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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Zllustrirtes Sonntaasblatt.

M 29

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Marburg

Sonntag. 4. Februar 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Dnick nnd Verlag' Joh. Aug. Koch, tlnlversltäts-Buchbnlckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon a5.

Erstes Blatt

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es zulässig, aus einem solchen @nmbe katholisch zu werden, so ist gar nicht abzusehen, weshalb es unzulässig sein sollte, aus demselben Grunde protestantisch zu werden.

Uebersieht man die lange Reihe von Glaubens- wechseln in den regierenden Häusern Europas, so kann man nur den lebhaften Wunsch hegen, das; ähnliche Fälle in Zukunft nicht wieder vor- kommen mögen. Wenn dein Volke die Religion erhalten bleiben soll, so müssen auch die regieren- den Häuser zeigen, daß ihr Glaube ihnen um weltlichen Vorteil nicht feil ist. Dann müssen auch sie die Religion als das Höchste schätzen und behandeln, was der Mensch auf dieser Erde hat. Wenn sie durch ihr Vorgehen Gleichgiltigkeit gegen ihre eigene religiöse Ueberzeugrmg darlegen, da kann man sich wirklich nicht wundern, daß solche Beispiele die übelsten Folgen haben und von fei­ten des gläubigen Volkes, mag es nun katholisch oder protestantisch sein, die schärfste Mißbilligung erfahren.

und 116. 34 Zolltarifnummern zeigen erhöhte Ausfuhrwerte. Eisen und Eisenwaren und Dro­gerie-, Aotheker- und Farbwaren, die beiden hauptsächlichsten Warengruppen der Ausfuhr, zeigen auch die bedeutendsten Wertfteigerungen gegen das Vorjahr. Eisen und Eisenwaren sind an der Ausfuhr mit 663 Millionen gegen 582 Millionen im Vorjahr + 81 Millionen Mark, Drogerie-, Apotheker- und Farbwaren mit 464 Millionen gegen 413 Millionen = 4-51 Mill. Mark beteiligt. Die beiden nächsten Hauptgrup­pen, Baumwolle und Baumwollenwaren, Wolle und Wollenwaren, sind an der Ausfuhr mit 459 und 431 Millionen Mark = 4-17 und 20 Mill. Mark mehr gegen das Vorjahr beteiligt.

Ein- und Ausfuhrwerte betrogen im Spezial- Handel des Jahres 1905 zusammen 12,7 Milliar­den Mark gegen 12,2 und 11,5 Milliarden Mark gegen die beiden Vorjahre = mehr 4,6 und 11,2 vom Hundert.

Verschiebungen in den endgültigen Werten werden sich zwar ergeben, immerhin aber wird sich oit* dann eine erhebliche Zunahme des gesamten Außenhandels zeigen.

An, Rohstoffen für gewerbliche Zwecke wurden eingeführt: für 3170 Millionen Mark, ausge­führt: für 1330 Millionen Mark; an bearbeiteten Waren: für 1285 Millionen Mark eingeführt und für 3745 Millionen Mark ausgeführt; an Nah- rungs- und Genußmitteln, Vieh wurden einge­führt: für 2275 Millionen Mark, ausgeführt: für 510 Millionen Mark.

Besonders bemerkenswert ist die Steigerung der mit Einfuhrscheinen beglichenen Zollbeträge tm abgelaufenen Jahre. Nach S. 221 des De­zemberhefts wurden 38,5 Millionen Mark Zoll gegen 27,8 Millionen Mark in den beiden Vor­fahren auf diese Weise angergchnet. Gegen 1903 hat sich also die Anrechnung mit Einfuhrscheinen mehr als verdoppelt.

Umschau.

Glaubens wechsel in regierenden Häusern.

Aus Anlaß des llebertritteS der Prinzessin Eugenie von Battenberg, der Braut des Königs Alfons, zum katholischen Glauben bringt die Köln. Volksztg." einen längeren Artikel über das obige Thema. Wir sind nicht mit allen Wendungen des Artikels einverstanden, aber die nachstehenden Ausführungen können wir ohne weiteres unterschreiben:

. Es gibt nur einen einzigen Grund, welcher emen Glaubenswechsel wirklich rechtfertigt, das ist ine eigene Ueberzeugung. Jeder äußere Grund, mag er an sich auch noch so wichtig sein, ist völlig ungenügend, um einen Glaubmswechsel zu rechtfertigen. Selbst eine Krone, welche winkt darf hier keine Ausnahme machen. Darf eine Prinzessin katholisch werden, um eine Krone zu erlangen, so darf auch eine Dame bürgerlichen Standes katholisch werden, um einen reichen Manu zu heirateii. Aber auch umgekehrt: Ist

< Nachdruck verboten.)

Die Brücke.

Roman von Willy Scharlan.

(ForEedung.)

wiß nicht anfommen. Weshalb rennt denn mein Mami allein fort?" fragte sie, als sie dem Gartentor zuschritten.Er hat doch jetzt in Ihnen den Berater für fein Drama, den Helfer der ihm fehlte. Er ist zu viel allein. Er sagte selbst einmal zu mir, das gesprochene Wort wäre ihm die beste Anregung, und nun verschmäht er es" Ä

Roden erfuhr am anderen Morgen von dem rtreiind, daß er der erste Mensch war, dem dieser seine Arbeit zugänglich machte, daß selbst seine Gattin nichts davon wußte, aber er tat, als hxire ihm das völlig fremd.

Er hatte seine Gründe dafür, denn heiß und silinverwirrend stieg zum ersten Male der Ge­danke in ihm auf, diese Frmi, welche körperlich wie geiftig dem Ideal entsprach, das ihm vor- schwebte, diese Fran wäre zu Unrecht an jenen Mann gefesselt; ihm, nur ihm dürfe sie gehören. Damals in Berlin verscheuchte er den Gedan­ken heftig, jetzt bohrte sich derselbe tiefer in seinen Jdeenkreis ein.

Sie tat es ihm an. Sie stand an der falschen sie war die Frau, mit der vereint mehr, höheres und besseres leisten mußte.

Roden hatte den empfindlichen Punkt in dieser scheinbar glücklichen Ehe mit scharfem Blick er­kannt. Frau Oertel fand nicht das, was sie suchte, es fehlte die geistige Gemeinschaft her Gatten. Leuchteten nicht ihre Augen auf, als er bei Tisch von der Genieinsamfeit aller Interessen und Ar- beiten sprach, die ihn mit der Frau verknüpfen müßten, welche er sein eigen nennen möchte.

lieber dies Manko aber in der Oertelschen Ehe wollte er Gewißheit haben, denn die Frau war ihm nicht gleichgiltig. So meinte er denn:

/-Ganz recht, gnädige Frau, das Alleinsein ist ihm nicht gut, aber das wird sich ja in we- iiigen Monaten ändeni. Wie ich hörte, wollen ! Sie für die Saison nach Berlin kommen."

Sie nickte.

Ja!" erklärte tze.Mir scheint selbst, er hat es notig." * 1

Deutschlands Außenhandel im Jahre 1905.

Nach dem vom Kaiserlichen Statistischen Amte herausaegebenen Dezemberheft 1905 der Monat- sichen Nachweise über den auswärtigen Handel des deutschen Zollgebiets betrug im abgelaufenen Jahre:

1. Die Einfuhr in Tonnen zu 1000 kg: 54 304 503 gegen 48 886 816 und 47 033 848 In den beiden Vorjahren, daher mehr 5 418 187 und 7 270 655. Edelmetalleinfuhr: 1398 gegen 1398 und 1264. 29 von 43 Zolltarifnummern zeigen gegen das Vorjahr eine Zunahme, am meisten Kohlen usw. (4- 2 608 950), Getreide und andere Landbauerzeugniste (4- 1 282 103), Erden, Erze usw. (4- 409 354), Steine (4- 352 664), Holz (4- 839 865), Abfälle ((4- 152 095). Den größten Ausfall zeigt Eifen ( 22 060).

2. Die Ausfuhr in Tonnen zu 1000 kg- 40 567 019 gegen 38 855 405 und 38 280 816 in den beiden Vorjahren, daher mehr 1 711 614 und 2 286 203. Edelmetallausfuhr: 504 gegen 852 und 355. 30 von 43 Zolltarifnummern zei­gen gegen das Vorjahr eine Zunahme, die größte: Erden, Erze (4* 861 711), ferner Eisen und Eilenwaren (4- 579 081), Kohlen (4- 230 298) . ne (4- 159 257). Den größten Ausfall hab und andere Landbauerzeugniste x 242 816).

3. Der im wesentlichen nach den Vorjahrswerten berechnete Wert der Einfuhr in Millionen Mark: 7046 gegen 6864 und 6321 in den beiden Vor- Ä"'Är me6r 182 und 725 Millionen Mark. Edelmetallenchuhrwert: 316 gegen 500 und 318. . ^teiöenjboriabren. 33 Zolltarifnummern ergaben erboste Einfuhrwerte. Am stärksten ist dw Wertzunahme bei Getreide und anderen Land­bauerzeugnissen (4- 177 Millionen Mark) fer- ner bei Material- usw. Waren (74 Millionen SJiarf), Kohlen (4-35) Häuten und Fellen (J-30).

jur Baumwolle und Baumwollenwaren er« mtttrfte SruSfaff von 147 Millionen Mark wird Uw Ei der endgültigen Bewertung voraussichtlich erheblich verschieben, da der Preis für Middling «pland gegen 1904 um über 27 Mark für 1 dz «olallen ist und sie Baumwollelnfuhr gegen das m "f^rur um 4700 Tonnen zugenommen hat. Großer ist, der Ausfall bet Erden, Erzen, Edvl- metallen usw. ( 172 Millionen Mark) Das euigerubrfe Getreide und die anderen Landbau- er.^ugmffe hatten einen Wert von 1183 Millionen "^'4'eiTI Sechstel der Gesamteinfuhr

4. Der hn wesentlichen nach den Vorjahrs-

»n berechnete Wert der Ausfuhr in Millionen U^arf: 5693 gegen 5315 und 5130 in den beiden Vorjahren daher mehr 37' ch 562 Mllionen Mark. Edelmetall-Ausfuhr 1: 107 gegen 93

W jPte&er nichts," sagte Roden scheinbar mrdergLichlagen.Ich bin selbstgefällig -genug, anzunehmen, die ei-e oder die andere würde mich erhören, selbst auf die Gefahr hin, alljährlich einmal oder öfter unfreiwillig von mir getrennt ?u werden, oder vielleicht gerade deswegen, aber 77 *DQ.y nutzt das. Was tue ich mit einer Frau, he mir nicht eine Mtarbeiterin wird, die an allem teilnimmt, was mich angeht. So eine aber :fz bisher nicht. Aber schweigen wir dar­über; Horst Roden wird unbeweibt in die Gruft fahren müssen."

Er schlug wieder den leichten Ton von vorhin an, Hanns aber verhielt sich schweigsam.

Man traf für den Abend die Verabredung, «w Konzert im Stadtpark zu besuchen. Die Hu- .arenkapelle spielte vor dem Abmarsch des Regi. E,us zum Manöver zum lebten Male, und

^^10 den Vorschlag. Als aber gegen $rüu £*crte( ihren Gatten suchte, traf sie

1 Roden, welcher mit einem Buch in der Hand am der Veranda saß.

prftüH' mad^ "och einen größeren Spaziergang", ff Lrrr' «e rage auf ihrem Gesicht lesend.

ti ent laufen und über irgend etwas uWenfen. Nachher trifft er uns am - wie KL - Bellevue oder Belvedere? Also je.

dort, wo das Konzert stattfindet."

» V1, ^beii Unr", meinte Hanns.Es ist übri- i.-.Est Jahren das erste Konzert, welches ich r tu Lilhelmsburg besuchen werde, und diesen ivird man mir verübeln."

denn das?" fragte er erstaunt.

dapaZ Tod ist noch kein Jahr vergangen, fcJrA Nun, ich habe mich übet so viel hinweg-

fiut diefen Anlaß zum Gerede kann es ge-

I Sind wir kriegsbereit?

I Unter diesem Titel ist, ohne Nennung des I Verfassers, in Metz ein Buch bei P. Müller er- I schienen, das einige Beachtung verdient. Aus die I Frage:Sind wir kriegsbereit?" antwortet der I Verfasser auf 310 Seiten mit einem ziemlich I rundenNein!"

Der Inhalt zerfällt in zwei Telle. Im ersten I werden die Mängel der Organisation unserer I Armee besprochen und demgemäß Forderungen I aufgestellt, im zweiten Teil wird eine kriegsmä- I feigere Ausbildung verlangt. Die Mängel der I Organisation beruhen nach Ansicht des Verfassers I a) in dem Fehlen einer Anzahl von Truppenstäm- I men und höheren Stäben im Frieden und b) in I den zu geringen Friedensetatsstärken.

Bei der Infanterie wird die Aufstellung der I dritten Bataillone bei den Regimentern, die jetzt nur zwei Bataillone haben, gefordert. An Ka- vallerie werden verlangt: 6 Kavalleriedivisions­stäbe und 30 Eskadrons. In der Begründung dieser Forderung findet sich manches Beachtens­werte und Zutreffende. Besonders gelungen ist dem Verfasser der Nachweis, daß die Schlachten- tätigkett der Reiterei durch die moderne Feuer­wirkung keineswegs aufgehoben, sondern eher ge­fördert -sei, und daß daher die vielbesprochenen großen Kavallerieattacken bei den Kaisermanövern durchaus nicht als bloße Spielerei gelten dürfen. Für die Feldartillerie werden gefordert: 24 neue Batterien und die entsprechenden höheren Stäbe, vor allem aber eine Erhöhung und gleichmäßigere Verteilung des Pferdeetats, ferner die Bespan- | nung des größten Teiles der Munitionswagen im Frieden. Die Fußartillerie soll nach den Wün­schen des Verfassers um 24 Bataillone und 6 Vesnannungsabtellungen vermehrt werden. Be­gründet wird dies mit der Notwendigkeit der Zuteilung ausreichender schwerer Artillerie zum Feldheere und den bergrößerten Aufgaben der Fußartillerie beim Angriff und der Verteidigung fester Plätze. Für die Pioniere wird einfach eine

»Sie kennen natürlich sein Stück?" fragte Ro­ben, als sie nach rechts die Chaussee entlang gingen, um den Park auf einem kleinen Umweg zu erreichen. Sie vermieden so dis Stadt.Dds Stückes wegen läuft er nämlich allein herum. Ich habe mich nämlich in einer ganzen Reihe von Punkten nicht einverstanden erklären können. Im allgemeinen schon, aber Er will nun orft allein das Für und Wider abwägen."

»Ich kenne es nicht. Ich weiß nur, daß die dramatische Novelle Hertha Lofeberg ist. Die Novelle las ich, das Stück bekam ich nicht zu Ge­sicht."

»Ah", erwiderte Roden scheinbar erstaunt. Dann wissen Sie auch nichts von seiner wun­derlichen Idee, den ganzen modernen Stoff in Verse zu kleiden?"

Nun Ivar die Reihe, zu erstaunen, an Hanns.

Aber ich bitte Sie", rief sie fast erschrocken, wie ist er nur auf diese Idee gekommen? Menschen wie wir, deren Lebensgewohnheiten, Kostüme, Redeweise die unserige sind, sprechen in Versen? Ah, das ist kurz heraus, das ist eine Geschmacksverirrung. Ebenso gut fönnle man einen Hintertreppenroman, der in Küche, Kellvr und Stall spielt, als Libretto ver­arbeiten, und uns als Oper vorsetzen."

Aber den haben wir ja, meine Gnädigste, unb noch dazu aus dem geschmackvollen Frank­reich importiert", meinte er.

Kenne ich glücklicherweise nicht."

Sie haben recht, es ist auch unschön, inan Helden mit einem Hütchen auf dem Kopf unb Händen in den Hosentaschen fingen zu hören: Ist Ihnen eine Zigarre gefällig? und die Airtwort: Nein, ich danke, aber ein Glas Mer wäre nicht ohne, ich habe einen schmählichen Durst. Das ist unschön, aber das ganze ist' ein Trick, ein Trick, dessen Berechtigung als sol- chor sich nicht glatt, von der Hand weisen läßt."

So ein.Trick. Das kann nichts an mei­ner Ansicht von einer Geschmacksverirrung ändern. Zu Versen gehören Kostüme.*

Verdoppelung der Zahl der Bataillone verlang^ ferner die Trennung der Generalinspektion bet Pioniere von der der Festungen unb bis Aust stellung von 6 Brigade- unb 23 Regimentsstäbenz außerdem 29 Befpannungsabteilungen. Die Eisenbahntruppen sollen um ein Drittel, die Tele- graphentruppen um die Hälfte vermehrt, unS außer der Errichtung mehrerer höherer Stäbe soll auch die Zahl der Bespannimgsabteilungm erhöht werden. Auch für den Train wird eine Verdoppelung der Zahl bet Bataillone unb die Aufstellung von 30 Regimentsstäben gefordert; die Begründrmg weist hierbei an sich durchaus zutreffend auf die überaus große Bedeutung des Trains für die Operationen der modernes Mafsenheere hin.

Nationaler Pessimismus.

Vor einem ungesunden nationalen Pessimis­mus warnte jüngst Prof. G. Buchholz auf einem studentischen Kaiserkommers in Leipzig. Er sagte u. a.: Wie oft müssen wir es denn von den Vev« freiem solcher pessimistischen Anschauungen hören, daß die großen Seiten Bismarcks für uns längst vorüber sind und wir eine kümmerliche unb schwache Epigonenpolitik treiben. Wie oft wird es urbi et orbi verkündet, daß unsere Regierung Fehler über Fehler begeht, daß sie ängstlich und schwach ist, nicht durchzugreifen wagt, alle guten Gelegenheiten vorübergehn läßt, nach außen un­sere Interessen nicht genügend wahrnimmt, ja nicht einmal unsere Wehrmacht so verstärkt, wi« es nötig wäre, undim Innern mit einer Partei paktiert, bereit Reichsseindschaft offenkundig ist. Warum wir uns nicht den Franzosen zum Trotz' die Häfen der marokkanischen Westküste angeeig­net haben, warum wir es uns gefallen lassen, daß in Oesterreich und Ungarn unsere Landsleute schlecht behandelt werden, toarum wir die Eng­länder letzten Sommer nach Swinemünde kom­men ließen und heute nicht unsere deutschen Landsleute mit Kriegsschiffen aus Riga heraus­holen, toarum toir überhaupt noch mit irgend je­mand auf dem kleinen Erdenrund in Frieder, leben und nicht mit der gepanzerten Faust an alle fremden .Haustüren pochen und auf alle frem­den Tische schlagen das erscheint heute manchen, unserer Landsleute als ein unbegreiflicher und itnertriW^er Zustand, den sie unserer Regierung nicht vergeben können. Ja, merken toir es denn nicht, daß sich im Gewände dieses Pessimismus ein nationaler Radikalismus birgt, der alsobald als maßloser Chauvinismus in die Erscheinung treten würde, sobald es ihm gelänge, unsere öffentliche Meinung zu bebcrrfrfwn? Empfinden toir nicht die Gefahr, die in einem so nervös er­regten, anspruchsvollen und unduldsamen Natio- nalbewußtsein liegt? . . .

So soll es nicht sein. So darf es nicht blei- ben. Es wäre vor allem ein Schade, der gar nicht wieder gut gemacht werden könnte, wenn sich un­sere nationale Jugend in die Hürden diese, grämlichen und unfruchtbaren Politik einfangen lassen wollte. Demi das sei gesagt: der

Ganz recht. Ich -bin Ihrer Ansicht, daß Verse sprechende Schauspieler in assyrische, egyp- tifche oder meinethalben indianische Kostüme ge­hören, schließlich aber ist die Hauptsache doch, was sie.verseln, und wie sie verseln. Die Men­schen waren auch früher so, wie wir sind, wenig­stens annähernd, und es tut meiner Andacht nifir mals Abbruch, daß Grillparzers Griechen trotz ihrer stilgerechten Kostüme doch immer nur Wie­ner sind. Aber bester müßten Oertels Verse {ein.

.Haben Sie ihm das gesagt?"

Ich sage stets die Wahrheit, vielmehr meine Ansicht, die ja falsch sein kann."

Und das Stück als ganzes?"

Ist nicht besser und nicht schlechter gezimmert als viele andere. Aber es erscheint mir zweisel- haft, ob es die Feuerprobe einer Ausführung wird ertragen können. Das, was ich gehofft, ist leibet aus der Novelle nicht geworden."

Haben Sie ihm das auch gesagt?"

So deutlich, wie ztvischen gebildeten Men­schen denkbar. Er kann an meiner Ansicht nicht zweifeln. Aber gnädige Frau, er ist ein Start­kopf." I

Hanns schwieg. Was der Mann sagte, be­wegte sie tief, aber sie wollte ihn nichts merke« taffen. Roden freilich wußte genug.

Früher schon hatte ihm Oertel deutlich genug feine Ansicht über die Fähigkeit, vielmehr Un­fähigkeit der Frau klar gelegt. Jetzt war der Mensch verheiratet, hatte das Gluck, eine Fr<m zu gewinnen, welche hoch über dem Durchschnitt ihrer Schwestern stand unb änderte seine An­schauungsweise gar nicht. -f

Und weshalb nicht?

Nicht etwa, weil diese Frau versagte, fon&etn weil er sich gar keine Mühe gab, sie kennen za lernen. J

* '(Fortsetzw:' " '*!.) i