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mit dem KreWlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Zwuprirtes SonntagSblatt.

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vlS. uv Jnsertionsgebühr: die gespalteneZc'le oder deren Raum 10 Pfg.

Reclanien: die Seite 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 16. Februar 1906

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Dmck und Verlag' Iah. Äug. Koch, UniverfitätS-vuchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telcpllon 55. ö

Neueste Telegramme.

Berlin, 15. Febr. Die antisemitische Staatsbürgerzeitung die in der letzten Zeit mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, ist durch Kauf in den Besitz des Stöcker'schen BlattesDas Reich" übergegangen. Die Uebergabe dürfte Ende dieses Monats erfolgen. Die Staatsbürgerzeitung wird dann unter ihrem alten Titel weiter erscheinen, im übrigen aber inhaltlich vollständig mit demReich" über- einstimlnen.

Hamburg, 14. Febr. Der Senat geneh­migte den Beschluß der Bürgerschaft, durch welchen den Beamten bi6 passive Wahlrecht zur Bürgerschaft gewährt wird.

Hamburg, 15. Febr. Gestern trafen mit dem DampferKronprinz" die Haupträdelsführer des bekannten Burenloinplotts in Hamburg ein. Es sind die Buren Botha, van Selnveld und Heinrich Müller. Sie sind alle in Windhuk abgeurteilt.

Met; 14. Febr. Der Gouverneur von Metz, General der Kavallerie von Hagenow ist heute früh infolge Lungenentzündung gestoröen. Er war seit etwa l1/* Jahren Gouverneur »on Metz, vorher hatte er dieselbe Stellung für Köln inne. Im Feldzug 187071 hatte sich v. Hagenow so hervorragend ausgezeichnet, daß er mit dem Eisernen Kreuz I. Klaffe dekoriert wurde.

Paris, 14. Febr. DemGaulois" wird aus Rom telegraphiert, daß der Papst die französischen Kultusvereinigungen nur dann an­erkennen würde, wenn in den Ausführungsbe­stimmungen zum Trennungsgesetz ausdrücklich rrlkärt wird, daß nur die von den Bischöfen genehmigten Kultusvereinigungen eine gesetzliche Existenz haben. Die gegenwärtigen Bestimmun­gen, welche die Gründung einer gaüikanischen Kirche ermöglichen, werden vsm Vatikan ent­schieden abgelehnt werden.

London, 14. Febr. Nach einer Meldung der Times" aus Tokio nahm das Abgeordnetenhaus heuto die Regici-ungsvorlage an, nach der die Kriegssckmld des Landes, die sich im Jahre 1907 auf annähernd 1822 Millionen Aen belaufen wird an, 1939 vollständig abgezahlt sein soll, wo­bei in der Zloischenzeit sechs Konvertierungen vorgesehen sind. Die innere Schuld, die mit dem Kriege nicht zusammenhängt und dis rund 575 Millionen Um beträgt, soll nach dem Entwurf bis 1942 vollständig getilgt sein.

Lsndon, 14. Febr. In Peking fand, wie dem Daily Telegraph" aus Tokio telegraphiert wird, vorgestern eine Konferenz der Mächte statt, um Deutschlands Vorschlag der Zurückziehung aller Garnisonen aus Nordchina nochmals zu ertvägen. Nach einigen Meinungsverschiedenheiten wurde beschlossen, daß die Lage nicht derart sei, um die Fortuahme der Truppm aus Peking zu rechtfer­tigen: die übrigen Posten von geringerer Wichtig­keit sollen aufgegeben werden.

1Nachdruck verboten.)

Die Brücke.

Nomon von Willy Scharlan. lftoriiotzung.) ,18. Kapitel.

Das Verhältnis zwischen Oertel und seiner Frau gestaltete sich von Tag zu Tag unerquick­licher, von einer geistigen Gemeinschaft schien fernerhin nicht mehr die Rede zu sein. Der Mann wurde zusehends wortkarger. Hanns aber hütete sich, auch nur ein Wort, zu sprechen, was über das Haus und die banalsten Tagesereignisse hin. cuSgiiig. Nur zu den Mahlzeiten sah sich das SeaeMl' imc^cr 6>ng jeder wieder seiner

®nbei hatte Oertel das Bedürfnis, seiner trrau em herzliches Wort zu sagen, eine Zärtlich- «it zu geben und zu empfangen. Er ließ es, wenn er ihr gleichmäßig ruhiges, stets kühl zu- rnckw-nsendeS Gesicht sah.

. Sie aber wartete bis er kam so wahr sie ewe Lmgcn tvar. ltnd die Singen haben einen harten Kopf.

Eine Woche nach Empfang des Briefes er- ichien Roden zum Tee bei Frau Oertel. Er brackte das ihm übersandte Manuskript zurück.

Aks es wieder in ihrer Hand lag, durchzuckte es die ?zrau eigentümlich, ihr Herz klopfte doch stnrmpch in, Erwartung des Urteils.

lie V,m gegenüber saß, meinte sie rasch: ..nochmals, lieber Roden, bitte ich Sie, mir "ngeschmiiikte Wahrheit zu sagen. Seien u fie sogar grob es ist mir viel «-eber^alZ Falschheit."

Würbe grob fein, sehr grob, wenn es kai.» Jutn£' gnädige Frau. In dieOn pralle m aber die Kritik sich freundlich criv< . Was fck Treiben, ist gut gut*

Zur Tabakssteuer.

In Deutschland hat der Zigaretten-Verbrauch die, enorme Höhe von jährlich 4Vi Milliarden Stück oder 12PÜ Millionen Stück auf den Tag erreicht, und niemand kann sich der Tatsache ver­schließen, daß die Bewegung, die schon jetzig zu einer ernsten Schädigung der Zigarcen Jndustrie geführt hat, in einem raschen und unaufhalt­samen Fortschreiten begriffen ist. Daß eine fast unbeschränkte Herrschaft der Zigarette, die, wie gesagt, auch in Deutschland nicht ausgeschlossen erscheint, zu allerlei Unannehmlichkeiten und schließlich zu unerträglichen Uebelständen sichren kann, beweist das Vorgehen einiger amerikani­scher Unionsstaaten gegen den überhandnehmen­den Zigaretten-Konsum. Im Staate Indiana ist bereits seit längerer Zeit ein Gesetz in Kraft, das den öffentlichen Verkauf und das Rauchen von Zigaretten auf öffentlichen Straßen, Plätzen, in Theatern, Versammlungssälen, Straßenbah­nen usw. verbietet oder gewissen Beschränkungen unterwirft. Zwei andere Unionsstaaten haben ebenfalls ein gesetzgeberisches Vorgehen in dieser Angelegenheit in Aussicht genommen. Anlaß dazu hat, wie in der Ankündigung ausdrücklich betont wurde, das Ueberhandnehmen des Ziga- rettenrauchens in der Oeffentlichkeit gegeben. Besonders will man sich gegen das anstößige Be­tragen der jugendlichen Zigarettenraucher wen­den, das vielfach den Nichtrauchern den Aufent- halt in öffentlichen Gebäuden, Cafes usw. un. möglich und höchst unangenehm macht. So trägt sich der Stadtrat von Chikago mit der Absicht, Personen unter 21 Jahren das öffentliche Rau­chen überhaupt zu verbieten. Andere städtisckse Behörden sind gleichfalls geneigt, gegen eine Un­sitte einzuschreiten, die von Jahr zu Jahr mehr den Unwillen der Allgemeinheit herausfordert.

Welche Dimensionen das Zigarettenranchen cmnchmen kann, welche geradezu unerträglichen Mißstände für jeden Nicht-Zigarettenräucher da- mft verbunden fein können, weiß jeder, der die in allen spanischen Gesellschafts- und Volkskreisen herrschenden Gewohnheiten aus eigener Erfah­rung oder vom Hörensagen kennt. Der Aufent- halt in den mit dem beizenden Zigaretten-Ta- baksqualm erfüllten Räumen, sei es in Privat­häusern, sei as in öffentlichen Sälen ustv., wird jedem zur Oual, der an derartige Ausschreitun­gen einer an sich verständlichen Genußsucht nicht gewöhnt ist. Aehnliche Zustände scheinen sich jetzt in den Vereinigten Staaten eingestellt zu haben. Und wenn dort namentlich über die Ausschreitungen der jugendlichen Raucher geklagt wird, so ist das ein Uebelstand, dar auch in Eng­land nicht unbekannt ist und auch dort schon den Gedanken eines gesetzgeberischen Einschreitens angeregt hat. In Deutschland steht die Ent­wicklung des Zigarattenkonsums noch in den Anfängen, aber auch bei uns wird sich das Vor­handensein und das immer stärkere Hervortreten der angedeuteten Mißstände nicht gänzlich be­streiten lassen.

Das genügt mir nicht," erklärte sie kopf­schüttelnd.In der Tat nicht. Ich will die Ar­beit Nres Rotssiftes scheu, denn der Redak­teur der Utopien spricht sich vielleicht ganz an­ders aus als der liebenswürdige Freund, welcher f',;iter Bekannten keine unangenehme Sachen 1'ugen möchte."

Ich bin zur Zeit nur der bissige Kritiker, vor dessen, Auge selten einmal etwas Gnade fin­det. Uebrigens werden Sie sehen, wenn Sie Ihr Manuskript öffnen, daß an einzelnen Stellen die rote Tinte geradezu Ueberschwemmungen ver­ursacht hat."

Und dabei lautet Ihr Endurteil gut?"

'Ja, und mit voller Berechtigung. Die No­tizen liegen auf der ersten Seite Ihrer Arbeit. Jetzt möchte ich Ihnen nur noch sagen, weshalb mein Urteil durchaus richtig ist. Sie gewinnen dem einigen Thema von der unverstandenen Frau"

;Pardon. Roden, das stimmt nicht. Unter diesem Ausdruck pflege ich eine ganz andere Spielart einzureihen."

Nichtig? Also des von Ihrem Gatten nicht begriffenen Weibes ganz neue Seiten abzugewin­nen. Ihre Heldin ist eine Persönlichkeit, ein ganzer Ddensch, Rasse und Klasse, die man selbst besitzen möchte, um sie begreifen zu lernen. Ein- leitung Konflikt Lösung sind folgerichtig dramatisch wirksam und fesselnd. Was wollen dagegen kleine Fehler und Mängel sagen, nicht bühnengerechte Inszenierung, Härten im Aus- druck. Apropos, woher haben Sie den Dialog? Mahr habe ich nicht zu sagen."

Das fit viel mehr, als ich erwarten durfte, als ich erwartet habe," sagt« Hanns nach einer klonen Pause, deren sie zu ihrer Beruhigung

danke Ihnen herzlich für Ihre große Muhe." _____

Zur Lage in Rußland

Aus den Ostftkprovinzen. "

Der kurländische Adelsmarschall, Fürst Lie­ven, der auf Ersuchen der russischen Regierung jetzt nach Petersburg gekommen ist, um an den Vorarbeiten bezüglich der Regelung der Ersatz, aiisprüche kurländischer Gutsbesitzer teilzunehmen, hat dem russischen Mnisterrat soeben eine um­fangreiche und überaus bemerkenswerte Denk- schrift über die Lage in Kurland unterbreitet. Danach führt Fürst Lieven die Unruhen in den OsfieeProvinzen nicht auf die Agrarfrage zurück, da sich in Kurland ein großer Teil des Landbe­sitzes in den Händen der Bauern befindet, die keinen Grund zur Klage haben könnten. Auch die Lage der beim Adel und den begüterten Bauern dienenden Batraki (Knechte) fit keine so schlechte, wenigstens wurden bisher keine Klagen laut. Die Hauptursache liegt in der verstärkten revolutionären Propaganda, die von den sozia­listischen Parteien aus Deutschland kommt. Die Flugschriften toerben meistens in Königsberg ge­druckt, von wo sie nach Libau und anderen Städ­ten der Ostseeprovinzen gelangen. Aus Deutsch­land kamen Agitatoren, von dort trafen auch große Summen für die revolutionäre Bewegung ein. Den deutschen Agitatoren schlossen sich die besitzlosen Datracki und dann auch die begüterten Bauern an, letztere jedoch meist unter dem Druck der Revolutionäre. Das scharfe Vorgehen der bis dahin gleichgiltigen russischen Behörde kam zu spät, das Unheil konnte nicht mehr aufgehal- ten werden. Die in der letzten Zeit vorgenomme. neu Repressalien haben jedoch einen wohltätigen Einfluß aus geübt und die zuverlässigen Elemente der baltischen Bevölkerung, die früher der Macht des, Terrors nachgeben mußten, bedeutend be­ruhigt. Um nun die gewünschte Ruhe in den Ostseeprovinzen zu erlangen, müssen in erster Sink die Forderungen der baltischen Dauern be­treffend diaselbstverwaltung berücksichfigt werden, auch ist die in Aussicht genommene Beratungs- kommission unter der Leitung des Generalgouver­neurs der Ostseeprovinzen so schnell als möglich einznbenlfen.

Brrschikdrne Meldungen.

Petersburg, 14. Febr. Gestern drangen zwei mit Revolvern bewaffnete Männer, von denen einer eine schwarze Maske trug, in die SabalkanSkische Abteilung der Staatssparkaffe. Der eine lief den Anwesenden zu, daß er sie verhafte und feuerte drei Revolverschüsse ab, die den Aufseher niederstreckten. Der zweite Uebelkäter gr ff unkerdeffen den Kassierer an, doch verfehlten seine Schöffe ihr Ziel. Der Kassierer entriß ihm den Revolver und betäubte ihn durch einen Schlag. Einige der Anwe­senden versuchten erschreckt über die Hinter­treppe zu entkommen, stießen aber auf andere Bewaffnete, die nun in das Lokal einzudringen versuchten und auf das Publikum feuerten. Als ste Widerstand fanden, ergriffen sie die Flucht. Drei Personen wurden verwundet. Außer dem

Sie bot ihm die Hand, welche er kräftig schüt­telte und dann langsam an seine Lippen führte.

Er hielt ihre Hand wohl etwas länger in der feinigen, als unbedingt nötig war, denn Hauns entzog sie ihm plötzlich leicht errötend. Sie hegte durchaus keinen Argwohn gegen die freundschast. liche Gesinnung des vor ihr Sitzenden. Wie ihrer eigenen Seele derartige Gedanken fern» tagen, zweifelte sie auch nicht einen Augenblick an denen des Freundes.

Ich muß Ihnen gestehen, gnädige Frau," sagte Roden mit feinem fächeln, denn er legte sich den Wechsel der Farbe auf dem Gesicht der jungen Frau nicht zu seinen Ungunsten aus, daß es mir eine wirkliche Freude gewesen fit, Sie zu entdecken. Der in erster Linie dazu Be­rufene scheint das nicht verstanden zu haben."

Sie zog die Augenbrauen scharf zusammen, schwieg aber.

Da fiel fein Blick auf eine Photographie, un­ter welcher mit ihren großen, kräftigen Schrift- Zügen, stand: Dr. Hanna von Singen.Darf ich mir das Bild einmal ansehen?" fragte er, indem er aufstand und dasselbe vom Nebenfisch­chen holte.

Ich schenkte es Papa zum letzten Weihnach­ten," sagte sie erklärend.Er wollte es gern haben und ztvar mit dieser Unterschrift. Er mußte doch eine Quittung haben, meinte er, über das viele Geld, welches sie gekostet hätte."

Ein gutes Bild," meinte Roden kopfnickend. Eigentlich hat es nun also keinen Besitzer."

Wenn Sie so wollen nein.*

Sie sollten ihm einen neuen Besitzer geben, fagen wir mich. Jeder Entdecker hat sich eine Be­lohnung verdient."

Das klang durchaus harmlos, und Frau Hanns trug keine Bedenken, die Schenkung zu vollfiskE.---

durch den Schlag des KasfiereS betäubten Ein' drinaling wurden noch vier Personen verhaftet-

Odessa, 14. Febr. Auf dem Alexander- Prospekt wurden drei in Zeitungspapier einge­wickelte Bomben gefunden. Zwölf Anarchisten wurden verhaftet.

Moskau, 14. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) In der Wohnung eines Druckereiarbeiters in der Gafetnajastraße wurde heute ein revo­lutionäres Komitee, das gerade eine Sitzung abhielt, verhaftet. Fünf Personen, darunter zwei Studenten und, eine Studentin, wurden festgenommen und die Vorgefundenen Schrift­stücke beschlagnahmt.

Riga, 14. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) DaS Kriegsgericht verurteilte zwei Personen wegen versuchter Ermordung von Kosaken zum Tode durch den Strang. Zwei andere wurden wegen gewaltsamer Entwaffnung von Polizeibeamten ebenfalls $um Tode verurteilt. Vormittags drangen einige Leute in die Wohnung einer jüdischen Witwe ein, knebelten die Dienerin, ermordeten die Witwe und plünderten di« Wohnung. Sie brachten sich in Sicherheit.

Kiew, 14. Febr. (Petersb. Tel.-?lg.) Eine in der Khmelnitzkyschen Apotheke vorgenommene Haussuchung führte zur Entdeckung vieler revolutionärer Schriften und 60 Tabletten Schießbaumwolle.

Libau, 14. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) Bei Prekuln wurde ein Piquet von sechs Dragonern von Bewaffneten angegriffen. Zwei Dragoner wurden verwundet. Auf Seiten der Angreifer wurde einer getötet. In Hafenpot wurden von einer Militärabteilung vier Revolutionäre er- schoffen und zwei gehängt.

Die Konferenz in Algeciras.

Algeciras, 14. Febr. (Agence Havas.)' Die in der gestrigen Sitzung an dem Entwurf für die Handhabung des Zollwesens in den marokkanischen Häfen getroffenen Abänderungen sind nur unbedeutender Natur und erstrecken sich in erster Linie auf die Strafen. Das Nedaktions- komitee hatte sehr schwere Strafen auf die Ver­geben der Zollbinuziehung und das Schmuggeln gelegt. Die Konferenz setzt dieses Strafmaß herab, erhöht dagegen die Garantien für feine Anwendung. Der Besuch, den v. Nadowitz geftern dem französischen Delegierten Revoil machte, hat ebenfalls nichts an der Lage geändert, da, wie man sagt, die dabei ausgetauschten Ansichten rein platonisch waren, und von keiner Seite irgend ein Vorschlag gemacht wurde. Es weiß auch kein Mensch, ob die deutschen Delegierten endgültig Jnstrukfionen erhalten haben oder nicht. Der Besuch dauerte zwar nur einige Minuten, rief ober trotzdem einen ausgezeichneten Eindruck hervor.

Wolft's telegraphisches Bureau erfährt hierzu, daß der deutsche Botschafter v. Radowitz gestern eine längere Unterredung mit Revoil hatte, in

Dann fragte Roden plötzlich, ob sie nicht toei- ter schreiben wollte, und nach dem, was sie mit dem Stück beabsichtigte, zu tun. Umarbeiten, ab- feilen an einzelnen Stellen, Härten und Breiten mildern und die Pointen mehr herausarbeiten. Die muß man dem geehrten Publikum faustdick unter die Nasen halten, sonst versteht es sie nicht. Aber nur nicht im Schreibtisch vermodern lassen. Hinaus mit ihm in das feindliche Leben.

Er malte aus, daß der Erfolg nach seiner An­sicht und Erfahrung ganz sicher sei, mit Ver­gnügen würde er ihr ratend und helfend zur Seite stehen.

Hanns schwieg und badrte nach. Die Aussicht war verlockend, sie selbst fühlte. Roden spräcbe die Wahrheit, aber der Bruch mit Ihrem Gatten wurde unheilbar, wenn dies Sfiick auf der Bühn« erschien. Diese Starte aussvielen, mit diesem Stück triumphieren, hieß nichts anderes, als den Beweis führen wollen, sie stände geisfig über ihm. Er unterlag, sie obsiegte und zwar in einer geizi­gen Konkurrenz.

Roden sprach mit Feuereifer. _ Das gerade wünschte er, was sie zurückhielt. Die so heiß be­gehrte Frau mußte einen unüberlegten Schritt unternehmen, und er erwähnte deshalb den Gat­ten gar nicht, sprach vielmehr nur von ihr, von der glänzenden literarischen Zukunft, welche sich ihr öffnen mußte, wenn der erste Wurf so her- vorragend gelang.

Harms schwieg immer noch. *

Nach einer Weile schüttelte sie den Kopf. ---» Das war ihm unangenehm, aber er versuchte noch einmal sein Glück. Vergebens. Sie lehnte fern Anerbieten dankend ab.

Wenn sie Zeit hätte, würde sie das Stück um­arbeiten, das versprach sie. Dann aber sollte dl liegen bleiben, vorläufig wenigstens, bis gi'mstt- gere Zeiten kämen. J

- < v- (Fortsetzung folgt.) t