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vorzubeugen, welche in der Presse wiederhcllt a*4< getaucht sind, nehmen wir Gelegenheit, daran» hinzuweisen, daß die Vertreter der Baltische« Ritterschaften erklärt haben, daU diese trotz des ungeheuren Schadens, welche« durch Niederbrennung ihrer Gehöfte und Still« legung des Wirtschaftsbetriebes entstanden ist, nicht beabsichtigen, von den Geld« Mitteln des Hilfausschusses Zu« Wendungen in Anspruch zu nehmen, sich und ihren Angehörigen vielmchr durch Ära« ditauftrahme aus eigenen Mtteln zu helfen vev» suchen. Wir haben gestern die Beschlüsse der Ritterschaft in dieser Hinsicht veröffentlicht. ®te vom Hilfsausschuß bereitgestellten Mttel sollen vielmehr den nicht zur Ritterschaft gchörigea« vollkommen ohne Rückhalt dastehenden Personen, insbesondere den vertriebenen Pastoren, Lehr-nr Förstern, Müllern, Handwerkern und Dw^ leuten aller Art zugewendet werden.

Damit wird bett gehässigen Angris« fen, die deutsche demokratische Matter (dre de» Namen deutsch eigentlich kaum noch verdienens gegen die balttsche Ritterschaft zu richten sich mcht schämten, aller Boden entzogen. Jene Organe behaupteten nämlich, es sei nicht notigfür bte balftschen Junker" zu sammrin, da siedurch ihr unsoziales Verhalten" an der Ausstandsbewegung selbst Schuld seien. ES geht doch nichts über linksliberal-freisimnges National- und Stammes« empfinden! .

K ö ni g 8b er g i. Pr., 15. Jan. Der Dampfer .Wolga' ist, wie aus Libau gemeldet werd, heute Bormittag 11 Uhr dort eingetroffen. Er geht heute Nachmittag wieder in See, nachoett er in Libau etwa 20 Paffagiere an Bord g» nommen hat.

Berschirüene Mrld»»gr».

Aus Petersburg wird aus besonderer Quell« berichtet: Unter den Schneemafsen de« in bit Newa mündenden Ull-Jschoraflufle«, in der Nähe der Papierfabrik Pallifien, wurden zwei Kisten mit Dynamit Patronen mit allen Dor» richtungen zur Herbeiführung einer Dynamit» kxplvsion gefunden. Die Geheimpolizei ist da Ansicht, daß diese Vorbereitungen für ei» Attentat auf den Zaren, welcher am 19. d. M. zum Feste der Wafierweihe an den Newaflutz kommen sollte, getroffen waren. Infolge dies« Entdeckung findet die Reise de« Zaren vo» Sarskoje-Sselo nach Petersburg nicht statt.

Petersburg, 16. Jan. Der Leutnant Schmidt, der Oberbefehlshaber der meuternd« Flotte vor Sewastopol, ist, wie dem »Deutsch« Boten" entgegen mehrfacher Meldungen voa feinet Flucht aus Odessa berichtet wird, in d« Händen der Regierung und sitzt in, der See» feftung Otschakow eingesperrt. Seine Ver­letzungen sind beinahe geheilt. Sein Mitge­fangener Sohn, der trotz seiner 15 Jahr« während des Kampfe« nicht von der Sette de« Vaters gewichen war, ist erst dieser Tage au» der Haft entlasten worden. Schmidt soll dem-

Gesicht, so schäiWD^sich vor sich selbst, den« plötzlich ward ihr MMwas er gewollt.

Sie stürzlE zrn dem Waschbecken und wusch Mund und (Micht, dann riß sie ihr Kleid auf und badete HcVMlnd Schullern. Ihr war, al» müßte sie eimHWhandfleck abwaschen.---

d^Nein, sie war'nicht mehr schwach, wollte^ nicht sein. Die aber, welche sich ihm angelobt, tat ihr leid. Der würde nichts von dem erspaa bleiben, was ihr geschah.

Eine Sllmde später öffnete sie letse ine Tur zum Zimmer des alten Herrn und betrat das» selbe leise. ...

Sie sah die Augen deS alten Herrn groß auf sich gerichtet. ! , ,

Soll ich Dir setzt vorlesen?" fragte sie m vollkommen rirhigem Tone.Verzeche, daß td| mich vorhin so Plötzlich entfernen mußte, nrnr ttxa auf einmal unwohl. Jetzt ist mrr wieder gutz

Nein, kleiner Liebling, letzt nicht. Ich toeri* dann ein Stückchen vor dem Haus auf- und abu gehen, willst Du mich begleiten?"

Welche Frage, Väterchen. Ich werde Fran» klingeln, daß er Deine Sachen bringt."

Nachher, Kleine. Komme einmal her m» sieh mich an. Mr ist Aber, Du sollst mich ansehen." . , .

Marga stand neben dem Sofa und blickt« ihren lieben alten Freund groß an. Die Trän« traten ihr heiß in die Augen. , J

Armes Mädchen," sagte Exzellenz und faßt« rasch ihre Hand.Ich will wisten, ob Egon

Nein, nein," rief sie schnell.Nein, wirk­lich nicht."

Du weißt nicht, was ich fragen wollwr Marga."

Doch!,, Sie schüttelte den Kopf.Neinl*

Der alle Herr atmet« erleichtert auf, ein StriE fiel ihm vom Herze«. i

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

Somrtagsbeilager IllustrirteS Sonntaasblatt. Ä

SfcÄüSI

Neueste Telegramme.

Berlin, 16. Jan. In dem Befinden des Staatssekretärs von Richthofen ist eine Besserung eingetreten. . . .

16. Jan. Dte Gründung emeS nationalen Bergarbeiterverb ander hat sich gestern hier vollzogen. Der Verband erstrebt dre Für- derung der Sozialreform im Gegensatz zur Sozialdeuivkratie aus dem Boden der heungen Gesellsch aftsordnung.

Die rkvolutionäre Bewegung in Rußland-

Aus ben Ostseeprovinzen.

Don einem Manne, der dem Fürsten Bis­marck sehr nahe stand, erhält dieKreuzzeitung folgende, jetzt besonders interessierendes Ur­teil über die Deutsch-Russen:

Bismarck zeigte sich stets im höMten Gnche erbittert, wenn er Mitteilungen errett über die Atrückfetzuirg der Deutschen in Rußland und ins- besondere über die Behandlung der Ballen. Er toar der Meinung, daß Rußland der deutschen Kultur, dem deutschen Element, den deutschen Be­rat orn und Lchrern außerordentlich viel zu ban- keu habe, und daß nach Beseittgung des deutschen Einflusses unter einer auf das eigne Können an­gewiesenen russisch-tatarischen ©eneration btt Ordnung zusammen brechen müsse. Was über Russtand jetzt gekommen ist, hat Bismarck schon in den achtziger Jahren als unvermeidlich ange- sehen, insbesondere auch die Erhebung der Letten, die gegen die Balten aufgereizt wurden, auch gegen die Regierung. Bei verschiedenen Gelegen, heiten hat Bismarck die große Bedeutung des deutschen Elementes, in erster Reihe der Balten für den russischen Staatsdienst hervorgehoben. Es ist unklug von den Russen nnd nur schädlich für sie, so äußerte er Anfang 1886 zu Dusch, wenn sie sich dieses Gestüt für gute Generäle, wie Tot. leben, und für tüchttge Divlo.naten ruinieren, das sie in dem baltischen Adel haben. Damals sprach Bismarck mich sein Beftemden darüber aus, daß die Russen, so west gehen und in den Ostseeprovinzen das niedere Volk gegen dte höheren Stände auswiegeln. Im Herbst 1867 unterhielt sich Bismarck mit dem Redakteur der Detersb. Zeitung" über den Deutschenhaß ht Rußland.Der Rüste wird den Deutschen nie entbehren können," sagte Bismarck.Der Russe ist ein sehr liebenswürdiger Mensch. Er hat Geist, Phantasie, ein angenehmes Benehmen, gesellige Talente, aber täglich auch nur acht Stunden zu arbeiten, und das sechsmal in der Woche und fünfzig Wockmr im Jahre daS wird ht Ewig, fett kein Rüste erlernen. Ich erinnere mich der trefflichen Worte, ine ein russischer Militär in meiner Gegenwart äußerte. Die Unterhaltung berührte den Umstand, bafj so viele Offiziere deut­scher Abstammung in der russischen Armee bis zum General avancieren. Me sollte ein Deutscher nicht General werden! sagte jener Milftär. Er trinkt nicht, er stiehlt nicht, er ist nicht liderlich, er reffet sein Pferd selbst, da muß er es schon bis zum General bringen." Trotz alledem hatte Bis­marck einen guten Glauben an die Zukunft Ruß­lands.Seine höchsten Adligen sind intelligent, seine Bauern sind die besten Kerls von der Welt. In der Mitte ist es faul. Der Beamtenadel ist ein giftiges Geschwür, das Rußlands Eingeweide hinwegfrißt."

Die beuffche Hilfsaktton.

Der H i l f s a u s s ch u ß für die balftschen Deutschen schreibt uns: Um falschen Auffassungen

Erscheint wöchentlich sieben «al.

Druck mtb Verlag- Joh. Ang. Koch, UmversttätS-Buchdruckerck

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Mittwoch, 17. Januar 1906.

Die Konferenz in Algeciras.

Algeciras, 15. Jan. Heute mittag traf die Mehrzahl der Delegierten der Vertmgsnmchte mft Sonderzug hier ein und nahm wt Hotel Reina Chrisftna" Wohnung. Dte französischen Delegierten bewohnen eine eigene Villa. Der amerikanische Vertreter kam heute vornnttag mit bem Postdampfer von Newyork in Gibraltar an. Viele Delegierte haben ihre Damen mit gebracht, unter ihnen befindet sich Gräfin Tattenbach.

Morgen nachmittag um 3 Uhr findet die erste Sitzung der Marokkokonferenz statt. In rhr soll die Geschäftsordnung fortgesetzt werden. Dte deuffcheu Delegierten v. Radowitz und v. Tatwn- bach besichtigten in Begleitung der Gräfin v. Tat- tenback) am Nachmittag das Gebäude des Ge­meinderates, worin die Sitzungen stattfmden.

Washington, 15. Jan. Im Senat pro- tesfterte Bacon nachdrücklich gegen die Teilnahme Amerikas an der Marokkokonferenz, weil diese tm Widerspruche mit der traditionellen Politik des Landes steche. .

Algeciras, 14. Jan. (W. B.) Die rus- fifeben Delegierten zur Marokkokonferenz smd heute eingetroffen. Auch der englische Botschafter Nicolfon ist von Gibraltar angekommen. Eine große Zahl englischer, amerikanischer, französischer und deutscher Journalisten ist anwesend. Die Hotels sind überfüöt, sodaß einige von ihnen ge­nötigt sind, in Gibraltar Wohnung zu nehmen.

Paris, 15. Jan. Nach einer Meldung aus Algeciras erklärte der marokkanische Delegierte El Mokri in einem Interview, Marokko werde jeder mit der Souveränität des Sultans verein­baren Reform zufftinmen.

London, 16. Jan. DerStandard" erhalt die Meldung, wonach Deuffchland die Uebertra» gitng der Polizei ht Marokko an eine neutrale Macht verlangen wird. DerStandard" fügt hinzu, daß, falls dieser Vorschlag nicht angenom­men wird, Deuffchland eine internationale Kom­mission, aber fit keinem Falle dir Austeilung in Einflußphären beantragen wird.

Tanger, 13. Jan. Die , DSpßche Maroc- caine" ist etwas ungehalten. Sie schreibt: Belgien, Holland und die Schweiz schienen aus der Konferenz mit Frankreich gehen zu wollen, auf ein mot (Vordre von Berlin her werden fie aber darauf verzichten und sich Graf Tatten- bachs Anschauungen anschließen. Der Sultan verkehrt lediglich mit dem deutschen Konsul in Fes; zwischen Berlin und Fe8 findet ein un­unterbrochener Depeschenwechsel statt; e8 steht ein neuer Konflikt zwischen Frankreich und Ten schland bevor. Ein Deutscher in Mazagan hat das Terrain auf einem die Reede be­herrschenden Hügel, dem einzig strategisch wich- tipen Punkte von Mazagan, angekauft."

" ~ Vittttljährlicher Bezugspreis; bet der ^^tion 2 Lik.,

, nffm Postämtern 2,25 Mk. Bestellgeld).

M 16 JttsertionSgedShr: die gespaltme Zelle oder veren Raum 10 Pfg.

Rcclainen: die Zeile 25 Psiu

Taignh ist abberusen worden. Da der Verkehr auf dem ftanzösischen Kabel gesperrt tst, werden bie De­peschen über Trinidad geleitet.

die Errichtung eines Mozarthause« rnSotzourg 20 000 Kronen. Erzherzog Eugen 5000 Kronen gespendet. Außerdem wurde dem Komttee öte Erlaubnis zur Veranftalttmg einer Morzarthaus» Baulotterie erteilt.

Budapest, 15. Jan. Baron Fejervary hat süh in privatem Kreise über die derzeitige Lage in Ungarn in folgender charakteristischer Weise aus­gesprochen :Der Monarch wünscht aufrichtig den Frieden, und auch ich wünsche ihn und werde mit allem, was in meiner Macht sieht, dazu beitragen, daß der Friede zustande kommt. Damff aber ein Friede möglich sei, ist dreierlei unbedingt nötig: mffttns, daß das Presftge der Lttone, gewahrt bleibe, was die Nation sich selbst schuldig fft, da der Monarch ihre Rechte nicht angetaftet hat: Kveitens, daß die milffärischen Fragen unberührt bleiben und drittens, daß der Widefftand der Komitate, der sich übrigens auch vom Staudpimkt der oppositionellen Parteien als ganz zwecklos und unlvirksam erwiesen hat, eingestellt werde."

Stocktzolm, 15. Januar. Der Reichstag wurde heute vom König mit einer Thronrede eröffnet, in der zunächst festgestellt wird, daß den gefahrdrohenden Tagen des vergangenen Jahres ruhigere Zeiten ge­folgt und daß die Beziekunge« zu den stemden Mächten befriedigend sind. In der Thronrede werden dann Vorlagen angelündigt betr. Erweiterung des Wahlrechtes zur zweiten Kammer, Altersversicherung. Erholung der Ausgaben für Heer und Marine und anderes.

Loudott, 15. Jan. Nach den bis heute Nachmittag vorliegenden Wahlergebnissen find gewählt: 41 Liberale, 9 Arbeiterparteller, 16 Unionisten, 9 Iren, darunter 3 Liberale und 2 Nationalisten, die heute morgen ohne Gegen­kandidaten gewählt wurden. Unter den Ge­wählten befindet sich Campbell- Bannermann, der ohne Gegenkandidaten in Stirling wieder- gewäblt ist.

Newyork, 15. Jan. Generalleutnant Chaffee legt fern Amt als Chef deS Generalstabs nieder. Sein Nachfolger ist General BatteS.

New-Uork, 15 Jan. (Reuter.) Wie auS Cara- kas über Port os Spain unter dem 12. Januar ge­meldet wird, bleibt die venezolanische Regierung da­bei, die abgebrochenen diplomatischen Beziehungen zu Frankreich nicht wieder aufzunehmm. Infolgedessen hat der sranzösilche Geschäftsträger Taignh gestern dem amerikanischen Gesandten in Caracas Ruffel eine Note betreffend den Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen seiierS Frarkrerchs überreicht, ihm die französischen Archive übergeben und ihn mit der Wahrnehmung der französischen Interessen beauftragt.

84 i Nachdruck verboten.)

Die Brücke.

Roman von Willy Scharia«.

< Fortsetzung.)

Das meine ich nicht. Da liegt übrigens der Brief und Du darfft ihn nachher lesen. Er hat mir eine wirkliche Freude gemacht und ich bin eS zufrieden, daß bte beiden sich haben. Das meine ich auch nicht,--aber"

Er machte eine Dause, aber sein Bedürfnis, sich auszusprechen, war so stark, und er betrach­tete Marga so sehr als Kind vom Haus, daß et alles mit ihr besprechen wollte.

Sieh einmal, ich habe noch einen Brief be­kommen, von Egon."

Marga herchte auf. Einen Brief von Egon, der dem alten Herr angenehm und doch unan­genehm war?

Unwillkürlich dachte sie an Hmins und ihren «Bruder. Die Gedankenverbindung lag so nahe. .Wenn Egon an den Vater von ihrer Liebe schrieb und

pDu hast Dich in letzter Zett ja auch gut mit chm vertragen, viel besser als anfangs, ich habe das wohl bemerkt. Ja, denke Dir, er schreibt mir fürs und bündig, er hätte sich verlobt."

Verlobt?" Das kam so leise aus Margas Mund, daß Exzellenz, dessen Gehör nicht zum besten war, fragte:

Was meinst Du?"

O, nichts, nichts," stotterte sie.

.. .--Ja- er hat sich verlobt, in Hamburg. Das w die angenehme Seite der Sache. Ich hatte M mir ja längst gewünscht."

. Marga war blaß wie oer Tod. Ihr Kopf Mw.c hiiitLnnber gegen die hohe Lehne des Sessels Se .yi£lt sich krampfhaft am Schreibtisch fest,

M, daß die Gegenstände auf demselben leicht Meinander klirrten. Ihre Gedarcken wirbelten

wild durcheinander, sie vermochten keinen festzu- b arten.

Nur eins war ihr klar, alles war aus. Alles war Lüge und Trug., -

Die Sache scheint Dich ja herzlich wenig zu interessieren", sagte der General nach einer Hei­nen Pause. Er blickte das Mädchen an, der- mochte aber die Züge desselben nicht genau zu unterscheiden.

O doch! gewiß!" stotterte sie, ihre Stimme war tnerkwürdig klanglos,aber es kommt so überraschend."

Also Dir gegenüber hat er auch nichts ge­fegt?"

Marga lachte schrill auf. Es klang so häßlich, als ob Glasscherben aneinander Kirrten. Häßlich tote Scherben. *

Nein, mir hat er nichts gesagt, wie sollte er auch?"

Ja, siehst Du, Maus, soweit ist alles ganz schön. Aber er meint, er wollte sich versetzen lassen, und das ist die unangenehme Kehrseite der Medaille. Me Sache hat also ihren .Haken. Nein, nein, natürlich keinen solchen, daß ihm der Konsens verweigert werden könnte. Dazu ifi er denn doch zu vorsichtig und zu sehr von Standes- bewußffein durchdrungen."

Er muß sich versetzen lassen?"

Muß nicht, aber will. Das verstehst Du wohl nicht ganz. Fräulein Anita Le Vif6 ist die Toch­ter eines Kaufmanns aus Caracas. So heißt nämlich seine Braut. Nun hat aber Egon bisher nur in den alten Patrizierhäusern vertehrt, zu denen seine Braut schwerlich Zuttitt erhalten würde, schreibt er. Soll er sich und sie später fite, sellsckiastlichen Enttäuschungen aussetzen? So schreibt er nämlich. Ich sehe ncckürlich der Ge­schichte auf den Grund, und meine Freude ist ge­trübt. Me ausgezeichnete materielle Seite der Verbindung kann ein gewisses Manko auf einem anderen Gebiet nicht wettmlwhen."

Langsam stand Marga auf, langsam ging sie zur Tür, öffnete sie und verließ langsam das Zim­mer. Sie toar so müde, so unendlich müde. Sie fonnte nicht denken, nicht sprechen, nur allein wollte sie fein.

Erzellenz sah ihr betroffen nach.

Marga!" rief er ihr nach,Du kleine Maus, Liebling!"

Sie hörte nicht.

Der arte Herr stand auf, er wurde ganz rat im Gesicht. Um Gotteswillen, wenn der Junge etwa gar der Keinen hübschen Schwä­gerin dumme Gedanken in den Kopf gesetzt! Leichtsinnig genug toar er, aber nein, er toar nicht schlecht. Und eine Gemeinheft, eine abscheu­liche Gemeinheit wäre es gewesen. Pfui Teufel! Aber nein, Egon war nicht schlecht. Er war nicht schlecht.

Aber der Gedanke schon genügte, dem alten Herrn einen jener sich täglich ereignenden, leichtm Anfälle zu bringen, die mindestens mft einer gänzlichen Erschöpfung endigten.

Er sank auf feinen Platz zurück und besaß nur noch gerade die nötige Kraft, den Dimer herbei- zuKingeln.

Marga stieg mechanisch die Treppe hinauf und ging in ihr Zimmer. Tort saß fie am Fenster und starrte hinaus, ohne irgend etwas zu scheu.

In ihr war eine entsetzliche Oede, nicht ein­mal weinen konnte sie.

Weshalb sollte sie denn auch meinen? Um ihn?

Sie stand auf und trat zu Hanns' Bild.

Mese hier war feine Schwester, diese edle Frau mit dem Herzen voller Liebe rind Trme, seine Schwester.

Pfui!" rief sie, und der ganze Zorn, all der EkÄ, in wÄchen sich ihre Liebe toanMte, machte sich in dem einen Wort Lust.Pfnil"

.Eine jähe brennende Röte schoß ihr stl daL

41. Jahrg.