Einzelbild herunterladen
 

Herrenhaus.

* Berlin, S- MSr-.

DaS Herrenhaus nahm am Freitag kleiireve Gesetzentwürfe ohne erhebliche Erörterung an und beschäftigte sich dann eingehmdmd: Entwürfe betr. die Anlemmg von <- ^arkassenbe- ttänden in Inh aber vavieren. Die Kommisston «atte einen neuen Paragraphen geschaffen, der ven öffentlichen Sparkassen nn Falle besonderer Notlage das Recht auf Veräußerung der m ihrem Besitz besin blichen Jnhaberpapieren gibt. In der Generaldebatte bedmierte Graf Mirbach, daß die Etaatspapiere nicht besier stehen und nnpfahl Bermel;nmg des Goldvorrates der Reichsbank. Oberbürgermeister Trackmann-MiMhausen L Th. ynb Herr v. Rheden trugen Bedenken gegen, di« Vorlage vor. Hingegen führte Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben au«, daß die Forderung des Entwurfs bereits von einer großen Reihe von Sparkassen erfüllt sei, ohne daß sich Rachteile daran« ergeben haben. Dem stimmte auch Reichs­bankpräsident Dr. Koch bei. Die Vorlage wurde schließlich nach dem Beschlusie der Kommission an­genommen.

Sonnabend 1 Uhr: Gesetzentwurf betr. die verschuldmigs grenze.

Ausland.

Rußland. Zwischen den seit Jcchrzehnten irt Per­sien ringenden Rivalen, Rußland und England, werden augenblicklich Verhandlungen gepflogen, die zu einer Verständigung der beiden interesfierien Mächte fuh­ren sollen. Versuche dazu find schon vor dem russisch- spanischen Kriege, und zwar meist von englischer Seite gemacht worden, aber damals schenkte man an der Newa dem nicht Gehör. Jetzt hat sich nun di« Situation geändert. Wie m den höheren russischen Kreisen vertraulich erzählt wird, ist di« russische Re­gierung zu der Ansicht gefönten, daß es ihr unter den obwaltenden Umständen sehr schwer fallen wird, auch fernerhin in Persien in Der beabsichtigten Weise bot« engeren und den vorherrschenden Einfluß in ganz Persien zu gewinnen, zumal England, da» sich mo­mentan tn Zentralasien freier denn je bewegen kann, gerade in der letzten Zett ziemlich große Erfolge In Persien zu verzeichnen hat. Deshalb, und im gegen­wärtigen Augenblick auch wohl noch. aus triftigeren Gründen, versuchen nun die Russen, eine Verständig­ung mit den Engländern herbeizuführen. Dte B«r- handlunyen muffen bereite ziemlich weit gediehen sein. Denn die persische Presse tn den russisch persischen Grenzgebieten warnt seit dem 26. Februar in meh­reren Artikeln die persische Regierung vor einer be- dorstehenden russisch - englischen Verständigung, di« lediglich dazu bestimmt sein könne, bte Teilung Per­siens in absehbarer Zeit zu bewirken. E» sollen da­her baldigst wesentliche Reformen in der persischen Staatsorganisation, ähnlich der englischen Konstitu­tion, durchgeführt werden, wob« sich die persisch« Geistlichkeit im weitesten Umfange an der Führung der DtaatSgeschäfte beteiligen soll. Hierdurch würden die russisch-englischen Gelüste auf persische Interessen wesentlich abgekühlt werden. Di« seit einiger Zeit beobachteten Sympathiekundgebungen mehrerer per» fischen Scheich» für die Türkei, die jetzt auffälliger­weise ein große» Interesse für Persien bekundet, durf­ten die russich-englische Verständigung zwar fördern, sie aber für Persien viellicht ungfährlich machen.

Brasilien. Aus Rio wird gemeldet, daß von der beabsichtigten Vergrößerung der braslliani- scheu Flotte vorläufig Abstand genommen ist. be- sonders mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage des Staates. Bekanntlich sollten in diesem Jahre 8 Linienschiffe, 6 TorvedobootSzerftörer und 6 Torpedoboote im Gesamtbeträge von rund VO Mllionen Mark in Ban gegeben werden. Da» von waren als erste Rate für 1906 durch Kon- greßbeschluß der Regierung 88 Mllionen Mark «ur Verfügung gestellt. Aus dem eben angeführ­ten Grunde hat jedoch der Präsident di« Per» aebung der Arbeiten vorläufig zurückgestellt. Da seinerzeit infolge desPantber"-Zwischenfalls vte Aussichten der deutschen Industrie auf Betei­ligung an diesem großen Auftrage zunichte wur­den, so kann man nur wünschen, daß bei der spä­teren Bestellung der Schiffe die Gemüter sich be­ruhigt haben und die deutschen Firmen den ihnen Nach ihren Leistungen gebührenden Anteil an diesem Auftrag erhalten werden.

Asfiralieu. Die systematisch feindselige Haltung der australischen Presse gegen Deutsch­lands auswärtige Politik hat die willkommene Wirkung au? geübt, daS in früheren Jahren recht indolente und in Vereinsmeierei ausgehende Deutschtum in den HauptplStzen deS Landes zu festigen und zusammenzuschweißen. Einen er­freulichen Beweis für den Aufschwung de» nationalen Bewußtseins liefern Sidney, Mel­bourne und Brisbane, in welchen drei Städten die Gedenkfeier an die Wiedererrichtung deS Deutschen Reiches in diesem Jahre unter all­gemeiner und enthusiastischer Beteiligung der Landsleute begangen wurde.

Japan. Man kann in vielen Büchern und anderen Schriften die Behauptung lesen, daß Japan für seine stark angewachsene Bevölkerung pt klein sei, und daß die tatsächlichen wähnend der Jahre erfolgten Gebietserweiterungen einer Art von Naturnotwendigkeit enttprochen hätten. Auch bte schon vorher beträchtliche Auswanderung von Japanern, namentlich nach Australien und den Inseln des großen Ozeans, schien eine solche An­nahme zu bestätigen. Jetzt versucht Professor Eonnard imTour du Monde" nackyuweisen, daß diese ganze Beweisführung auf Irrtümern beruht. Im Jahre 1901 betrug die Bevölkerung Japans 47 608 875, war also größer als die von Frankreich Italien, Großbritannien und Oester­reich-Ungarn, aber geringer als die Deutsch­lands. Wenn man nun bi« Bevölkerungsdichte dieser Länder berechnet, so stellt sie sich für Ja- dan auf 118 für das Ouadrakilometer und ist demnach allerdings größer als in Oesterreich-Un- eam mit 72, Frankreich mit 73 und auch Deutsch, »and mit 104. Dagegen weist Italien eine Dichte tzon 115 auf, Großbritannien eine solche von 182, die Niederlande 162 und Belgien gar 234. Ihnj könnte man einwenden, daß Japan nicht im vtande ist, ein« so große Bevölkerung zu ernäh­ren tote Italien, aber diese Behauptung ist von vornherein unwahrscheinlich, zumal die natür- kichen Hilfsquellen Japans noch lange nicht voll­ständig entwickelt und auS genutzt sind. Auch wird eie Schnelligkeit der DolkSvermehrung in Japan »Svöhnlich überschätzt. Die Geburtszisfer ist mit B9 auf 1000 geringer als bei den meisten euro­

päischen Völkern da Großbriiannten eine svl^ von 80, Deutschland Oesi^retch

tmb Rußland gar über 48 Gebuttert auf 1000 Einwohner aufweist. Test der Suropaisierung Japans ist bte Zahl der Geburten fogar noch toet- tergefimfen. AuS all dem ist zu schließen, daß das japanische Reich tn seinem heutigen Umfang für bte Ernährung seiner Bevölkerung noch attf geraume Zeit ausreichen wird.

China. Der japanische Einfluß in China ist schon jetzt dominierend. E» ist nur eine Bestätigung dessen, toa« alle Welt dorauSsah, wenn jetzt auS London gemeldet wird, der japanische und der chinesische Gesandte hätten der btttischen Regierung den Text eines chinesisch- japanischen BundeSvertraaeS mitgeteilt, der Japan weitreichenden Einfluß ans de» Felde politischer und kommerzieller Tätigkeit in China einräumt. Der BundeSvettrag erregt in allen diplomatischen Kreisen Londons bedeutendes Aufsehen. Daß den Engländern noch einmal bange werden wird ob bei gelben Riefen, den sie großgezogen haben, ist vorauSznsehen. Die in den chinesischen Gewäffern stationierten Schiffe der Mächte find folgendermaßen verteilt r In Hongkong der amerikanische Kreuzer .Ohio" der deutsche Kreuzer .Fürst DiSmarck" und und die britischen KreuzerAndromeda* und .Sutleh' mit acht Torpedobootzerstörern und drei Kanonenbooten; in Shanghai die britischen Kreuzer .Floras und ,8fttaeae, sowie zwei deutsche Torpedozerstörer; auf dem yangtsekteng kreuzen die deutschen Kanonenboote .Jaguar", .Vaterland' und .Vorwärts", sowie britische, amettkanische und franzöfische Fahrzeuge.

Marburg uud Umgegend.

^Nachdruck aller Crigtnalartilel tst gemäß § 18 M llrheberrrcht» nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oderheg. Ztg." gestattet.)

Marburg, 10. März.

8« verilsrwahl der Mädchen wird un­geschrieben : Für viele Eltern. ist die jetzige Zeit so ganz besonder- wichtig, tritt doch an sie die Frage heran, wie können wir für da- Wohl unserer Töchter am besten sorgen. WaS können wir ihnen mitgeben für da- Leben? In welcher Weise können wir ihnen Zukunft sichern? 68 unterliegt keinem Zweifel daß neben ein et sorgfältigen Erziehung ein tüchtiges Wissen und Können einen Schatz für unsere Töchter in sich birgt und daß die verschiedenartigen Be> ruse die den Frauen erschlossen, eine Sicherheit für die Zukunft verbürgen, lieber diese ver­schiedenartigen Berufsarten nun, über die Bedingungen, Dauer der Ausbildung, Kosten und Aussichten ist der Vorstand der hiesigen Ortsgruppe deS DeutschEvang. Frauenbund in der Lage die allerge­naueste Auskunft zu erteilen. Diese Aus­kunft erstreckt sich auf folgende Gebiete: 1. Soziale Arbeit und Innere Mission, 2. Kranken» und Gesundheitspflege, -.WissentschaftlicheBerusSarten, 4. Erziehungs» und Lehrfach, 5. HauS- undLandwirtschaftliche Berufe, 6. Ge­werbliche und technische Berufe, 7. Kunst und Kunstgewerbe.

* Gefechtsschießen. Am Dienstag, den 18. dS. MtS. wird wieder von 8 Uhr vormittags bis 1.80 Uhr nachmittags ein Gefechtsschießen deS Jägerbataillons im Allna-Tal nordwestlich Niederweimar mit Schußrichtung nach Nordosten gegen den Wald südlich OckerLhansen statt­finden. DaS abgespertte Gelände ist dasselbe wie am 5. dS. MtS. in Nr. 518 mitgeteilt worden ist.

vkruhigmtgstelegrimme" auf Stustskosteu Eine Neuerung im Nachrichtendienst bei Eisen- bahnunfällen verdankt ihre Entstehung offenbar dem Eisenbahnunglück bei Epremberg und der daran geknüpften Kritk einzelner Einrichtungen und Vorschriften der Eisenbahnverwaltung. Die ÄÄenstvorschrift für daS Meldeverfahren und den Nachttchtendienst bei Unfällen, Betriebs­störungen und außergewöhnlichen Ereigniffen ist soeben dahin ergänzt worden, daß auch et­waige telegraphische Mitteilungen für Angehörige nicht verletzter Reisender auf ausdrücklichen Wunsch der letzteren entgegenzunehmen und auf Kosten der Eisenbahnverwaltung zu befördern find. Reisende die sich in Zügen befinden, bei denen ein Zwischenfall vorgekommen ist, können also in Zukunft ihre Angehörigen durch ein ge­bührenfreies Diensttelegramm beruhigen.

Grrichtsprrsouulie«. Zu Gerichtsassessoren find ernannt worden: Die Referendare Born und Paehler im Bezirk« deS Oberlandesgerichts Eaffel.

* Erledigte Schulstelle«. Die 2. mit Kirchen­dienst verbundene Lehrerstelle an der Stadtschule zu Gemünden a. Wohra soll zum 1. April d. I. anderweit besetzt werden. Die zweite kathol. Lehrerstelle in Großentaft soll wieder besetzt werden. Die mit Kirchendienst verbundene katholische Schulstell, zu Jaffa ist zum 1. April anderweit zu besetzen. An der Stadtschule in HelmarShausen find vom 1. April ab zwei Lehrerstellen anderweit zu besetzen.

* Sertix gegen de» AlkahaliswuS. Die für ben 12. angekündigte Versammlung hat wegen unvorhergesehener Hinderniffe auf den 14. (Mittwoch) verlegt werden müffen. Eie wird abends 8/t Uhr in der Aula der höheren Töchterschule, und nicht im physiologischen Institut stattfinden.

* Tas P«nor««a bringt in dieser Woche Neapel, Ausbruch deS Vesuvs, sowie die Aus­grabungen in Pompeji.

8 Frühjahrs-Pferdemarkt. 8m nächsten Don- Ä wird hier bet Frühjahrs-Pferdemarkt

en. ... . ---.! ..«

qp Setter, 10. März. In unterer Stadt herrscht gegenwärtig eine rege Baulust. Für ttefeS Jahr sind schon verschiedene größere Wohn­häuser in Angriff genommen.

5 Volksversammlung. Im Restaurant Hilde- mann findet heute Abend 9 Uhr «ine öffentliche VolkSvettammlung statt, in der Dr. R. Penzig- Verlin über das Thema spricht:Dte rein welt­liche Schule, Konfessions- oder Moralunterricht."

Deutsch« Kolonie« und M« Schullesebücher. <6«r Kultusminister hat unter dem 12. Februar an stattliche Königlichen Provinzial-Schulkollegien fol­genden Runderlaß gerichtet: Die Nachrichten, welche dte Lesebücher der Volksschulen über die überseeischen Teile des Deutschen Reiche» bringen, find in einzelnen Fällen geradezu irreführend, in anderen äußerst dürftig und veraltet. Dte Deutsche Kolonialgesellschaft hat d-cher ein Heftchen mit Lesestücken herstellen lassen, die au» den bekanntesten Werken der Kolonial-Litera- tur entnommen find. Außer auf eine für reifere Kinder verständliche Darstellung und auf sachliche Richtigkeit ist bei der Auswahl darauf Wett gelegt worden, daß die Stücke längere Zeit hindurch dauern­den Wett behalten und allgemeine» Interesse erregen. Dte Kinder sollen daraus die (Eigenart des Landes nach ihren natürlichen Bedingungen, die Lebensver­hältnisse der Deutschen in jenen Ländern und daS »lend deS Heidentums erkennen können. Ich mache dte König!. Regierung auf dieses Heft, welches ihr demnächst zugehen wird, aufmerksam mit dem Auf­trage, der Deutschen Kolonial-Gesellschaft Hierselbst Berlin W. 9, Schellingstr. 4 die Adressen der Bearbeiter und Verleger der neuen Lesebücher deS dortigen Bezitts bald mitzuteilen, damit auch an sie Hefte geschickt werden können. Die Königliche Regie­rung wolle die Herausgeber und Verleger dahin be­einflussen, geeignete Stücke aus dem Heftchen in die neuen Lesebücher aufzunehmen. Dabei werden die besonderen, zu einzelnee überseeischen Gebieten durch Mission, Industrie, Schiffahrt usw. gewonnenen Be- »tehungen der Landschaften, für welche die Bücher be­stimmt find, möglichst zu berücksichtigen sein.

Haftpflicht der Universitäten für vorschrifts­widrige Behandlung der Kranken in ihren Kliniken. Die Ehefrau eines Majors fand im November 1903 in der Universitätsklinik zu Bonn Aufnahme, um sich dort einer Operation zu unterziehen. Am Tage vor der Operation verabreichte bte mit der Pflege betraute Schwester vom Roten Kreuz der Patientin anstelle «ine» Schlafpulvers ein heftig wirkendes _@ift, das Schlund und Magen der Patientin vollständig ver­brannte und längere Behandlung notwendig machte: auch bis heute find die schädlichen Wirkungen dieser Vergiftung bei ihr nock> nicht beseitigt. Die verletzte klagte hieraus die Friedrich Wilhelms-Universität zu Bonn auf Schadenersatz von 12 000 <Ä ein. Die Be­klagte machte u. a. geltend, daß sie für da» In der Kltetik vorgekommene versehen nicht hafte. Die Kli­niken seien kein« korporativen Einttchtungen der Uni­versität, sondern ihr nur angegliederte Staatskliniken, bestimmt zwar zur demonstrativen Belehrung der Studierenden wie zur Fortbidung der Lehrer, aber unterstellt einem vom Staate bestimmten Direktor. Das Landgericht zu Bonn, das die Klage dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärte, wurde durch Ent­scheid des britten Zivilsenats be8 König!. Oberlandes- ge richt» bestätigt. Die beklagte Universität, so fühtt da» OberlandeSgettcht in ber Urteilsbegründung auS, sei ihrem Wesen nach weder im ganzen noch in einzelnen Teilen al» ein Zweig der Staatsverwal­tung, sondern al» eine tn sich geschlossene, selbständige juristische Person auch dem Staate gegenüber anzu- sehen. Was insbesondere die klinischen Anstalten an» langt, so feien diese zur Benutzung bei dem praktischen Unterricht' der Studierenden bestimmt, und werden in den Statuten ausdrücklich als der Universität an­gehörend bezeichnet. Sie bilden daher verfassungs­mäßig Teile der Universität und sind nicht derselben nur ungegliederte staatliche Einrichtungen. Dem Kt nicht im Wege, daß die Direktoren dieser Jn-

ite, insbesondere ber hier in Rebe stehenden Frauenklink, vom Staate ernannt werben. Denn hierbei handelt e» sich gerade um eine- der dem Staate vorbehaltenen, verfassungsmäßigen Rechte, aus welchem um so weniger auf da» Borliegen einer besonderen, neben ber Universität bestehenden ledig­lich staatlichen Unterrichtsanstalten geschlossen werden lan, als nach § 115 der Statuten die Wahl des Di­rektors au» der Zahl ber ordentlichen ober außer­ordentlichen Professoron oder anderer Fachlehrer zu trefen ist, bei deren Berufung die statutengemäße Mit­wirkung der Universität oder ihrer Organe jedenfalls früher stattgefunden hat. Ist sonach davon auSzu- gehen, daß die Kliniken Teile ber Universität als ju­ristische Person finb, so ist auch im vorliegenden Falle dte Beklagte verantwortlich für den Schaden, der durch fahrlässige» Handeln eines ihrer im Bereiche der klinischen Anstalten tätigen Vertreter bei Erfüll­ung eines Vertrage» dem Vettragsgegner zugefügt worden ist.

* vte-skuchk. Im Regierungsbezirk Caffel find zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Schtoeinefeuche (Schweinepest): Stadtkreis Caffel: Caffel (Stadt.) Landkreis Caffel- BollmarLhauseu, Rothenditmold, Rengershausen, Harleshausen, Dennhausen, Wahlershausen, Nordshausen. Kreis Eschwege: Ftteda, Schafhof, Wanftted. Kreis Ftttzlar: Maden, Haddamar, Werkel, Kirchberg, Besse, Gleichen. Kreis Fulda: Opperz. Landkreis Hanau: Niederdorfelden, Butterstadt. Kreis HerSfeld: Hilperhausen, ObergeiS. Kreis Hofgeismar: Holzhausen, Grebenstein, Veckerhagen, Lamerden, Zwergen, FriedrichSfeld. Kreis Homberg: Niederhulsa, Hom. erg. Kreis Melsungen: Guxhagen. Kreis Grafschaft Schaumburg: Niengraben. Kreitz Rotenburg: Hübenthal, Oberellenbach. Kreis Schmalkalden: Steinbach - Hallendere. Kreis Wolfhagen: Rittergut Hohenborn, Dom. und Dorf Burghasungen, Domäne Rangen, Wolf- hagen. Geslügelcholera. Kreis HerSfeld: Willingshain. Kreis Hünfeld: Hünfeld. In­fluenza der Pferde (Brustseuche). Stadt­kreis Caffel: Caffel. Landkreis Caffel: Nieder­kaufungen, Niederzwehren, Bettenhausen, Rothen­ditmold, WolfSanger, Mönchehof. Kreis Fritzlar: Fritzlar. Kreis Rotenburg: Bebra. Rotz der Pferde. Kreis Gelnhausen: Kempfenbrunn. Tollwut. Kreis Eschwege: Aue.

Hessen-Nassau und Nachßargebiete.

Caffel, 9. März. Infolge des herrschenden EturmeS ist an einem Neubau in der Uhland- straße ein Gerüst eingestürzt, daS die sämtlichen Arbeiter im Erdgeschoß unter sich begrub. Der Maurer Ahrendt wurde hierbei getötet, alle übrigen Arbeiter jedoch nur leicht verletzt.

Fulda, 9. März. Bei der Ausschreibung der Lieferung d«S Fleisches für daS hiesige

Landkrankenhau» wurden folgende Angebot- gemacht : Schweinefleisch da» Kilo zu 1.49 Mhj (Ladenpreis 2.00), Kalbfleisch das Kilo zu 1.28* Mk. (Ladenpreis 1.40), Ochsenfleisch daS Kile zu 1.28 Mk. (Ladenpreis 1.48).

= Lu» dem Salzbödetal, 10. März. Da»> gesamte Salzbödetal ist noch zmn großen SSetf überflutet. An vielen Stellen reicht das Wasser bis zum Bahndamm. 1

Wetzlar, 8. März. Der Fürstlich Solms«, Braunfelssche Bergwerksbesitz im Kreise Wetzlar wurde nach der ,Frkf. Ztg/ an die Firma« Krupp in Effen für den Preis von 4500000' Mk. verkauft. Krupp übernimmt sämtliche. Beamte und 600 Arbeiter, ebenso die Erledigung der laufenden ErzlieferungtzvertrSge. In einem Berge im hiesigen Kreise dicht bei dem Dorfe Obercleen an der naffauischen Grenze be« findet sich eine wunderschöne Tropfsteinhöhle. Eie war früher zugänglich und allgemein bekannt, geriet dann aber in Vergessenheit. Auf Grund alter Schilderungen hat man neuerdings For» schungen angestellt und den senkrechten Eingang in die Höhle auf dem Gipfel deS Berges ent» deckt. Indessen kann man dort nicht mehr ein» dringen, weil da» Gestein nachgestürzt ist und den Zugang versperrt hat. Es find Bestrebungen im Gange, um einen bequemen Zugang zu dem Innern de» BergeS herzustellen.

Bad»Nauhei«, 9. März. Dieser Tage hielt der KreiSziegenzuchtverein unter Leitung de« DireftorS Dr. von Peter eine Versammlung ab. Gegenstand der Verhandlung war das Pro­jekt, eine Ziegenweide für die Ziegenzüchter deS Kreise» zu schaffen.

Darmstadt, 9. März. Der von den der« einigten Liberalen (mit Ausschluß der National» liberalen) aufgestellte Reichtztagtzkandidat, der nationalsoziale Pfarrer Korell, trat in seiner Wahlrede für die Trennung der Kirche vom Staat ein.

Mainz, 8. März. Der Vorstand deS ka» 1 tholischen LehrervereinS im Großherzogtum Heffen richtete an die Zweite Kammer der Stände eine Eingabe mit der Bitte um Er­höhung der Besoldungen der Lehrer und Leh« rettnnen. Die Eingabe verweist auf die ein« getretene Preissteigerung aller LebenSmittel und Gebrauchsartikel. Der Wirt Wilhelm Liehr und deffen Frau in WormS hatten ihren Güsten, besonders Soldaten, Pferdefleisch statt Ochsen­fleisch vorgesetzt. Das Schöffengericht in WormS sah in dem Vorgehen der WirtSleute keinen Betrug und sprach beide frei. Die Strafkammer hob jedoch das Urteil auf und verurteilte die Beiden wegen Betrugs zu je 30 Mk. Geldstrafe und in die Kosten beider Instanzen.

Bocholt, 9. März. Am 1. März starb hier der Kreitzrat a. D. Friedrich Reicher?, da­letzte noch lebende Mitglied der preußifck>en Nationalversammlung von 1848. Der Ver­storbene war im Jahre 1818 gefroren und hatte mithin im Jahre 1848 kaum das wahl­fähige Alter erreicht, als er vom Wahlkreis AhauS-Steinfurt in die Versammlung gewählt wurde. Später war er, und zwar bis zum Jahre 1868, Abgeordneter für den Wahlkreis Borken-Recklinghausen. An der Gründung der »katholischen Fraktion", im Anfang der 50 er Jahre, die sich in den 70 et Jahren zur Zen­trumspartei entwickelt war er hervorragend be» teiltet

Hochschulnachrichten.

® 6ttingen: Cie akademischen Behörden ge­nehmigten den Ausschuß deS 6tubententierbanbe8, der sämtliche nichtkonsessionellen Korporationen sowie Nichtinkorporierte, welche die Grundsätze be8 Der» dandeS deutscher Hochschulen anerkennen, umsaht

Kurz noch Pfingsten wirb ber C. C._ lChar- gierten-Convent), Verband beutscher Sänger­schaften sein alle drei Jahre toiebertehrenbeS Bunbessest in Weimar abhalten. Der C. C., d»m sämtliche larbentragenben Sängerschaften an bett beutschen Universitäten unb Technischen Hock schulen - angehören, wirb in einer Stärke von ungefähr 600 Stubenten in Weimar zusammenkommen. Der Mittel­punkt be8 großen Festes wirb bas am zweiten Tage im Großherzoglichen Hostheater stattfinbende Konzert bilden.

Vermischtes,

Berlin, 9. März. Aus dem sozialdemo­kratischen Wahlverein deS 2. Wahlkreises aus­geschloffen wurde der Schriftsteller Georg Bern­hard, der Herausgeber deS »PlutuS*. (Bern­hard hatte verschiedeneketzerische"' Ideen aus­gesprochen, u. a. auch, daß der Bund der Landwitte als Oraanisation zur Vertretung der bäuerlichen Jntereffen dieselbe Existenzberech­tigung habe als jede Arbeiterorganisation oder Gewerkschaft).

Friedrichroda, 9. März. Ein Selbst­mordversuch mit tragischem AuSgang hat sich kürzlich hier abgespielt. Der Vater deS be» kannten früheren Leutnants Bilse versuchte sich zu ertränken. Ein Lehrer und ein jüngerer, früher in Mainz angcstellter Kaufmann Röttger sprangen ihm nach und holten den Mann auS dem Waffer, der aber am andern Tag trotzdem starb. Röttger, der früher lungenleidend war, erlitt infolge deS kalten BadeS einen Rück lall, der den Tod deS jungen Mannes zur Folge hatte. Auch der Lehrer liegt an den Folgen seines Rettungsversuchs noch krank darnieder.

Bern, 9. März. Aussehen erregt in medi­zinischen Kreisen die Mitteilung betr. Heilung deS Krebses, die Dr. Odier auS Genf der Akademie der Wissenschaften in Paris machte. DaS Heilmittel ist kein Serum, sondern ein organisches Gärungsmittel, daS die schädlichen Stoffe auflöst.

Tie Jagd nach dem Golde. AuS Newyorl wird berichtet: .Eine wilde Jagd hat zu dem neu«