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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntaasblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis, bei oer Erudition 2 Lik., bet allen Postäntlern 2,25 M. Kejd. Bestellgeld).

Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Neclamen: die Zelle 25 Pfg.

Marburg

Sonntag. 18. März 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitatS-Buchdruckerei 41. JNhlg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 17. März. Der durch das Ableben fcc5 Gesandten Pelldram freigewordene Posten eines Kaiserlichen Ministerresidenten in Caracas tvnrde dem derzeitigen Kaiserlichen Ministerresi- fentm in Bogota (Kolumbien), Gesandten Frei­herrn von Seckendorfs übertragen.

Paris, 16. März. Der Minister des Innern, jCldmenceau, wies die Präfekten an, mit der Auf­nahme der Inventare fortzufahren, dabei aber )nit größter Vorsicht zu Werke zu gehen und alle nötigen Maßregeln in solchen Orten zu treffen, wo Ruhestörugen zu befürchten sind. Clämenceau ierteilte den Präfekten des Departements Nord und Pas de Calais die Weisung, bei der Strcik- hewegung reguläre Truppen nicht hervnzuzichcn, vielmehr die Aufrechterhaltrtng der Ordnung durch die Gendarmerie des Gebietes zu sichern, die durch die in nächster Nähe stationierten Gendar- Nieriebrigaden zu verstärken sei. Die Gendarmerie soll ht den Zechengebäuden verborgen gehalten tverden.

Moskau, 16. März. Der Vorsitzende des Börsenkomitees in Wladiwostok telegraphiert un­ter anderem an den Rußkoje Slowo, daß die ruf- fenfeindliche und chauvinistische Partei in Japan immer mehr an Einfluß gewinne und China ener­gisch auf der schleunigsten und vollständigen Räumung Chardins und der nördlichen Man­dschurei bestehe. Zur Unterstützung dieser For- dentngen konzentriere China Truppenteile sowie insgeheim Tschungtschusenbanden im Bezirk Kirin und an den Grenzen des Bezirks von Charbin. In der südlichen Mandschurei werden ebenfalls Anzeichen wachsender Gähvung be­obachtet.

London, 17. März. Wie demDaily Tele­graph" aus Tokio gemeldet wird, gibt die Ma- rineverwaltung bekannt, daß der Seeoffizier Kimura ein Verfahren zum Fernsprechen ohne Drahtleitung erfunden hat.

Tokio, 16. März. Das Abgeordnetenhaus hat heute nach lebhafter Debatte die Eisenbahn- 'Verstaatlichung angenommen. Man erwartet, daß auch die Vorlage über Verstaatlichung der Bahn­linie von Söul nach Fusan auf Korea ange- nommen wird. Die Kosten der Bahnverstaat- kichung in Japan selbst werden auf etwa 15 Mill. Neu geschätzt.

Reichstagswahlrecht

und Einzelstaaten.

Bei dem Kampfe um die Wahlrechtsreformen in den Freien und Hansastädten Lübeck und Bre­men hat es nicht an Stimmen gefehlt, tvelche die ^Anhänger eines differenzierten Wahlrechts für jene Stadtstaaten zugleich als Feinde des bestehen-

lNachdruck verboten.)

Ein Jugendtraum.

Novelle von Hans Albrecht»Cassel.

(Fortsetzung.)

Der Freiherr schwieg erschöpft. Seine Blicke forschten mit fieberhaft erregtem Ausdruck in den Mienen Brunos. Bestürzt von diesen unerwar­teten Worten des Vaters, suchte Bruno nach einer Antwort, als der Wagen mit plötzlichem Rucke hielt.

Der Kammerdiener öffnete den Schlag. Man hielt vor dem Portal des Zentralbahnhofs. Dden- schenschaarcn fluteten hin und her, herrschaftliche Equipagen, Mietskutschen und Hotelwagen kreuzten einander, lautes Stufen und Sprechen drang an das Ohr und vermischte sich mit einem Ehaos von Tönen . . .

Wenige Minuten später führte der Expreßzug ven Majoratsherrn und den Erben von Vott- stadt dem fernen, sonnigen Süden zu.

*

Ein Jahr war vergangen, und wiederum wurde es Herbst. Wieder sanken ivelke Blätter dan Strauch und Baum, und der Wind fegte das abgestorbene Laub leise raschelnd über die Pro­menaden des Villenviertels zu B.

5whl und verödet lagen die vornehmen Gär­ten ringsum, und kalt und unfreundlich zeigten sich die Oktobertage mit Regenschauern und trauernden Nebelmassen.

; , Vor der Villa des Freiherrn von Volkstadt hielt ein elegantes Coupch

Gelangweilt warf der Kutscher von seinem Sitze aus forschende Blicke nach den zwei erleuchte­ten Fenstern im Erdgeschoß, die sich hell abhoben von dem Dunkel, das den übrigen Teil des Hau- fes beschattete.

Die Luft war empfindlich kühl, ein feiner Re- flen rieselte beständig herab, und mißmutig,

i)en ReichstagÄvahlrechts hinstellen. Dieser Rückschluß ist vollständig unhaltbar. Man kann sehr wohl Anhänger des allgemeinen gleichen und geheimen Wahlrechts für das Reich sein, und doch einer mechanischen Uebertragung des Reichstogs­wahlrechts ans die hanseatischen Staatswesen, und auf die nach ihrer wirtschaftlichen Struktur über­wiegend industriellen Einzelstaaten widerstreben.

Reichstagswahlrecht und einzelstaatliches Wahl­recht muffen unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Was für das Reich richtig ist, muß noch lange nicht fiir.Hamburg oderSchwarz- burg-Rndolstadt zweckmäßig sein. Beim Reichs- Wahlrecht findet ein territorialer Ausgleich in der Weise statt, daß eine Mehrheitsbildung durch eine einzelne Partei so gut wie ausgeschlossen erscheint. Dem konservativen, agrarischen Osten steht der industrielle Westen, dem protestantischen Norden der katholische Süden gegenüber, weder Zentrum noch Liberalismus, weder Agrariertum noch So­zialdemokratie dürften für absehbare Zeiten in der Lage fein, für sich allein eine Mehrheit zu erringen. Sie wirken daher und von diesem Ge­sichtspunkt kann man ihre Existenzberechtigung im einzelnen zugeben, in der Praxis gewissermaßen wie ein Varallelprogramm der Kräfte, dessen ein­zelne Setten sich gegenseitig im Schach halten ganz wie in MontesguieusEsprit des lois" (Geist der Gesetze), das ja zum Evangelium des modernen Konstitutionalismus geworden ist, nach dem Prinzip der Gewaltenteilung die legislative, die exekutive und die richterliche Gewalt jede vor der anderen gefiebert wird, jede ein Gegen­gewicht gegen die andere bildet. Ganz anders liegen die Verhältnisse in den Hansastädten, die im Grunde genommen doch nur Zwergstaaten sind und wo ein territorialer Ausgleich divergie­render Kräfte au und für sich nicht stattfinden kann. Denn hier stehen den an Kopfzahl weitaus überwiegenden Handarbeitern in der Industrie und im Handels- und Transportgewerbe wenige hunderte oder tausende von Intelligenzen gegen­über, die hauptsächlich dem wirtschaftlickten Diri- gententum zuzuteilen find, die aber in kultureller Bedeutung für das Staatswesen unendlich schwe­rer wiegen als die breite Masse der Arbeitnehmer. Würde man in diesen kleinen Handelsstaaten das allgemeine gleiche Reichstagswahlrecht auch für die Wahlen zur engeren Volksvertretung einfüh­ren, so könnte die Wirkung eines solchen Experi- mentes keine andere fein, als daß jene Intelligen­zen durch das Sftmmenübergewicht der Lohn­arbeiter erdrückt werden, mit einem Worte, daß dann die Herrschaft der Sozialdemokrafte auf- gerichtet würde.

Aber nicht nur für die Handelsstaaten an der Elbe, Trave und Weser ist das allgemeine gleiche Reichstagsnxchlrecht unbrauchbar, es würde auch für eine Reihe von monarchischen Kleinstaaten so- iuie für die industriellen Gliedstaaten des Deut­schen Reichs nickst schlechthin anzuwenden fein. Die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf die Wahlen zum sächsischen Landtag z. B. könnte im Königreich Sachsen zu nichts anderem führen, als zur Maiorisierung des Bürgerflims durch die republikanische Sozialdemokratie, zum Unheil für

fröstelnd hüllte sich der Rosselenker fester in sei­nen reich betreßten Livreemantel ein.

Jetzt öffnete man behutsam dis Gartentür und ein Lakai trat in den Schein der Wagen- laterne.

Wie stets denn nur mit der Ausfahrt, Jean?" fragte der Kutscher vertraulich.Um 6 Uhr sollte angespannt fein, jetzt ist's bereits 7 Uhr! Ver­wünscht langweilig, so lange hier auf dem Kut- scherbock zu hocken bei dem Hundewetter beut' Abend! Weißt Du denn nicht, woran das War­ten liegt, dienende Kammersoele?"

Der Angeredete zuckte die Achseln.

Was sollte ich wissen, mein Lieber? Allen­falls, daß der gnädige Herr fett einer Glocken­stunde in feinem Zimmer sich eingeschloffen hält. Mag fein, daß die Erinnerung an den seligen Herrn Staatsrat am ersten Tage nach der An­kunft unfern Baron beschäftigt und traurig stimmt."

So . . . und wohin die Fahrt geht, kannst Du auch nicht sagen, Jean? Wenns nur nicht allzu lange dauern wird! Denn ich hab ein Stell­dichein in Abrede mit dem niedlichen Kammer­kätzchen von drüben . . ."

Still doch, still!" mahnte der Lakai.

Feste Männerschrifle knirschten auf dem Gar­tenkies. Jean stellte sich in Positur und zog den Hut.

Kehren Sie ins Haus zurück, Jean," sagte die wohltönende Stimme des Herrn,und die Perde sollen abgeschirrt werden," wandte er sich an den Kutscher.Ich ziehe vor, zu gehen."

Der Diener grüßte respektvoll und eilte ins Haus, und der Kutscher lenkte das Gespann zur Seite.

Mit elastischen Schritten ging der Baron durch den Herbstabend dahin. Seine Gestalt schien breiter, der Gang selbstbewußter geworden, und fein Antlitz vom südlichen Klima gebräunt.

die Wettiner Krone, zmn Unheil für das Sachsen, land. Aus dieser Kenntnis heraus hat der Ver­treter der Universität Leipzig, der bekannteRechts- lehrer Geheimrat Professor Dr. Wach, am 23. Februar in der Ersten sächsischen Kammer die Regierung auf gefordert, sich mit dem größten Nachdruck zu wehren, wenn der Reichstag jemals Gewährung des Reichstagswahlrechts für die Volksvertretungen der Industriestaaten verlange.

Durch ein allgemeines gleiches Wahlrecht für ihre engeren Volksvertretungen könnten auch bie thüringischen Bundesstaaten in eine sehr prekäre Lage geraten. Nahe an einer sozialdemokratischen .Landtagsmehrheit standen z. B. Schwarzburg- Nudolstadt und Sachsen-Koburg-Gotha. Dank der energischen Tätigkeit des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie ist es vor Wochen noch ge­lungen, im Fürstentum Schwarzburg - Rudolstadt eine bürgerliche Majorität für den Landtag zn- sammenzuschweißen. Im Herzogtum Sachsen- Koburg-Gotha neigt sich sich feit reichlich einem Jahrzehnt dieSiegeswaac bei denLondtaoswahlen bald den bürgerlichen Parteien, bald den Sozial­demokraten zu. Eine sozialdemokratische Land­tagsmehrheit in jenen kleinen Staatswesen würde den Bestand der dortigen konstitutionellen Mon­archien und damit die Fortexistenz jener Terri­torien als selbständige Staatswesen geradezu in Frage stellen. Wenn eine sozialistische Landtags­mehrheit die monarchischen Bedürfnisse verwei­gerte, was bliebe dann übrig als Staatsstreich ober Bnndesexekution? Beide Mittel (natürlich nur als ultima ratio gedacht) wären die Quelle ungeheurer innerer Krisen, unübersehbar in ihrer Wirkung auf andere Einzelstaaten und auf das Verhältnis zwischen dem Reich und seinen Glie­dern. Durch ein differenziertes Wahlrecht in jenen Staaten, wo wegen der Kleinheit des Flä­cheninhalts und wegen der Gleichheit der wirt­schaftlichen Struktur des Staatsgebiets ein Aus­gleich der Interessen nicht stattfinden kann, wird den Gefahren vorgebeugt, die sich aus der Ein­führung eines allgemeinen gleichen Wahlrechts notwendigerweise ergeben mußten. Man wird daher von Reichswegen niemals den Einzelslaaten die Anwendung ein- und derselben Wahlrechts­schablone vorschreiben dürfen, sondern man wird es ihnen überlassen müssen, ihr Wahlrecht aus ihren historischen und individuellen Verhältnissen heraus nach eigenem Geschmack festzusetzen.d.

Die Konferenz in Algeciras.

Der französische Redaktions-Entwurf über die Polizei enthält im einzelnen Fol­gendes: Die Polizei steht unter der Souveränetät des Sicktans, wird aus muselmanischen Marokka­nern refrutiert, von marokkanischen Kaids be­fehligt und auf die acht dem Handel offenen Hä­fen verteilt. Frankreich und Spanien stellen dem Sultan für die Organisation der Polizei fran­zösische und spanische Offiziere zur Verfügung. Diese werden auf drei Jahre mit der in dem Entwurf nur in großen Zügen bezeichneten Orga- nisalions-, Jnstruktions- und Ueberwachungs-

Bruuo von Volkstadt war Majoratsherr. Die Todesahnungen seines Vaters waren in Er- füllung gegangen, fern der Heimat war er ver- schieden, und seine irdische Hülle ruhte in der Famfliengrust des Schlosses zu Volkstadt.

Der Sohn war zum Erben ausgedehnter Be. Übungen geworden, zum Träger eines alten, vornehmen Wappenschildes, eines stolzen Namens.

Ob er glücklich war? Bruno, fragte es sich selbst, als er so einsam dahinschritt.

Ach, Reichtum und äußerer Glanz verleihen noch kein wahres Glück! 3um Glück des .Herzens fehlte ihm noch eines: Ein Weib, das ihn liebte, verehrt, das zu ihm emporschaut, gläubig, hin­gebend und vertrauend.---

Aber er hofft, daß ein solches Glück seiner wartet! Er glaubt ja, das Herz eines Weibes sein eigen nennen zu dürfen, das mit wahrer, treuer, reiner Siebe für ihn empfindet.

Das Bild eines Mädchens ans schlichtem Bür­gerhause hat sich fest und unauslöschlich seiner Seele eingeprägt und den Liebreiz mancher Dame der vornehmen Gesellschaft und seiner Kreise ziirückgedrängt.--

Bruno denkt zurück an jenen Abend, da man Abschied nahm. Zum ersten Mal hatte er in dem Blick ihrer von Thränen schimmernden Augen ein tiefes Weh, das ihr ganzes Wesen erfüllte, gelesen. Und als sie, allein ihm gegen- überstehend, errötend in Purpurglut, mit zucken- den Lippen und wogender Brust eine Photo, graphie hervorgezogen und ihr Bild ihm bärge- reicht batte mit den mühsam gestammelten Wor­ten:Vergessen Sie mich nicht behalten Sie mich in guter Erinnerung" da war es vorbei gewesen mit all seiner Selbstbeherrschung. Er hatte sie umschlumgen, heiß und leidenschaftlich, und in einem langen Kusse begegneten sich zwei Lippenpaare. Dann hatte er sich losgerifsen und

tätigfeit beauftragt, die das Wirken der Polizei im einzelnen regelnden Bestimmungen sollen ge> meinsam von den rangälteften französischen uni spanischn Instruktoren und dem marokkanischei» Kriegsminister ober seinem Vertreter festgesetzt werden. Die Polizeitruppe soll auf 2000 bis 2500 Mann festgesetzt, in Gruppen von 150 bis 500 je nach der Wichtigkeit der Häfen verteilt werden; die Zahl der französischen und spanischen Offiziere soll 16 bis 20, die der Unteroffiziere 30 bis 40 betragen. Die nötigen Gelder follen von der Bank vorgestreckt werden.

London, 17. März. Der Korrespondent beS Standard" in Algeciras meldet seinem Blatte, er wisse aus bester Quelle, England habe die An- sicht ausgesprochen, Frankreich tue gut daran, zu überlegen, ob es nicht ratsam sei, den von Oester. reich-Üngarn gemachten Vorschlag in der Polizei- frage mit gewissen Abänderungen anzunebmen.

London, 16. März. Der französische Botschaf­ter sprach heute wieder im auswärtigen Amt« vor, nachdem er schon jeden Tag in dieser Woche, anscheinend wegen der Marokkokonferenz, daselbst verkehrt hat.

Algeciras, 16. März. (Havas.) Wegen der nächsten Sitzung ist noch nichts fdWefet. Die einen wünschen, daß sie morgen stattfinde, dir anderen das sind die in erster Linie in, Be­tracht kommenden ziehen vor, daß die nächste Sitzung am Montag ober Dienstag frattfinbet. Diese Sitzung wirb bann bie Entscheidung bringen.

Das Grubenunglück in Courrieres.

Lens, 16. März. Die Zahl der ausständige« Bergarbeiter beträgt 10 000. Die Führer des Bergarbeitersyndikats werden morgen eine Be­sprechung mit den Vertretern der Bergwerksge- fellschasten haben, um die Forderungen der Ar­beiter zu erörtern.

Lille, 16. März. Der Ausstand der Gruben­arbeiter bveitetsich immer mehr aus. In ben Gruben von Dourges legten von 2724 Arbeitern 2469 bie Arbeit nieder. Auch die Arbeiter der benachbarten Gruben sind von den Ausständigen zur Einstellung der Arbeit aufgefordert worden. In den Gruben von Courridres wird überhaupt nicht gearbeitet. Die Arbeiter der von dem Un­glück betroffenen Schächte beschlossen, die Minen- gesellsck)aft zur Zahlung der Löhne auch für die Tage der Arbeiteinstellung zu veranlassen. Dir Ruhe ist nicht gestört.

Paris, 17. März. Der Minister der öffent­lichen Arbeiter wird heute Vertreter der Berg­arbeiter aus der Gegend von Lens sowie Ver­treter der Bergwerksgesellschaften empfangen. Er hofft, daß es ihm gelingt, die Streikbewegung beizulegen. Der Justizminister teilte die ersten Ergebnisse der Untersuchung über die Ursache der Katastrophe von Courridres mit.

Bern, 16. März. Der Bundesrat übermit­telte der französischen Regierung 10 000 Francs zur Verteilung an die Hinterbliebenen der Opfer der Katastrophe von Courridrcs. In den Schu-

war gegangen für eine lange Trennungszeit gegangen.

Wahl redeten sie in jener Abschiedsstunde nicht von Liebe, Wohl blieb ein entscheidendes Wort ungesprochen, doch dieser erste Kuß bedeutete ihm die Gewißheit, daß jenes Mädchen, für das er s» viel getan, mehr für ihn empfand, als Vertrauen und Dankbarkeit daß sie ihn liebte.

In der Zeit eines langen Fahres hat Brun» von Volkstadt sich ernstlich geprüft. Und während des langen Aufenthalts auf italienischem Boden und während der wenigen Wochen, die er zur Regelung seiner Angelegenheiten im Schlosse zu Volkstadt verbrachte, toar es ihm klar geworden, daß seine Zuneigung für Else Rodin zur wahre» Siebe gereift war.

Und gewiß Else war seiner Siebe wert! Im gemeinsamen Verkehr hatte er ihr Wesen voll erkannt und verstehen gelernt, hatte er bie Reinheit ihres Gemütes, ihrer fast kindlich emp» fhtbe»ben Seele wahrgenommen.

Wie wird Else sich nach ihm sehnen! Wie wird sie auf feine Wiederkehr gewartet haben in der langen Trennungszeit k

Unwillkürlich beschleunigte der Baron seine Schritte bei diesem Gedanken.

Die Freude des Wiedersehens wird um s» köstlicher sein, da man sich in der ganzen Zeit seit dem Abschiede nicht einmal geschrieben! Elfe hatte es so gewünscht, und er hatte sich fügen müssen. Sie fürchtete den Zorn des Vaters, wenn er von solcher Korrespondenz erfahren sollte. .Und Elsens Natur sträubte sich dagegen, die Heimlichkeiten gegenüber dem Vater noch zu vermehren, fiel es ihr doch schon schwer genug, den Umgang mit Bruno vor ihm geheim zu hal­ten. Die Dauer der Trennung wurde ja nicht allzu lang fein, so hatten sich Beide getröstet.

Aber sie hatte doch länger gedauert, als man geglaubt. Aus den wenigen Monaten w«k da volles Jahr geworden.