie alles von mir und keiner Fremden erfahren."

Sie kennen mich?" fragte Herr von Volk­stadt erstaunt.

O, ich kenne nicht nur Ihren Namen, ich kenne Sie selbst, gnädiger Herr! Recht gut sogar renne ich Sie! Nun, da Sie so dicht vor mir fifeen, wird mir in der Erinnerung vieles wieder ^och. Sie sind des seligen Herrn Staatsrats Sohn, Herr Bruno von Volkstadt.

Aber ich entsinne mit nicht, daß ich Sie . .«

»Ja, ja, bas glaube ich wohl,s ist auch schon lange Zeit vergangen, seit ich auf diesen mei­nen Armen Sie trug, Herr Baron! Freilich, Sie wissen das nicht mehr. Wie möchten Sie auch oas Kindermädchen von damals noch kennen! Ich diente im Hause des Herrn Staatsrats, lange Jahre, bis zu meiner Heirat mit dem Schloff er- meister Kemper. Ulein Wann und ich haben glücklich gelebt nun ist er tot, und da wir keine Kinder besessen, stehe ich allein in der Welt."

Ulit edlem Freimut ergriff Bruno ihre Hand.

So sind Sie eine treue Dienerin meines Hau­ses gewesen und gewiß eine ergebene Freundin desselben geblieben," sagte er warm,und da bof[e ich, daß Sie mir alles, der Wahrheit ge- ^, sagen werden, was die Familie Rodin be­trifft.- - ----

einer gründlichen Desinfektion unterzogen. Die Gefahr für die Rettungsmannschaften wird na­mentlich im Schachte 3 groß fein, wo 450 Leichen liegen.

ea-.... ......

Ich war die einzige, der Frau Rodin ihr vertrauen fchenkte, Herr Baron ,mir hat sie ihr und ihrer Tochter Geheimnis anrert-v-t Uli& nannte es das Glück ihres Lebens. Das war kurz vor ihrem Tode . . ."

Wie Frau Rodin ist gestorben?" fragte Volksstadt ergriffen.

Sie starb vor einem halben Jahre," be- ftätiate die Frau.Als sie ibr'LiVe nahen fühlte, und ich ihrer Tochter in der Pflege Bei­stand leistete ich war der Toten einstige Ju­gendfreundin endeckte sie mir alles und bat, das Lebensglück ihres Kindes, das sie fo sehr ge­liebt, vor jeder Gefahr zu hüten, ihm eine Stütze zu fein für späterhin. Doch cs kam leider anders! Steickend hatte sie auch ihrem Gallen gestanden, wieviel Gutes Sie, Herr Baron, an Elfe getan, welche Pläne Sie für bereit Zukunft hegten.'Aber der alte, lüberliche Komödiant fluchte und wet­terte, daß hinter feinem Rücken einedreiste Lieb­schaft" wie er es nannte sich entspannen habe. Er kenne verzechen Sie, wenn ich es sage die wahren Absichten solcher Herren bes­ser, mit den Ulusikstunden feis Lug und Trug, dazu erdacht, ein armes, Hübsches Ulädchen zu betören. Es soll ein Ende haben mit dieser Lie­belei, fo verließ der Wütende sie, und vergeblich waren alle Bitten und Vorstellungen der tot- kranken Frau. Noch ihre letzten Stunden Hat er verbittert, und ob es auck zwischen Vater und Tochter zu schlimmen Austritten kam er setzte feinen Willen durch, verbot mir die Wohnung und Else durfte die Lehrsfimden nicht mehr be­suchen. Dennoch hat sie es heimlich getan* doch der Alte erfuhr cs, und da . . "

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, <9. März.

Se. Majestät ber Kaffee ist am Samstag Mit­tag 1 Uhr, wie bereits vorgestern kurz gemcibd wurde, in Bremen angenommen. Er wurde von dem Bürger­meister Pauli bewillkommnet und fuhr unter dem Jubel des Publikums zum Ratskeller, wo er das Frühstück nahm. Anwesend waren unter anderen Staatssekretär von Tschirschky, der gestern in Bremerhaven cingetroffen und in Begleitung des Kaisers heute Mittag hierher ge­fahren war; ferner Geo Plate, Konsul Achelis, General­direktor Wiegand vom Norddeutschen Lloyd, Oberst Al­brecht vom RegimenteBremen" und mehreren Senato­ren. Nach der Ankunft im Ratskeller wurde der Kaiser von dem präsidierenden Bürgermeister Barkhausen be­grüßt. Nach dem Frühstück begab sich der Kaiser nach dem Bahnhofe, wo die Abreise um 3 Uhr nachmittags erfolgte. Abends traf der Kaiser wieder in B e r l i n ein.

Wie derL.-A." mitteilt, ist im Reichsschahamt ein neuer Vorschlag für bte Fahrkarten­steuer ausgearbeitet worden. Die Steuerkommissio» des Reichstages hatte bekanntlick' an Stelle des von den Verbündeten Regierungen vorgeschlagenen festen, nach Wagenflaffen abgestuften Stempels Kilometerzuschläge be­schlossen. Dieser Beschluß ist aber bei den Verbündeten Regierungen auf so erhebliche Bedenken gestoßen, daß bei der zweiten Lesung in der Kommission von neuem der Versuch gemacht werden soll, einen festen Stempel zur Annahme zu bringen, jedoch nicht in Form des ursprüng­lichen Plans, wonach für die erste Klaffe 40 Pfg., für die zweite 20 Pfg., für die dritte |n pfg. und für die vierte Klaffe 5 Pfg. erhoben werden sollten (unter Freilassung aller Fahrkarten unter dem Betrag von 2 Mark), sondern in der Form eines nach Zonen abgestuften Stempels, ebenfalls unter Freilassung des Vorort- und Nahverkehrs. Die Sätze sind einfiro eilen fo gegriffen, daß auf ein Er­trägnis von 24 Millionen zu rechnen fein würde. Da aber die Steuerkommisfion aus der Fahrkartensteuer 50 Millionen gewinnen wollte, so würde sie, wenn sie grund­sätzlich mit dem Zonenstempel einverstanden ist, die' Sätze entsprechend erhöhen müssen.

Der Seniorenkonvent des Reichstages einigte sich auf Vorschlag des Präsidenten die Osterferien am Freitag, dem 6. April, beginnen zu lassen und am Dienstag, dem 2$. April die Arbeiten wieder aufzuneh- men. Ls _ werden demnach noch (7 Sitzimgsiage vor Ostern bleiben, von denen drei Schwerinstage wären. Die Hoffnung auf rechtzeitige Fertigstellung des Etats ist definitiv aufgegeben und der Reichskanzler bereits hiervon benachrichtigt worden, fo daß die Vorbereitungen eines Notgesetzes schon im Merke fein dürste. Es soll versucht werden, die zweite Lesung des Etats vor Ostern zu Ende zu führen, was freilich zur Voraussetzung hätte, daß die Generaldebatte über den Militäretat sich nicht über den Zeitraum von drei Sihungsiagen hinaus ausdehnt. Die zweite und dritte Lesung der Steuergefetzentwürfe soll gleich nach Ostern vorgenommen werden und erst nach ihrer Er­ledigung die dritte Lesung des Etats ihren Anfang ueh- mc*J. ^ie Zweite Serie der Initiativanträge würde erst nach Ostern eröffnet werden, da die beiden letzten Schwe- rinstage vor den Ferien für Wahlprüfungen Vorbehalten sind.

DerBerliner Korrespondenz" zu­folge beträgt die Bevölkerung des Deutschen Reiches nach der nunmehr abgeschlossenen Volkszäh­lung am (. Dezember 1905 60 605 183 Personen, davon 29 868 096 männliche und 30 737 087 weibliche. 3m 3abre (900 betrug die Bevölkerung 56 367 (78, mithin also ein Zuwachs um 7,52 Prozent. An der Reichszahl ist Preußen mit 37,5, Bayern nut 6,5, Sackssen mit g,s und Württemberg mit 2,3 Millionen beteiligt.