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Marburg

Freitag. 9. März 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck tmb Verlag- Joh. Aug. Koch, UmverjttStr-Buchdnlckerei «l.Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Neueste Telegramme.

Berlin, 7. März. Dem Herrenhaus ging ein Gesetzentwurf betr. die Zulassung einer Der« schuldungsgrenze für land- und forstwirtschaftlich genützte Grundstücke zu.

Kiel, 8. März. Anläßlich der filbernen Hochzeit hat der Kaiser dem jeweiligen Flagg­schiff der Schlachtflotte, daS jetzt »Kaiser Wil­helm II. * ist, 15,000 Mk. überwiesen mit der Bestimmung, daß die Zinsen deS Kapitals Unter­offizieren und Mannschaften de» jedesmaligen Flaggschiffes zugewendet werden sollen.

Paris, 8. März. Der Korrespondent der »Echo de Paris" in Madrid will erfahren haben, daß nach der Vermählung des Königs AlfonS do» Spanien zwischen England und Spanien ein Allianzvertrag abgeschlossen wird.

Paris, 8. März. Ministerpräsident Rouvier und die sämtlichen Minister haben infolge einer ungünstigen Abstimmung der Kammer ihre Entlastung gegeben. Prä­sident Falliöres hat die Entlastung angenommen.

Madrid, 7. März. Heute vormittag fand, in der Kapelle des Schlosses Miramar zu San 9 Sebastian der Uebertritt der Prinzessin Ena don Battenberg, der Braut deS Königs von Spanien, zum katholischen Glauben statt. Die Prinzessin schwor zunächst ihren bisherigen Glauben ab und wurde dann auf den katho­lischen Glauben vereidigt und getauft. Morgen findet die Konfirmierung und Kommunion der Prinzessin statt. (Stolz kann die kath. Kirche auf dieses neue Glied gewiß nicht sein.)

Nagasaki, 7. März. Der Generalagent der ostchinefischen Bahn für die östlichen Häfen teilt mit, die Lage der Dinge werde es gestatten, von Anfang April ab einen wöchentlichen Eil­zugverkehr zwischen Wladiwostok und Europa einzurichten, mit Anschluß an den Dampferdienst nach Nagasaki und Schanghai.

Der Kirchenstreit in Frankreich.

Paris, 7. März. Gegen den Domherrn Jouvier, der am letzten Sonntag in der Notre Dame-Kirche in einer Predigt zum Widerstand gegen die- Regierung aufgefordert hat, wurde auf Grund des Artikels 35 des Trennungs­gesetzes die Untersuchung eingeleitet. (Ter' Prediger hat laut »Frkf. Ztg." u. a. gesagt: Der passive Gehorsam sei weder eine mensch­liche noch eine christliche Tugend, denn es sei keiner Obrigkeit gestattet, den Menschen wie eine Maschine zu behandeln, und eS stehe auch keinem denkenden Wesen frei, sich allen Launen eines Gebieters zu fügen, weil das nicht mehr Gehorsam, sondern Knechtschaft wäre. ES gebe Grenzen für die Obrigkeit und eine Grenze für den Gehorsam. DaS größte Unglück der Fran­zosen im 19. und 20. Jahrhundert sei eS, Führern ohne Wert ausgeliefert worden zu fein. Dann sagte er wörtlich: »Wir gehören

75 (Nachdruck verboten.).

Die Brücke.

Roman von Willy Scharla».

(Sortierung.)

! Ich will Dich loben, Frau Hanns, dachte er will Dich loben, wie es noch keinem Sterb­lichen in den Spalten Utopiens zu teil ward. Denn Rache ist süß. Fein und zierlich und süß wie Honig. Eher etwas zu viel als zu wenig. Dos Gasicht des geliebten Gatten möchte ich seihen, ! wenn er das lesen wird. Weshalb den soviÄ Lob? Mag er denken, was er will.

i Er lachte halblaut, dann begann er:

»Vor elf Monaten erschien in unserer Zei­

tung ein Artikel von Doktor Hanna von Lingen ---

Mittags brachte der Postbote Marga einen Vries der Schlvägerin, durch welchen sie wenige Einzelheiten erfuhr. Er enthielt auch die Nach. ssrcht, sie würde am nächsten Tage nach Wilhelms- I wtrg zurückreisen. Zugleich schickte Hanns em I Exemplar des Schauspiels. 1

Als Widmung oder Hinweis aber stand von »hrer großen Schrift auf der ersten Seite: I

»Ich will von denen, die ich liebe, richtig be- I Urteilt »oerben. So bin ich. Hanns." I

Oertel hörte nur mit halbem Ohr zu, als ihm I Marga die lange Depesche desLokalanzeigers" I Dorlas. Außer von einem seit langer Zeit nicht I va gewesenen großen Erfolg wußte sie auch da- I »on zu berichten, daß das Stück noch an demsel- I Pen Abend für das Deutsche Theater erworben I worden sei. I

Dann kam die Schwester auf ihren Besuch bei I Grimmig fuhr Oertel auf.

nicht zu denen, die die erniedrigende Lehre ver­künden, daß daS Gesetz das Gesetz sei. DaS Gesetz darf nicht immer geachtet werden und eS gibt Tage, da die Empörung gegen dieses die heiligste aller Pflichten ist.")

Paris, 7. März. Die Deputierten deS Norddepartements beschlossen, den Minister­präsidenten und den Minister deS Innern wegen der Vorfälle in Boschspel zu interpellieren, wo ein Fleischbeschauer durch einen Revolverschuß getötet wurde. Dom Minister des Innern wurde folgende Darstellung deS blutigen Vor­falles gegeben: Der französische Finanzbeamte Coillet nahm in Begleitung seines Sohnes und der Gemeindebehörde daS Inventar der Kirche in Boschßpel an der französischchelgischen Grenze auf. Dieser Ort wird von einer sehr religiös gesinnten vlämischen Bevölkerung bewohnt. Trotz der um die Kirche angesammelten Menge fand keine lärmende Kundgebung statt, als plötzlich durch eine Seitentür eine angeblich aus Schmugg­lern bestehende Bande eindrang, sich auf den französischen Beamten stürzte und denselben schwer verwundete. Der Sohn deS letzteren feuerte, um seinen Vater zu retten, mehrere Revolverschüsse auf die Angreifer ab. Einer derselben, ein Fleischbeschauer, wurde ins Herz getroffen und siel tot nieder. Fünf andere, darunter ein Pfarrer, sollen verwundet sein. Der Zustand deS französischen Finanzbeamten, dem ein Fuß gebrochen wurde, ist ein ernster. Nach einer anderen Version sollen auch Gen­darmen auf die Ruhestörer geschossen haben. Die konservativen Deputierten beabsichtigen, die Regierung aufzufordern, die Inventaraufnahme überall einzustellen und daS Trennungsgesetz ab­ändern. In Belleveaux (Departement Sa­voyen) wurden bei einer Inventaraufnahme acht Gendarmen verwundet. Die gemäßigte Republique Francaise" schreibt dazu: Ist eS jetzt nicht offenkundig, daß zwischen der Formalität der Inventaraufnahme und den furchtbaren Folgen derselben ein krasses Miß­verhältnis besteht? Die konservativen Blätter führen eine sehr erregte Sprache. Der »Gaulois" meint, die Katholiken dürften sich durch nichts abschrecken lassen.

Tourcoing, 7. März. Bei der Inventar­aufnahme in einer hiesigen Kirche kam eS zu einer Schlägerei, wobei sich die kämpfenden Par­teien mit Ziegelsteinen bewarfen. Don dem zur Wiederherstellung der Ordnung erschienenen Militär erlitten fünf Mann Verletzungen.

Die Konferenz in Algeciras.

Im Gegensatz- zu den optimistischen Stimmen, die aus Berlin übermittelt werden, zeigt sich die Pariser Presse toieber lebhaft beunruhigt wegen des Ausgangs der Konferenz von Algeciras. Die Liberte" behauptet, zu der Versicherung autori­siert zu sein, daß Frankreich unter keinen Um­ständen der Uebertragung der Polizeiinspektion an einen fremden Offizier zustimmen werde. Der

Natürfich, der Mensch war dort gewesen, er nicht. Jener durfte sich mitsonnen an der Gunst des Publikums, während er hier im Schatten stand. Er war außer sich, und seine Erregung machte sich in bitteren und ungerechten Worten Luft. Er wog sie nicht mehr ab, schleuderte sie hinaus, wie sie ihm in den Mund kamen.

Die Schwester ließ ihn gewähren, versuchte gar nicht, ihn zu unterbrechen. Schweigend, wenn auch mit zornig gerunzelter Stirn, saß sie da, und sagte erst, als er geendet:

Hier ist das Stück, Hanns schickte es mir vorhin. Soll ich es Dir heute . wiesen, oder willst Du allein lesen?"

Laß mich!" rief er hart.Du bist die dritte im Bunde gegen mich, ich will nichts mehr mit Euch zu tun haben!--Weg!"

Er stieß das Buck, unwirsch zur Seite und wendete sich ab. Marga aber sagte kurz und be­stimmt:

Ihr seid doch alle gleich. Selbst wenn Ihr wißt, daß Ihr im Unrecht seid, gebt Ihr nicht nach. Euerer Manneswürde halber."

Nachgeben? Was verstehst Du darunter? Soll ich etwa kniefällig um Gnade flehen, weil sie fortgelaufen?"

Nein," sagte sie ruhig.So etwas Dir zu. zumuten, liegt mir fern, ihr erst recht, Hanns schreibt vorn in ihr Muh, sie wünschte von denen, welche sie liebte, richtig beurteilt zu werden. Von Dir am meisten, denn sie liebt Dich am meisten."

Oertel lachte höhnisch auf.

Nun, dann weiß sie ihrer Liebe dadurch euren recht passenderr Ausdruck zu verleihen, daß sie fern bleibt. Ich verlange, daß sie konnnt."

Temps" versichert ebenfalls, daß jedes neue Kompromiß, das neue Konzessionen Frankreichs voraus setze. Klettern müßte. In seinem Leit­artikel protestiert derTemps" in seiner üblichen gereizten, aber in Regierungskreisen nicht immer gebilligten Sprache gegen die internationale Rolle, die sich Deutschland zuspreche, während die meisten Mächte, soweit sie nicht offen für Frank­reich einträten, sich neutral verhielten.

Auch in Rom hält, trotz aller optimistischen Nachrichten der Korrespondent derTribuna" in Algeciras entschieden daS bevorstehende Fiasko der Konferenz aufrecht. Auf allen Seiten rüste man sich zum Leichenbegängnis.

In der heutigen (Donnerstag) Sitzung soll, wie es heißt, der Vermittlungsvorschlag auf der Grundlage einer teilweise provisorischen Lösung der Polizeifrage auftauchen.

Die amerikanischen Delegierten werden sich angeblich iveder an der Absfimnmng über die Bankfrage noch an der über die Polizeiorganisa­tion beteiligen, da sie diese Fragen nicht als wirtschaftliche, sondern als politische l<etrachten. Indessen sind sie von der Ilnionsregierung ange­wiesen, sich an der Debatte selbst zu beteiligen, um etwaige Meinungsdifferenzen zu beseitigen und ein Scheitern der Verhandlungen zu ver­hindern.

Zur Lage in Rußland.

Aus den Ostseeprovinzen.

Je mehr die Ruhe in den Ostieeprovinzen ein­kehrt, desto nrehr werden Einzelheiten über die verschiedenen Phasen der Revolution bekannt, aus denen sich ergibt, daß die Lage an manchen Orten doch eine weit gefährlichere war, als man bisher angenommen hat. Das ist unter anderem auf der im Winter vom Verkehr fast völlia abge. schlossenen Insel Oesel der Fall gewesen. Die Bewegung mar hauptsächlich im Osten der Insel, in den Kirchspielen Peude und St. Rabannes, anfgelebt und hatte sich in kurzer Zeit über einen großen Teil der Insel verbreitet. Sie hatte sich anfangs nur auf Brandstiftungen an Getreide- und Heuscheunen beschränkt, allmählich aber zo­gen die Revolutionäre ihre Kräfte zusammen und gedachten einen großen Schlag zu führen durch Niederbrennung der Stadt Arensburg der einzigen der Insel in die die Deutschen Oesels zusammengeströmt loaren. Tie Vorbereitungen waren so geschickt getroffen, daß die Tat bei völli­gem Fehlen von Militär auf Oesel unfehlbar zur Ärrsführung gekommen wäre, hätten nicht die im letzten Augenblick eintfieffewben Marinesoldttten die Revolutionäre eingeschüchtert und die Autori. töt der Staatsgeivalt wieder hergestellt. Daß es dazu kam, war einersetts das Verdienst des Land- Marschalls v. Ekesparrs, der in Petersburg per­sönlich die nötigen Vorllellungen machte, anderer, seits das Werk des wackeren Kapitäns des Damp- fersKonstanttn", Herrn Pieh, der unter un­säglichen Mühen aus Arensburg nach Riga reifte, den dort im Winterquartier liegenden Dampfer seemäßig ausrüstete und ihn mit drei Matrosen nach Arensburg führte, wo Herr von Ekesparre das Schiff beflieg und nach Memel reifte. Von dort erst konnte er über Schweden nach Peters-

»Sie hat Dein Buch gelesen, hat es nicht zur Seite gestoßen. Sie las es von Anfang bis zu Ende, und hat es von Herzen gelobt."

Und ist geblieben, wo sie mar."

Weil sie anders ist als andere Frauen. Wäre sie wie ich, sie kehrte längst zurück, nein sie märe nicht fortgegangen. Aber eine Natur wie bie ihre, eine so kluge, scharf denkende Frau, muß mit anderem Maß gemessen werden. Bei mir spricht nux bas Herz, bei ihr auch der Verstand."

Kein Rechtsanwalt könnte das besser machen als Du!" rief er immer noch im höhnischen Ton. Noch immer stand er abgewandt. Ta fühlte er, mte seine Schwester ihn zärtlich umarmte und an sich zog.

. Tn es mir zu Liebe, Hans, wenn Du es nicht rhr zu Siebe tun willst. Lies dies Stück. Ich bitte Dich, Hans, in ihrem Namen!"

Er suchte das blonde Mädchen von sich fort- zudrängen, aber Marga ließ nicht ab. Dann nahm er das Buch und ging damit in sein Zimmer.

Hier las er und las. Jetzt sprang er erregt ßuf und trat an das Fenster, dann lachte er höhnisch und stieß fast drohende Worte hervor, aber er hörte nicht auf zu lesen, vergaß alles rings um sich, so packte und fesselte ihn das, was er las.

Mit Händen und Füßen sttäubte er sich gegen den tiefen Eindruck, welchenDie Brücke" auf ihn machte. Sie und er. Zwei gleichwerte Men­schen, die sich liebten und nicht zu einem völligen Verstehen zu kommen vermochten. Sie und er.--

Sie gehen nebeneinander her wie sie beide, --- seine Frau und er. Und wie sie da- standeri, diese beiden Menschen, ganze, ehrliche, wahre Menschen, keine Schemen.

bürg fahren. Eure andere Möglichkeit, die Haupt­stadt zu erreichen, lag damals tvegen des Eiset» bahnstteiks nicht vor. Wäre es Herrn von Ekes- harre nicht möglich gewesen, den leüenben Mi­nister persönlich zu sprechen und hätte der lvacke«. Herr Piphl den DampferKonstanttn", der im Sommer den Verkehr zwischen Arensburg und Riga unterhält, nicht sicher nach Menrel geleitet, so wären die Deutschen Oesels wahrscheinttch m einer Nacht sämtlich umgebracht worden.

Verschiedene Meldungen.

Odessa, 7. März. DaS Kriegsgericht urteilte gefiern 30 Artilleristen ab, die der offenen Em­pörung und der Weigerung, während des Auf« standes die Geschütze gegen Revolutionäre zu ge< brauchen, angeklagt loaren. Von den Angeklag­ten wurden 6 zu 10- bis 20jähriger Zwangs­arbeit in Sibirien, 24 zur Abgabe an Diszi- plinarbataillone verurteilt. In dem @en« dameriearntslokal wurden wieder zwei geladene. Bomben entdeckt, die nicht explodiert waren.

Moskau, 7. März. Im südlichen Rußland sind abermals bedeutende Agrarrevolten ausge­brochen. Im Gouvernement Chersson wurde« mehrere Güter ausgeraubt und niebergebrannt, der Viehbestand teils abgeschlachtet, teils wegge­trieben. Viele Tausende Deßjätinen Gutsland wurden von Bauern aufgeb flügt. Im Kneife Suscha, Gouvernement Kursk, verprügetten Bauern die Dorfpolizisten, welche zwei polittsch verdächtige Persoiren festnehmen wollten. Her­beigeeilte Dragoner beschossen das aufrührerische Dorf mit Kanonen. Nerm Bauern wurden ge­tötet und zahlreiche verwundet Viel Vieh ist umgeFommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. März.

Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Morgen den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, hatte eine Konferenz mit dem Reichs­kanzler, hörte um 11 Uhr beit Vortrag bei Chefs des Zivilkabinetts und cmhftnn in bessern Beisein den Hofbaurat von Jbne und den Bau­rat Kawel. Um 12 Uhr wohnte der Monarch einem Vortrag des Geb. Ober-MedizinalratS Prof. Dr. Koch über die Schlafkrankheit in der Kaiser Wilhelms-Akademie bei. Zur Frübüucks- tafel waren verschiedene Einladungen ergangen, Der Kaiser begibt sich am 12. d. M. mittelst Sonderzuges nach Wilhelmshaven um der Ver­eidigung der Anfang Febr. d. I. bei der 2. Ma­trosen- beste. 2. Werst-Division eingestellten 800 Rekruten beizuwohnen.

Die neuvermählte Prinzessin Eitel F r i e d ri ch war, wie aus Hubertn - 'ächtet wird, vor kurzem infolge einer Erkältung ge­nötigt, das Zimmer zu hüten. Am Montag Nach­mittag konnte die Prinzessin an der Seite ihres Gemahls bereits wieder einen Spaziergang un­ternehmen. ]

Die gestern auch von uns wiederg^eoenen des Königs von Sachsen, die em Dres- des Sönigs von Sachsen, die ein Dies-\ dener Blatt verbreitet hatte, werden von den Leipziger Neuesten Nachrichten" bcmenticrt1 Eine Erholungsreise des Geh. Lenationsoats Frhrn. v. Salza und Licktenau nr^- '"mlst.r

Ec dachte an fein Stück, dieses Versgeklingel, und er schämte sich desselben noch mehr als schon bisher. Und hier dagegen waren zwei Voll­naturen, zwei Menschen, wie sie einander gefdjap fen, bestimmt, Vollwertes zu leisten. Sie konnten es nicht, da sie sich nicht verstanden, und sie gingen auseinander.

In beiden aber entstand die große ungestillte Sehnsucht, das Bewußtsein, sie seien sich unent­behrlich. In der Frau und dem Mann. Des aber wollte nicht nachgeben, seine Herrschernatur nicht beugen. Als ob sie das verlangte.

Sie wollte ja nicht herrschen, nur keine Unten tanin fein. Nicht unter ihm stehen wollte sie, nur neben ihm.

Sie baute eine Brücke über die Kluft, welche diese Menschen trennte, zeigte ihm, sie toän würdig, nicht nur sdine Frau, sondern auch fein« Mitarbeiterin zu sein.

Während feiner Abwesenheit, in Tagen bet Not, kam sie zurück, lenkte und leitete alles uni bewahrte bas ins Schwanken gekommene HauS vor dem Einsstrrz. Sie war auch eine Herrscher­natur, nicht geboren, ein verborgenes stilles Da­sein zu führen.

Dann ging sie wieder und wartete. Warles, bis er einsah, sie hätte Recht, teilzunehmen an allem, was ihn bewegte, an Sorgen wie an Freuden.

Marga bemerkte den inneren Kamps wohl, welchen der Bruder durchzumachen hatte. Sie ließ ihn allein mit sich abmachen, was er allein burchkämpsen mußte. Der gute Mensch in ihm würde den Sieg davontragen.

Es dauerte lange, für ihre Ungeduld fast zn lange.

^Fortsetzung folgt.). >