tttii dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: JAnstrirteS SonntaaSLlatt.
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Jfä 22 J«s«rtlonsgebul>r: die gespalteneZcile-od-r -crrnRaum 10Pfg. SüNNübeNd, 27. JaMMl 1906. Marburg, Markt 21. - Telephon 55. *
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Beil, Kaiier Wilhelm, dir!
hallt der Klang her Glocken durch die Laude, Die deutschen Fahnen wehen hoch und hehr, Palast und Hütte prangt im Festgewande Vom Alpenlande bis zum nord'schen Meer. —. Die Stunde feiern wir, da einst geboren Der Hohenzollernfürst dem deutschen Reich, Dem Kaiser gilt das Lied, der auserkoren Zu großem Tun, den stolzen Ahnen gleich! —♦
Nacht brach herein, Gewitterwolken drohten, Als kühn er in des Staatsschiffs Steuer griff — Ob Wind und Wellen auch Gefahren boten: Nicht schreckte Sturm ihn, nicht manch' Felsenriff. L:ßt das Geschick in Kaisers Hand uns legen! Daun eilt Alldeutschland, stark und siegbcreit, Nach längst erträumtem, hohen Ziel entgegen: Dem Glück und Frieden einer Neuen Zeit! - -
Nachdruck verboten^ Wohl stammt^ empor im Oste» und im Weste», Wohl dräut der Feinde Arglist unserm Strand, Und an des Reiches, an der Kirche Festen Greift keck ein Feind im deutschen Vaterland. Doch keiner M^cht soll unsre Treue weichen!
Ein einig Volk von Brüdern nur zu sein, Bleib' unsre Losung, wie die Ruhmeszeichen Sie einst verkündet von der Wacht am Rhein!
Und sollte je, umtobt von Sturmessausen, Der deutsche Eick bäum zittern bis in's Mark — Sollt's unheilkündend durch die Gaue brausen — Kein Feind schr.ckt uns, wenn wir in Treue star!^ Heil, Kaiser, dir! Wir folgen deinen Fahnen l In Wetternacht, in Friedens sonnmschein
- Zeig' uns der Kaiseraar die rechten Bahnen! „Wir Deutsche fürchten nichts, als Gott allein!^
Zu höchstem Fürstenamt vom Herrn berufen, Darf Kaiser Wilhelm auf sein Volk vertrau'n, Und was sie einst auf heißer Wahlstatt schufen - Wir helfen mit, c3 treulich auszubau'n. Ein Bild der Kraft und ritterlich.» Tugend Sei lang' er Kaiser noch, Alldcutschlands Zier! Dich liebt dein Volk, dich ehrt die deutsche Jugend! D'rum immerdar: Heil, Kaiser Wilhelm, dir!
Haus «tbremr
Hell dem Mui ja*!
„Regem habemns" zu deutsch: wir herben eilten König, so schrieb ein tatoerer Stammvater, unseres Kaisers, der Admiral Coligny, einst aus einen Speer, den er aus belagerter Stadt zur Antwort hinauswerfen ließ unter die Feinde, die ihn zur Ueboraabe aufgefordert hatten.
linier deutsches Vaterland ist auch einer Stadt almlich, die auf dem Berae liegt und von vielen offenen oder heimlichen Feinden umgeben ist. Aber wir fürchten uns nicht: wir haben einen König, wir haben einen Kaiser, und dieser Kaiser
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iNachdruck verboten.)
Die Brücke.
Roman von Willy Scharlai».
(rfortfebuntt.)
„Nein, bitte nicht," erklärte er, sah aber seine Frau nicht an. „Ich bin auch mit dem 8immer oben durchaus zufrieden."
Jß?ie Du willst," entgegnete sie leise.
Als er hinaus war, trat sie an das Fenster. Aber sie sah nichts von dem, n>as draußen vor. gwg, bemerkte nicht, mit welch andächtiger Span- nung die beiden Hunde draußen standen und auf klnen Blick, eine Bewegung von ihr warteten, mit dem geistigen Auge in den Abgrund, welcher sich zwischen ihnen auftat.
-autlos öffnete er sich, er war da.
.Weshalb schloß er sich gegen sie ab? Weshalb «eg er sie nicht an seinem Streben, an seinen Arbeiten teilnehmen?
. Hatte sie ihn gekränkt durch ihre Kritik über leuie ^rauenck>araktere, die ihr zu weich und zu wetbuch waren?
V.^ein, so kleinlich dachte er nicht. Die Kritiken uoer leinen neuesten Roman waren doch auch nickst uue gut. Mele günstig, andere kanzelten ihn »rundlich herunter, so daß er meinte, kein an- uvwiMr Hund könnte mehr ein Stück Brot von w annehmen. Aber er lachte dazu, ärgerte sich Mr nicht.
£ber war es, daß sie studierte, ihm ebenbürtig war^was die Vorbildung anbetraf?
. . sie schüttelte den Kopf. Mit andaren Leuten er überhaupt nicht um, dies geistige Hand, syita besaßen sie alle.
bedeutet für uns die Tatsache, daß die Zeiten der ^waude und Schwäche hinter uns liegen, daß unser Volk wieder einig geworden ist. Ein einiges Deutschland ist unüberwindlich. Als die Deutschen vor 35 Jahren erstmals wieder einem Kaiser zujubeln durften, da geschah dies durch den freien Willen der deutschen Fürsten und Stämme. Doch als Christen erkennen wir darin die gnädige Führung Gottes, der unser deutsches Volk wieder erhöhen wollte, Unser stärkster Trost unter all den Stürmen der gärenden Zeit ist die Gewißheit: „Gott sitzt im Regimeute und führet alles Wohl." Wir gehören nicht zu den Schmeichlern,
So blieb nur eins, daß er der Frau im allgemeinen, und ihr im besonderen die Fähigkeit zu höherem Flug aberkannte. Gedächtniskram hatte er einmal das ganze Studium genannt, und über diesen kam sie auch noch nicht heraus. Für einen Mann war das selbstverständlich, selbst höchst mittelmäßige Köpfe leisteten es mit einigem Fleiß und auch ohne denselben. Sie hatte bis jetzt eben nicht mehr getan, als was jeder Mann vor sich bringt, und stand nur gerade in dem Niveau der Mittelmäßigkeit. Jetzt erst konnte sie beginnen auf dem Fundament, welches gehegt war, selbst ein Gebäude aufrichten. Welcher Art, das hing von ihr ab.
Oder traute er ihr das nicht zu?
Um das zu glauben, schätzte er sie viel zu hoch ein, fo, hoch, wie sie es verlangen konnte.
Nein, das war nicht der Fall, er war es eben in all den arbeitsschweren Jahren nicht gewöhnt, einen anderen an seinem Streben und Arbeiten helfen und teilnehmen zu sehen. Immer nur er allein. Es war ihm neu, fremd, wirkte abstoßend aut ihn, daß sie plötzlich kam und etwas schnell verlangte, er sollte sich darein finden, sie als eine Mitarbeiterin zu betrachten. Sie war zu schnell, ihr Verlangen ein übereiltes. Aber langsam würde sie sich den Platz an seiner Seite erobern, sie die Freundin ihm werden, die an allem teilnimmt.
Und Hanns beschloß, den Gatten bei seinen Arbeiten vorläufig ganz allein sich zu überlassen. Er sollte bestimmen, wann und wie weit er ihr Einblick in dieselben gewähren wollte.
Forderte er aber ihre ehrliche Kritik heraus, so würde sie unter keinen Umständen mit beriet- ben hinter dem Berg halten.
die einen ab-'sitischen Menschendienst treiben und in den Stunden der Gefahr am ersten versagen. Um so treuer und ehrlicher soll es gemeint sein, wenn wir am 27. Januar rufen: „Heil dem Steifer!"
Blutigrote Flammenzeichen im Osten unseres Vaterlandes lehrten uns dankbar die Freiheit schätzen, die Kaiser und Reich uns gewähren und ebenso den Segen einer festen Regierung, die den Geistern wehrt, welche im Namen der Freiheit nur ihre Gewaltherrschaft suchen. Wir wärm rmdankbar, wollten wir nicht mit Freuden rüh. men: „Wir haben einen Kaiser! einen Kaiser,
Als die Gatten nach einigen Stunden bei Tisch zusammenkamen, schien das Intermezzo vom Vormittag vergessen. Es trat anderm gegenüber in den Hintergrund. Als Marga nämlich von dem Entschluß ihrer Geschwister hörte, den Sommer über in Wilhelmsburg bleiben zu wollen, erklärte sie, irgend eine Stellung an- Uehmen zu wollen.
Das erregte natürlich beider Verwunderung, Hanns löitrbe über diese Idee der kleinen Schwägerin böse, es half aber nichts.
„Ich habe mir alles reiflich überlegt," sagte Marga. „Hier kann ich mich nicht betätigen,, denn hier bist Du die Hausfrau. Hier würde ich mir immer als Gast vorkommen. Morgen schon schreibe ich an Fräulein Krüger in Potsdam. Sie weiß stets solche Stellen, und--"
Plötzlich stürzten dem jungen Mädchen die Tränen aus den Augen.
Marga sprang auf und lief nach oben, sich auszuweinen.
Die Zurückbleibenden sahen, sie erstaunt an. Sie begriffen nicht, was der Kleinen plötzlich toure. Hanns aber meinte, es wäre toohl am besten, sie ließen ihr zur Zeit den Willen.
„Ein längerer Aufenthalt unter fremben Men. scheu schadet niemand. Und paßt es ihr draußen nicht mehr, hier hat sie eine Heimat, hier finbet sie stets offene Herzen mrd offene Arme."--
Einige Tage später machte das Paar einen Besuch bei Herrn und Fran von Schulz.
„Ich fürchte fast, den Leuten wird unser Stemmen nicht sehr angenehm sein," meinte Oertel, als seine Frau ihn bat, mitzukommen. „Sie werden den Besuch als eine Bitte auslegen, auch ferner in
um dc-r das Ausland uns beneidet, einen Kaiseh der furchtlos und treu die Volksmacht hält!"
„Gott erhalte ihn und segne ihn!" Das ijü unser aufrichtiger Geburtstagswunsch.
Gott hat unserem Kaiser fürstliche Gedanken gegeben, heilige Gedanken des Friedens., Wen« aber fremder Neid und fremde Ungerechtigkeit je einmal nötig machen, daß der Kaiser fein, Volk z« den Waffen ruft, dann werden die Feinde mit Schrecken erfahren, daß in Deutschland noch Viele treue Herzen schlagen, daß der Arm des deutsche« Volkes noch stark und sein Schwert noch scharf ist.
der Gesellschaft verkehren zu dürfen. , Du wirft Dich einer Ablehnung aussetzen, Liebling."
„Diese Gefahr kann mich nicht von der Pflicht der Höflichkeit entbinden. Es ist ein Pflichtbesuche"' erwiderte sie.
Frau von Schulz war von ausgezeichneter Höf« lichkeit. Sehr bald verwickelte sie Oertel in, ein ausfragendes Gespräch, freilich mit negativem Resultat. Der Besucher war, auf seiner Hut.
Ein höfliches Lächeln, ein Achselzucken, , aul dem sie herausdeuten mochte, was ihr beliebte, waren häufig die einzigen Antworten auf ti?re Fragen.
„Sie gehen nun bald nach Berlin zurück, lautete eine der sprunabaften Fragen ter Fra« von Schulz. „Ich verstehe das vollkommen, Herr Doktor. Unser friedliches Städtchen kann Ihne« wohl nichts bieten, was Sie zu Ihren Arbeite« nötig haben."
„Man kann doch auch in einer kleinen Stadt Gutes leisten," erwiderte er mit leichter Verbeugung, auf die fabrikmäßig angefertigten Ro« mane anspielend.
Sie aber schien die Schmeichelei nicht zu hören, sondern meinte: „Ist man nicht gebunden wie wir, sucht man sich den passendsten Platz ans. Nicht ivahr. Villa Lingen wird jetzt toohl bald den Besitzer wechseln?"
„Wie soll ich das verstehen, gnädige j^rau?* erklärte er kühl. „Die Besitzung ist Eigentum meiner Frau, und ich kenne ihre Dispositionen nicht. Soviel aber steht fest, für den Sommev bleiben mir hier."
(Fortsetzung folgt.)
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