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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntaasblatt.

M 61

Vierteljährlicher Bezugspreis, bet oer Exp Litton 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 Mr. <ejcl. Bestellgeld).

Znsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder oeren Raum 1v Pfg.

Neclamen: die Seife 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch. 14. Mörz 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck Md Verlag- Joh. Aug. Koch, UniverjitätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Neueße Telegramme.

Berli«, 12. März. Die .Köln. Ztg.' meldet aus Berlin unterm 11. ds.: Wie nun feststeht, erhielt Gouverneur Graf Götzen den erbetenen Heimaturlaub und wird am 12. Apr. die Heimreise antreten. Zu seiner Vertretung ist der erste Referent des deutsch-ostafrikanischen Schutzgebietes, RegierungSrat Haber, in Aussicht genommen.

Berlin, 12. März. Die .Berliner Korres­pondenz" schreibt: Im Verfolg der im Oktober deS Vorjahres durch den Kaiser angeregten Zurückziehung der internationalen Besatzungs­truppen aus der Provinz Tschili in China ist nunmehr durch Allerhöchste Ordre vom 6. März die Zurückführung der ostafiatischen BesatzungS- brigade unter Belassung eines Detachement in Tschili nach Deutschland befohlen. Letzteres Detachement, 26 Offiziere, 6 Sanitätsoffiziere, 9 Beamte und 700 Mannschaften, besteht auS der Gesandtschaftsschutzwache in Peking in der bisherigen Stärke, und aus einer in Tientsin stationierten Reserve. Die Zurückkehrenden werden Ende April auf dem Llohddampfer .Neckar" einqeschifft und treffen voraussi htlich in den ersten Tagen des Juni in Bremerhaven ein.

Straßburg, 12. März. Gestern haben, demE iäffer" zufolge, die Vertreter der in Elsaß - Lothringen bestehenden Zentrumsvereine hier einen Delegiertentag abgehalten, wobei die Gründung der elsaß-lothringischen Zentrums- Partei vollzogen, das Organisationsstatut aus- gearbeitet und das Arbeitsprogramm für die nächste Zeit festgelegt wurde.

Paris, 12. März. Präsident Doumer er­öffnet die Sitzung mit dem beredten Ausdruck der nationalen Teilnahme an der Katastrophe von Courriöres. Ter Sozialist Baslh beantragt die Genehmigung einer vorläufigen Unterstützung von einer halben Million was die Kammer ein­stimmig annimmt. Das HauS vertagt sich dar­auf in Erwartung der Lösung der Ministerkrtse auf Mittwoch.

Madrid, 12. März. Das portugiesische Königspaar zog heute Nachmittag in Madrid ein. Der Empfang war höflich, aber kühl. Im Kongreß gab heute die Regierung daS Heiratsprojekt des Königs Alfons offiziell bekannt.

Bodenreform uns Wohnungsfrage.

Dis deutschen Bodenreformer kämpfen seit Jahren um die Einführung des Grundsatzes, daß daS Eigentumsrecht des Staates und der Gemeinde am Grund und Boden die Vorbe­dingung einer guten Bodenpolitik sei. Jetzt hat Herr v. Wagner, der frühere Oberbürgermeister von Ulm, im Bund der Bodenreformer die Ent­wickelung der Stadt Ulm geschildert, die seit 15 Jahren nach den von den Bodenreformern ausgestellten Grundsätzen geleitet wird. Ulm besaß im Mittelalter sehr ausgedehnte Ländereien. Als die Stadt 1802 ihre Eigenschaft als freie Reichsstadt gingen 12 000 Hektar Wald an Bayern ü unn folgten, um das Kapital­vermögen zu erhöhen, Veräußerungen von Län­dereien. Unter anderen wurden 183637 zwei Höfe von 20 und 35 Hektar verkauft. 1891 trat Herr v. Wagner, ein eifriger Anhänger der Bodenreform, an die Spitze der Verwaltung. Er ging von dem Grundsatz aus, daß die Stadt die Verpflichtung habe, den weniger bemittelten Klaffen billige Wohnungen zu schaffen, die Bodenspekulation zu hemmen. Dazu erschien ihm unerläßlich das Eigentumsrecht der Stadt an Grund und Boden. Er setzte eS durch, daß schon 1892 der eine der beiden Höfe und 1902 der andere von der Stadt zurückerworben wurde.' Ein Teil des Landes wurde mit Arbeiterhäusern bebaut, ein anderer Teil zu Fabrikanlagen ver­kauft. Der Gewinn wurde mit dazu verwendet, bei der Entfestigung der Stadt den inneren ^stungsgürtel (70 Hektar) für 41/» Millionen Mark zu erwerben. In den letzten 15 Jahren hat Ulm weitere 478 Hektar für 8 Mill., sowie diele Gebäude erworben. Bei der Wiederveräuße- rung wurde ein erheblicher Gewinn erzielt, vor allem aber stand das Rückkaufsrecht der Stadt auf 100 Jahre gesichert. Ulm hat in den letzten 15 Jahren 7 600 000 Mark für Straßen, Brücken, öffentliche Gebäude, Schulen, Wafler» werke ausgegeben und hat trotzdem unter allen größeren württembergifchen Städten die ge­ringsten Gemeindesteuern. Zahlreiche Spielplätze, Cchmuckplätze, große Gärten sind angelegt, ein Zoologischer Garten wird geplant, Milchver­sorgung kinderreicher Familien, Beschäftigung

Arbeitsloser im Winter ist eingerichtet, Schul- Zahnklinik, Anstellung von Schulärzten, Arbeits­losenversicherung wird geplant. Der Grund­stückshandel spielt sich fast ganz auf dem Rat- hause ab. Die Stadt macht den Unternehmern hygienische und architektonische Vorschriften. Sie hat eine Bauordnung eingeführt, nach der keine Hinterhäuser errichtet werden dürfen. Ein besonderes Augenmerk wurde auf Schaffung von Arbeiterwohnungen, Eigenhäusern für eine und zwei Familien, gerichtet. DaS Kapital hat die Stadt zu 3 v. H. erhalten und gibt es ebenso weiter. Bisher sind 250 solcher Häuser gebaut. Der Besitzer bat zu zahlen 3 v. H. Zinsen und 2V8 v. H. Amortisation, zusammen jährlich rund 330 Dtk., ist also für 180 Mk. jährlich Eigentümer des HaufeS. Das Rück kaufSrecht der Stadt auf 100 Jahre zwingt die Leute zur Sorgfalt und Ordnung. Das Beispiel von Ulm zeigt, die segensreichen Wirkungen der Bodenreform. Möchte es zur Nacheiferung anspornen.

Die Konferenz in Algeciras.

Von bestunterrichteter diplomatischer Seite wird müßet eilt, daß in der gegenwärtigen Phase der Verhandlungen als bedeutsamstes Moment wohl der Umstand zu betrachten ist, daß England Frankreich nicht mehr wie bisher zum Wider­stände drängt, sondern jedenfalls seinen Einfluß aufbietet, die französische Diplomatie gut Nach­giebigkeit zu bewegen. Die letzte Vormittags- sitznng der Nedaktionskommission, in der die Franzosen sich plötzlich unnachgiebig zeigten, ergab im übrigen, daß die neutralen Mächte, nachdem Deutschland in der Polizeifrage Zugeständnisse gemacht hatte, auf dem Standpunkt stehen, daß es nun Sache der Franzosen sei, ihrerseits durch Entgegenkommen gegen die deutschen Forderun­gen dazu beizutragen, daß die Konferenz mit einem befriedigenden Resultat auseinandergehen könne. Man glaubt, daß dieses Verhalten der Delegierten der neutralen Staaten natürlich seine Wirkung nicht verfehlen, und daß man franzö- sischersefls sich zu Zugeständnissen bequemen wird. Die ablehnende Haltung der Franzosen ist aller- dings auch zum größten Teil auf die Stellung einflußreicher Finanzmäckte zurückzuführen. Dies bezieht sich in erster Linie auf das comit<? du Maroc, dem Revoil selbst angehört, und das natürlich ein Interesse daran besitzt, daß Frank­reich möglichst gut bei der Konferenz abschneidet.

Algeciras. 12. März. Nachdem die im Laufe des gestrigen Tages und heute Vormittag abgehaltenen Kommissionsberatungen der , ge­hegten Erwartung, dem Plenum morgen einen einheitlichen Entwurf der Bank- und Polizei­organisation vorlegen zu können, nicht entsprochen haben, ist die für morgen anberaumt gewesene Plenarsitzung aufgeschoben worden, um einen weiteren Gedankenaustausch und eine etwaige Er­gänzung von Instruktionen zu ermöglichen. Heute Nachmittag findet eine zweite KommissionS- sitzung statt.

Algeciras, 11. März. In letzter Stunde scheinen ft chwieder Wolken über der Konferenz zusammenzuzieben. Die Franzosen beharrten in der heute Vormittag abgehaltenen Komitesittung auf dem Ansvruch, drei besondere w*cife an dem Bankkavital für ihr Konsortium zi Hatten, und verstanden sich dazu, dem neutralen Polizeiinspek­teur einen Hafen zu unterstellen, obgleich die Mehrzahl der Delegierten den deutschen Stand­punkt teilen. Die französischen Delegierten stehen anscheinend unter dem Druck der intransigenten Presse, welche am liebsten den Abbruch der Ver­handlungen sähe, sowie der durch die Ministerkrise geschaffenen Unsicherheit der Lage. Am Nach­mittag um 5 Uhr fand eine zweite Sitzung statt. In der Zwischenzeit wurden die anaelegentlichsten Bemühungen Visconti Denostas und Whites be­merkt, ihren vermittelnden Einfluß zur Geltung zu bringen. Auch die Russen scheinen jetzt der Meinung zu fein, daß der Zeitpunkt fiir ein wei­teres Naö^eben Frankreichs gekommen fei.

Paris, 13. März. Die französische Minister­krisis wirkt jetzt entschieden lähmend auf die Ver- Handlungen. Nun hat sogar die für morgen angesetzte offizielle Sitzung verschoben werden muffen, da die fortgesetzten Kommissionsberatun­gen zu keiner Einigung über die rückständigen Hauptpunkte führten. Nachdem die deutschen De­legierten feinen Zweifel ließen, daß sie ihre jetzige Stellung, nicht aufgeben können und werden, müssen die französischen Delegierten ein etwaiges weiteres Entgegenkommen natürlich durch Jn- strukttonen eines verantwortlichen neuen Mini­steriums decken.

Das Grubenunglück in Courrieres

LeuS, 12. März. (Nachmittags 1 Uhr.) Seit gestern sind in den Kohlengruben von Courrieres alle Rettungsarbeiten eingestellt, weil die RettungS-t

Mannschaften durch die Ausdünstungen der Leichen und die giftigen Gast, die sich in den Gruben ange­sammelt haben, gefährdet werden, und weil der Sie Rettungsarbeiten leitende Ingenieur eine neue Ex­plosion befürchtet. Ebenso befürchtet man, daß bte Luftzuführung den Brand, deffen Stell« man nicht kennt, noch mebr entfacht. Infolge der Schwierigkeit der Nettungsarbeiten sind nur 90 Leichen zu Tage ge­fördert. Die Rettungsarbeiten werden erst am Mitt- tvoch wieder ausgenommen werden, weil morgen die Beerdigung der geborgenen Leichen stattfinden soll. Von den auf Schacht 4 geborgenen 39 Leichen find viele bis zur Unkenntlichkeit entstellt, während die aus den Schächten 2 und 10 heraufbeförderten Leichen sämtlich erkennbar waren, da die hier Verunglückten durch Ersticken umgekommen sind. Soweit die Per­sonen festgestellt werden konnten, wurden die Leichen in die Behausung der Angehörigen geschafft. Unter­stützungen für die Hinterbliebenen der Opfer der Ka­tastrophe treffen fortgesetzt cm.

Von den geborgenen Leichen wurden 38 identtfi- ziert, welche in den Gemeinden Billy und Sallaumines beerdigt werden. Alle übrigen erhalten Maffengräber. Die Rettungsarbeit kann erst in etwa zwei Tagen wie­der ausgenommen werden. Während dieser Zeit werden die Schächte und Gänge ventiliert, um sie von den durch Verwesung der Leichen noch unerträglicher gemachten Gasen zu befreien.

Paris, 12. März. In einer heute hier abgehal­tenen Versammlung der Kohlengrubenge­sellschaften wurde der Beschluß gefaßt, fürs erste die Summe von 200 000 Franks zur sofortigen Verteilung an die Fantilien der Opfer der Katastrophe nach Courrieres abzusenden.

Paris, 12 März. Der deutsche Botschaf­ter Fürst Radolin begab sich heute Nachmittag zu Nouvicr, um der französischen Regierung aus Anlaß der Grubenkatastrophe in Courrieres das Beileid des Kaisers und der deutschen Neichsregierung auszusprechen. Gleichzeitig überreichte Fürst Radolin namens des deutschen Hilssvereins 2000 Franks für die Hinterbliebenen der Opfer des Unglücks.

Paris, 12. März. Die Katastrophe in den Minen von Courrieres verursacht in Paris und ganz Frank­reich tiefe Trauer und wird die Kammer sofort nach Konstitution der neuen Regierung beschäftigen. Die Zeitungen berichten, daß die Minen von Courrieres sich in einem vernachläfsigten Zustand befanden, daß aber die ausb-'utende Gesellschaft trotz der Klagen der Bewohner nichts tat, um dem Unglück vorzubcugen. Man klagte auch die Ingenieure an, daß sie den Be­trieb fortsetzen ließen, obwohl wiederholt in den letzten Wochen schlagende Wetter ausgetreten waren.

Paris, 12. März. Auf Ersuchen des Präfekten des Departements Pas-de Calais sandte der Pariser Polizeipräfckt Leptnc 10 Feuertvehrlcute, welche in der Löschung unterirdischer Brände besonders geübt und mit Atmungsmasken ausgestattet sind, nach Courrieres Die Bergwerksgesellschaft wird, wie ver­lautet, mindestens 400 000 Franks jährliche Pension an die Witwen der verunglückten Bergleute zu zahlen haben.

Essen (Ruhr). 12. März. Auf einer Depesche der Compagnie? des min-s de Courrieres an den Berg­bauverein um Bermittelung von Hilfe sind vierzebn Herren von derHibernia" und sechs von derRhein- Elbe" bereits gestern Abend mit Rettungsapparaten nach Billy-Montigny abgereist, um wenn möglich die Zahl der Opfer verringern zu helfen.

Paris, 12 März. kW. B.) Der Pariser Stadt­rat bewilligte Fr?. 25 000 für die Familien der Op­fer des Grubenunglücks in Courrieres.

Lille, 12. März. (SB. SB.) 17 Personen sind bei den Nettungsarbeiten in Courrieres ums Leben ge- komen. Die Bergleute schätzen die Gesamtzahl der Opfer auf 1300 bis 1400.

Verlin, 12 März. In Paris ist, wie demB. $/ gemeldet wird, eine große Wohltätigkeitsbewegung zugunsten der Witwen und Waisen von Courrieres ms Werk gesetzt worden. Viele Frauen haben ihre Gatten und vier oder fünf, selbst sieben Söbne ver­loren. Man nennt einen Mann, der fünfimdvierzig Verwandte. Söhne, Brüder, Reffen, durch die Kata­strophe verloren hat. Vor den Hallen, in den die ent- ftenten Ueberrcstc aufgebahrt sind, ereignen sich fort­während die erschütterndsten Szenen. Man gibt jetzt dte Zahl der Toten auf mehr als 1300 au.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. März.

Seine Majestät der Kaiser traf aestern Montag tote schon telegraphisch gemeldet, um 9,45 Nhr sm Helms laden ein. Der Kaiser fuhr ohne Au enthalt sofort nach der Werft, wo er vom Groß- OBnurol von Köster, den Admiralen von Bendemann, von Ahlefeld und dem Kommandanten von Wilbelms»

^opitän zur See Ehrlich empfangen wurde.

, onnTd>, der Admiralsunfiorm trug, begab sich nach kurzer Begrüßung der Anwelenden zu Wagen nach dem Linienkchlff .Kaiser Wilhelm II/, das sofort dte Katserstandane zeigte An Bord begrüßte der Katser bte dort ausgestellten Ossi iere und Mann- schatten und ging trotz des schlechten WetterS mit dem Großadmiral von Köster und dem Admiral Frhrn. von Senden-Vibran fast eine Stunde an Bord waz eren. Der Kaiser verließ kurz vor 12 Uhr das Linienschiff .Kaiser Wilhelm 11/ und begab sich nach "em Exerzierhause der 2. Matrosendivision, wo er der Bereidiqung der Rekruten beiwohnte. ®,e ffetec wurde eingeleitet durch je eine Ansprache katholischen und des evangelischen Marinepsarrers, woraus der Veretdigungsakt folqte. Darauf hielt der Kaiser eine kurze, Einige Ansprache an die Re- lruteu in der er unac'ähr folgendes aussübrte:

Die Rekruten tollten der großen Taten des deutschen Volles eingedenk bleiben, aber auch aus den selbstverschuldeten Schicksalsschlägen desselben lernen. Er erinnerte an die Schlacht bet Jena 18C6 und ermahnte, Glauben und Vertrauen auf Gott zu behalten; der Armee vor Jena habe das gefehlt. Deshalb sei die Schlacht verloren worden.

Im Otfizierskasino nahm der Kaiser an dem Frühstück teil und beaab sich nach drei llbr wieder

an Bord des Linienschiffes .Kaiser Wilhelm II/, w» später Abendtasel stotttand.

Die preußische Staatsschuld Belief sich nach dem neuesten Berichte der Staatsschulden­kommission am 31. März 1905 auf 7 378 469 598 Mk. 11 Pf. Sie bestand auS 5 497 500 150 Mk. 3f4proz. konsolidierte Anleihe, 1 616 085 800 Mk. 3proz. konsolidierte Anleihe, 145 000 000 Mk. auf Grund von Anlethegesetzen ausgegebenen 3% pro». Schatzcmweisungen, 11 407 200 Mk. Magdeburg-Hal­berstädter Eisenbahnschulden, 41 697 873 Mk. Cöln- Mindener, 53 180 700 Mk. Bergisch-Märkische, 14408 Mk. Westholsteinische Eisenbahnschulden, 40 000 Mk. 1 830 000 Mk. Altdamm-Kolberger, 5 523 000 Mk. Stargard-Küstriner, 479 000 Mk. Kiel-Eckernförde- Flenzburger, 2 483 000 Mk. Dortmund-Gronau-En- scheder Eisenbahnschulden, sowie 3 228 470,11 Mk. vormals Hannoversche Schulden.

Parlamentarisches.

Deutscher Reichstag«

Berli«, 12. März.

,Der Reichstag befaßte sich am Montag mit bei zweiten Lesung be§ Etats bes ReichseisenbahnamtrS. Erster Rebner war Abg. Dr. Traeger (Iretf. Vp.l, bei sich über bte verschiedenen internationalen Ver» lkhrsverbinbungen ausließ. Im Gegensatz zu diese« Redner bezeichnete Präsident des ReichseisenbahnamteS Schulz bas Artlerdahnprojelt für wenig aussichlsvoll. Abg. Graf Kanih skonf.) verbreitet sich über die Per» fonentarisreform. Eher als der Versonentarif tönne bet Gütertarif ermäßigt werben. An eine allgemein» beutsche Eisenbahngemeinschaft glaube er nicht» schenswert sei eine Verallgemeinerung ber Staffeltarife. Abg Basstrmann (nl.) trat bajüt ein, die Rheinstraße auch für die Großschiffahrt von Straßburg abwärts fahrbar zu machen. Abg Schraber (trf. Vgg.) sortierte Erhöhung ber Betriebssicherheit. Der Fluch ber Vet> staatltchung ber Eisenbahnen fei ber Anreiz zu Fahr» Preiserhöhungen. Bei uns biene bie Eisenbahn nur fiskalischen Jnterefien. Abg Bock (Soz.) klagte übei Benachteiligung der kleineren Bundesstaaten durch die preußische Eisenbahnverwaltung. Präsident Schulz totes diese Beschwerde zurück und fügte hinzu, bte Belastung ber Strecke Berlin-Görlitz sei nicht zu groß. Abg. Kirsch (Zentc.) verlangte Aufbefi-rung bes Woh- nungSgeldzuf ousses ber Eisenbahner, -ög. Dr. Hiebei 'nathb ) bedauerte bas eigenartige Geschick der Betriebs» mittestemeinschast und bat, bie ideale Seite bet Frage, bte Stärkung des Reichsgebankens, nicht aus bem Auge zu taffen, Rach weiterer Debatte würbe bei Etat genehmigt.

Dienstag 2 Uhr: Allgemeiner PenfionssonbS Reichsschatzamt.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Die Beratung bes Eisenbahnctats wird bei« Extraordinarium fortgesetzt.

Beim Bezirk ber Direktion Altona betont Mi» nisterialoirektot Kirchhofs, bas ExttaorbinariuM fei im diesjährigen Etat außerorbenttich hoch und übertreffe mit bem Betrage von 146 Millionen alle anbere Etats.

Abg. Brüll iltoni.) degrugt biefe reiche Dotie­rung des Eiienbahnetats forbert aber höhere duf» wenbungeu für Schttswig-Holstein. Die Bahnsteig» vethättnisse in Neumünster find unhaltbar.

Ern Regierungskcmmtfiar erwidert, eine Unter» fadjung habe ergeben, baß bie Bahnsteigverhältniffe in Neumünster zu Ausstänben keinen Anlaß geben.

Abg. Engelbrecht lkons) bittet um Ver» Mehrung ber Brücken über beit Kaiser Wihelmskanal»

Abg M e t g e r (nl.) fordert Verbesserung ber Bahnhoisoerhältniffe in Flensburg.

Abg. Bachmann (nl.) fordert einen Bahnhofs» Neubau in Torbern.

Abg. Wolgast (frf. Vp.) bittet um völlige« Ausbau des Güterbabnbofs zu Ktel.

Der Abschnitt Direlttonsbezirk Berlin wird nach längerer Debatte bewilligt. Beim Abschnitt Eisen­bahn aireklion zu Breslau toütscht Abg. S e y d e l (nl) zweigleisigen Ausbau ber Strecke Lauvan-Llchtenan.

Abg Witz mann lnl.) besürworiet Beseitigung ber Mtßstänbe beim Niveauübergang an ber Glogauer- straße zu Liegnitz. Der Bahnhof ra Liegnitz ist an Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen.

Ein Kommissar erkannte an, baß bie Abänderung jenes Nivcauübergangs wünschenswert ist.

Abg. K u n tz e lkons.) fordert im Jnterefie der schief sischrn Landwirtfchast Befestigung der jetzigen umständlichen Vorschriften über bas Verladen von Kartoffeln und Ruben.

Abg. Hirt lkons.) bittet im nächsten Etat einen Titel «Heruellung des zweiten Gleises auf der Streck« Kamenz-Königszelfl zu bringen

Beim Abschnitt Direktion-.bezirk Halle i eanlragl bie Kommission eine Petition um Herstellung eine! zweiten Geleises auf der Strecke Kottbus-Görlitz durch bie Erklärung bes Ministers im Plenum für erledigt zu erklären. Hiergegen verlangt ein Antrag der Abg. von Schenckenburff (nl) und Gen., dir Petition ber Regierung zut Erwägung zu überweisen.

Die Abg. v. Schenckenborff (nl.), Sehdel lnl.) urb von Dirkfen traten lebhaft für ben An­trag ein.

UnterRattsfefcetär Fleck ertoibert, Zweigleisig­keit sei zur Erhöhung ber Betriebssicherheit recht er» forberlich. Dte Betriebssicherheit ist auch bei Eiu» gleisigkeit gewährleistet, wenn nur die nötigen technischen Vorrichtungen getroffen finb. Eine Aende- rung ber jetzigen Organisation bes TelegraPhenbiensteS ist nicht etforbethd).

Der Antrag Schenckenbors wird angenommen» DaS Haus vertagt sich.