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bürg und Kirchhain.
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Marburg
Freitag. 23. Februar 1906.
Erscheint wöchentlich siebe« mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei 41. Jahrs.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
lRachdruck verboten.),
Die Brücke.
Roman von Willy Scharla«.
r- lFortsetzung.)
Noch nie sprach Oertcil mit so harten Wortell, so rauh und heftig zu feiner Frau. Er war der Herr im Haus, sie hatte sich seinem Willen zu fugen.
So prallten die beiden harten Steine anern- tmder. und heraus sprang der Funke, welcher die seit langem geladene Mine zur Explosion brachte. Im Aufstiegen aber wurde die letzte Verbindung zwischen ihnen zerstört.
Langsam trat Frau Hanns an ihren Gatten heran. Die Röte machte einer fahlen Blässe Platz und zischend schleuderte sie ihrem Manne me tvenigen Worte ins Gesicht:
I- .Hier bleiben? — Du. — Ich nicht!*
I „Was soll das heißen?" rief er.
„Ich werde am ersten Mai nach Wilhelmsburg fahren, das heißt es. Ich habe Dir gesagt, ich würde Tage, selbst Wochen warten können, letzt steht der Termin fest."
( Er starrte sie an, als begriffe er nicht recht.
I Sie aber fügte hinzu:
, „Es scheint mir besser, wir brechen das yräd) ab."
. Sie wollte zur Tür, er vertrat ihr schnell den Weg und faßte sie hart am Arm, sodaß sie mit emer heftigen Bewegung seine Hand abschüttrite.
.„Halt!" rief er. „Du bleibst noch! Mir scheint. Du vergißt vollständig, daß Du gar kein Recht hast, eine derartige Verfügung zu treffen. Ich habe zu bestimmen."
»Äch sagte Dir schon, daß ich am ersten Mai »ähren werd?." Sw trat einen Schritt zurück-
Neueste Telegramme.
Berit«, 22. Febr. Für das heute im Reichstag zur Verhandlung kommende Handels- EProvisorium mit den Vereinigten Staaten ist ine Mehrheit gesichert. Fürst Bülow wird in her ersten Lesung da8 Wort ergreifen.
Hamburg, 22. Febr. Am 28. dS. geht tin Truppen- und Pferdetransport von hier Nach Deutsch - Südwestafrika ab. Er umfaßt etwa 750 Mann und 1000 Pferde. Die Dampfer find „Professor Wörmann" und der »Eduard Wörman."
Nom, 22. Febr. Der.Messaggero" hat ein Telegramm ou8 Asmara erhalten, wonach die Aufständischen in Demen unter Im an D'ja die Türken bei Sahada schlugen. Ein türkischer General sei tot, ein anderer verwundet, und vier Kanonen sollen erobert sein.
Rom, 21. Febr. In dem heutigen Crm-> pstorium hielt der Papst eine Ansprache, ht der er nach einer kurzen Zusammenfassung der in der Enzyklika vom 11. dS. enthaltenen Schlußfolgerungen und Motive wiederum vor dem Kollegium der Kardinäle das TrennnngSgefetz in Frankreich verurteilt. ES beleidige den Gottesgedanken, sei entgegen der göttlichen Verfassung der Kirche, verletze die Freiheit und daS Reckt der Kirche, verstoße gegen den Heiligen Stuhl, das Episkopat, die Geistlichkeit und daS französische katholische Volk und verletze auch infolge Bruches deS Konkordats das Völkerrecht. Die Ansprache schließt mit der Aufforderung an die katholischen Franzosen, die Religion zu verteidigen in der Hoffnung aus bessere Zeiten für ihr Vaterland.
Paris. 21. Febr. Die gesetzlichen Inventar- Aufnahmen sollten heute in 27 Pariser Kirchen dorgenommen werden. Ziemlich zahlreiche Gläubige, von beneh mehrere die Nacht in den Kirchen zugebracht hatten, waren anwesend. Die Pfarrer verlasen Protesterklärungen gegen die Inventarisierung, die denn auch in einigen Kirchen ausgeführt werden konnte, während in den anderen die Finanzagenten sich, ohne daß es zu ernsten Zwischenfällen gekommen wäre, vor dem Widerstand der Gläubigen zurückzogen. Bis jetzt wird nur eine unbedeutende Rauferei in der Kirche St. Louis in Lille gemeldet.
Loudon, 22. Febr. Die Meldung des ,Rew-Nork Herald", daß der König von England dem deutschen Kaffer anläßlich seines Geburtstages einen herzlichen Brief geschrieben habe, ist richtig. Es war schon seit einiger Zeit bekannt, daß manche Bemühungen von beiden Seiten, die persönliche Verstimmung zwischen den beiden Monarchen zu beseitigen, so weit Erfolg oehabt haben, daß nach der Aufnahme des brieflichen Verkehrs auch einer persönlichen Begegnung in absehbarer Zeit nichts mehr im Wege steht. Man braucht diese
Wandlung politisch nicht zu überschätzen, kann sie aber doch als erfreulich für die Beziehungen beider Staaten begrüßen.
Die Konferenz in Algeciras.
Zur Lage.
Der „Köln. Zig." zufolge deuten manche Anzeichen darauf hin, daß die Konferenz dein entscheidendem Punkte nahe ist. Die immer heftiger werdende Polemik eines Teiles der französischen Presse, besonders des „Temps", scheint auf ir. gendwo bestehende Absichten, ein für alle Teile befriedigen be§ Ergebnis von vornherein zu verhindern, hinzuweisen. Unter den pessimistisch veranlagten Delegierten wird bereits die Frage erörtert, was geschehen würde, wenn die Konferenz auseinandergehen sollte, ohne mehr als die bisher erörterten Reglements sertiggestellt zu haben. Nicht nur in der Polizeifrage, sondern auch in der Bcucksrage bestehen noch weitere Differenzen. Das Blatt bezeichnet als unwahr, daß 'Deutsch- land bis jetzt niemals Zugeständnisse Frankreich gegenüber gemacht habe; sowohl in den protokollierten Verhandlungen wie in den Privatbesprechungen hat es in verschiedenen Fällen Zugeständnisse von Bedeutung gemacht. Was den in einem englischen Blatte erwähnten Vorschlag, Deutschland solle in Mogador die Polizei erhalten, anbetrifst, so hat v. Radowitz einen solchen DorscWag nie gemacht. Uebrigens glaubt auch der pessimistischste Politiker nicht an die Möglichkeit eines Krieges.
Algeciras, 21. Febr. (W. B.) Die Heu zur Vorbereitung der weiteren Beratung vor- genomme Gegenüberstellung des deutschen und des französischen Bankentwurfs zeigt folgende prinzipielle Unterschiede: 1. In der Zusammensetzung des Kapitals, von dem nach dem französischen Entwurf vier Anteile dem französischen Konsortium der Anleihe vom Jahre 1904 zufallen sollen und elf den anderen Mächten. Nach dem deutschen Entwurf soll jeder der Signatarmächte ein Teil zusallen. Dagegen sollen nach dem französischen Entwurf die Rechte des Konsortiums auf die Staatsbank übergehen, worauf Deutschland keinen Wert legt. 2. Nach dem französischen Entwurf soll die Aufsicht von einem durch die marokkanische Regierung angestellten Kommiffar ausgeübt werden, wogegen der deutsche Entwurf in der Uebertragung der Aussicht auf das diplomatische Korps in Tanger eine stärkere Garantie für die Unabhängigkeit der Kontrolle erblickt. 3. Der französische Bankentwurf will die Bank unter französische Konsulargerichtsbarkeit stellen, während der deutsche Entwurf eine gemischte Gerichtsbarkeit nach ägyptischem Muster vorsieht. 4. Die hochwichtige Festsetzung der Statuten soll nach dem französischen Entwurf durch den Verwaltungsrat gemeinsam mit der Versammlung der Aktionäre erfolgen, nach dem deutschen Entwurf durch den Verwaltungkrat und die Aufsichtsbehörde.
und sah ihn starr an, dann fuhr sie langsam und deutlich zu sprechen fort, wobei ihre Stimme einen stahlharten Klang annahm:
„Nach allem, was geschehen und gesprochen, muß ich es für das beste halten, daß wir uns trennen."
„Trennen?" rief er. „Was heißt bas? — Willst Du — etwa — daß wir uns scheiden lassen?"
Scheiden lassen, das bitterböse Wort war gefallen. Fnm Hanns zuckte zusammen, in ihr schrie es auf, und sie mußte sich an dem Tür- Pfosten halten, neben welchem sie stand. Scheiden lassen, welch bitterböses Wort.
Aber sie wollte nicht weich werden, sie wollte ihr Recht.
Die Frau schwieg, er aber ging langsam zum Fenster und blickte auf die Straße.
Alles zog ihn zu jener dort, der harten und doch geliebten Frau. Ein Wort von ihr, ein Ruf, und er wäre zu ihr gestürzt und hätte sie an sich geriffelt. Was mußten sie sich denn so quälen. Er wartete. — Frau Hanns schwieg.
Langsam wandte er sich um und fragte rauh:
„Denkst Du an eine Scheidung? Bitte, antworte."
„Nein!" erwiderte sie tonloS-
„Ich wünsche auch nicht, den Makel an Dir haften zu sehen, den jede geschiedene Frau mit sich herumträgt. Ich — bin im übrigen Deiner Ansicht." i
„Ich werde sobald als möglich mich nach Wilhelmsburg begeben, um nicht fernerhin Dir in Deinen Arbeiten hinderlich zu sein. Sollte ich aber daran denken, zu Dir kommen zu wollen, so iverde ich mich all dessen erinnern, waS Du mir gesagt und — ich toerbe nicht kommen."
Hanns wendete sich um, den Salon M vep-. lassen. V
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 21. Febr. (W.B.) Inder gestrigen Sitzung des Ministerrats wurde fest- gestellt: Man könne mit vollem Recht auf die rechtzeitige Durchführung der Reichsdumawahlen rechnen, ebenso auf den Zusammentritt der Reichsduma in der zweiten Hälfte des April alten Stils. Höchstens könnten das Zusammenfallen der Wahlen mit dem Osterfest und die Wegelofigkeit in manchen Gegenden im Frühjahr die Durchführung etwas verzögern. Daher wird eS vielleicht erforderlich sein, von der vorgeschriebenen Wahl der Abgeordneten an einem Tage Abstand zu nehmen. Der Ministerrat erkennt es als notwendig an, von nun ab den verstärkten außerordentlichen Schutz und Kriegszustand unter Kontrolle der höchsten RsgierungS- organe zu verhängen. Bei der Unmöglichkeit der sofortigen Aufhebung der angeordneten Ausnahmemaßnahmen bezeichnete der Ministerrat eS als wünschenswert, vor allem die Zahl der unter Kriegszustand befindlichen Gegenden zu beschränken und fie zeitweiligen Generalgouver- neuren unterstellen.
Riga, 21. Febr. Vier zum Tode verurteilte Revolutionäre richteten ein Gnadengesuch an den Kaiser, dieses wurde abschlägig be- schieden. Der Eeneralgouverneur bestätigte daS Urteil, änderte es aber dahin ab, daß die Todesstrafe durch Erschießen anstatt durch Erhängen vollstreckt werden solle. Dies ist heute geschehen.
Wilna, 21. Februar. Nach Mitteilungen der Militärbehörden find die Gerüchte über Beteiligung der Truppen an einer Plünderung bei der Feuersbrunst in Hemel auf ein Miß- verständnis zurückzuführen. Der Führer einer Abteilung hatte seinen Soldaten befohlen, die in den brennenden, bezw. vom Feuer bedrohten Häusern befindlichen Gegenstände herauszuschaffen und an einem bestimmten Platze zusammenzutragen, und fie nachher ihren Eigentümern wieder zuzustellen. Viele Einwohner, die das mitansahen, sind dadurch zu der Annahme verleitet worden, daß es sich um eine Plünderung handle.
L i b a u, 21. Febr. In der Nähe von Hasenpot wurden am 16. Februar 32 Personen erschossen. Am nächsten Tage wurde ein Schullehrer gehängt und zwei Personen erschossen. In der Umgegend von Grob-in sind gestern acht Personen erschossen worden.
Petersburg, 21. Febr. In Swnitza Gianinsk im Kubangebiet meutern 600 Kosaken vom Regiment Urup. Gegen die Meuterer, di« sich verschanzt haben, sind Truppen mit fünf Maschinengewehren entsandt worden. Es ist bereits zu einem Zusammenstoß gekommen, doch liegen bis jetzt keine Einzelheiten vor.
Petersburg, 21. Febr. Der Präsident der siebenten Abteilung der russischen Fabrikarbeiter, Nikolaus Petrow, macht in der Zeitung „Ruß" sensationelle Enthüllungen über den ent-
Jn demselben Augenblick öffnete sich die Tur und Marga trat ein. Ihr Blick flog auf taS leichenblasse, steinere Gesicht der Schwägerin und flog dann hinüber zu dem Bruder, welcher, ebenfalls schx blaß, immer noch am Fenster stand.
„Um Gottes willen," rief das junge Mädchen ängstlich, „was ist geschehen? — Was ist borge- fallen? — Hanns, was ist Dir?"
Sie umarmte die junge Frau und wollte sie hindern, hinauszugehen. Die aber schob sie sanft zur Seite und verließ ohne ein weiteres Wort den Salon.
Als Marga einige Zeit später zu Hanns kam, fand sie die Schwägerin äußerlich vollkommen ruhig und durchaus gefaßt. Das junge Mädchen versuchte auf seine Weise, durch Bitten und Flehe» Frau Hanns dazu zu bewegen, die Hand der Versöhnung auszustrecken, wie sie es vorher bei dem Bruder getan.
Vergebens. Die Schwägerin erklärte ruhig, aber in einem so festen Ton, daß Marga aße weiteren Versuche aufgab, sie gäbe sich unnütze Mühe. Es sei für sie und Hans am besten, sie trennten sich. So weiterleben könnten sie nicht, auf neutralem Bodsn sich nur zu treffen, sei nicht angängig. Außerdem — doch es wäre nicht nötig zu erörtern.
Wären sie aber getrennt, dann könnte sie wenigstens hoffen, bie Zeit würde ihn lehren, was sie sich sein könnten, was fie sich sein müßten.
Langsam begriff Marga, hier gähnte eine Kluft, über die keine Brücke führte, dies Zerwürfnis sei nicht von heute ober gestern, was geschehen, war die Folge beffen, was vorherging, was sie selbst gesehen und miterlebt nur die letzte Konsequenz.
Sie konnte nichts tun, als Gott bitten, die fceibett lieben Menschen möchten sich wieder zu- sanunenfinben. _• _ *
flohenen Priester Georg Gapon. Gapon erhieU danach kurz nach jenem Unglückstage 30 000 9hN bel durch Exzellenz Timirjasaw, den jetzigen Handelsminister, vom Grafen Witte angewiesen, imS zwar habe, wie Gapon persönlich dem Petrow mitteilte, Mtte diese Summe gegeben, damit Gapon ins Ausland verschwinden könnte. Vorher sollte er jedoch alle Verluste, welche den Arbeiter» durch die Schließung ihrer Versammlungen nach dem 21. Januar ent)tauben waren, von biefei Summe beden. Gapon habe für diesen Zwech tatsächlich 8000 Rubel bergegeben, während etz die übrigen 22 000 Rubel einfach einsteckte urtf damit ins Ausland abreiste.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Februar.
— Seine Majestät der Kaiser traf gester» Mittwoch Morgen 8 Uhr von Kiel kommend Wied« in Berlin ein. Um 10 Uhr hatte er eine Besprechung mit dem Reichskanzler in besten PalaiS und hört« um 11 Uhr im Schlosse die Vorträge be8 HauS- ministers v. Wedel und deS Chefs des ZivilkabinettS von LucanuS. Um 11 Uhr 24 Minuten traf d« Erzherzog Leopold Salvator ein «nd nahm in der mecklenburgischen Wohnung des Schlosses Quartier. Nachmittags sind Prinz und Prinzessin Heinrich eia» getroffen. Abends fand im Königlichen Schloß d« erste Hoiball der diesjädrigeu Saison statt, nachdem der vorher angesetzte wegen Hoftrauer auSgefalle» war. DaS Fest erfuhr eine Beeinträchtigung dadurch daß die Kaiserin wegen leichter Unpäßlichkeit ft» blieb. Ein längeres Gespräch führte der Kaiser u. a. mit dem neuen Staatssekretär des Auswärtigen vo» Tschirschkh und Bögendorff, sowie mit dem russischen, dem österreichischen und dem italienischen Botschaft«,
— AuS Anlaß der heute stattfindenden Ankunft Königs Oskarvon Schweden in Berit» schreibt die ,9totbk Allg. Ztg.': »Seine Majestät der Stönig Oskar von Schweden trifft Donnerstag ia der deutschen Reichshauptstadt ein, die den ehrwürdige» Monarchen als jederzeit willkommenen Gast begrüßt. Seine Diajestät der Kaiser, das ganze kaiserliche und königliche Haus sehen diesem Besuche des He.rscherS eines befreundeten Landes, der durch verwanbschaftlich« und freundschaftliche Bande mit unserem Herrscherhaus« eng verbunden ist, mit herzlichen Gefühlen entgegen. Möge König Oskar, der fich fodann von Berlin za längerem Erholungsaufenthalte nach dem Süden begibt, dort volle Kräftigung finden und neu gestärkt ia die Heimat zurückkehren, um die Zügel der Regierung auch fernerhin zum Segen der schwedischen Nation z» führen.
— Zur Reichtagsdiäten-Frage erfährt ein Berliner Blatt, daß das Gesetz keineswegs so früh dem Bundesrat zugehen wird, wie ursprünglich angenommen wurde. Im Gegensatz zu den süddeutschen Bundesstaaten, die in den Landtagen ihre zustimmend« Stellung zur Diätenfrage zum Ausdruck brachte», hatte Preußen biS in die neueste Zeit an seinem Widerspruch festgehalten. ES liegt daher augenblicklich die ganze Frage dem preußischem Ministerin« zur Prüfung vor. An der Zuummung Preußens ist schließlich nicht zu zweifeln, aber man will wenigstens mit der Gewährung der Diäten auch wirklich daß erreichen, was für ihre Notwendigkeit stets angeführt wurde, beschlußfähige Reichtagsfitzungen. AuS diesem Grunde wird das Diätengesetz ziemlich scharfe Kontroll» maßregeln enthalten, die vielleicht von mancher Seite als mit der Würde eines ReichStagsabgeordnetea nicht ganz vereinbar angesehen werden; von ein« Pauschalsumme, wie mehrfach angeuommen wurden kann absolut nicht die Rede sein. DaS Hauptbedenke» Preußens gegen die Reichstagsdiäten, daS auch BiS»
Drei Tage später reiste Frau Derlei nach Wilhelmsburg.
Als sie zuletzt Vox ihrem Gatten staub, war sie blaß, aber ruhig, jedenfalls ruhiger als er, auf dessen Gesicht Blässe und Röte wechselten, auS dessen Augen es zornig sprühe. Mit Geivatt fast hatte er sich in den Gedanken hineingebohrt, die Frau sei ganz allein der schuldige Teil. Hatte sie nicht zuerst das Wort „Trennung" ausgesprochen? Und doch war chm, als ginge jetzt alleS rings um ihn in. Scherben. Mit ihr — fein Leben, aber ohne sie —. Sein ganzer Groll wollte ausbrechen, als er sie so ruhig vor sich sah.
Aber sie kam ihm zuvor.
„Laß uns ohne Haß und Groll scheiden, Hans," sagte sie, „so wie zwei verständige Leute es tun müssen, welche einsehen, daß es zu threm Heil ist. Vielleicht finden wir rms auf einem Umwege wieder zu einander."
Er zuckte die Achjeln.
„Ich wünsche Dir das Beste," erwiderte et mit heiserem Ton. Das flackernde Licht in seine» Augen zeigte ihr nur zu deutlich, daß er nut mühsam seine Fassung zu bewahren vermochte- „Jch fürchte nur, es wird ein langer Umweg wer. den. Für Dich zu Tang, — denn mein Weg totri mich niemals nach Wilhelmsburg sichren, — wenigstens nicht —"
„Wozu das?" sagte sie schnell. „Ich will Die- »och danken, daß Tu mir des äußeren Scheins wegen für den Anfang Marga mitgibst. Ich würde mich auch über das Gerede der Wilhelmsburger forigesetzt haben, aber ich danke Dir, baß Du daran bqchiest, ihm von vornherein ine Spitze abzubrechen."
Für einen Augenblick legte sie die Hand ohstll Druck in die f einige, dann ging sie. /
i (Fortsetzung folgt.)'