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Sonntagsbeilage: JUustrirtesSonntagsblatt.
Erscheint wöchentlich sieben «al. , ,
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdmckerei 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ,,
Marburg
Dienstag. 6. März 1906.
Zweites Blatt.
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Die deutsche Kolonialschule in Witzenhausen.
Es ist eine höchst erfreuliche Erscheinung, Latz ikmner wettere Kreise unseres Volkes sich für kolo- Wale Fragen erwärinen und biete, Dinge nicht nur an den in erster Linie wirtschaftlich oder peligiös-sUtlich interessierten Kreisen hängen lassen. Besonders erfreulich ist, daß neben dem ÜeberrnenschentmnSgeschrei derer, die am liebsten die ganzen Schutzgebiete mit Haut und Haar auffressen möchten und nicht an eine gesunde Ent- wicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Zukunft denken, die Stimmen derer immer vernehmlicher werden, die der Heberzeugung sind: die weisesten Grundsätze in der Kolonialpolitik und das beste Menschenmaterial sei für unsere Kolonien gerade gut genug. Es wird der deutschen Kolonialregierung die Durchführung mancher Aufgabe erleichtern, wenn sie Weitz, daß dies die vorwiegende Stimmung int deutschen Volke ist.
Auf ein Unternehmen, das solche Grundsätze in die Wirklichkeit zu übersetzen bestrebt ist, sei im folgenden in Kürze hingewiesen. Es ist die am 20. Mai 1898 in Wienhausen im Werratal gegründete deutsche Kolonialschule. Von einem interessierten Freundeskreis wird sie unterhalten, ist also keine staatliche Anstalt, hat aber feit einigen Jahren vom Reichstag eine jährliche Subvention bewilligt bekommen.
Der Gründer der Anstalt ist auch der Leiter, Direktor Fabarius, seinerzeit Divisionspfarrer in Koblenz, der sich schon früher mit staatswissen- fchaftlichen, volkstoirWchastlichen, völkerkundlichen, geographischen und missionarischen Studien beschäftigt hat. Die Anstalt will keine Schule für angehende höhere Beamte sein, hat vielmehr die Ausbildung von Ansiedlern, Pflanzern, Beamten für Pflanzungen usw. zum Zweck. Ihre Zog- linge refmtieren sich der Mehrzahl nach aus den gebildeten Ständen; in der Regel haben sie die Berechtigung zum Einjährig - Freiwilligendienst. Ihr Alter schwankt -wischen dem 17. und 27. Lebensjahr. Im Laufe der wenigen Jahre ist ihre Zahl von 6 auf 60—70 gestiegen. Von eigentlicher Missionsarbeit ist die deutsche Kolo- nialschule vollständig unabhängig. Nur darin stimmte sie mit der Mission überein wie über- häufst mit allen vernünftigen Freunden unserer Kolonien, daß die Männer, die draußen den deut- schon Namen vertreten, Männer von ernster Cha- rakteebildung sein sollen. Darum kommt es auch der Leitung nid)t auf möglichst hohe Frequenz an, sondern darauf, daß das Schülermaterial der Höhe der an sie zu stellenden Anforderungen ent- spricht. Von bisher nicht ganz 240 Zöglingen sind fast 60 wieder vorzeitig ausgeschieden wor. den ober abgegangen — was der Anstalt gerade zur Empfehlung dient.
Die Ausbildung umfaßt 4 Semester (zwei Jahre), dazu für die in der Landwirtschaft Un- erfahrenen noch ein Praktikantenjahr vorher. Theorie und Praxis gehen Hand in Hand. Die
Die Batten und ihre Verfolger.
Don Ernst von Wildenbruch.*)
Und es kam herauf aus dem Schoße der Zeft Eines sinsteren Tages finsterste Stunde;
Aus den Tiefen der Menschheit kam ein Geheul: „Richtet den Adelsmenschen zuGrunde!
Er ist der Sonne näher als wir, Mit dem Himmel spricht er und mit den Sternen; Von der Himmelswarte reißt ihn herab!
Laßt das Gespräch ihn mit Göttern verlernen!
Er sagte zu unS: „Meine Sprache ist reich. Kommt her, meine Sprache, wir wollen sie teilen!" Er sagte zu uns: „Ihr seid arm und wund, Kommt her. Eure Wunden, ich will sie heilen!" Und er gab uns Heilung, er gab uns Brot, Er wies uns Wege, zum Lichte zu wandern — Fluch ihm dafür — wir erfuhren durch ihn. Daß Menschen anders sind als die andern.
Das wollen wir nicht, und es soll nicht sein, Denn die Menschheit ist eine einzige Masse; Den Adelsmenschen, der mehr sein will, Reißt ihn herab in den Kot der Gaffe".
) Ter Verkäster hat zu dem zu Gunsten der notleidenden Deutschen Rußlands herausgegebenen Buche, Aas unter dem Titel »Die deutschen Balten' so eben !lm Verlage von I. F. Lehmann in München er- W^nen ist, dieses prächtige Gedicht als Beitrag ge» liefert. Da das kleine Prachtwerk anch wertvolle Bettrüge von Prof. Ad. Harnack, Geheimrat von Bergmann. Prof. Schiemann und anderen hervorragenden Balten enthält, künstlerisch vorzüglich auS- «estattet ist und in der Bolksausgabe nur 1 Mark R «' ,*^e Prachtausgabe kostet gebunden 4 Mark), ffürste sein Absatz ganz antzerordentlich groß werden.
Vornrtttage sind den Vorlesungen gewidmet, dre Nachmittage den praktischen Hebungen; etn Wochentag ist gänzlich für die Praxis bestimmt. Lohrfächer sind Kolonialpolitik, -Geschichte und -Recht, Naturwissenschaft, Tropengesundheitslehre; Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Holländisch, Suaheli. Die wirtschaftlichen Lehrfächer zerfallen in landwirtschaftliche, gärtnerische^ forstwirtschaftliche und kaufmännische. Endlich kommen dazu technische Lehrfächer: Weg- und Wasserbau, Feldmeßkunde, Baukonstrukttonskunde Planzeichnen, Handwerke. Mit der Anstall ist eine Musterwirtschaft verbunden, die Gelegenheit bietet, die Zöglinge in den prakttschen Betrieb der Landwirtschaft einzuführen. Daneben stehen Gsvächshäuser, Anstaltsgarten und Werkstätten zur Verfügung.
Jeder Zögling muß von der Pike auf bien an. Die Tätigkeit soll nicht als bessere Spielerei, son. bern als ernste Lehrzeit angesehen werben. Es soll kein Pftttcherdim und keine oberflächliche Einbildung großgezogen werden. Es sollen tüchtige, sittlich gefestete Lettte in die Kolonien hinausgesandt Werdern Darum wird auf Selbstzucht und Weckung des Pflichtbewußtseius das größte Gewicht gelegt. Es wird ein edler, guter Korpsgeist gepflegt und eine straffe Disziplin geübt. Die Zöglinge müssen Ordnung und Unterordnung lernen.
Durch mancherlei Schwierigkeiten, mit welchen die Kolonialschule in den Anfangsjahren zu kämpfen gehabt hat, hat sie sich siegreich durchgekämpst, manches Mißtrauen überwunden und immer wärmere und rückhaltlosere Anerkennung gefunden.
Es, ist zu hoffen, daß die Kolonialschule für unsere Kolonien je länger je mehr eine fegens, reiche Bedeutung haben wird.
Wer sich noch weiter über die Arbeft der deutschen Kolonialschule interessiert, der lasse sich das Organ der Anstalt kommen, den von Direktor Fabarius in Witzenhausen herausgegebonen „Deutschen Kulturpionier".
Heer und Flotte.
Im Anschluß an die Meldung, daß alljähr- sich eine Anzahl englischer Offiziere, drei von der indischen, vier von 5er britischen Heim-Armee nach Japan kommandiert werden und dort nach praktt- tischem Studium der Landessprache bei einzelnen Truppenteilen Dienst tun sollen, teilt die „Neue mil.-vol. Korr." mit, daß im Verlaufe der nächsten 15 Monate auch einige deutsche O ff i z i e r e nach Japan gehen dürften. Es nehmen zur Zeit fünf öftere Oberleutnants, die zur Ausbildung zum Generalstab kommandiert sind, an dem japa. nischen Sprachkursus des orientalischen Seminars in Berlin teil. Wettere drei Offiziere genießen auf der Kriegsakademie japanischen Unterricht, der sett dem 1. Oktober 1904 als fakultativer Lehrgegenstand in den Studienplan dieser mili- tärischen Hochschule ausgenommen ist. Im Gegen- satz jedoch zu dem englischen Vorgänge wird der Aufenthalt der deutschen Offiziere in Japan lediglich sprachlichen Zwecken dienen. Man wünscht an maßgebender Stelle sich einen Stamm
Und sie griffen zur Stange, sie schliffen das Beil, Sie suchten den Deutschen, wo sie ihn fänden. Zu brechen sein Haus, zu erwürgen sein Gut, Seine Kinder zu töten, sein Weib zu schänden. Da wurde das Land, das des Deutschen Hand Zum Garten erschuf, eine Wüste voll Grausen, Da wurde die Stadt, wo die Sitte gewohnt. Eine Stätte, wo brüllende Rotten hausen.
Sie strichen das Blut aus Bart und Haar: „Der Deutsche ist tot und kommt nicht wieder". Und als die Mörder gesprochen so.
Da kam ein Lachen vom Himmel hernieder: „Ihr Toren und Narren, die Ihr wähnt, Ihr könntet den Geist mit der Faust vertteiben. Wie die Sonne über der Erde bleibt. Wird der Deutsche über Euch sein und bleiben. Ihr Toren und Narren, die Ihr wähnt. Ein ruchloser Tag könne enden und wenden. Was ein herrliches Volk jahrhundertelang Mit dem Herzen erschuf, mit Kopf und Händen. Es wird kommen der Tag, und mit dem Tag Zu seinem Land wird der Deutsche kommen Und wieder sich nehmen mit zürnender Hand, Was raubende Hände ihm heute genommen. Wenn Recht der Menschheit dann wiederkehrt Und neue Frucht der vertretenen Erde, Dann werdet ihr steh'n nttt hängendem Haupt, Eine schuldbewußte, zitternde Herde.
Nicht mehr des Verführers hetzender Schrei, Euer Herz wird schreien zu girren Ohrenl „Wir stießen den großen Menschen hinaus. Wir haben uns selber, uns selber berieten!" Dann werdet Ihr sprechen: „Der war's und der. Nimm Rache an unserm verwirkten Leben" — Und die große Rache des Großen wird sein. Betörten Toren stumm zu vergeben« .
in der japanischen Sprache so vervollkommter Offiziere heranzuziehen, daß das Studium, der Tokioer amtlichen Quellen über den russisch-japanischen Krieg in der Ursprache möglich wird.
Außer dem 40pferde-kräfttgen Opel - Dar- racq Kriegsautomobil für höhere Trup- penführer war ht militärischer Beziehung auf der Berliner Automobil-Ausstellung ein 16pferdiger Wagen der Firma Heinr. Ehrhardt Zella St. Blasii bemerkenswett, auf dem ein vom Geh. Baurvt Heinr. Ehrhardt Persönlich entworfenes mechanisches Maschinengewehr — Kaliber 7,8mm — montiert war. Das Maschinengewehr wird durch eine Handkurbel in Aktion gesetzt und gibt in gewöhnlichem Feuer in der Minute durchschnittlich 200 Schuß ab. Diese Leistung kann jedoch im Schnellfeuer auf 600 Schuß gesteigert werden. Durch eine Kettenübertragung — eben jener Handkurbel des SchuellfqueraPparats — wird eine kleine Centriftigalpumpe getrieben, dis aus dem hohlen Statif dem Kühlmantel des Laufes Wasser zufühtt. Gegen das alte System Maxim-Nordenfeldt bedeutet diese Möglichkeit der Wassererneuermtg einen erheblichen Fort- schtttt. Auch wird bei der Masfenkonstruktton des Ehrhardtschen Maschinengewehrs der, Preis gegen alle bishettgen Modelle geringer sein.
' Die diesjährigen englischen Seemanöver sind in ihr erstes, vorbereiten, des Stadium getreten. Am 17. d. M. sind die an der Februar-Uebung beteiligten Geschwader, die Kanalflotte, die Mittelmeer- und das Atlanttsche Geschwader, im ganzen 69 Einheiten, statt, auf der Reede von Lagos eingetroffen. Hier werden zunächst Einzelsahrten und Hebungen in kleineren Verbänden vorgenommen. Daran schließt sich unter Beteiligung aller drei Flotten das Haupt- manöver, dem wieder tote voriges Jahr eine spezielle Kriegsidee zu Grunde gelegt wird. Im Juni b. I. folgen dann die großen allgemeinen Manöver, an denen bekanntlich nicht nur alle brittschen Flott anstatt cmen mit ihren Besatzungen, sondern auch zahlreiche Handelsfahrzeuge und britische Schiffahttsgesellschasten bis zu einem gewissen Grade beteiligt werden sollen. Hebungen ähnlichen Hmfanges hat die Welt noch nicht gesehen. Allein die Tatsache, aber auch die Att ihrer Durchführung wird den seefahrenden Völkern die unerreichbare und unantastbare Heberlegenheit der britischen Seemacht in nachdtticklichster Weise zum Bewußtsein bringen.
V Ka isermanöver 1906. Die Kaiser- Parade des 6. Armeekorps findet der „Schles. Ztg." zufolge Anfang September auf dem Gan- bouer Exerzierplätze bei Breslau statt; der Tag ist noch nicht bestimmt. An der Wrade werden teilnehmen: bret Infanterie - Divisionen, drei FÄdattillerie-Brigaden, das Fußattilleries-Regi- ment Nr. 6 (ein Bataillon bespannt), das Jäger, bataillon Nr. 6 mtt zwei Maschinengewehrabteilungen, das Pionierbataillon Nr. 6 mit Korps- telegraphenabteilung, sowie eine zusammengesetzte Kavalleriedivision, zu der vom 6. Armeekorvs das Leibkürassier-Regiment Nr. 1 und das Dra- goner-Regiment Nr. 8 treten. An die Parade schließen sich die großen Manöver an, die wohl in der Gegend zwischen Breslau und Liegnitz stattfinden werden. Wie das genannte Platt
Aus Schule und Kirche.
In einer Verfügung über das Mädchen- turnen schreibt der Hnterrichtsminister Folgendes über die Kleidung der Turnenden vor: Unter Bezugnahme auf die in den Lehrplänen vom 31. Mai 1894 über den Anzug der Schüler- innen gegebene Anordnung weise ich wiederholt nachdrücklich auf die schwere gesundheitliche Schädigung hin, welche dem sich entwickelnden weiblichen Körper durch einschnürende Kleidung zu- gefiigt wird. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Zweck des Turnunterrichts bei solchen Schülerinnen, welche im Korsett turnen, nicht erreicht werden kann, da es die ausgiebige und wirkungsvolle Ausführung der wichtigsten Hebungen, insonderheit auch derjenigen Rumpfübungen hindert, welche der Gesundheit besonders dienlich sind und eine freie, aufrechte, schöne Körperhaltung fördern. Das Tragen einschnürender Kleidung beim Turnen ist daher nicht zu dulden. ~ + Nach der eben ausgegebschen offiziellen Statistik betrug im vorigen Jahre der Personalbestand der Katholiken in den Vereinigten Staaten 12 651 944, mit einer Zunahme von 189 151 gegen das Vorjahr. Priester gab es 14 484, ein Mehr von 627. An der Spitze der amerikanischen Hierarchie stehen ein apostolischer Delegat, 14 Erzbischöfe, darunter ein Kardinal, 90 Bischöfe und 21 Siebte. Kirchen gibt es 11 814, 423 mehr als im Vorjahr. Die katholischen Pfarrschulen besuchten 1066 207 Kinder, ein Mehr von 35 000. In „anderen katholischen Anstalten, Asylen" usw. erhielten 1229 668 „Kinder und junge Leute" ihre Erziehung. Die bedeutendsten Ordensgemeinschaften im Lande sind die Jesuiten, die Benediktiner, Kapuziner, Franziskaner, Dominikaner, Paolisten, Redemptoristen und
hött, findet daS Kaisermanövea zwischen dem 3/ (brandenburg.), 5. (niederschles.-posenschen) und' 6. (schles.) Armeekorps statt. Da das 6. Armes«, korps allein den anderen beiden Korps nicht gewachsen wäre, läßt sich vermuten, daß vettchiedene Trrrppenteile der königlich sächsischen Armee (nor- mentlich Kavallerie und eine Felbarttllerie-Brv gade) an den Manövern Seite an Sette mit bert 6. Armeekorps operieren werden.
Vermischtes.
Ein Knabenregiment in Bukarest. Aus Bukarest wird der „Voss. Ztg." von ihrem Korrespondenten geschrieben: An der großen Militärparade, dis am 23. Mai d. I. anläßlich der Feier des toter* zigjährigen Re gieru ngsj ubilänm s des Königs! Carol auf dem Exerzierfelde von Bukarest statte findet, wird ein Infanterie-Regiment teilnehmen« wie es Wohl keine andere Armee in Europa besitzt. Das Regiment — 12 Kompagnien in regest rechter kriegsmäßiger Ausrüstung — wird aus« schließlich ans den Barrernjungen der Dorfschulen des Bukarester Distriktes bestehen. Es wird unten den Klängen einer gleichfalls aus Knaben be< stehenden und von einem dreizehnjährigen Kchtell-, meister birtgterteit Militärmusik vor dem König« defilieren. Das Konrmando des Regiments, wird der älteste Sohn des Kronprinzen, der 12jährig« Prinz Carol übernehmen, der, auf einem prächtigen Pony sitzend, die kleinen Soldaten seinem königlichen Oheim vorfiihren wird.
Abonnentenfledderei. Einen „anheimelnden" Erguß, nicht von Artigkeit und Kollegialität, son- bern im Hinterwäldersttl des Arizona- Kitec bringt eine Briefkastennotiz der Expedition in der letzten Nummer der „Westd. Vztg." Es heißt dort: „Nach Attendorn. Des „billigen Zentrumsjakobs" in Hamm, wenn auch erfolglose, so doch darum nicht weniger schäbige Kon- kurrenzmanöver haben uns endlich den Geduld- faden reißen gemacht. Wir haben daher gegen den Verlag des „Westfälischen Volksfreund" wegen unlauteren Wettbewerbs, Betrugsversuchs, Krebitschädigung u. verleumderischer Beleidigung Strafantrag bei bet Kgl. Staatsanwaltschaft wenn auch nur nach langer Heberlegung gestellt — denn wer möchte sich mit solchen gewerbsmäßigen Abonnentenfledderern abgeben? Inzwischen können die Abonnenten sich selbst helfen. Eine energische Oeffnung der Haus- tür, eine elegante HebuAg der Stiefelspitze zu jenem Körperteil des Eindringlings, wo auch beim gescheidtesten Menschen keineswegs der Sitz des Verstandes gesucht wird, und man ist de? Hngeziefers ledig. Jeder mache den Versuch; eS wird niemand gereuen."
Bon der Hennig-Jagd wird dem „B. T." aus dem Schleswigschen ein ergötzliches Ouiproquo berichtet. In einer Wirtschaft traf ein Fremder ein und begann mit einigen Gä'ten ein Gemräch. Er erzählte, daß er direkt von Berlin komme, wo er längere Zeit beschäftigt gewesen sei. Da die Henning-Furcht selbst im höchsteir Norden des Reiches Platz gegriffen hat, stutzten die Gäste, and es erregte sich der Verdacht, daß der Fremde der vielgesuchte Mörder sei. Dieser Argwohn ftetgerie sich zur „positiven Gewttbeit", als der
Oblaten. Nonnenorden gibt es 122. In New« York und Chikago leben je 1 200 000 Katholiken, in Boston 700 000, in Brooklyn 500 000, in Philadelphia 485 000, in New-Orleans 450 000. Nswyork zählt 824 Priester, Chikago 643, Boston 598, Philadelphia 521 usw.
Für das großbritannische Reich, die Kolonien mitgezählt, gibt das offizielle statistische Jahrbuch IO1/2 Million an. Im Pattament zahlt das Oberhaus 41, das Unterhaus 77 katholische Mitglieder; außerdem gibt es noch 16 katholische Lords, 49 Baronets, 64 Ritter, 20 Mitglieder des Privy Council. In der Armee sind 16 katholische Kapläne.
+ Den Austritt aus der Kirche predigt „Der Zimmerer", das Organ des freien Zimmererverbandes: „Die Stimmung und Strömung breiter proletarischer Schichten geht darauf hinaus, nicht länger der Kirche als treuestem Schrittmacher der Reaktion passive Gefolgschaft zu leisten, sondern ihr durch einen Massenaustritt zu zeigen, daß der Arbeiter nichts mehr mit ihr zu tun haben, will. Wir fordern vorn Arbeiter, baß er die bürgerliche Presse aus seiner Woh- nung wirst. Mit noch viel größerem Rechte ist zu verlangen, daß unsere Gegner sich nicht damit brüsten dürfen, die weitaus meisten Arbeiter seien ja so „kirchlich" und „religiös" gesinnt, daß sie treue Söhne der Kirche blieben. Kein Wott braucht darüber verloren zu werden, daß Pfaf« fenlehre nicht Religion in dem Sinne ist, in dem auch vereinzelte Parteigenoffen sie anerkennen wollen, nämlich in dem Sinne der Verchrung von dem großen Walten der Natur. . . . Wer an der Religion in diesem Sinne festhalten will, der muß erst recht aus der Kirche austrtten." —- Und dabei wird immer noch behauptet, die weckschastsverbände feien nicht sozialdemokratische