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Sonntagsbeilage: Illustrrrtes Sonntagsbratt.

M 58

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt ver ExpLition 2 MH, bei allm Postämlem 2,25 Mk. <cicL Bestellgeld).

Jnsertionsgcbühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 10. März 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UnivrrsitätS-Buchdruckerei 41. JNÜrg» Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Die freie kirchlich-soziale Konferenz.

In der letzten Woche des April wird in Cassel die 11. Hauptversammlung der freien kirchlich - sozialen Konferenz tagen. Da wird es ohne Zweifel manchem willkommen sein, etwas Näheres über die Entstehung dieser Konferenz zu erfahren. Der Ort ihrer diesjähri­gen Tagung ist auch die Stätte ihrer Geburt; ihr Ge­burtstag der 28. April 1897. Damals hatten sich unter dem Vorsitz des Grafen Solms-Laubach eine große Anzahl evangelischer Männer zusammengefun­den, um gemeinsam zu beraten über so manche Frage, die das Herz eines Volks- und Vaterlandsfreuirdes tief bewegte. Man sagte sich, daß die Kirche der Re­formation nahezu aufgehört hatte, eine Lebensmacht im Volksleben zu sein und daß trotz der segensreichen Arbeit der Inneren Mission immer weitere Kreise von der Kirche sich abwandten. Und nun galt es, darüber nachzusinnen, wie man dem teuren Evangelium wieder den Weg zu den Herzen bahnen und die entfremdeten Gemeindeglieder wieder zurückgewinncn könne. Dian sah auch, wie bei den Reichstagswahlen die sozial­demokratischen Stimmen sich stetig mehrten, wie Un­zufriedenheit und Klgssenhaß wuchsen, wie die Ver­wilderung der Jugend gar böse Fruchte zeitigte. Und nun fragte man sich, wie können wir de» finstern Geistern des Umsturzes wehrert? Man erkannte schließlich, daß der Ausbau der sozialen Gesetzgebung noch keineswegs abgeschlossen und daß ein Zusammen­schluß der christlichen Arbeiterschaft unbedingt notwen­dig sei und man suchte Mittel und Wege, um eine gesunde Sozialpolitik zu fördern und für allerhand Nöte und Mißstände Abhilfe zu schaffen.

Der greife Pfarrer Dammann eröffnete die Kon­ferenz mit einer geistcsmächtigen und die Gewissen schärfenden Predigt. Ihr seid das Salz der Erde, so mahnte er. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Ihr seid daS Licht der Welt. Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel greifen. Ja wer da weiß Gutes zu tun und tut es nicht, dem ist es Sünde. In der ncwhfolgenden Haupt­versammlung wurden dann aus sachkundigem Munde eine Reihe belehrender und zu freudiger, fleißiger Mitarbeit anregender Vorträge gehalten. Und der unermüdliche Vorkämpfer der guten Sache, Herr Hof- vrediger a. D. Adolf Stöcker, ruhte nicht, bis an dem­selben Abend noch mehrere Arbeitskommissionen sich gebildet hatten, die das angefangene Werk weiter führen und im Sinne der Konferenz tatkräftig wirken sollten.

Ms in die späte Nacht hinein saß an jenem denk­würdigen Abend noch eine kleine Schar von Männern im eifrigen Gedankenaustaufch beifammen. Ihre Stimmung war hoffnungsfroh und ihre Erwartungen haben sich erfüllt. Langsam zwar, aber ununter­brochen ist die Zahl der Konferenzmitglieder im Laufe der Jahre gewachsen. Heute beträgt sie schon über 8000. Und die bevorstehende Tagung in unserer Re­sidenz wird ihr gewiß neue Scharen zuführen.

Seit dem 3. Februar 1904 besteht auch eine kur- hessiche Gruppe der freien kirchlich-sozialen Konferenz. Für diese Gründung waren damals die Zeitverhältnisse besonders günstig. Denn einmal hatten die Behörden ihr Interesse der Sache zugewandt und imgefaugen, die kirchlich - sozialen Bestrebungen zu unterstützen, zum anderen aber waren auch manchem im Volke die Augen aufgegangen für die zerstörende Uuterwühlungsarbeit der Sozialdemokratie. Beson­ders ermutigend hatte der Verlauf des ersten christ­lichen Arbeiterkongreffes zu Frankfurt a. M. gewirkt. Die erfreuliche Tatsache, daß noch über 600 000 Ar­beiter in Deutschland fest auf dem Boden des Christen­tums stehen, hatte doch auf weite Kreise einen mäch­tigen Eindruck gemacht.

Dem verdienstvollen Unterstaatssekretär a. D. Exzellenz Rothe, welcher damals sich bereitwillig an die Spitze des Zweigverbandes stellte, ist es leider nicht

Was em junger Franzose in Deutsch­land lernen kann.

Es toüröe die Bedeutung und die SüHrfimg des Artikels, den Henry Bordeaux imEclair" unter dem TitelIn Deutschland" veröffentlicht, nur beeinträchtigen, wenn man irgend welche Be- mcrkungen hinzu fügen wollte. Geben wir ihn also ohne Kommentare:

Meine Meinung über Deuffchland, das ich soeben berefft habe, will ich nicht geben. Aber vielleicht wird die eines jungen Franzosen, da sie auf festere Grundlagen sich stützt, mehr Interesse einflößen. Ich traf diesen jungen Landsmann in Köln, wo er mir bei einem Antiquar zu Hilfe kam, da er fließend deutsch sprach. Er erzählte mir, er lebe seit einem Jahre in Deuffchland, erft m Düsseldorf, dann in Hamburg, später in Köln, uni sich in der deutschen Sprache zu vervollkomm­nen und im Baukfache auszubilden. Auf meine Frage, ob er sich seinen Aufenthalt in Deutsch, land zu nutze gemacht, erwiderte er:Mchr als Sie denken."

Wie vefftehen Sie das?"

Ich habe dort sehr m'itzliche Dinge gelernt, die ich nie Vergessen werde."

Ah. ja, natürlich Deuffch und Finanzen."

Außerdem aber die Arbeit, den Patriotismus Und . .

iNun, heraus mit der Sprache."

Ohne Furcht vor Lächerlichkeit: Die SeLst- achtnng."

Der junge Mann begann mich zu interessieren; wj fragte ihn weiter aus und er erzählte mir:

lange vergönnt gewesen, den Vorsitz zu führen. Am 27. Oktober v. I. hat ihn der H"rr über Leben und Tod nach einem arbeitsreichen Leben eingehen heißen zu der Ruhe, die noch vorhanden ist dem Volke Gottes. Sein Hinscheiden bedeutete auch für die freie kirchlich- soziale Konferenz einen empfindlichen Verlust. Allein die Sache bleibt, wenn auch die Personen wechseln und so wünschen wir der Konferenz auch unter ihrem jetzigen Vorsitzenden dem Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Heihe, ein fröhliches Gedeihen und einen gesegneten Erfolg!

Zur Dienstbotenfrage.

Daß sich die alte, sogenannte patriarchalische Form des Verhältnisses zwischen Dienstherrschaft und Dienstboten Überlebt hat, daran bleibt wohl kein Zweifel, es handelt sich jetzt darum, eine neue zu finden, die das Gefühl der Menschenwürde im Dienst­boten respektiert, aber doch an dem Satz festhält, daß für hohen Lohn eine bestimmte Leistung gut getan werden muß.

Das FamilienblattDie Gartenlaube" stellt fol­gende Hauptpunkte für ein richtiges Verhältnis zwi­schen beiden Teilen auf. Vor allein ist vollkommene Treue und Wahrhaftigkeit twtwendig. Das Wort der Hausfrau muß unbezweifelbar fein. Gelegentliche Versprechen dürfen nicht vergessen, kleine Uebervortei- lungen niemals geübt werden. Unarten der Kinder gegen die Dienstmädchen müssen jederzeit Strafe finden.

In der festbestimmten und vernünftig eingeteilten Arbeit des Tageslaufes soll die Hausfrau im Anfang eingehend unterweisen Regelmäßig mitzuarbeiten ist nicht rätlich, das Mädchen muß zur Selbständigkeit und zum strengen Beachten der Zeit, der Essensstunden ufto. erzogen werden. Nach dem Abspülen des Ge­schirrs am Abend soll ihr keine weitere Arbeit zuge­mutet werden, sie soll ihre Sachen ausbessern, einen Brief schreiben, Zeitung lesen dürfen, nach ihrem eigenen Wunsch.

Das Schlafgemach soll hell und luftig fein. Hier­über verlauten die schwersten Klagen, und mit vollem Recht. Die dunkle, luftlose Kammer darf künftig nicht mehr geduldet werden. Platz für Bett, Schrank, Waschtisch muß da sein, einen Ofen braucht es nicht, denn die Morgenarbeit der Mädchett erfordert dte einem gesunden, jungen Menschen natürliche Abhär­tung gegen niedere Temperatur. Was aber die kalte Kammer an Körperreinlichkeit beeinträchtigt, das mutz mit einem öfteren warmen Bad nachgeholt werden, wie es ja heutzutage in fast jeder Wohnung mit weni­gen Briketts oder mit Gas herzustellen ist.

Die Hausfrau muh selbst mit gutem Ton vor­anleuchten und sich nie im Zorne zu heftigen Schelt­worten hinreißen lassen. Sie bleiben selten ohne un­gehörige Erwiderung, verderben das Verhältnis und bessern nichts.

Den sehr gesteigerten Lohnansprüchen muß Rech­nung getragen werden, soweit es die Verhältnisse der Familie erlauben. Sind diese kleine, so bleibt keine andere Wahl, als ein gutmütiges, ganz einfaches Mädchen zu nehmen heranzubilden und so gut zu be­handeln, daß es Anhänglichkeit gewinnt und bleibt, nachdem es etwas gelernt hat.

Die Kost der Dienstboten ist heute in den meisten Häusern die gleich wie die der Herrschaft. Es ist eine sehr üble Sparsamkeit, ihnen den Genuß der guten Speisen, die sie selbst kochen, zu versagen, um sie mit geringen abzuspeisen. Das muß Empörung wecken. Soll gespart werden, so fange, die Hausfrau mit Ver­einfachung chres ganzen Küchenzettels an.

Richtig loben und richtig tadeln ist eine Kunst. Das erstere, wo nur guter Wille ersichtlich ist, dem ersten, wenn auch ungeschickten Versuch zum Rccht- machen gegenüber wirkt oft Wunder, es spornt den Eifer an und erhöht das Selbstgesiihl, so daß das Lob bald wirklich verdient wird.

Tägliches genaues Wiederholen derselben Verrich­tung bis sie frei und tadellos geübt wird, ist hier, wie bei jeder Schulung, das Geheimnis des Erfolges. Und hierbei fehlen die meisten Frauen. Sie haben die Geduld nicht, ein paar Monate lang täglich nach-

Jch war nach Düsseldorf gekommen, um Deuffch zu lernen und dabei war ich es, der die ganze Familie, die mich aufnahm, im Französischen unterrichtete. Ich fand das amüsanter und meine Gastgeber fanden es Praktischer. Das war mein Anfangsfehler; ich wollte mich nicht anstrengen. Deshalb nützte man mich aus, obgleich meine Eltern einen guten Pensionspreis bezahlten. Ileberdies fühlte ich bei meinen Wirtsleuten eine gewisse geringschätzige Sympathie heraus, die mich aneiferte, um sie zu zerstreuen und ihnen nützlich zu sein. Das ärgerte mich schließlich, und ich bat meine Eltern, mich anderweitig hrnzu- senden." .

In Düsseldorf haben Sie also nichts ge­lernt?"

Doch etwas, nämlich das Arbeiten. Man Haffe mich verachtet, weil ich nicht arbeitete. Freilich hat man nicht sehr in dieser Hinsicht auf mich eingewirkt, aber man hatte die für unseren Nationalstolz Peinliche Entschuldigung, wenig Vertrauen auf den Charakter eines Franzosen zu setzen. Ich war der fünfzehnte französische Stu­dent, den diese braven Leute empfingen, keiner von ihnen hatte sich als ernst erwiesen. Wir baffen alle den Eindruck der Leichtfertigkeit hinterlassen, und man macht sich gar keine , Var­stellung davon, mit welcher Verantwortlichkeit ein Deutscher dieses Wortleichfferffg" aussprechen kann., In Hamburg gab ich mir wirklich Mühe, und ich Haffe da das Vergnügen, Eifersucht ein­zuflößen. Mein Wirt, der Professor war und mir Stunden gab, war über meine Forffchritte 1 geradezu verblüfft. Er hatte einen Sohn in

zusehen, eventuell das oft Gesagte wieder in Erinne­rung zu Bringen, sie möchten nur baldihre Zeit wieder frei haben" und begnügen sich mit dem mangel­haft gedeckten Tisch, der unsauberen Schürze beim Tür- öffnen, dem zu harten Fleisch und tausend anderen Dingen, die ganz gut hätten bester gelernt werden können, sie helfen bei Extrafällen selbst mit und be­sitzen deshalb keine gut geschulten, zuverlässigen Leute.

Unbedingtes Vertrauen einer ganz Unbekannten gegenüber ist gefährlich, noch viel mehr aber unbe­dingtes Mißtrauen. Der Verschluß der größeren Vor­räte, des Weißzeugs ufto. soll eben nur als Maß­nahme der guten häuslichen Ordnung empfunden wer­den. Gelegentliche Milde gegen kleine Vergeblichkeits­und Nachlästigkeitssünden kann eher geübt werden als gegen Lüge, freche Reden und Unsittlichkeit. Da heißt es: Fort! Je eher, je besser! Ein freundliches Wort bei gemeinsamer Arbeit, eine Erkundigung nach Eltern und Familienverhältniffen, eine tätliche Fürsorge, daß ein geschenktes Kleid kostenlos zurecht gemacht wird, indem man dem Mädchen erlaubt, sich einen Nach­mittag damit zur Hausschneiderin hereinzusetzen, die es ihr anprobiert und richtet, dann auch ein, Billett zu einem Vergnügen, das alles sind'Mittel, die nicht versagen, daß sich die Dienstboten im Heim der Herr­schaft zufrieden fühlen.

Mmburss und Uiugegend.

^Nachdruck aller Criginalatitfel ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der beutTi'Ben Quellenangabe Oberhest. Zig." gestattet.)

Marburg- 9. März.

X Deiffschnakionaler Handlungsgehilfen-Ver- band. Wie aus dem Anzeigenteil effichtlich ist, findet am Sonntag, den 11. d. M. der 9. Gau- tag des Main-Weser-Gaues im DeutsLnationa- len Handlungsgehilfen-Verband hier in Marburg statt. Es war am 7. August 1898, als die hiesige Ortsgruppe in Gemeinschaft mit den benachbar­ten Ortsgruppen den vorgenannten Gau grün­dete, der im Laufe der Zeit dank der beispiels - losen Hingabe zu ernster Standesarbeit eines je- den einzelnen Verbandsmitgliedes sich stets ver- größerff und jetzt die zehnfache Mitgliederzahl aufwefft als bei der Gründung. Die Tendenzen und Prinzipien des in sozialpolitischer Bezieh­ung vorzüglich geschulten Gaues oder Verbandes haben immer mehr bei einsichtsvollen Kaufleuten Anklang gefunden und festen und dauernden Grund und Boden gefaßt. Es beweist dies vor allem die kolossale Zunahme der Mitglieder­zahl, denn der Verband zählt trotz seines erst 13jährigen Bestehens ca. 78 000 Mitglieder. Diese Zähl überragt die Mitgliederzahl der alten gegnerischen Verbände weit, trotzdem letztere be­reits 25 bezw. 50 Jahre Zeit zum Auslau ihrer Organisation hatten.

* Verein gegen den Alkoholismus. Zur Konstituierung des Vereins als Bezirksvereins des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränkc ist eine neue Verfamml rng am M- ntag den 12. d. M., abends S1/^ Uhr >m Hörsaal des Physiologischen Instituts (Deuffch- hausstraße) in Aussicht genommen, auf die schon heute an dieser Stelle hingewiesen sei. Daß der Verein mck blos Abstinente sondern auch die Vertreter nirklicher Mäßigkeit zum gernein'amrn Kampf gegen die Alkoholschäden willkommen heißt, Nnrd hcjftrstlich recht viele (Männer wie Frauen) zu tatkräftiger Mitwirkung bestimmen.

* Ans dem Stadttheater. Ganz besonders sei auf den hochinteressanten Theaterabend hinge­wiesen, den uns das Gastspiel des Herrn Mar Bayrhammer vom Frankfurter Schauspielhaus

Frankreich, der nur sehr langsam in die Geheim­nisse unserer Sprache eindrang und es ärgerte ibn, daß ich so leicht alles auffaßte. Ich muß aber bemerken, daß er stets sffeng gerecht war und rückhaltlos die glücklichen Ergebnisse meines guten Willens anerkannte. Er suchte mich durch Kollektmvergleiche zu demüffgen. Da er mir nicht das Beispiel seines ^-abnes entgegenstellen konnte, um mein Land weit hinter das seinige zu setzen, zeigte er mir Statistiken der.Geburtenziffern in den beiden Ländern und lachte hinter seinen Brillengläsern, indem er die Zäbne zeigte, als ob er mir zu verstehen geben wollte, torr würden von den Deutschen aufgegessen werden. Wenn er einen französischen Roman auf meinem Tische sah, rief er aus:Wieder eine Schweinerei!" Er gab mir die deutschen Micher zu Lberfetzen, die am schwärmerischsten ihr Land verherrlichten. Er kannte alle Tabellen unseres und des deuffchen Handels: Sie können sich denken, wie wenig schmeichelhaft diese für uns waren. Er lehrff mich fo viele Dinge, die mich schmerzten. Aber sein Pattiotismus, der brutal und unzart war, strotzte von Tatsachen und Gründen. Ich konnte ihm nicht antworten. Nur etwas tröstete mich, das war meine Ueberlegenheit bei Tisch. Ich ver. stand mich bei der Tafel gut zu Verhalten, wäh­rend er wahrscheinlich nickt Zeit gehabt hatte, es zu lernen, und er hatte vielleicht auch keine Gabe dazu.

Um eine andere Ueberlegenheit zu finden, studierte ich die Feldzüge Napoleons. Don Zeff zu Zeit ließ ich in der Unterhaltung «ne Sieges­erinnerung fallen. Da wurde ich aber aus Frankreich selbst verraten. Sein Sohn, der auch

am Montag den 12. März vermittelt. Herr Max Bayrhammer, bekanntlich der Gatte der bei uns engagierten Frau Elfriede Bayrhammer, wird mit seiner Gattin die Hauptrollen in de» beiden Werken des Abends geben, den Urbani Sansnom in Karl Wartenburgs DramaDie Schauspieler des Kaisers" und bett Smirnow in Anton Tschechows einaktiger Gro- ffskeDer Bär". Beide Werke sind für Mav- bürg Neuheiten und enthalten außerordentlich dankbare Nollen für den Gast, der an einer grö­ßeren Anzahl Bühnen bereits auf das Erfolg­reichste gerade als Sansnom und und Smirnow gastiert hat. Diese Vorstellung ist zugleich die letzte der sogenannten Gastspielabonnementsvor­stellungen.

* Der Haudwcrkslehrling von heute. Seitdem das deutsche Handwerk mit der großindustriellen und großkapitalisffschen Konkurrenz zu kämpfen hatte, ist in wohlhabenden Bürgerfamilien die Ab­neigung gewachsen, ihre Söhne ein ^anbroerf oder ähnliche Gewerbe lernen zu lassen. Selbst wohl- situirte Handwerker konnten sich oft schwer oder gar nicht dazu entschließen, einen Sohn das eigene Geschäft erlernen und später übernehmen zu las­sen, sie hatten ja ihr Schäfchen ins Trockene ge­bracht, aber der Aerger wurde doch alle Tage größer, und diese Geschäfts- und Arbeitsverdrieß­lichkeiten sollte ihren Kindern erspart olciben. So, wie eben gesagt, denken auch heute noch Viele, aber sie wissen nicht, oder haben es nickt bemerkt, daß sich im Handwerk oder der Ausbildung deS Lehrlings eine hochwichtige Neugestaltung voll­zieht, auf die wir gern Hinweisen wollen. Dena noch heute bilden Handwerker und Gewerbe eine« wichtigen Stützpfeiler für unseren gesamten Mittelstand, der erhalten bleiben muß.. Der Handwerker wandelt fick heute, daran, ist nicht mehr zu zweifeln, in einen mit theoretischen und praktischen Kenntnissen ausgestatteffn Kaufinan« um, und der Handwerkslehrling wird schon vorn­herein in diesem Sinne erzogen. Es ist nicht mehr damit abgetan, daß er eine Festigkeit in ge­wissen Handgriffen empfängt, er bekommt auch die erforderliche Kenntnis in der Beurteilung, des Rohmaterials, in der Warenkunde, im Maschinen­wesen, soweit dies für seine Branche in Betracht kommt, in der Kalkulation, Buchführung unib' Gewerbsgesetzgebung. Der gewerbliche Fortbil- dungsschulunffrricht hat einen gewaltigen, im großen Publikum nicht gebührend beachteten Auf­schwung genommen, die jungen Leute sollen, sich jetzt nicht mehr mit Lesen, Rechnen und Schreibe« Herumplagen, sondern für das Leben und nach Be­rufen unterrichtet werden. Das ist natürlich ehre ganz andere Ausbildung, die den Lehrling vo« heute weit über den von einst emporhebt, er ist von vornherein ein zielbewusster junger Mann, der bei jeder Praktischen Verrichtung sofort feine eigenen Gedanken hat, der selbst versteht, Neues zu erfinden, seinem Berufe ein Interesse beizu- legen, das zu Taten begeistert. Es kann nicht i« Abrede gestellt werden, daß einzelne Handwerks­berufe durch die moderne Technik immer mehr be­einträchtigt werden. Dazu gehört in neuester Seit u. a. auch das Schuhmachergewerbe, dem die mit allen erdenklichen Maschinen arbeitende Groß­industrie eine schwere Konkurrenz bereitet. Auf der anderen Seite geht aber auch manches Hand­werk in die Höhe, wie z. B. die Schlosserei und' verwandte Berufe. Für diese ist die Arbeit außerordentlich gewachsen und eine erstaunlich«

bei einem Professor unffrgebracht war, schrieb Briefe, in denen er die Auslassungen seines Wir­tes wiederholte. Und diese waren trosllos, den« sie enthüllten untere innere Zerrissenheit und einen aggressiven Antimilitarismus. Während bet! Marokko-Schwierigkeiten konnte ich es nicht' länger aushalten und ich ersychte meine Eltern, mich wiederum wo anders hinzuschicken. Als wir! uns trennten, drückte mir mein Professor rauh die Hand und sagte:Ich habe nur sympathisch« Gefühle für Sie und schätze Sie. Jeder hat sei« Vaterland." Ich versichere Sie, daß das wirk­lich ergreifend war. Da habe ich den Patriotis­mus gelernt. Ms zu jenem Momente hatte ich kaum daran gedockt. Er hat mir das Herz mit einem Borftenhandschuh wach gerieben. Als ich mich nach Köln begab, kam ich durch Aachen. Dort sah ich den Kaiser Wilhelm, der gerade durchkam Er zog durch die alten Straßen nach dem ehr­würdigen Dom, von seinen Kürassieren umgeben. Er gleicht ganz dem Mldnisse, das Kaulbach, (?1 von ihm gefertigt und das im Kölner Mustunt hängt: mysffsch und entschlossen. Und durch feil» Gegenwart allein teilt er seinem Volke, das ibW bewundert, Energie,, Tätigkeit und Würde mit. Jetzt suhle ich mich bei meinen Kölner Witts- keuffn völlig heimffch. Sie behandeln mich wie eines ihrer Kinder. Und ich finde dort eine ehrenhafte und würdige Heimstätte, daß ick fff nur mit Trauer im Herzen verlassen werde. Di« jungen Mädcken besonders find da zurückhaltend gebildet und reizend."

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