mit dem Keeisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. /
Sonntagsbeilage: Illu striktes Sonntaasblatt.
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Neclamen: die Zeile 25 Via.
Marburg
Mittwoch. 7. Februar 1906.
Erscheint wöchentlich fieben mal.
Druck und Berlage Joh. Lug. Koch, UntvrrsttätsMuchdruckerei 41, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
ReueAe Telegramme.
Berlin, 6. Febr. Die .Nordd. Mg. Ztg.' schreibt: Eine Zeitungskorrespondenz hat sich »ngeblich au- Gmunden melden lasten, das deutsche Kaiserpaar habe nach dem Ableben bei Königs von Dänemark der Königin Marie von Hannover zwei besonder» herzlich gehaltene Telegramme gesandt. Wir stellen fest, daß diese Meldung unbegründet ist.
Hamburg, 6. Febr. Heut» Nacht gingen mit den Postdampfern .Gertrud Wörmann' und „8ulu Bohlen' 700 Mann und 800 Pferde nach Deutsch-Südwest-Afrika. Der nächste Transport geht am 28. Februar auf den Dampfern -Professor Wörmann' nnb .Eduard Wörmann' pon hier ab. Er besteht auL 2 Stabsoffizieren, 18 Oberleutnants und Leutnant», 700 Mann und 1000 Pferden.
Kaiferslartterir, 6. Febr. Die Reichstag»- erfatzwahl für den Abgeordneten Sartoriu» (6. Pfälzischer Wahlkreis Kaiserslautern-Kirchheimbolanden) ist auf Mittwoch den LI.März festgesetzt.
Kopenhagen, 4. Febr. In Hofkreisen wird die Meldung de8 Blattes .Danebrog', daß die Beisetzung des Königs am 14. oder 15. Februar stattfinden solle, bestritten. Man nimmt an, daß die Beisetzung vielmehr erst am 20. Februar erfolgen werde.
Petersburg, 4. Febr. General Grodekow reiste gestern Abend in Begleitung zweier Ee- neralstabSobersten und eine» Adjutanten nach Eharbin ab. Die Blätter wollen zuverläfiig wisien, Grodekow fei zum Statthalter de« fernen Ostens ernannt und werde wahrscheinlich auch den OberkommandierendenGeneralLenewitschersetzen.
Newyork, 4. Febr. Die Panama-Komis- fion reichte ihren Bericht ein, in dem der Bau eine« SchleusenkanalL empfohlen wird.
Hongkong, 5. Febr. Eine bewaffnete Bonde plünderte das HauS deS MiffionarS Dr. Beattie in Fati (Kanton). Die Jnsaffen wurden gebunden, der Kleider, der Taschenuhren und deS Geldes im Werte von 1000 Dollar beraubt. Nach dem Ueberfall wurde die Hilfe deS chine- fifchen WachtfchiffeS rachgesucht. DaS Gesuch wurde jedoch abgelehnt. Die Ausländer im Kanton-Distrikte find wegen der unzureichenden Polizei um ihre Sicherheit besorgt.
Unsere Schutzgebiete.
Dem Reichstage ist, wie schon berichtet, di» Denkschrift üb er die Entwickelung der deutsch en Schutz gebiete in Afrika und der Süd fee für da» Berichtsjahr 1904/05 zugegangen, die sich diesmal nicht mit auf Südwestafrika erstreckt. Ueber die Entwickelung der übrigen Schutzgebiete wird in den einleitenden Bemerkungen u. o. gesagt:
51 lRachdruck verboten.).
Die Brücke.
Roman von Willy Scharlan.
lFortsetzung.)
„Um Gotteswillen,— verurteilt? Plötzensee? rief Fräulein von Herzog, der ganz schwül zu Mute wurde. „Was machen Sie denn da?"
„In Plötzensee? Ah, Sie denken sich das viel schrecklicher als das ist. Ich schlafe mich gründlich aus. wozu ich sonst keine Zeit habe, werde je nachdem mit Wolle zupfen, Holz hacken, Teller abwaschen oder ähnlichen den Geist anregenden Arbeiten beschäftigt, und treffe meistens gute Bekannte."
Nun sah ihn Fräulein von Herzog völlig erstarrt an.
„Sie dürfen mich aber nicht verraten, gnädiges Fräulein. Noch habe ich keine Zeit zum Ausschlafen. In einigen Wochen klopfe ich freiwillig an Plötzensees gastliche Pforten."
„Aber ivas tun Sie denn immer, daß man ote cinfoerrt?" wagte die junge Dame zu fragen. _ "Das weiß ich nicht, andere, zum Beispiel der Staatsanwalt, — übrigens ein liebenswürdiger Herr, den ich genau so hoch schätze wie er mich, meinen, ich rüttele ein bißchen zu stark an den Grundpfeilern von Staat und Kirche. Aber wo nimmt nicht, — ich schüttele nur an einem Baum, an welchem zu viel Fallobst hängt. Das must herunter. Der Baum ist doch gut, — also wfien mir ihr, ruhig stehen."
.. . machen Sie sich schlechter als Sie !>ndnahm jetzt Frau Hanns das Wort.
. ich nicht, gnädige Frau, — namentlich «tm. Damen gegenüber. Ich wollte nur sagen, öatz es nicht meine Schuld ist, wenn ich manchmal gezwungen bin, inkognito zu reisen. — Nun «Tt es ja leider durchbrochen."
Die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete hat, wenn von Südwestafrika abgesehen wird, um 581 Köpfe von 3434 auf 4015 Köpfe zugensmmen. Bon dieser Zunahme fällt der Hauptteil mit über 400 Köpfen auf Ostafrika, wo eine starke Zuwanderung von Weißen stattgefunden hat, die fich teilweise als Ansiedler niedergelaffen haben, teilweise beim Eisenbahnbau beschäftigt werden.
WaS die einzelnen Erzeugnisse der Schutzgebiete anlangt, so hat die Gewinnung von Kautschuk in den hierfür in Betracht kommenden Gebieten sehr stark zugenommen. Die Ausfuhr auS den drei tropischen deutschen Schutzgebieten Afrikas ist von 1903 auf 1904 von 11367 D. - Ztr. im Werte von 4881000 Ml. auf 18 989 D.-Ztr. im Werte von 6 575 000 Mk. gestiegen. Die Schutzgebiete haben also au» der günstigen Weltmarktskonjunktur für Kautschuk im Berichtsjahr erheblichen Nutzen gezogen.
Di« Poduktion von Oelfrüchten hat tm allgemeinen weitere Fortschritte gemacht. Insbesondere war in Ostafrika die Steigerung der Ausfuhr von Sesam und Erdnüssen eine bedeutende. In Kamerun hingegen ist die Ausfuhr von Palmkernen und P -lmvl im Jahre 1904 im Zusammenhang m't der Stockung im Handel, die nach der Zollerhöhung während einiger Monate deS JahreS 1904 eintrat, stark hinter der Ausfuhr der Vorjahre zurückgeblieben.
Ein bemerkenswerter Fortschritt ist im Anbau von Baumwolle in Ostafrika zu verzeichnen; zum ersten Male hat dort die Produktion einen nennensmerten Umfang erreicht. Di» Ausfuhr von Rohbaumwolle über die Küstengrenze OstafrilaS, die 1903 nur 9292 Kilogramm im Werte von 7313 Mk. betragen hatte, stieg 1904 auf 188 140 Kilogramm im Werte von 133 892 Mk. Hierbei sei besonder« darauf hingewiesen, daß von diesen 188140 Kilogramm 150084 Kilogramm auS den Bezirken Tanga und WilhelmStal stammen, deren Bevölkerung fich an den jüngsten Unruhen in Ostafrika, die zum Teil auf dis Heranziehung der Eingeborenen zum Anbau von Baumwolle zurückgeführt worden find, nicht beteiligt hat. In Togo find in dem Anbau von Baumwolle ebenfalls Fortschritte gemacht worden, wie die Steigerung der Ausfuhr anzeigt. Bon den Bemühungen deS Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee», die Eingeborenen zum Anbau von Baumwolle al» Zwifchenkultur von Mais zu veranlaffen, darf eine weitere Zunahme ber Baumwollproduktion in Togo erwartet werden. In Kamerun endlich, wo in verschiedenen Teilen deS Schutzgebiets Baumwolle geringerer Qualität vorkommt, beabfichtigt die Verwaltung in Verbindung mit dem Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee an g»eigneten Plätzen die Eingeborenen zum rationellen Anbau der Baumwolle anzuleiten.
Roden war durchaus nicht frei von Eitelkeit. Er betonte es gern, daß er ein Märtyrer der guten Sache fei, und feine 'Selbstzufriedenheit wurde durch ein darauf zielendes Gespräch angenehm gekitzelt. Diese Eitelkeit spielte aber jetzt die geringere Rolle. Er wollte Frau Hanns möglichst schnell von dem unliÄsamen Besuch befreien und der Gesellschaft drüben zeigen, es läge Oertels auch nicht so viel an chr. Dies kleine Mftgliod- chen der hiesigen vornehmen Gesellschaft gruseln zu machen, war ihm nebenbei ein ungemeines Vergnügen.,
Und er sprach mit einer Unbefangenheit von Sachen, von denen Fräulein von Herzog nichts wissen durste, auch offiziell nichts wußte, daß Hanns von Zeft zu Zeit abwinken mußte. Witzig und geistreich hechelte er einzelne Zustände durch, und die junge Dame hörte andächtig zu.
Ihr war, als ginge sie am Rande eines Abgrundes und lernte gruseln.
„Dort hinten kommt mein Mannl" rief Hann» plötzlich, und Fräulein Gabriele stand rasch auf.
„Ich muß wieder hinüber zu Frau von Schulz, sagte sie beklommen, denn ihr war, als erwachte sie aus einem Traum. „Wir wollen gar nicht lange bleiben. Aber am letzten Tage muß man schon der Musik zeigen, daß man Interesse für sie hat."
Roden hüstelte.
„Am letzten Tage", wiederhofte er mit sonderbarer Betonung.
Und Fräulein von Herzog hatte sich selbst wieder.
Die Verbeugung, mit der sie den mehrfach mit Gefängnis bestraften Redakteur beim Abschied grüßte, war eine derart hoheitsvolle, so von oben herab, daß die Zurückbleibenden sich ansahen und schnell dem sich nähernden Oertel entgegen gingen — um nicht laut aufzulachen. . .......
Der Außenhandel bet deutschen Schutzgebiet» ausschließlich derjenige« von Südwest- afrika, der au» den im Eingang angeführten Gründen hier außer Betracht bleiben muß, hat in Einfuhr und Ausfuhr einen Wert von 60 937 590 Mk. erreicht. Gegenüber dem Jahre 1903 mit einem Umsätze von 55912 682 Mk. bedeutet dies eine Zunahme von 5 024 908 Mk., die sich fast gleichmäßig auf Einfuhr und Ausfuhr verteilt. Diese Zunahme ist fast ausschließlich dem wirtschaftlichen Fortschritt OstafrikaS zu verdanken, besten Handel allein um über 5 000 000 Mark gestiegen ist. Bei ben anbeten Schutzgebieten hat sich der Handel von Kamerun und Togo um eine Kleinigkeit gehoben, der Außenhandel der Südseeschi-tzgebiete ist hinter demjenigen deS Vorjahres infolge einer beträchtlichen Abnahme der Einfuhr zurückgeblieben.
Die beiden Kolonialbanken, deren Errichtung im vorigen Bericht angekündigt wurde, haben im Sommer 1905 ihren Betrieb eröffnet. Die Deutsch-Westafrikanische Bank, welche außer in Togo auch in Kamerun arbeitet, ist von der Dresdner Bank in Dresden und Berlin in Verbindung mit der Deutsch - West afrikanischen Handelsgesellschaft in Hamburg gegründet worden.« An der Errichtung der Deutsch-Ost- afrikanischen Bank ist neben der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft da« Bankenkonsortium der Morogorobahn unter Führung der Deutschen Bank beteiligt. Da auf diese Weiie einerseits die GeschästSkenntniS und Erfahrung bedeutender, seit Jahren in den in Betracht kommenden Schutzgebieten ansässiger Firmen den Zwecken der Bank dienstbar gemacht find, anderseits die Banken an großen hämischen Finanzinstituten den notwendigen Rückhalt haben, so darf erwartet werden, daß die Tätigkeit der beiden Banken für die wirtschaftliche Entwicklung unserer tropischen Kolonien in Afrika eine wesentliche Förderung bedeuten wird.
Die Rechnungsergebnisse ber letzten Jahre zeigen, daß die Bemühungen der Kolonialverwaltung, die in früheren Jahren recht erhebliche Fehlbeträge in der Wirtschaftsführung der Schutzgebiete zu vermeiden, nicht ohne Erfolg geblieben sind. Die folgende Ueberficht über die Gesamteinnahmen und -auSgaden der Schutzgebiete (einschließlich Südwestafrika) während der Jahre 18 6/97 bis 1904 erweist die» deutlich:
Ausgaben
Einnahmen stinschlirßlich Ersparnis Fehlbetrag
iooo gut
Restausgaben)
H0u 'UL
1060 Mk.
10C0 3JIL
1896/97
12 2z3
13485
—
1262
18'7/98
11677
15087
—
3410
18n8
13902
17525
——
3623
18.,9
20600
23079
—
2479
1900
24 050
27.66
—
3216
1901
25501
2-897
8ö96
1902
25 256
26 277
_
1021
1903
80563
29286
1277
——
1904
135283
134200
1083
—
Der Kampf in den Parijer Kirche«.
Paris, 5. Febr. Wegen Beteiligung a» ben Ruhestörungen in ber Elothildenlirche wurde» vom Zuchtpolizeigericht die Angeklagten de le Ehevallerie zu drei und be Tocqueville zu biet Monaten Gefängnis, beibe mit Strafaufschub verurteilt.
In ber Kammer bemühten sich mehrere 6ee rikale Deputierte von bet Regierung einet Aufschub bet Inventaraufnahme in bet Kirche» zu erwirken, boch erklärte Ministerpräsident Ronvier sofort bem Deputierten Berry, baß daß Separationsgesetz ohne Unterbrechung und ohu» Ausnahme ausgeführt werde.
Die Strafkammer verurteilte mehrere jungt Leute, die fich am Donnerstag in der Klothilde» kirche an dem Steuerbeamten tätlich vergriffe» hatten, zu empfindlichen Freiheitsstrafen. Detz Sohn des Generals Petit erhielt sechs Monat» Gefängnis.
Paris, 6. Febr. Der Superior Pate» Ledore hatte, von Rom zurückkehrend, gesagt, der Papst sehe die Verfolgung der Kirche gern, weil sie Martyrium bedeute und die Gläubige» zu religiösem Eifer anfache, doch zögere bet Papst, bieS öffentlich zu sagen auS Furcht, keine» Gehorsam zu findene Gestern veröffentlicht« bet »Offervatore Romano" ein Kommunique, daS besagt, baß der Papst niemandem feint Gedanken bezüglich Frankreichs mitgeteilt hätte und deshalb alle Schlußfolgerungen eitel seien. — Daß manche Kreise im Vatikan so denken wie man dem Papst zuschreibt, ist jedoch richtig. Wenigstens wünschte Kardinal Oreglia schon im Dezember einen heftigen Kulturkampf, welcher der Kirche zum Heile dienen könnte.
Paris, 5. Febr. Die Inventaraufnahme in den Kirchen der Departements wurde heute fortgesetzt. Feindliche Kundgebungen werde» auS Besantzvn, Auch, Montpellier und andere» Orten gemeldet.
Paris, 5. Febr. Die Inventaraufnahme, die heute hier in einer Anzahl von Kirche» stattfand, ging ohne Zwischenfall vor fich. Auch in ben Vororten ist eS bis heute nachmittag 5 Uhr zu Zwischenfällen nicht gekommen.
Zur Lage in Rußland
Petersburg, 5. Febr. Die Nachricht von bee Schließung des polytechnischen Instituts in Warschau wird von dem Handelsminister in Abrede gestellt.
Berlin, 5. Febr. Wie dem „B. T." auS Po» ersburg gemeldet wird, soll der. Ministerrat b» chlossen haben, für die Zukunft die Einschränkung >er Aufnahme von Juden auf russischen Univerität en aufzuheben. Jedem Juden mit dem Reife« zeugnis ist in Zukunft die Aufnahme auf der Hochschule gesichert.
„Sie haben aber doch meine Erlaubnis, die junge Dame abzufertigen, sehr mißbraucht", meinte Hanns vorwurfsvoll. „Sie gehen davon, und ich werde die Kosten zahlen müssen."
„O, o —" erwiderte er bedauernd. „DaS tut mir leid. Wissen Sie, ich gehe sofort hin und entschuldige mich."
„Das bringen Sie fertig", erklärte sie. „Aber hübsch war es nicht, mein Vertrauen zu Nnen wird ins Schwanken geraten."
„Das will ich nicht hoffen", meinte er nun ernstlich bedauernd. „Ich würde das schmerzlich empfinden. Jedenfalls darf ich, wenn ich auf Zusendungen von Ihnen rechnen fann. Ihnen strengste Verschwiegenheit und absolute Wahr- haffigkeit zusichern."
Sie nickte, dann kam Oertel näher.
16. Kapitel.
In den letzten Septembertagen zogen Oertels nach Friedenau. Richt in die aÜe Wohnung, welche er mit Marga früher inne hatte, sondern in ein nettes, kleines Einfamilienhaus auf der Moselstraß«.
Der Umzug brachte Geräusch, Tumult, Unruhe mit sich und das Gefiihl schrecklichen Unbehagens, alles Begleiterscheinungen derartiger Fa. mstiensestlichkeiten; aber Frau Hanns wußte ferne Schrecken doch wesentlich zu mildern. Es gelang ihr, in unglaublich kurzer Zeit der Stadtwohnung, wie sie im Gegensatz zur Villa Lingen genannt wurde, ein behagliches Ansehen M ver- lechen.
Oertel erkannte das dankbar an, und feine Frau bemerkte mit Freude, wie wohl ihm war, wenn er, von Berlin kommend, fich in den schönen, wohnlichen Räumen erging. Dann besprach er. die häuslichen AngÄegenheften, bedankte sich für ihre Mühe und Sorgfalt und war von einer Heiterkeit, die. sie glücklich machte. ES sollte ihm ja zu Hause am wohlsten fein. . _ ....
Nie aber erwähnte er auch jetzt seine Arbeite» oder die geschäftlichen Wege, welche ihn in BeUi» bald hierhin, bald dorthin führten.
Aber vielleicht wir dies weniger Absicht all Zufall und Hanns benutzte den ersten Abend,, a» welchem sie behaglich in ihrem Salon saßen, ihr» ihren Wunsch klarzulegen.
„Bist Tw mit dem Stück ganz fertig?" frad» sie und beobachtete nicht ohne eine gewisse Be- klomemnheft die SBirfung der ohne Einleitung
gesprochenen Worte.
„Vollständig," erwiderte er ruhig und i» einem Tone, der seine Zufriedenheft nut diesem Faktum bekundete.
„Dars ich es nicht lesen?" lautete ihre zweit» Frage. .
Oertel besann sich einen Augenblick. Eigent, lich war diese Frage ihm gegen feine Absicht, den» er wollte seine Frau ganz unvorbereitet an de» Triumph der Erstaufführung teilnehmen lasten. Aber Wießlich, was verschlug es, wenn sie dal Stück vorher las und — es war ihre erste Bitt» in der neuen Wohnung. .
So stand er auf und sagte, indem er der TM zu seinem Zimmer zuging: „Ich hole eB Di», Schatz." . t I
Einige Minuten später kam er rmt dem Mai»' nuskript zurück und legte es auf den Tisch. q
„Ich muß Dir leider ein sehr undeuilicheG Eremplar geben, da dir letzten Maschinendurch«, schlüge etwas blaß wurden,. Tie Druckexemplarß, aber sind noch nicht fertig. Auch ist daS ExempbM nicht unterstrichen, immerhin aber wird e» geben."
Sie dankte ihm und trug das dicke Heft g», ihrem Schreibtisch, in welchen sie es verschloß. .
„Und so, wie eS ist, ist es fertig?" fragte ftfc „Ja, — es ist kein Wort zu ändern, ftnm übrigens auch gar nicht geändert werde», twm das Stück ist in Versen geschrieben." J