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Marburg
Donnerstag. 15. März 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerei 41. Jllhltl.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Neueste Telegramme.
Wien, 14. März. Wie verlautet, wird König Eduard Ende diese« MonatS den Hasen Antivari mit seiner Jacht anlaufen, um dem montenegrinischen Hofe einen Besuch abzuflatten. ES heißt, daß auch Kaiser Wilhelm im Frühjahr Montenegro besuchen werde.
Paris, 14. März. Das neue Ministerium ist endgültig wie folgt konstituiert: Deputierter Sarrien (radikal) Vorsitz und Justiz, Senator Seon Bourgeois (radikal) AeußereS, Senator Ctemenceau (Radikalsoz.) Inneres, Senator Poincarö (demokratische Union) Finanzen, Deputierter Etienne (demokratische Union) Krieg, Deputierter Thomson (demokratische Union) Marine, Deputierter Aristide Briand (Soz.) Unterricht und Kultus, Deputierter Barthou (demokratische Union) Oeffentliche Arbeiten, Post und Telegraphen, Deputierter LehzueS (demokratische Union) Kolonien, Deputierter Ruan (radikal) Ackerbau, Deputierter Doumer- gue (Radikalsoz.) Handel und Industrie.
Paris, 13. März. Rouvier drückte dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin den Dank der Regierung für den von dem deutschen Quar- tettverein in Paris für die Opfer des Grubenunglücks in CourriöreS gespendeten Betrag von 2000 Francs auS.
Dar-es-Salaain, 13. März. Gestern Vormittag um 10 Uhr traf der Herzog von Con- naught an Bord des „Prinzregent" hier ein. Gouverneur Graf Götzen fuhr zur Begrüßung an Bord des gleichzeitig eingetroffenen englischen Kriegsschiffes „Terpsichore". Um 11% Uhr kam der Herzog mit Familie und Gefolge an Land, wo er vom Grafen und der Gräfin Götzen empfangen , wurde. Gelegentlich einer Rundfahrt durch die Stadt hielten zwei Inder Ansprachen Am Abend findet ein Tiner beim Gouverneur statt. Morgen früh um 6 Uhr fährt der Herzog nach Sansibar weiter.
Soziale Pflichten der Juristen.
; Nur selten ist die Frage erörtert worden, ob es dem Juristen obliegt, seiner besonderen Kennt- Nisie der gesellschaftlichen Dinge auch außerhalb feines Amtes, im Interesse der Gesamtheit zu verwerten. In dieser Hinsicht gibt Geh. Ad- miralitätsrat Dr. Felisch (Berlin) in der „Deutschen Juristen-Zeitung" dankenswerte Anregungen. Er meint, die Zentralverwaltungen hätten eine solche außeramtliche Tätigkeit des Juristen- stendes seither nicht gerade gefördert. Hinderfich wirke , schon der Entwicklungsgang der Fristen.
Wie Antäus durch die Berührung mit der Erde seine Kraft stählte, wird, so schreibt Dr. Felisch, der jüngere Praktiker, der durch die Studien- und Lernjahre in den Dunst der Hör- und
l Nachdruck verboten.)
Ein Jugendtraum.
Novelle von Han8 Albrecht»Soffet
i (Fortsetzung.)
Und dann waren Beide durch die schweigende 'Frühlingsnacht Elsens Behausung zugeschritten. «Zuerst wechselten sie nur furte Bemerkungen miteinander, dann begann Volksstadt, tote um ihre ! Befangenheit weniger fühlbar zu machen, zu rreben. Er sprach zu ihr von Dingen, die ihr so schön und beoehrenswert erschienen, als stammten sie aus einer höheren Welt. Mit jugendli^er Begeisterung spra^ er von seinen Reisen von Ländern und Städten, die er fern der Heimat gesehen, sprach dann von der Schönheit wahrer Kunst, von Theatern, deren Darbietungen die »bescheidene Vorstadtbühne bei weitem überragten, «und alle diese Dinge brachte er ihrem Verständnis jtn anziehender Schilderung nahe.
1 Zutraulich geworden, hatte Else dann ganz unbefangen geplaudert von den Eltern und den Verhältnissen daheim, von ihrem Leben, wie es still und schlicht dahin floß — hatte erzählt, tote sie stets das Streben besessen, den Blick empor- zubeben über die eingeschränkten Daseinsformen, ’bie ihr beschicken, und wie sie allein von der- 'jenigen verstanden wurde, die ihr das Liebste ^var auf der Welt — von ihrer Mutter.--
. Immer mehr fesselte ihre Beschreibung den Begleiter, und nachdenklich und ernst hörte er zu. ®od) seine Augen ruhten oft forschend und prüfend auf ihrem vom Gehen und eifrigen Ev- sählen höher gefärbten lieblichen Antlitz, und er versuchte manches Mal, ihren Blick zu erhaschen pnd ihn festzuhalten, als wolle er tief in ihrer EeeTe lesen. —
der Scholle und sich von frischer Tatkraft durchdrungen fühlen, wenn er sich mit beiden Beinen Gerichtssäle gebannt wird, aufatmen bei dem Dust auf ein Stück Heimatserde gestellt fühlt, auf dem Nutzbringendes zu schaffen ihm eine Lust ist. Um dies zu erreichen, müßte man aber nach einer Assessorzeit von ein bis höchstens zwei Jahren m fein festes Heim gelangen, von dem man weiß, daß man hier mindestens für die nächsten sechs Jahre festsitzt, und daß vor deren Ablauf eine Bitte um Versetzung gar nicht eingereicht werden darf ober höchstens den Erfolg einer Versetzung In einen noch kleineren Ort auf abermals sechs Jahre haben kann. Mit einem solchen System würden die Verwaltungen sich ein Juristengeschlecht heranzichen, das von selbst dazu gedrängt würde, sich heimisch einzurichten und freiwillig außeramtliche Pflichten gegenüber der Gesamtheit auf sich zu nehmen. Die dadurch erzielte soziale Durchbildung käme wiederum dem Amte zu. gute. „Lebenslänglich Müncheberg" läßt sich auch damit allerdings nicht erzielen, ist aber auch nicht anzustreben. Nach einer Reihe von Jahren „trägt die Länge die Last" und man bedarf einer frischen Anregung und neuer Umgebung.
Es gibt kurzsichftge Vorgesetzte genug, die nichts dabei finden, wenn jemand bte Abende mit seichten Vergnügungen ausfüllt, die aber stutzig werden, wenn ein anderer unter Verzicht hierauf für höhere Aufgaben seines Volkes mit der eigenen Person eintritt. Unser Vaterland bedarf jedoch immer dringender einer großen Zahl solcher Männer, die den Aufbau der Gesellschaft des Staates durchforscht haben und sich mit ehrlichem Wollen und Ringen um seine Ausgestaltung tnühen. Mit in den vordersten Reihen der hierzu Berufenen stehen nun einmal die Juristen. Sie sollten nicht bte kleinlichen Vorteile oder Nachteile des Alltags bei ihren Entschließungen hierüber abwägen, sondern mit großem Blicke, unbekümmert um Persönliches, sich in den Dienst der Sache durch Uebernahme selbstgewählter sozialer Pflichten stellen.
Am nächsten werden dem Juristen durch seinen Beruf drei Gebiete liegen: Hebung der Bildung und der Wirtschaftlichkeit der niederen Volks- klassen, Vorbeugung vor dem Verfall in Verwahrlosung und in Verbrechen nebst Besserung der Uebeltäter und Schutzfürsorge für die Jugend. Hier laufen zugleich die Fäden der meisten übrigen Wohlfahrtsbestrebungen zusammen, mag es sich um gesundheitliche, Unterhalttmgs- oder Un» terkunfts-, Arbeits- oder Bildungsßärsorge usw. handeln. Und gerade hier läßt sich unendlich viel mit bescheidenen Mtteln, ja fast ohne Geldopfer erreichen, wenn ernstliche persönliche Tätigkeft entfaltet wird.
Die Konferenz in Alaeciras.
Algeciras. Es kann kein Zweifel mehr darüber obwalten, daß das verzögernde Moment des Fortschrittes der Konferenz-Verhandlungen in der französischen Ministerkrisis zu erblicken ist. Die französischen Delegierten können von den ihnen von dem gestürzten Ministerium erteilten Instruktionen nicht abgehen und müssen abwarten, ob das neue ihnen ver
Wie aus einem Traum auffahrend schaute er überrascht empor, als Else Rodin plötzlich vor einem hohen, düsteren Hause in altertümlicher Bauart stehen blieb und erklärte:
„Wir sind in der Brunnenstraße. Hier bin ich daheim."
Er bot ihr die Hand. Schüchtern gab sie die ihre, die er sofort wieder frei ließ.
„Darf ich Sie wieder sehen?" fragte er.
„Meine Mutter wird Ihnen danken wollen," und. . wenn es Ihnen nicht ... zu gering bei uns ist. . ."
Sie ließ, verwirrt, den Satz unvollendet.
„Also sehen wir uns in den nächsten Tagen," sagte er mit einer bestimmten Betonung, „aber — je, mein Fräulein, Ihren Namen haben Sie mir noch nicht genannt ..."
„Else Rodin."
„Nun, Fräulein Rodin," fuhr er fort, „noch ein Wort, ehe_ wir uns am heuttgen Abend trennen. Ich möchte Ihnen sagen: vertrauen Sie mir auch ferner! Die vergangene Stunde hat mir einen recht tiefen Einblick in ihr Wesen gegeben. So glaube ich, meine Beobachtung trügt mich nicht, wenn ich hoffe, ein Gemüt entdeckt zu haben, dos gut und redlich empfindet, das nur einer Stütze bedarf, um sich empor zu richten, der Sanne des Wahren und Schönen zu» noch der es sich sehnt. Nicht wahr. Sie vermöchten zu glauben, daß ich es aufrichtig meine?"
»Sie kennen mich noch wenig, Herr von Volk- stadt, und wenn ich Ihren Worten auch vertrau« .... ich bin arm und einfach erzogen, hab' nicht viel mehr zu eigen, als meinen guteir Namen . ."
„Und wenn ick nun auch weiter Ihr Beschützer sein wollte,, Fräulein Rodin? Wenn ich Ihnen behilflich sein wollte, in einer selbständigen geachteten Existenz die Möglichkeit zu finden, Sov- ae» und Nöten der Zukunft au entgehen? Pater
änderte Weisungen zugehen läßt, die eine Verständigung ermöglichen.
Algecira», 13. März. (. SB.) In Erwartung entscheidender Instruktionen aus Pari» wurde heute Vormittag in derKommission die Einzelberatung fortgesetzt, wodurch der Fertigstellung des endgültigen Instrumentes nach Entscheidung der letzten grundsätzlichen Fragen einstweilen vorgearbeitet wird. Da der heutige Nachmittag von dem Arbeitsprogramm freigelaflen worden ist, folgten sämtliche Mitglieder der Delegationen mit ihren Damen einer Einladung de? britischen Admirals May an Bord seines Bet Gibraltar liegenden Flaggschiffes.
Algeciras, 12. März. Die Redaktionskommission hat in ihrer heutigen Vormittagssitzung die Polizeifrage beraten, um die Punkte, über die eine Einigung noch nicht erzielt war, zu erledigen. Die zwei Fragen, die zur Beratung standen, nämlich die der SBe« aufsichtigung der Polizei und der Verteilung der Polizei auf bte Seehäfen, sind noch nicht entschieden. Die Verhandlungen fanden in herzlichem Tone statt.
Berlin, 14. März. ES läßt sich laut „Frkf. Ztg." nach den hier vorliegenden Berichten nicht übersehen, ob und welche sachlichen Einwendungen im Einzelnen zu den noch strittigen Punkten in der Bank- und Polizeifrage die französischen Delegierten gemacht haben oder machen werden. Die neuerdings eingetretene Verzögerung in den Verhandlungen dürfte, wenn nicht ganz, so doch zum Teil, darauf zurückzuführen sein, daß Herr Nevoil, der bisher von Rouvier weitgehende Vollmachten hatte, sich für seine Entschließungen doch auf ausdrückliche Instruktionen des neuen Kabinett» stützen will. Ehe er diese hat, werden die Verhandlungen kaum vorwärts gehen. Nach der in den meisten Hauptstädten herrschenden Auffaffung darf man annehmen, daß Frankreich in Anerkennung der weitgehenden Nachgiebigkeit Deutschlands das Werk der Konferenz an den jetzt noch bestehenden verhältnismäßig geringen Meinungsverschiedenheiten nicht wird scheitern lasten.
Das Grubenunglück in Courrisres
Seite, 13. März. Nachdem bte bisherigen Versuche, bte Entfernung her Gase aus der Grube zu bewerkstelligen, erfolglos geblieben sinb, will man es jetzt in folgenber Weise versuchen: Die Schächte 3, 4 und 11 sollen luftdicht abgefchlossen und durch Schacht 2 soll mit einem starken Ventilator Luft cingeblasen werden, bte sich überall berteilen unb auf dem Rückwege durch heftiges Ausströmen alle giftigen Gas« mit in die freie Lust befördern soll.
Lille, 13. März. Der Direktor der Mine von Mlly-Montigny erklärte, daß Dank der Hilfe ber deutschen Rettungsmannschaften in CourribreS jetzt die Räumung der Galerien schnell vorschreiten werde. Ein von diesen mit Rauchhelmen ausgestatteten Mannschaften gemachter Versuch führte zu einem sehr günstigen Ergebnis: Um 11 Uhr abends waren die Leute bereits 500 Meter vor gedrungen; bte Leichen wurden von ihnen bei Seite geräumt und mit Kalk bedeckt.
Lens, 13. März. (Havas.) Die deut- schon Rettungsmannschaften fat Courrteres erregten d u rch ihr mut- volles Verhalten die Bewunderung ber französischen Bergleute. Im Schacht 2 konnten in ber vergangenen Nacht dank b-er Hilfe de westfälischen Bergleute 26 Leichen heraufbefördert werben, von denen 19 rekognosziert würben. Gegen Mittag wurden in allen Dörfern des betroffenen Bezirks unter großer Be
unb Mutter leben uns nicht für immerI Unb wenn ich Ihnen solchen Beistand — in allen Ehren — bieten will?"
Sein Blick heftete fick erwartungsvoll auf ihre erregten Mienen. Gedankenvoll sah Else vor sich nieder, in tiefen Atemzügen hlch sich ihre Brust. Unb bann schlug bas Mädchen die blauen, glänzenden Augen voll zu ihm auf.
„ »Ich bin Ihnen dankbar, will Ihrer ebd- wütigen Fürsorge gern vertrauen," sagte sie innig bewegt.
Er zog respektvoll grüßend den Hut.
»Auf Wiederschen — bei Ihrer Frau Mutter!"
» »
Noch am Abend Ihrer Rückkehr vom Theater hatte Else Robin Ihrer Mutter bte Begegnung mit demFremden in allen Einzelheiten geschildert.
Frau Robin, eine würdige Matrone, hatte einst gegen den Willen ckrer hochgeachteten Fa- milie mit dem damaligen jungen Sck-'tivieler den Bund fürs Leben geschlossen. Die Ehe war fett Jahren keine glückliche mehr; sie litt unter bem durch Krankheit, Mißgeschick unb äußere Einflüste verbitterten, leidenschaftlichen, oft brutalen Wesen des Mannes. Die Erziehung Elsens lag völlig in ihren Händen, zumal der Gatte mehr und mehr seine Familie vernachlässigte unb freie Seit in zweifelhafter Wirthausgesellschaft verbrachte.
Äse, das älteste Kind, bas Geschwister nicht mehr besaß, war ber Mutter einziges Glück. Frau Robin konnte bas Wesen ihrer Tochter unb las deutlich in ihrer Seele. Kein Schatten, kein Mißton trübte bas innige Verhältnis zwischen Elfe unb ihrer Mutter.
Elsens Mitteilung hatte bie Frau sehr erregt. Lebhaft wünschte sie den Beschützer ihrer Tochter fennett gu fernen, dessen hochherzige Ge- 1
teiligung ber Bevölkerung Trauerfeiern abgehalten. Die Feier in Msricourt galt bem Gedächtnis der nicht rekognoszierten Opfer. I« der ganzen Gegend ist [tarier Schneefall ehtge» getreten.
Der Spezialberichterstatter der »Frkf. Zig.* meldet vom 13. d. M.: Unter furchtbarem Schnea- gestöber machte ich heute ftüh eine Rundfahrt nach den drei von der Katastrophe betroffenen Gruben. Auf den Schächten Pon Sallau und Msricourt sind die Rettungsarbeiten vorläufig eingestellt, da die Verschüttungen hier $u bedeutend und die Bausohlen zu sehr mH giftigen Gasen gefüllt find. Am Schacht vo« Billy, der am toenigften von der Explosion mitgenommen wurde, hat dos gestern Abend eingetroffene Rettungskorps aus Westfalen in der Nacht 25 weitere Leichen zutage gefördert. Di- rrftor Meyer von der Grube „Shamrock" der „Hibernia" und Inspektor Koch von Gelsenkirchen, die bas 18 Mann zählenbe deutsche Korps befehligen, erklären e8 für absolut ausgeschlossen, noch Lebende in den Gruben zu finden. Das Eingreifen unb bte vortrefflichen Atmungsapparate ber deutschen Retter fanden hier die größte Bewunderung. Ein mit dem Apparat versehener Arbeiter kann zwei Stunden lang in schlechter Lust bleiben. Leider wird auch unter diesen Um. ständen die Bergung der Leichen langsam vor sich gehen, da zu viel Verschüttungen aufzurcnrmen sind. Die Hälfte beS beutschen Korps wirb bann» wieder in die Heimat abreisen.
Paris, 13. März. Ueber die Bravour der mit in Frankreich unbekannten Apparaten aus» gestatteten Retter aus Herne und Grisenkirche» ist nur eine Stimme des Lobes. Die Bedingungen, unter denen nachts der Abstieg erfolgte, waren solche, baß alle französischen Ingenieure abraten zu müssen meinten. Gleichwohl beftauben bte Deutschen auf sofortigen Abstieg, u« vielleicht noch einen ober ben anberen Kameraden lebend anzutrefsen. Msher blieb biete Hoffnung unerfüllt. Binnen zwei Stunde« brachten die Deutschen 12 0 Leichnam« empor im Wege von Grube II. Sei. der wurde schon von der ersten deutschen Abtei» fung lacht Männer) bas furchtbare Fortwüte« des Feuers in Grube III konstatiert. Ferner wurde wahrgenommen, daß Grube IV wegen der lebensgefährlickcnGasausströmuna-"^ '-—mer noch vollkommen unzuaänglich ist. Die Feuerwehrmänner von GÄsenkircken begannen heute ihn Aktion, von ber man sich Erfolg verspricht. I« Paris sieht man heute am Tage bes Begräbnisses der ersten Opfer an mehreren Häusern Trauerfahnen.
Paris, 14. März. Zur bauernden Erinnerung an den herzerhebenden Akt ber Solidarität werben zwei Stvllenwegc ben Namen Herne unb Gelsenkirchen erhalten. Ferner werben auf einer Steintafel bte Namen Hugo Koch unb Berghaus sowie die der übrigen deutschen Männer einge- zeichnet werben. — Für 6 0 0 0 Waisenkinder wirb, falls kein Arbeiter mehr tebenb empor- gebracht wirb, Sorge zu tragen sein. Von be» kinderlosen Bergarbeiterfamilien sowohl Frank.
finnung sie mit großer Frcube, in die sich freilich noch ein leiser Zweifel mischte, erfüllte. Auf jeben Fall glaubte Frau Robin, einer Annäherung an den Gatten, ja nur einer persönlichen Bri ...rte schäft beiber Männer ernst widerraten zu müßen. Sie fürchtete seinen Argwohn, seine selbstsüchtigen Nebengedanken, kleinliche Berechnungen, die den Baron abfioßen, verletzen würden unb beschloß, sich zunächst selbst em eigenes Urteil über be« Unbekannten zu bilben.
Unb als er ib- im traulichen, wenn auch fast dürftig eingerichteten Besuchszimmer ber im brüten Stock gelegenen bescheidenen Mietswoh- nung gegenüber saß, als sie fernen Worten lauschte, in seinem Blicke, in seinen Mienen las — ba begannen ihre bangen Zweifel an ber Lau. terfeit der Gesinnung des jimqen Mannes mehr und mehr zu schwinden. Ihre alten, welterfahrenen Augen sahen es, daß der Baron eine schwärmerische, ideale Natur, ein ebler freimütiger Charakter war, dem noch wenig Kenntnis des Lebens und der Menschen zu eigen.
Er erzählte von seiner Juaenbunf, sprach von der guten, ihm zu früh durch den Tod entrissenen Mutter, von ber auf bem großen Stammsitz fei. ner Familie verlebten, glücklichen Kindheit unb den Jahren ernsten Strebens in dem streng geleiteten, fast klösterlichen Gnmnasium. Nun hatte er fett zwei Semestern die Universität ber Haupte stabt bezoaen, um Rechtswissenschaft zu studieren, doch beabsichtigte er, in wenigen Jahren scho« zu dem ihm lieben Landleben ziuruckznkehren. um als einziger Sohn des Reichsfreiberrn uni Staatsrats von Volkstedt und als Erbe des Maja« rats die Leitung der ausgedehnten Besitzungen übernehmen.
(Fortsetzung folgt.)