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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: IUrrstrirtes Sonntag-blatt.
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Vierteljährlicher Bezugspreise bet bet ExpKition 2 3JtL, bet allm Postämter» 2,25 3?!f. ^excl. Bestellgeld).
Jnsertionsgebithr: die gespaltene Zelle oder seren Raum 10 Pfg, Äeclamcn: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sorrntag, 11. Februar 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag« Joh. Äug. Koch, UmverfttätS-Buchdruckerei 41. Fabia.
Marburg, Markt 21. — Telephcu 55.
Zweites Blatt
Äcutiit Telegramme.
- Berlin, 10. Fc-br. Stadwerordneten-Vorsteher Lr. Langerhaiis hat gestern folgendes Telegramm gus Paris erhalten: „Die zu Paris vereinigten Stadtverordneten von London und Paris senden -en Kollegen der dritten europäischen Kulturstadt ben Ausdruck ihrer freundschastlickfen Hochachtung. Brousse. Cornwall." — Tr. Longerhans hat das in deutscher Sprache abgefaßte Telegramm sofort französisch tote folgt beantwortet: „Mr. Brousse, President du conseil de Paris, Hotel de Ville. Ick; habe Ihre freundschaftlichett Grüße mit großer und herzlicher Freude entpfangen. Die Stadtverordneten von Berlin werden über diese Grüße sehr erfreut sein."
Paris, 9. Febr. Die bei den Ruhestörungen ht der St. Symphorieic Kirche in Versailles Verhafteten wurden noch gestern Abend vor das Zuchtpolizeigericht gestellt tmd zwar wurden de Vezin, welcker den Präfekten des Seine et Oise- Departements verwundet hatte, sowie ein Herr BoZguet dtt Hamel zu je zwei Jahren Gefängnis und 500 Francs Geldbuße, der Abbä Briere von der St. Symphorien Kirche zu einem Monat Gefängnis und die iibrigen Verhafteten zu sechs Monaten bis zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
London, 10. Febr. Nach einer Meldung aus Melbourne wurde int Gepäck zweier Japaner, die sich als Kaufleute ausgaben, eine vollständigeKopre der geheimen Pläne der Befestigung von Sydney entdeckt. Der Landesvertcidigtmgsminister bat eilte Untersuchung des Falles angeordnet. Die Behörden äußern sich sehr zurückhaltend, aber der Minister betrachtet die Angelegenheit als sehr ernst. Wenn die Untersuchung ergeben sollte, daß die beiden Männer Spione sind, so fürchtet er, daß die unter den Australiern herrschende Abneigung gegen Japan ndch verschärft werde.
Nciohork, 9. Febr. Die Bundesregierung will aus Veranlassung Italiens die Beaufsichtigung der Finanzverwaltung Haitis übernehmen.
Konstantinopel, 9. Febr. Der Thronfolger Reschad-Effendi hat einen Schlaganfall erlitten. Alles, ivas über ein Attentat auf das Leben Re- schads erzählt wird, beruht auf Kombinationen und Gerüchten. Ganz unkontrollierbar verlautete gestern bereits, daß Reschad gestorben sei. Reschad- ßffcndi ist 62 Jahre alt.
Die preußischen Sparkassen im Rechnungsjahre 1904.
Die außerordentliche Entwickelung des Sparkassenwesens gehört seit einer Reihe von Jahren Wohl zu den bedeutsamsten und zugleich erfreu- liebsten Erscheinungen unseres inneren Wirt- schal Klebens. Am Ende des Jahres 1894 betrug der Einlagebestand der preußischen Sparkassen erst 4000,07 Millionen Mark; er stieg kann im Jahre 1895 auf 4345,50 Mill. M., im Jahre 1900 auf 5745,79 Mill. M., im Jahre 1904 auf 7761,93 Mill. M.
In den letzten 10 Iah von haben sich mithin die Spareinlagen von rund vier auf nicht ganz a ch t Milliarden vermehrt, und zwar war ihre 'Zunahme am Ende des genannten Zeitraumes am bedeutendsten; während sie in den Jahren
Wissenschaft, Kunst und Leben.
□ Hessischer Grschichtsverein. In der vierten Wintersitzung, die am 3. Februar im Museum gehalten wurde, gab Herr Prof. FriedrichWie- gand „Mitteilungen aus dem litterarisch en Nachlasse August Vilmars". Dieser Nachlaß befand sich früher im Besitze des verstorbenen Metropolitan ,Heldmann m Oberiveimar, des Schwiegersohnes Vilmars, und ist im letzten Jahre von Prof. Wiegand geordnet worden. Er enthält Drucksachen, sämtliche Personalakten, Manuskripte und Excerpte zu Vil- marschen Büchern, Vorarbeitern, die nicht zum Ab- mstnß gelangten, Akten und Konzepte aus allen Perioden seines Lebens, Worunter vieles, das so gut tote nicht bekamt ist oder verloren geglaubt war. Prof. Wiegand besprach, dem Lebritsgange Vtlmars folgend, eine Reihe wichtiger Stücke unlegte zugleich mehrere der Versammlung vor. Den Anfang machte^ ein Druck von 1849, das Gedicht mir Vilmars 'Schulkameraden Hüter zu dessen sil- dernem Doktor subiläum, das die beideit .Hersfelder Gymnasiasten schildert. Eingehend erörtert tonrbe Vilmars führende Rolle in der Marburger Bur;cheu>chaft im Anschluß an feinen eigenhändi- tton „Kurzen Entwurf einerGeschichte der deutschen Bneichen,chast zu Marburg, 1823." Es folgte .emo Abschrift des ersten gegen Kurfürst Ml- Y^Un II. gerichteten Drohbriefes, die sich Vilmar xayrend seiner Tätigkeit in Cassel verschafft haben Mtrcte. Die Predigten Vilmars lieaen mit Re-
1896 und 1897 nur 310,12 teg. 312.49 Millionen betrug, stieg sie im Jahre 1903 auf 502,23 und im Jahre 1904 auf 531,99 Millionen Mark. Die geringe Zunahme der Jahre 1899 und 1900 läßt sich, da ivährend dieser Jahre zahlreich Privat- sparkassen — namentlich in der Provinz Schleswig-Holstein — infolge Veränderung ihres Zweckes bez. ihrer Rechtsform aus der Statistik ausgeschiedeu sind, zu gleichem Vergleiche nicht heranziehen. Das Berichtsjahr, welches bei zahl- reidjen Kassen nicht das Kalender-, sondern das Rechnungsjahr oder noch andere Zeiträume umfaßt, hat hiernach eine größere Zunahme als alle seine Vorjahre aufzuweisen. Die Einlagebesiände wuchsen nach vorläufiger Ermsttelung allein, durch Zuschreibung von Zinsen um 217,48 Millionen, während sie sich durch den Ueberschuß der 2 014,40 Millionen Mark Neueinlagen über die 1700,33 Millionen Mark betragenden Rückzahlungen um 314,07 Millionen vermehrten, im ganzen betrug mithin der Zuwachs unter Zugrundelegung des zu Anfang des Berichtsjahres vorhandenen Einlagebestandes 531,55 Millionen Mark. Der Uebersclmß der Neueinlagen über die Rückzahlungen. in dem die Spartäfigkeit besonders zum Ausdruck kommt, war in den Jahren 1901 mit 313,67, 1902 mit 311,94 und 1903 mit 300,18 Millionen Mark annähernd ebenso groß, während er sonst weit hinter diesem Betrage zurückblieb und nur noch im Jahre 1895 mit 233,05 Mill. Mark 200 Millionen überschritt.
Von dem gesamten Einlagebestande deS Berichtsjahres von 7 761,93 Millionen Mark kamen mithin auf den Kopf der bis Ende 1904 fortge' schriebeuenBevölkerung Preußens von 36 858 355 Ortsanwesenden 210,59 M. Einlagen gegen 199,44 M.iru Vorjahre und 188,66 M. im Jahre 1902.
An dem Einlagebestande des Jahres 1904 toaren die einzelnen Arten der Sparkassen, wie folgt, beteiligt: die städtischen Sparkassen mit 51,14 .Hundertteilen, die Landgemeinde- usw. Sparkassen mit 6,22 Hnndertteilen, die Kreis- und Amtssparkassen nist 31,84 Hundertteilen, die Provinzial- und ständischen Sparkassen mit 3,53 Hundertieilen, die Vereins- und Privatsparkassen mit 7,28 Hundertteilen.
Die Anzahl der neu ausgegebenen Sparkassen- bischer belief sich im Berichtsjahre auf 1 408 299 Stück, während 969 854 zurückgenommen tourben. Im ganzen waren am Schlüsse diests Jahres 10 211 741 Bücher im Umläufe. Auf 100 Personen der fortgeschriebenen Bevölkerung des Staates entfielen 27,71 Konten; dagegen stellte sich diese Zahl
in Ostpreußen auf 12,72,
„ Westpreußen „ 15,45.
„ Berlin „ 38,51.
„ Brandenburg „ 35,50,
„ Pommern „ 28,64,
„ Posen „ 11,92,
„ Schlesien „ 26.82.
„ Sachsen „ 42,97,
„ Schleswig Holstein „ 36.04,
„ Hannover „ 36,85,
„ Westfalen „ 22,75,
„ Hessen-Nassau „ 29,19,
„ der Rheinprovinz „ 22,40,
„ Hobenzollern „ 38,87.
Der Zuwachs an Sparkassenbüchern gegen die am Schluffe des Vorjahres vorhandenen betrug 438 638 Stück (während der Unterschied zwischen den neu ausgegebenen und den zurstickgenommenen Büchern um 193 geringer ist, lvas sich aus Aen- berungen der Bestands,zisstru während des Be-
gister vollständig von 1822—1842 vor. Sie sind mit Randnoten versehen, die über besondere Nebenumstände informieren und deshalb für den Biographen Wert haben. In seiner kurzen Landtagstätigkeit 1831/32 hat Vilmar vierzehn Referate geliefert. Zu mehreren sehr wichtigen liegen toeitere Ausführungen im Konzept vor, die in die Landtagsverhandlungen nicht übergegangen find, so zu den Berichten über die Verbesserung der jetzigen Lage der Volkssckmllehrer, über die Gründung eines protestantisch-theologischen Seminars an der Landesuniversität, über die Einrichtung des Volksschullehrerseminars zu Homberg. Der auf eine Verfassung der hessischen Kirche abzielenden Bewegung schloß sich Vilmar mit warmer Teilnahme an und wurde deshalb zum Mitglied der Oberen Kirchenkommijsion ernannt. Bei den Akten dieser Kommission liegt noch der von ihm eigenhändig aufgesetzte Entwurf einer Syiwdal- ordnung für Kurhessen. Der Reor<zanisator des Marburger Gymnasiums trat 1883 als erster Direktor an dessen Spitze. Im Jahre daraus hielt er seine erste „Schulied." über das „Bewußtsein von unseren Schranken ., 2vu hervorragenden Anteil, den Vilmar in den 30er und 40er Jahren als Mitglied der Oberen Schulroimnissioii an der Hebung des höheren Schulwesens nahm, bezeugen die Visitationsakten von Fulda. .Hanau, Hers- feld, Rinteln . und die sorgfältig gesanimelten Briefe der Direktoren Bach und Dronke in Fulda und Moder in Cassel. Vilmar gab sich große Mühe, Julius Müller der theologischen Fakultät
richtsjahres bei einzelnen Sparkassen erklärt). Die größten Konten, welche zu beträchtlichem Teile vorübergehende Anlagen von Kirchen-, Schul-, Hülsskassen u. bergt, auch von Mündelgeldern sind, wiesen auch in diesem Jahre die bedeutendste Zunahme auf, während die verhältnismäßige Vermehrung der drei Bücherklassen bis zu 300 Mark ziemlich gleich war; die kleinste Zunahme zeigte mit 3,36 vom Hundert die Kontenklasse von 150 bis 300 Mark Einlagen. Immerhin vermehrte sich aber auch diese noch reichlich doppelt so schnell als die Bevölkerung, deren Zuwachs 1895/1900 jährlich rund 1,6 v. H. betragen hat.
Zur Lage in Rußland
Petersburg, 9. Febr. Witte ersuchte die Gouverneure des europäischen Rußlands telegr., entschiedene Maßnahmen zu Beschleunigung der Anfertigung und Veröffentlichung der Wahllisten zu ergreifen. Sobald dem Minister des Innern Mitteilungen über die Veröffentlichung der Listen zugehen, wird der Zeitpunkt der Einberufung der Gouvernements'Wahlversammlungen festgesetzt werden. Von diesem Zeitpunkt wird die Bestimmung des Wahltermins in den Städten und auf dem Lande abhängen.
Petersburg, 9. Febr. Das Zollamt in Nepal hat strengen Befehl erhalten, keine Waffen durchzulassen, die auf ausländischen Schiffen importiert werden. Alle eintrcffenden Waffen und Patronen werden von der Militärobrigkeit konfisziert. Im vergangenen Jahre wurden mehrere tausend Gewehre französischer wie englischer Konstruktion nebst graben Maffen von Patronen über Reval nach Moskau einaeführt.
Petersburg, 9. Febr. Statthalter Graf Woronzow - Daschkow meldet dem Kaiser tele- grophrfch unter dem 7. Februar auS Tiflis: Die Einwohner von Osuroeiy schworen auf§ neue Treue. Eine nach Jelissawetpol entsandte Trupv-nabteilung machte die Straße nach Schuscha - Jewlach frei, versorgte Schufcha mit Lebensmitteln und erzielte anscheinend Versöhnung der kämpfenden Nationalitäten. Zu dem gleichen Zweck wurde eine Kolonne in den Kreis Sarpessur entsandt.
In einem Briefe vom 7./20. Januar 1906 wird mitgeteilt, daß 800 bewaffnete Armenien am Neujahrtmorgen ein Dorf in der Nähe vw Kedgbeg überfallen und ein schauerliches Ee metzel unter der Bevölkerung angerichtet haben, wobei auch Frauen und Kinder nicht geschont wurden. „Mein Hospital ist mit den greulichsten Schußverletzungen jetzt überfüllt. Was weiterhin werden soll, ist ungewiß; Frauen und Kinder der Deutschen flüchten."
Baku, 9. Febr. (PeterSb. Tel.°Ag.) Der Ausstand auf den Docks dauert noch immer an. Von 55 Kerofinwerken find 15 tätig. Die Besitzer mehrerer Fabriken vereinigten sich zur Ausführung der Arbeiten auf einer Fabrik.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Febr.
— Se. Majestät der Kaiser machte gestern Freitag Vormittag mit der Kaiserin einen Spaziergang im Tiergarten. Später hatte der Kai.
zu erhalten (1839), er trat für Thiersch ein, als dieser angegriffen wurde (1845) und agitierte lebhaft gegen die Berufung und die theologischen Vorlesungen Zollers (1849). Seine Vorträge über die Geschichte der deutschen Nattonallittera. tur machten den größten Eindruck. Auch der Dichter blieb mit seinem Danke nicht zurück: Dietrich SB eintraut besang Vilmar in schwungvollen Versen, deren Autograph vorlag. Von unverarbeiteten Materialien aus dieser Marburger Zeit verdienen Erwähnung eine Sammlung oberhessischer Volkslieder und ein Pack Kriminal- aften und.Hexenprozesse. Im Auftrage bet Regierung äußerte sich Vilmar 1846 in zwei Denkschriften gegen die Deutsch-Katholiken. Ebenso lvar er der Mittelpunkt der um die Wende von 1848/49 statffindenden Konstrenzen, die gegen bie durch das Religionsgesetz geschaffenen Veränderungen Stellung nahmen. Auf Veranlassung der Ziegenhainer Konferenz (13. Dezember) verfaßte Vilmar eine „Ansprache evangelischer Pfarrer an die Mitglieder ihrer Gemeinden", die von der Regierung sofort unterdrückt wurde. Von der vielgenannten Jesberger Konferenz am 14. Febr. 1849 konnten Protokolle, Briese und Zustirn- muirgsadreisen vorgelegt werden.
Schon ivährend seines ersten Ministeriums hatte Hassenpflug einen starken Einfluß aus Vilmar gewonnen; bei feiner Rückkehr 1850 berief er ihn sofort zum Mitarbeiter in das Ministerium nach Cassel. Der verhängnisvolle Bries, vom Herrn v. Ende ansgefertiat, von .Hassenpflug
ser eine Unterredung mit dem Reichskanzler ins dessen Palais und empfing dann den neuernann* ten großbritannischen Marinsattachs Kapitän z« S. Dumas.
— Tie Berliner „Volkszeitung" läßt sich cm3 Kiel melden: Die Mittelmeerfahrt deß Kaisers wird, wie in Marinekreisen mit immegrößerer Bestimmtheit verlautet, auf dem be* Hamburg - Amerika - Linie gehörigen Turbinen« dampfer „Kaiser" erfolgen; wahrscheinlich werden auch die übrigen Sommerreisen des Kaisers mit diesem Dampfer erfolgen.
— Zur silbernen Hochzeit des Kai« serpaares entsendet König Eduard nach des „Magdeb. Ztg." den Prinzen und die Prinzessin Chrisfian von Schleswig zu seiner Vertretung, sowie auch zu der Vermählung des Prinzen EitÄ Friedrich.
— Der Großherzog von Baden hat sich von seiner schweren Erkrankung, die ihn mehrere Wochen an das Bett fesselte, völlig erholt und seine körperliche und peiftige Rüstigkeit, die von allen, die im letzten Jahr mit dem 79jährigen greifen Fürsten zu verkehren Gelegenheit hatten, bewundert witrde, wiederarlangt. Wie die „Köln. Ztg." erfährt, hat der Großherzog die Arbeit in vollem Umfang aufgenommen und damit an allen das Reich wie die engere Heimat berührenden Vorgängen nach wie vor lebhaften Anteeil.
— Die .Antisozialbewokratiscke Korrespondenz" meldet, daß die Sozialdemokratie für den 18. März, der auf einen Sonntag fällt, eine Wiederholung der Dem onstr ations-Versammlunaett, wie sie am 21. Januar siaitgefunden baden, plane. Weiter meldet sie, daß auf Antrieb Bebels für Berlin Massenversammlungen nach Hamburger Muster cm einem WerktaanaÄmittag in Aussickt genommen seien, in denen Stellung gegen die Behandlung der Wahl- rechtsfraae in den Parlamenten genommen werden solle Um 4 Uhr nachmittags -sollen die Derhand» lungeu stattfinden und um 3 Uhr die Arbeit niedergelegt werden, als Probe und Vorübung für bett politischen Massenstreik.
— Kürzlich ging dal Gerücht durch die Presse, daß die Rbeinprovinz in zwei selbst- ständige Teile geteilt werden sollte, und zwar wäre die Schaffung einer Provinz, die die Jndustrie- bezirke am Niederrhein besonders umsaffen sollte, notwendig geworden Diele Meldung entbehrt der Begründung. Es sind zwar Wünsche dieser Art schon vor Jahren laut oeworaen, doch halt die Staatsregierung bis jetzt daran fest, daß die Rbeinprovinz in ihrem jetzigen Umfang erhalten bleiben soll. Es wurde übri'.ens auch seinerzeit vor Errichtung des Oberlandesgerichts in Düsseldorf eine derartige Meldung verbleitet. Damals wurde ein Beschluß des Staatsministeriums bekannt gegeben, nach welche« die Provinz auf absehbare Zeit hin ungeteilt bleibe» sollte.
— Der Deutsche Privcitbeamten-Verein fyl eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der e* bie Einführung der Wehr st euer em fiefjlt. Daß gerade dieser Verein sich zum v fechte r dieses Steuergedankens aufwirft, mol' die Eingabe folgendermaßen:
Der Deutsch? Privatbeamten-Verein betrachtet es als feine Aufgabe, für eine billige Berücksich. Hgung auch der Interessen des Deuffchen Privat- beamtenstairdes einzufreten. Bei den Fragen der Steuerreform hat er aus diesem Grunde fein Hauptaugenmerk von jeher auf die Einführung einer Wehrsteuer gerichtet. Die Privatbeamten, schaff ivird nämlich durch die allgemeine Wehr- pflicht wirtschafflich in einem solchen Maße in Anspruch genommen, wie es bei keinem anderen Stande, weder bei den öffentlichen Beamten, noch bei den Selbständigen ober ben Arbeitern der Fall ist. Während in diesen Stödten die Entscheidung,
unterschrieben, lag im Original vor; ebenso zw« Billetten Hassenpflugs, bie des Ministers starke Einmischung auch in kirchliche Dinge zeigen. Von der amtlichen Tättgkeit Vilmars in Cassel waren nur unbedeutende Konzepte vorhanden. Um so interessanter sind zwei Aktenbände der Kommission für ein gemeinfameS „Deutsches evangelisches Kirchengesangbuch", an welchem Vilmar einen besonders hervorragenden Anfefl nahm.
Vilmars Versetzung in bie theologische Fakultät zu Marburg kreuzte sich mit einem Rufe für Aesthetik und Litteraturgeschichte nach Rostock. Heber den fatalen Prozeß, den er sich bald darauf schon von seiner eigenen Fakultät zuzog, hat ee sich noch kurz vor seinem Tobe in einer handschriftlich vorliegenden Denkschrift: „Mein Handel mit der theologischen Fakultät zu Marburg" von feinem Standpunkt aus geäußert. Die Ereigniffe von 1866 brachten Vilmar den Zusammenbruch feiner Politik und damit die größte Enttäuschung seines Lebens. Auch hier liegen zahlreiche Zeugnisse für bie Bitterkeit feiner Stimmung vor. Mit Vilmars Testamenten und den darin enthaltenen' Bestimmungen über bie Art feines Begräbnisse- schloß der Vortrag.
Nachdem Herr Apotheker Stripvel noch Karikaturen vom Jahre 1848 aus Vilmars Besitz vorgelegt hatte, wurde bie Sitzung gegen 11 Uhr vom stellvertretenden Vorsitzenden, .Herrn Land- gerichtsrat a. D. Gleim, geschloffen. j