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mU dem Kreis-latt für die Kreise Marburg und Kirchham.

Sonntagsb-ilage: Allustrirtes Sonntaasblatt.

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M 30

Dem Plärrer gelang es endlich,

Mörder".

imnrer fortzuspuken scheint. Nichts wäre bekla­genswerter, als wenn aus den fortgesetzten An- rempelungen der deutschen Delegierte, die diese Herren nach Paris telegraphieren, irrige Rück- schlüsse cruf die Auffassung der amtlichen Ver­treter Frankreichs gezogen würden. Deren offi­zieller Verkehr mit den deutschen Kollegen sowohl wie namentlich auch ihre zwanglosen halbamtlichen Besprechungen miteinander, seinen nicht bloß in der Forni sehr konziliant, sondern auch in'der Sache so ersprießlich, wie nach Lage der Dinge überhaupt möglich sei. Die in der Presse zutage tretenden krampfhaften Bestrebungen, eine vor­zeitige Präzisierung des deutschen Standpunktes in der Polizeifrage herauszulocken, seien nichts als ziemlich plumpe journalistische Versuche, der Di­plomatie ins Handwerk zu pfuschen.

einigen, daß ein dritter die Führerschaft der unionistischen Partei antritt, und als solcher wird Walter Lang genannt.

Tokio, 4. Febr. (Reut-r.) In einer Sitzung des Vudgetausschusfes erklärte heute der Ver­treter der Regierung auf eine Anfrage, es werde erwartet, daß der Tonnengehalt der Flotte in dem Finanzjahre 1907/08 ans 400000 Tons erhöht werde.

Sevtzrin, St. Paul, Notre Dame de la Gare und St. Anne im Stadtteil Maison Blanche ohne Störungen vor sich.

Paris, 3. Febr. Da« Zuchtpolizeigericht erkannte gegen Personen, die innerhalb enb außerhalb von Kirchen Kundgebungen veran» staltet hatten, auf leichte Haftstrafen. Von de» bei den Vorgängen in der Kirche Saint Pierre du GroS-Caistou verhafteten zwei Munizipalräten ist einer namens Merh freigefprochen, das Ver­fahren gegen den zweiten, Lambolin, vertagt worden.

Montpellier, 3. Febr. Als die Do» mänenagenten heute das Inventar der hiesigen Kathedrale aufnehmen wollten, sanden sie die Kirche von mehreren Tausend Personen besetzt und mußten von ihrem Vorhaben abstehen. ES kam zu einigen Zusammenstößen ohne ernsterer Charakter.

Paris, 4. Febr. AuS Rom mird berichtet, daß die in den hiesigen Kirchen bei der Inven­taraufnahme vorgekommenen Ruhestörungen in vatikamschen Kreisen einen tiefen Eindruck her­vorgerufen haben. Ein hoher kirchlicher Würden­träger erklärte einem Berichterstatter, er begreif« die Gefühle der französischen Katholiken voll­ständig, aber der Versuch zum Widerstande sei nicht gut gewählt, da die Inventaraufnahme lediglich denZweck habe, dieUebergabe des Kirchen» eigentumS zu sichern. Unter den Geistliche« des Vatikans seien die Ansichten über die Wider­standsbewegung geteilt; die einen billigten, die andern tadelten sie. Man glaube, daß der Papst den Bischöfen unverzüglich die Weisung geben werde (ist inzwischen geschehen), den Katho­liken von jeder Gewalttätigkeit abzuraten und die Durchführung der Inventaraufnahme zuzu- laffen. Man befürchte in vatikanischen Kreisen, daß die Fortsetzung des gewalttätigen Wider­standes die französische Regierung zu ZwangS- maßregeln veranlassen könnte, die für die Freihest der Kirche gefährlich wären.

Zur Lage in Rußland

A«3 den Oöseeprovinzen.

Die Kriegsgerichte in den baltische« Provinzen gehen mit eiserner Strenge gegen die Schuldigen vor. In den letzten zwei Wochen wurde eine große Anzahl Revolutionäre erschoffen, allein in Fellin 53 Mann, und zwar bie Urheber der Verwüstungen in den Kreise« Fsllrn und Weißenstein. Sie alle waren, wie derß. A." berichtet, unmittelbar nach ihrer Festnahme ins Gefängnis geschafft worden, wo ihnen erklärt wurde, daß schon am nächste« Tage die Todesstrafe sie ereilen werde. Die Verhafteten fielen auf die Knie und baten den Rittmeister Grafen Siewers um Gnade, doch veracblich. Mtt oeMWten b=n wurden sie

Die Konferenz in Algeciras.

Algeciras, 3. Febr. Die heutige Sitzung dec Konferenz dauerte von 10 Uhr vormittags bis gegen Mittag. Heber die marokkanischen Zollvor­schläge wurde ein fortgesetzt prinzipielles Einver­ständnis sämtlicher Mächte inbezug auf einen mäßigen Zollzuschlag festgestellt. England machte einen Vorbehalt betreffend' die Kontrolle und dre Verwendung der Mehreinkünfte, womit die Ma­rokkaner nicht völlig einverstanden waren, doch ist zu hoffen, daß ein völliges Einverständnis erzielt wird. Die Westerberatung findet Mtt- woch Vormistag nach den mohammedanischen Feiertagen statt.

Algeciras, 3. Febr. Nach dem amttichen Be­richt über die heutige Sitzung der Konferenz prüfte diese dm Entwurf der marokkanischen De­legierten betreffend Erhöhung der Zölle auf die Wareneinfichr im allgemeinen. Die Konferenz beschloß, einen Redaktionsausschuß mit der Un­tersuchung zu betrauen, zu welchen Bedingungen ein leichter Zuschlag in der Form von Zuschlags- Hundertsteln zu einzelnen Zöllen eingeführt wer­den könnte. Die Konferenz begann sodann die Beratung der Frage, welche Verbesserung an der Wahrnehmung des Zolldienstes selbst eingeführt werden könnte und namentlich an der heute von den Zollbeamten geübten Art, die Höhe der zu erhebendm Zollsätze bei verschiedenen Warengat- tnngm zu bestimmen. Darüber soll ein Entwurf ausgearbeitet und in einer der nächsten Sitzungen der Konferenz unterbreitet toerben. Am Mitt­woch tritt die Konferenz wieder zusammen.

Algeciras, 3. Febr. Bei der heutigen Wester- beratung der marokkanischen Finanzrcformpro. jefte wurde von den Vertretern der Mächte, ins­besondere von Nicolson im Namen Englands mit Bezug auf die zu erhöhenden ober zu schaffenden Zölle sehr nachdrücklich die Notwendigkeit der Schaffung enter strengen europäischen Kontrolle der Erttäge betont, um diese ben Reformen dienst­bar zu machen. Die Marokkaner nehmen diese Erträge dagegen voll für den Maghzen in An­spruch. Bei der Westerberatung am nächsten Mittwoch dürfte sich indessen eine Verständigung erzielen lassen.

Aus Algeriras läßt sich derLok.-Anz." fol- gendes berichten:

Der französische Bevollmächtigte Revoll äußerte gesprächsweise sein lebhaftes Bedauern, darüber, daß in den Köpfen einiger der betriebsamsten der hier anwesenden zahllosen französischen Zei­tungskorrespondenten die Delcafscksche Politik noch

Der Kampf in den Pariser Kirchen.

Im Justizpalast stehen bewegte Sitzungen bevor, da vier Pariser Pfarrer, unter ihnen Leclerc, der Pfarrer von Saint-Roche, für die nächste Woche vors Polizeigericht zitiert wurden. Die Stimmung in den aristokratischen Kreisen ist andauernd kampsfluftia; man rechnet stark auf eine umfassende Aktion in der Provinz. Die Negierung ihrerseits ist auf eine Mittel bedacht, die aufreaenden Szenen sich nicht wiederholen zu lassen. Folgender Vorschlag wird laut Meldung desL.-A." erwogen: Die P'arrer sollen einzeln zur Behörde gebeten werden, um ihre Jnventartabellen vorzulegen und deren Richtigkeit zu beeiden. Der Pfarrer der Klotildenkirche wurde wegen eines unge­ziemenden Schreibens an den Erzbischof von Paris, Kardinal Richard, worin diesem Unent- schloffenbeit vorgchalten wird, vom Kardinal verarlaßt, seine geistlichen Funktionen sofort einzustellen.

Hebet ben Verlauf d-s blutigen Kampfes um die Kirche Saint-Pierre du Groscaillou haben wir bereits in der Samktag Nummer ausführlich berichtet. Einzelheiten davon werben noch in folgendem Telegramm mitgeteilt:

Paris", 4. Febr. Als die Wachmänner mühsam dw.ch eine Oeffnung in der Barrikade das I nere der Kirche Gcoscaillou betraten, fausten auf jeden Kopf, der aus der Oeffnung auftauchte, Bleistockhiebe nieder. Erst als 20 Wachleuten celang einzudringen, nahmen diele ihre Revanche und schlugen drauflos. Während man die blutüberströmten Personen, Wachleute und Manifestanten, aus der Kirche trug, hatte der Polizeipräfekt Lepine einen heftigen Auftritt mit Baron Reille, der keines anderen Wortes mächtig war, als

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck imb Verlag- Joh. Aug. Koch, UmversttStS-Buchdruckerei 41. Jllhrg« Marburg, Markt 21. Telephon 55.

den Baron Reille zu besänftigen.

Paris, 3. Febr. Die Jnventuraufnahme ging heute nachmittag in den Kirchen St.

Vierteljährlicher Bezugspreis da oei Erpchiticm 2 ML, bei allen Postämtern 2,25 ML ^excl. Bestellgeld).

Jinertionsgeöühr: die gespaltene Zeile ober ücren Raum 10 Pfg. Rcclamen: die -teile 25 Psa.

Marburg

Dienstag 6. Februar 1906.

Neueste Telegramme.

Berlin, 4. Febr. Dem .Vorwärts' zu- /olgs richteten die preußischen Mitglieder des sozialdemvlratischen Parteivorstandes eine Peti­tion an die beiden Häuser des preußischen pandtageS, in der es heißt, der Landtag wolle beschließen, die Regierung aufzufordern, so schleunig wie möglich den beiden Häusern des Landtages einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch jben alle Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts, die daS zwanzigste Lebensjahr zurück­gelegt haben, das allgemeine,, gleiche, direkte Und geheime Wahlrecht für die Wahlen zum Landtags erhalten, und daß diese Wahlen auf Grund der Verhältnisse des Wahlsystems statt- sivden.

Frankfurt, 4. Febr. Heute Vormittag fand in dem neuen Albert Schumann-Theater eine von etwa 5000 Personen besuchte öffentliche Protestvsrsammlung gegen den preußischen Schulaeletzentwurf statt. Den Vorsitz führte der Präsident der Stadtverordnetenversammlung Justizrat Dr. Friedleben. Nach Referaten von Oberlehrer Dr. NierhanS für die National- sozialen, Direktor Prof. Keller für die National- liberalen, Dr. Quarck im Namen der Sozial­demokraten und Frl. Adele Schreiber für die Frauen (doch wohl nur für radikale Frauen­rechtlerinnen. Red.) wurde eine Protestresolution angenommen, in der u. a. Beteiligung der Frauen an der Schulaufsicht gefordert wird. An der Diskussion nahmen auch die LandtagS- ab geordneten Oeser und Funk teil.

Wien, 4. Feb. Gestern fand unter dem Vorsitz des Kaisers ein gemeinsamer Minister­rat statt, an welchem die Minister Graf GolnchowSki Pitreich und Durian teilnahmen, und der sich mit den Propositionen der ungarischen Koalition beschäftigte. Weder Fejervarh noch Androfsh wurden zugezogen.

Papis, 3. Feb. (Agence Havas.) Kontre- admiral Fouques de JonquiöreS ist an Stelle des Kapitäns zur See Grafen Sugny zum Marine-Attache bei der französischen Botschaft in Berlin ernannt worden.

Stockholm, 4. Feb. Die schwedischen Handelsvertrags-Delegierten, die am 5. Februar zur Weiterführung der Verhandlungen nach Berlin abreisen, sollen sicherer Quelle zufolge jetzt sämtlich von dem Nutzen eines Vertrages überzeugt sein. Zwei derselben waren bisher Gegner des Vertrapes.

Lsndorr, 4. Febr. Balfour und Chamber­lain hatten eine Zusammenkunft, um die Frage der Führerschaft der unionistischen Partei zu -beraten, Es verlautet, Chamberlain werde die Führerschaft Balfours nur annehmen, falls dieser seine Tarifpolitik unbeschränkt übernehme; andernfalls durften sie sich vielleicht dahin

51 < Nachdruck verboten.)

Die Brücke.

Roman von Willy Scharla«.

(Fornetzung.l

Es ist schade inn den schönen Stoff," sagte er nach geraumer Zeit, als sie schon im Park waren und mit einem Umweg den Konzerrplatz beim Belvedere zu erreichen silchten.So wie die No- volle und auch das Stück schließt, ist es ein Ver­sanden des Konflikts, ober keine Lösung."

_Das tage ich auch," erwiderte sie mit ihrer tiefen Stimme, deren Ton ihm so ungemein syrn- patifch war. ^,Es gibt nur ein völliges Finden oder eine Trennung. Dazwischen liegt keine Lö­sung der Frage."

Ich bin ganz Ihrer Ansicht, gnädige Frau," sagte er rasch.Sie haben jetzt so viel Zett, wes­halb luagen Sie sich nicht an den Stoff? Er liegt obrer AnschauungÄveise durchaus."

Woher lvollen Sie die f ernten?"

Aus allem, was Sie in den letzten Jahren taten und leisteten, und nicht am wenigsten gegen ben Wunsch und Willen Ihrer Umgebung. Sie besitzen feinen Eigensinn, leiden auch nicht an Erößemvahn, aber haben einen festen Willen uttb die Ueberjeugung vorn Wert Ihres Jchs. ^ch pflege die Menschen nur nach Ihrem Tun

beurteilen, denn die meisten sind .Heuchler."

Ich habe den Stoff schon bearbeitet, mein drück liegt fertig im Schreibtisch."

Ah," rief er und blieb unwillkürlich stehen, wobei er ihr scharf in die Augen blickte.Weiß w darum?"

Sie schüttelte den Kopf.

Und er wird es nicht erfahren. Es ist mein ®tiirf, ein Versuch: und es bleibt mein." > .So darf ich es auch nicht lesen? Es würde wir nicht nur ein großes Vergnügen, auch in je. *er Richtung von großem Interesse fern."

Sie verneinte wiederum energisch durch eine Kopfbewegung.

Nein, ich schrieb es für mich: gewisser­maßen als eine Kraftprobe."

Und Sie sind mit derselben zufrieden?"

Die Frage bleibt unbeantwortet, Herr Roden."

Von rechts herüber klangen die Klänge eines Milttärmarsches zu ihnen, sie näherten sich, dem Belvedere, vor dem die Musikkapelle konzertierte.

Hier und da saßen Gruppen von Zuhörern. An einem abseits gelegenen Tisch nahmen die beiden Platz, nachdem Oertel im Vorübergehen Herrn und Frau von Schulz gegrüßt hatte, welche an einem Tisch in der Nähe saßen. Roden be­merkte, während er grüßte, die erstaunten und mißbilligenden Gesichter der kleinen Gesellschaft.

Sollte man Ihnen in der Tat ein so un­schuldiges Vergnügen wie den Besuch eines Kon- zertes im Freren verargen?" fragte er.

Es scheint sch ist übrigens den hiesigen Ge- flogenbeiten durchaus entsprechend. Vor drei Wochen heiratete mein Bruder in Hamburg. Er war bei Papas Tod schon verlobt. Hochzeit und alles andere war auch schon festgesetzt. Für Den- kende verstand es sich also von stibst, daß die Ver­bindung auf ein Jahr hinausgeschoben wurde. Ihm kamite man es nicht Übelnehmen, aber mir."

Fuhren Sie denn nach Hamburg?"

Nein."

Und doch?"

Da mein Bruder nicht hier ist, klagte man über meine Pietätlosigkeit und den Mangel an Takt. Man muß doch jemand haben, auf den man schmähen kann. Und nun gehe ich gar hier­her. Ich muß wohl in den Augen der Menschen ein furchtbares Menschenkind sein."

Und hier halten Sie aus, in diesem Sumpfe hier? Ohne zu ersticken? Kommen Sie bald nach Berlin, gnädige Frau, Sie werde« sehen, daß es sich dort besser leben läßt."

Sie bewegte verneinend den Kopf.

Roden saß so, daß er die kleine Gesellschaft an dem anderen Tisch beobachten konnte. Die vier sprachcn eifrig zusammen, chre Blicke flogen häufig herüber, also waren Frau Oertel und er der interessante Gesprächsstoff.

Aber das füntmerte ihn wenig. Ihn interes- fierte die junge Frau neben ihm viel zu sehr, als daß er der Unterhaltung mehr Aufmerksam­keit schenken sollte, als sie verdiente.

Horst Roden wußte ein Gespräch so zu führen, wie es ihm beliebte, und jetzt lag es ihm daran, unbemerkt ihren Charakter, ihr Sein und Wesen zu ergründen. Und ohne seine Absicht zu bemer­ken, gab sich Frau Hanns ganz so wie sie war.

Und das um so lieber, als der Wunsch, sich mitzuteilen, eine« Menschen der wie sie dachte und fühlte zu finden, in ihr latent war.

Und immer schlug Rode» geschickt die Sette an, welche schon geneigt war, von selbst zu tönen.

Offen sprach sie von ihrer Absicht, sich der schrifti'-llerischen Laufbahn zu widmen, bat um Rat und Hilfe, die sie bei ihrem Gatten kaum finden dürfte.

Horst Roden war befriedigt. Jetzt hatten sie nicht nur Anknüpfungs- und Berührungspunkte, fonbern auch ein Geheimnis, von dem der Gatte nichts Mißte und nichts erfahren sollte.

Das war mehr, als er noch vor kurzem er­hoffen durfte, und feine Sache war es dabei, diese Beziehungen sich nicht lockern zu laffen.

Mötzlich ertönten rasche, leichte Schritte neben ihnen.

Hanns blickte auf und sah in das verlegene Gesicht des älteren Fräulein von Herzog, wÄches kam, sich nach dem Befinden der Frau Doktor zu erkundiget.

Merkwürdig! dachte die junge Frau als sie aufftanb, um freundlich, wenn aud) kühl die junge Dame zu begrüßen. Wichtig stellte fie Richen vor:

Herr Horst Rodcn."

Aber gnädige Frau!" meinte der scheinbar unangenehm berührt,wwu meinen Vorname« nennen. Nun Weitz das gnädige Fräulein, daß es den entsetzlichen Redakteur der Utopien vor sich hat, und eigentlich bin ich doch inkognito hier. Sie könnte doch nicht wissen, ob nickst wie­der einmal ein Haftbefehl hinter mir her ist."

Fräulein von Herzog zuckte von dem Stuhl, auf welchem es Platz genommen, etwas empor. Das geborene Fräulein von Singen in solcher Gesellschaft?

Schon der kleinen Höfe wegen las man na­türlich in Wilhelmsburg die Wochenschrift Utopie« nicht öffentlich. Das ging nicht, feit sich dieses Blatt nicht nur mit dem Reich im Allgemeinen, sondern auch mit seinen kleinen Partikelchen ein» gchend beschäftigte.

Und die kleinen Teilchen kamen nicht gut weg. Sie boten viel Stoff und man lachte übet den Witz und Hohn, mit dem sie oft genug ge­peitscht wurden. Man las heimlich hinter ver­schlossenen Türen, freute sich über die Hiebe de» satirischen Geihel, und versteckte das Blatt vor jedermanns Augen.

Und der dort war Horst Roden? Frauls» von Herzog wagte faum, die Augen aufzuschlage« zu diesem Verächter jeglicher Sitte und Movcck. Und dabei sah er ganz gut aus.

Roden blinzelte mit den Augen Frau Hanni zu, welche lachte und ihm dadurch gewissermaße» die Erlaubnis zum Wetterführen des angeschla­genen Motivs gab.

Ich bin nämlich schon wieder einmal zu ach Wochen Plötzensee verurteilt," meinte der Ro dakteur, als müßte er seine letzten Worte e» klären. ,ji;.

'' (Fortsetzung folgt.)