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Marburg

Donnerstag, 8. März 1906.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, Umverfttäts^vuchdruckttei 41. Jabra.

Dmbu» Markt 21. ÖS. , B 1

Neueste Telegramme.

Berlin, 7. März. Im Abgeordnetenhaus: haben Vertreter aller Parteien, mit Ausnahme des Freisinns, folgenden Antrag gestellt: Die StaatLregierung zu ersuchen, ordentliche Professuren für Kolonialrecht, zu­nächst an der Universität Berlin und dann an den übrigen Universitäten, zu errichten.

Berlin, 6. März. Die Budgetkom- misfion deS Reichstags nahm heute Hi» Vergrößerung deS DeplazementS her Kriegsschiffe gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und die Novelle zum Flottengesetz (Auölandkreuzer) gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Frei­sinnigen Volkspartei an, welch' letztere erklärte, für die Vermehrung der Flotte stimmen zu wollen, aber nicht ;für die gesetzliche Bindung.

Dresden, 6. März. Der König von Württemberg ist heute Vormittag zum Besuche deS Königs Friedrich August hier eingetroffen und von dem König, dem Prinzen Johann Georg sowie den Spitzen der Militär- und Zivilbe­hörden empfangen worden.

Parts, 6. März. Der König von England begab sich heute Vormittag nach Biarritz. Unter bett zur Verabschiedung am Bohnhofe Erschie­nenen befand sich auch Ministerpräsident Rouvier.

TtentfiN, 6. März. Ein in derPekinger Zeitung" veröffentlichtes kaiserliches EdiU wider­spricht den sensationellen Gerüchten über die den Fremden in China drohenden Gefahren und und betont die Fremdenfreundlichkeit und Ver­tragstreue der chinesischen Regierung. ES seien sie strengsten Weisungen an die Provinzialbe­hörden ergangen, daS Leben und Eigentum der Fremden, insbesondere der Missionen zu schützen, unter Androhung von Strafen für Nichtbefolgung dieser Befehle.

Die Konftrenz in Algeciras.

Washington, 6. März. Der deutsche Bot- fchafter Speck von Sternburg erklärte in einer einem Berichterstatter gewährten Unterredung Gegenüber den Verdrehungen und Verdächtigun­gen ber deutschen Politik, daß Deutschland keines. Wegs Krieg haben wolle. In Algeciras kämpfe es für wichtige internationale Grundsätze und es sei deshalb Gegger derjenigen französischen Pläne bezüglich der Polizeiorganisation und der Er- richtung einer Staatsbank in Marokko, deren Verwirklichung den Verlust der Gleichheit der wirtschaftlichen Rechte bedeuten und die »offene Tür" schließen würde.

Wie dex »Frkf. Ztg." aus Algeciras von gestern, 6. März, geschrieben wird, schmeichelt man sich im ersten Augenblick im gegnerischen Lager damit, im Ergebnis der vorgestrigen Sitz­ung eine Niederlage Deutschlands erblicken zu können. Schlief'iicd mußte aber jeder zugeben.

74 lNachdruck verboten.),

Die Brücke.

Roman von Willy Lcharlau.

'(Fortsetzung.)

Marga erwartete irgend ein liebes Wort, nichts, kein Wort, keine Silbe. Er wendete sich rasch ab und ging in sein Schlafzimmer, ohne wie sonst der Schwester zärtlich gute Nacht zu wünschen.

Drinnen aber setzte er sich auf den Bettrand und kam zum vollen Bewußtsein dessen, was ge- scheben war.

Erfolg. Erfolg. Sie setzte kein Wort hinzu, es war einfach ein Erfolg, der nicht einmal umstritten schien. Im ersten Anlauf gewann sie, tvas er nicht erreichen konnte. Für ihn war der Aufflieg zum Parnaß zu stell.

Weiß Gott, er wünschte ihr Erfolg, er hatte gezittert bei dem Gedanken, es könne ihr er­geben wie ibm vor Jahresfrist. Nun war der iErfolg da, und---

> Jetzt triumphierte sie.--Nein, er konnte

.sich gar nicht freuen.

Außerdem war es auch nur ein Erfolg vor bem kritiklosen Publikum eines kleinen Theaters. .Ec konnte, er wollte ihr damit noch lange keine Gleichberechtigung suerfennen Glück und pbermols Glück, weiter nichts.

Wild schlug er mit der Faust auf die Matratze.

Hierher zu ihm gehörte fit, und nickt auf das ^Heater. Hierher, hier au ihren Platz rief sie die dsilicht, aber er sie rufen? Nein und taufeno- ffrcil nein; nun erst recht nicht.

23. Kapitel.

Am nächsten Morgen fuhr Marga nach Berlin. Besorgungen boten den Vorivand für die sahrt

daß die 'offeine Parteinahme mehrerer Mächte nur die Folge einer bereits vorher feststehenden Gruppierung ist. Spanien tritt bei seiner völli­gen wirtschaftlichen Abhängigkeit von Frankreich natürlich für dieses ein und erhielt die Quittung fiir sein Wohlverhalten bereits durch das fort­währende Steigen des Pesetakurses in den letzten Wochen. England erklärte von vornherein, auf dem Boden seines Abkommens mit Frankreich stehen zu bleiben. In der schwierigsten Lage ist Rußland wegen seiner Geldverlegenhellen, die es nötigen, seinem Geldgeber Frankreich gefällig zu fein. Für Deutschland dürfte die Beschränkung der Wahl des Sultans auf französische und spa­nische Polizeiinstrukteuve nur annehmbar sein, wenn neue Garantieit für die paritätische 58er. Wendung der Polizei und die Bewahrung ihres internationalen Charakters, sei es durch Beteilig­ung einer brüten Macht, fei es durch eine neu­trale Polizeiinspekton ober durch die Kontrolle deS diplomatischen Korps, gegeben iverden, mrd wenn gleichzellig Frankreich auf seine übertrie­benen Sonderforderungen in der Bankfrage ber- zichtet. Die nunmehr eiingeleitete gleichzeitigk Verhandlung der Bank- und der Polizeifrage wird vielleicht dazu dienen, die Verständigung von Punkt zu Punkt zu erleichtern.

Zur Lage in Rußland.

Petersburg, 6. März. Heute erschien ein Manifest über die Reorganisation des ReichsratS und die Abänderung des Reichsdumagesetzes ge­mäß dem Manifest vom 30. Oktober! vorigen Jahres.

Petersburg, 6. März. Der bekannte Pope Gapon soll sich wieder hier befinden. Er präsi­dierte einer Nationalversammlung, in der es sehr lebhaft zuging, besonders als das Thema von den verschwundenen 30 000 Rubeln verhandelt wurde. Einer der Genossen, auf dem der Verdacht ruht, daß er 5000 Rubel davon erhalten hat, zog plötzlich einen Revolver hervor und erschoß sich. Gapon will ein Gerichtsverfahren gegen sich er­zwingen, wie et der ZeitungRuß" mlltellt.

Warfchau, 6. März. Der Abtellungschef der Verwaltung der Weichselbahn, Dufchofskoi, wurde nach einer bet ihm vorgenommenen Haussuchung verhaftet.

Warschau, 6. März. Der Schulinspektor von Orlow wurde durch Revolverschüsse schwer der- immbet. Der Täter wurde festgenommen.

Odessa, 6. März. Nach einer weiteren Mel­dung sind bei dem Bombenanschlag, der gestern auf dem Alexander-Prospekt gegen einen Laden verübt wurde, der Besitzer des Ladens und drei Kommis verwundet worden. Der Anarchist der- letzte den Polizeibeamten, der ihn verfolgte, wurde aber selbst verwundet und dann verhaftet.

Lodz, 6. März. Der Polizeikommissar Bach- nmn und ein Oberschutzmann wurden erschossen. Die Täter sind erükommen.

Tiflis, 6. März. Der Mörder des Generals Griaznow wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Heute wurde im Palast des Statt­halters der Kongreß von Vertretern der Arme-

Schon am Leipziger Platz kaufte sie alle Morgenblätter, deren sie habhaft werden konnte. Vielleicht war schon ein Telegramm darin über die gestrige Vorstellung inWeimar; die sensations- lüsternvn Großstädter mußten doch alle Neuig­keiten so schnell wie möglich haben.

Dann fragte sie in mehreren Buchhandlungen nach dem neuen Drama. Es war angekündigt, aber noch nicht da.

Mehrmals dachte sie während ihrer Besorgun- gen an Roden. Sie wußte selbst kaum recht, wes­halb. Es geschah wohl wegen der Eifersucht des Bruders auf ihn, welche sie so deutlich mehrmals bemerken konnte. Sie wußte, daß feine Theater, kritikvn die gefürchtetsten ganz Berlins waren und entfmut sich, gehört zu haben, daß er noch vor kurzem für wenige Stunden nach Wien fuhr, um einer Erstaufführung beizuwohnen. Sicher war er gestern abend in Weimar, und das umso eher, als am nächsten Abend die dreswöchige Nummer seines Blattes erscheinen muhte.

Weniger zweifellos schien es, daß er schon zurück wävs, faßt unwahrscheinlich, daß der Viel­beschäftigte sie annehmen würde. Schließlich konnte ihr ober mehr als eine Abweisung doch nickt zu teil werden, und daraufhin nxtgte sie es, gegen Mittag zur Redaktion der Utopien zu fah­ren. Sie konnte so vielleicht alles von einem Augenzeugen erfahren.

Das .Herz klopfte ihr gewaltig, als sie die Treppen hinaufstieg, umsomehr, als sie der Zu- stiinniung durchaus nicht sicher war.

Sie gab ihre Karte ab, mußte einige Minuten warten und wurde in das Allerheiligste geführt, ein kleines einfaches Zimmer, in welchem Horst Roden das Mädchen begrüßte.

Ich wollte sie nicht gern abweisen lassen, Fräulein Oertel," begann er,da ich weiß, wes­halb sie kommen. Wir haben ja Kombinatioiis- gabe, wir Federmenschen. Aber ich möchte Sie

vier und Tataren unter dem Vorsitz des Statt­halters eröffnet, der die Beilegung der Zusam- menstöße zwischen Ameniern und Tataren er­wägen soll. Der Kongreß besteht aus je 28 Mit- gliedern Armenier und Tataren. Der Statt­halter verhängte über den Bezirk Bortschalinsk den Kriegszustand und unterstellte ben Bezirk dem zeitweiligen Genevolgouverneur von Tiflis. In eine Brauerei drangen Räuber ein, nahmen 700 Rubel mit und verschwanden.

Deutsche- Reich.

Berlin, 7. März.

Seine Majestät derKaiser unternahm gestern in Begleitung der Kaiserin einen Spaziergang im Tiergarten. Der Kaiser besuchte darauf den Reichs­kanzler, empfing im Kgl. Schloß den Marinemaler Hans Bohrdt und hörte die Vorträge deS Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des AdmiralstabeS der Marine. Später folgte der Monarch einer Ein­ladung zur Frühstückstafel beim Generalintendanten v. Hülsen. Ferner empfing der Kaiser im königlichen Schlosse den bisherigen japanischen Gesandten Jnouhe in Audienz und nahm ein Schreiben des Kaisers von Japan entgegen, durch welches Jnouhe in der Eigen­schaft eines außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters am hiesigen Hofe beglaubigt wird. Der Audienz wohnte der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes b. Tschirschky und Bögendorff bei.

Verschiedentlich waren Gerüchte von einer aber­maligen Ehe des Königs Friedrich August von Sachsen in Umlauf, stellten sich aber stets als unbegründet heraus. Nunmehr treten solche Ge­rüchte wiederum auf. Wie dieDresd. N. Nachr." melden, soll die Reise des Geh. Legationsrates Frhrn. v. Salza und Lichtenau, die offiziell als eine Urlaubs­reise nach Italien bezeichnet wird, keinen anderen Zweck gehabt haben als den, vom Papste den nach katholischem Kirchcnrechte notwendigen Dispens für eine zweite Eheschließung des Königs einzuholen. Freiherr von Lichtenau sei tatsächlich in Rom gewesen und nunmehr zurückgekehrt.

Die Reform der Strafprozeßord- n u n g wird, wie dieNationallib. Korresp." schreibt, mit möglichster Beschleunigung von der Regierungs­instanz betrieben. Später kommt die Reform deS Strafrechts an die Reihe, für welche umfassende Vor­arbeiten vorliegcn. Die Reform der Zivilprozeß­ordnung ist schon seit Jahr und Tag im Reichsjustiz­amt vorbereitet. Mit dieser Materie werden sich die gesetzgebenden Körperschaften in absehbarer Zeit be­schäftigen. Wahrscheinlich gehen auch hier Sachver- ständigenbcratungen wie bei der Reform der Straf- Prozeßordnung einer Beschlußfassung in den geord­neten Instanzen voraus.

Ein sehr wichtiger Faktor für die Aus­breitung der sozialdemokratischen Bewegung sind die besoldeten Parteifunktio­näre und die von der Kundschaft derGenossen" abhängigen Gastwirte, 58ubifer usw. Für alle diese Leute ist die Erhaltung und Vermehrung des sozialdemokratischen Parteibestandes eine Existenzfrage. Die Stärke dieses Heeres von be­soldeten ober freiwilligen aber von der Sozial­demokratie total abhängigen Agitatoren fest- zuftellen, ist nicht leicht. Aber es liegt ein An­halt zur Veranschlagung der Zahl der bezahlten 5ßarteifunftionäre vor, seit sich vor drei bis vier Jahren ein Unterstützungsverband der Partei- und Gewerkschafts-Angestellten gebildet hat. Ms jetzt ist die Mitgliederzahl dieser Orga- bitten, Ihr Interview recht schnell abzumachen. Mir liegt noch der Reisestaub auf dem Gesicht, und ich muß schreiben, schreiben. Ein ander­mal, solange Sie es für gut halten."

Er wies mit der Hand auf einen Stuhl, blieb aber selbst am Schreibtisch stehen, um sie jederzeit daran zu erinnern, feine Zeit fei wich­tigeren Dingen Vorbehalten, als der' Unterhal­tung mit einem jungen Mädchen.

»Nicht wahr, Herr Roden Sie waren ge- ftern in Weimar?" begann Marga schüchtern.

»Ich will Ihnen gleich ungefragt alles für Sie Wichtige erzählen, mein Fräulein," sagte er mit eigentümlich müdem Ton in der S^mme.Sie sind deshalb zu mir gekommen; ich wußte es, als ich Ihre Karte las. Ihre Frau Schwägerin hat einen Erfolg errungen, einen vollen Erfolg. Der des ersten Aktes war nicht unbestritten, ich stand ihm auch nicht wohlwollend gegenüber. Mehr- mals hörte ich zischen. Aber alles, was recht ist der Erfolg ist ein wohlverdienter. Der Bei- fall wurde von Akt zu Akt lebhafter, zum Schluß mußte der Vorhang wohl ein Dutzend Mal hoch- gehen, ein für gesittete Hoftheater ganz abnormer Vorgang."

Marga sah ihn mit strahlenden Augen an.

»Wie mich das freut, Herr Roden; wie mich das freut. Sprachen Sie Hanns? Meine Schwägerin, meine ich."

Roden verfärbte sich etwas.

Nein!" sagte er.Ich ich sah, daß sie sehr befchästigt war, und zog es vor, still und un­erkannt davonzugehen."

Er machte eine Bewegung, als hätte er nun genug Rede und Antwort gestanden. Marga verstand und verließ mit herzlichem Dank das Redakttonslokal.

Roden fetzte sich wieder an feinen Schreibtisch, aber während der ersten fünf Minuten tanzten ihm die Buchstaben vor den Augen. Nickt vor

nisation bis auf rund elfhändert gestiegen; mail berechnet danach in der sozialdemokratischen Press» den Bestand dieser besoldeten Agitatoren auf über eintausend und fünfhundert. Diese Besol­dung scheint übrigens nicht sehr spärlich zu sein, sonst hätte der Unterstützüngsverband nicht inner- halb weniger Jahre ein Vermögen von Aal 160 000 Mark ansammeln können. Man sicht» durch welche Mittel die Sozialdemokmtie ih« überraschenden Erfolge erzielt: durch A g ita«?, tion, Organisation und sehr reichliche Geldmittel. >,i

VorlaMentarijÄLs.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 6. März.

Bei schwachem Besuch tritt das Haus in die erst« Lesung der Novelle zum Reichsstempelgesetz ein. , Die Vorlage will einerseits den Stempel süß Staatspapiere derabsetzen, andererseits dem Arbitrage» grschäst Erleichterungen bringen.

Reichsschohselrctär Frhr. von Stengel: DA jetzige Vorlage gründet aus die vorjährigen Kommiffions» beschlüssen. Wir hoffen, daß dieser Entwurf auch bU Arbeiter der Reick sfinanzreform günstig beeinfluss» wird. Der Entwurf hängt ja gewissermaßen mit da Reichsflnanzresorm zusammen. Da der Reichstag die Vorlage vorausfichtlich der Eteuerkommisfion zu» Beratung überweisen wird, verzichte ich heute aus eine eingehende Begründung.

Abg. 2r. Bachem (Cent.): DaS Gesetz enthält so viele Einzelheiten, daß es unmöglich ist, hier im Plenum sie zu behandeln. Ich beantrage daher Ver­weisung an die Steuerkommission.

Abg. G a m v iRp.s: Ich wäre mehr für die Ver­weisung an die Bndgetkommisfion gewesen, will ab« dem Anträge des Abg. Dr. Bachem nicht widerspreche» Bei der Aushebung des Stempels für Reichs- und Staatspapiere kommen finanzielle Momente nicht i» Betracht. Ich erhoffe von der Kommission eine Bem ständigung über die Vorlage.

Abg. Dki Müller- Sagau (fr. Vg.) bittet di» Vorlage schon im Plenum zur Erledigung zu bringen.

Abg. Rettich lkons.): Wir find mit der Be­ratung in der Kommission einverstanden und lehne» eine sachlicke Erörterung jetzt ob.

Abg. Mommsen (fr. Vgst.): Eine wirkliche Reform der Börsengesetze, wie wrr sie im Interesse unserer Stellung im internationalen Handel und im Interesse der Reichsfinanzen für nötig hatten, ist zur Zeit nicht durchführbar. Ich würde deshalb weiter­gehende Wünsche zurückstellen und mit der Vorlage einverstanden fein, wenn sie sofort hier im Plenum erledigt würde. In der Kommission werden wir alle unsere Wünsche vortragen.

Abg. Dr. P a a s ch e (nl): Wir stimmen der flöt» missionSberatung zu, obwohl wir nichts gegen eine Beratung im Plenum einzuwenden gehabt hätten. Da« jetzt vorliegende Gesetz gibt eigentlich nicht viel Stoff zur Kommisfionsberatung.

Abg. Dr. Bachem (Cent.-: Die Beratung über Einzelheiten werde hier große Schwierigkeiten bereiten. Es ist richtig, daß sich das Haus ein sachverständiger Urteil von einer Kommission erbittet Zum Kollegen Mommsen habe ich daS Vertrauen, daß er in der flommiision nicht Anträge stellen wird, die das ganz« Werk geführten.

Abg Mommsen lfrs. Va.) Ich habe nicht ge­fordert, daß nur Sachverständige über daS Gesetz urteilen, daS ist hier natürlich unmöglich. Ich werd» alles tun, um daS Gesetz zu fördern.

Damit schließt die Erörterung. Die Vorlage wird der Steuerkommisfion überwiesen.

Ermüdung, die kannte er nicht, und wenn schon, dann brachte starker Kaffee ihn stets wieder in den Vollbesitz feiner Nerven. Jetzt aber ver­sagten sie.

Ec sprach doch die Verfasserin des Stückes, von dem gesprochen wurde; er sprach sie, und als er vor ihr stand, ging sein heißes Temperament, das von den Vätern ererbte Blut mit ihm durch. Er sagte ihr ohne Umschweife, was er dachte und fühlte. Im Taumel des Erfolges gedachte er einzuheimsen, und es geschah nicht.

Ein arger Irrtum war in feiner Berechnung. Entweder war diese Frau ein Eisberg, ober Zeichen und Wunder geschehen auch heute noch, oder war aus Liebe ihrem Manne davongo- gangen, aus Liebe zu eben diesem Manne.

Es war zum Lachen und doch so verzweifell bitter. Er stand auf und ging einige Male vom Fenster zur Tür und umgekehrt die wenigen Schritte hin und her.

Narrenkomödie, dachte er. Zu dumm. Da lasse ich den Mann mit einem hübschen Frauen, zimmer allein, am nächsten Tage kommt sie wü­tend zu mir, und----

Er lachte laut auf, sodaß ein Schreiber von nebenan den Kops hereinstreckte rind fragte, ob er gerufen wurde.

Nicht wahr, Hammer," sagte er,der Teufel solle alle ^Weiber holen."

Abern die jungen und hübschen erst später," grinste der Mensch,die sind ganz nützlich und angenehm. Man muß sich bloß nicht an eine halten, Herr Roden. Jst's nicht die, ist's eine andere. Ist ja immer dasselbe."

Natürlich, Sie haben recht. Es lebe die an­dere. Na, denn nur los. Die Sirü» Müib wohl schon erwartet?"

Ja, gewiß." 1

Der Mann verschwand. Roden aber setzte sich wieder an den Schreibtisch. (Fortsetzung folgt!,