La» mgs. i füe ahm hver»
legen Lar» ! von
offen, ender
«ar, ' 474
19C6 vett.
lg- mrg.
ufem (wirt -Slzer
. Kl. chten» desgl. . fit, beSflL . Kl , Scheit tocks-
Der» (475
ung vrts. c im ittaffe ah.
beim Wci»
■
geger
rate:
«•>
ebnet» und
obfen nftge» linnt
: Zeit '272
ht-
>au„ tauft (Säfte 477 ad.
ital
3
rt Ge- i er)
0 j
443 1 es | )h
rff.
:auch» Sinn» Blei, foroie der u. eiten, : Art, 3 zu 10229 adler,
zreibe Ber- Auch (Ber- tütfp,
Fam. Herrn iieten. (223
Aprtl,
n.
mb, teilen, delstr. SS
gk, Srend. tferien rt ev
(435 tarnt.
18.
Die Konferenz in Algeciras.
Berlin, 18. Ian. In Pariser diplomatt» schen Kreisen verlautet, der „Post" zufolge, auf Anlaß des Zusammentritts der Marokkokonferenl habe sowohl zwischen dem Präsidenten Louba und Kaiser Wilhelm, als auch zwischen dem Mini« sterpräsidienten Rouvier und dem Reichskanzler Fürsten Bülow ein freundschaftlicher Depeschen« wechsel stattgefunden, in welchem die gegenseitige« Wünsche für den Erfolg der Verhandlungen in Algeciras zum Ausdruck gelangten.
Al gecira», 17. Jan. (W. B.) Der Heu» tige Tag war durch private Besprechungen, lotete durch Vorbereitungen für die nächste Sitzung aur» gefüllt, die voraussichtlich morgen noch nicht statt- finden kann. Es bestätigt sich, daß die Frage bei Wasfenschmuggels zuerst behandelt werden wird. Die Abfahrt des amerikanischen Geschwaders vov Gibraltar ist abermals aufgeschoben worden. Der Vertreter der Vereinigten Staaten, White, er» klärte die den Vereinigten Staaten von einer gewissen Presse untergeschobene Absicht einer aktiv«» Marokko-Politik für absurd.
Algeciras, 17. Jan. Voraussichtlich findet Donnerstag zehn Uhr die nächste Sitzung statt, obgleich jetzt eine offizielle Mitteilung noch aussteht. Die Gesamtstimmung bezüglich der Konfcrenzarbeit ist durchaus optimistisch.
Washington, 17. Ian. (Reuter.) Die Delegierten der Vereinigten Staaten in Algeciras werden nach den ihnen rteilten Weisungen sich an der Losung der politischen Probleme Marokkos f« gut wie gar nicht beteiligen, außer daß sie bie Hoffnung aussprechen, daß, welche Abmachungen auch immer getroffen werden, den Vereinigten Staaten Gleichheit der Rechte gewährleistet werd«. Tie Vereinigten Staaten sind für eine inter- nationale Vereinbarung über die Polizeivernxck» tung Marokkos außerhalb des Grenzgebietes, für Besserung der religiösen und Standesverbältnifie in Marokko und für Beseitigung der starken Be- nachteiligung der Juden. Die Delegierten find angewiesen, die Vorschläge zu rurterstützen, die auf die Verhinderung privater Monopole bei bett öffentlichen Verwaltungszweigen abzielen. Sir
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
HomttagsbeUager MuftrtrteS Govutagsvlatt.
Ji2 15
Nach einer römischen
Erscheint wöchentlich sieben .nal.
Druck trab Verlag' Joh. Ang. Koch, UniverfitStS-Buchdruckerei 41. Jahry.
Marburg, Markt 21. — Tclcphcn 55.
allen etwaigen Ausschreitungen mit voller Energie entgegentreten werden. Dal sind sie, wenn nicht den mibe, rett Bevölkerungsklassen, so schon der nicht uner- heblichen Zahl friedliebender Arbeiter schuldig.
Was das „Ende vom Liede" ist, wenn es zu einem ernstlichen Zusammenstoß mit den Organen bet öffentliichen Ordnung kommen sollte, dar- über kann nur ein im Hirn verblendeter, zur Revoluzzerei neigender, zielbewußter Genosse im Zweifel fein. Geradezu komisch nimmt sich auS, wenn unter den obwaltenden Verhältnissen der „Vorwärts" eS für „perfide" erklärt, schon jetzt Bebel und Singer für etwa zu vergießendes Blut verantwortlich zu machen. Wirklich perfide schreibt er selbst dagegen, es ständen sicher Provokationen seitens der Polizei zu ertnartien, der es nur angenehm sei, wenn es zu scharfen Maßnahmen käme. Selbstverständlich wird es trotz allen Taktes der Polizei unserer Großstädte — geschehe, was wolle — hinterher heißen: Wir haben es ja vorausgesagt, daß die Polizei sich bemühen werd«, die Masten zu Gewalttätigkeiten aufzureizen. . .
So stehen wir vor kritischen Tagen? Erster, zwester oder dritter Ordnung? DaS läßt sich nicht Voraussagen. Zu hoffen steht aber, daß die Regierung zur rechten Stunde „Bis hierher und nicht teeiterl" sagt, des weiteren, daß alle staatserhaltenden Parteien, zusammenstehen werden gegen den Feind — daS ist die Sozialdemokratie. Dann können sie des ganzen sozialdemokratischen Massenklimbims spotten.
und daß die in Aussicht genommene zweite Haager Friedenskonfere-'z erst später stattfinden solle.
UiDUt, 17.
vierteljährlicher Bezugspreis; bet btt ©rfxbüioa 2 Mk., b« allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcU Bestellgeld).
Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg, Nell-nnen: die Zeile 25 Pfg.
Meldung deS Eclair wird aus Konstantinopel berichtet, daß der dortige Militär-Attache der österreichischen Regierung sich anschicke, nach Tripolis abzureifen, um im Auftrage feiner Regierung die Zustände des Hafens und der Küste zu prüfen. Diese Nachricht, welche im Zusammenhänge steht mit Gerüchten über ein Worgeheu Italiens in Tripolis, ruft in politischen Kreisen RomS große» Aufsehen hervor.
Lonvou, 18. Jan. Nach den bi» gestern früh 6 Uhr vorliegenden Wahlergebniffen find gewählt 164 Liberale, 24 Vertreter der Arbeiterpartei und 52 Unionisten. Die Liberalen gewänne - et 65, die Arbeiterpartei 21 Sitze.
spruchte, herrschte in den Wandelgängen groß« Bewegung. Man erzählte, daß noch heute und heute Früh gearbeitet wurde, um durch Am splitterung einiger Dutzend Stimmen eine Stich« Wahl herbeizu führen zu Gunsten Rouviers. Trotz« dem zweifelte ernstlich niemand an dem sofortigeU Sieg« Fallidres.
Deck Ergobnis der Abstimmung war: Fallidreß 449, Doumer 371 Stimmen. Fallidres war so« mit gewählt. Es wurden 849 Stimmen abgegeben; zersplittert sind 28 Stimmen. Die Wähl Fallidres wurde vom Präsidenten des SenatA, Dubost, verkündet. Als Dubost schloß: „Ich er» kläre FalliöreS zum Präsidenten dec RepuÄik ge« wählt für sieben Jahre, vom 18. Februar an,* da erhob sich die ganze Linke und das Zentrum und klatschten lang« Beifall. Damit war dte Nationalversammlung geschlossen. Fallidreß kehrt« ohne Zeremonie in Begleitung aller Regie« rungsmitglieder nach Paris zurück.
Marburg
Freitag. 19. Januar 1906.
Die Präsidentenwahl in Frankreich.
Wie Vorauszusehen war und wie wir bereit» gestern Abend durch Extrablatt mitteilten, ist der bisherige Präsident des Senates, Clement Armand Fallidrrs zum Präsidenten der Republik gewählt worden. Der neue Präsident, em sym- pathischer Politiker, ist 1841 geboren, steht also jetzt im 65. Lebensjahre. Von Beruf Rechts- anwalt wurde er schon anfangs der 70er Jahre in di« Kammer gewählt. Er war mehrmals Minister, einmal Ministerpräsident und seit 1890 Senator. Im Februar 1899 wurde Fallidres an Stelle Lonbets zum Senatspräsidenten gewählt, den er jetzt auch im ElysSe ablöst.
lieber den Wahlvorgang wird aus Versailles von gestern Mittwoch Nachmittag berichtet:
Die Nationalversammlung wurde pünktlich um 1 Uhr eröffnet. Saal und Tribünen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Alle Minister waren anwesend. Fallidres, der ziemlich erregt aussah, wurde beim Erscheinen auf dem Präsidentenstuhl von der Linken und vom linken Zentrum mit brausendem Beifall begrüßt, gegen den die Rechte nur schwach protestierte.
Fallidres verliest das Dekret, das die Nationalversammlung einberust, mit etwas stockender Stimme; rechts rief jemand: Lauter l wogegen di« Linke heftig protestierte. Fallidres loste dann di« Namen der Skrutatoren aus. Die Abstimmung begann mit dem Buchstaben P.
Während der Abstimmung, die bei der großen Zahl der Wähler nahezu zwei Stunden bean-
2?etn, 17. Jan. Es verlautet, daß zuerst die von der Schweiz angeregt« internationale Zusammenkunft für die Neuordnung der Genfer Konvention von 1864 zusammentreten werde
vieueste Telegramme.
Berlin, 18. Jan. Staatsminister Staatssekretär von Richthofen ist gestern Abend 11'/. Uhr verschieden.
sFrhr. Oswald v. Nichthofen hat über fünf Jahre tn der Spitze des Auswärtigen Amtes gestanden, hat diesem aber schon vorher als Unterftaat»fekretSr und kor Jahrzehnten als HUfsarteiter und Vortragender Rat angehört Er wurde am 13. Oktober 1847 in fteffh als Sohn de» damaligen preußischen General- ffonjuls und späteren Gesandten in Stockholm, im Jahre 1895 verstorbenen Frhrn. v. Richthofen ge- voren. Er machte den Krieg 1866 unb 1870 mit. «m 26.Ott. 1896 erfolgte seine Ernennung zum Direktor de» Kolonialamts. Am 15. Dez 1897 wurde er zum Unter- staat^sekretär im Auswärtigen Amtes ernannt. Am 28. Oktober 1900 wurde er zum Staatssekretär de» Auswärtigen Amtes ernannt, nachdem Graf Bülow, der bis dahin das Auswärtige geleitet hatte, Reichs- lanzler geworden roar]
Berlin, 17. Jan. Hier ist an zunächst interessierter Stelle nichts von einem Rücktritt des Herrn v. Lucanu» und einer Berufung de» Dberpräfibcnkn v. Windheim an feine Stelle
Bertis, 18. Jan. Die diesjährige Gene- ^alversammlung de» Bunde» der Landwirte findet am 12. Februar, Mittag» 12*/, Uhr, im Zirkus Busch statt. Beratungs-Gegenstand wird voraussichtlich feint die sogenannte Fleischnot, unsere Handelsbeziehungen zu den RichtvertragS» fSndern, die Reichssteuer-Vorlage.
Wie«, 17. Jan. Wie die »Neue Freie Presse" meldet, wird die österreichisch»ungarische Regierung eine energische Note nach Belgrad Achten, in der die Monarchie auf dem Fallen- ,affen der Zollunion mit Bulgarien besteht.
Der kommende »große Tag".
Alle Vorsicht der sozialdemokratischen Parteileitung ist dcchin. Vor ein paar Monaten erst, als die Breslauer Genossen für den preußischen Buß- und Bettag eine Massenkundgebung in den größeren Städten anregten, winkte st« ab. Nun aber hat das internationale sozialistische Bureau gesprochen und der russische Blutgeruch benebelt die Köpfe: die Welt soll am 21. (oder 22.) Januar ein Schauspiel sondergleichen erleben. Ms Vorwand für die Veranstaltungen wurde bie erste Wiederkehr des Blutvergießens in Rußland, mit anderen Worten der Jahrestag des Beginns der russischen Revolution, genommen. Dem russischen Proletariat soll moralischer Beistand geleistet leerben. Wie das durch Massenversammlungen und Massenumzüge auf bett Straßen gemacht werden soll, ist nicht ohne weiteres verständlich; eher wird es durch das an* empfohlene Umgehenlassen des Klingelbeutels in den bevorstehenden Versammlungen _ geschehen können; internationales Geld zur Schürung der russischen Revolution! Darunter deutsches Geld, brispielswrisr für die Letten, die sich al» blutgierige Feinde alles Deutschen erwiesen haben.
Im Hintergründe stehen dann aber als wirklich treibende Gewalten für die geplanten De, monftrationen: Wahlrechtswünsche, übermütige Gelüste nach einer Kraftprobe und nach einer Herausforderung der Bourgeoisie, Vorübung zum Generalstreik, zur Revolution!
Unterzeichnet haben den internationalen Aufruf: Hyndman (England), Jaurd» (Frankreich), Ferri (Italien), Adler (Oesterreich), Anseele (Holland), Vanderveld« (Belgien) unb endlich für DeutsOand Bebel und Singer.
Nach diesem Aufruf sollte am 22., dem etgent- lichen „Historismen Tage", gefeiert werden, oder auch am 21. Die deutschen Parieihäuptlinge haben fkb für letzteren Tag entschieden, well es ein Sonntag ist, und daher auf ein stärkeres Zuströmen der Mafien gerechnet iDerben kann; ein Hintergedanke wird gewesen sein, daß man so auch — da den ganzen Tag über gefeiert werden soll — den sonst unvermeidlichen Konflikten mit den Arbeitgebern au8 dem Wege geht.
Die AnarchUten machen „offiziell" mit! Die Beteiligung ist ihnen geraden ein Labsal für ihre vutsHlüsternen Seelen. Einige Gewerkschaften Dagegen haben beschlossen, sich zurückzichalten.
Und das voraussichtliche Ergebnis? Das Ausland sieht schon das Fundament deS Deutschen Reiches wanken. „Wenn drei Millionen Männer", schreibt JaurdS, „in Bewegung geraten, so wird das ganze Gebäude erschüttert." Die (in Wahrheit gar nicht vorhandene) „KastenHerrschaft der Junker" werde gestürzt werden. — Tatsächlich werden die Sozialdmokraten sich entweder lächerlich machen, oder e» zu traurigem Blutvergießen bringen.
Die beiden deutschen Unterzeichner des schwülstigen internationalen Aufrufes nehmen eine schwere Verantwortung auf sich. Sie sind gewarnt. Durch den Reichskanzler im Reichstage. Durch Dresden. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß d i e Regierungen der in Frage kommenden deutschen Staaten,
Sie
Hanns sah ihren Gatten eriiaunt an.
tear geneigt, seine Worte scherzhaft aufzusassen, obgleich er ein eigentümliches Gesicht machte, und sagte in scherzendem Ton:
„Du bist doch ein vergeßlicher Mann. Schon nach ivenigen Wochen beginnst Du zu vergessen, daß wir verheiratet sind; Mann und Frau sind doch eins, mein Schatz, wie sollte ein Geheimnis (zwischen ihnen sein? Meinst Du. ich könnte eins dor Dir haben?"
1 - Richt so, Liebste. Das Wort Geheimnis ist gänzlich falsch gewählt. Von einem solchen kann (zwischen Dir und mir nie di« Rede sein. Aber ehe ich irgend jemand eine Arbeit von mir sehen lasse, muß sie fertig sein. Ich muß sie noch em- rnal onrdigearbeiiet haben und mit ihr zufrieden rLm-. pflege selbst an mich einen ziemlich scharfen Maßstab anzulegen."
. ";L sagte Frau Hanns kurz und trat r?:en schritt zurück. Sie sah ihn erstaunt und »-berrascht an ern« heftige Antwort drängte sich rc Wi d'?, Lippen, aber sie bezwang sich.
' „Bitte, beendige Deine Tollette," meinte sie, i-dannri wir rechtzeitig am Kai sind und den svampter nicht versäumen."
setzte sich vor dem Spiegel den -roßen Handschm-' nnd Schirm und trat
™ Nahe der mdungstür.
»mb'rX-T; Riaraa nie über Deine Arbeiten
. ^agte sie scheinbar vollkommen ö’ rr V! e-nem Tone, der ihn deullich er- ; 9?ier-6' ilefer ^nft von Wichtigkeit.
(Nachdruck verboten.)^
Die Brücke.
Roman von Willy Scharlau.
(Forti exung.»
„Ah, das ist interessant!"
.Niemals sprach ich mit irgend jemand Über meine Arbeiten, eh« sie nicht vollständig waren."
Es entstand eine Pause, denn Frau Hanns überlegt«. Dann sagte sie:
„Marga ist Deine Schwester, ich aber bin Deine Frau. Sie ist soviel jünger als Du, Dir gewissermaßen mehr Tochter als Gleichberechtigte. Und — ich will damit wahrlick nichts zu ihrem Nachtell oder meinem Lobe sagen. Ich meine, sie besaß eben die Kenntnisse und Bildung eines jungen Mädchens, welches die höhere Töchterschule besuchte — Ich aber —"
Oeriel trat zum AuSgehen fertig in das Wohnzimmer. Er sah etwas rot im Gesicht aus, als hätten ihn di« Wort« seiner Frau unangenehm berührt, trat aber rasch zu ihr unt sagte:
„Wie schön Du ausstehst, Schatz. Frisch wie der Tag selbst."
Er wollte ste umarmen, sie aber entzog sich ihm mit einer raschen Wendung und erklärte:
„Nicht um meinen Hut. Du willst mich am Weitersprechen hindern, Ich spreche aber gern aus, was ich denke, und beende auch gern angefangene Sätze. Ich besitze weder die Eigenschaft zu großer Jugend, bin nicht Deine Schwester, und schließlich — weshalb willst Du mich nicht an Deinen Arbeiten teilnehmen taffen? ’Ist das Verlangen gar so unbillig?"
„Von Deinem Standpunkt aus betrachtet ■— nein, von meinen au5, — ja. Es gebt mir gegen bte Natur, das ist wohl genug gejagt"
Hanns sah ihren Gatten fragend an, als er schwieg.
Da» war alles, toa» er ihr zu sagen hatte? Dieses kurz« brutale nein und ja. Damit glaubte er sie für alle Zeit zurückweisen zu können?
Sie schwieg, denn ihr fehlten die Worte, eine ruhige Auseinandersetzung herbeizuführen. Sie
wußte, daß sie heftig aufbrausen konnte, daß sie dann die Worte nicht auf die Goldwage legte, daß ihr leicht ein verletzender Ausdruck entfuhr.
Aber sich mit dieser kurzen Abweisung ge« nüqen zu lassen, fiel ihr nicht ein. Mann und Wetb gehörten zusammen, ihre Auffassung von der Ehe und der griffigen Gemeinschaft in der. selben war eine andere. Die gab sie nicht auf, und sie würde um ihr« völlige Gleichberechtigung kämpfen. — Kämpfen und siegen.
Sie trat zum Fenster, zog die Vorhänge zur Seite und öffnete einen Fensterflügel.
DaS herrliche Landschaftsbild besänftigte ihren Groll rasch und al? Oertel dann zu ihr trat und sanft seinen Arm um sie legte, entzog sie sich ihm zwar, aber sagte in liebevollem Ton:
„Komm, nimm Deinen Hut. Mr müssen eilen, damit wir den Dampfer nicht versäumen."
Ein Mißton, ein Mißklang in der jungen Ehe, eine Dissonanz, die sich Im Laufe der Fahrt voll- ständig aufzulösen schien. Sie mußten sich dazu nicht einmal Mühe geben, aber — eine leise Erinnerung an den kleinen Konflikt blieb hasten.
Uebrigens war es nicht der erste kleine Mißton wahrend der vier Wochen ehelichen Glück».
Nur die erften acht Tage der Reise widmete Oertel ganz seiner jungen Frau, dann drangen die Gedanken und Entwürfe van allen so mädjtig auf ihn rin, daß er arbeiten mußte.
„Du inspirierst mich!" sagte er halb scherzend, halb tm Ernst zu seiner Frau. Und fte freute sich seiner Schaffenskraft.
„Was schreibst Du denn, Schatz?" fragte fte.
Später, wenn es fertig ist," lautete seine Antwort.
Das macht« sie schon etwas stutzig. Sie glaubte ein Recht zu haben, auch an feinen Arbeiten trit- zunehmen, aber fte wollte ihm die Freude der Ueberraschung nicht schmälern und schwieg. Und
dann mußten sic sick doch auch erst ganz finden in das Zusammenleb»»-, in das Aufgaben ihrer Son- derinteressen. Das war ihm wohl noch mehr fremd als ihr, und sie wollte und mußte ihm Zeit geben, sich darein zu fügen. Er war ja auch ein so prächtiger, lieber und guter Mensch, daß fte unbeschreiblich glücklich war und nicht anderes an. nahm, als daß er alles aufbieten würde, da» Glück durch völlige griftige Gemeinschaft zu einem vollkommenen zu machen.
Keiner von ihnen beiden durste Sonderinteref- fen haben, bei ihr lag von vornherein die beste AbsM vor.
Einige Tage spater laS ihr der Gatte bte druckfertige Novelle vor, die letzte aus einem ZvkluS, welcher sehr bald als Buch erscheinen sollte.
Fesselnd und geistreich geschrieben, ausgestattes nut einer Füll« von Witz und geistreichen Bemerkungen, von jener Filigranarbrit der Schilderung inttmster Züge, die sie stets anerkanntes fand die Novelle ihren vollen Beifall, — bis juni Schluß. Die Lösung de» feingeschürzten Kno« tens mißlang nach ihrer Ansicht gänzlich. Dte Heldin war auch hier feige. Im Dulden heroisH versagte sie im Handeln.
Die Furcht vor dem, waS die Welt sagen könnte, ließ sie an ihrer Eigenart, an ihrem Sein sündigen.
Als Oertel endigte und auf das Urteil feine» Frau wartete, schwieg sie. Denn sie mochte chtt nicht kränken, und außerdem kannte er ja autf ihre Denkungsweise genau aus der ersten Stund» ihrer Bekanntschaft. 4
Dann aber ärgerte sie sich über einen gewiss« Mangel an Mut; al» welchen er Hr Schweiget» auslegen könnte. So kam e», daß, «ckS sie dom» sprach, ihre Ansicht brüsker herauSkam, al» fte i» absichtigte. (Fortsetzung folgt) j