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Vierteljährlicher Bezugspreise der der ExpÄtion 2 Mk, btt allen Postämtern 2,25 W. <ejcl. Bestellgeld).

Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Psg.

Varl^MentarüÄsS.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 9. März.

Der Reichstag führte am Freitag zunächst die allgemeine Besprechung des Etats der Reichspost. Verwaltung zu Ende. Abg. Rogalla v. Biebe» stein (kons.) begrüßte die seit dem Vorjahre ht Angriff genommene Förderung des Fernfprech. wesens auf dem Platten Lande und befürwortete eine Vereinfachung und Verbilligung des Ge­bührenwesens. Abg. Patzig (nl.) forderte eine organische Reform des Wohnungsgeldzuschusses, Abg. Werner (Deutsche Reformp.) trat für eine Besserung der Anstellungs- und Dienstaltersver» hältnisse der Militäranwärter, sowie für Besser« stellung der Postillone ein. Abg. Blell (fr. Vp.) legte für die Wunsche der Ansichtskartensammter eine Lanze ein, G-h. Ober-Regierungsrat Reu« mann entwickelte finanzielle Bedenken gegen di« vorliegenden Resolutionen: schon die verlangt« Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses der Un­terbeamten mache 5% Millionen aus. Abg. Dr. Marcour (Zentr.) erbat die Mitarbeitung der Poswerwaltnng im Kampfe gegen den Schmutz in Wort und Bild und wünschte Portofreiheit für Packete an die im Felde stehenden Soldaten. Staatssekretär Krätke stellte Ermäßigung diese! Portos in Aussicht. Das Vorgehen gegen unsitt­liche Schriften stoße bei der Schnelligkeit bei Postbetriebes auf Schwierigkeiten. Abg. Dr. Spahn (3entr.) verwies auf ben großen Prozent« satz der unverheirateten höheren Postbeamten. Scherzend erwiderte Exzellenz Krätke, man möge diese Zahl nicht dem unverheirateten Staatssekv» tär zur Last legen. Nach weiteren Reden der Abgg. Krösell (Deutsche Nefp.), Beck-Heidelberg (nl.), Dasbach (Zentr.), Merten (fr. Vp.), Dr. Becker (nl.) und Zubeil (Soz.) schloß die Be­sprechung und dem Staatssekretär konnte sein @e- halt endlich bewilligt werden. Die Resolution Kopsch (fr. Vp.) auf Anrechnung der Militär- lnenstzeit der Unterbeamten auf das Besoldung.** dienstalter wurde zur Berücksichtigung überwie­sen. Die Resolution auf erhöhte Anrechnung de! Nachtdienstes zur Erwägung. Mst der Forderung auf Vorlegung einer Denkschrift über die Wir­kung des DienstalterSstufensystems erklärte sich das Haus einverstanden. Angenommen wurde Wester die konservaftve Resolution auf Erhöhung der Gehälter der höheren Postbeamten, und dir Resolution der Nationalliberalen auf eine Re­form des gesamten Besoldungswesens. Der Rest des Postetats wurde nach längerer Erörterung bewilligt.

Sonnabend 1 Uhr: Fortsetzung iter Etats­beratungen.

Katze, rere, csteu, (1236

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

4« Berlin, 9. März.

Am Miniftertisch (Kommissare.

Die zweite Lesung des Eisenbahnetats wird am Freitag bei den Einnahmen fortgesetzt.

Die Kommission beantragte, über die Petition der Handelskammer zu Neuß um Wiederherah* setzung der Personentarife für die Strecke Neuß. Düsseldorf zur Tagesordnung überzuaehen. Hin­gegen beantragten die Abgg. Marx (Zentr.) und Gen. die Petition der Regierung zur Berücksich­tigung zu überweisen.

Nach kurzer Erörterung wurde gemäß bem Kommissionsan trage beschlossen.

Nach Bewilligung der noch ausstehenden Ein- nahmetstÄ trug eine große Reihe von Redner« Wünsche auf anderweitige Regelung von Zug- verbindungen vor.

Diese Besprechung der Zugverbindungen fußte fast die ganze Sitzung aus.

Am Schlusie erklärte Unterstaatssekretär Stie­ger, alle Wünsche würden sorgfältig geprüft wer* den. Einige von ihnen seien bereits im neue» Sommerfahrplane berücksichtigt.

Die Weiterberatung wurLe auf Sonnabend 11 Uhr vertagt. ... -

Deutsche? Reich.

Berlin, 10. März.

Se. Majestät der Kaiser hörte gestern im Kgl. Schloß den Vortrag des Staatsministers Delbrück. Ein Besuch des Kaisers in Nor-

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck unb Vertag' Joh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Nation und Nationalität.

Das Wort Nation ist heute zum Gemeingut der Völker, zum Schlagtvort der politischen Par- .teren geworden. Es schwebt fast alltäglich auf unseren Lippen, und trotzdem dürste es schwer fallen, eine kurze, deutliche und vor allem objektiv richtige Definstion des Wortes zu geben. Sind doch zwei unserer größten Geister des vorigen Jahrhunderts ganz verschiedener Auffassung über das Wesen einer Nation gewesen. Denn zu der- selben Zeit, wo Schiller in einem Distichon sang: Zur Nation Euch zu bllden, Ihr Deutsche, hofft Ihr vergebens!" hält der große Phstosoph Fichte -unter dem Trommelgerassel der französischen Sol. baten in Berlin seine flammenden Reden an die deutsche Nation".

Die Nasse bildet das Hauptkennzeichen der Nation" behauptet die anthropologische Geschichts­schreibung, wie sie neuerdings von de Laponge, Wilser, Penke, Friedrich Lange und Hasse ver­arbeitet und schon vor 50 Jahren von dem fran­zösischen Normannen (Babineau entwickelt wurde. Die Bedeutung der Rasse im Völkerleben hat neuerdings auch Woltmann in seinem hochinteres- sauten Buch über die Germanen und die Renais­sance in Italien zu beleuchten versucht.

Gegenüber dieser Richtung hat der bekannte Geograph Alfred Kirchhoff feit Jahren eine anthropogeographische Auffassung über den BegriffNation herausgearbestet. Er vertritt die Ansicht, daß nicht gleiche Abstammung, oder gemeinsame Sprache, Religion und die gleichen geschichtlichen Wandlungen für sich allein eine Nation bilden, sondern daß dazu vor allem ein einheitlicher Landraum gehört, welcher seine Bewohner zu einer Einheit wirtschaftlicher Interessen zwingt. In einer jüngst erschienenen BroschüreZur Verständigung über die Begriffe Nation und Nationa. lität" (Halle, Waisenhausbuchhandlung 1906, 64 S., Preis 1 Mk.) hat der verdiente Gelehrte e::tdtt zusaminenfassenden lieberblicf seiner seit Jahren vertretenen Anschauungen gegeben. Nicht nur für den Historiker und Geographen, sondern in demselben Maße für den Politiker (Polen­frage !) sind die Ausführungen in höchstem Maße lesenswert.

Im ersten Kapitel Abstammung und Sprache, handelt der Verfasser über die Herkunft des Wortes Nation und den interessanten Bedeutungswandel tat Laufe der Jahrhunderte, bis er sich nach und nach ßur Bezeichnung für den Zusammenschluß des Volks-

Mausoleum in Charlottenburg. Von dem sehr zahlreich erschienenen, an der Mausoleums-Allee Spalier bildenden Publikum ehrfurchtsvoll be­grüßt, begaben sich die Herrschaften zur Gruft, wo sie einen großen Kranz aus Lorbeer, weißem Flieder unb weißen Rosen niederlegten und einige Zeit im stillen Gebet verweilten. Bald nach ihrer Abfahrt legte im Auftrage des krön- prinzlichen Ehepaares Major v. Oppen einen Kranz mit Schleife nieder. Auf der Rückfahrt vom Mausoleum stattet« das Kaiserpaar ht der Kunstakademie in der Harbenbergitraße den Ate- liers der Professoren Alb Hertel und Meyerheim sowie zweier Schüler der beiden Meister Be­suche ab.

Das Hofmarschallamt des Prinzen Eitel Friedrich veröffentlicht folgende Dank­sagung:

Viele freuttblidie Wünsche aus allen Krei­sen der enteren und weiteren Heimat sind uns zu, unserer Vermählung gewidmet worden. Wir hegen den Wunsch, unteren herzlichen Dank und unsere aufrichttge Freude für diese treue, liebevolle Teilnahme hiermit kundzu-

Die Konferenz in Algeciras.

Wie aus London gemeldet wird, ist im gro­ßen und ganzen die brisische Auffassung hinsicht­lich der neuesten Wendung der Dinge in Stige- ciras optimistischer Art. Man hält vielfach einen guten Ausgang der Konferenz auf Grund beider­seitigen Entgegenkommens in der Bank- und der Polizeifrage, in letzterer Hinsicht auf Grund des österreichischen Vorschlages, so gut wie gesichert, und beeilt sich, wie derKöln. Ztg." aus London berichtet wird, dafür England mindestens den ge­bührenden Anteil des Verdienstes gntzufchreiben. Der Pariser Berichterstatter derTimes" will wissen, unser ®aifer wünsche neuerdings drin­gend, daß ein Vergleich zustande komme, einmal, weil er sich nachgerade überzeugt habe, er sei früher hinsichtlich der bei der Konferenz zu er­wartenden Haltung der übrigen Mächte Deutsch­land gegenüber falsch berichtet worden und gehe deshalb auf dem einaeschlagenen Wege einem Mißerfolg entgegen, bann aber auch habe das neuerliche freundliche Schreiben eines erlauchten Verwandten wenigstens ebensoviel Wirkung in derselben Richtung getan. Daily Telegraph" undStandard" betrachten den Gegenstand als nahezu erledigt und sprechen dem heutigen briti. scheu Kabinett ihre Anerkennung aus, well es sich in dieser Angelegenheit nnvcrbrückli an die Politik seiner Vorgänger gehalten und dabei er­freuliche Ergebnisse erzielt habe.

Algeciras, 9. März. Die Bankfrage erscheint bis auf einen noch offen stehenden Punkt gelöst. Dieser, nämlich der Kapitalanteil der Franzosen, bleibt Gegenstand der Meinungsverschiedenheit. Die vom Graien Tattenbach vorgeschlagene Lö­sung der Auflichtsfrage durch Ernennung je eines Zenfors seitens der deutschen, der französischen, der englischen und der spanischen Regierung fand keine ungünstige Aufnahine. Für die Polizei­frage bietet der österreichische Vermittlungsvor- schlag eine Basis, auf der beide Teile sich unter voller Wahrung ihrer Interessen einigen könnten.

Wien, 10. März. DiePol. Korr." erfährt, Rußland habe am 2. März an Deutschland und Frankreich ziemlich analoge Noten im Interesse der Ausgleichung der Gegensätze gerichtet. Un- richttg sei, daß es Frankreich, falls es ihm kein Anlehen bewillige, mit einer Annäherung an Deutschland drobte.

Paris, 9. März. DasJournal" meldet aus Algeciras: Der Eindruck, welchen die Delegier­ten aus der gestrigen Sitzung mitgenommen ha­ben, ist ein weit besserer als der aus den frühe­ren Si'-'-m-n: eine Verständigung scheint immer wahrscheinlicher.

wegen ist, wie verlautet, für diesen Sommer wie- der in Aussicht genommen. Der Kaiser und die Kaiserin bestickte gestern Vormittag aus An­laß des Todestages Kaiser Wilhelms I.

Marburg

Sonntag. 11. MSrz 1906.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntaasblatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 10. März. In Sachen des Reich«. kolonialamteS, daS bekanntlich vom Zentrum in seiner letzten Fraktionssitzung abgelehnt wurde, finden, wie eine parlamentarische Korrespondenz hört, jetzt Unterhandlungen zwischen dem Reich?» kanzler und Zentrumsführern statt. Wenn die Regierung den Herren daSgebührende" Entgegenkommen zeigt, so wird das ReichSkolo» nialamt vielleicht dort zu Stande kommen.

Madrid, 10. März. Ministerpräsident Moret erklärte hiesigen Journalisten mit Ent- schiedenhett das Gerücht über ein englisch- spanisches Bündnis für unbegründet.

Manila, 9. März. In der Nähe der Bucht von Tolon hat ein Gefecht zwischen Aufständischen und amerikanischen Truppen stattgefunden. Die Aufständischen haben 600 Mann verloren, während die Verluste sich bei den amerikanischen Truppen auf 15 Mann tot, 1 Offizier und 3 Mann verwundet belaufen. Bei einer gleich­falls am Gefecht beteiligten Marineabteilung wurden 32 Mann verwundet. Von den Polizei­truppen für die Philippinen find 3 Mann ge­tötet unb 14 verwundet worden.

Paris, 10. März. Die Fraktion der ra­dikalen Linken, deren Führer Sarrien ist, sprach dem Präsidenten Fallieres ihre Zuversicht aus daß die neu zu bildende Regierung sich aus schließlich auf die Parteien der Linken stützen und die Separations-Vorlage ohne Einschrän­kung und ohne Aufschub ausführen werde. Die radlkalsozialistische Fraktion nahm eine Tages­ordnung an, welche ebenfalls daS Vertrauen ausspricht, daß der Präsident eine auf die Parteien des republikanifchen Blocks gestützte Negierung ernennen werde.

Tientsin, 9. März. Die Pekinger Re­gierung beschloß die Errichtung einer großen chinesischen Marine. Der russische Gesandte erklärte, wegen der unficheren Lage würden die gegenwärtig noch in der Mandschurei stehenden Truppen nicht zurückge­zogen werden. -

ganzen zu einem festen Staatsverbande einbürgert. Dann weist er im einzelnen nach, daß es reinblütige Nationen nirgends gibt, daß Nationen vielmehr in der Regel aus der Verschmelzung zahlreicher, gar nicht imer verwandter Völker hervorgehen, wobei er auf die antiken wie modernen Nationen exemplifiziert, u. a. auf Italien. Griechenland, Nordamerika, Rußland, Schweiz, Belgien, Portugal, Spanien, Niederland usw. Daran schließen sich Erörterungen über die Sprache als eines der unschätzbaren Organe natio­nalen Lebens, und über den Sprachentausch bezw. Sprachenverlust.

Im zweiten Abschnitt, Staat unb Nation, wird dargelegt, daß das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der zu opferwilligen Taten treibendeWille, diese gegen jeden Feind zu schützen, zu nationaler Vereini­gung treibt, Nationen schafft. Eindringlich wird das an dem typischer Beispiele des schweizerischen National­staates mit seinem Völkergemisch nachgewiesen, der vor allem durch den Willen, eins zu fein, und dann durch den Antrieb zu wechselseitigem Handelsverkehr ins Dasein gerufen wurde; ferner wird Belgien her­angezogen, das ethnisch mit Nordfrankreich und Süd­niederland zusammenhängt, und auf die nach mensch­lichem Ermeßen in absehbarer Zeit sich zur selbstän­digen Nation auswachsendenVereinigten Staaten von Nordamerika" verwiesen und das allmähliche Ausreisen von Nationen in Südamerika, wo Argen- tinien und Chile treffliche Beispiele liefern.

Andauernder Staatsverband so wird resümiert verkittet selbst unverwandte Völker, falls sie nicht gehässige Zwietracht auseinandertreibt, führt häufig zu Blut- und Sprachgemeinschaft, verbrüdert durch ge­meinschaftliche Schicksale, verfestigt die Nation durch die Liebe zum Vaterlande, besten Boden inFlur und Siedelung, in Straßen und Schutzwehren, in Denk­mälern und Gräbern MId wie Gedächtnis der ganzen Nation enthüllen, auch solcher (meist randständigeri Teile derselben, die dem großen Ganzen noch minder fest angegliedert sind (S. 44.)

Ursprüngliche Blutsverwandtschaft bildet keine Na­tion, ebensowenig die Religion,-die wohl fördernd auf die nationale Staatenbildung einwirken können. Mehr für den Ausbau nationaler Staaten kommen geogra­phische Züge zur Geltung. Statsgebiet (Raum) und Nation (Bewohner) gehören unlösbar zusamen. Die Landcsnatur verähnlicht die verschiedenartigsten Bewohner mehr und mehr, während umgekehrt auch die Nation auf ihren Wohnraum für den Staatszweck auslesend und abgrenzend aktiv einwirkt. Stärker noch als diese Elemente hält das Allgemeingefühl (Nationalgefühl, esppit general) alle zusammen. Eine weitere Folgerung ist die, daß jede Nation, die den notwendigen Landraum und die ihn schützenden Gren­zen sucht, bei dem Ausbau des Nationalstates nicht immer bei den Sprachgrenzen der Nachbarmacht Halt machen kann. Daher denn auch die Nationalstaaten Eu­ropas weit mehr der natürlichen Gliederung dieses Erdteiles enflprechen als der Verteilung seiner Völ­ker, seiner Sprachen.

Eine lebensfähige Nation pflegt sich normaler Weise zum nationalen Staate zu entwieln, was den Höhepunkt ihrer Krastenflaltung bedeutet. Erst der Nationalstaat mit seinen Machtmitteln bietet die Ge­währ für seine Fortdauer. Daher wird im dritten Teile von den Staatsnationen und kulturellen Na- Honen gehandelt. Unter den letzteren versteht hier der Verfasser eine Nation, deren Verband, außer in einem gewißen Grad von Blutsverwandflchaft nur im Gemeinbesitz einer eigenartigen Kultur beruht, der also die staatliche Verkörperung fehlt. Damit soll aber nur klar ausgesprochen sein, daß eine solche Nation oder deren Bruchteil sich in einem bestimmten Stadium des Auswuchses zur staatlichen Einheit oder auch in dem weiteren der Entnationalisierung befindet wie das deutlich wird an dem Beispiele der Neu­griechen, Juden, Armenier, Polen.

Der letzte Abschnitt ist dem Komplexbegriff Ratio« nationalität gewidmet, worunter vornehmlich nicht- politische Einheitsmerkmale einbegriffen werden, über­einstimmende Züge int Aeußeren, wie im Charakter, in Sitten und Brauchen, überhaupt der Kultur, meist einschließlich der Sprache. Station ist ein absoluter, Nationalität (im Sinne von Volksgruppe) ein rela­tiver Begriff. Di" Nation ist der führend« herrschende B~aftor, die Nationalitäten sind nur die Trabanten, n dem Worte Nationalität, das erst beim Beginn des 19. Jahrhunderts auftaucht, liegt von jeher der Hinweis auf eine Aussonderung.

Gerade der letzte, kurze Abschnitt ist von aktuellster Bedeutung. In den heißen Gegenwartskämpfen ist das Erfassen und Festhalten des Begriffes Nationalität, wie er vorstehend definiert wurde, zur unzweideutigen Verständigung von entscheidender Wichtigkeit. Bei dem Vergleich, den der Verfasser zwischen Frankreich, dem schon ausgereisten Nationalstaate, und bem eben erst geborenen nationalen deuffchen Einheitsstaate zieht, der noch nach bem Ziele strebt, das jener schon lange erreicht hat, beurteilt er das westliche Nachbarland sehr günstig:Glückliches Frankreich! Ohne Zerrissenheit durch das religiöse Bekenntnis (um so groß. Zerrissen­heit aber durch den Kamps gegen dasselbe), ohne fremd­sprachige Beisassen, abgesehen von den unschädlichen Bretonen in der Westhälfte der Bretagne, den Basken an den Pyrenäen, einigen Italienern in den Alpen! Wie bleischwer hängt uns in Deutschland dagegen die Zwiespältigkeit um des Glaubens willen am Fuß, der rüstig Vorwärtsschreiten möchte im Ausbau des jugend­lichen Reiches, in Förderung der Wohlfahrt seines Volkes! Und dazu die Ouerireibereien in den Grenz- lanben mit nicht rein deutscher Bevölkerung, vor allem in den polnischen!" Jedesmal ja, wenn die Polen­frage im Preußischen Landtage aufgerollt wird, führt das zu bem heftigsten Wortgefecht. . Tas wird nicht ewig dauern.

Es sind nationale Interferenzerscheinungen. Es durchkreuzt sich in unferen Ostmarken nicht bloß deutsches mit polnischem Volk, nein, dem Polen wird gewissermaßen zugemutet, zwei Nationen gleichzeitig cmzugebören, was so unmöglich dünkt wie zwei Seelen in der Brust zu bergen. Von Geblüt ist der preußische Pole, falls er nicht einer gemischten Ehe entstammt, Slawe, unb nur ein Herzloser wird ihm Begeisterung Er bie polnischen Ideale verargen. Seinem Vater- nde nach aber tft er Preuße, also Deutscher. Mit

geben. Jagdschloß Hubertusstock, März 1906, Eitel Friedrich, Prinz von Preußen. Prinzes­sin Ettel Friedrich Vogt Preußen, Herzogin von Oldenburg.

Ein Fond» zur Unterstützung von Opfern des sozialdemokrati­schen Terrorismus soll von den Kriege» vereinen geschaffen werden; er soll in erster Linie Kameraden zugute kommen, die infolge ihrer pa­triotischen oder religiösen Gesinnung von Sozial- demokraten aus der Arbett gedrängt und beschäs- tigungslos geworden sind. Der Groß-Lichten­felder KriegervereinHauptkadettenanstatt" wird als erster in seiner am 31. d. M. stattfindenden Hauptversammlung zu diesem Vorschläge Stel­lung nehmen. Es wäre sehr zu wünschen, daß dieser Plan in irgend einer Form zur Ausfüh­rung kommt. Die terroristische Macht der So- zialdemokratte kann nicht energisch genug, be­kämpft werden, wenn man chr nicht allekleinen Leute" schließlich zum Opfer fallen lasten will.

Gut unb Blut diesem seinem Vaterlanbe zu bienen, gebietet ihm bie Staatspflicht. Einen Staat im Staat darf bas Deutsche Reich nicht aufwachsen lassen, am wenigsten an seiner meistgefährbeien Ostgrenze. Eine Staatsnation wie die Deutschlands hat nicht bloß ihren Wohnsitz in ihrem Siaatgebiet, Deutschland ist vielmehr ihr lebendiger Leib. Kein Glied dieses Leibes darf in Säftestockung verfallen, soll die Seele frisch qnb gesund sich bewähren. Nicht das gleiche Blut so rufts uns von der Schweiz wie von Nordamerika herüber sichert Staaten und Nationen ihr Dasein, wohl aber der eiserne Wille, allzeit die Brüderlich­keit zu wahren!

Das sind beherzigenswerte, mahnende Worte. Aus ihnen spricht der ernste Warner, dem die Erör­terungen über bas Wesen der Nation etwas mehr als bloß theoretische Streiffrage ist.

Sch.-Marburg.