mit dem Kreisblatt tut die Kreise Marburg und Kirchhain.?
Sonntagsbeilage: IAuprirtes Sonntagsblatt.
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Marburg Freitag. 2. März 1906.
Erscheint wöchentlich flehen mal.
Druck und Verlag' Joh. Bug. Koch, UmversttLtsMichdruckerei 41. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon d5.
Neueste Telegramme.
Berlin, 28. Febr. Der heut» im Reichstag eingebrachte Gesetzentwurf betreffend Ab- ünderung der Haftpflicht deS Tierhalters bestimmt, daß die Ersatzpflicht des Tierhalters für die Tötung oder Verletzung eines Menschen oder für eine Sachbeschädigung wegfällt, wenn der Schaden durch ein Haustier verursacht wird, da8 dem Berufe, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalte des Tierhalters, zu Renen bestimmt ist, und wenn entweder der Tierhalter bei der Beaufsichtigung deS Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobacht» oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden fein würde.
Hamburg, 28. Febr. Alfred Beit stiftete, laut „Frkf. Ztg." zwei Millionen Mark für wissenschaftliche Zwecke. Vermutlich soll damit der Grundstock für die künftige Universität gelegt werden. Nach den vorliegenden Informationen scheint es sicher, daß die Frage einer Universität in Hamburg in nicht ferner Zeit in das Stadium der Vorbereitung treten Wird.
Hamburg, 1. März. Gestern Nachmittag gingen die Dampfer „Eduard Woermann" und „Professor Woermann" nach Südwestafrika in See mit 45 Offizieren, 770 Mannschaften und 850 Pferden.
Paris, 28. Febr. Entsprechend dem gestrigen Beschlüsse der Kammer und des Senats wird bom 16. April ab das Briefporto im inneren Verkehr und im Kolonialverkehr von 15 auf 10 Centimes herabgesetzt.
Madrid, 28. Febr. Die Truppen des Prätendenten hatten unweit Melilla ein blutiges Gefecht mit den Truppen des Sultans. Der Lezir des Prätendenten und zahlreiche Anhänger desselben fielen.
Peking, 27. Febr. Die Regierung erteilte dem Gouverneur von Nachang die Weisung, alle Teilnehmer an den jüngsten Niedermetzelungen der Missionare streng zu bestrafen, und erklärt sich bereit, jede maßvolle Sühne, die gefordert werde, zu leisten. Die deutschen, englischen Und amerikanischen Kanonenboote gehen so nahe wie möglich an Nachang heran.
Die Festlichkeiten im Kaijerhause.
Berlin, 28. Febr. Auf der Fahrt nach Hubertus stock traf Prinz Eitel Friedrich mit seiner jungen Gemahlin heute Nacht kurz nach 11% Uhr auf Station Werbellin- see ein, empfangen von freudigen Hurrarufen der dort versammelten Menschenmenge. Das neu- vermählte Paar bestieg alsdann ein Automobil, um sich nach dem Jagdschloß Hubertusitock zu be- geben. Ettva 50 Meter vom Bahnhof entfernt, Begegnete das prinzliche Automobil einem Gepäckwagen, der das Gepäck vom Hofzug abholen sollte. Die Pferde dieses Wagons tvurden durch das bleu-
70 .Nachdruck verboten.).
Die Brücke.
Roman von Willy Scharlan.
, (Fortiepung.l
„Nicht meinen. Kleine," sagte sie. „Ich glaube, Du hältst mich für eigensinnig, für halsstarrig lind verblendet."
„Bist Du cs denn nicht?" lautete die schüch- lerne Gegenfrage.
_ „Nein, das bin ich nicht. Aber das Buch sagt mir folgende?: Es ist eine Kluft zwischen uns, nimm einen Anlauf und springe tapfer zu. Du wirst schon hinüberkommen, ich werde Dich auffangen. Es gehört nur Courage dazu, und — Selbstverleugnung. Ich aber sehe, daß die Kluft für einen Sprung zu breit ist, und ich will nicht tu den Abgrund stürzen. Ich will auf einer festen Brücke sicher hinübergehen, und ist eine solche Ber. brndung da, dann —"
„Dann?"
. „Tann werde ich ihm sagen: Diese Brücke ist Leben. Wir wollen uns in der Mitte treffen und Hand in Hand den Weg durchs Leben fartsehen."
„Itnb diese Brücke?"
„Ist das Buch nicht. Diese Elisabeth ist am End? ihrer, Kraft. Sie wagt den Sprun» über die Kluft in ihrer Verzweiflung, kaum wissend, was sie tut. Sie stürzt, der auf der anderen Seite .Stehend? erfaßt sie im allerletzten Augenblick und zieht sie zu sich empor. So bin ich nicht. Aber er hat meine Individualität bis jetzt noch nicht rennen gelernt. Er meinte, ich müßte so sein wie vre Frauen, welche er sich selbst konstruierte, und ms ich anders war, gab er sich keine Mühe um nnch."
„O Hanns, wie mich das betrübt," schluchzte Maraa. ______- .
dende Licht schell und der Kutscher konnte sie nicht halten. Der Führer des Automobils konnte auch nicht mehr ausweichen, und so streifte ein Rung« das Gepäckwagens das Automobil so dicht, daß eine Fensterscheibe eingedrückt wurde. Die Prinzessin schien erschrocken, beruhigte sich aber bald und konnte auf di« besorgten Fragen der teil- nahmsvoll sich erkundigenden Zuschauer antworten, daß nienland verletzt sei. Bald daraus setzte das neuvermählte Paar die Fahrt nach Hubertusstock fort.
Rom, 28. Febr. Anläßlich der silbernen Hochzeit des deutschen Kaiserpaares fand, gestern Abend in der deutschen Botschaft ein glänzender Empfang statt. In demselben erschienen u. a. Minister di Guicciardini, das diplomatische Korps, die Mitglieder des Adels und View Offiziere.
L o n d o n, 27. Febr. (W. B.) Ans Anlaß der silbernen Hochzeft des deutschen Kaiserpaares fand hier im deutschen Athenäum ein Festmahl statt, bei dem der deutsche Botschafter Graf Wolff- Metternich eine Rede hielt.
Madrid, 28. Febr. (W. B.) Nachdem als Vorfeier der silbernen Hochzeit des Kaiferpaares am Samstag der deutsche Konsul Schlieben die deutsche Kolonie zu einem Tanzfeste geladen hatte, gab gestern der deutsche Botschaftsrat von Stumm ein Hernenfrühstück, an dem außer der Botschaft und dem Konsulat die Vorstandsmitglieder der sechs deutschen Vereinigungen sowie zahlreiche deutsche Kaufleilte, Journalisten und Angestellte teilnahmen. Am Abend fand ein Bankett und Ball statt, an dem sich auch viele Spanier beteiligten.
N e w y o r k, 28. Febr. Kaiser Wilhelm sandte dem hiesigen Kriegerbund eine Dankdepesche für das Geschenk zur silbernen Hochzeit.
Algeciras, 28. Febr. (W. B.) Zur Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares bereinigte Botschafter v. Radowitz gestern die hier anwesenden Deutschen zu einem Festmahl um sich; während der Tafel hielt der Botschafter eine Rede, in der er darauf hinwies, welchen hohen und idealen Wett für die Rattan das vorbildliche Familienleben des hohen Jubelpaares besitze.
Die Konferenz in Algeciras.
Eine Berliner Zuschrift der sehr oft offiziös verwendeten „Südd. Reichskorresp." erklärt: „Es ist fein bloßer Stimmungsemdruck, wenn man den Fortgang der Konferenzarbeften in Algeciras als vorläufig gesichert bezeichnen kann. Die Bankfrage steht nicht mehr im Zeichen eines aus- Wießlich deutsch-französischen Gegensatzes, sie wird nicht in der Form, eines diplomattschen Duells zweier Großmächte behandelt, bei dem alles darauf ankommt, daß der eine Teil den anderen niederzwingt. Es sind nicht unerhörte deutsche Sonderwünsche, die sich den Ansprüchen Frankreichs in der Bankfrage entgegenstellen, sondern fachliche Interessen einer ganzen Reihe von Mächten, denen Rechnung zu tragen für Frankreich um so weniger verletzend fein kann, als absichtliche Umgehungen des Grundsatzes der offenen Tür nicht zmn Programm der französischen Marokkopolitik gehört. Alles, was unsere west»
„Weshalb? Weil ich nicht am Ende meiner Kraft bin? Aber, kleiner Liebling, ich wende sie doch nur an, die Brücke zwischen ihm und mir aufzurichten, und — ich kenne ihn besser, als er mich kennt. Er wird die Brücke benutzen, gerade wie ich es tun werde."
„Ich weiß, er wartet auf einen Brief von mir, Hanns; was soll ich ihm nur schreiben?"
„Was Dir Dein Herz sagt, MarM. Uns zu- sammenzufübren, das geht über Deine Kraft, aber Du wirst dieKlust nicht verbreitern. Schreibe, was Du siehst und horst, die Wahrheft."
Marga nickte zustimmend. Die Wahrheit wollte ich schreiben, aber die vettetzt so leicht.
So schrieb sie, daß Hanns das Buch schr gut fände und was sie an sehr geringen kritischen Ausstellungen bei einzelnen Stellen geäußett hätte.
Oettel bis die Zähne zusammen, als er diesen Bttef las. Also weiter hatte sie für feine Arbeit nichts übrig. Das war eine Kritik, tote sie jeder liefern konnte, kein Wort darüber, daß sie seine Absicht erkannte. Er stieg hoher in das Gebirge hinauf, dott Ruhe und Vergessen zu finden.
Vergebens. Von Tag zu Tag empfand er mehr, was er verlor, als sie ging. Er wurde noch sttller, fast menschenscheu, und vermied fröhliche Gesellschaft, wie sich dem Reisenden aus Schtttt und Ttttt bietet. Er verzehtte sich in Sehnsucht nach der Einen und konnte doch nicht den Entschluß fassen, hm zu eilen und zu sagen: Komme wieder zu mir.
Das konnte er nicht, denn damit hätte er zugegeben, sie stände so hoch wie er, leistete dasselbe. Und den Beweis blieb sie bis jetzt schuldig, trotz aller Prätensionen, mft welchen sie austrat.
Aber wie damals vor zwei Jahren beherrschte »hn der Gedanke an diese Frau voWändig. St
lichen Nachbarn mit einem Wott Gambettas „hie innere Vernunft der Dinge" nennen, spricht gegen den voreiligen Abbruch der Beratungen von Alge- ciras, und es wird auch nicht dazu kommen, wenn nicht Störungen die Oberhand gewinnen, die aus der Marokkofrage einen Spielball ber politischen Leidenschaften machen und den eigenen untre- ftümen Widerwillen gegen das loyale Ausharren am Konferenzwett auch den verantwortlichen Politikern aufzwingen möchten."
Paris. 1. März. Jaurds bespricht in seiner „Humanitö" die auf der Konferenz von Algeciras zu Tage getretene Tatsache, daß die Fabttken von Le Creusot von Marokko Konzessionen für zwei Häfen erhalten haben, ohne daß die französische 9hegierung davon Kenntnis hatte. Der Besitzer der Creusot-Wette sei der Abgeordnete Schneider, der auch zmn französischen Marokko-Komitee gehöre; dieses Komitee habe bereits das ganze Sultanat unter sich vetteilt gehabt und wolle setzt die Konferenz zum Scheitern bringen, um freie Hand zu behaften. Jaurt^s beschuldigt das Ko- mitee, seine Hand auf die Presse und selbst auf die Diplomatie gelegt zu haben.
Algeciras, 28. Febr. Wie verlautet, wird die nächste Sitzung der Konferenz am Samstag stattfinden.
Wien, 1. März. Di« „Pol. Korresp.* erfährt aus Paris, daß die marokkanischen Delegierten der Konferenz einen Entwurf für die Organisation der Polizei vorlegen werden.
Zur Lage in Rußland.
Aus ben Ostsecproviuzen.
Zu den sozialdemokratischen Darstellungen der Revolution in den Ostseeprovinzen totrd uns von einer mit den Vorgängen genau vertrauten Seite geschrieben:
Die sozialdemokratische Preff» bemüht sich unabläffig die in den baltischen Provinzen stattfindenden Bestrafungen der Mörder und Mordbrenner als eine unerhörte von den deutsche« Balten provocierte Ungerechtigkeit darzustellen. Zu diesem Zwecke wird jedes Mittel der Ver- läumdung und Entstellung benutzt. So behauptet der „Vorwärts" in seiner Nr. 85, daß die Einäscherung „einiger Güter" — eS find in Wirklichkeit 243 — die Tat einzelner „gepeinigter" oder „böswilliger Individuen" gewesen sei, „mit denen die Revolution und daS Volk im allgemeinen nichts zu schaffen hat." In den meisten Fällen hätten die Gutsbesitzer ihre Häuser selbst niedergebrannt „um dadurch au» den Kaffen der Versicherungsgesellschaften große Summen zu erhalten und alles auf die Revolutionäre wälzen zu können." Dem gegenüber sei festgestellt, daß die baltischen Deutschen Niemand peinigen konnten, weil weder Recht noch physische Macht sie hierzu in den Stand gesetzt hätte. Die 243 Guter sind aber nicht durch einzelne Bösewichte heimlich angezündet worden — dagegen hätte man si-h meist schützen können — sondern von großen Volkshaufen nach Vertreibung der Gutsbesitzer gewaltsam niederge
konnte nicht arbeiten, keinen anderen Gedanken fassen. Wohin er auch blickt, überall scch er ihr Bild.
Dann sprang er wütend auf, rannte in die Berge, auf und nieder und wieder bergauf, bis er abends totinüde auf sein Lager sank, um — von ihr zu träumen.
Er wollte diese Frau hassen und liebte sie doch über alles.
Und sie dachte wohl nicht weniger ost an ihn. In fieberhafter Tätigkeit beendete sie daS Stück, auf welches sie große Hoffnungen setzte. Als sie geschrieben „Vorhang fällt", Atmete sie hoch auf.
Aber was mußte nun geschehen?
„ Hanns Oettel kannte niemand, der in enger Fühlung mit dem Theater stand, womöglich Mitglied eines solchen war und ihr guten Rat hätte erteilen können. Ohne einen solchen aber mußte sie Fehler über Fehler machen und durch die Fehler vielleicht den ganzen Erfolg des Stückes, zum mindesten aber einen baldigen Erfolg in Frage stellen. Und daraus kam es jetzt an.
Plötzlich fiel ihr Roden ein.
Sie entsann sich, daß er eine Reise nach Helgo- land vorhatte, daß er durch Marga um die Er- laubnis bitten ließ, ihr einen Besuch machen zu diirsen. Dieser Mann wußte alles, kannte alles, sein Rat würde zweifellos der richttge sein.
Mutmaßlich wattete er auf die Erlaubnis, kommen zu dürfen. So setzte sie sich rasch noch einmal an den Schreibtisch und warf einige Seilen auf das Papier, daß ihr fein Besuch willkom- men sein würde, da sie ihn in geschäftlichen Angelegenheiten sprechen mochte.
Umgehend erhielt sie die Antwort, er fahre am Sonnabend nach Hamburg, würde über Uel- zm fahren und sich erlauben, ihr gegen Mittag seine Aufwartung zu machen.
brannt worden. Diese gewaltsamen Elnäsche» tungen haben stattgefunden, bevor irgendwelch» militärische Strafexpedition stattfand. Di» GutSgebäude find oft wie eS z. B. bei Her« von EiverS der Fall war, garnicht verfichert gewesen. Waren die GutSgebäude aber auch Vev» sichert, so konnte auf eine Entschädigungszahlung nicht gerechnet werden, da die VerficherungSge« sellschaft der Gutsbesitzer aus Gegenseitigkeit beruht, welche die Mittel zur Entschädigung von Massenbrandstiftungen nicht besaß oder von den Gutsbesitzern selbst hätte aufgebracht werden muffen.
Die anderen russischen Verficherungsactien« gesellschaften aber sind statutenmäßig zur Entschädigung in Revolutionszeiten nicht verpflichtet. Wenn der „Vorwärts" seine Leser davon zu überzeugen versucht, daß die Gutsbesitzer ihr Eigentum selbst zerstört haben, um dadurch gegen die Revolutionäre aufzureizen, so könnt» man mit dem gleichen Rechte behaupten, die an den deutschen Gutsbesitzern, Pfarrern, Aerzten, Gewerbebetreibenden etc. auSgeführten Mordtaten seien Selbstmorde gewesen.
Berschiedene Meldungen.
Petersburg, 28. Febr. (PeterSb. Ttt.» Ag.) Unter dem Vorsitz deS Kaisers fand gefte« in ZarSkoje Sselo eine Beratung statt, woran außer dem Ministerrat die Vorsitzenden der Departements deS Reichsrat» und einige Mitglieder desselben teilnahmen. Die Sitzung dauerte fünf Stunden, doch wurden die auf der Tagesordnung stehenden Fragen (Reorganisation deS ReichLratS, Abänderungen der Gesetze betreffend die Reichsduma entsprechend dem Manifest vom 30. November 1905 und entsprechend der bekannten Denkschrift Wittes), nicht erledigt. Der Kaiser verschob die Fortsetzung der Beratung auf einen der nächsten Tage. ES ist zu erwarten, daß innerhalb der nächsten zehn Tage über den Gegenstand ein kaiserliches Manifest erscheint.
Petersburg, 28. Febr. Auf der Station Gatschina wurde gestern Abend der Betriebschef der Warschauer Bahn Ruchlow von mehreren Personen überfallen und schwer verwundet. Di» Täter, die flüchteten, erschossen einen Schutzmann und verwundeten einen zweiten. Es scheint sich um einen Racheakt von Arbeitern zu handeln, die wegen deS Ausstandes entlassen worder waren.
Moskau, 28. Februar. Man zählt 68280 Arbeiter, welche das Wahlrecht für die Reichsduma haben und 333 Delegierte wählen können.
Rjäsau, 28. Febr. (PeterSb. Tel.-Ag.) Die Wahl der Arbeiterdelegierten wird am S. März vorgenommen.
Minsk, 28. Febr. (PeterSb. Tel.-Ag.) Zwei gefüllte Bomben sind heute auf der Straße gefunden und der Polizei übergeben tootben.
Pünktlich erschien Roden, fein, liebenswürdig, geistreich und witzig wie immer. Er schien ganz besonders guter Laune zu sein, welche auch durch Margas Anblick nicht abgeschwächt wurde. Ihre Gegenwart war ihm freilich nicht sehr angenehm, denn sie bewies, daß immer noch nicht jede Verbindung zwischen Oettel und seiner Frau abgebrochen war. Aber sehr stark konnte diese Verbindung nicht mehr sein. Seit einem Vierteljahre lebten die Leute ganz getrennt,, und gut war ihr Einvernehmen vorher längst nicht.
Beim Frühstück machte er Frau Hanns halb ftn Scherz, halb ftn Ernst die bittersten Vorwürfe daß sie ihn ihrer Mitarbeiterschaft beraubt hättch aber er hoffte doch noch auf die Zukunft. Dann sprach er von dem und jenem; von allem, was m Berlin vorkam, von der Kunstausstellung und von den letzten Nummern seines Blattes.
Plötzlich meinte er aber:
„Das zu Höven, war wohl kaum der Zweck Ihrer Berufung, gnädige Frau."
Man erhob sich von Tisch, und er fuhr, wahrend er mit Frau Oettel in ihr Arbeitszimmer ging, fort zu sprechen:
„Es ist hart von Ihnen, mich einen Zug, überschlagen zu heißen, nur um Geschäftliches mit mt< zu verhandeln. Aber ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung, wenn ich auch noch nicht recht begreift, welcher Art diese Geschäfte sein mögen.*
„Durchaus ernsthafte Geschäftssache. Marga wird für Kaffee sorgen, den wir hier nehm« können, und rauchen dürfen Sie auch.*
„Danke, aber ich enthafte mich auf Erholungsreisen dieser schleckten Angewohnheit.* I
„Wie Sie wollen, aber Sie dürfen rauchen.»
(Fortsetzung folgt.) i