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Sonntagsbeilage: Juustrirres Sonntaasblatt.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain,

JVi 28

Vierteljährlicher Bezugspreis^ bet oer Expchitüm 2, bei allen Postämter» 2,25 M. ve$cL Bestellgeld).

JnscrtionSgcbühr: die gespaltene Zecke oder seren Raum 10 Pfg.

Ncclamcn: die >5eile 25 Pia.

Marburg

Somabend. 3. Februar 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Lug. Koch, UniverfitStS-Buchdruckerei 41. Jahr^

Marburg, Markt 21. Telephon.

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die Führung. Nur das Bedeutsamste wurde her­vorgehoben. Wiederholt zeigten Ausrufe der Kaiserin ihr Erstaunen:Ist das möglich?", un-d Unerhört!" kam es aus ihrem Mmde. Bei den Kinderkleidchen aus Breslau mit Verdiensten von 6% und 7 H pro Stunde begann der Rund­gang. Daß es in Berlin Stundenlohne von 8 F für Konfektionsarbeiter­innen gäbe, schien der Kaiserin kaum glaublich. Ebenso war es bei den gehäkelten Kinderschuhen für 55/t H Stundenlohn, bei den Verdiensten in der Luxuspapierbranche von 3£> pro Stunde. Mt Interesse sah die Kaiserin, daß Sonnen­schirme in Frankfurt a. M. mit 42 Pro Stunde, in Königsberg nur mit 8ih L bezahlt würden. Sie ließ sich sagen, daß darin der Beweis liege, daß es mir auf den Arbeitgeber aukoimne. Kaum

Zum Tode König Christians IX. von Dänemark.

Kopenhagen, 1. Febr. Der Sarg mit der Leiche des Königs wurde, nachdem die Mit- glieder der königlichen Fainilie von der Leiche Abschied genommen hatten, geschlossen und im Gartcnsaal auf den Katafalk gestellt.

K o P e n h a g en, 1. Febr. Der König der- fügte, daß anläßlich des Regierungswechsels in Heer und Flotte Begnadigungen nach demselben Prinzip wie bei den bürgerlichen Verurteilten er­folgen sollten.

Paris, 1. Febr. (W. B.) Im Senat ver- liest der Kultusminister eine Erklärung, in der unter Hervorhebung der großen Eigenschaften des dahingeschiedenen Königs Chrisftan IX. von Dänemark der Trauer der Regierung über seinen Tod Ausdruck verliehen wird und für die Regie- ning seines Nachfolgers die wärmsten Wünsche ausgesprochen werden. Der Präsident des Se­nats schließt sich unter allgemeinen! Beifall den Worten des Kultusministers an.

IKommt er auf eigenen Antrieb oder ausge- I fordert?"

IBeides," erwiderte er.Er hatte schon die I Absicht zu kommen, das weißt Du ja. Du ludest I ihn ja auch selbst ein. lind ich schrieb an ihn, er I möchte sich den kleinen Umweg machen. Ob er I nun geradewegs von Hamburg nach Berlin fährt, I oder diese Strecke benutzt, ist kein wesentlicher I Unterschied. Zeit hat er, denn er will ja noch in I das Gebirge."

I Rtehr sagte er nicht, und doch wußte Hanns I ganz genau, weshalb der Freund kommen sollte. I Ihre Voraussetzung erwies sich auch als vollkom- I men richftg. Oertel las Roden das Manuskript I seines Schauspiels Hertha Lohberg vor.

Länger als drei Stunden saßen die beiden in Oertels Zimmer, erst zum Mittagessen kamen sie herunter.

Die Mahlzeit verlief unter heiterem, an ge­regtem Gespräch, denn Roden war ein Causeur allerersten Ranges. Es war ihm eine mühelose Kleinigkeit, eine große Gesellschaft stundenlang zu [ unterhalten. Was er aber fügte, war häufig ein Brillantfeuerwerk von schlagenden Bemerkungen, treffenden Witzen, alles getaucht in jenen kausti­schen Humor, der freilich nichts schont, was zum Spott herausfordert.

Er war nicht groß, hatte ein scharf geschliffenes kluges Gesicht und schien mit seinen dunklen Augen den Menschen bis auf den Grund der Seele blicken zu können, und zu wollen.

Hanns fand ihn liebenswürdig und amüsant. Er erzählte von der Badegesellschaft auf Sylt, von den komischen Menschen, die er dort kennen ge­lernt, von dem Unfug, den er anftiftcfe. Schließ­lich blieb ihm nichts übrig, als zu fliehen, die Verwicklungen wurden unlösbar.

Die junge Frau mußte lacken, wenn er die Menschen schilderte, wie er ihre Schwächen be- I nutzte, sie an- und Zueinanderzubringen, obgleich I sie diesen Unfug nicht schön fand. . .....

Wappenschildes mit einem Adler, pro Stück 2 und das Zusammensetzen von Damenknöpfen, pro 150 Stück für 4 erklären. Die Kaiserin sah sich weiter ein sogenanntes Berliner Dreiriegeltür. schloß an, wofür Pro Stück 28 gezahlt werden. Dafür sind alle Teile zusammenzusetzen, zu feilen, zu vernieten usw. Die Kafferin konnte es nicht glauben, daß dies Frauenarbett fei. Warum ist das Frauenarbeit? fragte sie ihren Erklärer. Well der Mann dabei nicht genug verdient, die Frau ist billiger. Höchstes Erstaunen malte sich in den Zügen der Kaiserin, als sie fragte: Und da erhätt die Frau nicht denselben Lohn wie der Mann? Es mußte verneint werden. Die Um­stehenden aber waren aufs höchste erfreut. Die Kaiserin hatte bestätigt, was jeder fichlte, der sich mit dem KapitelDie Frau als Lohn- drückerin" beschäftigt. Fräulein Behm durfte

(Nachdruck verboten.)

Die Brücke.

Roman von Willy Scharlau.

(Sortierung.)

15. Kapitel.

Sozius Elend.

Ueber den Besuch der Kaiserin in der deutschen He i m a r b e i t e r a u s st e l - l n r g in Berlin entnehmen wft der Berliner Volkszeitung" folgende ausführliche Darstellung, in der u. a. hervorgehoben wird, daß die Kaiserin dabei gewiß zum ersten Male mit gewerkschaft- ftcken Führern und Führerinnen sich unterhalten hat. Dann heißt es weiter:Kaum hatten die aufsichtführenden Gewerkschafter sich darauf vor­bereitet. was sie der Kaiserin im einzelnen vor- führeu sollten, erschien diese bereits in Begleitung einer Hofdame und eine? K erberrn. Fräu. lein Margarete Behm, die ende des Ge- werkoereins der .Heimarbeite rir übernahm

Rnteße Telegramme.

Hamburg, 2. Febr. Der Gouverneur von Kamerun, von Puttkamer, der mit derEleo­nore Woermann" hier erwartet wurde, ist dem Hamb. Korrespondenten" zufolge in Tene riffa zurückgeblieben.

Metz, 1. Febr. Die Zentrumsvereine beab- sichtigen, der elsässischen Zentrumspartei beizu­treten. Die Gründung einer elsaß-lothringischen Zentrumspartei kann demnach als gesickert gelten.

Paris, 1. Febr. (W. B.) Bei der Kirche der heiligen Klotilde kam es heute Nachmittag zu einer großen Ruhestörung. Eine Menschen, menge warf den städtischen Vertreter Meursen die Stufen der Kirche hinunter, als er die Inventar­aufnahme ankündigen wollte. Meursen wurde nicht unerheblich verletzt. Mehrere Schutzleute

. Roden schrieb mir, daß er morgen zu uns konimcn will. Er^war in Syft, freiwilliger Aufenthalt in einem Seebade, und hat noch einige Tage für uns sich frei gehalten."

- Hamis Oertel war erstaunt, als sie die schritte ihres Mannes im Salon hörte. Seit Wochen geschah es zum ersten Male, daß er sie SV aufmchte. Das geschah auch früher nicht, denn die Vormittage waren der Arüeft ge-

* - & Hm aber ihre Ansicht über das ^erfehlte lernes Unternehmens, die Hertha Loß- berg in ein Drama umzuwandeln, klar und ehr- «ch darlegte sah sie ihn bis zu Tffche überhaupt nw. e>te glaubte zu bemerken, es wäre ihm un- angenehm, wenn sie ihm sein Frühstück in das Ar- brachte, so beauftragte sie das Zsin- mermcwchen damtt.

ietzien Woche sahen sie sich noch seltener, SMvcllen den ganzen Tag über nur bei den Mahl, ö^isn. --ertel war oft verstimmt und niachke ein ftnneres Gesicht. Heftig gefrierend tootf tm Garten auf und nieder, o5er FrauÄnns

tonten ntoC^te o6ec liehen bleiben, um zu j 3 in den Salon, chr I

l b^.Roden hierher zu ihnen käme,

jbülte, hL bem/rr«gtm Gesicht des Gatten, ^chm cheser Besuch mdhr war, als nur ein etn- sbltenS des gefünhte-

** Gitters uns Literaten, und fragte rasch: I

"Und weshalb das alles, Herr Roden?" I fragte sie.

IWeil ich außerhalb der Tretmühle ein ganz I anderer fein will und muß, gnädige Frau. Ein- fach nur, um mir die Nerven neu besohlen zu I Assen. In Berlin wetzt man sie schon wieder durch. I >?a, ivcr es so gut hat wie Oertel, braucht zu I solchen Mitteln feine Zuflucht nicht zu nehmen. I Aber ich muß das. Stellen Sie sich doch ein- I mal mein Dasein vor, vormittags Redaktton, uach- I mittags andere Arbeiten, und dann das Nacht- I leben. Während meiner kurz bemessenen Urlaubs- I Zett darf ich gar nicht an dies Elend denken, I und deshalb dieser Unsinn. Uebrigens reife ich I stets tote ein Fürst, das heißt inkognito."

Um so schlimmer," konnte sich Hauns nicht I emiMten zu sagen.

I »Sie haben ganz Recht, gnädige Frau", er» | widerte er.Aber was soll ich tun?"

I . "Wer zwingt Sie denn, ein Leben zu führen, I lvw Sie es schildern? Sie müssen sich verheiraten, Herr Roden, dann wird Ordnung in die Unord-

I nnng geraten."

[Erbarmen Sie sich, gnädige Frau", rief der allo Belehrte,haben Sie Mitleid mit derjenigen, welche meine Fran werden soll. Von der kann sR nur sagen: die Unglückliche. Ich fürchte, mir fehll zum Ehemann alles, rein alles. Aber auch mit mir haben Sie Mitleid. Ich besitze Mut lme em Löwe, sogar Staatsanwälten gegenüber, und das will etwas sagen. Aber vor einer Frau bin ich feige. Ich muß in der Ehe der leidende Teil werten."

Natürlich ist er krasser Egoist und folgt dieser Mahnung seines lieben Ich mehr als gern", warf Oertel ein.Ich sagte Dir ja immer schon, Ro- den. Du wirst trotz Deines Mannesnmts vor Staatsanwälten eigentlich ein ganz femininer Charakter. Womit ich übrigens nicht gesagt haben will, daß ich unbedingt an Deine Furcht vor ter Frau alaitte." ___________

mußten den Säbel ziehen, um ihn von seinen An. greifern zu befreien. Die Menge ver - I ch a nzte s i ch sodann in der Kirche und versperrte die Eingänge mit Barrikaden aus Kirchen st ühlen. Gegen drei Uhr er- schien der Polizeipräfekt Läpine mit einer Kom­pagnie der Garde Räpublicaine. Als diese in die Kirche eindringen wollte, setzten ihnen die in die- ser Verschanzten einen heftigen Widerstand ent­gegen. Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen gelang es den Gardisten, in die Kirche einzudrin. gen. Nach weiterem äußerst heftigen Kampfe wurden die Zivilisten ans der Kirche vertrieben, und es glarig dem Dominalinspektor, das In- ventar aufzunehmen. Das Innere der Kirche ist vollständig verwüstet, die Fensterscheiben, sonne sämtliche Sttihle sind zertrümmert. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verwundete, doch ist nie­mand schwer verwundet. Etwa 150 Personen, .

darunter ein Geistlicher, sind verhaftet worden. I sie führende Metallarbeiter Gaßmann mußte

New-Aork, 1. Febr. Nachrichten, die aus wiederholen, daß 100 Stück Perpendikel mit 1 Cartagena (in Kolumbia) in Panama einaelaufen 22 Lohn bringen. Bei ter

find, melden, daß ter frühere Präsident Valencia I Messerfabrikation nnt Wochenlohnen von nicht und ter General Ospina in ter kolumbischen I 16'20 bis 17,50 <ft .wollte die Kaiserin

Provinz Antioguia eine Revolution angezettelt I Arbeitszeit wissen. Es toar nicht möglich, haben. I diese anzugeben. Die Arbeiter haben sie wohl

Konstantinopel, 1. Febr Die Pforte bereitet ntot °bne Grund ter mitarbeitenden Kinder toe- neue Maßnahmen gegen die ferbisch-bnlgarisclie 3<m, berfchwiegen. Lebhaftes Erstaunen aber Zollunion vor. ' I malte sich im Gesicht der Kaiserin, als sie selbst

feien mußte, daß ein schwerer Bleisoldat, ein Hu­sar zu Pferde, pro 100 Stück fix und fertig nur mit 1,80 oft bezahlt wird, daß der Guß von 100 Bleisoldafenreihen a 7 Stück gar nur 40 L bringt. Kopfschüttelnd besah die Kaiserin die Nürnberger Blechspielwaren von 144 Stück für 47 -Z, und das machen Arbeiterinnen! Der sich- reute Arbeiter konnte noch mit mehr aufwarten, mit Kinderarbeit: Aufziehen ter Nähnadeln, 1000 Stück für 3y2 »z.Mögen der Angelhaken, 1000 Stück für 15 psi Einbacken von Haaruadeln, 1000 Päckchen a 25 Nadeln für 70 L, Aufziehen von Haken und Oesen, 360 Karten a 24 Paar gleich 17 280 Teile für 1,25 c ft usw. Das Sittereffe der Kaiserin wuchs. Trotz ter Mahnung des diensttuenden Kammerherrn, aufzubrechen, blieb die Kaiserin und ließ sich die Arbeit von einem Postabzeichen, Emaillieren und Bemalen des

begreiflich schien es ter Kaiserin auch, daß ein , . - , -

Knabenanzug, Jacke, Weste und Hose, nur mit d«fe ^rage tm Anschluß an den Vorgang naher 70 »3 Macherlohn bezahlt würde, imd daß für erörtern. In ter Spielwarenabteilung zeigte sich den Stundenverdienst von 7 I, ter so erzielt I die Kaiserin über die Armut im Erzgebirge unter­wird, die verschiedensten Größen hergestellt wer- I richtet. Wie soll man nur helfen? fragte sie den den müssen. Dieselben Vorgänge wiederholten I erklärenden Vertreter des Hol.zarbeitewerbantes. sich bei der Blumen- und Wäscheindustrie. In "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg", ant- der Abteilung ter Derttlarbeittr ließ sich die Kai- wortete dieser. Die Zett der Kaiserin war nur ferin genau erklären, tote die Klöppelspitze ent- noch knapp bemessen. Trotzdem tertoeifte sie noch, steht, für die eine 81jährige Frau einen Stunden- I «nd das vielleicht nicht ohne Absicht, um das von lohn von sage und schreibe W2& verdient. Die Inem christlichen Textilarbeiter hergestellte Kaiserin fandgeradezu unerhört" die Gegensätze I Prunkband zu besichtigen, das die Worte trägt: der Tertilarbeiferlöhne in Apolda mit I Kaiser Dir". Lohn 19 pro Stunde. Sie einem Stundenlohnevon3^ und 45 H. I sah noch ein Bild einer Httmarteiferfamilie mit Staunende Blicke wechselte die Fürstin mit ihrer I ^ehn Kindern, die für die Finna Prym in Stol- Hosdame bei den Puppen, die der Berliner katho- I berg (Aachen) arbeiten, und die Balltoilettestoffe, tische Arbeiterverein vorsührt.Wie kann man I die das Bureau für Sozialpolitik ausgestellt hat. nur von 7 I pro ©tunte in Berlin leben!" In Dann schied die Kaiserin nach fast cinftüntngem der Abteilung der Metallarbeiter intereifierte die I Venveilen. Besin Abschied fragte sie Fräulein Kaiserin die Zufammenfetzung der Blechlaternen, I ^ehm nochmals, was geschehen solle. Der Kaiser der Kuckucksuhrgehänse und der Perpendikel. Der müßte dafür sorgen, daß Mintesistücklöhne einge­führt werden, antwortete die Gefragte, und setzte hinzu: Majestät, sorgen Sie dafür, daß ter Kaiser mit eiserner Hand dazwischen fährt.

Berlin, 1 .Febr. Da die Beisetzungsfeie-i lichkeiten für den verstorbenen König von Dän«. mark erst kommende Woche stattfinden, ist Ke. Abfahrt ter deutschen Kaiserflottille von Kiel nmhs Kopeichagen auf nächsten Sonntag verschobkU worden. ;

London, 2. Febr. Die Königin wird Henles die Reife über Calais nach Dänemark antreten. Nunmehr wird bekannt gegeben, daß dem König«, feine Obliegenheften nicht gestatten werten, bei' Beifetzungsfeierlichkeiten für König Christian dßl Kopenhagen beizuwohnen.

Die Konferenz in Algeciras.

Es mehren sich die Zeichen dafür, daß auch in der Frage einer Neuordnung des Marokko nischen Polizeiwesens die Klippe, an der di» Konferenz hätte scheitern können, umschifft weis» den dürfte. Der Anspruch Frankreichs auf ei» allgemeines Mandat zur Ausübung oder Ueber» wachung der öffentlichen Sicherheitspflege auch außerhalb der Grenzbezirke gegen Mgerien wird vermutlich über aupt nicht Gegenstand förmlicher Beratung werden. Man scheint angesichts des auf allen Seiten herrschenden Entgegenkomment zur Ausscheidung von Konfliktsstoff stillsckwei» oenb davon absehen zu wollen. In diesem ver­söhnlichen Sinne haben für die Lösung der Po» lizeffrage Vorbesprechungen vertraulicher Art schon einen Weg gebahnt. Bindende Antvbg» aber sind noch von keiner Macht ausgegangen. Der in der italienischen Preffe bekämpfte Er» danke eines allgemeinen Polizeimandats für Italien ist ohne amtliche Unterlage aufgetaucht. Seiner Verwirklichung hätte Deutschland, salü» damit ein Wunsch der italienischen Diplomatie erfüllt worden wäre, nicht widerstrebt, setzt sich aber auch nicht dafür ein, wenn in Rom kein dahingehender Wunsch gehegt wird. Unser» Vertreter haben weder eine Beauftragung Ita­liens angeregt, noch sind sie bisher in die Lag» gekommen, andere Vorschläge aufzustellen. Tch Nachrichten über deutsche Wunsche in der Po» lizeisrage haben nur die Bedeutung von Füh» lern. Es wird sich vielleicht später ergeben, daß der von der Konferenz unter verschiedene« Möglichkeiten zu wählende Ausweg nur um ein Kompromiß kann es sich bandeln etwas anderes ist, als die bisher öffentlich angekün» bigten Lösungen.

Algeciras, 31. Jan. (Agence HavaS.) Das Redaktionskomitee beendete heute die Aus­arbeitung der Vorlage betreffend die Steuern, die der morgen stattfindenden offiziellen Sitzung vorgelegt werden soll. In dem Entwurf wird besonders vorgefchlagen, gewisse Steuern anzu­nehmen, die Einzelheiten jedoch der Prüfung der Vertreter der fremden Mächte in Tanger zu überlassen. In die Vorlage find gewisse in dem marokkanischen Programme enthalten»

Das hat man nun von solcher Freundschaft,* * ** rief Roten lachend.Junge, Junge! Wem» Du mich nach achtundvierzig Stunden schon je behandelst, was soll erst in drei Tagen wertend Plötzlich toentete er sich rasch zu Frau HannS, welche rechts neben ihm saß. Was er sagte, klang gar nicht scherzhaft, sondern wie heiliger Ernstz

Ich sagte die völlige Wahrheit, als ich er« klärte, ich eignete mich nicht gut zum heiraten. Trotzdem fühle ich oft, nein, immer den brennen« den Wunsch, eine Ehe zu schließen. Wirklich! Es scheint das Ihr Erstaunen zu erregen."

Weniger Erstaunen über ihren Wunsch aül darüber, daß sie ihn verlautbaren."

Ganz einfach, gnädige Frau. Wenn ©te frei wären, könnten Sie es mir antun. D» brauchst nicht die Sttrne zu runzeln, Oertel. Ich sage das Deiner Gattin in Deiner Gegenwart, bann ist es wohl ungefährlich. Ich habe damit nur sagen wollen, daß ich mir die Frau, mit bett ich gemeinsam dieses Jammertal burdjtoaöex möchte, so vorstelle, wie Sie find, wie ich an­nehme, daß Sie sind. Ob meine Annahme ridjtig ist, kann ich freilich nicht troffen, aber ich glaub» es. Daraus kannst Du schon entnehme«, Oertel, daß ich nicht das Aeußere meine. Ha­ben Sie nicht eine Schwester, gnädige Frau,« eine Verwandte ober Bekannte, welche Ihne» ähnlich rft?"

Frau Oertel errötete anfangs bei dieser deut« lichen Erklärung lebhaft, ihr Gesicht nahm atet bald ferne gewöhnliche Färbung an, als flM glaubte, annehmen zu dürfen, Roden hätte kei»j Hintergedanken.

Oertel aber meinte, das sei Unsinn. In punkt« Ehe müsse jeder selbst zufehen, wie er damit a*-, staute käme. Andere konnten nur Unheil and richten.

ft (Fortsetzung folgt.)'