Uhr abends.
(SourriäreS abgesandt.
ermordet.
Telegraph"
Infolge der Gesandte in
Ebenso hat
März. Hiesige Regierungs- den österreichisch-ungarischen für unnehmbar. weil Spa-
Mnister der der Minister die Unglücks-
herbeizuführen."
Madrid. 11. kreise bezeichnen
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Vertag' Job. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerei 41. 3(11)1$
Marburg. Markt 21. — Telephon 65.
gegenkommen gezeigt und könne nun ruhig ao- ivarten. daß Frankreich sich in gleicher Weise betätige. "
Zensoren betrifft, geneigt, einen Vorschlag zu prüfen, der dahin geht, dieselben von der Bank von Frankreich, von der Bank von England, der Deutschen Reichsbank und der spanischen Bank ernennen zu lassen. Sodann konststüierte sich die Konferenz in Komiteesitzung und setzte. dre Prüfung der Frage der Polizeiorganisation fort. Die marokkanischen Delegierten legten eine Denk, schrift über diese Frage vor, in der ein System empfohlen wird, wonach die Schafstmg ernvr Polizei durch den Sultan von Marokko selbst erfolgen und zwar in der Weise, daß dieser eine oder mehrere Nationen frei auswählt, von denen er die Instrukteure erbittet, die er für nötig halten wird. Die Konferenz beschloß, dem Redaktionskomitee, dem der erste Sekretär. der englischen Delegation beigegeben wird, die Aufgabe anzuvertrauen, über ein Projekt auf Grund der von Frankreich bezw. Oesterreich-Ungarn und Marokko gemachten Dorschläge zu beraten. Die nächste Sitzung findet Donnerstag vormittag statt.
Algeciras, 10. März. (Havas.) Die heutige Sitzung hat ein besonderes Interesse durch den versöhnlichen Ton, den alle anschlugen, die das Wort ergriffen. Man merkt, daß sich ein wirklicher Umschwung vollzogen hat und ein großer Schritt zur Erzielung eines Uebereinkommens getan ist. Alle sind überzeugt, daß, wenn das Bestreben, ein Uebereinkommen zu erzielen,, in demselben praktischen Geiste weiter verfolgt wird, man bald ein Mittel finden wird, dieses endgiltig herzustellen.
Algeciras, 10. März. Die Erklärung des Botschafters v. Radowitz zur Polizeifrage in der gestrigen Sitzung lautete: „Ich bin in der Lage, zu erklären, daß wir den Vorschlag des ersten Delegierten Oesterreich-Ungarns im Prinzip annehmen, seine Einzelheiten aber westerer Erörterung Vorbehalten. Bei diesem Entgegenkommen, durch das wir einen Teil unserer bisherigen Vorschläge fallen lassen, leitet uns die Hoffnung, damit die allgemeine Verständigung
Neueste Telegramme.
Beim, 10. März. Der Bundesrat hat nach vorangegangener Verständigung mit den an der Genfer Konvention beteiligten Staaten diese zu einer Konferenz zur Revision der Konvention zum 11. Juni nach Genf eingeladen
Madrid, 10. März. Die „Gazette" ver« dffentlicht ein Dekret, nach dem die gesamten Einfuhrzölle auf Getreide und Mehl wieder in Kraft gesetzt werden.
Salovik, 10. März. Griechen töteten im nahen Dorfe Kucfali zwei Söhne deL exarchistischen Geistlichen. Das Torf Prachniean (Kreis Bo- dena) wurde von einer griechischen Bande nie» dergebrannt, der bulgarische Lehrer und der Pfarrer getötet. Zwei Gemeindeschreiber wur-
könne.
Köln, 10. März. Gegenüber der Meldung der „Times", das Schreiben eines erlauchten Verwandten habe den deutschen Kaiser zu einem Vergleich auf der Konferenz in Algeciras veranlaßt, teilt ein Telegramm der „Köln. Ztg." mit, der Kaiser habe von keiner Seite einen der- artigen Brief erhalten. Irgendwelche Einwirkung auf den Kaiser sei übrigens gar nicht erforderlich, da er von vornherein zu einer Verstau- digung auf einer das deutsche wie das allgemeine Interesse genügend berücksichtigenden Grund- läge bereit gewesen sei. Deutschland habe in der Bank- und in der Polizeifrage genügendes Ent-
Deutsches Reich.
Berlin, 12. März
— Seine Majestät der Kaiser unternahm an vorgestrigen Samstag vormittags den gewohnte« Spaziergang im Tiergarten und hatte dabei eine Besprechung mit dem Minister des Innern, zu'ammen mit der Kaiserin besuchte der Kaiser dann das Denkmal der Königin Luise im Tiergarten, das wie immer zum Geburtstage der unvergeßlichen Königin reich mit Blumen geschmückt war. Bon dort fuhr die Kawerin zur Eröffnung der Ausstellung für Säuglingspflege nach tem Landesausstellungspark. Ins Schiß zurückgekehrt, empfing Seine Maje' ät den Bildbauer Touaillon hörte um 12 Uhr den ? "* trag des Chefs des Marinekabinrtts und empfing um 12»/« Uhr den Oberlandesaericktsrat Freiherrn von Richthofen zur Rückgabe der Orden seines verstorbene» Balers. Um 1 Uhr empfing Se. Majestät in Gegen- wirt des türkischen Botschafters Tewfik-Pascha Den türkischen General Rahmy Pascha. Oer Botschafter überbrachte ein Handschreiben des Sultans, *>et General überreichte Geschenke anläßlich der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten und der Vermählung de» Prinzen Ertkl-Friedrich. Beide Herren waren zu«
den in einem Dorfe von Griechen
London, 10. März. „Daily meldet aus Tokio vom 9. März: unruhigen Lage hat der deutsche Peking seine Abreise verschoben.
stätte begeben.
Courridres, 10. März, 8
Da die Stollen eingestürzt sind, scheiterten bisher die Bergungsversuche. Man sinnt jedoch auf Mit. tel, den im Schachte eingeschlossenen 1204 Arbeitern Hilfe zu bringen. Zwei Oberingenieure wurden fast erstickt zutage gefördert, und nach- dcnr ihre Wiederbelebung gelungen war, nach Lens gebracht. Eine unbeschreiblich erregte Menge, meist Frauen und Kinder, hat sich um Schacht 4 angesammelt.
Courridres, 10. März, 10 Uhr abends. Die Minister Dubief und Gautier, der Direktor des Arbeitsministeriums Lafond und her Ordonnanzoffizier des Präsidenten, Fallidres sind abends eingetroffen und besichtigten Schacht 4; sie werden morgen die Besichtiarmg fortsetzen. Di Bergungsarbeiten dauern nachts fort.
Lens, 11. März. (Mitternacht.) Man ist jetzt überzeugt, daß die Zahl der infolge des Gru- benunglücks in Courridres Erstickten beziehungsweise Erschlagenen 1219 beträgt.
Paris, 11. März. Der Presse des hiestaen Preßsyndikas bat telegraphisch 5000 Francs zur ersten Hilfeleistimg für Familien der Opfer in
Marburg
Dienstag 13. März 1906.
unter den Explosionstrümmern. . Man glaubt, das alle Rettungsversuche vergeblich sind.
Lille, 10. März. (W. B.) Es ist jetzt sicher, daß 1193 Bergleute, die in CourridreS heute früh eingefahren sind, ums Leben kamen. Etwa 400 Mann sind lebend geborgen worden.
Präsident Fallitzres war über die Nachrichten von dem Unglück sehr erschüttert und entsandte sofort einen Ordonnanzoffizier, um der Bevölkerung des Grubenbezirkes seine tieffte Teilnahme anzuzeigen. Auch in den Wandelgän- gen der Kammer wurde das Ereignis mit großer Teilnahme besprochen. Man wartet mit Unruhe auf neue Nachrichten. Der öffentlichen Arbeiten Gautier und des Inneren Dubief haben sich an
Schweres Grubenunglück in Frankreich.
Lens, 10. März. Eine furchtbare Kata- strophe ereignete sich heute früh auf den drei Schächten der Grube von Courrwres (Dev. Pas de Calais), welche gegenwärti- einen ungeheuren Brandherd bilden. Die Ursachen sind noch unbe- kannt. 1800 Bergleute sind heute früh ernge- fahren. Man hofft, daß sich die meisten tn Sei- tengalerien haben retten können.
Paris, 10. März. Das Grubenunglück in Courriöres wird auf schlagende Wetter in Schacht 4 und 11 zurückgeführt, die durch einen Brand, der feit mehreren Tagen in Schacht 8 wütete, veranlaßt sein dürften, und auch Schacht 2 ergriffen hatten. Durch bie schlagenden Wetter wurden alle Schutzgerüste in den Galerien weg- gerissen. An vielen Stellen erfolgten Einstürze. Die sofortige Hilfeleistung wird durch die ausströmenden Gase erschwert. Ein Ingenieur, der sich in den Schacht begeben hatte, mußte herauf- geholt werden, um eine Kohlengasvergiftung zu verhindern. Ms heute Mittag hatte man aus dem Schacht 11 120 Bergleute lebend geborgen. Aus Schacht 3 erst einen. Man fürchtet, daß dort noch viele sich befinden. In einem um 3 Uhr nachmittags an das Ministerium des Inneren gelangten Telegramme heißt es, daß eine Anzahl Bergleute gerettet seien, eine bestimmte Zahl wird aber nicht angegeben. Man befürchtet, daß es sich um ein Unglück von bisher noch nie bagt- wcsenrr Größe handelt. Unter der Bevölkerung herrscht allgemeiner Schrecken. Die Szenen, die sich an den Schacht ei ngä n gen abspielen, sind erschütternd.
Paris, 10. März. Der Grubenbrand, der zu der verhängnisvollen Explosion in dem Bergwerk von Courridres fichrte, war schon vor einigen Tagen entstanden, aber erst letzte Nacht im Schacht 3 voll zum Ausbruch gekommen. In der Nacht war ein Ingenieur ein gefahren, um die Arbeiter zur Eindämmung des Feuers zu leiten. Gegen 7 Uhr früh erfolgte in drei Schächten mit furchtbarem Knall eine Erplosion. Vom Nachbarschacht wurden Rettungsarbeiten versucht, doch konnten nur zwei Tote geborgen werden. Ein Bergmann, der sich retten konnte, erzählte: 'Unmittelbar nach der Explosion fei die Luft von giftigen Dämpfen erfüllt gewesen. Er habe sich instinktiv dem Ausgange des Schachtes zu gewandt. Als er aber mehrere Kameraden antraf, die halb bewußtlos waren und seine Hilfe erbaten, habe er sie trotz seines üblen Zustandes in einen Wagen gepackt und bis zum Schacht 10 geschoben.
Paris, 10. März. (W. B.) Nach Depeschen aus Lens, die bis 5 Uhr 35 Min. hier eintrafen, ist festgestellt, daß in den Gruben von Courridres heute 1795 Bergleute ein gefahren sind. Von diesen sind 591 in Sicherheit, 1204
Kompromißvorschlag , nien die Einrichtung einer französischen Polizei in Orten, wo spanische Handelsinteressen vorherrschen, insbesondere in Tetuan, nicht dulden
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Zllustrirtes Sonntaasblatt.
der französische Gesandte seine Heimreise aufgeschoben. (Hierzu bemerkt W. T. B.: Soweit die Meldung sich auf den deutschen Gesandten bezieht, ist sie nicht begründet. Freiherr Mumm d. Schwarzenstein tritt, wie von Anfang an in Aussicht genommen war, seinen Botschasterposten in Tokio an, sobald dieser Posten vom Reichstage bewilligt worden ist.
New Dort, 10. März. Roosevelt erlitt int Senat eine empfindliche Niederlage, da die Aufnahme von Arizona und Neumexiko in den Etaatenverband abgelehnt, während Oklahoma zugelassen wurde.
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Die Konferenz in Algeciras.
Algeciras, 10. März, lieber die heutige Doppelsitzung der Konferenz wurde folgendes amt. liche Kommuniqe ausgegeben: Zu Beginn der Sitzung brachten die marokkanischen Delegierten zwei Schreiben ihrer Regierung zur Kenntnis. Tie Konferenz setzte dann in einer Vlenarsitzung die Prüfung des Baukprojektes fort und beriet über die Bedingungen, unter denen die Kapitals- vnteile zwischen dm sich beteiligenden Mächten und dem Konsortium der Sanfen, welche die An. leihe von 1904 gezeichnet haben, als Entschädigung dafür verteilt werden fönnten, daß das Konsortium der Bank sein Vorzugsrecht in Bezug auf Anleihen abgetreten hat und daß vielleicht in ähnlicher Weise die Inhaber von Stückm der Bank ihr Aufsichtsrecht abtreten könnten. Die marokanischen ®elegierten hatten hierzu einen Al'änderungsantrag eingebracht, und man kam überein, daß das Redaktionskomitee beauftragt werden soll, eine Form für endgiltige Löstmg der Frage zu finden. Die Konferenz zeigte sich bezüglich des Artikels, welche die Einsetzung von
Vierteljährlicher Bezugspreis, du ott Expedition 2 SJtt, «a btt allen Postämtern 2,25 M. xf$ci. Bestellgeld).
J12. OU Jnserttonsgcbühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Ptz.
Rcelament die steile 25 Pfa.
(Nachdruck verboten.)
Ein Jugendtraum.
Novelle von Hans Albrecht»Cafiel.
Sie hatten sich einst kennen gelernt als junge, hoffnungsfrohe Menschenkinder. Jene ost wundersam waltende Macht, die jene Zufall, andere Schicksal nennen, hatte sie zusammengeführt und schnell die breite Kluft überbrückt, die den jungen Stndeitten aus vornehmer Adelsfamilie und die arme Künstlerstochter von einander schied. Und es war ein inniges, harmonisches Zusammenleben zweier Seelen gewesen, dieses Verhältnis der aus so verschiedenen Kreisen stammenden Personen, — ein Verhältnis, das nichts gemein hatte mit einer flüchtigen „Liebelei". — »—
Für Else Rodin bedeutete es stets einen Festtag, wenn ihr Vater sie mit einer Eintrittskarte tu einer Aufführung ftn Vorstadttherster beschenkte.
Es bot sich dem an Entbehrungen gewöhnten Mädchen wenig Gelegenheit zu anregender Un- terhaltung, zu „Vergnügungen". Tags über galt es, der kränkelnden Mutter im Haushalte fleißig zur Hand zu fein, und Abends war Else froh, wenn sie eine stille Erholungsstunde fand. Dann war ein gutes Buch ihr liebster Gesellschafter, und so hatte sie frühzeitig mit Verständnis für den Ernst des Lebens es gelernt, ben geistigen Blick zu verschärfen und ihr inneres Seelenleben zu vertiefen. Was ihr in wahrer Liebe zu teil ward, gab ihr die fünfte, treu sorgende Mutter.
Elsens Vater war einst ein strebsamer, begabter Schauspieler gewesen. Lange Krankheit, dann der Tod zweier Brüder Elsens brachten Sorge und Notstand ins Haus. Und unter deut Drucke steter Sorgenlast litt Rodins künstlerischer Beruf: bald ging es bergab mit dem alternden Mann, lind bald kam die Zeit, da er sich von jedem Ettgagement an Stadttheatern zweiten Ranges ausgeschlossen sah; er mußte noch froh sein,
als es einem Agenten gelang, nach langem Bemühen den ehemaligen beliebten Charakterdarsteller an einem Vorstadttheater unterzubringen. Man stellte den unsicher gewordenen, verbrauchten Schauspieler nur in bescheidenen Nebenrollen heraus. Rücksicht auf seine Familie, Mitleid mit seiner Lebens- und Leidensgeschichte bewog den Direktor, einen ehemaligen Kollegen Rodins, ihm manches nachzusehen. Oft suchte er Elend und Jammer in wüster Gesellschaft zu vergessen. Dann war er zu .House brutal und roh.--
Alle Sorge und das häusliche Leid vergaß Else Rodin im Theater. Mit strahlenden Augen verfolgte sie auch bei ihrer letzten Anwesenheit auf ihrem Freivlatze im zweiten Rang die Vorgänge auf der Bühne, und die derbe Komik des Berliner Dolksstückes ließ Else herzlich lachen, so froh und unbefangen, wie man mit einem Kin- derherzen nur lachen kann.
Aber bald war es noch ein anderes, das Elsens Aufmerksamkeit erregte.
Von seinem Platz in der Prosceniumsloge aus beobachtete ein junger, vornehm gekleideter Mann mit sichtlichem Interesse, wenn au<* ohne Auffälligkeit, das junge Mädchen, und hatte Else zuerst verlegen den Blick gesenkt, wenn er dem seinen begegnete, so wagte sie es doch, wenn auch scheu und befangen, den Unbekannten verstohlen zu mustern, wenn er sich der Bühne zugewendet.
Welch offenen, gewinnenden Ausdruck sein interessantes, schönes Männerantlitz besaß. Aber — stürmisch wallte dem Mädchen das Blut zum Herzen bei dem Gedanken, daß jener, offenbar den besten ' 'llfchaftskreifen nr^' ndr Herr , : • halb sie beachtet, weil — nun,
i hübsch, well er das arme Kind des .oft der Versuchung zugängig hält, wie so Viele ----
Und Else warf stolz den blonden Kopf zurück und würdigte den Fremden keines Blickes. —
Am Schluß der Vorstellung verließ Else Rodin das Theater. Schnell kehrte sie dem Men
schengewühl am Portal den Rücken. Sie hat einen weiten Heimweg vor sich und deshalb eine abkürzende Nebenstraße betreten.
Tie Vorstadtgegend log um diese Abendstunde ziemlich verödet da. Ein feiner Regen sprühte herab und ein feuchter Dunstschleier umhüllte das flackernde Gaslicht der Straßenlaternen. Dicht an die Häuserreihe sich haltend,^schritt Else mit leichten eiligen Schritten dahin, schon hatte sie einige Straßen durchwandert, als ein jäher Schreck sie durchzuckte.
Aus einer Kellerkneipe schwankten zwei Männer. Sie schienen betrunken, lachten und johlten und blieben fteben, als sie das Mädchen gewahrten, das auf dem schmalen Bürgersteig ihnen entgegen schritt. A engst lick, scheu wollte Else an ihnen vorüberhuschen, doch sie vertraten ihr den Weg. Widriger Branntweindunst toehte um sie. „Geben Sie den Weg frei! Ich bitte — lassen Sie mich!" flehte das Mädchen.
„Fällt uns nicht ein." lachter einer der verkommen aussehenden Männer roh auf. „Scheues Täubchen — so spät noch allein — Komm her, wir wollen zusammen . . .*
Er suchte sie zu umfassen. Ein Hilferuf durchhallte die Nacht, dem gleich darauf ein dumpfer Aufschrei folgte. Von einem wuchtigen Faustschlag ins Gesicht getroffen, taumelte dex Angreifer blutend zurück. Wie "aus dem Boden emporgewach- sen stand eine hohe, schlanke Männergestalt neben dem bestürzten, tödlich erblaßten Mädchen.
„Ehrloser, wagst Du, ein Weib zu überfallen?" Donmire er dem Gezüchtigten entgegen. „Sieh zu, daß Du fortkommst, sonst . .
Der Beschützer hob drohend den Stock, , zur Verteidigung bereit, denn die Beiden zeigten Miene, sich gemeinsam auf den Einzelnen zu stürzen. Ein Ausruf Elsens machte sie stutzig. Sie bemerken — die blitzenden Helme einer Schutzmannspatrouille tauchten in der Nähe auf. Fluchend zog der eine der Männer den verletzten Kameraden mit sich fort.
„Kommen Sie! Vermeiden Sie weitere Zrvi- schenfälle! Es wird Ihnen nichts geschehen, mein Fräulein!" tönte die Stimme ihres'Retters neben Else Rodin.
„Geben Sie mir Ihren Arm. Sie gittern sehr und scheinen ganz erschöpft!" fuhr er eindringlich fort.
Fast willenlos ließ sie sich fortführen. Schweigend schritten Beide dahin, nur mühsam vermochte Elfe lautes Schluchzen zu unterdrücken. Die Gefahr, der sie soeben glücklich entronnen, kam ihr jetzt erst voll zum BÄvußtsein.
Am Ende der Straße blieben sie stehen. Teilnehmend blickte er in ihr bleiches Gesicht. „Sie sind in Sicherheit, werden Sie ruhig!" bat er mit tiefer, klangvoller Stimme.
„Ich bin glücklich. Ihnen diesen kleinen Ritter, dienst geleistet zu haben, und wenn Sie es mir gestatten, werde ich Sie bis zu ihrer Wohnung unter meinen Schutz nehmen," sagte er freundlich, fast heiter, „und ich darf wohl bei diesem — allerdings recht ungewöhnlichen — Anlaß einer persönlichen Bekanntschaft vorstellen: Baron von Volkstadt."
Else Rodin erschrack fast bei Nennung dieses als ihr vornehm bekannten Namens, und sie hatte ihren Begleiter bereits als den Zuschauer in der Prosceniumsloge des Vorftad:^"^ ns wiedererkannt. , „
„Sollte Sie fein Anerbieten annebmen? Zögernd und unentschlossen ftreifte stft Blick sein Ge- sicht. Die ruhigen, feingefd’nittenen Ostae, die dunklen, ernsten Augen flößten ihr Vertraiien ein.
Errötend blickte sie dann vor sich nieder.
„Ich bin Ihnen so dankbar. Sie :n mir einen großen Dienst erwiesen . . ." stammelte sie.'
Er währte lächelnd ab.
„Ich habe nur getan, was meine Pflicht verlangte, die ich stets zu erfüllen bemüht bin."
^Fortsetzung folgt.)