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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntaasblatt.

JL5. 29

Vierteljährlicher Bezugspreis, bet der ErxLition 2 ML, bet allen Postämtern 2,25 M. xe$cl. Bestellgeld).

Jnscrtionsgebuhr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Ncclainen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 4. Februar 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag' Joh. Aug. Koch, UnwersttätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon a5.

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 3. Frbr. Wie die »Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hört, ist der durch die Ernennung deS Herrn von Schön zum Bot­schafter in Petersburg frei gewordene Gesandten- jtoften in Kopenhagen dem derzeitigen Gesandten in Oldenburg, Dr. Grafen von DonnerSmarck, übertragen und zu besten Nachfolger der zuletzt als Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt be­schäftigte frühere erste Sekretär der Gesandt­schaft in Brüssel, Kammerherr Legationsrat von Bülow ernannt worden.

Berlin, 3. Febr. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Ministerial­direktors Mandel zu Straßburg zum Unter« staatösekretär und Borstand der Abteilung deS Innern im Ministerium für Elsaß Lothringen und des Ministerialrats Keetmann im Mi- «isterium für Elsaß Lothringen zum Ministerial­direktor mit dem Range der Räte erster Klasse.

Berlin, 3. Febr. Dem »Tag" wird aus New Uork gedrahtet:Die New Dark Times" melden aus Galveston, daß die Zollbehörden das deutsche SchulschiffGroßhevzogin Elisa« beth" bis auf weiteres beschlagnahmten. Nach dieser Meldung beobachteten Bundesbehörden das Fahrzeug längere Zeit und stellten fest, daß unverzollte Waren, namentlich Spirituosen, in solcher Menge an Land geschmuggelt wurden, daß die Offiziere darum wisten mußten. Ehe gestern die einstweilige Beschlagnahme erfolgte, wurden 300 Weinflaschen ausgeschmuggelt. Die Sache ist um so peinlicher, da das Schulschiff ungemein gastlich ausgenommen wurde." Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzu­warten.

Berlin, 2. Febr. Gouverneur Graf v. Götzen telegraphiert aus Dar-es-Salaam: Major Johannes meldet ein erfolgreiches Gefecht des Leutnants Sibberus ohne diessei­tige Verluste bei Mohamakiro im Norden des Bezirks Songea und fortschreitende Unterwerfung. Hauptmann Seyfried meldet, daß der Auf­stand im Lindt-Bezirk völlig gebrochen fei. Tie Neu Guinea-Leute sind am 31. Januar eingetroffen.

Berlin, 3. Febr. Der KreuzerSeeadler" hat, wie gemeldet wird, die deutsch - ostafri- kanifchen Küstengebiete verlassen und eine län­gere Erholungsreise nach Kapstadt angetreten.

Kiel, 3. Febr. Da die ostafrikanische Auf- standsbewegung als unterdrückt gelten kann, soll, denKieler Neuesten Nachrichten" zufolge, das dorthin entsandte Marinedetachement dem­nächst t eimbeordert werden.

Rom, 2. Febr. Ministerpräsident Fortis erklärt, das Ministerium Habs es nach der

gestrigen Abstimmung für seine Pfltcht gehalten, seine Demission in die Hände des Königs zu legen, welcher sich vorbehielt, eine Entscheidung zu treffen. Das Ministerium werde indeffen zur Abwicklung der Geschäfte und Aufrechter­haltung der Ord nung auf dem Posten bleiben. Hierauf vertagte sich das Haus auf unbe­stimmte Zeit.

Paris, 3. Febr. Der Minister legte in großen Grundzügen einen Gesetzentwurf fest, durch den ein Korps von 3000 Mann mobiler Gendarmerie geschaffen wird, welches bei Aus­ständen das Militär ersetzen soll.

Buenos Aires, 2. Febr. Tas deutsche KanonenbootPanther", welches augenblicklich zur Vornahme kleiner Reparaturen in Buenos Aires liegt, wird in den -nächsten Tagen die Flußfahrt nach Asuncion antreten, die bis jetzt noch kein Kriegsschiff außer kleinen argentini­schen Kanonenbooten ausgeführt hat. Anfang März kehrt es nach Baenos-Aires zurück, wo die Ablösung des Kommandanten ftattfrben wird.

Zur Simultanschulfrage

wird uns aus Marburg geschrieben:

Die Freunde dieser Schuleinrichtung nutzen jetzt bei Beratung des Entwurfs des Schulunter- haltungsgcsetzes die Gelegenheit reichlich aus, um für ihre Bestrebungen in weitesten Kreisen des Volkes Stimmung zu machen. Es sind fünf Gründe, die sie für Errichtung von Simultan­schulen ins Feld führen. Besehen wir uns diese einmal genauer.

1. Aus »ationalenGründen fordern sie diese Schulart. Gern kennzeichnen sie die Simultan, schule als die nationale Einheitsschule, sie sagen: ein Volk, eine Schule. Den Herren wird es aber schwer fallen, den Beweis dafür zu erbringen, daß unsere bisherige Konfessionsschule ein deutsch - nationales Einheitsbewußtsein in den Kindern nicht erzogen habe. Unsere vaterländische Geschichte, die allgemeine Erfahrung beweist es, daß unsere konfessionelle Schule in nationaler Beziehung ihre Pflicht voll und ganz getan hat, und das; sie auch heute noch bemiiht ist, Königs- treue und Vaterlandsliebe in die Hetzen der Kin­der zu pflanzen. Ja, wir sind fest überzeugt, daß diese Konfessionsschule ganz dazu geeignet ist, weil sie auch äazu nm. besten imstande ist, durch eine entschieden christliche Erziehung die wert­vollste und zuverlässigste Grundlage für die pa­triotische Gesinnung zu vermitteln.

2. Aus religiösen Gründe» fordert man die Simultanschule. Es ist Wohl die konfessionelle Spaltung in unserem Volke an sich zu bedauern, aber fein Mensch ist imstande, diese bedauerliche Tatsache aus der Welt zu schaffen. Das können Nieder gläubige Christen noch ungläubige Idea­listen. Bei allen wahren gläubigen Christen be­steht wohl doch eine ideale Einheit in Christo Jesu. Vernunft und Erfahrung widersprechen der Meinung, daß durch die äußere Vereinigung der Konfessionen der religiöse Friede gefördert würde.

Aus Schule und Kirche.

-V Nach den Ergebnissen der statistischen E r - Hebung über das gesamte niedere Schulwesen im preußischen Staate vom 27. Juni 1901 gab es unter den Städten, welche nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 mehr als 80 000 Einwohner besaßen, fünf, in denen keine öffentlichen Mittelschulen oder solche gehobenen öffentlichen Schulen, die als Mittelschulen angesehen werden können, vorhan­den waren, nämlich Berlin, Rixöorf, Dortmund, Barmeit und Essen. Im ganzen waren in 23 .Städten zusammen 109 öffentliche Mfttelschulen vorhanden. Uebrigens find verschiedene dieser Schulcu auch zur Befriedigung der Volksschulbe- ynrfniffe mitbestimmt, also nicht durchweg gleich- weftig, woraus denn auch manche der nachstehend oezifserten Verschiedenheiten der finanziellen Ver- wuftnisse erklärt werden mögen. Der für diese Schulen erforderliche Gesamtaufivand betrug V 311 743 Mark, und hiervon entfielen aus Schu­len nir Knaben 2 249 614 Mk. oder 42,35 v. H., kur. Mädchen 2 356 373 Mark oder 44,36 v. H.

für Knaben und Mädchen 705 756 Mark öder 13,29 v. H. Von den gesamten Kosten wur- en geoeckt durch Zuschüffe der unterhaltungs- PNtchtrgen Gemeinden 3 108 387 Mk. ober 58,52 J^tertteile, durch die Einnahmen aus Schul­geld 2 182 779 Mark oder 41,09 v. H., durch ns ^Enste aus Anstaltsvermögen 1038 Mark

02 v. H. und aus sonstigen Quellen 19 539 fiuv 0,37 v. H. Staatliche Aufwendungen <r,r.xe^n 3weck kamen bei keiner Großstadt vor. - irch Erhebung von Schulgeld deckten mit Aus- von Duisburg (23,35) und Schöneberg re'".'®0) alle Gemeinden mehr als 30 v. H. der ddiamtausgaben, zwölf mehr als 40 und fünf B tiic als 50 Hundertteile. Zur letztgenannten

Gruppe gehörten u. a. Cassel (51,09), Aachen (54,16) und Köln (55,11). Die Einnahmen aus Schulgeld betrugen bei beit Schulen für Knaben insgesamt 928 967 Mark, für Mädchen 1 033 083 Mark und für Knaben und Mädchen 220 729 Mark, sodaß aus eine Knaben-Mittel - schule durchschnittlich 20 195 Mark Lchulgcld ent­fielen, auf eine Mädchen-Mittelschule 21083 Mark, auf eine Dkittelschule für Knaben und Mädchen 15 766 Mark und auf eine Mittelschule überhaupt 20 025 Mark.

Bei der überwiegenden Mehrzahl der Groß­städte wurde mehr als die Hälfte der Unterhal­tungskosten für die öffentlichen Mittelschulen durch .Zuschüsse aus Gemeindemitteln bestritten. An laufenden Unterhaltungskosten für die öffent­lichen Mittelschulen entfielen durchschnittlich 0,83 Mark auf einen Einwohner der 28 preußischen Großstädte; 12 Städte zeigten höhere Kopfbe­träge. Andererseits erreichten die Kopfbeträge bei Aachen (0,46), Düffeldorf, (0,45), Danzig (0,42) und Charlottenburg (0,24 Mark) noch nicht 50 Pfg. In Hundertteilen das auf 1 Ein­wohner entfallenden Staats-Einkommensteuer- Betrages machten die Kopfbeträge der Gesamt- kosten am meisten aus in Kiel (43,82). Noch er­hebliche Anteile zeigte auch Elberfeld (10,91). Bei den übrigen Städten schwankten die ent- svrechenden Hunderteile zwischen 9,78 (Wies­baden) und F,00 (Charlottenburg). Die Kopf­beträge der aus städtischen Zuschüssen gedeckten Ausgaben in Hundertteilen des auf 1 Einwohner entfallenden Staats - Einkommensteuer - Betrage? machten aus in Posen 29,38, Kiel 22,05, in den übrigen Städten noch nicht 10 v. H. und weniger als 3 v. H. in Krefeld (2,60), Düsseldorf (2,04), Aack^n (1,75), Köln (1,70), Charlottenburg

' wr-r,

Ist die konfessionelle Eleichgilttgkeit bereits vorhanden, dann braucht durch die Simultanschule der konfessionelle Friede (Kirchhofsfriede) nicht mehr herbeigeführt zu werden; ist aber konfessio­nelle Spannung da, so wird sie durch die Ver­größerung der Reibfläche ht den Simultanschulen nicht beseittgt, sondern nur verschärft. Dantm: schiedlich-friedlich. Wer aber behauptet, daß durch die konfessionelle Schule der Gegensatz der Kon­fessionen verschärft und Zwietracht gesäet werde, behauptet etwas, was er nicht beweisen und ver- antworten kann. Wahrhaft christliche und ver­ständige Lehrer werden niemals Verachtung und Haß gegen Andergläubige Predigen, sondern im Geiste Christi zum Frieden und zur Duldsamkeit ermahnen. Sollte ein fanatischer Mensch gegen die Grundsätze des Christentums verstoßen, so ist es ganz ungerecht, ein solches Verhalten dem Christentum zur Last zu legen. Es liegt in der Natur der Sache, daß gerade die Simultanschule die beste Gelegenheit für konfessionelle Verhetzung und spionierendes Mißtrauen bietet. Man braucht nur an Oesterreich zu erinnern, dort ist die Si. multanschule. Welche Partei wird den Nutzen haben? Es ist ganz klar, die konfessionelle und religiöse Gleichgiltigkeit wird aus evangelffcher Seite überhand nehmen und die evangelische Kirche wird schwer darunter leiden. Hat man von Seiten der katholischen Lehrer schon solche Agitatton für Simultanschulen gehört?

3. Kulturelle Gründe fordern die Simultan­schule. Da beruft man sich aus die eine Kultur, die weder protestantisch, noch katholisch, noch jü­disch, sondern deuffch sei. Im Namen der einen Kultur fordert man die einheitliche Kultttrschule, die Kulturgüter vermitteln fort. Kultur! Kultur! Das ist das Schlagwort unterer modernen Pä­dagogen. Ist aber nicht das Christentum die Grundlage unserer ganzen deutschen Kultur? Verdankt sie nicht ihr Bestes dem Christentum? Wohl gibt es in Bremen Prediger, die da be­haupten in ihrem Größenwahn, die Wahrheiten des Christentums seien veraltet. Nach unserer lleberzerigung ist noch heilte das Christentum die beste Grundlage der gesamten Volksbildung und dek bedeittsamste Kulturfaktor. Wir freuen uns, daß unsere Regierung und die Mehrheit unseres Volkes derselben Ansicht sind. Sind deim nufere Volksschulen bisher Verdummungsanstal- ten gewesen? Haben sie keinen Raum für wahre Geistesbildung, für tvahrhaffe Kultur? Sie ha­ben noch Raum für Jesum Christum und fein herrliches Evangelium. Wir denken, die rück­ständigen Verteidiger der Konfessionsschule dienen dem Kulturfortschritt nicht weniger und nicht schlechter als jene Kulturhelden, die sich im mo­dernen Knltrirglanzc sonnen.

4. Schnltechnische Gründe machen die Simul­tanschule notwendig. Es scheint Leute zu geben, die der sonderbaren Meinung sind, daß die Lei­stungen einer Schule in der Regel im geraden Verhältnis zur Zahl der Klassen zunehmen müß­ten. Die Schulen aus dem Lande find nach ihrer pädagogischen Weisheit unter arten Umständen pädagogisch minderwertige Einrichtungen. Diese Meinuitg ist grundverkehrt. Wohl könnten durch Zwangs-Siinultanschulen hier und dort reicher gegliederte Schulsysteme eingerichtet werden. Die-

Heer urb Flotte.

Der D » ellzwang.

Die folgende Zuschrift, die den Aiischauungeit unseres Offizierskorps über das Duell treffend, Wenn auch recht drastisch Ansdnick gibt, veröfsent- licht dieKöln. Ztg.":

Das Deutsche Offizierkorps geht nicht leichten Herzens darüber himveg, daß das Duell vom Ge- setze verboten ist, und verkennt keineswegs den Uebelstand, daß ec- häufig seinen Zweck, die ver­letzte Ehre wieder herzustellen, nur sehr unvoll­kommen erreicht. Es sieht im Zweikampfe ein Uebel, aber ein zurzeit noch notwendiges. Jeder verständige Offizier vermeidet persönlichen Streit so sehr er nur kann. So sehr meidet er jede mögliche Veranlassung dazu, daß ihm von Fern­stehenden oft der sehr ungerechte Vorwurf genmcht loorden ist, er sei dünkelhaft. Könnte er dann diesen Dünkel mft dem Rocke ansziehen, sobald er in das Zivilleben übertritt? Die Vorgesetzten wirken mit Eifer und wenn nötig mit Strenge dahin, daß aller Streit friedlich geschlichtet werde. Händelsucher werden aus dem Offizierstande ent­fernt, ehe sie viel Unheil stiften können. Wenn im ganzen Jahre in der ganzen großen deitt- schen Armee nur ein einziger Zweikampf stattge­funden hat, ist das wohl Beweis genug. Freilich bewefft dieser eine Fall auch, daß man unter Umständen den Zweikampf twch als unvermeid­lich, als. das kleinere Uebel ansieht. Das Gesetz verbietet ihn. Das Gericht bestraft aber Belei­digungen meist so gelinde, daß manchmal diese Strafe wie ein der Beleidigung hinzilgeftigter Spott aussieht. Der Bauer, der einst wegen einer erteilten Ohrfeige vom Friedensrichter in Jülich ju fünf Taler verurteilt wurde, darauf dem neben chm stehenden beleidigten Pferdehändler eine l-stallende Lveite aab und dann jehn Taler auf

ses würde aber durchaus nicht der Vertiefuttg uich, inneren Wahrheit zu gute kommen. Wenn maU bedenkt, daß die im Wesen der Simultanschult liegende innere Zwiespältigkeit sich naturgemäß nicht bloß auf den Religionsunterricht, sondern auch auf die humanistischen Gebiete (Deutsch, Ge­schichte, Gesang) erstrecken muß, so ist doch sonnen­klar, daß dadurch didaktische Mängel entstehen müssen, die durch keine vollkommenere Organisa- tion ausgeglichen werden können.

5. Wirtschaftliche Gründe fordern die Simul- tanschule. Was hat man nicht alles über die Zwergschule" gefabelt, als wenn es sich umS Ende allerKultur" handelte. Und siehe, nach dem Entwurf bleibt doch so ziemlich alles beim alten. Von Zwergschulen kann da keine Rede sein. Durch Festlegung des Kommunalprinzips wird die Schulunterhaltung nicht erschwert, son­dern erleichtert.

Wenn nun auch die Simultanschule noch keine religionslose Schule ist sie ist aber die Vor. stufe dazu, so hat doch der Religionsunterricht nicht mehr die zentrale Stelle in der Schule. Für einen gläubigen Lehrer ist aber der Religions­unterricht die Sonne, die Licht und Wärme au* strahlt in die Herzen der Kinder. Tie ganz Mo­dernen möchten die schöne Literatur in den Mit- telpunkt der modernen Schule stellen. Die christ. liche Religion kann in der Simultanschule das zentrale Erziehungsfach nicht sein. Und damit berühren wir den Kern der ganzen Sache. So fft es zu begreifen, warum die Vertreter der mo­dernen Weltanschauung so eifrige Freund' bet Simultanschule sind. Sie wissen sehr gut, waS sie wollen und was sie tun, wissen sehr Wohl, oatz man die christliche Welt- und Lebensanschau,'mg gar nicht besser bekämpfen kann als durch die simultane Schulverfassung. Nun verstehen wir es, toarum die Vorkämpfer des politischen uni religiösen Freisinns die eifrigsten Verfechter der Simultanschule sind. Auf der anderen Sette fft es aber auch zu begreifen, warum alle klar den- teilen Christen ihre ganze Kraft einsetzen müssen zur Erhaltung der konfessionellen Volksschule. Hier handelt es sich um die Volkserziehung, um die Entscheidung der Frage, ob der Glaube oder der Unglaube die Grundrichtung unserer Volks- erziehnng bestimmen soll.

Der Kampf in den Pariser Kirchen.

Paris, 2. Febr. Aus Anlaß der heutigen Inventaraufnahme in der Kirche Saint Pierre du Gros Caillou waren umfassende Maßnahmen von der Polizei getroffen. Um die Kirche hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt. Gegen Nachmittag erschien der Polizeipräfekt Löpine, der die Umstehenden dreimal aufforderte, den äußeren Zugang zur Kirche freizugebon. Da dies erfolglos blieb, und der Zugang sich nur mit Ge- walk erzwingen ließ in der Kirche hatten sich gegen 3000 Menschen hinter Barrikaden ver­schanzt, kam es zu einem heftigen Kampf. Steine und Trümmer von Stühlen wurden aus dem Innern der Kirche geworfen. Als die Feuer- wehr das Dach erklettert hatte und starke Wasser, mengen in das Innere leitete, wurden auch einige

den Gerichtstisch legte, könnte noch heute Nach­ahmer finden. Die Rechtsprechung ist hierin ganz unzulänglich und sehr scknver so zu ändern, daß sie es nicht mehr ist; ganz abgesehen von der Art, wie die Vertreter der Parteien oft Privatoerhält- nisse hineinzerren. Auch in Frankreich, Oester» reich und Italien bestehen die Duelle noch. Mau verweise nicht auf England. Auch die dortigen Zustände find nicht ideal. Daß sich alte Lords auf öffentlicher Promenade mit Spazierstöcken über die Köpfe bauen, sei nur nebenbei erwähnt. Schr viel schwerer fällt schon ins Gewicht, daß Offiziove dort morgens in das Schlafzimmer eines Kameraden einbrangen und ihn halb tot prügelten. Solche mit unseren Anschauungen von dem einem Offizier notwendigen Ehrgefühl keineswegs zu vereinbarenden Strafgerichte hat-, ten sich dort vollständig eingebürgert, als der Neffe eines Ministers darüber Klage führte. WaS soll man aber erst dazu sagen, daß englische Offi»' ziere in heimlichem Fehmgericht ein Borduell zwi. scheu zwei Gegnern geradezu beschließen, beide in ein leeres Zimmer einsperren und das nicht eher wieder öffnen, bis der schwächere kein Lebens» Zeichen mehr gibt und fein Gesicht zu einer nn» kenntlichen blutigen Masse zusammengeschla» gen fft? * >

V In der von dem ständigen Berichterstatter Klotz verfaßten Denkschrift zum franzö- fischen Heeresetat, der, wie bereits be­kannt, sehr bedeutende Mehrausgaben für die Zwecke der Landesverteidigung in Aussicht nimmt ist vor allem der Umstand bemerkenswert, daß überall, wo es nur immer angeht, in finanziellen, in militärisch-technischen Fragen, in den Ab­schnitten über Bewaffnung und Kriegsmaterial, über Ausbildung und Takttk «sw. die deutsch« Verhältniffe zum Vergleich herangezogen sind, und der Verfasser kommt zu dem Ergebnis, daßauf