- Sonntagsbeilage: ZAnstrirtes Sonntagsblatt. /
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Marburg
Sonntag. 18. Februar 1906,
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mtb Verlag' Job. Aug. Koch, Universitätr-Buchdrucker« 41.
Marburg, Markt 21. - Telephon 55.
Zweites Blatt.
Netteste Telegramme.
Köl«, 17. Febr. Nach einer Meldung der .Kölnischen Zeitung" aus Berlin wird die Ueder- gabe der dormitio sanciae Mariae virginis in Jerusalem an die Benediktiner von Beuren am 21. März erfolgen. Landeshauptmann a. D. Mein und der Abt von Maria Laach Frhr. v. Stotzingen, die der Feierlichkeit beiwohnen, werden aus der Durchreise durch Konstantinopel eine Audienz bei dem Sultan haben.
Rudolstadt, 16. Febr. Unter kolossaler Wahlbeteiligung fanden heute die Landtagswahlenstatt. Das Gesamtresultat ist: 8 bürgerliche und 7 sozialdemokratische Abgeordnete. Im Wahlkreis Leutenberg gibt es eine Stichwahl zwischen Hartinann (Soz.) und Fiedler (Bauernbund.)
Kopenhagen, 16. Febr. Heute Vormittag wurde die Leiche König Christians IX. in feierlichem Zuge von der Schloßkirche durch die Stadt nach dem Hauptbahnhofe übergeführt. Um 1 Uhr 40 Min. ging der Trauerzug, der die königlichen und fürstlichen Persönlichkeiten sowie die Geladenen mit sich führte, nach Roes- kilde ab. (Wie aus Roeskilde gemeldet wird, ist der Zug dort um 3 Uhr Nachmittags ein getroffen.)
Paris, 17. Febr. Im Senat wurde An- tonin Dubost mit 241 Stimmen anstelle Falliöres mm Präsidenten gewählt. 21 Stimmen zersplitterten sich.
Englands Außenhandel.
Will man zu einer richtigen Würdigung der Entwicklung des englischen Außenhandels im Januar d. I. gelangen, so muß man sich erinnern, daß ein zusammenfassender Ueberblick über das eiiKlischD Wirtschaftsjahr 1905 zu dem Ergebnis gefiihrt hatte, daß niemals vorher so getvalttge Wrrtziffern der Eilt- und Ausfuhr erreicht iva- ren. Gegenüber dem riesenhaften Aufschwung aber, den der JanuarVerkehr gebracht hat, nimmt sich die aufsteigende Handelsbewegung des vorigen Jahres wie ein langsames, mühseliges Vor- tvärtsfchreiten aus. Der Januar-Außenhandel des Jahres 1905 hatte sich in der Einfuhr um 1,2 Mll. M, in der Ausfuhr um 1,8 Mill. M gegen den gleichen Monat des Jahres 1904 verbessert, also mithin einen erheblichen Gewinn erzielt. Der diesjährige Januar brachte eine Einfuhrsteigerung von 104 Mill. M, eine Ansfuhrsteigerung von 105 Mill. M. Einem Wertzuwachs des Ge- samtanßenhandels int Januar 1905 von 3 Mll. Mark fleht also im Januar 1906 ein Wertzuwachs
Medizinische Rundschau.
— Die Aerzte Deutschlands im Jahre 1905. Einem Berichte von Dr. G. Heimann, wissenschaftlichem Hilfsarbeiter am Berliner Statistischen Amt, in dec „Deutschen mediz. Wochenschrift" (Nr. 52, 1905), entnehmen wir folgende Ausführungen:
Die Zahl der deutschen Aerzte ist im Jahre 1905 wieder nm ein geringes mehr gestiegen als im Vorjahre, wie die folgenden Nachiveisun- gen, welche dem von Prof. Schtvalbe herausgegebenen Reichsmedizinalkalender, Jahrgang 1906 labgeschlossen 15. November 1905), entnommen sind, ergeben. Allerdings war die Zunahme er- hevlich geringer, als in den Jahren vor 1904 Dw Zahl dar Aerzte im Deutschen Reiche ^rrug im Jahn. 1905 31 041 oder 584 = 1,9 vr<M- mebx als Ende 1904; in den sieben vor- hergebenden Jahren war die Zmrahme 460, 864, 9o9, 800, 653, 932, 884 gewesen. In Preu- 8en wurden im Jahr« 1905 18 841 oder 361 ma>r Aerzte als im Jahre 1904 gezählt, wo die Vermehrung nur 261 (1903 dagegen 603) betragen hafte.
Es ergibt sich eine Zunahme der Aerztezahl ml rind für sich in den einzelnen Staaten und IM meiften preußismen Provinzen. Aber bei der ichnellen und starken Vermehrung der Be- volketung ist anzunetmten, daß die Aerztezahl re- latw. d. r. un Berhäftnis zur Bevölkerung abge- nommen hat. In dieser Beziehung werden die Ergeb,mw der Volkszählung vom 1. Dezember , .0' ab zu warte, t sein, ehe sich ein definitives Ur. retl s>ogeben läßt. Bisher liegen ent die Ziffern für die Großstädte vor. -
Die lieberfüllung des ärztlichen Standes -- uert, zum mtndesten in den Großstädten, noch mmer an, wenn auch dec Zugang von neu ap- probterten Aerzte,t sich in den letzten Jahren ■ bennindert hat. Nach den Veröffentlichun- uit „Reichscmzeiger" wurden im Deutschen
von rund 210 Mill. <M gegenüber! Die bisher im Januar erreichten höchsten Rekordziffern fallen in die Jahre 1902 für die Einfuhr und 1905 für die Ausfuhr. Jener Wert betrug rund 1000 Mill. M, dieser ntn» 500 Mll. M. lieber dies« Beträge erhebt sich der diesjährige Jammr-Ver- kchr um 70 Mll. bezw. 115 Mill. M, da der Wert der Einfuhr im Januar des laufenden Iah- res 1069,5 Mll.,der der Ausfuhr 615,4 Mll. M betrug. Um deu enormen, unaufhaltsamen Fort- schritt des englischen Außenhandels aufznzeigen, mag daran erinnert werden, daß im Jahre 1898, also noch vor dem südafrikanischen Kriege, die Januar-Ausfuhr noch nicht 400 Mill. M wertete.
Auf Seiten der Einftthr ist am stärksten die Entfuhr von Rohbaumwolle gestiegen. Auf Sei. ten der Ausftlhr zeigen von 31 Warengruppen nur 4 eilte rückläufige Tendenz. Alle übrigen haben sich in auftteigender Linie entwickelt. So erzielten Baumwollfabrikate ein Mehr von fast 30 Mill. M, Eisen- und Stahlmanufakturwaren ein Mehr von 15 Mill. J(, Wollwaren von rund 0,8 Mill. M usw.
Dox Außenverkehr int Januar hat also die äußerst lebhafte Aufwärtsbewegung des englischen Außenhandels, die fast das ganze vorige Jahr beherrschte, nicht nur fortgesetzt, sondern noch in einem bisher nicht gekannten Tempo beschleunigt. Und auch darin ist der Januar dem letzten Jahre treugebliebsn, daß er gleichfalls, wie dies in mehreren Monaten des Vorjahres der Fall war, die Ausfuhr in höherem Grade als die Einftthr halb 3 Jahren!
Die nunmehr vorliegenden genauen Ziffem über den englischen Außenhandel im Jahre 1905 gestatten ein lehrreiches Bild zu gewinnen über die Wirtsckmftsbeziehungen Englands zu seinen Kolonien einerseits und zu dem nichtenglischen Ausland andererseits. Das nichtenglische Ausland führte int Jahre 1905 nach England Waren im Werte von 437,4 Mll. Lstr., dft englische Einftthr aus den Kolonien betrug nur 127,9 Mill. Lstr., also wenig mehr als ein Viertel. Von der englischen Ausfuhr empfing für 216,4 Mill. Lstr. Waren das nichtenglische Ausland, für 113,6 Mill.- Lstr. das britisch» Kolonialreich, also ettva die Hälfte. — Den wirtschaftlichen Wert des nichtenglischen Auslandes, seine Unentbehrlichkeit für England illustriert die Tatsache, daß seit 1903 Zwar die Einfuhr Englands aus den Kolonien ungefähr doppelt so stark gestiegen ist als die aus dem nichtenglischen Auslands, 14,2 gegen 8,6 Mill. Lstr.. daß aber andererseits die englische Ausftihr im Verkehr mit den Kolonien nur 2,4 Mill. Lstr., dagegen im Verkehr mit dem nicht- englischen Auslande 36,8 Mll. M, also das Fünfzehnfache gewonnen hat. Und das innerhalb 3 Jahren! Diese Tatsache allein läßt den imperialistischen Gedanken einer lückenlosen Abschließung des britischen Weltreichs auf Grund einer hochschutzzöllnerischen Zollgemeinschaft, tote Chamberlain und sein Kreis fit an strebt, völlig absurd eridvciiwn.
Reich»' Aerzte approbiert in den Prüsunqsjähren Okt. 1899 bis Okt. 1900: 1384; 1900/01: 1344; 1901/02: 1406; 1902/03: 1551; in dem Prüfungsjahr 1903/04 sank diese Zahl auf 1057. Es kamen davon Approbationen auf Preußen in den genannten Jahren: 662, 614. 647, 717, 426; int folgenden Prüfungsjahr 1904/05 wurden in Preuzzen sogar nur 362 Approbationen erteilt.
Nach den vorstehenden Nachweisungen ist vorläufig eine nenneuswertk Abnahme der Aerzte und damit eine Besserung des wirtschaftlichen Notstandes »och nidjt zu erwarten; ebensotttenig hat andererseits die Medizinalverwaltung einen Aerztemangel zu befürchten. Die Notlage ist teiliveije durch eins unzweckmäßige Verteilung, durch das Zusammenströmen der Aerzte nach den Großstädten bedingt; doch ist im Auge zu bchal. ten, daß ja nut ein Teil der Großstadtärzte allgemeine Praxis treibt, dagegen ein erheblicher Prozentsatz sich spezialisttsch betätigt. Es kommt
1 Spezialarzt im Jahre 1905 im Durchschnitt auf 3,2 Aerzte. _
Aus bissen aus dem Reichsmedizinalkälender berechneten Zahlen ergibt sich, wia beträchtlich die Zahl der Spezialisten unter den Aerzten ist.
Wenn heute in manchen Landesteilen, z. B. in einzelnen Kreisen des jetzigen Regierungsbezirks Ällenstein, AerztemaugA herrscht, so liegt dies wesentlich daran, daß Aerzte dort nickst existieren können: das Vorhaben der Medizinal- verwaltung, durch Gewährung von Wartegeldern in solchen Orten eine genügende ärztliche Vor. sorgung zu ermöglichen, verdient vollen Beifall. Die Warnung vor dem medizinischen Studium, welche die ärztlichen Standesvertrettingen wieder- holentlich haben ergehen lasten, muß vorläufig noch in Geltung bleiben.
= Ucber die physiologischen Wir. k u n g e n d e s farbigen Lichtes, beson- ders für, die Zweck« der Chirurgie, bat Profestor Redard in Genf Untersuchungen an gestellt, über deren Ergebnisse der ■ „Scisntific American"
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 17. Febr. Die Zahl der Arbeitslosen wird hier augenblicklich auf 30 000 berechnet. Eine besondere Kommission hatte acht Volksküchen eingerichtet, in denen täglich 4500 Mittagessen ausgegeben wurden; außerdem wurden 14000 Rubel Unterstützungsgelder verteilt. Die Mittel der Kommission find jetzt sehr zusammengeschmolzen, so daß nur noch 1600 Mittagesten täglich ausgegeben werden können. Infolgedessen herrscht unter den Arbeitern entsetzliche Not, cs sind bereits Fälle von Hungertyphus konstatiert worden. — Die Verhaftungen von politisch verdächtigen Personen werden immer noch fortgesetzt; im ganzen sollen schon über 40000 Personen arretiert worden sein.
Petersburg, 16. Febr. (Petersb. Tel.- Ag.) Die Frage des allgemeinen Elementarunterrichts wurde vom Ministerrat und den höheren Behörden in bejahendem Sinne entschieden. Das Unterrichtsministerium arbeitet einen darauf bezüglichen Entwurf aus, der der Reichsduma vorgelegt werden soll. Der Unterricht wird aber nicht obligatorisch, sondern lediglich dazu bestimmt sein, dem Verlangen der Bevölkerung nach Bildung zu genügen, und wird in diesem Jahre zunächst in verschiedenen Distrikten der Provinz Moskau eingeführt.
Petersburg, 16. Febr. (Petersb. Tel.- Ag.) Auf dem Güterbahnhofe der Nikolaseisen- bahn fiel beim Abladen eines Wagens eine von Wladiwostok gekommene Kiste zu Boden. Es erfolgte eine Explosion, mehrere Personen wurden verletzt. Der Wagen geriet in Brand, doch wurde das Feuer bald gelöscht. Bei einer hierauf angestellten Untersuchung zeigte sich, daß der Wagen vollständig mit Sprengstoffen gefüllt war.
Petersburg, 16. Febr. ■ Den Blättern zufolge befahl Durnowo den Gouverneuren, die rückständigen Semstwosteuern mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zwangsweise bei« zntreiben. Die Rückstände betrugen schon 1902 20 Millionen Rubel und find gegenwärtig dermaßen angewachsen, daß den Semstwos die finonzielle Zerrüttung droht.
Der Berichterstatter der „Nowoje Wremja" drahtet aus den Ostseeprovinzen, die eingetre- tene äußerliche Ruhe schließe die Möglichkeit deS abermaligen Ausbruches des Ausstandes nicht auS. Das Feuer des Aufruhrs lodere noch unter der Asche. Tie Bevölkerung liefere nur die schlechten Waffen auS und vergrabe die guten. Vergangenen Sommer seien von Agitatoren 40,000 Gewehre verteilt worden.
„Ruskoje Slowo" wird auS Wladiwostok gedrahtet, die Stadt gleiche einem Vulkan, deffen Ausbruch jeden Augenblick erfolgen könne.
folgendes berichtet: Eine Anzahl Versuche zeigten dem Forscher, daß er durch blau« Strahlen eine genügend« Abtötung der Nerven erzielte, um lokale Operationen von kurzer Dauer ausführsit zu können. Nach Ansicht Professor Redards hat jode der Primärsaroen eilt« besondere und genau begrenzte Wirkung auf den Organismus. Rotes Licht ein erregendes und aufreizendes' Agens. Gelbes Licht scheint niederdrückend zu wirken, während blaues Licht ein Gefühl der Ruhe und Bebaglichkeit hervorruft. Bei Erzeugimg der Anästhesie durch blaues Licht sitzt der Kranke auf einem Stuhl, der zehn Zoll von einer Glühlampe bon 15 Kerzenstärken entfernt steht. Die Birne der Lamp« ist aus blauem Glas und hat einen vernickelten Reflektor. Der Kopf wird mit einem dünnen blauen Schleier bedeckt. Der Kranke muß nach der Lampe Hinsehen. Nach einigen Mumien befindet et sich in einem bewußtlosen Zustande; wenn der Schleier gelüftet wird, bemerkt man, daß die Pupille erweitert und der Bltck starr ist. In diesem Zustande kann schmerz- los ein Zahn ausgezogen oder eine andere kurze Operation ausgeführt werden. Die Wirkung aber ist nicht bet allen Personen di« gleiche. Dr. Mlliard gebraucht« in London zu demselben Zweck das blaue Licht. Bei zwanzig Fällen war der Erfolg vollständig, bei acht andern gelang es dagegen nicht. Der Erfolg ist der direkten Wirkung der Strahlen auf die Nervenzentren zuzirschreiben.
—, Wie dem „N. W. T." ans London gerne!» bet wird, gab der schottische Pathologe Dr. Ford Robertson vor dem königlichen Aer.ztekollsgium in Edinburg das Resultat seiner vor sechs Iah- ren begonnenen Untersttchungen über die Ursache dec in den jüngsten Dekaden so häufig mtstreten- den allgemeinen Paralyse bei Geistes- kranken bekannt; er erregte Sensation durch die Mitteilung, daß es ihm gelungen sei, diese fürchterliche Krankheit, die alljährlich in England nnd Schottlan- allein zweitausend Opfer hinweg rasst.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Februar.
— Seine Majestät der Kaiser pasfierte gestern Freitag Nachmittag an Bord deS Linienschiffes „Preußen' in Begleitung dec übrigen Schiffe Helfingoer. Die Schiffe wechselten mit der Festung Kronborg Salut und gingen später vor Anker.
— Die bevorstehenden Feierlichkeiten zur silbernen Hochzeit beS Kaiserpaares und zur Vermählung deS Prinzen Eitel Friedrich werden sich tote folgt absptelen: A« 24. Februar findet Galaoper statt, am 25. Empfang der Deputationen und Uebergabe der Ehrengaben a» daS Kaiserpaar, am 26. Einzug des Brautpaares, am 27. Hochzeit, wobei Oberhosprediger Dryander predige» wird (der Text der 'predigt ist vom Steifer selbst bestimmt worden); nach der Hochzeit Galatafel, alsdann Defiliercour vor dem Kaiserpaare und vor den Jung» vermählten und zum Schluß Fackeltanz. Den Brautzug der Herzogin Sophie Charlotte werden wieder sechs Postinspekrocen in Galakle düng und 40 blasende Postillone, unter Führung eines Oberholl direktorS eröffnen. Die Herzogin wird sich vorn Bahnhos nach dem Schloß Bellevue begeben, von wo aus der Brautzug seinen Anfang nimmt. Zur Teilnahme sind die nämlichen Beamten bestimmt, die bei dem Einzug der Krvnprinzesfin mitgewirkt haben; die Führung wird wieder Oberpoftdirektor Domizlaff aus Leipzig übernehmen. Für die Spalierbildung ist ebenfalls dieselbe Anordnung getroffen tote bei der Einholung der Kronprinzesfin.
— Deut Reichstage, dem bereits eine Fülle von Arbeitsmaterial zugestellt ist, dürfte» sicherlich itoch einige weiter« Vorlagen zugehen, u. a. ein Nachtragsetat, in dem die Mittel ausgeworfen werden, um dsm Anwachsen der Vvt.eranenzcchl beim Fonds für die Veteranen« beihilfe im Etat des Reichsschatzamts für 1906 gerecht zu werden. Auch ist der Enttvurf über die Rechtsfähigkeit der Bemfungsvereine, den der Bundesrat bereits vor einiger Zeit sertiggestellt hat, für diese Tagung in Aussicht gestellt. Ma» wartet nur auf den geeigneten Zeitpunkt zu seiner Einbringung, um nicht den Reichstag mit Material zu belasten, das er nach Lage seiner Geschäfte nicht gut in Angriff nehmen und ver. arbeiten könnte. Ob dem Reichstage noch aus liandelspolitischsm Gebiete Vorlagen zngestellt werden, hängt von dem Verlaufe der gegenwärtig schwebenden Verhandlungen ab. Am meisten interessiert das Verhältnis zu den.Vereinigten Staaten von Amerika. Sollte es hier zu einer Abmachung kommen, die ihre Geltuitg gleich nach dem Ablauf der letzten Vereinbarung haben sollte, so müßte der Reichstag mit ihr noch im Lause des Februar besaßt werden. Von den anderen Ver- handlungeu sind Wohl die mit Schweden und China am meisten gefördert, jedoch läßt sich ihr Verlauf ntcht so übersehen, daß auch nur mit einiger Sicherheit eine Inanspruchnahme des Reichstages während der lausenden Tagung aus diesem Grunde in Aussicht gestellt werden könnte. Aus einer neulich erwähnten Verfügung des preußischen Finanzministers an die Provinzial, steuerdirektoren ließ sich nur entnehmen, daß an den zuständigen Stellen auf einen Abschluß der Verhandlungen mit Schweden vor den: In- krafttreten des neuen deutschen autonomen Zoll-
auf bakteriellen Ursprung zurückzu- führen. Bei dsn bakteriologischen Üntersttchun« gen, die Robertson, von den Bakteriologen Macrae und Jeffrey untersttitzt, unternahm, entdeckten alle drei sowohl int Rückenmark als im Gehirn von verstorbenen Paralytikern eilten Bazillus, ivelcher dem Krankheitserreger bei Diph- thoritis sehr ähnlich ist und den sie deshalb „Diphtheroidbazillus" nannten. Der Bazillus fand sich auch durchweg im Respirationstrakt so- toie im Verdauungskanal der an allgemeiner Paralyse Erkrankten. Es gefong Robertson, Reinkulturen des Bazillus herzustellen.
— D i e strafrechtliche Verant« Wörtlichkeit des Arztes. Ein Landarzt operierte, wie die „Aerztl. Sackcherst.-Ztg." nach „Jour. med. de Bruxelles" berichtet, eine Hydro, zele genau itach der Vorschrift. die Prof. Tillaux in der zweiten Ausgabe seiner Chirurgie von 1891 macht: mit Injektion von 30 Gramm einer fünfprozentigen Kokaiulösung. nach deren Entfernung itach 3 Min. die folgende Injektion bott Jodtinktur schmerzlos verlaufen sollte. Unmittelbar nach der Einspritzung des Kokains kollabierte der Kranke und starb. Anklage auf fahrlässig Tötung ivar die Folge. Vom Richter wurde, betont, daß Dc. X. sich nicht auf der Höhe seiner Wissenschaft gehalten habe, denn Tillaux habe in der dritten Auflage seine? Werkes, 1894, die Ko- kaininjektion ausdrücklich verworfen und zwar ebenfalls nach einem plötzlichen Todesfälle. In unserem Falle war bei dec Autopsie Arteriös- klerose der Aorta festgestellt worden, außerdem alte Pleurttische Adhäsionen. Die Verteidigung stützte sich nach einem Gutachten von Brouardel in Paris und Lupine in Lyon auf diesen Befund und hielt den Tod für ein Ereignis, welches de» gelegentlichen unvermeidlichen Unglücksfällen beim Chloroformieren gleichgestellt werben müsse. Die Kokatmnjektion könne nicht angeschuloigt tverden, da Prof. Tillaux sie nach hnudertsacher günstiger Erfahrung empfohlen habe. Außerdem