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Marburg
Freitag. 9. Februar 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Lug. Loch, llnwerptäts-Buchdrnckerei 41. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
Berlin, 8. Febr. Die „National-Zsitung" ist zu der Erklärung ermächtigt, daß der Rücktritt des Landwirtschaftsministers PodbielSki in absehbarer Zeit nicht bevorsteht. Oberprästdent Wentzel komme jedenfalls wohl nicht in Frage.
Hamburg, 7. Febr. Die Bürgerschaft stimmte dem Anträge deS Senates zu, anläßlich her Silbernen Hochzeit de8 KaiferpaareS 200 000 Mark zur Unterstützung bedürftiger KriegS- veteranen zu bewilligen. Die Bürgerschaft nahm ferner einen Antrag Th. MornnS Gen. an bett. Ersatz des bei dem Kra o ua Schopen- steel am 17. Januar zerstörten und geraubten Privateigentums aus Staatsmitteln. — Im Zusammenhang mit der Krawallangelegenheit find bis heute 85 Verhaftungen erfolgt.
Paris, 7. Febr. JaureS erklärt in der »Humanite" das Gerücht, daß er aus dem politischen Leben scheiden und seine Profefforen- lauibahn wieder aufnehmen wolle, als vollständig unbegründet. Er habe wohl zu seinen Freunden geäußert, falls er zufällig bei den Neuwahlen unterliegen solle, so würde er es als einen vornehmen Beruf ansehen, den Studenten seine phtlosophischen und sozialpolitischen Anschauungen vorzutragen. Aber er fei seiner Wiederwahl sicherer denn je.
Petersburg, 7. Febr. Die Petersburger Telegraphen Agentur erklärt, daß die Meldung hiesiger Blätter, nach welcher General Grodekow zum Statthalter für den fernen Osten und zum Oberbefehlshaber der Mandschureiarmee ernannt worden se n soll, unzutreffend ist. Die Agentur könne aui Grund unanfechtbarer Mitteilungen versichern, daß der Posten deS Statthalters im fernen Osten nicht wieder besetzt wird. Was den Oberbefehl über die Mandschureiarmee be treffe, so sei es sehr wahrscheinlich, daß derselbe Grodekow übertragen werde.
Washington, 7. Febr. Dem Staatsdepartement gehen fortdauernd Nachrichten zu von amerikanischen Vertretern in China, nach denen die feindselige Stimmung gegen die Amerikaner und gegen die amerikanischen Waren rasch um sich greift. ES seien Anzeichen vorhanden, daß alle Ausländer in China, möglicherweise mit Ausnahme der Japaner, binnen kurzem ebensosehr betroffen würden, als die Amerikaner.
Oesterreich - Ungarn.
Die Mission des Grafen Andrassy ist nun also doch gescheitert. Unter dem Druck der Intransigenten hat die eben noch so kampfesmüde Koali- tion sich noch einmal wieder zum Kampfe aufge- rafft. Auf wie lange? — wer vermag es zu sa. gen? Erfreulich ist dabei nur das Eine, daß Kaiser Franz Josef auch jetzt fest geblieben ist und
63 l Nachdruck verboten.)
Die Brücke.
Roman von Willy Scharia«.
iFortsetzung.)
. -Mein, das tust Du nicht," rief es in ihr. „Er will nicht hören, so mag er die Folgen tragen. Nur so kann sein Eigensinn bezwungen werden, die Strafe wird ihm heilsam sein."
Jin nächsten Augenblick schämte sie sich dieser Anwandlung, die so wenig ihrem geraden und offenen Charakter entsprach.
Sie liebte doch ihren Gatten, sie mußte ihm Helsen, sie mußte es. Mit ihrer Hilfe würde er die innere Krise überwinden, nur mit der chrigen. Sie durfte nicht zögern, dieselbe zu bringen, le-bst auf die Gefahr hin, zurückgewiesen zu werden.
Ec lvar hartnäckig, aber so eigensinnig war er doch nicht, gegen bessere Einsicht zu handeln, und wenn es auch nur um des eigenen Vorteils willen geschähe.
Es würde ihn hart anmuten, chm weh tun, wenn sie ihm auch die reine, volle Wahrbeit sagte, E müßte ihm weh tun, aber es ging nicht anders. Er aber batte sie doch lieb, gerade so wie sie chn, das versicherte er alle Tage von neuem.
Am nächsten Vormittag betrat Hanns das Ar. belwzunmer ihres Gatten, obgleich sie wußte, doch Storungen am Vormittag ihm äußerst unange- nebm waren. Sie konnte es aber ihm nicht er.
da er später zur Stadt wollte, um allerlei Geschäftliches abzumachen.
Aeuyersich ruhig trat sie in das Zimmer, wei'n.a!!ch ihr Herz gewaltsam klopfte. Ihr war, r,- am Rande eines Abgrundes, über
»en pc hinüber wollte, ohne doch eine Brücke ent- tacken zu können.
,. - Hier ist das Manuskript," sagte sie, während £e das Zimmer durchschritt rmd die Papiere auf
die militärische und wirtschaftliche Abtrennung Ungarns von Oesterreich, wie das ihm vorgckegte Ultimatum der Koalition sie verlangte, entschlossen abgelehnt hat. Diese überraschende Wen-dinrg be. deutet zunächst eine Verschärftmg des, Konfliktes mit ganz unabsehbaren Folgen. Denn jetzt zwingt das Interesse des Landes den Kaiser zum ersten Male zum offenem Absolutismus: er muß am 1. März die neuen österreichisch-ungarischen Han- delsverträge in Kraft setzen, ohne daß der unga- rische Reichstag sie beraten und genehmigt bat Neben diesem Notstarrde des Rechtslebens droht aber bei Fortdauer des Konftiktes auch immer schwerer die wirtschaftliche Not allen Ständen des Landes,, den renitenten wie den ohnehin gs- drückten Kleinbauern und Handwerkern, von denen allwöchentlich Tausende in dunrpser Hoffnungslosigkeit nach Amerika auswandern. Das macht nun freilich aus die meisten Oppositionsführer gar keinen Eindruck — nur der wahrhaft volksfreundliche Franz Kossuth wäre hier auszunehmen — vielmehr wollen sie unter dem Schlacht- ruf der „patriotischen Pflicht" auch Wecker die Fi- nanzen ihres Vaterlandes ruinieren, das Heer verstümmeln, die Gesetzgebung suspendieren und die Bevölkerung zum Ungehorsam gegen Gesetz und Beamtenschaft aufreizen. Daß unter dem lähmenden Druck des Konfliftes schon im letzten Jahre alles wirtschaftliche Leben in Ungarn stockte imt die Einwohnerzahl um etwa 10 000 Köpfe absolut zurückging, macht die Führer der Nation nicht stutzig. Im Gegenteil, sie erwarten für ihren Kampf die begeisterffte Zustimmung im Inland und Ausland. „Es ist unmöglich", schrieb soeben das kosiuthMsche Matt „Budapest", „daß sich die Nationen Europas nicht an der Secke Un. garns stellen werden". ES ergibt sich freisich gleich darauf, daß mit „Europa" hier kante de mieux nur Serbien und seine Nachbarn am Balkan gemeint find, so daß wenigstens in diesem Punkte die ungarische Opposition eine erfreuliche Bescheidenheit verrät. Wohin die Koalition im übrigen jetzt steuert, ist noch ungewiß. Sicher wird sie ihren passiven Widerstand auf der ganzen Linie verschärfen. Doch tauchen hier und da auch schon verwegenere Kampfespstäne auf. Es ist doch mindestens bedenklich, wenn das Organ des Grafen Apponyi, das „Budapester Tageblatt", am 5. Februar imSperrdruck verkündigt: „Mit dem heutigen Tage wurde das Schicksal der Mo- narchie besiegelt", und an anderer Stelle erklärt: „Man kann auf die größten Aufregungen vorbereitet sein". Doch auch jeden neuen Sturm des madjarischen Adels gegen die Einheit Oesterreich- Ungarns wird die Regierung überstehen, wenn sie rechtlich urrd besonnen bleibt. B.
Die Konferenz in Algeciras.
Diejenigen, die mit Auftnerksamkeck die Arbeitsweise der Konferenz verfolgt haben, dürsten nicht erstaunt sein zu sehen, daß sie regelrecht von Punft zu Punkt fortschreitend ihr Programm entwickelt und ihm genau folgt, ohne Gelegenheit zu sensattonellen Zwischenfällen zu geben. Es wäre ein großer Irrtum zu glauben, daß die Dele
f einen Schreibtisch legte. „Ich habe es dreimal gelesen, teilweffe noch öfter."
Dann blieb sie neben dem Schreibttsch stehen.
Oertel hotte Korrespondenzen erledigt. Hanns sah mck ihren scharfen Augen, daß der obenauf liegend» Brief eine Rohrpostsendung an das Theater des Ostens war. Der Brief bestärkte sie in ihrem Enffchluß, unter allen Umständen sprechen zu wollen. Vielleicht war es die höchste 3eit
Sie beachtete eine ungeduldsame Bewegung ihres Gatten nicht, ebensowenig das kurze „Danke", mck welchem er ihren Aufenthalt im Ziirrmer beenden zu wollen schien, sondern sagte, scheinbar ganz ruhig, obgleich sic den Sturm Heraufziehen fühlle:
„Ich habe mck Dir zu spreche», — aber erlaubst, daß ich mich für einen Augenblick setze."
Sie wollte einen Stuhl holen, er sprang aber rasch auf und zog ihn zu dem Schreibtisch heran. Niemals vergoß er die äußeren Formen der Höf- lichkeit, die er seiner eigenen Frau noch mehr schuldete ats jeder anderen.
Sie setzte sich und er fragte:
__ „Du hast etwas mck mir zu besprechen? — Sel'iversiandlich. Ich sagte Dir schon, daß ich nachher nach Berlin muß, vorher aber Hobe ich noch zwei Briefe zu erledigen!. Also bitte, komm' schnell zur Sache."
„Gäviß, ich habe nicht die Absicht, weck auszu- holen. Ich bitte Dich um etwas."
Ihr Ton war ein derarttg bewegter, daß dec Gatte sie erstaunt anblickte; leise, aber fest, klang es:
„Ich bitte Dich, Lein Stück zurückzuzish«.
Noch ist es Zeit, und —"
Oertel zuckte zusammen und richtete sich auf dem Schreibseffel steck in die Höhe.
„Was heißt das?" fragte er. „Was soll das heißen? Mfte. ich verstehe den tiefen Sinn diHer wenigen Worte nicht." _ <.
gierten ihre Zeck vergeudeten, weck die Sitzungen weck auseinander liegen. Keine Arbeit ist prak- ttscher und nützlicher als die, welche sie während der zwischen den Sitzungen liegenden Zecken der- richten. Ein Delegierter einer der bedeutendsten Mächte sagte, daß diese Arbeitsweffe wenig Gelegenheit für die Sensation biete, aber den Erfolg der Konferenz sichere. Ein anderer fügte hinzu, daß die logische und prakttsche Entwicklung der der Konferenz vorliegenden Fragen sich in ganz natürlicher Weise, ohne besondere Spannung und ohne heftige und gefährliche Zwischenfälle, noch dem Grade der Interessen jeder Macht in Marokko richten und folglich jeder Macht völlige Genugtuung geben müsse. Seit zwei Tagen find die Privaten Besprechungen, in deren Verlauf all« Fragen berührt worden sind, bedeutend häufiger geworden. Man merft, daß der Zeitpunkt heran- naht, wo man sich wichtigeren Fragen zuwenden wird. Man muß bemerken, daß nicht nur die be. sonders interessierten Mächte an die Fragen mit dem Wimsch und dem Willen herantreten, sich $u verständigen, sondern auch die drei Großmächte, die man die nichtinteressierten Mächte nennt, nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika, Italien und Rußland. Es ist unmöglich, die Art einer der vorhergesagten Lösungen anzugeben, weck bisher keine offen voraeschlagen wurde. Wenn man die Delegierten frönt, so sind alle einmütig in der Forderung, daß die Presse wenigstens während einiger Zeit Stillschweigen beobachte, und die öffentliche Meinung der verschiedenen Länder auffordere, sich in Geduld $n fasten, während die Delegierten arbeiten, um eine Lösung herbeizuführen, die alle Interessen befriedigen werde. Man ließ durchblicken, daß die gegenwärtige Lage so heikel fit, daß die gerinaite Jnüis- kretion der Lösung Gefahr bringen könnte, aber es ist wahrscheinlich, daß sie in der laufenden Woche cm Fesfigkeit gewinnen wird. Ms dahin muß man das Publikum Var allzu sensationellen Nachrichten tarnten.
Algeciras, 7. Febr. Die heutige Vollversammlung der Konferenz begann nm 10 Uhr Vormittags und dauerte zweieinhalb Stunden. Den Gegenstand der Verhandlung bildete die Fortsetzung der Beratung über das Zollwesen und daS Tabakmonopol. Mehrere Ausfuhrzölle wurden herabgesetzt. Die Beratung deS vom Redaktionsausschuß ausgearbeiteten Entwurfs betreffend die Erhöhung der Einsuhrzölle wurde vertagt; der Entwurf soll gleichzeitig mit der Frage der Errichtung einer besonderen Kaffe verhandelt werden. Die nächste Sitzung findet am 10. Februar statt.
Staat und Kirche in Frankreich.
Paris, 7. Februar. In der Kirche St. Ferdinand des Ternes wollte heute Nachmittag ein Inspektor der Staatsgüterverwaltung die Inventaraufnahme fortführen, er wurde aber von etwa hundert jungen Leuten aus der Kirche
„Ich bitte Dich, Liebster, zieh' das Stück zu. ruck. Es eignet sich nicht zur Aufführung, es ist unmöglich."
Oertel wollte aufbrausen, seine Stirn überzog sich mit dunstem Rot, aber er mäßigte sich gewaltsam.
„Das Urteck über mein Stück," sagte er hart, „kannst Du mir überlasten und den dazu Berufenen. Wir wissen selbst sehr genau, was M hin ist."
„Liebster Mann," rief Hanns angstvoll, „ich bckte Dich, tote ich noch nie jemand bat. Du bist Partei, wer wird je sein eigenes Kind häßlich fin- den? Und bei Theatern spielt so vielerlei eine Rolle. _ Glaube mir, ich habe mck der festen Absicht wieder und wieder gelesen, das Stück gut zu finden. Hans, um Gottes willen, wenn Dein Stück auf geführt wird, sehe ich die Kritiker sich schmunzelnd die Hände reiben und Dein Stück vernichten. — Sie werden es tun."
„Sie werden es nicht tun!" rief er. „Und wenn sie es tun, was weiter? Diese Menschen empfinden tote alle nicht Schaffenden das dringende Bedürfnis, diejenigen herunterzureißen, welche schaffen. Aber die Gesellschaft macht noch lange nicht das Schicksal eines Stückes. Auf das Publikum kommt es an —*
„Das Publikum wird nicht anderer Ansicht sein. Liebster, — es kann nicht."
„Pardon, Hanns, daß ich es sage. Aber aus Dir sprütz eine Doreingenommenheft gegen meine Arbeit im allgemeinen, diese aber hier im besonderen, die mich zwar nicht wundert nach dem, was ich soeben habe hören müssen, die ich mir aber doch nicht wünschen möchte. Ich habe das Gefühl, Du bist mir gegenüber gar nicht mehr in der Sage, ein gerechtes Urteil zu fällen."
Sie wurde sehr blaß, blickte ihm aber ruhig in das Auge.
„Ein harter Vorwurf, ein sehr ungerechter, den ich einfach als ungehörig von der Hand weise.
vertrieben, die dann die Türen verschloffen uni verbarrikadierten und tue Sturmglocke läutete«.
Paris, 7. Febr. Der Appellhof für bei Zuchtpolizeigericht bestätigte die von dem Zucht» Polizeigericht gegen den Grafen de la Roche» foucauld wegen der Vorgänge in der Klothilden» ktrcke verhängte Strafe von drei Monaten Ge» fängnis, billigte tbm jedoch Strafaufschub zn.
St. Claude (Dep. Jura), 6. Febr. Gegv» Mittag wurden hier von einer Menge vm» Gegenmanifestanten, die etwa 2000 Person«» zählte, unter dem Gesänge der Carmagnole di» Fensterscheiben de» Bischofspalais und der Kathedrale eingeworfen. Sodann wurde ein» Seftenpforte der Kathedrale erbrochen, das Kirchern Inventar auf die Straße geworfen und mit Petroleum begossen. Als man dasselbe an» stecken wollte und dies von herbeigeeilte« x Gendarmen verhindert wurde, wurde eine Statu» der Jungfrau aus dem katholischen Kasino fett» geschleppt und in den Fluß geworfen.
Zur Lage in Rußland.
Aus den Ostseeprovinzen.
Aus Mitau wird gemeldet:
Das Abströmen der Deutschen über die Grenze hat nachgelassen. Die kurländische Hauptstadt Mitau, die bloß über 35 000 Einwohner zählt, bat jetzt reichlich 3000 Mann Militär in ihren Mauern, die vollständig ausreichen, tun die Ordnung aufrechtzuerhalten. Niemand, geht mehr mck dem Reväver aus. Die Familien ber deut, scheu Gutsbesitzer sammeln sich fast sämtlich m Mitau, denn auf dem Lande ist die Unsicherheck immer noch sehr groß. Seit dem scharfen Vorgehen der Feldgerichte sollen die Revolutionäre erklärt haben, daß sie fortan überhaupt feinen Deutschen mehr schonen werden, mich Frauen und Kinder nicht. Die Wut der Soldaten über d« barbarische Niedermetzelung ber Dragoner m Tuckum ist so groß, daß sie, wenn sie je ht Reinen Patrouillen ohne Offiziere umherstteifen, jeden Verdächtigen sofort niederschießen. Die revolutionären Agitatoren Verbrecken unter dem Landvolk di raffiniert ersonnene Beschuldigung, die Deutschen Hetzen das Mflitär gegen die Letten auf und erwecken damit einen glühenden Rachedurst, unter dem vereinzelte und u""°'ckmtzte Deutsche gewiß noch viel zu leiden haben werden.
Petersburg, 7. Febr. Aus Tucknm, wo zu Beginn der revolutionären Bewegung in den Ostseeprovmzen eine Anzahl Dragoner nieberge- metzelt wurden, wird laut „L.-A." jetzt über große Defraudationen berichtet. Das ganze Vermögen der Stadt, der Steuerverwaltung, dem Armenstift. den Sterbekaffen sowie dem Waisengericht gehörig, ist verschwunden, im ganzen ungefähr 150 000 Mark. Mit diesem Gelde und den Schlüsseln der cifemen leeren Geldschränke ist der Bürgermeister Martin Kremanns verschwunden, ber übrigens auch als lettischer Dichter durch fein Drama „Schicksalswellen" bekannt geworden ift
Du willst doch, daß Dein Stück ernst genommen wird? Es ist doch ein Schauspiel und keine —- —« leichteste Ware."
Sie wollte eigentlich Posse sagen und er etk gänzte sofort:
„Sage doch Posse."
Sein Zorn loderte heftig auf, und er ftiej heraus:
„Es dafür zu haften, bist eben nur Du in» stände." ..
„Wozu denn die Verse? Sprechen wir ix Versen?"
„Das ist meine Sache."
„Und toemt schon Verse, müssen sie wenigstens gut sein. Deine sind es vielfach nicht. Entschuldige, daß ich Dir meine Ansicht rücksichtslos äußere, denn ich als Deine Frau bin schließlich die Berufenste dazu. Wer soll es Dir denn sonst sagen, wenn nicht ich?"
„Der, welchen ich darum ersuche."
Das war ein Hieb, unter welchem die Fra« zusammenzuckte.
„Du hast mich nicht gebeten, das weiß ich" sagte sie^ganz leise. „Glaube mir, der Gang hier> her ist mir deshalb nicht leicht geworden. Ebenso genau aber weiß ich. Du würdest mich nicht rufen, käme ich nicht aus eigenem Antrieb. Ich will aber meinen Teil haben an Deinem Schaffen, ich habe em Recht zu diesem Verlangen. — D« siehst mich so an, meinst Du, mir fehlt Verstand und Intellekt dazu, weil ich ehr’ Frau bin?"
„Poche nicht darauf, daß Du den Doktor gemacht hast. Mein Gott, studiert muß jeder haben,1 der zum Beispiel im Staatsdienst auch nur auf unterer Stufe em Plätzchen erreichen will. Damck hat noch gar niemand den Beweis geliefert daß —" i
„Also doch!" unterbrach sie ihn hart und schroff so daß er betroffen schwieg. -
. ^Fortsetzung folgt.) j