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und Kirchhain.

nismäßig günstige Ergebnis ist erzielt, obschM die Zuckersteuec ein Weniger von 11,0 und bk Brmmftveinverbrauchsabgate sogar ein solche von 11,2 Mill. Mark austveisen. Der Hauptfach« nach ist da? mehr den Zöllen zu verda,iken, füS die ein Heberschus; von 56,6 Mill. Mark verzeich­net werden konnte. Die Maischbottichsteuer hat außerdem 2,8 Mill., die Salzsteuer 1,2 Mill., die Brausteuer 0,9 Mill. und die Schauinnieinsteuev 0,3 Mill, über den Ertrag in der gleichen Seit des Vorjahres hinaus ergeben.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UmversitätS-BuchdNlckerrk 41» Warburg, Markt 21. Telephon 55.

Neueste Telegramme.

Berit«, 24. F-br. DerReichsanzeiger' veröffentlicht eins Bekanntmachung, wonach daS Derbst der Einfuhr von Schafen aus Oesterreich- Nngarn ab 1. März nach Maßgabe des am 1. März in Kraft tretenden Biehseuchenüberein- kommeiis »wischen dem Deutschen Reich und Oesterreich Ungarn insoweit aufgehoben wird, als die Einfuhr von österreichisch-ungarischen Schafen zur alsbaldigen Abschlachtung unter den für Rindvieh dieser Herkunft geltenden Be­dingungen und in die für die Einfuhr von Rindvieh auS Oesterreich-Ungarn geöffneten Schlachthäuser zugelassen wird.

Berlin, 25. Febr. Das Zentrum hat in der Steuerkommission des Reichstags neuerdings auch den Antrag eingebracht, die Regierung um Vorlegung einer Reichswarenhaussteuer aufzu- iurdern.

Berlin, 26. Febr. Wie verlautet werden die bisherigen Rechtfertigungsversuche des Herrn v. Prütkamer, Gouverneurs von Kamerun, nicht als befriedigend angesehen. Außerdem häufte sich von Tag zu Tag neues Anklage- material gegen seine Amtsführung. Es darf wohl jetzt als entschieden gelten, daß Herr v. Puttkamer unter keinen Umständen auf feinen Eouverneurposten nach Kamerun zurückkehren wird.

StultzzüLt, 25. Febr. Der König Wilhelm 31. von Württemberg vollendete heute sein 58. Lebensjahr.

Rom, 25. Febr. Der Papst vollzog heute in ter Peterskirche die Konsekration der neuernann- ten französischen Bischöfe. Der Feier, die in ein­fachen Formen vor sich ging, wohnten mir die Kardinale Merry del Val, Rampolla, Mathieu, di Pietro und Macchi, die Angehörigen des päpst­lichen Hofes und eine kleine Zahl Geladener bei.

Paris, 24. Febr. Bei der Inventaraufnahme in der Kirche Saint Thomas d'Aquin wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Unter,den Festgrnommenen befindet sich der pensionierte General Necamier.

London, 26. Febr. Da die gelegentlich der Kopenhagener Trauerfeierlichkeiten geplante Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit König Eduard infolge emes Jagdunfalles der letzteren nicht zustande kam, hat der Deutsche Kaiser in einem Briefe die Hoffnung ausgesprochen, bei seiner Mittelmeerreise mit seinem Oheim eine Zusammenkunft zu haben. Ob das Zusammen­treffen in Malta oder in Neapel stattfinden wird, sicht noch nicht fest.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Februar.

Seine Majestät der Kaiser verabschiedete sich am Samstag Morgen vor 8 Uhr im Schlotte von dem König Oskar von Schweden, der von Berlin seine Reise nach dem Süden fortsetzte. Um 10 Uhr begab Seine Majestät sich nach der Militär-Tunranstalt und wohnte dort der Schluß- Besichtigung des Lehrkursus bei. Im Schloß hörte ter Kaiser sodann den Vortrag des Stell­vertreters des Chefs des Marine-Kabinetts Ka­pitän z. S. v. Krosigk und empfing um 12^ Uhr die Abordnung des Kaiserlich Russischen 85. Infanterie-Regiments Wyborg. Um Wt Uhr war Familien-Frühstückstafel. lieber, die be­ginnenden Festlichkeiten aus Anlaß ter Silbernen und Grünen Hochzeitsteier im Kaiserhaus« wird an ariderer Stelle ausführlich berichtet.

Das Programm für die Ver­mählungsfeierlichkeiten am heutigen Montag und morgen Dienstag karrtet:

5y2 Uhr: Eintreffen des Brautzuges am Pariser Platz, wo die feierliche Begrüßung durch Oberbürgermeister Kirschner unb die Ehren? jnirgframn erfolgt.

5% Uhr: Ankunft im Schloß. Hier haben sich inzwischen das Kaiserpaar, die Prinzen und Prin­zessinnen des königlichen Hauses mit ihren Gästen, ter Reichskanzler, die Generälfeldmarschälle und Generalobersten, die Ritter des Schwarzen Adler- ortens, die Minffter und die anderen Staats- Würdenträger versammelt. Sogleich nach ter An- kunft werden im Beisein der Hausminister von Wedel und Willich die Ehepakten im Kurfürsten- zimmer vollzogen.

7 Uhr: Familientafel im Elisabeth-Saal, an der die fürstlichen Gäste teilnehmen, und Mar- schalltafe! für die Gefolge.

Dienstag, 27. Februar.

8 Uhr morgens: Einläuten des Festtages durch sänttliche Kirchenglocken Berlins.

. 4 Uhr: Stantesakt. Im Kurfürstenzimmer lvird in Gegenwart des Kaisers und des Groß­herzogs von Oldenburg Hausminister von Wetet die standesamtliche Trauung vollziehen.

5 Uhr: Trauung in ter Schloßkapelle durch Oberhofprediger D. Dryanter, der dabei auch ter Jubelfeier ter kaiserlichen Eltern des Prinzen ge­teilten wird. An die kirchliche Feier schließt sich um

6 Uhr: die Defilierkur im Weißen S»al an.

Darauf folgt im Rittersaal die Zeremonientafek für den Kaiser und die fürstlichen Gäste, während die Gefolge und die anderen Gäste in der Bilder- galerie speisen.

8 Uhr: Fackeltanz im Weißen Saale. Das junge Paar verlaßt bald darauf das Schloß, um noch an demselben Abend nach Hubertusstock ab- zureisen.

Die Einnahme an Zöllen und Verbrauchssteuern hat für die ersten zehn Monate des lausenden EtatsfahreK 724,4 Miss. Mark oder 41,2 Mill. Mark mehr als im gleichen Zeit, raume des Vorjahrs betragen. Dieses verhält«

Köln, 24. Febr. In einer Unterredung des Madrider Korrespondenten terKölnischen Zei­tung" mit tem früheren Minister Villanueva sagte dieser, daß ar die feste Ueberzengung habe, daß die Sache Spaniens ernstlich be­droht sei, wenn sich Spanien in Marokko Frankreich allein gegenüber befände; der Prätendent sei nur eine Kreatur Fankreichs. Sobald die innere Politik etwas zurücktrete, wolle er, Villanueva, im Parlament eine Debatte hervornifen, die sonnenklar dartue, wie Frankreich sich ganz Marokkos bemächtigen und Spanien nur einen lächerlichen Anteil übrig lassen wolle. Villanueva, bestritt das Bestehen französischer Souterrechte in Marokko und sprach sich über die beiten spanisch-französischen Ueber- einkommen absprechend aus.

Wien, 25. Febr. Nach terWiener Allg. Ztg." wurden in Berlin von verschiedenen Mäch­ten, darunter auch Rußland, V e r m i t t l u n g s. versuche gemacht, um Deutschland zu beinegen, den französischen Forderungen entgegenzukom- men. Diese Versuche, die sehr ernster und ein- dringlicher Natur waren, blieben bisher er­folglos.

Paris, 25. Febr. Zar Nikolaus empfing den ehemaligen französischen Preßleiter Jules Hansen, einen Dänen und naturalisierten Fran- zasen. Der Zar gab ter Zuversicht Ausdruck, daß Deutschland und Frankreick, sich verständigen iner­ten und daß eine lange Friedensära zum Heile Europas bevorstehe. Hansen fand den Zaren stark gealtert.

Oran, 24. Febr. Ein Telegramm aus Port Sah berichtet, daß ter Prätendent sein Lager aufgehoben habe und beabsichtige, mit dem größ­ten Teil seiner Anhänger Saydja anzugreifen. Die Anhänger des Prätendenten legten angeblich große Begeisterung an den Tag. Der Prätendent verfügt über mehr als 10 000 Mann, während Saydja nur durch wenige marokkanische Streit, kräfte verteidigt wird.

Marburg

Dienstag. 27. Februar 1906.

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Berlin, 25. Febr. Heute Vormittag traf in Berlin die Großherzogin von Baten ein. Dte Kaiserin stattete ter Großherzogin einen Besuch ab und begnb sich sodann zum Gottesdienste nach tem Dom. Der Kaiser ging mit ter Kronprinzes­sin und deren Brüdern Dom Schlosse zum Dom. Beide Majestäten wurden von einer großen Mein schenmenge mit herzlichen Zurufen begrüßt. Nach tem Gottesdienste empfingen die Majestäten im Schlosse die Botschafter und den englischen General Swayne, ter ein Geschenk des englichsen Königspaares überreichte, Admiral Buechsel, ter die Ehrengabe des Zentralverban­des der deutschen Veteranen- und Kriegerbünde von Nordamerika übergab, und den russischen Generalmajor Mtti- tär-Attachö Tatitsch-eff. Sodann empfing das Kaiserpaar im Kapitelsaale die zur silbernen Hochzeit eingetroffenen Glückwunschdepu- tationen ans Deutschland und die fremdherrlichen Militärabordirungen. Die Maje­stäten nahmen auf den historischen Thronsesseln aus ter Zeit Friedrichs I. Platz, die unter einem Thronbaldachine ausgestellt waren. Der Kaiser trug die Uniform des 1. Garderegiments, in ter Hand den Feldmarschallstab, die Kaiserin trug eine blaßblaue Seidenrobe. Rechts vom Kaiser stand ter Kronprinz in der Uniform ter Pase­walker Kürassiere, neben ihm seine Brüter in der Uniform des 1. Garderegiments. Zuerst erschien das S t a a t s m i n i st e r i n m mit dem Fürsten Bülow an der Spitze. Der Fürst hielt eine An­sprache, auf welche der Kaiser erwiderte. Dann folgte der B u n d e s r a t, in dessen Namen der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld sprach, dem ter Kaiser ebensalls erwiderte, ferner die Ge­sa in t p r ä f i d i e n des Reichstages, des Herrenhauses und des Abgeord­netenhauses. Graf Ballestrem, Fürst zu Knyphausrn und v. Kröcher hielten Ansprachen, auf welche ter Kaiser auch im Namen der Kaiserin in kurzen Worten dankte; dann erschienen die Generalfeldmarschälle und General­obersten für die Armee unb Großadmiral von Köster für die Marin e. An ihrer Stütze be­grüßte Generalfeldmarschall Prinzregent Albrecht die Majestäten mit einer Ansprache. Der Kaiser dankte mit einer Rade. Für den deutschen evangelischen Kirchenausschuß er» schienenWirklicher Geheimer Rat v. Voigts, Ober- konststorialrat v. Keller-München und Oberhof- Prediger Ackermann-Dresden, darm fotgban die preußischen Bischöfe, die Kardinäle Kopp und Fischer. Voigts und Kopp sprachen. Der Kaiser ertoiterte hotten. Dann folgten A 6 - Ordnungen der Provinzen, Städte, Universitäen, tcdmifcten Hochschulen, Aka- demien der Wissenschaften und Künste, Korpora­tionen und gemeinnützigen Vevc.'me, welche von den Oberpäsidenten bezw. den Ressortministern vorgestellt wurden und Adressen überreichten. Schließlich kamen die frembherrlichenMi- litärabordnungen und zwar vom groß­britannischen 1. Dragonerregiment, dem öfter« reichisch-ungarischen Husarenregiment Kaiser Wil- Helm I., dem österreichisch-ungarischen Husaren- reginieitt Kaiser Wühlern II., tem russischen 85. Infanterieregiment Wyborg, tem russischen Petersburger Seibgortereqiment König Friedrich Wilhelm III., tem russischen Dragonerregiment Narwa und ter russischen Marine. Der Kaiser und die Kaiserin reichten den Herren und Damen ter Deputationen die Hand und nahmen eigen­händig die Adressen entgegen, die dann ter Kronprinz, ter Fürst zu Solms oder Freiherr von Mirbach aus den Tischen nieterlegten. Die Vertreter ter russischon Regimenter hielten kurze Ansprachen; jedes Regiment überreichte der Kai­serin wundervolle Blumensttäuße. Der Emviang endete nach 1 Uhr; daran schloß sich die Früh­stückstafel.

Die Festlichkeiten im Kaiserhause.

Berlin, 24. Febr. Die Feierlichkeiten an­läßlich ter silbernen Hochzeit des Kaisers und ter Kaiserin und ter Vermählung des Prinzen Ettel Friedrich begannen heute mtt der Festvorstellung im Operhause. Die überaus reich geschmückte Bühne deckte ein Vorhang, ter die Wappen des Kaisers und der Kaiserin im Silberkranze und die Schlösser von Berlin und Primkenau zeigte. An- wesend waren auch die Osfiziere ter fremdlän- disckien Regimenter, die in Berlin weilenden Fürstlichkeiten, ter Reichskanzler mit Gemahlin, das diplomatische Korps und die Minister. Ter Kaiser und die Kaiserin verneigten sich beim Er- scheinen vor dein Hause, daß dieses ehrerbietigst erwiderte. Gegeben wurde der zweite Teil von GlucksOrpheus und Eurydike".

Der Polizeipräsitenk hat für die Mitglieder des Abgeordnetenhauses Plätze für die Einzugs­feierlichkeiten am kommenten Montag zur Der- fiigung gestellt.

Berlin, 24. Febr. Im Laufe des gefan­gen Abends find zu den bevorstehenden Vermäh. lungsfestlichkeiten weiter eingetroffen: Prinz Christian zu SMeswig-Holstein, Prinz und Vrin- zsssiu Friedrich Karl von Hessen, Prinz und Prin- zessin Adolf zu Schaumburg, Großberzog und Großherzogin von Hessen mtt Gefolge, ter Erb­prinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meinin- gen; endlich eine Abordnung des russischen 85. Jiif.-Regiments Wyborg mit Regimentskomman­deur Generalmajor Satontschkowski an ter Spitze.

Heute Mittag trafen die Großherzogin von Baten, abends das Herzogspaar von Sachsen- Koburg hier ein.

Die beiten preußischen Kardinäle, Fürstbischof Kopp von Breslau und Erzbischof Fischer von Köln, werden in einer morgen stattfindenten ge­rn cuifn men Audienz tem Kaiserpaar zu testen silberiMn Hochzeitssubttäum die Glückwünsche des PreilNischen Episkopats darbringen.

5 enburg, 24. ^ebr. Oldenburg berate Mietete sich mit einem großen Fackelzug von ter Herzogin Sophie Charlotte. Oberbürgermeister Ktt'pentech hielt an die hohen Herrschiaftm noch

Huldigrmgsgesang eine Ansprache. Der «wßherzog teufte gerührt.

Berlin, 24. Febr.

Das Abgeordnetenhaus vereinbarte am Samstag qu8 der allgemeinen Besprechung des Kultusetats die beim Schulunterhaltungsgesetz berührten Fragen auS» zuschalten und erreichte damit, daß di« allgemein» Besprechung beim Titel Miuistergehalt, für die brri Tage in Aussicht genommen waren, schon am Sona- abend beendet werden konnte. Auf die Bitte de» Abg P o r s ch (6tr.) stellte Minister Studt fest, daß ihm 9 Anträge auf Zulassung marianifcher Kongre­gationen unterbreitet feien, daß aber bisher leint einzige Kongregation zugelasten sei. Die Adg. Frdr. vonZedlttz (ffonfj und Dr. Fiedberg (nl.) be­dauerten, daß der im Vorfahre angenommene Antrag, die Stellenzulagen der Seminardirettoren Pension^« fähig zu machen, noch nicht erfüllt fei. Die Abg. Ernst (frf. Vgg.) und Eickhoff (frf. Vp.) trat« iür Besserstellung der Lehrer eiru Zwischen dem Abg. lournean und Müller-Koplenz (6tr.) unb dem Abg. Dr. v. Campe (nL) kam es zu lebhaft« Auseinandersetzungen über die Frage der Erwerbung, der Rechtsfähiakeit bvr*b yfiftnche nongrv- ganonen. Minister Studt stellte fest, daß diese Er­werbung der Rechtsfähigkeit mit der Verfassung ie Einklang stehe. Aba. Heckenroth (tonf.) betonte die Bedeutung des Reliaionsunterricht» in den höher«

Die Konferenz in Algeciras.

Algeciras, 24. Febr. (W. B.) In ter heutigen Beratung legten die Marokkaner ihrer, feits einen selbständigen Entwurf tetr, die Schaf­fung einer Staatsbank vor, ter nach Verifizierung des arabischen Textes nrit tem deutschen unb fran­zösischen Entwurf gemeinsam geprüft werten soll. Hierauf wurden die letzten sieten Punkte des Fragebogens, deren wichttgste die Aufsicht und die Gerichtsbarkeit ter Bank sind, beraten. Das Präsidium wirb den Tag unb das Programm dec nächsten Sitzung festsetzen.

Algeciras, 24. Febr. DieDepdche Marocaine" gefällt sich in letzter Zeit in phantasie­vollen Berichten über die Tätigkeit des deutschen Konsuls in Fez, der angeblich den Sultan un­aufhörlich mit Projekten und Vorschlägen bear­beitet, um Marokko unter deutsches Protektorat zu bringen. Alle diese Erzählungen sind freie Er. finbung ober bestenfalls Eingeborenenklatsch, tenn Dr. Dassel hat die strikte Anweisung, nur in einem Sinne auf den Sultan einzuwirken unb Kvar in tem, daß er die Konferenz in jeder Weise unterstützt und deren Vorschläge annfinmt.

Preußischer Landtag.

Berlin, 23. Februar.

Das Abgeordnetenhaus erledigte am Freitag zu­nächst die drttte Lesung des Entwurfs zu einem KreiS- und Provinzialabgabengeseh. In der allgemeinen Besprechung betonten die Abgg. Dr. v. Woona (ftOBp, Frhr. v. Zedlitz slons), v. Heykniz <kons.) und Lufens- ky 'n!) der Entwurf werde den Kreisen wesentlich« Erleichterungen bringen. Hingegen meinten die Abgg» Gyßting (frf. Bv - und Wolff-Lcha (frf. Vgg.), der Entwurf trage agrarischen Charalter und bedeute die Bevorzugung deS einen Standes aus Kosten deS anderen. Adg. Kirsch (Ztr.) machte seine cndgiltig« Stellungnahme von dem Arssalle der dritten Lesung abhängig. Bei der Einzelberatung waren fast all« bei der zweiten Lesung abgelehnlen Anträge auss neue eingebracht. Stach längerer Erörterung tourte die Vorlage im wesentlichen nach den Beschlüsse» zweiter Lesung angenommen. In der Gcsamtab- stimmung gelangte der Entwurf gegen die Stimm» der Freisinnigen und eines großen Teiles des Zen­trums zur Annahme. Daraus führte das Haus die Einzelberatung des Etats der Finanzverwaltung zu Ende. Zu einer längeren Erörterung kam es nur noch bei dem Titel .Mehrkosten des Umbaues deS Schauspielhauses zu Berlin.' Hier trugen Redner aller Parteien lebhafte Bedenken gegen die start« Etatsüberschreitung bor. Finanzminister Freiherr v. Ryeinbaben bedauerte diese lleberschreitungen gleich- salls, betonte aber, daß ihm selbst von diesen Ueber» schreitungm erst im vorigen Jahre Mitteilung gemacht fei; die Etatsrechte des Hauses seien gewahrt. Der Tüel wurde schließlich bewilligt.

KarlaMentarMes.

, Deutscher Reichstag.

Berlin, 24. Februar-

Der Reichstag setzte am Sonnabend die allgemein Besprechung des Justizetats fort Abg. Dove (srt Dgg.) sprach sich gegen neue StandeSgerichte aus und forderte Reform des Verfahrens im Zivilprozeß sowie Vereinheitlichung deS Vorverfahrens. Staatssekretär v. Nieberding betonte in Ergänzung seiner Freitay- Rede, wenn das Haus an seiner Absicht aus Erw« terung der Kompetenz der Schwurgerichte sesshafte, werde er den verbündeten Regierungen empfehlen, von der ganzen Strafprozeßreiorm obzusehen.

Ueber die Wirkung des Gesetzes zur Entlastung des Reichsgerichts lasse sich zur Zeit, ein abschließende» Urteil noch nicht fällen. Der Einrichtung von Httss- fenaten könne et nicht zustimmen. Zn sehr langer Rede führte darauf Abg. Stadthagen (Soz.) au», niemand habe mehr Vertrauen zum Richter. (Ohof rechts und im Zentrum.) Im Prozeß gegen di« Leipziger Volkszeitung habe Oberstaatsanwalt Böhm« seine Stellung mißbraucht. (Präsident Gras Balle­str em ries den Redner zur Ordnung). In Forst habe man den Zeugniszwang der Presse sogar aus die Setzer ausgedehnt. Die Setzer haben mit der Zurückweisung solcher Lumvenoeyandlung echte Eh« gezeigt, während die Rechte des Hauses einen ab­grundtiefen Begriff von Ehre habe. (Vizepräsident Graf Stolberg rief den Redner wegen dieser Aeuße- rung zur Ordnung.) Auf die Objektivität der Richte« des Kammergerichts fei auch lein Verlaß mehr und der preußische Justizminister habe die Gerichte ange­wiesen, gegen Sozialdemokraten besonders streng zu fein. Staatssekretär Dr. Nieberding stellte fest, daß der preußische Justizminister lediglich betont habe: .Die Richter seien unabhängig, da aber die Staats­anwälte von mir abhängig sind, werde ich sie ie Fällen, wo sie den gesetzlich vorgefchriebenen Straf­antrag unterlassen Haden, anweisen, ihre Pflicht z» tun.* Schon dieses Beispiel zeige, was man von Stadthagens Anschuldigungen zu halten habe, (öetfj Abg Dr. Müller-Meiningen (srs. Vv) wandte sich ausführlich gegen die Anregungen des Abz. v. Dirkse» (Ions.), zur Bekämpfung der unsittlichen Literatur eine neue lex Heinze zu schaffen. Nach weiterer De­batte vertagte sich das Haus auf Mittwoch 1 Uhr.