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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Illnstrirtes Sonntagsblatt. .

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I n se r tl o n s g e h r: die gespaltene Zeile ober deren Ram» 10 Pfg, Neclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg -_ Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UmvcrsitätS-Buchbruckerel 41. 3ahrg» ^Dünndbcnb, 17. Februar 1906. Marburg, Markt 2L Telephon 55.

RcneSe Telegramme.

Berlin, 16. Febr. Des Kaisers Südland­reis« beginnt in Wilhelmshaven im Anschluß an die dortige Rekrutenschau.

Berlin, 16. Febr. Ein Gesetz betreffend die Erhebung von Abgaben für kirchliche Be­dürfnisse der Diözesen und der katholischen Kirche in Preußen ist dem Landtage zugegangen.

Berlin, 15. Febr. Die Steuerkommisfion des Reichstages hat heute die Quittungssteuer der Regierung und ebenso den Antrag deS Zentrums auf Besteuerung der Tantiemen ab­gelehnt. Dagegen soll demnächst eine Novelle zum Reichsstempelgesetz eingebracht werden, welche die Kommissionsbeschlüsse zu der Re­gierungsvorlage vom Jihre 1904 berücksichtigt.

Berlin, 16. Febr. DerB. L.A." schreibt: »Wie man in sonst gut unterrichteten parla­mentarischen Kreisen wissen will, wird dem Reichstag in den nächsten Tagen ein Gesetz­entwurf zugehen, der den Bereinigten Staaten den neuen deutschen Bertraqstarif ohne Zuge­ständnisse seitens Amerikas (!) auf eine begrenzte Dauer einräumen soll. Auch der jüngste Kron­rat soll sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt haben."

Düsseldorf, 15. Febr. Der Provinzial­landtag der Nheinprovinz beschloß die lieber« nabme der im Gesetze vom 1. April 1905, be­treffend die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen, geforderten Garantien. Darnach übernimmt die Rheinprovinz 44 5 Proz. der Verpflichtungen für den Rhem-Herne-Kanal und 26,8 Prozent für die Kanalisierung der Lippe.

Lübeck, 15. Febr. Die Bürgerschaft nahm nahezu einstimmig eine Gesetzesvorlage an, nach welcher die Angehörigen deS Lübecker Staates erst nach fünfjährigem Aufenthalte in Lübeck das Staatsbürgerrecht in Lübeck erwerben können.

Wie», 15. Febr. Ministerpräsident Baron Fejervary reiste heute Nachmittag nach Budapest zurück. Die Lage ist unverändert.

Zarskoje Sselo, 15. Febr. (PeterSb. Telegr.'Agentnr.) Der Kaiser empfing gestern in Audienz Abordnungen be8 buddhistischen Klerus, mit dem Haupt des buddhistischen Klerus von Sibirien, Bandido-Khamba-Lanca an der Spitze, sowie Vertreter der burjätischen Bevölkerung. Diese Abordnungen überreichten eine Adresse, in der sie ihrer Treue und ihrem Danke für die Manifeste vom 30. Oktober und vom 3. März 1905 Ausdruck geben, welche Gleichheit und Freiheit des Gewissens gewährten. Die Deputation überreichte dem Kaiser eine Statue Buddhas und der Kaiserin eine von Burjaten gefertigte silberne Base. Für den Thronfolger übergab sie eine Statue der Göttin Zagandaräque, deren Besitz langes Leben und Gluck bringen soll. Die Majestäten sprachen der Deputation ihren Dank für die Geschenke au8.

60 l Nachdruck verboten.)

Die Brücke.

Roman von Willy Scharlan.

(Forlsebung.l

Nun lenkte er rasch ein. Ein feiner Diplomat ist auch zur Zeit mit einer Abschlagzahlung zu. frieden, wenn er das Ganze nicht haben kann. >vas Ganze, die Aufführung des Stückes, der voll- stunvige Bruch mit Oertel,"war auch ein bischen 3umel für den Anfang; darauf konnte und wollte er warten, aber die Teilzahlung mußte geleistet werden, eine Interessengemeinschaft zwischen ihm Mio der schöllen Frau mußte befielen bleiben. Darauf hieß es dann weiterbauen. Der Weg war wohl iveit, aber dafür sicherer

Roden war der Maim der Gelegenheitsdiplo- matie, der keinen lange vorher ausgeklügelten Plan kannte, an welchem man zu eigenem Scha­den unentwegt festhält. Aber er hielt sein Ziel msts fest im Auge und tvußte, daß mchr als ein Weg nach Rom führt.

äüe Menschen, von denen er ekvas erreichen »wüte, betrachtete er gewissermaßen als seine Femde. Den einen überfällt man und schlägt chn gewissermaßen nieder: dem zweiten schmeichelt nwn ab, tvas man haben will; den dritten be- tvegt man dazu, freiwillig als Geschenk zu geben was man begehrt. Jeder wird nach seiner Jndü bwualität behandelt.

L Frau Hanns Oertel, die heiß begehrte, aber war feine Feindin, denn er wollte etwas von ihr, Md jedes Mttel war ihm recht, dies Ziel zu Mreuhen. So sagte er denn ruhig, nut das ptv.rf scheinbar bedauernd: j

."schade! Ich hätte Ihr gutes Stück gern ,-uf den Brettern gesehen. Aber sprechen wir

mehr davon. Nun muß ich aber mich ein. von einer schlechten Seite Ihnen zeigen, als ]

Deutschland und die marokkanische Frage.

Im Gegensatz zu der Aufregung, die in Paris Negierung und Presse ergriffen zu hoben scheint, sieht man dem Ausgange der Marokkokonferenz, auch wenn sie resultatlos auseinander gehen sollte, in den Berliner Regierungskreisen recht gleich­mütig entgegen. Ganz in diesem Sinne äußert sich eine offiziöse Berliner Zuschrift an diePo­litische Korrespondenz":

In der Tat wird hier die Einräumung, daß Frankreich in den an Algerien grenzenden Ge­bieten des scherifischen Reichs allein die Polizei versehen solle, als ein so weitgehendes Zugeständ­nis betrachtet, daß keine Möglichkeit abzusehen ist, in der damit unzweifelhaft vollzogenen Durchbreckmno der Madrider Konveufion noch weiter xu gehen, ohne allen festen Boden unter den Füßen zu verlieren. Die deutsche Politik in dieser Fraoe richtete sich niemals auf die Wahr­nehmung einseitiger deutscher Interessen, sie glaubt auch die eigenen nationalen Ansprüche am besten gesichert, wenn sie für die Gleichberechtig, ung aller sandel treibenden Nationen in diesen erst zu erschließenden Gebieten neue internatio- nale Bürgschaften gewinnt. Diesen Auftassungen ist der Konferenzvorschlag entsprunaen, und es ist ganz unmöglich, daß man sich darüber in Paris jemals in einem Irrtum befand. Obwohl es nun an Kundgebungen der französischen Presse durchaus nicht fehlt, die einfach verlangen, man soll auf dem Quai d'Orsay in diesem Falle das­selbe Rezept vorschreiben, das man in Tunis so erfolgreich angewendet hat, braucht man sich nicht gerade bloß von Mißtrauen gegen Frank- reich feiten zu lassen, um doch zu einer ganz ent­schiedenen Ablehnung exklusiver französischer Vor. schlüge in dieser Einzelfrage zu gelangen. In der Welt der Wirklichkeit wirkt eben nicht nur der Wille, nicht selten erzeugen auch die Tatsachen Programme, zu denen sich die Machthaber des Tages nicht zu bekennen brauchen, die sich aber der Zukunft notwendig auferlegen. Die Ge­schichte von Tunis hat für das Deutsche Reich sicher west weniger schmerzliche Erinnerungen als für andere Mächte, aber für alle Welt ist sie gleich lehrreich. Müßte man nicht des seligsten Kinderglanbens fein, tvenn man von französischen Polizeisoldaten nördlich und südlich des Atlas dieselbe Fürsorge für die Gleichberechtigung aller Nationen ertoorten wollte, wie von der Kon­ferenz in Algeciras. Auch hier heißt es offen­bar: Besser bewahrt als beklagt, und bei aller Hochachtung vor der Loyalität des gegenwärtigen Mnisterpräsidenten Rouvier möge man es in Paris nicht übel nehmen, wenn man hier nicht gerne internationale Abmachungen von der Aus- lemmg wechselnder voliftt^>er Instanzen abhängig wissen, möchte. Der alte marokkanische Streit möge jetzt, wenn es nach hiesigen Wünschen geht, endlich einmal zur Ruhe gebrackst werden. Glaubt man aber in Paris, die Zeit dazu fei noch nicht gekommen, oder wünscht man eine besondere Be­lohnung für die Mitwirkung an der allgemeinen Beruhigung, die die Konferenz von Algeciras

krasser Egoist. Ich muß es im Interesse meiner Zeitung tun, wollen Sie nicht für Utopien schreiben?"

Hanns sah ihn groß an und errötete vor Freude.

Ich für Ihre Zeitschrift?" sagte sie rasch.

Freilich! Ich möchte Sie mir verpflichten, ehe ein anderer kommt und Ihre Feder mit fort­nimmt."

Er faßte in die Brusttasche seines Rockes und zog ein Papier hervor.Ich bin ein vorsichtiger Geschäftsmann. Hier habe ich eine Anzahl von Themata ausgeschrieben^ über welche ich Abhand. Jungen von Ihnen in irgend einer Form haben möchte."

Wenn ich das nur möglich machen werde!" meinte sie zaghaft.

Setzen Sie sich nur in den Sattel, gnädige Frau, Sie werden schon reiten können. Das ist übrigens nicht von mir."

Das weiß ich," erklärte sie lachend.Nun gut, ich will versuchen, ob ich reiten kann."

Aber bitte keinen Schritt oder Zuckeltrab. Galopp und Carocho, wenn ich bitten darf. Lieber zu scharf als gelinde."

Und der Staatsanwalt?"

, Sie lachten beide, namentlich als er ausmalte, wie amüsant es fein müßte, träfen sie sich einmal in Swinernünde; er fügte aber hinzu, daß feind dieser Themen politischer Natur fei. Utopien kämpfe für alles, was unterdrückt würde, be- kämpfe alle Unterdrücker.

.Danach sind alle in Frage kommenden Ar­tikel bemessen", schloß er.

Hanns war einverstanden, auch damit, daß rhre Artikel mit vollem Mädchennamen gezeichnet würden, wie unter dem Bilde stand.

Das macht Eindruck auf viele," meinte er. Auf den Mann besonders, dachte er, und dies war ihm die Hauptsache. . . .... ..

herbeiführen sollte, so wird man hier ohne Groll wieder an diejenige Rechtslage sich anschließen, die durch die Madrider Abmachungen von 1880 gegeben und in der Eröffnungssitzung der jetzigen Konferenz aufs neue mit der feierlichsten Sank­tion versehen worden ist."

Auch die von Berlin aus offiziös benutzte Dkünch. Allg. Ztg." erhält von dort folgende Auslassung, die dieselbe Auffassung wiedergibt:

Bei der Schroffbeft, mit der sich die Ansichten Deutschlands und Frankreichs jetzt auf der Ma- rokko-Konfovenz anscheinend gegenüberstehen, ist die Ansicht laut geworden, daß die letzten vertrau­lichen Vorbesprechungen über die Polizeifrage offenbar bedeutungs- und erfolglos gewesen seien. Das ist doch nicht ganz richtig. Es ist doch von Wert, daß Frankreich durch diese Vorbesprechun- gen ganz genau unterrichtet worden ist, loeldje Forderungen Frankreichs unter keinen Umständen von Deutschland angenommen werden können, welche Vorschläge also im Fall ihrer Vorbringung in offizieller Konferenzsitzung dem Widerspruch Deuffchlands begegnen würden. Wiederholt also Frankreich diese besfimmten Forderungen, so kann es sich nickst darauf berufen, daß es in gu­tem Glauben ans ihre Annahme gerechnet hat, sondern es würde vielmehr daraus hervorgehen, daß Frankreich mit Bewußtsein und Absicht die Konferenz sprengen wollte. Das ergebnislose Auseinandergehen der Konferenz würde von uns übrigens keineswegs als Mißerfolg angesehen werden: es wäre nur das kleinere Uebel gegen­über einer Lösung, die Frankreich eine mit der Unabhängigkeit des Zustandes von Marokko und unseren in der Madrikvr Konvenfion garantier« ten Rechten unverträgliche Stellung einrätmen würde. Erst eine solche Lötung würde als eine deutsche Niederlage angesehen werden können.

Bo» bet Konferenz.

Varis, 15. Febr. Die nationalistische Presse ist höchst unzufrieden mit dem verhältnis­mäßig günstigen Stande der Dinge in Algeciras, insbesondere mit dem von der Regierung deutlich kundgegebenen Bestreben, Deutschland durch eine noch zu findende Kompensation dem fran­zösischen Polizeiprogramm günstiger zu stimmen. Aber keines der nationalistischen Organe wird im Deutschenhäß vomEcho de Paris' über« troffen, welches für sofortigen Beginn der Feindseligkeiten auf ökonomischem Gebiete eintritt. Frankreich müsse dem in Jndustriespekulationen feftgelegten deutschen Kapital alle Kredite sperren; die Bank von Frankreich müsse fortan die Es- komptierung von Papieren deutschen Ursprung? verweigern und die englische Industrie, über­haupt englische Unternehmungen nach Kräften fördern.

Algeciras, 15. Febr. (Privat - Draht­bericht.) Man beginnt auch hier von einer neuen Kombination zu sprechen, die darin bestehen würde, daß die Polizei in der Einflußzone Freinkreichs und Spaniens diesen beiden Ländern im Hasen von Mogadoc Deutschland anvertraut

Rim war sie mit ihm verbunden durch eine feine, unsichtbare Kette, deren Glieder sich aus literarischer Eftelkeft, einer gewissen Dankbaickeit und dem Auschlußbedürfnis jeder Frau zusam- mensetzten.

Als Roden das Oertel'sche Haus längere Zeit nachher verließ, ohne den Hausherrn gesehen oder gesprochen zu haben, durfte er mit Befrie­digung glauben, seinem Ziele ein gut Stück näher gekommen zu sein.--

Weihnachten kam und schwand, das Oertel'sche Ehefiaar, feierte das Fest nebeneinander, aber nicht miteinander. Au den Äußerlichkeiten, v>elche den Schmuck des Festes bilden, ließen beide es nicht fehlen; der Christbamn brannte im Sw, Ion, der Gatte besorgte in den letzten Tagen alles, tvas sich die junge Frau wünschen mochte, sie, selbst schenkte manches, tvas seinem Geschmack zusagte, abermals sie dann sich gegenseitig dank­ten, fehlte die Hauptsache. Es blieb unausgc- sprochcn, aber beide vermißten es.

, So schenkt man auch Fernstehenden, ' aber nicht denen, welche die Liebsten sind oder sein sollen.

Beide sahen wohl die Kluft, welche zwischen chnen lag, sie vermochten nicht mehr, zueinander zu finden.

Zwei Tage später kmn ein Brief von Marga.

Sie schilderte den Festabend im Krankenzim­mer; ein Fest, wie es nur Liebe und Barmherzig, keit zu geben und zu nehmen imstande sind.

Die totkranke Frau, neben ihr der liebevoll^ niemals in Aufmerksamkeit und Güte ermattende Gatte, über diesen beiden lieben Menschen der brennende Christbaum; daß sie das hätte mit­erleben dürfen.

Dann schrieb sie von dem Manne, diesem herr­lichen Menschen, den sie von ganzem Herzen lieb getvann, lieb wie den Bruder, denn er war ebenfo, edel, ebenso gut wie der. .

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worden soll. Dieses würde dort eine Kohlen«, station errichten. Diese .Kombination hätte! Aussicht auf Erfolg, wenn nicht England dagegen Opposition machen würde.

Berlin, 15. Febr. Der durch die deutschen; Vertreter Herrn Rovoil übermittelte deutsche Vorschlag enthält, wie wir mitteflen können, nicht die distriktweise Ordnung der Polizeifrage sondern läuft auf eine andere Lösung hinaus, deren Einzelheiten noch nicht für die Veröffent­lichung reif find weil die Unterhandlung vor- läufig vertraulich sind.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Februar.

Seine Majestät der Kaiser hat gestern morgen, wie schon gemeldet, die Fahrt nach Kopenhagen an- grtreten. Um 9/«Uhr vormittags erfolgte mit Sonder­zug die Abreise nach Kiel. Dort traf der Kaiser mit Gefolge nachmittags 3 Uhr ein. Auf dem Bahnhofe batten sich zum Empfange eingefunden: Prinz und Prinzelfin Heinrich von Preußen, Großadmiral v. Köster, der Stadtkommandant, der Polizeipräsident und andere. Der Kaiser begab sich an Bord des am Bahnhofe liegenden Verkehrsbootes.Hulda" und fuhr nach der Germaniawerft, von dort zur kaiserliche« Werst und nahm auf dem Linienschiffe .Preußen" Wohnung. Im Laufe des Nachmittags empfing der Kaiser den Direktor der Hamburg - Amerika»Linie Kapitän z. S. a. D. von (Stumme und begab sich abends nach dem kgl. Schlöffe. Nach dem Diner im Schlöffe kehrte der Kaiser an Bord des Linienschiffes .Preußen" zurück und trat um 9 Uhr 45 Minute?- die Reise nach Kopenhagen atu

Die Kaiserin ist infolge einer starken Er­kältung genötigt, das Zimmer zu hüten.

Die Volkszählung am 1. Dezember 1905 er--ab inElsaß-Lothringen eine ortsanwese.rde Bevölkerung von 1814 626 Pe sonen gegen 1719 470 am 1. Dezember 1900. Tie Bevölkerung hat sich i« der Zäblperiode 1900/1905 demnach um 95156 Per­sonen oder 5,53 Prozent vermehrt. Die männliche Bevölkerung wuchs um 54 868 oder 6,23, die weibliche um 40 88 oder 4,80 Prozent. Von den 90 Landkon­tonen zeigen 25 eine Abnahme. Die größte Be- völkerungezu-'ahme mit 8,98 Prozent hat infolge deS bedeutenden AuNchwunges der Bergwerks- und Elsen« industrie der Bezirk Lothringen zu verzeichnen.

Den Anarchisten in Deutschland sieht die Polizei jetzt wieder schärfer auf die Finger. Das am 21. Januar in einer großen Reihe deutscher Städte verbreitete Flugblatt ist beschlagnahmt wordeiu Gegen feine Verbreiter soll ein Strafoersahren wegen Verletzung der §§ 110, 111, 130 St, G. B. eingeteitet lein. In Berlin ist der Verfasser des Flugblattes, Erich Mühsam, polizeckich vernommen und photo­graphiert worden. Das gleiche Schicksal hatte der Redakteur des .Anarchist", Otto Wendt. Redakteur Georg Müller wurde verhaftet, nach einigen Tagen aber wieder entlaßen. Aus Köln, Frankfurt, Offen­bach, Eluttgart und Düsseldorf werden Verhaltungen von Anarchisten gemeldet.

PMamenfarttches.

Tcutscher Reichstag.

Bertrn, 15. Februar»

Der Reichstag nahm heute zunächst den Gesetz- entwurf über die Ausgabe von Reichsbanknoten zu 50 und 20 Mk. nach unwesentlicher Debatte an und

Zum Schluß hieß es:Wie gerne wäre ich bei Euch gewesen, wie herrlich muß der Abend gewesen sein. Bei Euch, die Ihr Euch so lieb habt und gar nicht ohne einander zu denken seid. Aber es ging nicht, ich konnte nicht kommen, mich «in Eurem Glück zu sonnen *

Denkst Du noch, Hanns, wie wir im Vor- jahre warteten und ich doch wußte, daß sie ja ge- sagt?"

Der Brief war an Frau Oertel gerichtet. Sie öffnete ihn, während sie noch am Frühstück dem Gatten gegenübersaß, und las ihn. Sie fühlte, wie heiße Tränen ihr in die Augen stiegen. Rasch erhob sie sich, schob dem Manne den Brief zu und verließ mit aufeinandergebissenen Zäh. neu das Zimmer.

In ihrem Salon warf sie sich schluchzend auf das kleine kleine Sofa und drückte ihr Gesicht in die Kissen. Wie oft saßen sie nicht hier, wie gern plauderten sie hier miteinander.

Heiße Tränen stürzten ihr aus den Augen, wilder Schmerz und Zorn machten sie erbeben. Sie lieble ihn ja noch immer, sowie damals, wie vor einem Jahre, als sie ihm schrieb, sie wollte ihm angehören, und wenn sie seinetwegen alle» aufgeben müßte. Ein Jahr und wie anders alles. Aber, wenn er jetzt kam, wenn er '" einsah, lieber Gott, dann war ja alles gut,«. Brücke war von Herz zu Herz geschlagen, auf1372 Knieen wollte sie Marga ftir diesen Brief dank». 27.

Hanns fuhr auf. Mit einer hastigen Be­wegung wischte sie die Tränen von den nasse« - Wangen und lauschte.

Nichts.

Da fiel die vom Eßzimmer in Oeriels Arbeits­zimmer führende Tür in das Sckfloß; Hann- kannte das Geräusch. s

folgt.)