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Erscheint wSchmtlich sieben mal.

Druck Md Verlag- Joh. Avg. Koch, UmverfitätS-Vuchdruckerri 41, JllhM Marburg. Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 1. März 1906.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntagsblatt. ~~

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedirion 2 Mk., -»< j»a btt allen Postämtern 2,25 M. tejcl. Bestellgeld),

n» Ov Jnsertionsgebnhr: die gespaltene Zeile oder derm Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Bestellungen für den Monat März aus die Oberhefsische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.

Neueste Telegramme.

Berlin, 27. Febr. DieBerliner Poli­tischen Nachrichten" melden. Die Novelle zum Reichskaffenscheingesetze steht die Einführung von Kassenscheinen zu 10 Mark und die Ver­mehrung derjenigen zu 5 Mark vor. Hingegen scheiden die Kassenscheine zu 50 und zu 20 M. infolge deS Gesetzes über die kleinen Banknoten auS.

Berlin, 27. Febr. Der .Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betr. die Handelsbezie­hungen zu den Vereinigten Staaten von Ame­rika vom 26. Februar und die Bekanntmachung deS Bundesrates dazu vom 26. Februar.

Berlin, 28. Febr. Die Ausstellung für Säuglingspflege wird vorauSsiwtlich am 8. März d. I. eröffnet werden. Sie ist aus dir Erfahrung heraus in Angriff genommen worden, daß es bisher weiten Kreisen der Bevölkerung an der Kenntnis der einfachsten Grundlehren der Säuglingspflege fehlt. Es ist zu erwarten, daß sie der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit auf dem Wege der Volksbelehrung durch An­schauung dienen wird. Den Ehrenvorsitz haben die Erbprinzessin zu Wied, sowie der Kultus­minister Dr. Studt übernommen.

Tndingeu, 27. Febr. Die deutsche Bur­schenschaft sttstete anläßlich der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares rund 7000 Mark für die deutschen Krieger in Süd-West-Afrika.

Washington, 27. Febr. (Reuter.) Prä­sident Roosevelt hat, um die Notwendigkeit zu betonen, das Personal der Armee nnd Marine in Friedenszeiten auf der höchsten Stufe der Leistunosfähigkeit zu erhalten, um für bin Fall des Krieges gerüstet zu sein, ein Schreiben an den Kriegssekretär gerichtet, in dem tr die Heldentaten Togos aufzählt und zu Nutz und Frommen der amerikanischen Soldaten und Seeleute Togos Armeebefehl bei Beendigung :deS russisch-japanischen Krieges wiedergiebt. Dieser Brief ist als allgemeiner Armeebefehl verbreitet worden-

69 lNachdruck berboten.)

Die Brücke.

Roman von Willy Scharlau.

(Fortsetzung.)

21. Kapitel.

Die nächsten Wochen vergingen der jungen Frau in fieberhafter Täfigkeit. Als sie ihr Werk dnrchlas, gefiel es ihr immer noch nicht ganz. Der Nofilift arbeitete.

Hier kloppte eine Szene noch nicht, da er­schien ihr das gfip-ochene Wort alltäglich, eine Redensart, banal.

Sie iah die Menschen vor sich, wie sie auf die Bühne kamen und wieder gingen, wie sie spra­chen, was sie taten. Sie sollten es tun wie leben, dige Menschen, aus eigenem Wollen, Fühlen und Denken, wie lebende Wesen, nicht tor« Theater- Puppen oder Marionetten.

An dem Ganzen, an dem Gang der Handlung, an dem Konflikt und seiner Lösung war nichts zu andern.

So »var sw, so war er. Ohne Schönfärberei, nach dem Leben gezeichnet und scharf tote Silhouetten umrandet. Nun konnte die Brücke über den gähnenden Abgrund geschlagen werden, um damit eine dauernde Verbindung zwischen zwei Menschenseelen herzustellen, welche für ein- ander bestimmt waren.

Ja den ersten Augusttagen kam Marga aus Friedenau nach Wilhelmsburg zurück, tags dar­auf fuhr Oertel nach Oberbayern, um sich dort von der mehrinonatlichen, rastlosen, geisfigen An. Krengung zu erholen. Sie brachte die Frucht dieser Arbeit mit, einen stattlichen Band von Pierhuiidert Seiten, den RomanDas Ende der Kraft."

Ursprünglich wollte Oertel dir Schwester mit. vehmen, in das Gebirge, sie erklärte aber fest,

Die Festlichkeiten im Kaiserhause.

Dir Hochzritsfrier.

Berlin, 27. Februar. Gegen '4 llhr nach- miitagS setzte der Kaiser der Herzogin-Braut im chinesischen Kabinett des Schlosses die Prinzcssinnen- krone aufs Haupt. Um 4% Uhr versammelte sich die königliche Familie mit den höchsten Gästen im Kur­fürstenzimmer: das hohe Branipaar, das Kaiserpaar, der Grotzherzog und die Großherzogin von Oldenburg, die Prinzessin Friedrich Karl, der Kronprinz und die Kronprinzessin und die Geschwister deS Brautpaares. Die übrigen Herrschaften versammelten sich in der boissicrten Galerie. Sodann fand die

standesamtliche Eheschließung

des Brautpaares durch den Hausminister Grafen Wedel statt. Darauf begab sich der feierliche Zug nach der Schloßkapelle. Voran schritten zwei Shmere, Pagen und zwei Kamuierfunker als Herolde, Oberst­marschall Fürst Fürstenberg und die lange Reihe der Kammerjunker und Kammerherren im Ehrendienst der Braut, hierauf das Brautpaar selbst.

Im Zuge nach der Schloßkapelle folgte nach dem Brautpaare eine glänzende Reihe hoher Hof­chargen, sodann das kaiserliche Jubelpaar. Der Kaiser trug die Uniform des 1. Gardercgiments und einen silbernen Myrtenzweig zwischen den Or­denssternen, daneben die neu gestifteten Erinnerungs­zeichen mit einem silbernen25. Die Kaiserin trug eine Robe von Silberbrokat und ein Diadem auf dem Haupte, sowie einen Silberkranz. Rach iveitcrcn Hof­chargen folgten die anwesenden Fürstlichkeiten.

Am Eingang zur Kapelle empfingen Oberhof- brediger D. Dryander und die Hof- und Tomgeistlich- keit das Brautpaar, sowie das kaiserliche Jubelpaar und geleiteten das Brautpaar zum Altar, wo der Bräutigam rechts neben der Braut Platz nahm, wäh­rend die allerhöchsten Herrschaften einen Halbkreis um den Altar bildeten. Oberhofprediger D. Dryander sprach nach dem Gemeindegesang über den vom Kaiser gewählten Text Corinther 1 VerS 8; er erinnerte daran, daß das Kaiserpaar vor 25 Jahren an der­selben Stelle vor dem Traualtar gestanden habe, und er wünsche dein Brautpaar, es möge das Haus seines innigen geistigen Lebens so aufbauen, wie jene alten, reichen, festen Bauernhäufcr Oldenburgs. Der Ober- hofprcdiger vollzog dann

die Trauung.

In dem Augenblick, wo das Brautpaar die Ringe wechselte, wurden im Lustgarten 36 Kanonenschüsse abgefeuert. Gebet, Segen und Gemeindegesang bil­deten den Schluß der Feier. Der Kaiser und die Kai­serin traten zum Brautpaar, um eS mit Kuß und Händedruck zu beglückwünschen. Der Hof verließ die Kapelle in der gleichen Ordnung, wie er eingezogen war, daS Brautpaar voran, das Jubelpaar folgend, und begab sich in den Weißen Saal.

Cour und Tafel.

Nachdem das Brautpaar unter dem Thronhimmel im Weißen Saale die Cour entgegengenommen hatte, wobei die fremdländischen Militärdeputationein den Schluß machten, begaben sich die Herrschaften wieder­um nach dem Rittersaale zur Zercmonientafel, wobei der Kaiser neben der Großherzogin von Oldenburg, der Kronprinz rechts von der Braut, die Großherzogin von Oldenburg und die Großherzogin von Baden links vom Bräutigam Platz nahmen. Nachdem die Suppen­schüsseln von der Tafel gehoben waren, brachte der Kaiser die Gesundheit des Brautpaares und darauf Prinz Heinrich die Gesundheit des Jubelpaares aus.

Ter Trinkspruch des Kaisers lautete:Meine liebe Tochter! Mit diesem Namen darf ich Dich wohl heute nennen. Gestatte mir. Dir

daß sie nunmehr, wo er sie nicht mehr nötig hätte, nach Wilhelmsburg gehörte.

Und was hatte das blonde Mädchen nicht alles zu erzählen: vom Bruder und vom Haus in Frie­denau, und daß sie am vorletzten Tage noch Roden gesprochen hätte.

Als sie ihm erzählte, sie würde nach Wilhelms- bürg reisen, hätte er ihr viele Grüße auf ge­tragen.

Und richtig, Hanns, ehe ich es vergesse, er fährt in den nächsten Tagen nach Hamburg. Mr ist, als ob er nach Helgoland will: und er läßt Dich fragen, ob er Dir seine Aufwartung machen darf?"

Weshalb nicht?" meinte die Schwägerin. Vielleicht ist das ein Wink des Schicksals. Ich kann ihn nämlich wegen einer literarischen Arbeit als Ratgeber brauchen. *

Und dann kam Marga wieder auf den Bruder zurück, nachdem sie von dem Freund gesprochen, den sie eine Woche zuvor für kurze Zeit in Berlin gesehen.

Hanns zog die kleine Blondine an sich und küßte sie. Die war glücklich, die komtte von einer sonnenhellen Zukunft träumen, aber sie selbst?

Es war ein stillschweigendes Uebereinkomm m zwischen den beiden Frauen, des Zerwürfnisses in der Ehe nie zu erwähnen. Und Marga hielt den Vertrag, so lange sie ihn zu halten vermochte.

Nach einigen Tagen schon aber war sie nicht mehr dazu imstande.

Ich legte Dir neulich den Roman von Hans, das allererste Exemplar, welches der Buchhändler schickte, auf den Schreibtisch, hast Du es ae- fitnben," fragte sie die Freundin, während beide, auf dem Rosenparterre vor dem Teehaus stehend, von den in üppiger Fülle vorhandenen duftenben Blumen abschnitten, soviel nur der mitgebrachte große Korb fassen konnte. - -_>

im Namen meines Hauses innigen und herzlichen Willkommen zu sagen und Dir zu versichern, daß Du nicht nur von Deinem Gatten hochgehalten und ge­schätzt und geliebt werden wirst, sondern von uns allen. Du trittst in unsere Mitte herein als eine längst Bekannte, und vielfache Erinnerungen führst Du herauf. Trägst Du doch den Namen der ersten preußischen Königin, die durch ihr Wesen, ihr Stre­ben und ihr Leben sich einen festen Platz in der Erin­nerung des Volkes bewahrt hat. Führst Du doch unsere Erinnerung zurück auf jenen großen Prinz- Feldmarsckall. So, wie schon am Altar geschehen, darf ich auch hier die Blicke zurückschweifen taffen und Deiner teuren Mutter gedenken, ebenso der Hohen Ge­stalten, die damals bei ihrer Hochzeit in der Kirche versammelt waren, und zu denen wir nunmehr emporblicken. Du hast Dir einen Gemahl gekürt, dessen ehrenfester Charakter, dessen feste Persönlichkeit Dir bürgen werden, daß Du das finden wirst, was Du gesucht hast. Schon viele, denen noch baS, Bild meines hochseligen Herrn Großvaters gegenwärtig ist, meinen in ihm ähnliche Züge mit dem großen Kaiser zu erkennen. Gott gebe, daß er ihm von Jahr zu Jahr immer gleicher werde. Unseren innigsten und herz­lichsten Segenswünschen wollen wir Ausdruck geben, indem wir die Gläser erheben und auf Dein und Dei­nes Mannes Wohl trknken.

Prinz Heinrich brachte darauf folgenden Toast aus:Jnnistgeliebter Bruder, Kaiser und Herr, teure Schwägerin, Kaiserin und Herrin' Die Segens­wünsche, welche die Großeltern, welche die treuen El­tern, welche ein Volk beut vor 25 Jahren Euch mit auf den Weg gegeben, sie sind in Erfüllung gegangen. Hand in Hand tratet Ihr den manchmal auch rauhen Lebenspfad an, uns allen ein leuchtend Beispiel treue­ster Pflichterfüllung! Ein herrlicher Kranz von Kin­dern erwuchs Euch, Euch und uns allen zu Stolz und Freude, eS fehlt kein teures Haupt! Wir und jene, denen es vergönnt war. Euch vom grünen Kranz bis zum silbernen zu folgen, mit Euch zu sein und Euch zu dienen, wir befestigen von neuem am heutigen Tage das Gelöbnis der Treue. Wie wollen Euch die Wege ebnen, wir wollen Euch auf Hände tragen, wir wollen Euch die Bahn folgen, die Ihr uns weist. Mit dem Volke sind wir dankbar für alles, was an Euch ge­schehen ist in der Vergangenheit. Wir schauen in die Zukunft, erhoffen, daß Glück, reicher Segen und Friede und gutes Gelingen Euch fernerhin beschieden fein möge. Das walte Gott! Mit Eurer Geneh­migung erheben wir die Gläser und teeren sie auf Euer Wohl und Bitten, daß Gottes reicher Segen über Euch bleiben möge.

Im Weißen Saale fand anschließend cm die Tafel Fackeltanz

statt, wozu das Brautpaar und das Kaiserpaar unter den Thronhimmel traten. Nachdem der Kaiser den Befehl zum Beginn des Fackeltanzes gegeben hatte, trat der Oberstmarschall Fürst zu Fürstenberg vor. Ihm folgten paarweise 12 Pagen mit weißen Wachs­fackeln. Den ersten Rundgang machte das Kaiserpaar. Sodann trat das Brautpaar zum Tanze an. Den dritten Rundgang machte die Braut mit dem Kaiser und der Bräutigam mit der Kaiserin. Nach beendetem Fackeltanze traten die Pagen mit den Fackeln dem Zuge der höchsten Herrschaften bis an den Eingang der für die Neuvermählten eingerichteten Gemächer vor, wo die Prinzessinnenkrone dem Beamten des Haus- fchatzes wieder überliefert wurde, und der Oberhof- meister der Braut die Verteilung des Strumpfbandes vornahm. Der Kaiser entließ darauf den Hof, und die Neuvermählten begaben sich nach Schluß der Feier­lichkeiten zunächst nach dem Schlöffe Hubertusstock.

Trotz des Regens harrte eine unübersehbare Men­schenmenge der Abfahrt der höchsten Herrschaften. Die Illumination Berlins war glänzend.

Feiern im Auslände.

Auch im Auslande haben zahlreiche Feiern statt; gefunden, in erster Linie in den europäischen Haupt­städten, wo sich deufiche diplomatische Vertretungen und größere deufiche Kolonien befinden.

Wien, 27. Febr. Der Kaiser hat heute an bei Prinzen Eitel Friedrich von Preußen ein sehr herz­liches Glückwunschtelegramm gerichtet.

Haag, 27. Febr. AuS Anlaß der kaiserlich-» silbernen Hochzeit richten sämtliche deutschen Verein« Hollands eine Adresse an das kaiserliche Paar. Di« Adresse, zu der der kunstsinnige deufiche Gesandte ei# künstlerisches Titelblatt entworfen hat, besteht auf zahlreichen, je nach Städten geordneten Kunstblätter« von deutschen und niederländischen Künstlern. In bet Widmung heißt es, daß zur Erinnerung an da» Jubelfest eine Sammlung für hilfsbedürftige Kinder eingeleitet worden ist. Die Adresse wurde im Ge­sandtschaftshotel ausgestellt.

Christiania, 27. Febr. Die Mitglieder der Regierung, die Präsidenten des Storthtngs, die städti­schen Behörden, die Mitglieder des diplomatischen Korps, die Beamten des Ministeriums desAuswärtigea und andere gaben heute ihre Karten bei dem deutschen Geschäftsträger Frhrn. v. Werthern ab. Der König und die Königin, die Stadverwaltung von Christiania und der kommandierende Admiral übermittelten de« kaiferlichen Majestäten telegraphisch ihre Glückwünsche.

Petersburg, 27. Febr. Anläßlich der silber­nen Hochzeit des Deutschen Kaiserpaares fand heute ht der Petrikirche ein Festgottesdienst statt, an dem der deufiche Botschafter v. Schön mit den Herren der Bot­schaft, der bayerische Gesandte und der Generalkonsul teilnahmen. Pastor Walter hielt die Festrede. Im Chore sang eine Liedertafel. Gegen Mittag gab der deutsche Botschafter em Frühstück, zu dem außer de« Mitgliedern der Botschaft und des Generalkonsuls bet bayerische Gesandte mit dem Personal der Gesandt­schaft, die Vorstände der deutschen Vereine und di« Spitzen der deutschen Kolonie geladen waren.

Konstantinopel, 27. Febr. Zur silberne« Hochzeit des Kaisers und der Kaiserin sand gefter« bei dem kaiserlichen Botschafter Frhrn. v. Marschall ein großes Ballfest statt, zu welchem der Großwesier, die türkischen Minister und hohen Würdenträger, da» gesamte diplomatische Korps und die deutsche Kolonie, im ganzen 600 Personen, geladen waren.

Die Konferenz in Algeciras.

Algeciras, 26. Febr. Heute beginnt die Redaktionskommission die fast unausführbar scheinende Arbeit, die Gegensätze der verschiedenen Bankprojelte auszugleichen und einen für alle annehmbaren Entwurf daraus herzustellen. Re» voil hat zwar, wie von glaubwürdiger Stelle versichert wird, im Privatgespräch geäußert, Frankreich werde keinerlei Zugeständnisse machen: doch glaubt man, daß noch immer Aussicht au' Einigung auf Grund gegenseitiger Zugeständniffi möglich ist, wobei man sich nach der Ansicht her­vorragender Mitglieder der Konferenz richtet.

Paris, 26. Febr. Wie dieFrkf. Ztg.' auS Paris berichtet, hat Rußland dir Londoner Regierung wiffen laffen, daß es ft.nen Einfluß in Berlin zu verwenden bereit ist, um Deutsch­land in der Marokkofrage nachgiebiger zu stimmen, wenn England sich in demselben Sinne in Paris bemühen wolle.

Gewiß fand ich ihn. Ich mußte ihn ja schon forträumen, um an meinem Tisch arbeiten zu können."

Marga blickte die Schwägerin entsetzt an.

So hast Du ihn nicht gelesen? Nur fortge- räumt?"

Aber natürlich, Schah, las ich das Buch. Meinst Du, ich würde ein Buch, welches mein Mann geschrieben hat, ungelesen zur Seite legen? O, Du heilige, kleine Einfalt!"

Du hast es gelesen? O, wie lieb und gut Du bist. Du Süße. Nun muß ja alles gut wer- den. Aber komme in das Teebaus, wir haben genug Rosen und können sie dort in Sträuße binden."

Sie nahm den Korb mit den Blumen und huschte in das weit offen stehende Gebäude. Hanns folgte ihr langsam, überlegend. Dann drückte Marga die Schwägerin auf einen SessÄ und nahm auf einer Fußbank neben ihr Platz.

Laß di« Blumen," sagte sie.Ich weiß ja, daß ich nicht von Euch sprechen soll, ich tue es aber doch, und selbst auf die Gefahr hin, von Dir abge- wiesen zu werden wie von Hans, der sofort auf- braust, wenn man nur Deinen Namen nennt. Aber daraus habe ich stets entnommen, daß er Dich nicht haßt. Schon die Erwähnung Deiner Person rührt ihn in den tiefsten Tiefen auf. Mr war es, als schämte er sich vor sich selbst, und das suchte er hinter Schroffheit zu verbergen. Er wollte nicht an Dich erinnert werden, um nicht in seinem unglückseligen Entschluß schwankend zu werden."

Frau Oertel schwieg. Fast schien sie garnicht zu hören, wir die zu ihren Füßen Sitzende so eifrig redete.

Aber an dem Zucken ihres Gesichts konnte das junge Mädchen wohl wahrnehmen, welchen Ein- druck alles, was sie sagte, auf die Schwägerin machte. -- - . . .. .. _ , . ..-

Du weisest mich nicht zurück?" sagte sie nach einer Pause,und das gibt mir neuen Mut. Hast Du den RomanDas Ende der Kraft" ge­lesen?"

Ja, Kleine, ich las ihn."

find Hanns Dein Urteil?"

Ein gutes Buch ein recht gutes Buch, welches hoch über der Dutzendware steht, tote in Massen produziert wird. Es ist fein empfunden, die Charaktere vortrefflich geschildert und die Stimmung so toiedergegeben, die Menschen und die Natur mit so warmem Herzen gezeichnet, wie es eben nur Hans Oertel vermag. Ich habe es in der Nacht nicht eher aus der Hand gelegt, als bis ich das WortEnde" las."

O Hanns, meine geliebte Hanns," rief die blonde Marga stürmisch.Wie bin ich glücklich darüber. Er hat es mir nicht gesagt, aber ich weiß es, er hat dies Buch nur für Dich geschrie­ben, es soll Dich wieder zu ihm ziehen."

.Hanns drückte Marga sanft auf den Platz zu. rück, auf dem sie vorher saß. Sie nickte mit dem Kopfe und sagte leise: ,

Ich weiß es, daß es das soll." _

Und nicht wahr, es tut es? Er sagt Dir doch in dem Buch, wie lieb er Dich hat, wie Du sein Leben und Glück bist. Nicht wahr, HannS, Du"

Wäre ich wie die Frau, welche er schilderst weich, hingebend, am Ende meiner Kraft, ich wäre längst bei ihm. Ich bin aber noch keine weiche Natur, kleine Marga. Du beurteilst mich nicht ganz richtig, denn Du beurteilst mich nach Dir. Ich bin auch nicht am Ende meiner Krafst vielleicht erst am Anfang derselben. Hoffentlich^ denn ich fühle genug in mir."

Marga beugte den Kopf, die hellen Träne» hxrfett ihr in die Augen, Hanns sah es und strich ihr liebkosend über das Haar.

sümzw-J'-v-.. . - i. (Fortsetzung folgt.)