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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Allustrirt-s Ssnnta-sblatt. -

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M 47

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Jnsertionsgebithr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Marburg

Sonntag, 25, Februar 1906.

SXSak

Erscheint wöchentlich sieden mal.

Druck Md Verlag' Joh. Aug. Soch, UniversttAS^vuchbrucker«

Marburg, Markt 2L Telephon 56,

41. Jahrg.

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 24. Febr. Wie dieTgl. Rundsch." berichtet, sollen deutsche Kohlendepots auch in gaS PalmaS und in der La Plata-Mündung geschaffen werden, um Kriegs- und Handelsschiffe mit Koblen zu versehen.

Berlin. 23. Febr. DaSMilitärwochen- hlatt" meldet: Generalleutnant v. Arnim, Kommandeur der 2. Gardedivision, ist zum Ivuverneur von Metz ernannt worden.

Lnremburg, 24. Febr. Die Besserung im Befinden des GroßherzogS von Luxemburg macht gute Fortschritte, doch muß sich der Patient Nock immer die arößte Schonung auserlesen.

Wien, 23. Febr. DieNeue Freie Presse" erfährt von kompetenter Seite aus Berlin, daß die deutsche Negierung entschlossen sei, falls von dritter Seite Schritte in der Marokko-Angelegen- heit erfolgen sollten, welche die deutschen Inter­essen tangieren würden, ihren Standpunkt ener­gisch zu vertreten, aber keineswegs mit Mitteln, welche eine Kriegsgefahr heraufbeschwören könnten.

Nvm, 24. Fsdr. Der Kriegsminister plant dieAbschaffung des einjährig-freiwilligen Dienstes, die Herabsetzung der Dienstzeit auf zwei, und für erprobte Teilnehmer des nationalen Schützen­vereins auf anderthalb Jahre, außerdem die Einführung einer Art Wehrsteuer für vom Dienst Befreite.

Psriö, 24. Febr. In Saint Servan (Dep. Alle et Vilaine), sollte eine Inventaraufnahme in der. Kirche vorgenommen werden. Da die Türen geschloffen waren, requirierte der Unter­präfekt Militär, um die Türen einschlagen zu lassen. Major Hörh, der eine Abteilung der Truppen befehligte, verweigerte den Gehorsam und erklärte, sein Gewisien gestatte ihm nicht, dem Befehle nachznkommen. Drei Hauptleute verweigerten gleichfalls den Gehorsam. Schließ­lich kam ein Leutnant der Aufforderung nach. General Davignon befahl den Offizieren, die den Gehorsam verweigerten, sich in Arrest zu begeben ; er ordnete geaen sie eine Untersuchung an.

Konstantinopel, 23. Febr. Die Geheim­polizei entdeckte in der Vorstadt Shnatri in einem armenischen Hanse eine Anzahl fertiger Bomben und große Mmgen Dynamit sowie einen ausführlichen Plan für ein Attentat auf den Sultan. Der Entdeckung wird große Be­deutung beigelegt, sie scheint diesmal keine Polizeiwache zu sein. Ter hiesige Havas Ver­treter, Sandoz wurde auf der Reise nach Bul­garien in Sofia wegen angeblicher Spionage verhaktet.

Dnrda», 23. Febr. 500 Mann Infanterie und eine Batterie wurden mobilisiert, um nach einem unruhigen Distrikt, 40 Meilen nord­östlich von Durban, zu gehen.

Tientsin, 23. Febr. Der japanische Ge­sandte hat in Peking wegen der Zunahme des Fremdenhasses Vorstellungnn erhoben.

Die Konferenz in Algeciras.

Die Vorsitzenden der Deutschen Friedensgesell­schaft, Dr. Adolf Richter (Pforzheim) und Stadt­pfarrer Umfrid (Stuttgart) hatten an den Doyen der internationalen Friedensbewegung, Frädäric Passy in Neuilly bei Paris, eine Zuschrift gerich- ict, in dec sie die Mißverständnisse, die in Sachen der Marokkofrage zwischen Deutschland und Frankreich entstanden sind, aufzukläven suchten, Sie erhielten hierauf eine von warmer Friedens­liebe diktierte Antwort, aus der wir im folgenden das Wichtigste entnehmen:Ich werde mein Möglichstes tun," schreibt Fr. Passy,um Ihrem Brief eine Lerattige Verbreitung zu verschaffen, das; dadurch Ihren Absichten am besten entspro- chen wird und werde meine Mitbürger darüber verständigen, daß sie unrecht haben, sich auf Grund der ihnen unterbreiteten Zeitungsartikel Deutschland als ein Land vorzustellen, das ab­solut den Krieg wolle. Dem erlaube ich mir hin- zuzufügcn, daß Sie nicht weniger unrecht haben, wenn man Sie auf Grund gewißer Astungs- amtet dazu, bringt, sich einzubildeii, daß Frank- reich oder seine Negierring aggressive Pläne gegen Deutschland im Schilde führen. Ich kann Sie versichern, daß cs nichts Falscheres gibt als das, und daß, wenn der Konflikt sich unglücklicherweise verschärfen sollte, das direkt im Gegensatz gegen die öffentliche Meinung geschehen würde, wie sie ui Frankreich herrscht . . . Ich bin davon über- -erigt, daß die französische Regierung niemals ausgrchört hat, aufrichtig zu wünschen, daß den

europäischen Völkern das furchtbare und nicht wieder gutzumachende Unglück eines Krieges er­spart bleibe."

Algeciras, 23. Febr. Spanien unter­stützte Frankreich in Hinsicht der Anleihe. Be­züglich der beiden vertagten Punkte verharrte jeder bei seiner Ansicht. Die beiden Fragen gaben Anlaß zu einer in verbindlichster Form geführten Erörterung zwischen Rövoil und dem Grasen Tattenbach. Der englische Delegierte Nicolson trat tatkräftig für Rövoils Ansichten ein.

Rom, 23. Febr. Wie es heißt, hat gestern ein Ministerrat stattgefunden, in welchem eine eventuelle Intervention zwischen Frankreich und Deutschland in Angelegenheit der Marrokko- konferenz erörtert wurde. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

London, 24. Febr. Bezüglich der Kon­ferenz ist man keineswegs hoffnungslos. Nament­lich hat in Geschäftskreisen niemals das Ver­trauen in eine glückliche Lösung aufgehört; selbst französische Bankhäuser in London fürchten kein Scheitern der Konferenz. Auch in diplo­matischen Kreisen sieht man die Situation nicht als hoffnungslos an und neigt zu der Ansicht, daß Deutschland und Frankreich sich seit dem Beginn der Privatverhandlungen eher genähert als von einander entfernt haben.

Paris, 23. Febr. Das Auswärtige Amt veröffentlicht eine Note deS Inhalts, daß die deutsche Antwort auf die französischen Vorschläge keinesweaS neuen französischen Vorschlägen den Weg versperre. Infolge dieser Note gibt man in polischen Kreisen wieder der Hoffnung Aus­druck, daß schließlich doch noch eine Einigung oder ein Kompromiß in Algeciras erfolgen toethe.

Paris, 23. Febr. Ein sehr bekannter Parlamentarier, der mehrfach Ministerpräsident war, äußerte sich gestern in einer Weise, die erheblich von der peffimistischen Auffassung der ReoierungSkreise abstach. Er kritisierte die hier vielfach herrschende Nervosität, bedauerte die Indiskretionen unb Zeitungskommentare über die diplomatischen Vorverhandlungen in Alge­ciras unb sprach feine Ueberzeugnng dahin aus, daß auch die deutsche Regierung auf die Dauer nicht fo unbeugsam bleiben werde. Durch keine Konzessionen in Detailfragen werde man zu einer Verständigung gelangen, die für beide Völker gleich wünschenswert sei.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Februar.

Seine Majestät der Kaiser begab sich gestern Freitag vormittag mit dem König von Schweden nach dem Dom, wo die Majestäten längere Zeit ver­weilten. und wdann nach dem Zeugstans Sväler be­tuchte König Oskar noch daS Kaiser Friedrich Museum, wädrend der Kaiser un Sckloi den Vortrag des Reichskanzlers hörte. Um 12/« Uhr empfing der Monarch den Bildhauer Ba-ke. Zu Etzren des KomgS von Schweden fand abends im S^loste Tatet stall. Anwesend waren die Prinzen, der Reichskanzler, der schwedische Gelände und da8 Gesolge des Königs.

Der Bundesrat nahm einen 5. Nachtrags­etat zum Reichshaushallsctal für 1906 an. Er ent­hält 188 0<X) Mark zur Erhöhung be8 kaiserlichen Dispositionsfonds für Gnadmdewllligungen aller Art. Es handelt sich dabei um eine weitere Ent­lastung des Jnoalwenfonds. Die Mittel sollen durch Matrikularbeltrage aufgebracht werden, lolie ferner verlaute!, wird der Bundesrat beute wiederum eine Plenacsitzunu abhatten, um noch mit Rücksicht aus daS am l.März bevorstehende Znkraftreten des neuen Zolltari'S weitere rtuStü!:rungsvor!chritten zu erlassen.

Die Einnahme der preußisch- hessischen Ei senb a h n g e m ein s cha ft im Jahre 1906 steht einzig da. Sie belief sich auf 132,1 Millionen Mark und übertraf die Ein­nahme des gleichen Monats im Vorjahre um nicht weniger als nahezu 19 Millionen Mark. Von dem Mehr entfielen 15,6 Mill. Mark auf den Güter­verkehr und 2,8 Mill. Mark auf den Perfonen» und Gepäckverkehr. Der Nest auf andere Quellen. In den ersten zehn Monaten des laufenden Etats­jahres sind 143,1 Millionen Mark ober nahezu 92 Mill. Mark mehr als im glichen Zeiträume des Vorjahres vereinnahmt worden. Die Aus­sichten auf eine Ueberschreitung das wirklichen Reinüberschusses dec Eisenbahnverwaltung über den etatsmaßigen haben sich infolge der günstigen Januareinnahine noch verbessert. Man wird je­doch bei einer Vergleichung der in Betracht kom­menden Einnahmezichlen nicht vergessen dürfen, daß eine Einnahmeerhöhungen mit sich bringende Steigerung des Verkehrs auch mit Ausgabever­mehrungen verbunden ist.

- Wie sehr sich die Staatsbetriebe die För- dorung der Wohlfahrtseinrichtungen für die Arbeiter angelegen sein lassen, geht auch aus der dem Abgeordnetenhause zugegan­genen Denkschrift über die Berg-, Hütten- und Salzwerks hervor. Danach erstnÄen sich diese

Sliit staatlichen Darlehen sind 18 962 Wohnungen geschaffen; es sind dadurch für 22,5 Prozent der Belegschaft Wohnungen vorgesehen. Infolge Einrichtung von 68 Badeanstalten können täglich 37,2 Proz. der Belegschaft ein Bad nehnien. Was die Erreichung und Beschaffung von Lebensbe­dürfnissen betrifft, so sind für 83,8 Proz. der Be­legschaft Arbeiterspeiseanstalten und Kaffeeküchen angelegt, für 27,9 Proz. bestehen Konsumvereine, für 71,6 Proz. werden Deputatkohlen und De- putatsalz geliefert. Außerdem erstrecken sich die Wohlfahrtseinrichtungen auf das Unterstützungs- und Sparwesen, sowie auf Erziehung und Unter­richt. Es gibt 61 bcrgfiskalische Fortbildungs­schulen, 18 Haushaltungsschulen und 15 Klein­kinderschulen. Was schließlich die Erholung be­trifft, so gibt es für 66,4 Proz. der Belegschaft 37 Weicksbibliotheken und 27 Vergkapellen. Die letzteren haben zuletzt 284 Konzerte veranstaltet, denen 87,7 Proz. der Belegschaft beiwohnten. Außerdem wurde auf 18 Staatswerken ein Berg, fest in jedem Jahre und auf 30 ein solches in jedem zweiten Jahve abgehalten. An diesen Berg- festen beteiligten sich 96,5 Proz. der Belegschaft. Die Mittel, die der Staat für diese Wohlfahrt s- fin ridjhingen allein in der Berg-, Hütten- und Salinenvevivaltung aufgebmcht hat und auf­bringt, belaufen sich auf 16,8 Mllionen Mark Anlagekapital bezw. einmaliger Ausgaben und auf 612 252 Mark Unterhaltungskosten bezw. dauernde Ausgaben. Nahezu die Hälfte der letzteren kommt auf das Erholungskonto. Die Erteilung von Rechtsauskunft an die Arbeiter hat feine besonderen Aufwendungen erfordert.

Ueber den Stand derDiätenfrage verbreitet eine parlamentarische Korrefondenz folgende Darstellung: Das Gesetz, betreffend die Gewährung von Anwefenheitsgeldern an die Mitglieder des Reichstages wird, wie wir er­fahren, vor Ostern kaum dein Reichstage zugehen. Das Gesetz ist übrigens noch gar nicht ausgear- beitet worden, da Preußen seinen Widerspruch formell nodj nicht zurückgezogen hat. Einen ernst- haften Widerstand wird Preußen zwar nicht leisten, es will aber auch nicht den Entwurf über das Knie abbrechen, sondern die Frage sehr sorg- sättig prüfen. Der Entwurf wird, da Preußen ihm, seine Zustimmung nur gibt, wenn er geeig­net ist, durch seine Form Ivicklich die Arbeiten be§ Reichstages zu fördern, d. h. beschlußfähige Ver­sammlungen zu erzielen, manchen Politiker enttäuschen. Er wird nur Anwesenheitsgelder kennen und außerdem Kontrollmaßregeln vor- sehcu und auch sonst betreffs der Ans,Zahlung, des Rechtsanspruchs, des Beschwerderechts genaue Vorschriften enthalten, dem Präsidenten also keine Vollmacht in diesen Fragen erteilen. Dabei werden aber den Doppelmandataren der Einzel- landtagc bei ihrer Anwesenheit im Reichstage die Diäten der Landtage nicht in Abzug gebracht.

Zur Frage der Erweiterung des Kaiser-Wilhelms-Kanals teilen die Kieler N. N." mit, daß das Kanalamt bisher noch nicht vom Reichsamt des Innern um Vor­schläge über die notwendigen Erweiterungsbauten ersucht worden, ist. Es hat das seinen Grund darin, daß seitens des Reichsmarineamts noch keine Forderungen für die Umänderung der Schleusen gestellt werden konnten, toeil die De- Placementfrage der neuen Linienschiffe erst durch die neue Flottenfrags erledigt werden kann. Was die Schleusen bei Holtenau und Brunsbüttel betrifft, so kann man nach dem ge­nannten Blatte annehmen, daß man die jetzt be­stehenden , der Handelsflotte überlassen und für den gesteigerten Umfang der Kriegsschiffe neue Schleusen bauen wird, lieber die Umänderung der Rendsburger Brücke sind noch keinerlei Ent­schlüsse gefaßt,, da über die technische Ausführbar- keit der verschiedenen Vorschläge Gutachten noch nicht vorliegen. Die Kosten der Gesamtarbeiten einschließlich des Grunderwerbs dürften mit 100 Millionen nicht zu hoch angenommen sein.

Barla-uelttarijHes.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 23. Febr.

Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky, Dr. Ricberding, Frhr. v. Stengel, Delbrück.

, Bei schwachem Besuch tritt das Haus m die dritte Beratung des Gesetzes betreffend die Han­delsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika.

Abg. Frhr. Helft zu Hernsheim (nl.) weist an der Hand der Stattsttk nach, daß die Befürchtun­gen des Dr. Semler, der übrigens s. Z. für eine ähnliche Resolution gesümmt habe, über den Rückgang des Exports nach Amerika unbegründet sei imd beleuchtet auch die kolossalen Einnahmen, die Amerika und speziell Rockefeller mit dem Pe­troleumexport nach Deutschland haben.

Abg. Dr. Seniler (nl.) fragt an, welcher Teil der Tarifposttionen Amerika nach dem Anträge v. Heyl eingeräumt werden sollte. Es sei richttg, daß er beim Zolltarif für die Beseitigung des amerikanischen Petroleums gestimmt habe, gerade

beim Petroleum (et Amerika am erfolgreichsten zu treffen.

Abg. Gothein (fr. Vgg.): Mr scheint, ÄlS 06 Herr Frhr. v. Heyl seinen Antrag nicht genügen# vorbereitet hätte. Das Petroleum, daS Licht bet! kleinen Leute, sollte nicht verteuert werden. De« Verttag von 1900 ist nur ein Zusatzantrag zu früheren zwischen uns und Amerika abgeschlossen ne», die noch fortbestehen. Beim Abschluß Dort Verträgen mit anderen Staaten dürfte uns das Provisorium vielleicht nützlich sein.

Staatssekretär Graf Posadowsky: Was di« Giltigkeit der Handelsverträge Amerikas mit einet Reihe von deutschen Bundesstaaten anlangt, so hat die amerikanische Regierung bisher un. zweifelhaft angenommen, daß diese Verträge noch gelten. Ich muß allerdings hnizufügen, daß di« Auslegimg einzelner Vertragsbestimmungen durch die Vereinigten Staaten von Amerika gewissen Wandlungen unterlag zusammenhängend mit de» persönlichen staatsrechtlichen Auffassungen der Leiter der Vereinigten Staaten. Was die Gilttg. keit des Konventionaltarifs für die übrigen meist­begünstigten Staaten angebt, so liegt bet Falk z. B. mit Schweden so, daß, falls nicht gekündigt wird, der Vertrag so wie bisher weiterläuft. Dies« Swaten bleiben im Besitze der Meistbegünstigung«

Abg. Graf Kanitz (kons.): Nach meiner An« sicht ist es ganz gleichgilttg, ob Amerika de« Vertrag von 1828 theoretisch wieder in da- Verzeichnis ausgenommen hat oder nicht. Leider hat sich Deutschland auch den Bruch des Sara, togavertrages gefallen lassen, ohne den General« tarif in Kraft zu setzen. Dadurch sind die Ameri« kaner in ihrem Selbstbewußtsein und ihrer Hart- näckigkeit bestärkt worden. (Sehr wahr! rechts)« Daß Deutschland den Amerikanern ohne jede Gegenleistung die Meistbegünsügung einräumt, ohne daß Amerika zum Dank auch nur an die Mütze greift, muß Deutschlands Position in alle» künftigen Vertragsverhandlnngen ungeheuer schä­digen. (Sehr richtig! rechts). Gerade der Zoll­tarif sollte die Mittel liefern, das Reichsdefizit zu decken. Amerika tvird sich in Zukunft noch stärker auf Kosten Europas bereichern. Auf dem Wege der Nachgiebigkeit kann eine nationale Partei nicht weiter mitgehen, deshalb stimmen wir gegen das Provisorium. (Beifall).

Staatssekretär Graf Pofadowsky: Ich halte Wort für Wort aufrecht, was ich hier früher ge­sagt t>abe. Wir haben unser Abkommen, das aus der preußischen Vereinbarung wm 1828 stammt, für eine allgemeine Meistbegünsügung gehalten; damals auch Nordamerika. Die Auffassung aber hat gewechselt. Die Nordamerikaner sagten, nun, wenn weitere Meistbegünstigungen hinzukommen, müssen wir auch weitere Konzessionen erhalten. Wir konnten mit unserer Auffassung nicht durch­dringen, deshalb haben wir aber das Reziprozi­tätsabkommen von 1900 geschlossen. Die Ver­handlungen mit Schweden sind nicht gescheitert. Wenn die , Punkte erledigt sind, in denen wir nachzugeben nicht in der Lage sind, wird es zum schwedischen Handelsverträge kommen. Die Pe- troleumfrage ist falsch Largestellt worden. Ich habe kein Petroleumgesetz zugesagt, sondern da­mals bei den Zolltarifverhandlungen von einer besonderen Untersuchung der Verhältnisse ge­sprochen, mit der eventuell die Vorlage eines etwaigen Gesetzentwurfs aufgebaut werde» könnte. Diese Untersuchung ist eingeleitet, im Reichsschatzamt werden ihre Ergebnisse eingehend erörtert.

Abg. Bernstein (Soz.): Auch meine Ansicht ist es, daß die Annahme des Antrags Heyl zu einem Zollkrieg führen würde. Die kleinen Eristenze» würden ruiniert werden. Große Kreise sind auf das amerikanische Petroleum angewiesen.

Abg. Frhr. Heyl v. Hernsheim (nl.l hält an seinen bisherigen Ausführungen fest und polemi­siert gegen die Abgeordneten Dr. Semler, Bern- stein und Gothein.

Abg. Gothein (fr. Vgg.): Ich behaupte nach den letzten Ausführungen des Frhrn. v. Heyl, daß er seinen eigenen Antrag auch jetzt noch nicht verstanden hat. (Heiterkeit). In feinem Antrag ist ausdrücklich nur von Ermäßigungen die Rede, die in Len Handelsverträgen gewährt sind, also von einer Heranziehung des autonome» Tarifs kann nach Annahme seines Antrages gar keine Rede sein, auch nicht für Petroleum.

Nach einer unwesentlichen Rede des Abg. Bernstein (Soz.) bemerkt

Abg. Graf Schwerin-Löwitz (kons.): AuS Amerika ist 1903 weniger Petroleum als auS Rußland und Rumänien eingegangen, der Abg. Gothein irrt sich also und Frbr. v. Heyl hatte Recht. Der Staatssekretär irrt sich in der Auf­fassung des Saratoga-Abkommens. Wir sollte» ruhig anerkennen, daß in Wahrheit der Vertrag von 1828 durch die Amerikaner bei Seite gescho- ben worden ist. Wir haben leider keinen Maxi­mal- und Minimaltarif erhalten, darum will ich auf die Vorverhandlungen gar nicht zurückkom« men. Wir fürchten einen Zollkrieg nicht, aber wir drängen auch durchaus nicht darauf hm, (Beifall).