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und Kirchhain.

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Marburg

Mittwoch, 21. Februar 1906.

- ' Erscheint wöchentlich siebe» mal.

Druck und Verlag' Joh. Kug. Koch, UuibersitätS^vuchdrnckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Neueste Telegramme.

Berlin, 20. Febr. Beim Reichskanzler hat -m Samstag abend eine Besprechung der Partei­führer der Mehrheitsparteien des Reichstages stber das HandslLprovisorium mit den Ver­einigten Staaten stattgefunden. Der Staats­sekretär Graf Posadowskh und der Handels- Minister Delbrück haben dabei Vorträge ge­halten, und es scheint eine Mehrheit für das Provisorium gesichert zu sein.

Mannheim, 20. Febr. Der Vorstand des deutschen Anwaltsverein hat beschlossen, den 18. AnwaltStag in der Zeit vom 10.15. September 1907 nach Mannheim einzuberufen.

München, 19. Febr. Der vor etwa l1/« Jahren in Pension getretene Kriegsminister von Asch ist gestern Abend am Herzschlag unerwartet gestorben.

St. Galle», 19. Febr. Die internationale Kommission für die Rhein-Korrektion beschloß, im Jahr 1906 auf die Inangriffnahme des oberen Durchstiches 976000 und auf die Vollen­dung des unteren Durchstiches 199 800 Franken sufzuwenden.

Rom, 20. Febr. Zur allgemeinen Ueber- raschunq setzt der Papst das nächste Konsistorium, das erst im März stattfinden sollte, auf morgen Mittwoch an. In ihm werdm die neuen französischen Bischöfe, vierzehn an der Zahl, ernannt, die der Papst, um einen größeren Eindruck zu erzielen, am Sonntag daraus in der Peterskirche selbst weihen wird. (Nach einer Wolff'schen Depesche wird der Papst für alle 19 Sitze, die jetzt erledigt find Bischöfe ernennen.

Paris, 20. Febr. Präsident FalliäreS hat seinen Wohnsitz jetzt endgiltig im Ely'är ge­nommen und gestern Vormittag die Mehrzahl der Minister dort empfangen.

Kopenhagen, 19. Febr. Der deutsche Kaiser ernannte König Frederik zum Ehren­admiral der deutschen Flotte; der König ver­lieh dem Kaiser das Ehrenzeichen des Danebrog- vrdens.

Tschita, 19. Febr. (Petersb. Telegr.-Ag.) Der Gouverneur und der Vizegouverneur wurden vom General Rennenkampf wegen Unfähigkeit von ihren Aemtern abgesetzt. Viele Verhaftungen wurden auf der Eisenbahnstrecke und in der Stadt vorgenommen. Die Verhafteten wurden drei Tage später wieder freigelaffen. In einem unbewohnten Hause wurden kürzlich 8000 Kara­biner gefunden.

Rem Bork, 19. Febr. Der Bericht der Panamakommission lautet für einen Schleusen­kanal, während die Jngenieurkommisfion sich für einen Seeniveaukanal entschied.

63 t Nachdruck verboten.),

Die Brückt.

Roman von WUky Lcharla».

> (Fortsetzung.)

/ Roden aber hatte erfahren, was er wollte, un­verlangte nicht mehr nach dem Manne der Frau.

Kam er zu Oertels, ließ er sich zuerst dem Herrn Doktor melden, dann erst Frau Hanns.

Oertel aber wußte immer, wenn jener da war. Hörte er Stimmen und Lochen im Salon, dann krampfte sich sein Herz zusammen; er hätte auswringen, den ungebetenen Besucher hinaus- werfen und jein Weib in die Arme nehmen mögen.

Statt dessen blieb er sitzen, fraß den ganzen wilden Groll gegen die da drinnen in sich hinein .und gab dem Gedanken stets breiteren Raum, strne Frau hätte überhaupt kein Talent, wäre nicht imstande, überhaupt zu schaffen.

Weshalb antivortete sie denn nicht auf die ge- rade;u vernichtenden Kritiken ihres Artikels wenn sie Talent hätte? Weshalb ließ sie das auf sich ftveli? Es ärgerte ihn geraden, Laß sie nickst antwortete, namentlich nicht auf einen Angriff im Tageblatt, der ihn selbst zum Verfasser hatte

.Hatte sie keinen Mut, konnte sie schon nicht Wecker? Vielleicht war sie gar nicht die Ver- sassenn jenes Utopienartikels, oder Roden war wenigstens aus irgend einem Grunde Helfer un- T-cliarbeiter daran.

«wRodens Stil war es nicht, aber der vrcnich war ja von einer chamäleonhaften Viel- ^Ugkeit. Unter allen Umständen war dieser slifla-uf gescheitert.

Alles bestärkte ihn in dem festen Entschluß, ffnrer keinen Umständen nachzngebcn. Der Mann

im Haus, nicht die schwächere, geistig in-

Frankreich nnb der Vatikan.

Die, wie schon gestern telegraphisch gemeldet, endlich veröffentlichte Enzyklika des Papstes to­bet gewissermaßen die Schlußerklärung zu der nunmehr vollzogenen Trennung der Kinl^ vom Staat, ein papierener Protest, dem die franzö­sische Regierung keine besondere Bedeutung zu- sprechen kann. Die Enzyklika an die französischen Katholiken legt in ihrem Anfang dar, daß das französische Trennungsgesetz seit langem gewollt und vorbereitet gewesen sei,' und zählt kurz die Maßnahmen gegen die Kirche auf, die allmählich den Staat tatsächlich von der Kirche getrennt haben. Der heilige Stuhl, so heißt cs in der Enzyklika, hat alles, was möglich war, getan, um das für die.Religion wie für die bürgerliche Gesellschaft gleich große Unglück zu verhüten. Die Enzyklika setzt sodann die Grundlehren der Kirche über die Beziehungen zwischen religiöser und weltlicher Gemeinschaft auseinander und ver­urteilt den Grandsatz einer Trennung beider. Sie fährt dann fort: Eine solche Scheidung muß besonders in Frankreich verurteilt werden, das in dem Bunde mit der katholischen Kirche jahrhun­dertelang Größe und die reinsten Ruhmestitel ge. funden hat. Schwerer aber als eine solche Schei­dung wiegt die Tatsache, daß man die Beziehun­gen zwischen der Kirche und dem Staate abge­brochen hat; denn diese wurden geknüpft durch das Konkordat von 1801, welches ein feierlicher und unter gegenseitiger Bindung abgeschlossener Vertrag war. Der Papst beklagt im weiteren die Verletzung der Vertragsbestimmungen und des internationalen Rechtes, sowie die Kränkung, die dem heiligen Stuhl durch die Unterlassung aller der Formalitäten und Rücksichten widerfahren sei, die gemäß den internationalen Gepflogen­heiten bei Vertragskündigungen selbst gegenüber den kleinsten Staaten beobachtet würden und die man besonders dem Papste wegen seiner Würde als Oberhaupt der katholischen Kirche schrllte. Ter Papst geht sodann auf das französische Tren­nungsgesetz näher ein und hebt hervor, daß das­selbe zahlreiche Beleidigungen und Verletzungen enthalte. Diese richteten sich 1. gegen die gött­liche Verfassung der Kirche, denn das Gesetz über, trage unter Mißachtung der von Gott eingesetzten Hierarchie in der Kirche die öffentliche Ausübung des Kultus weltlichen Gesellschaften, welcher der richterlichen Zuständigkeit des Staatsrats unter- worfen seien; 2. gegen die Freiheit der Kirche, denn sie zwinge sie, sich dm Vorschriften über die erwähitten Vereinigungen zu fügen, verleihe die höchste richterliche Befugnis der tveltlichen Be­hörde, treffe zahlreiche Bestimmungen, welche die Ausübung der kirchlichen Gewalt über die Gläu­bigen, die Wahrnehmung des öffentlichen Kultus und des Helligen Predigtamts usw. beeinträch­tigen und überlasse zudem viel der Willkür der staatlichen Behörden, 3. gegen das Eigentums­recht der Kirche, denn das Gesetz beraube sie eines großen Teils ihres Vermögens, ihrer Kirchen, ihrer Gebäude, ihrer wohltätigen (Stiftungen, und schaffe die Gehaltszahlungen ab, tocldje der Staat den Stenern des Kultus zu leisten sckstildig sei, einmal als Pflicht der Gerechtigkeit, denn sie stellten eine gerechte Entschädigung für die wäh-

feriore Frau. Sie hat sich zu fügen, wie er das Leben gestalten will.

Hartnäckig schloß er sich mchr und mehr ab, das Verhüttens der Eheleute wurde von Woche zu Woche unerträglicher. Ste schienen beide zu Eis erstarrt.

Da kam Marga zurück.

Frau Lombard starb. Ihr LebMsflämmchen, welches in den letzten Wochen nur noch matt flammte, erlosch leise, ohne Kampf, fast unmerk­bar. Ohne Furcht vor dem ewigen Schlaf, ohne Schmerzm, völlig klar über ihren Zustand, schlummerte sie sanft hinüber.

Kurz vor ihrem Scheiden ober bat sie mit dem letzten Aufgebot schwindender Kraft Marga, ihren Satten nicht zu verlasien.

Du allein kannst und sollst mich ihm er- setzen. Wenn er kommt, willst Du fein Weib werdm?"

Marga druckte ihr als einzige Antwort die Hand.

Er weiß um meinen letzten Wunsch", flüsterte die «Sterben be.

Als Marga sich mit tränonnassen Augen in die Kiffen be§ Wagens zurücklehnte, der sie aus dem Lombardschm Hause führte, wußte ste, ohne daß ein Wort gesprochen war, er würde kommen, um sie zu werdm, und sie würde ja sagm.

9hm war sie in dem Hause auf der Mosel- straße und blickte sich erstaunt um.

War der Mann dort ihr Bruder? Der Bru­der, dm sie so liebte und hoch schätzte, zu dem sie so unbedingtes Vertrauen hatte?' Und die da, war die Hanns von Singen?

Ach, Unsiim, die hier waren ja ganz andere Menschen.

Marga tieß sich die Augen; als sie sich von chrem ersten Erstaunm erholt hatte, begann sie nach dm Ursachen dieser Veränderung zu forschm.

renb der ersten französischen Revolution voll- zogme Aneignung von Kirchengütern durch ben Staat dar, dann ober auch wegen der im Kon­kordat festgestellten formellen Verpflichtung. So­dann spricht der Papst fein Bedauern aus, daß das Trennungsgesetz auch der Eintrackst und bem inneren Frieden Frankreichs sehr schaden werde, das namentlich bei den gegenwärtigen Derhält- nissen Europas der Einigung aller seiner Söhne bedürfe. Wegen aller dieser Gründe müsse er das Gesetz feierlich mißbilligen und verurtellm. Schließlich richtet die Enzyklika in warmen Worten die Mahnung an den Episkopat, die Geistlichkeit und das Volk Frankreichs, sich in Eintracht und edlem Mute zur Verteidigung der Religion zusammenzufchließen, welche man völlig aus Frankreich vertreiben möchte. Er fordert die Katholiken auf, einig um die Geistlichkeit, die Bi- schöfe und den Apostolischen Sttrhl geschart zu bleiben, ihr öffmtliches und privates Verhalten nach dm Lehren des Glaubens und der christlichen Moral einzurichten, zu beten und auf Gott zu ver. trauen, welcher auf die Fürbitte bet, unbefleckten Jungfrau Frankreich Ruhe und Frieden geben möge.

Die Auflösung des ungarischen Parlaments.

Kaiser Franz Joses und seine ungartete Re­gierung haben endlich Ernst gemacht und dte tm- terspenstigen Parlammtarier, die durch ihre Ob­struktion den Stillstand der Staats maschine her- beizufichren drohten, kurzer Hand einfach zum Teufel gejagt, mami militari aus dem Parla- mentsgebäute hinausgetrieben, als sie der ord­nungsgemäßen Auflösung kerne Folge gaben.

lieber die Vorgänge beim Einschreiten der bewaffneten Macht, beichtet dieFrankf. Ztg.", daß Oberst Fabrieius, nachdem das, Abgeordne- tmhaus die Publizierung des königlichen Hand­schreibens bertoeigert hatte, mittelst Automobils zur Hofburg eilte, wo ihm General Nyiri ein Duplikat des Handschreibens übergab, das Fa- bricius einige Minuten später von der Estrade des Abgeordnetenhaus-Präsidiums vor fast ganz tee­ren Bänken verlas. Der Honvedoberst Fabrieius tvar hierbei von drei Unteroffizieren mit auf ge­pflanztem Gewehr begleitet. Die Galerien wa­ren noch dicht besetzt und von dort sowie von eint- gm Abgeordneten im Saale, wurden dann, Be­schimpfungen wieHaynaul Nieder mit ihm! Eidbrecher!! Henkersknecht!! Vaterlandsverratl! Er hat den Honvedeid auf die Verfassung ge­brochen!" zugerufen. Aus der Galerie ftimmte das Publikum das Kossuthlied an. Es wurden grelle Pfiffe laut. Ztveimal gab Oberst Fabri- cius mit weithintönender Stimme die Aufforde­rung ab, den Saal zu verlassen, worauf Polizei und Houvedtruppen in großen Massen ins Haus drangen und alle Räume besetzten. Die Räu­mung des Hauses war binnen toenigen Minuten vollzogen. Alles ohne Ausnahme, Abgeordnete, Mtglieder des Präsidiunrs, Beamte, Steno­graphen, Journalisten und Diener mußten das Haus verlassen. Letztere rangierten sich zu einem Zuge und verließen, das Kossuthlied singend, das

Haus. Sodann wurden sämtliche Türen dei Hauses amtlich Versiegelt und das Parlament unter militärische Bewachung gestellt, welche bi| auf weiteres dort verbleibt. Die Straße fft bishet ruhig, doch durchzieht das Publikum in großes Massen die Stadt. Unaufhörlich erscheinen intmeg neue Extraausgaben der Blätter.

Die Ankündigung der ehebaldigsten Einte« rufttng des neuen Reichstags wird nur als For­malität erachtet, welche sobald nicht zur Verwirk« lichung gelangen dürste. Von den wetteren Ab­sichten der Regierung hat niemand eine Ahnung Man erwartet das Einschreiten gegen alle poli« tischen Vereinigungen, sowie das Verbot dos fue den 25. Februar im ganzen Lande angekündigte« Protestmeetings.

Budapest, 20. Febr. Die Abends erschiö« neuen Blätter der Koalition, von denen einige mit schwarzem Rand versehen sind, fonftatieren, daß nun die Gewalt ihren Einzug gehalten habe. Jetzt bleibe nur die Hilfe Gottes übrig. Die Frei­heit Ungarns müsse von neuem erkämpft werden. Die Abgeordneten der Koalitton beharren tettauL daß sie noch tatsächlich Abgeordnete seien,, un» wollen am Mittwoch vor das Parlament ziehen« um eine Sitzung abzuhalten. , Falls diese, wie bestimmt vorauszusehen ist, vereitelt wird, foH die Sitzung anderswo abgehalten werden. Die Mtt« glieder der liberalen Partei erklären die Auf­lösung als legal und werden an keiner Demon­stration teilnehmen.

Die Beisetzungsfeierlichkeiten in Kopenhagen.

Roeskilde, 18. Febr. Um 1 *4 Uhr traf 8fl8 Zug mit dem deutschen Kaffer, dem König uit$ den übrigen hohen Leidtragenden ein. Auf dem Bahnhofe war ein Bataillon Infanterie und eine Batterie Arttllerie aufgestellt, welche die militari« schen Ehren erwiesen. Der Kaiser, der König und die übrigen fürstlichen Herren fuhren alsbald nach dem Dom, während die Damen sich nach dem Palais begaben. Im Dom hatten sich bald nach 1 Uhr versammelt die Minister, die Mtglieder des diplomatischen Korps, die Mtgliederbei höchsten Gerichts, des Reichstages, dte auswärti­gen Abordnungen und Mttttärteputationen u. cu Der in den Danehrog gehüllte Sarg mit der Leiche des Königs Ebristtan war umgeben von Ehrenwachen von Offizieren. Kammerherren und Großkreuzrittern. TiePräsidenten des Land- khings und des Folkethings legten Kränze ant Sorge des Königs nieder. Ural Uhr 50 Mm. trafen die fürstlichen Damen ein unb nahmen am Sarge Platz, tvährend die Orgel präludierte. Sodann kamen die fürstlichen Herren mit Gefolge an und begaben sich in feierlichem Zuge zu ihren Plätzen, König Frederik mit Kaiser Wilhelm an seiner rechten Seite und König Georg von Grie« chenland an seiner linken Seite; darauf folgte König Haakon von Norwegen mtt dem Brüte« des verstorbenen Königs, dem Prinzen Johann von Glücksburg. Kaiser Wilhelm trug die da« nische Admiralsuniform. Nachdem die fürstlichen Herrschaften Platz genommen hatten, begann die Trauerfeier. Bischof Roerdam hielt die Leichen--

Hanns war genau dieselbe wie früher, gut, lieb, herzlich, aber der Bruder, der war wie umgewandelt.

Das ging nicht, und djas blondh Mädchen machte sich ohne Zögern an das Werk. Sie fragte den Araber und wurde schroff zurückgewiesen. So schroff, daß sie meinte. Nie geschah ihr, was heute vorkam. Hinausgewiesen tvar sie aus seinem Zimmer, als sei sie nittzt fein Liebling, sondern eine lästige, aufdringliche Person.

Sie weinte, aber ließ den Mut nicht sinken.

So ging es doch nicht weiter.

Und ste ging zur Schwägerin. Auch hier eine Ablehnung, aber eine in freundlicher, liebevoller Form.

Hanns zog die zierliche blonde Marga an sich und küßte sie.

Liebste", sagte sie,zwischen Eheleute sollen sich Drttte nicht drängen. Haben sie etwas mit einander, sollen sie es allein abmachen. Dritte können nur schaden. Du aber bist ein junges Mädchen ohne Erfahrung in dem, was Zwischen Ehegatten geschehen kann."

»Ich ohne Erfahrung?" rief Marga mit fast vorwurfsvollem Ton. Ein Mensch, den ich von Herzen lieb hatte, ließ mich den Glauben an ihn verlieren, jetzt fft mir eine liebe, liebe Freundin gestorben. Nennst Du nun das ferne Erfahrung?"

Du bist anders als ich, Marga. Hätte Dein Bruder eine Frau genommen, wie Du eine bist, nie toäte ein Zerwürfnis gekommen."

Aber liebste, süße Hanna, Dir bist doch viel klüger als ich. Was habe ich ihm denn sein kön­nen? So eine kleine Hausfrau, die ihm zmvellen auf der Maschine Sachen abschreiben tonnte.*

Gerade deshalb, Schatz. Aber sei nur ruhig. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, daß sich alles zum guten wendet. Ach ich habe jhn ja noch gerade jo. lieb als früher.*

Sie preßte das Mädchen fest an sich und ver« liefe das Zimmer. Marga aber sah, dafe die hell« Tränen der Frau aus den Augen stürzten. Sie war von diesem plötzlichen Ausbruch eines leiden« schaftlichen Schmerzes tief erschüttert.

Unumstößlich stand jetzt bei bem Mädchm fest, der Bruder befände sich im Unrecht, das er unter allen Umständen gut machen mußte. Sie aber wollte ihm dabei hÄfen. Was schadete e$, toenn er sie noch einmal hinauswies, noch groben wurde tote neulich. Da kam sie zum dritten Mate und immer wieder. O, sie hatte auch ihren feste« Willen.

So aber konnte es nicht weiter geben; daß war kein Leben. Aber Marga kam nicht dazn- Der Brach wurde jetzt ein vollständiger. _

Ostern fiel sehr spät, erst in der zweiten Halste des April. Das Wetter war herrlich, Baum u Strauch bedeckten sich mit Grän, die ganze Natur toanbelte sich, wie ein Hauch von Liebe lag e$ über Flur und Wald. In dem kleinen Vov» gärtchen des Hauses an der Moselstraße sah ei schon ganz frühlingsmäßig aus, die ersten Bl» men steckten ihre Köpfchen aus der Erde, uni am zweiten Ostertage saßen mittags zuerst Ham« und Marga auf der offenen kleinen Veranda.

Es war köstlich warm, ringsum zwitscherte» dte Vögel, in der ganzen Natur herrschte Feste»« fratbe. Und in dieser Stimmung erzählte Marga der Freundin alles, was im letzten Halbjahr ih« junge Seele bewegte; von dem Manne, den ste schon so lieb hatte, als die Freundin noch lebte, von dieser, von ihrem Sterben, von ihrem letz« len selbstlosen Wunsch.

Da sing Roten an bem Sorten vorüber- . (Fortsetzung folgte