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mit dem KreisbLatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilager Illustrirtes Sonntagsblatt.

M 64

Vierteljährlicher Bezugspreis; btt orr ExpLition 2 SU, btt allm Postämtern 2,25 Mk. <t$tL Bestellgeld).

Jnserttonsgtbühr: die gespaltene Zellt ober deren Raum 10 Pfg.

Reelamen: die Zeile 25 Pfq.

Marburg

Sonnabend, 17. März 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Iah. Äug. Koch, Umversttäts-Buchdruckerei 41. Jllhra.

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Neueste Telegramme.

Berlin, 16. März. DerVorwärts' teilt mit, Last Rosa Luxemburg, die sich seit einigen Monaten stn Russisch-Polen befand, anfangs März in Warschau verhaftet und in das Stadtgefängnis gebracht worden stst. (Hoffentlich behalten die Russen die edle Dame für lange Zeit).

Amsterdam, 16. März. Königin Wilhelmine hat sofort nach Bekanntwerden des Ueberschwemmunasun- tzlücks 15 000 Gulden für die Opfer zur Verfügung gestellt. Es heißt, daß besonder- in Blissingen, wo das Wasser während 12 Stunden in den Häusern stehen blieb, der Schaden groß ist. Die Bahn Rosen« daal-Vlissingen verkehrt wieder, wenn auch unter 'Schwierigkeiten.

Petersburg, 15. März. Die zur Prüfung des von einem amerikanischen Syndikate vorgeschlagenen Pro« jektes einer Bahnverbindung von Kqnsk mit Alaska, mit Nntcrtunnelung der Behringstraste, begann heute ihre Beratungen. DaS Syndikat will den Bau au feine Kosten ausführen, wenn ihm auf einem 24 Kilo­meter breiten Gelände läng- der Bahnstrecke das ganze Gebiet zur industriellen Ausnutzung überlasten werde.

Petersburg, 15. März. Um die Freiheit der Wahlen für die Reichsduma und den ReichSrat zu ge­währleisten, werden gegenwärtig vom Ministerrate «ine Reihe besonderer Bestimmungen ausgearbeitet, wach denen ausnahmslos jeder zu bestrafen ist, der sich herausnimmt, den gesetzmäßigen Verlauf der Wahlen durch Drohungen, Gewalt, Bewirtung der Wähler, Geschenke, Versprechungen von Vorteilen, Er- nung, Bestechung und andere ungesetzliche Mittel eeinträchtigen.

London, 15. März. Die englische Staats­schuld belief sich nach dem Bericht der Verwaltung des Consolited Fund am 31. März 1905 auf rund 755 Mill. Lstr. (15,1 .Milliarde Mk.) oder 7 557 670 Lstr. weniger als am 31. März 1904. Dieser Verminderung .der Schuld steht eine Steigerung dersonstigen Verbindlichkeiten" um fast 9,8 Mill. Lstr. gegen­über, so daß tatsächlich eine Zunahme um 24 Mill. Lstr. statt gefunden hat. Der Zinsendienst erforderte im letzten Berichtsjahre eure Summe von 27 Mill. Ltir. oder 540 Mill. Mk.

Ungarn.

| Von sehr gut unterrichteter stebenbüvgischer ,Seite wird uns geichrieben: Das energische Vor­gehen des Fejervaryschen Regimentes, das .,;it Her am 19. Februar vollzogenen Reichstagsauf- Lösung der Entsendung königlicher Kommissare in jdie renitentesten Munizipien, barunter auch die Hauptstadt, wie ein reinigendes Gewitter in die verrotteten Politischen Zustände Ungarns hinein- fW, hat schon mancherlei nützliche Früchte ge­zeitigt. Aus der Koalition der oppositionellen Parteien beginnen sich diejenigen Elemente loszu. löfcn, die nicht aus Ueberzeugung, sondern auS Motiven Politischen Strebertums in das Ge- schrei nach der madjarischen Kommandosprache einstimmten und nun plötzlich einsehen, daß auS- üabmsweise einmal der Wille desKönigs" sich stärker erweist als die nationalen Wünsche des Madjarentums. Da ist es denn klüger, sich vor­läufig, trenn auch einigermaßen im Gegensatz zur

I Nachdruck verboten.)

Ein Jugendtraum.

Novelle von Hans Albrecht«Castel.

(Fortsetzung.)

Doch genug von unseren Zukunstsplänen", kügte er, wieder heiter werdend, hinzu.Ueber- ßassen wir das Weitere dem gütigen Schicksals- tvaltenl"

Er reichte ihr zum Abschied die fein befwnb- schuhte Rechts.

. »Auf baldiges Wiedersehen und nehmen Sie die besten Wünsche zweier Menschen mit sich, pie Ihnen diese Stunde nie vergessen werden," sagte Frau Rodin herzlich.

Sie fühlte den warmen Druck seiner Hand vann war er gegangen.

,, Die Greisin trat ans Fenster und blickte hinab. Sie blickte der hoh«i, vornehmen Man- vergestalt nach, die mit elastischen Schritten daS Haus verließ, und faltete betend die Hände.

Gott segne ihn, und dem Himmel fei Dank!" flüsterte sie.

.Wenn mein Kind eine Künstterin würde!" uhr sie fort.Eine Künstlerin! O, mache e& tarf. Du barmherziger Gott! Bewahre meinem Hube, wenn Du mich abgerufen, stets ein gläu- nges und gutes Herz.

Leuchtend warf die scheidende Maiensonne Ihren goldigen Schein über die Giebel der Häu- wr in das stille Zimmer hinein, und auch daS Antlitz der Matrone grüßte der lachende Son­nenblick. Und in ihr. Gemüt zog ein Gefühl von »rieben so licht und mild verklärend, wie Abend- ff>nn?nschein.

Mr Else Rodin folgte nun ein Lebensabschnitt, rr manche Aenderungen in ihren bisherigen Gewohnheiten brachte. An beftinunten Abendm wr Woche, wenn Elsens Vater im Theater be-

bishengen polittschen Haltung, leise zurückzuziehen und sich die Wege für die Zukunft offen zu hal­ten. Den Anfang hat Banssy gemacht, dem trotz der Enge seines staatsmännischen Horizontes eine gute Spürnase für die jeweilige polittsche Wind­richtungoben" wieunten" nicht abzusprechen ist. Er hat seine Stelle im leitenden Ausschuß der Koalition niebergdegt und damit zugleich sei­nen Austritt aus der Koalition vollzogen. Andere dürften in Kürze folgen. Wenn, wie zu erwarten steht, die aus Parteien mit durchaus verschiedenen Interessen künstlich zusammengeschweißte Koali- tion in die Brüche geht, so wäre die Möglichkeit für die Wiederherstellung geordneter t>arlamen- tarischer Zustände und ine Bildung einer Regie­rung auf der Grundlage des 1867er Ausgleichs wenigstens für einige Zeit wiedergegeben. Daß die Madjaren übrigens trotz desgegenwärttgen Miß- erfolges ihre nationalen Wünsch« nicht au weben werden und daß der alte Gegensatz gegen Oester­reich und das Haus Habsburg, auch wenn es ge­lingen sollte, ihn herste noch einmal zu über­brücken, bei der ersten besten Gelegenheit, etwa bei auswärtigen Verwicklungen, wieder klaffend zutage trete würde, muß dem als natürlich und notwendig erscheinen, der den Rattonalcharakter der Madjaren und die innerpolitischen Verhält- nisse Ungarns kennt. Vorläufig treten aller­dings die widerspenstigen Munieipien allent­halben ebenso den Rückzug an, wie Banffy und Genossen. Die freiwillig eingezahlten Steuern werden trotz der früher gefaßten gegenteiligen Beschlüsse an .die Staatskasse abgeliefert und auch die Rekrutterung dürste weniger Schwierig­keiten begegnen, als man bisher befürchtete.

Unter den Nichtmadjaren treten namentlich die Nomänen offen für die Regierung Feser- varys ein, weil sie von ihr die Durchführung des allgemeinen Wahlrechtes erwarten, wodurch ihre Position im Reichstag außerordentlich ge- stärft würde. Die Sachsen nehmen eine abwar. tenbe Haltung ein. Einerseits ist man zu wenig daran gewöhnt, daß die Krone den Madjaren gegenüber einen energischen Willen hervorkehrt und hält den gegenwärtigen absolutistischen Zu­stand für ein liebergangsstadium von kurzer Dauer, andererseits hat die gegentoärtige Regie­rung nichts getan, um sich die Sympathien der Sachsen zu erwerben: das allgemeine Wahlrecht das freilich noch in ziemlicher Ferne liegt und über dessen Ausgestaltung im einzelnen man noch völlig im unklaren ist, würde den Sachsen wahr­scheinlich ben Verlust mehrerer Reichstagsman- date rmd ihres ausschlaggebenden Einstnsies in den Vertretungskörpern fast aller sächsischen Städte bringen. Die Unterrichtspolitik der Re­gierung aber läßt es an chauvinisstschen Vera- Honen und Angriffen auf daS sächsische Schul­wesen gegenwärtig ebensowenig fehlen als früher.

B.

Die Konferenz in Algeciras.

DerPester Llohd" bringt von einem b» sonderen Korrespondenten aus Paris einen Brief über die Marokkofrage, indem u. a. gesagt wird:

schäftigt war, kam Bruno von Volkstadt. Ganz neue Gedanken und Anschauungen gewann sie in dem Verkehr mtt dem fein gebildeten und gemütvollen Manne, und stets hielt sich der Um­gang zwischen Beiden strengstens in> den von gegenteiliger Achtung gebotenen Grenzen. Oft lieb der Baron ihr Bücher, die sorgfältig gewählt, reichen Stoff zu Anregung und Belehrung bo­ten, belletristtsche und auch populär toiffenMxift- liche Werke. Aus ihnen pflegte Else in stillen traulichen Abendstunden der Mutter vorzulessi, und stets mufjte das junge Mädchen seinem Men- tor berichten, wie der Inhalt erfaßt worden war und was noch seiner Erläuterung bedurfte.

Mit frohem Glücksgefühl erkannte Frau Ro­din, tote das Wesen ihrer Tochter durch den Ver- kchr mit dem Frei Herrn verliest und gefesttgt wurde. Und wenn das Mutterauge zuweilen sttll besorgt in der Seele des Kindes forschte, so nahm es doch beruhigt wahr, daß sie nichts als herzliche, freundschaftliche Zuneigung zu dem Wohltäter in sich zu bewahren schien.

Herrn von, Volkstadts Großmut setzte Else jetzt recht häufig in die Lage, ihrem Lieblings- Wunsche Folge zu geben und das Theater be- suchen zu können. Zwar besuchte Else nicht mehr daS Vorstadttheater, in dem sie den Baron zu­erst gesehen, sondern di« von diesem geschenkten Emtrittskarien führten sie in daS Schauspiek- tmd das Opernhaus. Zumal in letzterem fand Mse einen bisher nicht gekannten, hohen Genuß mrd bte Tonschöpfungen berühmter Meister übten einen Hefen und wirksamen Nndruck auf sie au5 und förderten das Studium, das Else bei einem btet geflauten Musiflehrer, zu dem Herr von Volk- stadt sie führte, begonnen.

Der Künstler zeigte sich freudig überrascht von der Begabung seiner neuen Schülerin, lobte die Fortschritte, die das Studium zeigte, dm Eifer, den Else Rodin bewies, und erhoffte z»<

Wenn man wissen will, warum die Konferenz in Algeciras so langsam von statten geht, so muß inan sich einfach vor Augen halten, daß dahinter ein ganz gewöhnliches Finanzgeschäft steckt, für welches die Beteiligten den französische« Staat vor ihre Interessen gespannt haben. Bis in daS Kabinett hinein haben diese Politiker ihre Agen­ten. Es ist ein offenes Geheimnis, daß der Kriegsminister EHenne zu den meiitintereffierten Personen gehört. Dasselbe gilt von dem Se­nator Baravagnon; weiter sind zu nennen St. Germain, Senator in Oran, und Gereiste, Se­nator in Algier; desgleichen Mr. Aynard, der Schtoiegervater Jonnarts, des Generalgouver- neurs von Algerien; der junge Aynard, der Schivager und Sekretär Jonnarts, ist mtt dem TitelConseiller dambassade" dem französi­schen Delegierten Revoil bei gegeben, um in Alge­ciras die Interessen der Compagnie Marocain«, also die väterlichen Interessen, zu verteidigen. Die finanziellen Interessen des Kriegsministers EHenne werden durch Renaud, dem fubnenHonier. ten Leiter der in Tanger erscheinendenD6- püche Marocaine" wahrgenommen. Die genann- ten Herren sind Hauptaktionäre der Compagnie Marocain«, in deren Interesse der ganze mit der Penetration" des vorigen Jahres beginnende französische Marokofeldzug unternommen wor­den ist. Bis jetzt liegen die Dinge jedenfalls so, daß man nicht wußte, ob das Verantwortliche Ka- binett oder die Compagnie Marocaine die Poli­tik Frankreichs in Algeciras bestimmte. Rouvier selbst war und ist an der Compagnie Marocaine nicht interessiert; ihm war Etiennes Gesellschast im Kabinett schon lange unheimlich.

London, 15. März. Daily Graphic wendet sich gegen die Deutschlandgemachten falschen Vorwürfe, welche nur dazu dienen können, das Werk der gütlichen Verständigung in Algeciras zu hindern; obgleich Deutschland gewiß gern einen Hafen an der atlantischen Küste Marokkos be­sitzen würde, sei es weder gerecht, noch flug, ihm dieses Verlangen bei den Verhandlungen vorzu­werfen, da es doch gerade auf Internationalisie­rung und vielfältiger Kontrolle bestehe. Wenn di« Frankreich. bereits gewährten Konzessionen nicht geeignet seien, den Franzosen einen Hafen am Atlantischen Ozean zu verschaffen, wie könne man da vernünftigerweise behaupten, daß die viel flei. neren, von Deutschland verlangten Konzessionen den Weg für ein neues Kiautschon bahnen sollten?

Das Grubenunglück in Courrisres

Der Präsident der, Wiener Akademie der Wissenschaften, brachte in einem Schreiben an die Wiener Neue Freie Presse in ergreifender Weise die Gefühle zum Ausdruck, die wohl alle humanen Menschen bei der Nachricht von der Teilnahme der deutschm Bergleute an den Stet- tungSarbeiten in Courridres empfunden haben. Der L.-A. giebt den Wortlaut des Anfanges und Schlusses wieder:

Ist es nicht nach so manchen großen Unglücks, fallen, als ob ein Engel herniederstiege, um uns zu sagen, daß es Höhen gibt, in die der Streit versichtlich die günfHgften Resultate von ihrer Ausbildung.

«

Schnell war der Sommer vergangen. Der .Herbst zog ins Land, rauhe Stürme brausten einher und wirbelten welkendes Laub von den Bäumen.

Im vornehmsten Teile des Villenviertels von B. vor einem reizvoll gelegenen Landhause, hielt ewe herrschaftliche Equipage und nadonierte Diener hatten soeben einen schweren Reisekoffer auf den Kutschersitz gehoben.

Fest auf den Arm eines jungen, stattlichen Herrn gestützt schritt ein weißhariger, gebückter @ret3 mit müden und langsamen Schritten dem Wagen zu.

Nachdem er Platz genommen und ein Lakai forgfam schützende, wärmende Decken über seine wnt« fiebreHet hatte, stieg auch fein Begleiter in ben Wagen ein.

"H"st Du alle Disposttionen für unsere Ab­wesenheit und Reise getroffen, Bruno?"

«Ja, Vater. Es ist alles besorgt. Du kannst beruhigt reisen."

.Die Wagentüre wurde fast geräuschlos ge­schlossen. Ein tief nachdenklicher Blick des Grei­ses streifte die prächttge Villa mit ihren sorgsam gepflegten Parkanlagen, bann winkte er mit der ganb den ehrfurchtsvoll und mit entblößten Häuptern am Gittertor stehenden Lakaien einen Abschiedsgruß zu, und es war, als zuckte in sei- nen strengen, scharf geschnittenen Gesichtszügen schmerzliche Wehmut.

Die feurigen, edlen Pferde, die unruhig auf bem Fahrdamm gescharrt, zogen an, und in schnellem Tempo rollte der Wagen davon. , Der Greis lehnte sich mit einem Seufzer tief in die Kissen des Wagens zurück.

Es war wohl heute das letzte Mal, baß meine Dienerschaft sich vor ben üblen Launen eines Kraukm fürchten mußte," sagte er mit matter

des Tages nicht hinaufreicht, und um ben seit« gehörten Ton der Menschlichkeit zu wecken ß War es nicht so, als bet Mont Pelä mit eine« einzigen Gluthauche 28,000 Mensch en hinweg- fegte? Jetzt steigen deutsche Knappen mtt Ret­tungswerkzeugen in französische Schächte, und wenn auf deutscher Seite ein gleiches Unglück eingetreten, und die Ausrüstung auf französischer Seite die entsprechende gewesen wäre, wer wollte zweifeln, daß sowohl die Bereitwilligkeit als die Aufnahme die gleichen gewesen wären? Auch an deutschen Werken fehlen in diesen Stunden niemals solche Muster der unbegrenzten Hinge­bung. Die Zeitgenossen fmb nicht so schlecht intb klein, wie unsere verächtlichen Dekadenten fie uns zeigen möchten. Noch ist Mannesmut nicht erloschen und Pflichttreue bis in den Tod. Dcch sind die Stunden, in denen die Klassen und Na. Honen sich gegenseitig als Menschen achter lernen, und das gibt Hoffnung.

Aus Lens meldet der Berichterstatter bei Frkf. Ztg." von gestern, 15. d. M.: Ich komim soeben von einer Rundfahrt über die drei betraf, fenen Zechen zurück. In Sallau und Men» court ist alles still; nur die Ventilatoren zur fri­schen Bewetterung sind in Betrieb. Auf der Zeche Billy-Montigny werden die ^Bergungsarbeiten unter Führung des deutschen Rettungskorps und der Pariser Feuerwehrleute fortgesetzt. Ver­flossene Nacht wurden siebzehn weitere Leichen zu tage gefördert, alle jedoch in solchem Zustande, daß sie nicht zur JdenHffezierung durch, die Hinter- bfiebenen ausgestellt werden können. Aus An­ordnung des Präfekten werden di« Leichen sofort beerdigt. Im Laufe des Morgens begegneten die Netter neuen Schwierigkeiten. In mehreren Gängen, dauert der Grubenbrand fort und es ist unmöglich, bis zu der am stärtsten betroffenen Grube von Sallau vorzudringen. Außerdem vermögen die zur Aufräumung der Verschüttun­gen nöHgen Arbeiter, die keine Respirations­apparate tragen, wegen der Verwesungsgerüche kaum mehr unter Tag auszuhalten. Unter diesen Umständen {ft eine weitere Verlangsamung bet RettungSarbetten wahrscheinlich.

Lens, 15. März. (W. B.) Die Jngenieuv- kommission ließ die Mitteilung ergehen, noch welcher heute früh in einer Tiefe von 340 Metern ein Brand aus gebrochen ist. Die Rettung smann- schiffen sind sämtlich in Sicherheit. Da? Ein­dringen von Lust wurde durchSperrvorrichtungen verhindert. Die unterbrochenen Rettungsarbeiten werden bald wieder aufgenommen werden. Heut« Nacht wurden 18 Leichen aus Schacht 2 geborgen. Die Kommission teilt mit, daß die Gesamtzahl bet Opfer höchstens 1095 betrage.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. März.

Seine Majestät der Kaiser hat gestern Mit­tag an Bord des LinienschiffesKaiser Wilhelm II." gegen 1 Uhr unter dem Salut der Batterie den Anker­platz vor Helgoland verlassen und ist mitsamt den Be­gleitungsschiffen nach der Weser abgedampft. Di« von dem Kaiser beabsichtigte Besichtigung der durch die Sturmflut beschädigten Düne ist wegen starken Seegangs unterblieben.

klangloser Stimme,vielleicht zieht schon bald in das Haus, das wir soeben verlassen, tote in unser altes Stammschloß zu Volkstadt ein neuer Geb«, ter ein. Denn mit mir ich fühle es geht's bald zu Ende."

Ein pfeifender Hustenanfall schnitt seine Red« ab.

Vater!" bat Bruno von Volkstadt der Be­gleiter des alten Herrnich bitte Dich, rede nicht so! Noch stets hat das herrliche Klima unter sonnigem südlichen Himmel Dir Linderung verschafft und die reizvolle Gegend Dein trübeS Gemüt erheitert. Dort wirst Du ben rauhe-, Herbst in der Heimat und die trüben Gedankt bald vergessen."

Du bist ein guter Sohn, Bruno, Du warf! die Freude und der Stolz meines Lebens. Abe» sprich nicht von Hoffnung und Besserung! Ick täusche mich über mein Leiden nicht, ich weiß, was der stechende guälenbe Schmerz in der Brust biet drinnen bedeutet der Tob ist es, Bruno, der Tod! Und ich muß alles zurücklassen, woran mein Herz gehangen: Ehren, Macht, Glanz und Besitz alles!

»Aber das Eine versprich mir, Buno," fuhr der Freiherr eindringlich fort,versprich mir. in Allem ein würdiger Erbe meines Namens z« fein, wenn ich nicht mehr bin! Gewiß Du wirst es! Und halte Dich frei von der Verirrung unserer Zeit, die schroff mit alten und bv- währten Traditionen, die unseren Stand gestützt haben Jahrhunderte hindurch. Vorurteilsfrei nannten sie sich, und scheuen sich, es zu verdam­men, wenn Kavaliere, Grafen und Barone, bür. perliche Mädchen, ja solche aus untergeordnete« Ständen, mtt ben Adels krönen alter Geschlech­ter schmücken. Aber es tut nicht gut, Bruno tut, sehr selten gut! Schon mancher hat solch' törichten Idealismus seiner Jugend ein ganzes, langes Leben hindurch bereut 1"

(Fortsetzung folgt.)