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Erscheint wöchentlich sieben «al.

Dmck und »erlag- Joh. Slug. Koch, UniversitLtr-Buchdruckerei 41» Jühtg» Marburg, Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain.

x Sonntagsbeilage: Illnstrirtes Sonntagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet ver ExpÄitio« 2 Mk»

'M RQ bet allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcL Bestellgeld). ö

»/IX ve> JnsertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg. (ptrttttttlM 4. 1906.

Reclamen: dir Zeile 25 Pfg. vullllt

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 3. MLrz. DaS Reutersche Bureau -estütigt nun, daß Kaiser Wilhelm und König Ldnard in nicht ferner Zeit eine Begegnung gaben, werden, wahrscheinlich auf offener See »der in einem Hafen.

* Berttm 3. März. Nach einer Meldung des BureauS Laffrn wurde Morenga bei einem Versuch, in Varagal Vieh zu rauben, von deutschen Truppen umzingelt, erkämpfte jedoch einen AuLweg. Er verlor dabei 25 Mann an Toten. Im Westen von Keetmannshoop sei EvrneliuS Herr der Lage. Zufuhren können dieses Gebiet vorläufig nicht Pasfieren. An Deutscher hiefiger amtlicher Stell« ist eine Be­stätigung dieser englischen Meldung bisher nicht nngetroffen.

Paris, 3. März. Einem römischen Blatte zufolge hat eine nicht genant sein wollende Persönlichkeit dem Papste zwei Millionen Fran­ken zur Verfügung gestellt für die katholische Kirche in Frankreich. ES heißt, die Spenderin sei die Exkaiserin Eugenik.

Parts, 3. März. Hebet daS zwischen Frankreich und England soeben abgeschloffene Üebereinkommen betr. die Neuen Hebriden wird offiziös gemeldet, daß eS fich keineswegs um irgend eins Teilung dieser Inselgruppe, sondern lediglich um eine Regelung der Gerichtsbarkeit und die Beilegung der zwischen den franzö­sischen und englischen Anfiedlem bestehenden Grundstreitigkeiten handelt.

Marseille, 2. März. Der deutsche Konsul Wunder­lich übersandte dem Maire Chanot, der zugleich Vor- sttzender der fiommiffion zur Verwaltung der Kranleu- häujer ist, bett Betrag von 2103 FrcS. mit einem schreiben, in dem es heißt: «Anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares veranstaltete die deutsche Kolonie, um ihrer Anhänglichkeit an daS Katjerhaus deutlichen Ausdruck zu verleihen, eine Sammlung, »nd zwar dem Wunsche deS Kaisers entsprechend zu wohltätigen Zwecken. Von dem Wunsche beseelt, ihre Sympathie, die sie für Frankreich hegt, zum Ausdruck zu bringen, bcschloß die Kolonie, den Betrag dieser Sammlung als Geschenk der deutschen Kolonie der Stadt Marseille zu Krankenhaus-Zwecken zuzu­wenden, und zwar so, daß derselbe in Staatsrente angelegt wird und die Zinsen für die Bedürfnisse der Kranken verwendet werden/

Barcelona, 2. März. Seit einigen Tagen laufen hier Gerüchte um, daß eine aufständische Bewegung in Katalonien bevorstehe. Gleichzeitig werden verstärkte Umtriebe bet im Auslande weilenden Separatistenführet und Heimlichs Waffentransporte nach Spanien festgestellt. Die Regierung kennt dis Fäden der Verschwörung und traf Vorsichtsmaßnahmen.

Rio de Janeiro, 2. März. Alfonso Penna wurde zum Präsidenten der Republik, Nilo Pecanhr zum Vizepräsidenten gewählt.

Zur Lage in Rußland.

Das zum Gesetz erhobene Reglement betreffend die Reichsduma wird demnächst veröffentlicht, ohne daß es vorher dem Reichsrate vorgelegt wird. Tas neu® Reglement bestimmt, daß kein Gesetz ohne Bestätigung durch den Staatsrat und tue Duma Kraft haben kann. Die Mitglieder des Reichsrats setzen sich in gleicher Zahl zusammen aus ernannten Mitgliedern und solchen, die von der orthodoxen Geistlichkeit, deut Adel, den Semstwos, der Akademie dsr Wissenschaften, den Universitäten, von Handel und Industrie aeivählt sind. Der Neichsrat und die Duma werden jähr- Itd) durch kaiserliche Ukase einbenifeit. Jede der beiden Körperschaften besitze das Recht zu Vor­schlägen über Abänderung oder AbsckMung der bestehenden Gesetze, zu Vorschlägen neuer Gesetze, mit Ausnahme der Grundgesetze. Der Reichsrat und die Duma erhalten das Recht, an die Minister über Handlungen, die nicht mit den Gesetzen über- emstimmeiid erscheinen, Interpellationen zu richten. Die Sitzungen des Reichsrats und der Duma sind im allgemeinen öffentlich.

Petersburg, 2. März. Während der RevolutionsbÄvegung in Rußland haben nach den soeben erschienenen offiziellen, bis 1. Dez. 1905 reichenden Daten Rußland verlassen 201 080 russische Untertanen und 142 360 Aus- länber. Im Jahre 1903 betrug bie Zahl der russischen Untertanen, welche auswanderten, 210 665 und die der ausländischen 151195 Per­sonen.

Baku, 2. März. (Petersb. Tel.-Ag.) In nächster Zeit wird in Tiflis ein Kongreß von Ver- tretern der muselmanischen und armenischen Be- völkerung eröffnet, um den Frieden im Lande wiederherzustellen.

Jekaterinoslaw, 1. März. (Petersb. Telegr.-Ag.) Heute explodierte eine Bombe in einem Geschäfte, dessen Inhaber gestern einem Anarchisten Gcüd verweigerte, das dieser unter Drohungen forderte. Ein Angestellter wurde verletzt; der Sachschaden ist erheblich.

Tammerfors (Finland), 1. März. (Pet. Tel.-Ag.) Die Polini verhaftete auf dem hiesigen Bahnhöfe noch zwei Teilnehnter an dem Raube in der russischen Staatsbank zu Helsingfors im Augenblick ihres Eintreffens mit dem Zuge. Wäh. rend des Verhörs gab plötzlich einer der beiden Festgenommenen atts einem Revolver drei Schüsse ab, durch die drei Schutzleute getötet wurden un­versuchte dann auf die Straße zu fliehen, wobei er fortfuhr zu schießen und zwei Personen, dar­unter einen Polizeisekretär verwundete. In dem Flügel eines Gebäude, in den der Räuber auf seiner Flucht gelangt war, verbarrikadierte er die Türe, zerschlug ein Fenster und richtete an das den Markt anfüllende Volk eine russische An- spräche, in der er erklärte, er sei Sozialdemokrat u. um Hilfe bat. Die erregte Menge verlangte hier­auf die Freilassung des Räubers. Zur Unter- snihung der Polizei wurden Feuerwehrleute re­quiriert. Im ganzen wurden neun Personen ver. tounbet.

Volksbibli-ih-ken.

Daß die Erkemttnis von der sozialen Beden- lmtg volkstümlicher Bibliotheken während der letzten Jahre in weite. Kreise unseres Volkes ge- drungett ist, beweist der gewaltige Aufschwung auf diesem Gebiete. Von den großen und mitt- leren Städten, die durch Schaffung von Bücher- und Lesehallen bflm Bildungsbedürfnisse ent- Krochen haben, geht die Bewegung bis ins Dorf, wo oft unter Schwierigkeiten und mit bescheide­nen Mitteln fletne Büchereien gegründet werten. Viele Privatpersonen und gemeinniihige Vereine arbeiten mit an der wichtigen Sache. Unter ihnen aber steht an besonderer Stelle die Schristenver- triebsanstatt G. m. b. H. in Berlin SW. 13, Alte Jakobstraße 129, die von jeher, lange vor der jetzigen Bewegung, in der Gründung von Volksbibliotheken eine ihrer wichtigsten Aufgaben erblickt hat.

Dank dem ihr von den Behörden wie der Lehrerschaft entgegengebrachten Vertrauen konnte die Schriftenvertriebsanstaft zur Errichftnig zahl­reicher Kreis-, Wander-, Schul- und Jugend- sowie anderer Bibliotheken mithelfen; welchen Umfang ihre Tätigkeit auf diesem Gebiete all­mählich im Laufe der Jahre gewonnen hat, ver­anschaulichen die alljährlich von ihr für VolkS- bibliotheken gelieferten Bücher,, deren Zahlen für die letzten Jahren betrugen:

1902 34199 Bände, 1903 46 986

1904 79 981

1905 100 712

Dem allen Interessenten unentgeltlich zur Verfügung stehenden Jahresberichte für 1905 entnehmen wir folgende Einzelheiten: Von den 100 712 Bänden entfallen auf Preußen 86 529 und auf die deutschen Bundesstaaten 11 571 Bände. Unter den preußischen Provinzen steht Brandenburg mit 15 998 Bänden an erster Stelle. Es folgen Weftprenßen mit ,10 247, Ost­preußen mit 8994, Schleswig-Holstein mit 8726, Pommern mit 8108, Hessen-Nassau mit 5686, Provinz Sachsen mit 5531, Hannover mit 5363, Westfalen mit 4855, Schlesien mit 4882, Posen mit 4135 und die Rheinprovinz mit 4004 Bänden.

Selbst über die Grenzen des Vaterlandes hinaus geht die Tätigkeit der Schriftcnvertricbs- anstalt, denn sie lieferte nach Böhmen 2287, nach Frankreich 156 und nach England 100 Bände. Dieser Ersel- ließ die Schrift-nvertriebsanftalt nicht rasten in ihrer mühseligen, aber freude­bringenden Arbeit, f,inrnte sie vielmehr an, ihren Bestrebungen immer neue Freunde zu gewinnen.

Dies bezweckt das HeftVolksbibliotheken", welches kostenlos jedermann auf Verlan-en zuge- sandt wird. Es enthält eine reiche Anstvahl empfehlenswerter Literatur aus allen Wissens­gebieten sowie eine Anleitung für die Verwaltung kleinerer Büchereien.

.Heimatliteratur", d. h. Werke über Lokalge­schichte über heimatliche Zustände und Einrich­tungen, Sagen, Dialektschriften und DorkoeschiA-. ten, ist in besonderen Verzeichnissen für alle deut­schen Bundesstaaten gesammelt, die in der be­

treffenden Ausgabe den: .HefteVolksbibu.lhokeu.* beigefügt werden. >

Bei der Zusammenstellung ist, well die Biblis« theken für sämtliche Glieder unseres Volkes be« stimmt sind, alles vermieden, was die Gegensätzk aus religiösem und politischen Gebiete verschärfe^ kann und außer auf Gediegenheit des JnhÄt'L Gewicht auf lebendige, ungekünstelte und volkSr tiimliche Sprache gelegt.

Eine besondere Abteilmrg der Schriftenver- iriebsanstalt, derZentralverein für Gründung von Volks- und Jugendbibiliotheken", liefert schoch seit Jahren in ähnlicher Weise wie nMerding« dieGesellschaft für Verbreitung von Volks­bildung" bei einem Jahresbeiträge von nur 8 Mark jedem Mitglieds sofort beim Eintritt als Eigentum eine sorgfältig ausg:wählte Bibliothek von 50 unterhaltenden und beehrenden Bände», die, solange die Mitgliedschaft aufrechterhaften wird, von 4 zu 4 Jahren um weitere 50 Bücher erweitert wird.

DerZentralverein für Gründung von Volks­und Jugendbibliotheken" gewann int Jahre 1905 777 neue und zählte am 31. Dezember 2115 Mitglieder. Er lieferte im ganzen 777 Bücher- sammlungen mit 38 850 Bänden.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. März.

Seine Majestät der Kaiser besuchte ge­stern Freitag Vormittag den Reichskanzler, emp< fing später den Maler Schöbel und hörte den Vor. trag des Chefs des Zivilkabinetts. Am Donners« tag Abend stattete der Kaiser der Großherzogin von Baden einen Abschiedsbesuch ab.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht , nach­stehenden Dank-Erlaß deS Kaiser« Paares:Die Feier unserer Sllberhochzeit fanS im deutschen Volke so herzliche und begeisterte Teilnahme, daß der Freudentag unseres Hauses zu einem nationalen Festtage wurde. Voll innigen Dankes für das uns in den verflossenen 25 Jah­ren zuteil gewordene reiche Familienglück dursten wir zum Throne des Allmächtigen in Demut auf- schauen und unsere Gebete und Gedanken in das Bekenntnis ausklingen lassen: Bisher hat der Herr geholfen. Wir empfanden es als besondere Gnade Gottes, daß es uns am Tage unseres Ehe­jubiläums vergönnt war, wiederum einen Sohn an dm Traualtar zu geleiten, unserem Familien« kreise eine liebe Tochter zuzuführen. Wenn aber etwas geeignet war, unsere Festesfreude noch zu erhöhen, so waren es die überaus zahl« reichen mannigfachen Beweise liebe- voller Anhänglichkeit, bie au- allen Kreisen bes engeren und wei­teren Vaterlandes in Form von Adres­sen, Zuschriften, Telegrammen, Widmungen und Spendungen zugingen. Auch die.Deutschen im Auslande ließen es sich nicht nehmen, mit bet Heimat darin zu wetteifern, unseren Ehrentag festlich zu begehen und «ns durch freundlich« Glückwünsche zu erfreuen. Millionen von treuen Menschen, alten und jungen, in Palast und Hütte, Stadt und Land, dachten imfer in diesen Tagen mit herzlichen Wünschen und Fürbitten. St« verpflichten uns zu innigstem Danke. Aber bamii

Erinnerungen aus dem Marburger Studentenleben.

Bon L. Müller. I.

Eine Episode aus seinem Studentenleben in Marburg erzählte der Student I. Schwank dem Schreiber dieses, der auch die anderen Personen, tvelche in der Erzählung Vorkommen, persönlich noch gekannt hat.

Ich wandelte an einem Sonntag Abend im Jahre 1842 in Marburg den Weg nach unserer Kneipe, die sich im Ledevorschen Garten befand. Dor dem Barfüßertor bemerkte ich eine große Anzahl stark angeheiterter Burschen, wir nannten sie Knoten, die den mit mir befreundeten Stu- diosus Ernst Dronke itrnzingelt hatten, und ihn hin und her stießen, wett er sich angeblich gegen »in Mädchen aus ihrer Begleitung ungeziemend und frech benommen habe. Seine Korp.sbrüdsr und Begleiter hatten nicht bermodjt, ihn aus ben Händen der Uebertoältiger zu befreien und so tief er mich denn bei meinem Anblick laut um Hilfe. Mit Anwendung aller meiner Kräfte bahnte ich mir eine Gasse durch die Mensckien, welche die sich Streitenden dicht unrstanden und befreite mit vieler Mühe und Zurückdrängen der Angreifer den arg mißhandelten Dronke. Zlder nun kehrte sich der Haufen der jungen Kerls gegen mich, deren ich mich durch einen Fauftschlag und Stöße erwehrte. Einer unter diesen namens B . hatte mich rücklings on meinen langen Haaren gefaßt und ließ mich nicht los, so daß mir nichts übrig blieb, um mich zu befreien, als mein Mes­ser zur Hand zu nehmen, ohne es zu öffnen, dem B. einen wuchtigen Schlag auf seinen Schädel zu versetzen, daß er stark blutete und zu Boden sank. Die dadurch enthanbene Verwirrung benutzend, iA. miA tato und beoob mich in de»

Ledererschen Garten zu meinen um einen Tisch bei Bier sitzenden Korpsbrüdern.

Nachdem ich mir auch einen Schoppen gegönnt, erzählte ich diesen das soeben Vorgefallene, wel­ches mm Stoff zu einer lebhaften Unterhaltung darbot. In dieser Unterhalttmg waren wir noch begriffen, als zur Treppe herauf der uns wohl­bekannte Uinversitätspedell Rose in den Garten eintrat, mit einer seiner Würde bewußten Hal- tung auf mich zukam und feierlich ankündete: Herr ©djroanf! Im Namen des Prorektors (Herrmann) soll ich Ihnen ankünden, daß Sie Stadtarrest haben."Gut, Herr Rose. Wol- len Sie einen Schoppen trinken, Herr Rose?" Ich danke, meine Heroen, guten Abend." Guten Abend, Herr Rose, angenehme Ruhet" Nun wurde ich verschiedene Male durch ben Uni­versitätssyndikus Spangenberg unter Vorsitz des Prorektos Prof. Dr. F. Herrmann einem pein­lichen Verhör unterworfen und mir meine Misse­tat, daß ich einen Menschen blutig geschlagen, ein­dringlich vorgehalten. Ich stellte aber alle Schuld in Abrede an der Verwundung, obwohl mir das Vergebliche meines Verhaltens bei der direkt gegen mich aussagenden und mich als Missetäter bezeichneten vielen Zeugen vorgehalten wurde. Diese würden mir ihre Aussagen ins Gesicht sagen Und dadurch würde ich zu spät erkennen, wie ich durch mein in Abredestellen meine Sache nur verschlechtern und eine härtere Strafe er- halten würde. Der Termin zur Konfrontation wurde angefetzt, aber was geschah da? Sämtliche Zeugen, auch der mit noch verbundenem Kopfe erschienene Verletzte, erklärten, nachdem sie, mich von allen Seiten betrachtet hatten:das sei .der Student nicht, welcher den B. vor dem Barfüßer­tor an jenem Sonntag Abend verwundet habe. Besonders die miterschienenen weiblichen Zeugen bezeugten dasselbe entschieden. Mit kamn zu unterdrückendem Lächeln nahm der Prorektor,

mit offenbarem Erstaunen und Mißfallen der Syndikus diese Erklärungen entgegen. Arn fol­genden Tage wurde mir das Urteil von der aka- demischen Gerichtsbarkeit zugestellt, es lautet: Wegen des Verbrechens der Körperverletzung wird der Angeklagte Studiosus jur. I. Schwank von der Instanz entbunden."

Düsen Eriolg hatte ich den Bemühungen und Ueberrebungen meiner Freunde und Landsleute, den Studiosen Karl Merz (vulgo Boromäus), Philipp Schultheiß (vulgo Laster, der damals be­kannteste Student auf den deutschen Univer­sitäten) :md Joseph von Boxberger (vulgo Pap- chen( zu verdanken. Hatten doch diese alle Mittel und Wege benutzt, um die nicht vereidigten Zeu­gen und den Verletzten zu bestimmen, bei der Gegenüberstellung mit mir zu erklären:sie ken­nen micht nicht." Freilich war diesen ihre Aus­sage wesentlich dadurch erleichtert, daß ich mit ge- fchorenem Haar, abrasiertem Bart und ohne Brille erschienen war. B. erhielt ein ansehnliches Schmerzensgeld und die Kurkosten für Dr. Grebe. Tie Zeugen erhielten durch meine Freunde eine Versäumnisgebühr, wie es ihnen versprochen war.

Am anderen Tage bemerkte ich aber, daß mir von den an der Wand anfgehängten Pfeifen der Kopf mit dem v. Blumensteinschen Wappen fehlte, auf welchem auf der Rückseite die Worte:A. von Blnmenstein sm. I. Schwank zur frdl. Erin­nerung Marburg 1841" standen. Diese Wahr- nebmung teilte ich dem Polizeiwachtmeister Schmidt, dem sog. Eisenschmidt, mit und brachte das Verschwinden des Pfeifenkopfs mit B.s An­wesenheit in Verbindung. Der Wachtmeister Schmidt entdeckte dann auch meinen Pfeifenkopf in B.s Besitz, als dieser bei Bäcker Runkel am Markt mit seinen Kumpanen einer f»genann­tenVerbindung" beim Mer saß und aus einer Pfeife rauchte, in der der Pfeifenkopf steckte. Seine Behauptung, der Kopf gehöre ihm, nützte

ihn nichts und hinderte helfen Wegnahme durch den Wachtnreister nicht, denn auf der 9iüa;cite war zwar der Namevon Blumenstein" wcgge- kratzt, aber die Worteseinem Schwank" waren noch deutlich zu lesen. Der Pfeifenkopf wurde mit wieder zugestellt, und damit war die Sache erledigt. B. wollte sich durch Wegnahme deS Wappenkovfes ein Andenken wegen seiner Ver- letzung sichern, konnte aber übrigens froh sein, daß es nicht zur förmlichen Anzeige kam. Die vorerwähnteSentenz" wegen Verbrechens der Körperverletzung von der Instanz entbnndc» wurde in mein Abgangszeugnis eingetragen und wäre bei meinem späteren Fortkommen beinah« verhängnisvoll geworden. Denn als ich nach abgelegtem Staatsexamen, das ich mit dem Kan­didaten Heinrich Heise zusammen bestanden hatte, mit diesem beim Staatsrat Bickell in Cassel, dem Vorstande des Justizministeriums, mich zum Ein- tritt in den Staatsdienst meldete, erwiderte mir dieser ziemlich ernst, die Zulassung könne wohl nicht so ohne weiteres gewährt werden, sei ich doch wegen eines Verbrechens in Untersuchung geliefert. Erst als ich dem Staatsrate den wirk­lichen Sachverhalt auseinanderfttzte und Kandidat Heise dies als wahr bezeichnete, wurde Bicken beruhigt und sagte befriedigt:

Dann stünde meiner Zulassung nrchts im Wege, hätte ich doch als Student keinerlei Strafe» erlitten und läge auch sonst nichts Nachteiliges gegen mich vor.

Der genannte Pfeifenkopf samt meinen an­deren 48 Pfeifen, die jch hatte, sind im Besitze der Hasso-Nassovia auf deren Kneipe in Marburg."

NB. Studiosus Schivank wohnte in, der Wettergafse bei Madame Staubosand, Studiosus Dronke wohnte bei Schneider Jakobi an der Schloßtreppe «nd von Voxberger wohnte bei Schreiner Stetefeld auf der Hofstadt.