mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg and Kirchham
Sonntagsbeilage» IllnstrirteS Sonntaas-lE
M 52
Vierteljährlicher Bezugspreis-, bet der Expidition 2 ML, bet allen Postämtern 2,25 M. <ejcU Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.
Reclameu: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Somabend, 3. März 1906.
—■—■■■BBB!—— i -mw
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Berlage Ioh. Äug. Koch, UmversttStEuchdruckerei 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
Berkin, f. März. Der Kaiser hat dem Mim- stecialdirektor Aühoff die Brillanten »um Kronen- ordeir erster Klasse verliehen. — Dem „Reichs- anzeicier" zufolge verlieh der Kaiser dec Prinzes- jtn Ettel-Friedrich den Luisenorden nut der Iah- peszabl 1813/14.
Berlin, 2. März. Anläßlich der silbernen Hoch, zeit des Kaiserpaares hat, wie die „National- zeitung" meldet, Prinz Friedrich Leopold dem Kaiser namens der Großlogen eine Stiftung von 100 000 Mark zu wohltätigen Zwecken überreicht.
Posen, 1. März. Der Kaiser soll nack einer Posener Privatmeldung der „Tägl. Rundschau" die Absicht haben, den diesjährigen Hebungen der Kavalleriedivision des fünften Armeekorps auf Kem Truppenübungsplatz m Posen beizuwohnen und den Grundstein des Restdenzschlosses zu legen.
Rom, 1. März. Die „Vita" meldet, der Vati, kau werde disziplinarisch gegen den Bischof Bono- kneift von Cremona einschreiten, weil er bekanntlich in seinem Hirtenbrief die Trennung der Kirche bont Staat empfahl.
Rom, 2. März. Der in Rom residierende Su. perior der Mattsten erhielt ein Telegramm auS Schanghai vom 7. Februar, in dem es heißt: Fünf unserer Brüder sind ermordet worden. Drei standen im Alter von 20, die anderen im Alter von 27 Jahren.
London, 2. März. (Reuter.) Es bestehe aller Grund anzunehmen^ daß in einem nahen Zeitpunkt die Konvention zwischen England, Frankreich und Italien, betreffend Abessynien unter- Keichnet werde.
London, 2. März. Wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, unternimmt der König infolge der Hoftrauer die Reise nach dem Festland in strengem Inkognito als Herzog von Lancaster. Der König trifft am Samstag morgen in Cher- bourg ein, am Abend in Paris, wo er bis Dienstag in der englischen Botschaft wohnen wird. Hierauf reist er nach Biarritz weiter.
Konstantinopel, 28. Febr. (Wiener Korr.» Bur.) Bei Djattova, Wilajet Monastir, fand ein Kampf zwischen Truppen und einer griechischen Baude statt. Die Griechen hatten einen Toten und jjiwi Verwundete, die Bande hatte drei Tote, unter denen sich der Anführer, Kapitän Georghi, befindet. Der Rest ftoh.
Konstantinopel, 28. Febr. (Wiener Korr.- Bur.) Die Reutermeldung aus Pettm über die Lage in 8) cm en wird von maßgebenden Kreisen gls unbegründet bezeichnet. Die Lage in fernen ist zwar verschlimmert, die gemeldeten türkischen Niederlagen und die Besetzung wichtiger Punkte durch die Insurgenten erscheinen jedoch unwahr. Auch gehen feine neuen Truppen dorthin, sondern nur 8000 bis 12 000 Rekruten zur Vervollständigung der sehr geschwächten Bestände.
Tokio, 1. März, lieber die Abberufung des Grafen Arco-Valley wird in der Presse allseitiges Bedauern ausgedrückt. Der Graf wird als der hervorragendste deutsche Vertreter bezeichnet, der bisher an dem japanischen Hofe beglaubigt gewesen ist.
71 (Nachdruck verboten.).
Die Brücke.
Roman von Willy Scharla«.
(Forisehung.)
Das Mädchen erschien mit dem Kaffee, stellte ihn arg ein neben dem Paneelsofa stehendes Tisch- 'chen und verschwand. Frau Oertel setzte sich auf das Sopha, während Roden sich einen Sessel heranzog und gleichfalls Platz nahm. Sie füllte die Tasse mit Kaffee, reichte Sahne mit Zucker und begann bmut ohne Umschweife:
„Ich bin Egoistin genug, Sie sofort wissen zu lassen, weshalb ich vor allem bat. Sie möchten Wich besuchen."
„Ich bin ganz Ohr, gnädige Frau. Hoffent- ftch befinde ich mich in der Lage, jedem Ihrer Wünsche nachkommen zu können."
1 „Ich möchte möglichst bald aufgeführt werden."
Ueber Rodens Gesicht zuckte es in freudiger Aebcrraschung. Sie wollte das Stück auf die *Bübne bringen, welches er kannte, und damit thvem Manne einen Schlag versetzen, wie et schärfer nicht geführt werden konnte.
! „Ein richtiger Gedanke," sagte er, aber nicht, ohne scheinbar zu überlegen. „Es ist ein gutes Stück, und wir werden es schon durchdrucken. Haben Sie es umgeschrieben?"
* „Nicht das Stück, welches Sie meinen, — ein anderes. Das erste liegt noch genau so da, wie Sio es zurückschickten."
„Ah! — ein neues Stück? — Sie sind produktiv, Frau Oertel. Und das wollen Sie jetzt vufsichren lassen? Darf ich es lesen?" i Hanns besann sich. Wenn sie ihm das Stück tzab, wenn er sich mit dem scharfen Seziermesser Der Kritik an dasselbe machte, wurde sie vielleicht «irs an sich und ihrem Werk. Das durfte aber
Die Konferenz in Algeciras.
Algeciras, 1. März. (Havasmeldung.) DaS RedaktionSkomites hielt eine Sitzung ob, die zwei Stunden dauerte. Die Beratung erstreckte sich auf Punkte des Bankentwurfs, wobei ein Einvernehmen leicht ist. Die Beratung der anderen Punkte wird heute Nachmittag ausgenommen. Um nicht da8 Spiel deS beständigen ZurückweichenS fortzusetzen, wurde beschlossen, diejenigen Artikel, deren Redaktion festgesetzt ist, von denen abzusondern, die reserviert bleiben werden. Gegenwärtig find sechs Punkte zurückgeftellt r Verteilung deS Kapitals Sih der Gesellschaft, Aufsichisrat oder . Bankkommissare, Gerichtsbarkeit, Verhältnis der Bank zum Maghzen und Verhältnis zur Spezialkasse. Ueber die anderen Punkte scheint ein Einvernehmen leicht zu sein.
Wien, 1. März. Die Behauptung Clömen- ceauS, Oesterreich-UngarnL DermittelungSaner- bieten in der Marokkofrage sei schroff zurückgewiesen worden, ist nach dem „B. T." unrichtig. 68 handelte sich überhaupt um kein formelles Anerbieten, sondern um einen Gedankenaustausch über die Marokkofrage im allgemeinen, wobei allerdings eine Jnterventionsmöglichkeit zur Sprache kam. Oesterreichs Vermittelung wurde auch nicht grundsätzlich zurückgewiesen, sondern als verfrüht bezeichnet und eventuell für später reserviert, da vorläufig Fortschritte, wenngleich nur langsame, in der Verständigung in Algeciras immerhin zu verzeichnen sind.
Rom, 1. März. Der Berliner Berichterstatter der „Tribuna" bebt die ruhige, würdige Haltung der deutscken Presse hervor, die zu der aufgeregten Sprache der Pariser Preffe in erfreulichem Gegensatz stehe. Leider hätten die Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluß der Konferenz in den letzten zwei Tagen wieder erheblich abgenommen.
Paris, 1. März. Aus Algeciras meldet daS „Echo de Paris": Die deutschen Delegierten warten Instruktionen aus Berlin ab. Trotz der Einwendungen deS Herzogs von Almodovar ersuchten die deutschen Delegierten um Vertagung der Konferenz auf Sonnabend, in Erwartung der notwendigen Anweisung aus Berlin; Sie fügten hinzu, daß es ihnen unmöglich wäre, an der Beratung der Banksrage ohne vorherige Instruktionen in nützlicher Weise teilzunehmen.
Algeciras, 28. Febr. Obwohl die Bearbeitung der Bankvorlagen durch die Kommission im wesentl'chrn fertig ist, dürfte die nächste Plenarsitzung nicht vor Sonnabend stattfinden, da noch eingehende Vorberatungen der einzelnen Delegationen, namentlich der deutschen, französischen und spanischen mit ihren amtlichen Sachverständigen erforderlich find. Der bevorstehende Besuch des Königs von Portugal in Madrid scheint den formellen Fortgang der Kon-
nicht fein, und ebensowenig wollte sie vor dem Abend gelobt werden.
Sie sann nach; ohne daß sie ihn anblickte, fühfte sie, wie seine Augen forschend auf ihr ruhten, und em unangenehmes Gefühl bemäch- tigte sich ihrer. Es war die instinktive Scheu einer feinfühlenden Frau, einem Fremden Einblick in ihr Seelenleben zu gewähren. Die Scheu, ihm zu zeigen, so bin ich, so fühle ich, so denke ich. Sie glaubte, es wäre ihr Freund, jetzt aber plötzlich, ohne besondere Veranlassung erschien ihr der Mann, welcher ihr gegenüber saß, in etwas anderem Licht. Sie konnte nicht so viel Vertrauen zu chm fassen, sich und ihr Wollen ihm ganz zu offenbaren.
Er legte ihr Zögern anders aus.
„In wenigen Tagen komme ich von Helgoland zurück," meinte er, „dann habe ich es gelesen unb kann es mit Ihnen besprechen."
„Ich möchte es nicht," erwiderte sie kopfschüttelnd. „Lassen Sie mich zum erstenmal meinen Weg ganz allem gehen, ich hoffe es zu können. Rur fürchte ich, daß ich leicht einen Irrweg einschlagen möchte, der nicht zum Ziele führt."
Roden war etwas enttäuscht, aber er erklärte sich trotzdem zu jeder gewünschten Auskunft bereit.
„Me würden Sie es machen, auf die Bühne zu kommen?" fragte sie.
Er lachte.
„Ich? Mein Stück, vorausgesetzt, ich schriebe eins, würde man vor Angst aufführen, um sich nicht mehr mit mir zu verfeinden. Das ober zieht nur bei wenigen Sterblichen."
Dann ober setzte er auseinander, was geschehen mußte. Zunächst drucken lassen. Einen Verleger gab er an, welcher zwar die Selbstkosten, ein paar hundert Mark, ersetzt haben wollte, dafür aber auch alles nach Wunsch und gut be- sorge. Die Herausgabe des Stückes im Buch-
ferenzarbeiten insofern beeinflußen zu sollen, als die dann eventuell zu erwartende Rückkehr des Herzogs von Almodovar nach Madrid die wenigstens interimistische Wahl eines neuen Vorsitzenden nötig machen würde.
Deutsches Reich.
Berlin, 2. Märzi
— Seine Majestät der Kaiser hörte gestern Donnerstag Vormittag die Vorträge deS KriegS- ministers, des Chefs des EeneralstabeS der Armee und des Chefs des Marinekabinetts und begab sich gegen 12 Uhr mit der Kaiserin zur Einweihung des Kaiserin Friedrich-Museums für das ärztliche Fort- bildungswesen. Abends wobnte der Kaiser einem Kapitel des Ordens vom Weißen Hirsch beim Fürste« Pleß bei.
— In Anwesenheit des Kaiserpaares, der Großherzogin von Baden, der Prinzen und der Prinzessinnen des Kaiserhauses, einer glänzenden Reihe von Vertretern der Behörden, Gelehrten, Aerzten usw. erfo'gte mittags die feierliche Eröffnung deS Kaiserin Friedrich-HauseS für das ärztliche Fortbildungswesen. Professor von Bergmann hob in der Festrede hervor, daß , die Kaiserin Friedrich den Gedanken einer planmäßigen Fortbildung der Aerzte während der eigenen schweren Krankheit anregte. Sir Felix Scmon, der Arzt König Eduards, brachte die Wünsche des Königs für das Haus dar, das infolge einer Anregung seiner Schwester entstanden sei. Gesandter von Lerchenseld sprach die Wünsche des Prinzregenten Luitpold für ein gesegnetes Wirken des Hauses zum Besten der ganzen Welt aus. Minister Studt brachte das Kaifer- hoch auS, in daS die Versammlung begeistert ein» stimmte. Hierauf hielt der Kaiser eine längere Ansprache und betonte, daß der erschütternde Heimgang seiner Mutter den Segen gehgbt habe, daß das Gefübl der Menschenliebe in vielen Herzen erweckt wurde, die ihrerseits schöne Taten zum Wohle der leidenoen Menschheit auslöste. Nach einem Vorträge von BeethovenS „Die Himmel rühmen, deS Ewigen Ehre" machten die Majestäten und sürstlichen Gäste einen Rundgang. Es folgten Awprachen zahlreicher Delegierten der ausländischen Institute, darauf ein Rundgang sämtlicher Festgäste durch die Räume deS Hauses, das Laboratorium und verschiedene Äus- stellungcn des Medizmatwesens.
— Das Herrenhaus wird vom 8. März ab einige Plenarsitzungen abhalten. Für die auf nächsten Donnerstag angesetzte Beratung befinden sich folgende Gegenwände auf der Tagesordnung: Lotterievertrag mit Oldenburg, Novelle des Gesetzes betreffend die Gewährung von B ohnungsgeldzuichüssen, Entwurf zu einem Kreis- und Prvvmzial-Abgaben-Gefetze. Diese drei Vorlagen sind im Abgeordnetenhaufe bereits durchberaten. Hierzu kommen noch der zuerst dem Herrenimuse zugegangene Vertrag wegen Regelung der Waiserabflußverhältnisse an der preußifch-nieder- ländischen Grer.ze und zwei Petitionen.
— Der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine Deutschlands hat dem Kaiserpaare zur silbernen Hochzeit eine künstlerisch bergefteilte Adresse zugehen lassen, die folgenden Wortlaut bat: ,M.-Gladbach, Volmarstein. Siegen und Frankfurt a. M.. den 20. Februar 19C6. Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestäten nahen sich b;e ehrerbietigst Unterzeichneten im Nomen von 82 000 kaiser- und reichstreuen deutsch-kvangeli-chen Arbeitern, Handwerksgehllfen und kleinen Beamten, um Ew. Mcjestälen an Allerhöchst Ihrem Jubel- und Ehrentage unsere inrigst-ausrichtigsten Gluck- und Segenswünsche darzubringen Ew. Majestäten haben dem
handel dürfte aber erst erfolgen wenige Tage vor der Aufführung oder am Tage berfeiben selbst.
„An die Intendanz oder Direttion der besten Theater werden, sobald Exemplare an Sie gekommen sind, solche geschickt; jedes mit einem Begleitschreiben, in welchen: sie Ihr Licht durchaus nicht unter den Scheffel stellen dürfen, vielmehr sich einer fräftigen Sprache befleißigen müssen. Apropos, gnädige Frau, ich weiß ja nicht einmal, welcher Art Ihr Stück ist."
„Ein Schauspiel ernsten Inhalts.*
„Totschießen zum Schluß?"
„Nein, es endigt gut."
„Sehr verständig, denn bas Publikum hat bie Knallerei zum Schluß herzlich über. Ist es Hof- thsaterfähig?"
„Was versteht man darunter?"
«Wird der Adel mitgenommen? Spielen Fürsten eine wenig angenehme Rolle, werden Staats- einrichtungen oder gar die Kirche durchgehechelt? Kurz, farm ein Hofmann ober ein Staatsbeamter das Stück ansehen ohne zu erbleichen?"
Sie lächelte.
„Ob er es verstehen wird, weiß ich nicht, aber anhören kann er es, ohne der Sonne höchster Gunst verlusttg zu gehen."
„Um so besser, so senden Sie es auch an bie Hostheater. Es gibt auch solche. Sie finben alles bezügliche im Kürschner, den Sie natürlich besitzen."
Dann kam Roben noch einmal auf ihr erstes Stück unb riet bringenb, dasselbe zunächst einzu- reichen. Einen so entschiedenen Schlager dürfe sie sich nicht entgehen lassen.
Sie schüttelte nut ablehnend den Kopf.
Es mtftonb eine längere Pause. Er sah bie junge Frau forschenb an, blickte sich dann im Zimmer um, sah auf den Schreibtisch, die ganze schwere und echte .Einrichtung, unb Brummte vor sich hin:
deutschen Volke das Bild eineS glücklichen Familienlebens auf dem Throne vorgelebt; dafür danken wir Gott von ganzem Herzen. Sott der Herr hat die Ehe Ew. Majestäten innerlich unb äußerlich reich gesegnet ; möge er sie auch weiter segnen nach dem Reichtum seiner Gnade! DaS wünschen und erflehe« von Gott dir Vertreter deS SesamtverbandeS de» Evangelischen Arbeitervereine Deutschlands."
— Die Kriegervereine find im Laufe d» Jahre zu einer immer größeren Bedeutung gelangt. Der Kyffkäuser-Bund umfaßt in seinen 27 Lande?, Verbünden rund 26000 Vereine mit fast 2»/, Millionen Mitgliedern. Leider ist die Kenntnis von dem Krieger« vernnSwesen nicht so tief inS deutsche Volk gedrungen wie eS zu wünschen toäte; Die Schuld liegt zu» groben Teile daran, daß eS an einem eingehende^ leicht verständlichen unb dabei billigen Werke über die Kriegervereine fehlte. Diese Lücke ist nach jeder Richtung hin ausgefüllt durch das soeben fjerttitf« gegebene Handbuch für die Kriegervereine deS Preu, ßifchen LandeSkriegerverbanbes, bas vom Bureau bei Deutschen Kriegerbunbes, Berlin W. 62, Kurfürsten» straße 97, für 2,20 Mk. zu beziehen ist. Auf mehr alS 160 Seiten hat bet Verfasser, Geheimrat Professor Dr. Westphal, der seit vielen Jahren an hervorrageu« der Stelle im deutschen KriegervereiuSwesen wirkt, i« gedrängter Form und leicht faßlich alles das einheitlich dargestellt, was über die Kriegervereine zu wisse« nötig ist. Auch denen, die dem Kriegervereinswesea fernstehen und ein anschauliches Bild von dem Wese« und Wirken dieser wichtiaen, staatserhaltenden Organisation im Deutschen Reiche gewinnen möchte«, wirb baS Hanbbuch gute Dienste leisten.
BarlaMeMarMee.
Deutscher Reichstag. 1
Berlin, 1. März.
Der Reichstag setzte am Donnerstag die allgemein« Besprechung deS Justizetats fort. Erster Redner war Abg. Porzia ckons.), der in einer großangelegk« Rebe sich zunächst dahin aussprach, baß sich von bat Justizgefetzen die Konkursorbnung am beste«, Me Strafprozeßorbnung am schlechtesten bewährt habe; in bet Mitte stehe bie Zivilprozeßordnung. In be« Slralprozeßorbnung müsse bet Sachverständigenbeweil auf eine neue Grunblage gestellt werben. Jetzt sei bie «eit gekommen, die Mitwirkung der Laienrichter in allen Instanzen burchzusühren; dabei handle el fich nicht um Abschaffung der Schwurgerichte, sonder« um ihre Urngießung in eine zeitgemäßere Gestalt. Das angebliche Schwinden des Vertrauens zu unserer Rechtsprechung gehe im wesentlichen auf unzulässige Verallgemeinerungen zurück, unb diele seien zu verwerfen, so notwendig auch eine sachlich scharfe Kritik der Gerichtsurteile sei. AIS Redner unter allgemeiner Heiterkeit dem Abg. Stabthagen lsoz.) zugestanb er erfülle daS auf dem Jenaer Parteitage gegebene Versprechen, noch ruppiger zu werden, stellte Präsident Graf Ballest rem unter erneuter Heiterkeit test, eine solche außerhalb des Hauses abgegebene Erklärung eines Abgeordneten dürfe im Haufe nicht wiederholt werben. Abg. LucaS (nl) bat. im Reichstage nur typische Urteile zu kritisieren, währenb Staatssekretär Dr. N i e b e r b i n g auf bie Frage ber Entlastung beS Reichsgerichts zurückkam unb erst weitere Erfahrungen abzuwarten bat. Abg. Stückten (Soj.) meinte, bie heutige Rechtsprechung sei Klassenjustiz unb deshalb bringe ihr bie Sozialdemokratie auch fernerhin kein Vertrauen entgegen. Die GefängmS- arbeit müsse ebenso entlohnt werben, wie bie Arbeit ber freien Arbeiter. Staatssekretär Dr. Nieder« ding trat der Behauptung entgegen, baß im beut« schen Arbeiterstande das Vertrauen zur Rechtsprechung allgemein geschwunden sei. Gegenüber der Parteckich- teit und dem Terrorismus der Sozialdemokratie müsse
„Wunderbar!"
„Was ist wunderbar?"
„Sehr einfach, gnädige Frau. Ich frage mich im Stillen, wie lange das hier noch so dauer« würde?"
„Ich verstehe Sie nicht, Herr Roden. Sie müssen sich etwas deutlicher ausdrücken!"
Einen Augenblick überlegte der Mann, was er dadurch zu bemänteln suchte, daß er den Res! seines Kaffees austrank. Er meinte aber, dal Eisen sei warm, er könne beginnen, es zu schmieden. Wann kam denn auch eine so günstige Ge- legenheit wieder, als diese? Sie selbst rief ihn, er hatte sie sich verpflichtet. Sie stand allein, hatte niemand und fühlte das Bedürfnis, sich an jemand anzuschließen. -----------
Doch bist keck du und verwegen------
„Ich meine, wollen Sie dauernd in diesem Zustande des Alleinseins beharren gnädig« Frau?"
Sie fuhr zusammen. Was wollte er. Sprach er in Oeriels Auftrag als fein Freund? Marga batte sie zurückgewiesen, sollte sie dasselbe noch einmal hin müssen?
•,^ein!" erwiderte sie kurz.
„Das ist ja auch meine Ansicht", erklärte er. „Dieser Zustand muß für eine Frau auf d« Dauer geradezu unerträglich werden. Sre muffen mit fester Hand die Konsequenzen ziehen auf dem, was gefchchen ist."
„Ich verstehe in der Tat nicht, Herr Roden. Welche Konsequenzen?"
Sie sah ihm starr in das Gesicht, und er erwiderte nun hastig:
„Sie leben getrennt von Ihrem Manne. Sie sind an ihn geblinden, ohne doch eigentlich noch verheiratet zu sei. Sie müssen sich Ihre Freiheit wieder verschaffen, indem Sie sich scheid«» lassen.' . _ _. ’
'(Fortsetzung folgte