mit dem Kreisdlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Illuftrirtes Sanntagsblatt.
N 63
Lirrteljährlicher Bezugspreis bo ver ExpLitton 2 Mk, bei ollen Postämtern 2,25 M. veyl. Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.
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Marburg
Freitag 16. März 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag- Joh. «ug. Koch, UmversttStS-vuchdruckerei 41. Jllhrg«
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
Berlin, 14. März. Wie die .Norddeutsche Allg. Ztg." erfährt, stattete gestern der französische Botschafter Bihourd dem Staatssekretär des Aeußern von Tschirschky einen Besuch ab, um für die Teilnahme des Kaisers und der kaiserlichen Regierung an dem Grubenunglück in Courrieres den Dank der französischen Regierung auszusprechen.
Hamburg, 14. März. Reichspostdampfer .Gouverneur" ist mit der ersten Staffel des Marineinfanterie-Detachements aus Ostafrika an Bord nachmittags gegen 4 Uhr eingetroffen.
Paris, 14. März. In St. Anne d'Aurah, im Departement Morbihan, sind an 13 000 Landleute ent» getroffen, von denen viele mit Stöcken ausgerüstet sind und einige sogar Waffen unter dem Kittel tragen, um sich der Inventaraufnahme zu widersetzen. Der neu ernannte Bischof, sowie die konservativen Deputierten und Senatoren deS Departements sind gleichfalls vor der Kirche versammelt. Der Finanzinspektor mußte unverrichteter Dinge umkchren.
Tokio, 14. März. Das Abgeordnetenhaus hat den Vorschlag des Kriegsministers angenommen, nach welchem für die japanische Infanterie statt deS gegenwärtig bestehenden dreijährigen HeekeSdienstesLie zweijährige Dienstzeit eingeführt werden soll.
Nach einer Meldung deS „Daily Telegraph" wimmelt es in der Mandschurei von Räuberbanden. Ein chinesisches Regiment ist dabei, diese bei Kintschou anzugreifen, wo künftig eine wichtige chinesische Militär, station errichtet werden soll.
Warenhaussteuerveranlagung in Preußen.
veröffentlicht die „Zeitschrift des königl. prvuß.
.Statist. Bureaus" folgende Tabelle:
in der Provinz* Ostpreußen Westpreußen Berlin Brandenburg Pommern Posen Schlesien Sachsen Schlrsw.-Holst Hannover Westfalen Hessen-Naffau Rheinland - im Staate
Hiernach
SteuErbflidjtigc 1901 190319J4 2 2 1
2 — 2
20 15 11
7 7 12
8 4 4
1 2
10 7 8
7 3 4
.48 4
3 12 5 8 5
8 5 5
37 18 22
Steuer Mk.
1901 1903 1904
11500 16360 4000
24000 — 32500
1342953 950733 839014 i31250 113300 138000
59000 51047 54316
4000 — 8000
223002 169300 167200 97400 29500 29172 64609 60.00 72653 76500 37039 36612 53600 43830 50750 121000 94941 128047 865 IM 367-200 404711
109 73 *2 ist gegen das
«17 '*<05 1933250 1965 5
Vorjahr die Gesamt-
zahl der veranlagten Betriebe um 9, d. i. um 12.3 v. H., dagegen die jährliche Steuer um 31 755 Mark, also nur um 1,6 v. H. gestiegen. Gegen das erste Veranlagungsjahr steht aber daS neueste Veranlagungsergebnis noch sehr erheblich zurück, nämlich hinsichtlich der Zahl der Steuerpflichtigen um 27, d. i. 24,8 v. H., und bezüglich des Steuerbetrages um 1 108 900 Mark oder 36,1 v. H.
Auf die Landbezirke entfallen nur 5 (1903 6) zur Warenhaussteuer veranlagte Betriebe mit einer Steuer von 62 250 Mark (73 500 Mark). Abgesehen von Hohenzollern, wo das Warenhaus- steuergefetz nicht gilt, fand 1904 in 13 Regierungsbezirken (Gumbinnen, Marienwerder, Köslin, Stralsimd, Bromberg, Erfurt, Hildelsheim,
«Nachdruck verboten.)
Ein Jugendlraum.
Novelle von Hans Albrecht»Cassel.
(Forffetzung.)
Dann leitete er das Gespräch auf Else hin. über und Herr von Volksiadt wiederholte fast mit Zeichen Worten der Mutter des Mädchens, was er diesem selbst am Abend der ersten Begegnung gesagt —
Tief ergriffen reichte Frau Rodin dem jungen Freiherrn die Han.» und in ihrem welken Gesicht, das die Spuren eueit vorgeschrittener Krankheit trug, Zuckte die mühsam verhaltene Rührung.
„Nehmen Sie den innigsten Dank einer treu sorgenden Mutter entgegen, Herr Baron! Ich bin arm und hätte nie gedacht, daß Gott mir noch Hoffnung ins Haus schicken würde durch einen Helfer, wie Sie es sind! Wenn ich Elsens Zukunft durch einen Helfer gesichert glauben könnte •— es Ware für mich ein unendlicher Trost," fuhr Ke fort. „Wir sind ja allein .... so darf ich Ihnen sagen, daß ich gewiß dem Tode nahe bin . . . . Arbeit, Mühen, Sorgen war mein Loos! Und wenn ich mein Kind zurücklaffen muß in dieser Welt, wenn ich denke, es konnte untcrlie- gen, zu Grunde gehen in Not und Entbehrung, im Eiend — der Versuchung der Großstadt un- terliegen, wie tausend Andere ... ach, Herr Baron, dies, nur dies allein läßt mich vor meinem Ende zittern! Else ist gut und brav, ist rechtschaffen und in Tugend erzogen..... ihr Vater. . . ."
Sie schwieg erschöpft
„Ihr Gatte hat viel Mißgeschick erlebt, Frau Rodin? Else sprach davon . . .*
„Ja. Das Schicksal hat ihm arg mitgespielt. Ich mag nicht richten über ihn . . . aber er ist
Stade, Osnabrück, Aurich, Minden, Cassel und Koblenz) keine Vernlagung zur Warenhaussteuer statt.
Was die einzelnen Landesteile betrifft, so finden wir im Berichtsjahre den bemerkenswertesten Rückgang an Steuer bei gleichzeittger erheblicher Verminderung der warenhaussteuerpflichtigen Betriebe im Stadtkreise Berlin; andererseits ist der dort im Durchschnitte auf ein steuerpflichttges Warenhaus entfallende Steuerbetrag, welcher 1903 mit 63 382 Mark noch um 3766 Mark gegen denjenigen des ersten Veranlagungsjahres zurückblieb, 1904 auf 76 274 Mk., d. i. gegen das Vorjahr um 20,3 Hundertteile, also ein Fünftel, in die Höhe gegangen.
Im Gegensatz zu Berlin haben sich in der Provinz Brandenburg sowohl Zahl wie Gesamtsteuer der veranlagten Warenhausbetriebe beträchtlich, und zwar über die betreffenden Ziffern von 1901 hinaus, vermehrt: hierbei kommen in erster Linie die Vororte Berlins in Frage, in denen den Berliner Warenhäusern eine zunehmende Konkurrenz erwachsen ist. Auch sonst ist neuerdings mehrfach — in Westpreußen, Posen, Schleswig - Holstein und H e s s e n - N a s s a u — die Steuersumme der erstmaligen Veranlagung überholt worden, dagegen hat sie in Schlesien, Sachsen und Hannover einen weiteren Rückgang erfahren, der aber bei weitem nicht so groß war, wie die neuerliche Abnahme in der Provinz Ostpreußen. Insbesondere hn Rheinlande ist zwar für daS Berichtsjahr ein wesentlicher Aufschwung im Warenhausgewerbe bemerkbar, doch ist hier die 1904 veranlagte Jahressteuer noch nicht halb so hoch wie im Jahre 1901.
Auf dem platten Lande wurden im Berichtsjahre einigermaßen bedeutende Warenhaussteuer, betrüge nur innerhalb der Provinz Schlesien, und zwar im oberschlesischen Industriegebiete, veranlagt.
Die Konferenz in Aweciras.
Wie der Korrespondent der „Köln. Ztg." in Madrid seinem Blatt telegraphiert, macht dort die Un- Nachgiebigkeit Frankreichs in der Bank- und Polizei- frage den übelsten Eindruck. Der frühere spanisch« Minister Billanueva erklärte dem Korrespondenten, er hoffe, daß Deuffchland nicht weiter nachgeben werde, da daS Vorherrschen deS französischen Einflusses in der marokkanischen Staatsbank Spanien ebensowenig paffen könne, wie daS Alleinsein mit Frankreich im Polizeiwesen. Wie er, dächten viele spanische Patrioten. Der Korrespondent führte ferner eine Anzahl spanischer Blätterstimmen auf, die sich in demselben Sinne äußern.
Berlin, 14. März. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: „Alle Nachrichten au» aigecira» stimmen darin überein, daß die Ministerkrist» in Frankreich die Einigung auf der Konferenz nicht nur verzögert, sondern auch zu erschweren scheint". Die „Nordd. Allg. Ztg." gibt dann die gestrige Pariser „Temps"meldung Über die letzten Instruktionen wieder, die Roiwier für die Behandlung der Polizei» frage erteilte, und fährt fort: „Wir wiffen nicht ob icse Angaben richtig und ob sie vollständig sind; wir begnügen unS daher vorläufig mit dem Eindruck, daß bei der französischen Regierung nicht die allerseits erwartete Aufnahme gefunden hat und daß daher noch nicht zu übersehen ist, wie die Verständigung über die von Deuffchland als unbedingt notwendig erachteten
.... er ist längst nickt mehr, was er einst ae- Wesen — ein für alles Gute und Schöne bereifter, ter Künstler, begnadet mit großem Talent, und — doch erlasien Sie mir weitere Mitteilungen!"
„Ich danke Ihnen für Vertrauen", saate Herr von Volksiadt mit Wärme. „Vielleicht wird auch Ihr Gatte noch anderen Sinnes werden, wenn er eingeseben, daß ick nur Gutes gewollt und für die Zukunst seines Kindes sorgte."
„Wir muffen überlegen, welcher Weg der ge- eigneffte sei," meinte Frau Rodin, „mir einfachen, alten Frau will es nicht in den Kopf, was zu geschehen hätte, Herr Baron."
„Ich habe bereits einen bestimmten Plan. Vielleicht gab das Schicksal ihn mir ein. Fräulein Else erzählte mir, sie liebe sehr Musik und Gesang und ehe sie mir vorhin die Flurtür öffnete, hörte ich noch ihre glockenhelle Mädcken- sttmme mir entgegen schallen."
„Ja, Else bat mir manche trübe Stunde erheitert mit ihrem Gesang. Freflich, es konnte für ihre Ausbildung nichts geschehen. In der Schule war sie wohl die beste Sängerin, und ihr Lehrer riet mir einst allen Ernftes, für ihre weitere Ausbildung bedacht zu sein."
„Vortrefffick!" rief der Baron, „dazu ist auch heute noch Zeit. Darf ich an Fräulein Else eine Frage richten?" setzte er hinzu. —
Auf den Ruf ihrer Mutter erschien Elsc Rodin im Zimmer. Sie trug ein sehr einfaches, doch geschmackvoll geschnittenes Hauskleid, das ihre ebenmäßige, schlanke und voll entwickelte Gestalt knapp umschloß. Aufgelöst floß das reiche Blondhaar aus Nacken und Schultern herab, und das junge Mädchen sah reizend aus in der leichten Verwirrung, mit der es nun dem Besucher gegen, über stand.
Baron von Volkstadt hatte sich erhoben. In fein etwas blasses Gesicht ftteg ein lebhafteres
Garantien für den internationalen Charakter der Polizeiorganisationen zu erzielen sei. Hoffentlich werden Erklärungen Revoils auf der Konferenz bald Klarheit darüber bringen."
Algeciras, 14. März. Die Redaktionskommission brachte den gestrigen Vormittag damit zu, den Marokkanern die einzelnen Artikel des Entwurfes betr. die marokkanische Staatsbank auseinanderzusetzen. Diese nahmen die Darlegungen entgegen und berichten an den Sultan. Heute Vormittag 10 Uhr tritt dieselbe Kommission wieder zusammen, um den Marokkanern das Polizeiprojekt darzulegen. Die nächste Vollversammlung der Konferenz findet wahrscheinlich am Donnerstag statt.
Das Grubenunglück in Courrieres
Wie aus Lens gemeldet wird, schreiten die Rettungsarbeiten sehr langsam voran. Auf der einzig zugänglichen Zeche „Billy-Monttgnh" haben acht Mann vom deutschen Retterkorps im Verein mit einer Anzahl Pariser Feuerwehrleute, die ebenfalls mir Respiraffonsapparaten versehen sind, im Laufe der Nacht und Morgens zwanzig weitere Leichen zu Tage gefördert.
Die heftigen Reden der sozialisffschen Deputierten bei der Beerdigung der ersten Opfer sind nicht ohne Wirkung geblieben. Gestern früh sind in den Gruben des Departements 5000 Bergleute nicht ein» gefahren. In den Kreisen der Arbeiter wird Propaganda für einen Ausstand gemacht und die Behörden ergreifen bereits Vorsichtsmaßregeln.
Lille, 14. März. Nach den gestrigen Trauerfeierlichkeiten machten sich die deutschen Bergleute wieder an die Bergung der in den Schächten von Courrieres verunglückten Bergleute und brachten mehrere Leichen ans Tageslicht. Unter den Bergarbeitern macht sich eine gewisse Erregung bemerkbar, die an Stärke zuzunehmen droht und sich auch auf andere Grubengebiete ausbreitet. Die Arbeiter verlangen eine Lohnerhöhung von 10 Prozent. Die Bergleute von Ostrecourt haben bereits beschloßen zu streiken.
Der sanft wenig deuffchfreundliche Pariser „Ma- tin„ widmet den deutschen ArbeiterwohlfahrtSeinrich- tungen, deren Vorzüglichkeit auch in Courrieres sich glänzend bewährte, einen enthusiastischen Artikel. Er schließt mit der dringenden Mahnung an Frankreich ein solches Muster nachzuahmen. Leider erfuhren die Arbeiten der Deuffcben, denen sich einige Pariser Feuerwehrleute anschloffen, eine Unterbrechung, weil die Gefahr einer neuen Explosion erkannt wurde. Da» Feuer wütet mit solcher Gewalt, daß man schon die Notwendigkeit erwägt, einen Stollen unter Wasser zu setzen. Von den Schwierigkeiten, unten vorwärts zu kommen, mag die Tatsache einen Begriff geben, daß man während der zwei letzten Arbeitsstunden kaum zwei Meter vorwärts bringen konnte, und zwar gerade nach jener Richtung, wo man eventuell die wenigen Ueberlebenden vermutet. Einer der Deutschen hat den Eindruck, als habe sich an dieser kritischen Stelle aus Holzklötzen, verschlammten Pferdeleibern und Eisengeräten ein Schlawgengewirr gebildet, da» zu durchhauen unmöglich ist.
Lens, 14. März. Die deuffchen Rettungsmannschaften setzten in Grube 2 die Bergung der Leichen fort. Vormittags sind 22 Leichen rekognosziert. Im ganzen sind jetzt 223 Leichen zu Tage gefördert. In einer Galerie wurden 105 Leichen aufgefunden.
Lenz, 14 März. Wegen Verwesung der Leichen sind die inneren Gruben fast unzugänglich. Die Rettungsmannschaften schwanken, ob sie die Arbeit forffetzen sollen. Der Präfekt ordnete an, daß die zutage geförderten Leichen in Billy-Monttgnh nut eine Stunde ausgestellt bleiben dürfen und dann sogleich eingesargt und beerdigt werden sollen.
Lens, 14. März. Die Ingenieure, die von der Regierung aufgefordert wurden, die Rettungsarbeiten
Rot, als er sick Zur Begrüßung arttg verneigte, und um den von einem schwarzen, wohlaev siegten Bart beschatteten Mund zuckte es flüchtig.
„Bereiten Sie sich zur Beantwortung einer wichtigen Frage vor, mein Fräulein, — einer Frage, die für Ihre Zukunft entscheidend sein kann. Denken Sie an unsere erste Unterredung und erwägen Sie es, ob Sie sich entsckließen können, in de ^nrsorge für Ihr ferneres Leben sich einem Berufe zu widmen. Im Einverständnis mit Ihrer Frau Mütter mache ich Ihnen nun den Vorschlag: Erwählen Sie die Musik, die Sie so sehr sieben, zu Führern Berufe, um sich in ihm vielleicht — zur Künstlerin auszubilden."
In jähem Wechsel ging die Farbe auf ihren Wangen.
„Herr Baron — was sagen Sie — ich sollte — ich — aber das ist wohl nur Ihr Scherz . ."
»Es ist mein Ernst. Bedenken Sie es ruhig!" „Glauben Sie, daß mir dieses Ziel erreich- bar ist, — und daß ich genügendes Talent besitze?"
„Ich glaube letzteres und hoffe das erste, wenn Sie, woran ich doch nicht zweifeln mag, mit Eifer und ernstem Wollen an Ihre Aufgabe herantreten werden."
Seine Worte klangen fest und bestimmt.
„Else — welches Glück für Dich!" mahnte die Mutter.
Ein fonnigeS, glückliches Leuchten flog über Elsens Gesicht. In aufquellender Freude eilte sie zur Mutter hinüber und schlang die Arme um ihren .Hals.
„Mütterchen! — welche Freude für mich — und für Dich!"
Und dann trat sie zu dem Baron und reichte ihm treuherzig die Hand.
„Ich will eine gute Spulerin werden", sagte sie einfach, ..Dank, taufe: Dank!*
zu leiten und die Werke wieder betriebsfähig ge machen, erstatteten ausführlichen Bericht über chre Tättgkeit. In dem Bericht wird die Katastrophe aiL eine Gasexplosion infolge des bestehenden Brandei zurückgeführt. Die Art und der Ursprung der explodierten Gase werden sich erst feststellen laffen, wem! man bi» zu dem ExplofionSherd vorgedrungen ist.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. März.
— Seine Majestät der Kaiser hörte gestern Vormittag in Wllhemshaven an Bord de» Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II." den Vortrag bei Stellvertreters des Staatssekretärs des Reichsmarineamts, Vizeadmiral v. Ahlefeld, und begab sich dann an Land, wo er mit diesem und dem Obcrwerftdirek- tor Kontreadmiral Wodrig die Taucherglocken bei der neuen Schleuse und die südliche Hafenerweiterung besichtigte.
Nachmittags 3 Uhr trat der Kaiser die Fahrt nach Helgoland an. Der kleine Kreuzer „Me, dusa" folgte dem Kaiserschlff. Abends traf dasselbe vor Helgoland ein und ging unter dem Salut der Batterien hinter der Düne vor Anker. Die Insel ff reich beflaggt. Wann der Kaiser sich an Land begff ist noch unbestimmt. Das Wetter ist böig, die bewegt.
— Die Seniorendes Reichstag Das älteste Mitglied ist v. Winterfeld-Menkm (kons.). der am 23. d. Mts. sein 83. Lebensjahr vollendet. Ihm folgen mit 79 Jahren Rintelen (Ztr.), Graf Hompesch (Ztr.), mit 78 Jahren Fürst zu Inn- und Knyphausen (Hospit. der Kons.),v. Kardorff (Rp.), mit 76 Jahren Szmula (Ztr.), mit 75 Jahren Trä, ger (Frs. Vp.), v. Strombeck (Ztr.)» Lender (Ztr.), v. Dallwitz (kons.), Steuer (Ztr.), mit 74 Jahren Boltz (natlib.), Hartmann (Ztr.), mit 71 Jahre« Graf Ballestrem (Ztr.), v. Staudh (kons.), Fürst Radziwill (Pole), mit 70 Jahren v. Czarlinski (Pole), Stöcker (christlichsoz.), mit 69 Fahren b. Tiedemann (Rp.), Depken (natlib.), mit 68 Jahren Bah» (natlib.) v. Rautet (kons.) Henning (kons.), v. Jazdzewski (Pole), mit 67 Jahren Walzer (natlib.), Schmidt - Elberfeld (Ft. Vp.). Dann fegte Enge» Richtet.
— Die liberal-demokratische Manchesterpresse ist anscheinend bot Staunen darüber, daß die von ihr fe lange vorausgesagte Getreidepreissteigerung bei bem Inkrafttreten der erhöhten Zölle au»- geblieben ist, sprachlos geworden. Tatsächlich sind die Zollerhöhungen an unseren Getreidepreisnotter- ungen im allgemeinen ganz spurlos vorübergegange«. Selbst die vereinzelt etwas erhöhten Notierungen Ian» man unmöglich mit der Zollsteigerung in Verbindung bringen, weil sie relativ viel zu unbedeutend sind und weil ihnen an anderen Plätzen ebenso große und noch größere Preisabschläge gegenüberstehen.
Zurzeit müssen die Besitzet von Getreidevorräte» im Auslande, wenn sie davon etwa? nach Deutschland verkaufen wollen, die ganze ober doch den bei weitem größten Teil der Zollethöhung von ihrer Preisforderung einfach abschreiben.
DaS ging z. T. schon aus der Senkung des Weizenpreises in Chikago und New-Fork hervor. Vo» Odessa wurde ferner der „Post" berichtet, daß deutsche Getreidehändler jetzt nach dem 1. März Weizen nur zu um 20 M. (die volle Zollerhöhung) niedrigeren Preisen' kaufen wollten, während sie sich beim Roggen mit einem Preisabschlag von 10 M. (% der Zollerhöhung) Begnügten und unter dieser Bedingung auch einige Abschlüsse gemacht hätten. ®e also sieht die von der Linken mit so furchtbar grelle» Farben an die Wand gemalte Belastung der deutschen Konsumenten durch die „Kornwucherzölle" im Lichte der Tatsachen aus.
Er blickte ihr ernst in die Augen und sah, tote sie schimmerten in aufsteigenden Tränen, und vergebens suchte Else Rodin ihre Bewegung zu bemeistern. Tief erglühend und schwer atmend trat sie von dem Baron zurück — in der nächste« Minute hatte sie das Zimmer verlassen.
„Die Freude hat das Kind überwältigt", brach Frau Rodin das entstandene Schweigen. „Es kam ihr zu plötzlich ganz unerwartet. Aber wie denken Sie sich die Ausführung des Vor> habens, Herr Baron?" wandte sie sich an Volk» stadt.
Er hatte noch nicht wieder Platz genommen und sagte nun mit gütigem Lächeln:
„Ueberlaffen Sie, bitte, diese Sorge ganz mir, Frau Rodin. Die Kosten der Ausbildung werde ich tragen — ich sehe das als selbstverständlich an, und Sie werden diese Ausfaffung teilen."
„Aber Sie machen mich — uns Beide za Ihren Schuldnerinnen!" rief Frau Rodin fast ratlos aus.
Er schüttelte ernst den Kopf.
„Reden Sie nicht von Schuld, wenn Sie mir nicht wehe tun wollen! Und auck zum Dank ist es noch zu früh. Aus e^cn Beweggründen biete ich meine Hilfe an — davon werden Sie überzeugt sein — ein warmes und rein menschliches Interesse leitet mich dabei. Und Fräulein Else mag einst über ihren Lebensaang unabhängig entscheiden. Hat sie Neigung und genügende Begabung, den schmalen und oft beschwerlichen Pfad zu hohem °iefe zu bestreiten, so wird mein Einfluß ihr dienlich sein können; will sie in bescheidener Stellima ihre Eristenz sich gründen, so werde ich dafür Sorge tragen, datz ihr Wirkungskreis lohnend und gesichert ist.
(Fortsetzung folgt.)