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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

* Sorrntaqsdettage: Jllustrirtes Sonntaasblatt. ________________________

------- Vierteljährlicher Bezugspreis; da der ErPÄ>ition 2 M, Erscheint wöchentlich sieden mal.

... ba allen Postämtern 2Ib Ml. <excl. Bestellgeld). J Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umversttätz-Buchdruckerei 41. >ZM)rg.

J1S. 11 Jnsertl-Nsgebühr: die gespalteneZeiU oder vcren Raum 10M. Sonntag. 21. Januar 1906. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Reckumen: die Zeile 25 Psg. __________'

Erstes Blatt.

Deutschlands Interessen an Marotto.

Die ausländische Presse hat sich bei der kriti­schen Beleuchtunq dec Ansprüche, die DeutsÄano auf der Marokko-Konterenz zu vertreten gedeM mrd die keinen Finger breit von den, vertraglich zu gesicherten Recktsboden abweichen, im großen und ganzen mebr von politischen Sympathien und wirrsc^rftlichen Früeressen als von Ehrlichkeit und Objektivität leiten lassen. Besonders haben da­bei angesehene Organe der öffentlichen Meiming in England, Frankreich, Italien unb Ls«men den Anschein zu erwecken gesucht, daß das Ver- halten Deutschlands in der nmrokkanistijen An- gelegeulxut ein neues Anzeichen der iwftpolitiicöen Unersättlichkeit, und Großmannssucht des deut­schen Volkes und als solllM zu bekämpfen sei. Um so erfreulicher ist es, daß in einem der äuge- fehensten Organe der belgischen Presse der deutsche Standpunkt Valles Verständnis und rück­haltlose Zustimmung gefunden hat.

DieJnddpendcmce beige" kommt am Schlüsse einer Untersuchung über die Aussichten der Kon­ferenz von Algeciras zu folgendenErgebnissen: In Deutschland mit dem beifviellosen Wachstum sei­ner Bevölkerung und der erstaunlichen Eniwick- luttg seiner industriellen Kräfte ist der Export unbedingt notwendig. 1875 hatte Deutschland 42 Millionen, 1905 dagegen 60 Millionen Ein­wohner, in den letzten fünf Jahren hat sich seine Bevölkerung jährlich um 800 000 Köpfe ver­mehrt. Dem Zutvachse an Menschenmaterial ent­spricht die Zunahme der Einfuhr an industriellen Rohstoffen, und diese bedingt ihrerseits wieder die Notwendigkeit eines starken Ausstrhrhandels. Um Deutschlands heutige Stellung im internatio­nalen Wirtschaftsleben richtig zu würdigen, muß man sich in Verbindung mit der Tatsache, daß Deutschland gegenwärtig mehr Stahl produziert als England, an das Wort Carnegies erinnern, daß diejenige Nation, die den billigsten Stahl produziere, allen anderen Nationen vorauf und überlegen sei, denn billiger Stahl bedeute billige Schiffe und billige Arbeitsmaschinen. So begreift man, daß für Deutschland die Notwendigkeit der Erhaltung und Entwicklung seiner Ansfnhr- industrie besteht: so begreift mau die Notwendig, feit seiner Flotte: so erklärt sich und so ist durch­aus zu bstligen der Standpunkt des Kaisers, der die Verantwortung für die politische Leitung Deutschlands trägt und der, das ist keinesfalls ZU bestreiten, die Sicherung der kommerziellen Expansion und der wirtschaftlichen Absatzgebiete deö Reiches als unerläßlich für das Leben feines Volkes ansehen muß. Das Deutsche Reich, vor 30 Jahren, durch eine Verbindung von kleinen, armen Staaten geschaffen, ist bei der Teilung der noch freien Wirtschaftsgebiete zu spät gekommen, es besitzt keine ober so gut wie keine Kolonien, durch die es wie andere Länder seinen Produ­zenten Vorteile zuwenden köimte. Mit umso größerem Rechte muß also Deutschland darüber

lvachen, daß die Zugänge zu den Teilen der Erde, die noch der Zivilisation zu gewinnen sind, offen bleiben, offen für einen freien Wettbeiverb seiner industriellen Erzeugnisse. Es ist zu münfeijeu, daß die in Algeciras vereinigten Mächte von der Lage, in der Deutschland sich befindet, sich slfechenschast geben. Mögen Frankreich und Eng­land auf den letzten Paragraphen des Artikels 4 des Vertrages vom 8. April -1904 verzichten! Mögen alle Nationen sich in der Absicht bereini­gen, daß die kommerzielle Freiheit in Marokko ernstlich und vollständig geachtet werden soll nicht nur für 30 Jahre, sondern ohne jede zeitliche Beschränkung,für alle Zeiten", wie die Deutschen es verlangen! Möge andererseits, unter der Kon­trolle der Mächte, die Organisation der marok- kanischeri Polizei und der Armee der frcmzösi- fcheu Republik übertragen werden! Dann wird die ganze Welt den Arbeiten der Konferenz Bei­fall stxuideu, und man ivird dann einer neuen, fruchtbaren und dauerhaften Schöpfungsperiode der menschlichen Arl>eit entgegensehen diirfen . ."

Ungarn.

Ein guter Beobachter der nationalen und landwirtschaftlichen Verhältniste in Siebenbürgen schreibt uns: Es steht fest, daß die Siebenbürger Sachsen einen verhältnismäßig geringeren Ge­burtenüberschuß aufweisen als die Rumänen. Um so bedenklicher ist daher die in den letzten Jahren immer mehr eingerissene Auswanderbeweg'.rng. Die führenden Männer unter den Sachsen haben seit langem nach den Gründen der Wanderlust, ge­forscht und nicht minder nach Mitteln zur Abhilfe. Als Grund für bie Abwanderung wird in fast allen Landgemeinden die Vcrschrlldnng angeführt, die selbst wieder veranlaßt sein kamr durch eine Reihe von persönlichen und sachlichen Motiven: Trunksucht, Mangel an Fleiß, Belastung durch Abgaben, Luxus in der Lebensführung, mangel­haften Ertrag der Grundstücke, ungünstige Er­werbsverhältnisse und die allgemeine wirtschaft- lifbe Not. In mehreren Gemeinden treibt die Leute ohne eigentlichen Zwang das Streben nach größerem Verdienst aus der Heimat, in an- bereu bie Nebeivölkerung und in einem Falle eine verfehlte Grundstückszusammenlegung. Der we­sentliche Grund bet Auswanderung scheint in den Bcsthverhältnissen der Sachsen zu liegen. Man kann sagen, daß ein Drittel bis zwei Drittel sämtlicher Sauern einen Besitz von unter 5 Joch haben. Diese Leute leisten zumal bei der nach vielfach beliebten altväterischen Wirtschaftsweise trotz allen Fleißes Tretmühlenarbeit und können im besten Falle ihre Lebensbedürfnisse knapp be­streiten. Es ist zu verstehen, wenn solcl« Klein- heuern den Berichten aus demGoldlande" Amerika nicht zu widerstehen vermögen.

Tas Ziel der Auswanderrrng ist in erster Linie Amerrka, dann in ;ebr hohem Maße Ru­mänien und schließlich Deutschland. Die meisten Auswanderer geht mit der Absicht fort, ihre Lage zu verbessern und baldmöglichst in die Hei­mat zurückzukehren, fahren also ohne Fran und Kinder. Die an die Zurückgebliebenen geschickten

Summen sind z. T. sehr hoch, wenn man bedenkt, daß in den sächsischen Gemeinden der Tagelohn 40 Heiler bis 1,60 Kr. beträgt. Daß die Leute 1000 bis 2000 Kr. im Jahre schicken, ist feine Seltenheit, davon ivird der Besitz entschuldest eventuell auch Land gekauft ober zugekauft. Die zurückgekehrtenAmerikaner" bilden im Dorfe cm höchst nötiges fortschrittliches Element, fie führen Neuerungen ein und haben in Amerika gelernt, was wirklich arbeiten, heißt, auch ihr Vorurteil gegen niedere Arbeit abgelegt. Ihr Beispiel wirkt bei den mißtrauischen, am Alten hängenden Bauern mehr als jede Belehrung. Es ist gut, baß bie Auswanderung so wenigstens auch ihre erfreulichen Seiten hat, denn bie Schatten­seiten überwiegen ganz beträchtlich. Das Schlimmste ist. baß schließlich, z. T. gegen ihre ursprüngliche Absicht, boch ettoa zwei Driftet ber Ausgewanderten in Amerika bleiben, was einigen Gemeinden geradezu verhängnisvoll ist, da bie Zurückgebliebenen nur mit Mühe imstande sind, bie drückenden Schul-, Kirchen- und Staatslasten anszubringen. Diesem außerordentlichen Ausfall an Volkskraft gegenüber bietet das heimgeschickte Gelb einen höchst mangelhaften Ersatz, zumal es oft genug nicht zweckentsprechend verwandt wird. Hinzu kommt, daß dieAmerikaner" sich vielfach schwer wieder in das enge Dorfleben fügen kön­nen. auch bald unmutig werden, wenn sie den Erfolg ihrer Arbeit nicht gleich genießen kennen, und schlechte Sitten mitbringen. Sie bangen nicht mehr fest am Boden, ziehen häufig bald wieder nach Amerika und die Rumänen drängen sich unaufhaltsam in die entstandenen Lücken. B.

Deutsche Kelomen.

Sndwestafrika. lieber bie Frage:Wie bleibt Deutsch-Südwestafrika eine deutsche Kolonie?" bat sich neulich Stabsarzt Dr. Kuhn von ber Kaiserlichen Schutztnivpe, der in den Kämpfen gegen bie Herero nickt nur als Sanitätsofftzier. sondern auch als Anführer tätig gewesen ist, in der Kameradschaftlichen Vereinigung Berliner Kriegervereine ausgesprochen. Die Frage, ob die Kolonie lebensfähig sei und sich in dem großen Kreise der südafrikanischen Kolonien entwickeln könne, müsse entschieden bembt werden. Diese Möglichkeit werde gegeben durch die Viehzucht und den Bergbau, denn das Land enthalte reiche Schätze an Diamanten und anderen wertvollen Erzen. Die Viehzucht müsse im breitesten Sinne betrieben werden und sich besonders auf die Zucht ber Wollschafe und ber ungemein ausdauernden heimischen Pferderasse erstrecken. Zur Lötung der zweiten Frage: Wie bleibt Südwestafrika eine deutsche Kolonie? trage bie allgemeine Wehr­pflicht unb der Umstand bei, daß unsere Schutz­truppe keine Söldnerschar, wie bet den Enalän- lern, sondern ein in den Rahmen des deutschen Heeres wohl eingefügtes Glied sei, das außerdem den wichtigen Stamm der Ansiedler bilde. Diese ehemaligen Angehörigen der Schutztnwve seien aber bereit, im Augenblicke der Gefahr jederzeit zu den Fahnen zu eilen. Und Gefahr drohe ber Kolonie noch von verschiedenen Seiten her. Im

Norden stehen die feindlichen Ovanibo, von Ostete ber droht die große Vereinigung ber Neger, big sogenannte äthiopische Bewegung, deren Losung ist:Afrika für die Afrikaner". Außer der allge* meinen Wehrpflicht und einer starken Schutztrupps werde zur Erhaltung des Deutschtums in befl Kolonie auch viel der Unistand beitragen, daß ej dem Farmer möglich sei, eine beuticbe Frau zq heiraten unb so eine deutsche Familie zu grün­den. Nach dieser Richtung hin sei noch viel zu tun, ebenso dafür, daß es den Eltern durch Er« ziehungsbeihllfe ermöglicht werde, ihre Kindey auf einige Zeit nach Demfchlanb zu schicken. Eine allgemeine Forderung aber beziehe sich auf eh» starkes .Heer unb eine starke Flotte, durch die hnr allen Feinden Trotz bieten können, denn b« Frage, wer in Afrika Herr bleiben solle, werd« boch schließlich auf bem Boden Europas cntfdy«* den werden.

Ausland.

Belgien. Das Ministerium Desmei de Naet>ei hat bei ber ersten Abstimmung über die Regie­rungsvorlage betreffend die A n t w e r p e n e t Hafen- und Festungsfrage eine argi Schlappe erlitten. Die Kredite für den Hafen bau wurden zwar einstimmig genehmigt, aber bei Kredit für bie Neubefestigung der belgischen Handelsmetropole mürbe mit 79 gegen 79 Stirn» men, also mit Stimmengleichheit, abgelehnt. Die von ber Regierung gemachten Zugeständnisse, welche bie ursprüngliche Krebitforderung für di« Neubeflsiicmug von 108 auf 38 Millionen herab» setzten, haben also nicht ben Erfolg gehabt, bie antimilitaristische Gruppe ber Rechten, die 28 Abgeordnete zählt, umzustimmen. Nun fragt ei sich, was weiter geschehen soll. Dem Parlamew torischen Gebrauch zufolge hätte das Ministerium allerdinas dem König bereits fein Entlassung^ gesuch überreichen sollen. Aber eine Minister« frife in diesem Augenblick hätte gar keinen Sinn, Tenn erstens kann der König die klerikal-sozia« listische Koalition, tvelcke die Regierungsvorstig« zu Fall brachte, nicht zur Regierung berufen, Dann steht Belgien am Vorabend der allgemeines Parlamentswahlen, bie ohnehin nicht nur übei bas Schicksal ber gegentvärügen Reaie''"na, son­dern auch über das der belgischen klerikalen Par. tei selbst entscheiden Werben. Schlst'-stch ist je bie Verwerfung der Befestigungskredite vorers nur in erster Lesung unb zwar mit Stimmen gleichheit erfolgt. Die zweite Lesung wirb toolV erst in 8 Tagen unb vielleicht noch später statt finden. Bis dahin kann die Regierung durch nein Zugeständnisse vielleicht auch den einen ober an­dern Antimilitaristen nmstimmen unb die Vor­lage mit Not und Pein durchdrücken. Ob dar Ministenum Dcsmet de Naeyer schließlich nod einen Pyrrhussieg erringt ober ob es noch knaps vor den Wahlen gestürzt luirb, so viel steht fest daß die klerikale Partei sich in Auflösung befindet Die jüngste Abstimmung hat den Zersetznngsvr» zes; innerhalb der klerikalen Partei noch beschleu­nigt und zwischen den einzelnen klerikalen Partei fübrern einen Gegensatz geschaffen, der kam, mehr ausgeglichen werden kann.

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Nachdruck verboten.):

Die Brücke.

Roman von Willy Scharlau.

(Fortsetzung.)

Sprachst Du Marga?"

Egon zuckte die Achseln.

Ich sah sie überhaupt nicht. Sie verließ Papas' Krankenzimmer nickt, wdaß ich chr nur sagen lassen konnte, fie sollte unter allen Um- standen eine Schwester zur Pflege kommen lassen. Ob sie es getan hat. tveiß ich natürlich nicht. Ich ivar ohne Urlaub fort, musste also rasck zurück und denn ich glaube entschieden, Marga siebt yt schrvarz."

Acht fiel erst Hanns ein, daß sie den Bruder noch nicht sah, seit er sich Verlobte. Sie sprach chni ihre Glückwünsche aus, was er mit ber -aeiie des blasierten, in feinen Erwartungen Uidu getäuschten Weltmannes über sich ergehen

Als sie aber näheres über die Braut wissen wollte, brach er kurz ab.

' bei Gelegenheit kennen ler-

nen. ~6 j:e Dir zufagen wird, wage ich frestich 31! bezweifeln. Das scheint mir unter Sckwäge- gleichgflftg."

fr/Uf o °Ate f*e wir denn nicht gefallen?" fragte Hanns erstaunt. Du setzest etwas voraus, wa- nf) mir durchaus nicht wünsche."

2>nnfa r Ene Liebe. Mode. Pferde, Sack>>n £nb_ h« Anita Lebensbedürfnisse, also abnöt'aenK allgemeinen nur ein Lächeln fckiedene NafluA.^ fdb himmelweit der- ©itwL , welches, Egon machte, gab der «nllSie wußte genau, daß er sicht Verlobte, aber auf seinem Ge-

llOnl1 iobrel Verachtung geschrieben, daß es

ihr ins Herz schnitt. Wen sollte sie tiefer bemit­leiden, ben Bruder ober bas Mädchen?

Das Gespräch stockte, keiner der drei verspürte Lust, es fortzusetzen.

Hanns aber saß starr in einer Ecke, matt zum Umsinken, müde, aber mit offenen Augen.

Sie hatte keine Zeit, schwach zu fein.

12. Kapitel.

Am Bahnhof von Wilhelmsburg hielt ber Lingensche Wagen. Der Kutscher aber konnte nichts melben, als daß der Sanitätsrat vor einer Stunde ht der Villa vorsprach, dann sich aber wieder entfernte. Das gnädige Fräulein be= fände sich beim Herrn General.

Zehn Minuten später hielt der Wagen am Einfahrtstor.

Pferde und Wagen stehen auch drüben bei Müllers, weil bet Herr General bei jedem Wa- gen einen Schreck bekommt, er glaubt immer, das gnädige Fräulein käme zurück."

Der Mann vergaß die Heirat vollständig, ob­gleich er das Paar doch selbst zum Standesamt unb zur Trauung fuhr.

Ich gehe allein," erklärte Hanns, indem sie rasch ausstieg. Sie winkte Mann und Bruder zu, von der anderen Seite in das Haus zu treten. Wartet unten, bis ich wieder herunterkomme. Unbesorgt, Freude hat noch niemand getötet."

Sie ging rasch quer über ben Garten und über ben großen Rasenplatz, stieg die Stufen zur Diele hinan unb betrat das Haus.

Hanns von Singen, sie suhlte sich in diesem Augenblick nur als Tochter ihres Vaters, legte sthnell Hut und Mantel ab und war im Begriff, bie Treppe nach oben zu betreten, als der dicke Fnebvorhang, welcher den Treppenraum von der Diele trennte, von ber anderen Seite ausein- anbergeschiagen wurde und Marga erschien.

Marga, ober Mamas Schatten. .

Blaß, mager, abgehärmt, mit bunklen Ringen um bie Augen, glich fie mit ihren hastigen, unsteten Bewegungen der Verkörperung von Sorge unb Kummer.

Das junge Mädchen zitterte wie Esvenlaub an ber Brust ber Freundin und weinte krampf, haft.

Uni Gotteswillen, Kind, wie siebst Du aus? Weshalb hast Du nickt längst geschrieben, daß Papa so schwer erkrankt ist, ich wäre doch sofort gefemmen und wir hätten uns in der Pflege er­teilt. Du begingst ein Unrecht gegen Dich. 8trme§ Mädchen, was mußt Du ausgehalten haben!"

Marga bemühte fick, fest zu erscheinen.

Aber Papa ist wirklich erst seit einigen Tagen ernstlich krank. Wirklich, verlaß Dich darauf. Ich sehe nur immer gleich so aus."

Hanns glaubte ihr nicht, aber es fehlte die Zett zu längerer Auseinandersetzung.

Unb Papa?" fragte sie leise.

..Papa ist sehr krank," lautete Margas Er­widerung.Der Sanitätsrat gibt gar keine Hoff, nung. Er ist überrascht von der Widerstands­fähigkeit Papas."

Unb weiß er?"

Daß Du kommst, ? ja. Vorhin habe ich ihn vorbereitet, Du müßtest bald hier fein. Er sagte nichts, aber ich sah ihm die Freude am Gesicht an. Unb über sich selbst ist er ganz klar, der Sanitätsrat bürste ihm nichts verschweigen. Er ist stets bei vollem Bewußtsein, nur heute früh hatte er einen schweren Ohnmachtsanfall. Als er wieder zu sich kam, sagte er: Wenn das noch einmal geschieht, wache ich nicht mehr auf. Sie soll schnell machen."

Sie soll schnell machen!" wiederholte Hanns, der die Tropfen aus den Augen fielen.

Mache schnell." bat Marga und schob die Schwägerin zur Treppe.

Im Var raum zum Krankenzimmer saß eint der Mädchen, um Marga sofort benachrichtige«; zu können, wenn ihre Gegenwart erforberlij wurde.

Hanns winkte mit ber Hand, die Dienerst verließ geräuschlos das Gemach, dann betrat dd junge Frau das Krankenzimmer.

Steil aufgeridjtet, durch Kissen unterstützt, sas der alte Herr mehr im Bett, als er lag. Dai Gesicht ivar wenig verändert. Wie er balag, da Kopf leicht auf die Seite geneigt, die Augen ge schlossen, glich er mehr einem Toten als einen Kranken.

Lautlos glitt Hanns zu dem Bett und setzst sich fast unhörbar auf einen neben demselben stehenden Stuhl.

Eine leichte Bewegung des Kranken zeigte ihr, er schliefe nicht, und sie faßte sanft die feine, weiße, durchsichtige Hand des Vaters.

Der alte Herr schlug die Augen auf und blickte in das schmerzlich bewegte, angfterfiillte Gesicht des Kindes, das ihm doch seinen Kummer zu ber. bergen suchte. Ein leichtes Lächeln huschte tote der letzte Strahl unteraehender Sonne über daß bleiche, zerfallene Gesicht.

Du bist schnell gekommen, Hanns," sagte et leise, so leise, daß sie ihn zuerst kaum verstand^ Das war recht,--ich danke."

Ein leichter Druck seiner Hand begrüßte ftfc Sie beugte sich über dieselbe unb küßte sie.

Es wäre wohl besser gewesen, müh früher benachrichtigen," meinte sie.

Besser so, ich wollte es nicht. Ich habe nicht viel Zeit mehr, Mädchen," fuhr er nach einer Weile fort,und deshalb will ich mich gant kurz fassen."

Aber Papa, Du sollst nicht sprechen, gang ruhig sein. Ich bin jetzt hier unb weiche nicht von Deiner Serle." J"

- (Fortsetzung folgt)' j