Uaffrl, 8. Febr. Die Drustfmche grasfiert Mr Zeit stark unter dem Pferdebestand unserer Stadt. Nachdem sie. wie gemeldet erst vor «niaen Tagen unter den Pferden der ersten «atterie des Hessischen Artivene - Regiments Jtt 11 ausaebrochen war, ist sie nunmehr auch bei' dem Pferdebestand der ersten Eskadron der Hessen-Homburq Husaren in der Sarde du Eorps- Kaserne festaestellt worden.
Wirtheim, 6. Febr. Heute verschied nach längerem Leiden Pfarrer Henkel. Der Ver- storbeue war zu Steinhaus bei Fulda geboren, 74 Jahre alt und seit 49 Jahren im Amte. Er war den ihm anvertrauten Gemeindeange- hörigen ein treuer Seelsorger, dem das Wohl seiner Pfarrkinder am Herzen lag und der immer mit Eifer bestrebt war, dasselbe zu heben und »u fördern. Wit dem Herbst vergangenen JahreS war der Verstorbene der Semor des Fuldaer Klerus. .
Gieße«, 7. Februar. Die Reihe der omSphn- tai akademischen Vorträge, die sich an ein grö« gees Publikum rieten, wird am 12. ds., 8 Uhr abends abgeschlossen durch eine Vorfüh.rrmg an- «fer Poesie und Musik in der Aula der Univ«, fifni. Da die Hellenen selbst ihre Musik als ihre höchste und reiffte Leistung bezeichnet haben, so hat man verschiedentlich in früherer Zeit versucht, hie gänzlich entschwundene durch freie Nochschöp« hnn wiÄer zu gewinnen; aus solchen B^trebun- & heraus find bekanntlich in Italien die An- . der Oper entstanden. Dieser Vortragsabend tmrd auch von diesen Versuchen einige Proben bringen, das Hauptinteresse jedoch konzentriert sich auf die vor einigen Jahren gefundenen Reste wirklich originaler altgriechischer Musst; in moderne Noten umgesetzt werden ste bei dieser Gelegenheit zu Gehör gebracht werden. Klingt auch mancher unserem Oh« eigenartig und fast fremd, Hofft doch die Stimmung der Gestnge unmittelbar verständlich rmd für den musikalisch gebildeten Hsörer ein exquisiter Genuß, ko fft ein Chorliod yus Euripider „Orester" musikalisch geradezu raffiniert durchkornponiert. Um die Vorführung zu dnem einheitlichen Bilde abzurunden, werden «och Proben der hervorragendsten Stücke antiker Poesie in besten Übersetzungen vorgetragen werden, meist wenige bekannte Stücke, auch wird der Portragsraum stilgerechten, würdigen Schmuck austveisen. Der Besuch dieser seltenen Darbietungen fft dadurch erfeidpteri, daß Sonntag, den 11. bs., vormittags 11 Uhr eine öffentliche Hauptprobe in der Aula der Universität pottstndet zu möglichst geringen Eintrittspreisen M Pfg-, Schüler 25 Pfg.).
Giehen, 8. Febr. Bei dem am 6. und 7. Februar stattgefundenen Viehmarkte waren aufgetrieben 1191 Stück Rindvieh, 268 Schweine.
Siege«, 8. Fckr. Eine außergSvöhnliche tzagdbeute hatte vor einigen Tagen der hn Forst- Haus Lahnhof swtionierte Förster Bahne. Der- selbe «legte ein Wildschwein, dem der Unterkiefer fehlte. Zunächst glaubte man es mit einer Ab. «irmnöt zu tun zu haben, ober bei näher« krüfung stellte sich heraus, daß das Ti« den Kiefer durch eine schwere Schußverletzung, an- Weinend vor sehr lang« Zest, eingebüht hatte. ®er Schwarzkittel kann sich nur unter Zuhilse- nahrne von zwei Backenzähnen, die noch stehen geblieben, mühsam ernährt haben; er basand sich denn auch in schlechtem körperlichem Zustande.
Kirchen, 8. Febr. Ern trauriger llnglücks- fall ereignete sich gestern Abend laut .Sieg. Zig.': Zwei Dienstmädchen vergnügten sich auf der abschüssige« Straße mit Schlittenfahren. Durch irgend einen Zufall kam der Schlitten zu Fall und eins der Mädchen stürzte unglücklicherweise betrat gegen einen Leitungsmast, daß durch den Anprall die Hirnschale zertrümmert wurde. Rach der sofort von dem Sanitätsrat Dr. Rauschenbusch vorgenommenen Operation ist Aussicht vorhanden, daß die Verunglückt-; mit dem Leben davonkommen wird.
Hochschulnachrichten.
— Berlin: Prof. Rob. Kock wird voraussichtlich anfangs April als Lest« ter vom Reich geplanten Expedition zur Erforschung ter Schlaf- krankheit nach Deutsch-Ostafrika gehen. Heb« das Programm dies« Forschungsreise wird Koch An- fang März in der Kaiser Wilhelm-Akademie einen Vortrag halten.
— Königsberg: Wie mitgetcilt wird, hat der o. Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität, Geh. Regierungsrat Dr. Oskar Schade, gebeten, ihn von der Verpflichtung zur Abhaltung von Vorlesungen, von Ostern 1906 ab, zu entbinden. Prof. Schade, der im 80. Lebensjahre steht, wirkt seit 45 Jahren als akademischer Lehr«.
— Tübingen: Die württembergischr Unter« richtsverwaltung erwägt schon seit einiger Zeit den Gedanken, die Tierärztliche Hochschule in Stuttgart «ach Tübingen zu verlegen und sie mit bet Universität zu verbinden. Veranlassung hierzu hat der Umstand gegeben, daß die Tierärztliche Hochschule in Stuttgart dringend eines Neubaus bedarf. Ta die Lehrkörper beider Hochschulen d« D.rlegung sympathisch gegenüber« stehen, dürste bei bet Entscheidung wesentlich die Finanzfrage den Ausschlag geben, die für Tübingen günstig liegt.
— München: Der ausgezeichnete klassffche Philologe Wilhelm v. Chrfft ist gestern, 8. Febr., im Alt« von 75 Jahren gestorben.
— Straßburg: Wie auS akademischen Kreisen verlautet, ist als Nachfolger des Historikers Meinecke der hiesige Archivdirektor Honorarproseffor Dr. A. Wiegand in Aussicht genommen. . .
— Eine Zunahme von 154 Medizin» studierenden weisen im lausenden Wintersemest« die deutschen Universitäten gegen dos Wintersemester 1904—05 auf. An dieser Zunahme find Berlin, Bonn, Leipzig, Marburg, Jena, München und Tübingen beteiligt.
— Zur Ausländer frage an deut« schen Hochschulen schreibt die „Kreuzztg.': Aus einem Bericht der sächsischen Zweiten Kammer ist zu ersehen, daß gewisse höhere Lehranstalten mit erheblichen Aufwendungen aus öfsent- llchen Mitteln überwiegend fremden Staatsangehörigen, meist wohl russisch« und polnischer Herkunft zugute kommen. An der Forstakademie zu Tharandt studierten im Winter 1903/04 nur noch 48 junge Leute, darunter 19 Nichtdeutsche. Der Staat szuschus; stellt sich für die deutschen Studenten auf 43 000, für die nichtdeutschen auf 85 000 Mark. Noch weit bedenklicher war das Ergebnis bei der Bergakademie zu Freiburg, wo 180 deutsche und 252 nichtdeutsche Studierende gezählt wurden. Dort belief V>A der Staatszuschuß für die Deutschen auf 27 000, für die Nicht« deutschen auf 40 000 Mark. Aehnliche Verhältnisse bestehen bei der Leipziger Handelshochschule. Man hofft in Leipzig, nach Eröftmrng der Han. deisb och schule des B«liner Acltestenkollegiums die russischen Studenten loszuwerden, was bei d« Zusammensetzung dieses Kollegiums nicht unbegründet erscheint.
Bermischtes.
Aachen, 7. Febr. Ein seltsam« Streik fft in der Nachbarbürgermeisterei Laurenzberg ausgebrochen. Die Gemeinde hat eine Schule in der Soers bei Aachen. Sie rmchte am Samstag und Sonntag geschloffen werden, weil die Schulheizerin, bte zugleich Handarbeitslehrerin fft, sich weigerte, die Schule zu heizen. D« Frau waren 75 Mark für Heizen d« Schule zugesagt, und sie glaubte, daß diese Summe für ihre Mühe ausgeworfen sei. Die Gemeinde legte den Ver- tragsparagraphen ad« dahin aus, eS fei beabsichtigt gewesen, 75 Mark für die Beschaffung dos Heizmaterials und für die Mühe des Heizens zu- simmien zu zahlen. Da man sich nicht einigen konnte, stellte die Frau das Heizen zur Freude d« Schuljugend ein, die mmmehr Ferien hat.
Dresden, 8. Febr. Zwei Dienstmädchen des Gutsbesitzers Schleinstede in Gaschwitz sprangen wegen unglücklicher Liebe in den Muldefluß und ertranken.
Hinton (West Virginia), 8. Febr. In den Perell-Kohlengruben bei Onk Hill in der
Grafschaft Fahette ereignete sich eine Explosion,
wodurch gegen 40 Menschen umgekommen sind.
Urberfall v»« Indio«««. Nach einem Tete« gramm aus Chicago vom 4. Febr. hat eine starke Bande von ?)agui-Jndianern in der Nähe von Tucson in Arizona, einige Meilen vom Fort Buchanan entfernt, einen Wagenzug angegriffen. Der Wagenzug hatte eine kleine militärische Begleitung. Die Indian« waren gut beritten und bewaffnet. Es entfpcmn sich ein heftiger Kampf mit d« Begleitmannschaft, von denen 12 Mann fielen. Außerdem kamen achtFuhrleute ums Leben. Nachdem die Indianer den Wagenzug ausgeplündert haften, setzten sie die Wagen in Brand. Zwei Soldaten entkamen und überbrachten die Nachricht von dem Ueberfall nach dem Fort Buchanan.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 9. Febr. Professor v. Behring «« klärte bei einem Vortrage im deutschen Landwirt» fchastsrate, « gedenke festzuhalten an feinem in Paris proklamierten Programm, welchem zufolge « fein neues Tuberkulofemittel für den Menschen nicht früher freigeben werde, als im Herbst dieses JahreS. so daß es nach wie vor ganz vergeblich fei, wenn Aerzte und Laien sich brieflich, telegraphisch ober persönlich an ihn wendeten, wegen der aus- nahmsweisen Ueberlassung des Mittels zum Gebrauch für fchwindsüchsigk Vtenschen. Die Erfahrungen, WÄche er inzwischen gemacht habe, ließen ihn mehr tote je festbalten an dem Ent« Muß, über den Kreis derjenigen Tuberkulofefor- scher, die jetzt schon mit dem Gange sein« tuter« kulose-therapeutischen Ackerten vertraut find, nicht hinauLgehen.
Madrid, 9. Februar. Es wurde beschloffen, die Absicht des Königs, sich mit der Prinzessin Ena von Battenberg zu vermähle», amtlich bekannt zu geben. Die auswärtigen Regierungen werden am 20; d. M. benachrichtigt. Die Hochzeit ist wahrscheinlich am 2. Juni.
Peterst«rg 9. Febr. Der Aufruhr im Kaukasus-Gebiet gewinnt an Ausdehnung. Im Kreise Sangesur ermordeten Tataren 200 Frauen und Kinder und zündeten viele Häuser an. Die Armenier rückten ihnen entgegen, wobei ein Zusammenstoß stattfand. Die Tataren ergriffen die Flucht und hinterließen 10 Tote.
Pensa, 8. Fehr. D« Polizeichef Kondaurow fft heute Vormittag ermordet worden. D« Mör. der wurde feftgenommen.
Ktttais (Transkaukasien), 8. Febr. Nachmittags 2 Uhr wurde in der Mitte der Stadt der Bezirkschef Begansow von einem Manne, dem es zu fliehen gelang, tätlich verwundet.
Tokio,' 8. Febr. Der Landtag nahm nach einer erregten Debatte mit 222 gegen 125 Stimmen den Vorschlag an, daß die KriegS- fteuetn weiter erhoben werden sollen.
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag, 1L Februar 1906.
Lutherische Pfarrkirche.
Vormittags: Herr Superintendent Happ ich.
11*/« Uhr: Kindergottesdienst.
Nachmittags: Herr Pfarrer Heermann.
(Kollekte für die Gemeinden Helsa und EmpferShansen.) Eltsavethkirche.
Vormittags: Herr Pfarrer Vespermann.
tKollekte für die Gemeinde Falkenan.) Nachmittags: Herr Pfarrer Manger.
Reformierte Stadt- «nd Nniverfitätskirch».
Vormittags: Herr Pfarrer Schindewolf.
(Amtswoche.)
^Kollekte für die Gemeinden Helsa nnd EmpserShausen zu Kirchen« und Pfarrhausbauten.)
11 *fc Uhr Militärgottesdienst: Herr Pfarrer Scheffer.
2*/« Uhr: Kindergottesdienst.
Abends 5 Uhr: Herr Pfarrer Scheffer.
Katholische Kirche.
7*n' Uhr Heil. Messe mit Frühlehre: Herr Kaplan Hilden.
9tz» Uhr Amt u. Predigt: Herr Pfarrer Dr. Weber.
2 Uhr: Christenlehre und Andacht.
Nothergraben 5.
Sonntag, 1L gebxwet MÄ
11 Uhr: EonntagSschtck«.
Abends 8*/, Uhr: Versammlung
Montag, abends 8»f, Uhr: Blaukreuzversammlung.
Mittwoch morgen» 9% Uhr, mittags 8 Uhr ««► abends >9 Uhr . Philadelphiakonfere«».
Schwanallee 53»
Dienstag abend 8«/, Uhr: Franenstunde.
Meltzoviste« > Gemeinde (Worthstr. 15.)
Sonntag, 11. Februar 1906.
Vormittags 9'/, Uhr: Versammlung.
Vormittag« 11 Uhr: SonntagSschnle.
Abends 8 Uhr: Versammlung.
===== —-----^4
Aerztlicher Sormta-Sdieust
am 11. Februar 1906.
Herr Dr. Wigand, Wilhelrnstraße 27.
Herr Dr. d. Heusinger, Ketzerbach 14.
Marktberichte.
Cassel, 7. Febr. Besuch gut, Tendenz •*« wartend.
.......... rett: Weizen 17,50-17,80 Mk., Rogge« ' . Hafer 16,00 biS 18,00 Mk., »erstc
■Vir. Alles per 100 Kilo ab oder Parität i,i,. .oungen von 10000 Kilo______________
Briefkasten der Stesaktto«.
Anonymer Theaterkritiker. Mr bedauern, fa wenig Ihr Schreiben zu beanstanden ist, namenlosen Zuschriften keinen Platz eutrSnmen zu könne«. Sie hatten doch gar keinen Grnnd, sich vor der Redaktton geheim zu halten!
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Grundsteuermutterrolle Art 1580, Gebäudesteuerrolle Nr. 77 am 19 März 1906, vormittags 10 Uhr durch das unterzeichnete Gerrcht - an der Gerichtsflelle — Zimmer Nr. 8 versteigert werden.
Der Dersteigerungsvermerk ist am 28. Dezember 1905 in das Grundbuch eingetragen.
Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus dem Grundbuche Nicht ersickttich waren, spätestens im Lersteigerungstermine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berückfichiigt und bei der Verteilung des Versteigerungs- erlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachaefetzt werden.
Mejenigen,welcheeinderVersteigerungentgegcnstehendesRecht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aushebung ober einstweilige Einstellung des Bersahreiis herbeizusühren. widrigenfalls für das Recht der Versteige.uiigs- erlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt.
Marburg den 19. Januar 1906. (1143
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