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Zweites Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt

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vinzen und Süddeutschland lassen erkenne« daß dort darüber Zweifel bestehen, ob die g« sammelten Spenden oder auch die Einzelgab« sofort dem hiesigen Hilfskomitee zugeführt oder für spätere Unterstützung zurückbehalten werde« sollen. Demgegenüber sei ausdrücklich hervor­gehoben, daß Geldmittel zur Unterstützung Vs« baltischen Reichsdeutschen gerade jetzt hi« dringend erwünscht find, da bei weitem de» größte Teil der aus Rußland geflüchtete» mittellosen Reichsangehörigen vorläufig i« Königsberg Unterkunft gefunden hat. Rur durch schnelle Hilfe und wirksame Unterstützung kann diesen von hartem Geschick betroffene« Landsleuten wieder aufgeholfen werden. Geld» sendungen von auSwärtS find an den Dor­fitzenden deS AktionSkommiteeS, Oberbürger­meister Koerte, nach dem Rathaus zu richte«, eventuell auch an die betreffenden hiesigen Bank­häuser; auch die Mitglieder des Hilfskomitees find zur Entgegennahme von Spenden bereit.

Nach einer uns heute zugegangenen Aufstellung des Berliner HilfsauSschuffeS belaufen sich die bei der Seehandlungshauptkaffe bis zum 6. Jan. eingegangenen Spenden auf 65633,93 Mark.

DerJmparcial* fordert einen patriotischen Waffenstillstand in den inneren Kämpfen, da­mit Spanien auf der Konferenz einig erscheine.

Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der ExpLitio« 2 Mk, btt allen Postämtern 2,25 M. iqxl. Bestellgeld).

JIS. 11 Insertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniberMtt-Buchdruckerei 41. JuhVA«

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Die revolutionäre Bewegung in Rußland.

Km8 dr» Oßsrrprovinzen.

Einem Privatbrief au8 Riga vom 5. Januar, welcher der ,D. TaaeSztg.' zur Verfügung gestellt wurde, entnehmen wir folgende Stellen: Ich kann Ihnen nicht sagen, wieviele Güter in den Provinzen bereits nieder gebrannt oder von den sogenannten Revolutionären völlig demoliert sind, aber mit jedem Tage vergrößert sich ihre Liste, und wenn ich die Zahl zu 100 annehme, so ist sie entschieden eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. Nachdem die Mordbrennerbanden dies find unsere revo­lutionären Letten in Livland, insbesondere in besten lettischem Teil, ihr Werk vollbracht haben, sind sie jetzt in E st hl and eingebrochen, wo sie in gleicher Weise Hausen. Nachdem nicht mehr viel zu zerstören war, hat die Regierung uns einen Kriegs - Generalgouvsrneur, General Sologub, mit Militär geschickt, also wieder einmal zu spätl Wenn die Regierung den Schaden nicht ersetzt, so ist ein großer Teil unserer deutschen Gutsbesitzer rui­niert. Die ländliche Bevölkerung ist völlig demoralisiert, alle Achtung vor Gesetz und Autorität ist dahin, und wenn der, Sologub Stücke und Kugeln schont, so wird die Pazifi­zierung der Provinzen gerade so lange Vor­halten wie die Anwesenheit der Soldaten. Ma« kann den materiellen Schaden an den Gütern jetzt schon zu 70 bis 80 Millionen Rudel veranschlagen, während der moralische vermutlich für lange Zeit hinaus irreparabel sein wird. Dies find die traurigen Folgen der RussifizierungL- Politik Alexanders III., die den Deutschen die Herrschaft auS den Händen genommen und die lettischen, esthnischen und russischen Hetzblätter begünstigt hat. Soweit ist eS mit den ostsee­provinziellen deutschen Gutsbesitzern gekommen, daß die Reichsdeutschen um materielle Unter­stützung angegangen werden müssen! Dabei hat die deutsche Sozialdemokratie die lettischen Mordbrennerbanden mit Geldmitteln ünterstützt, und bei ihren gefangenen Mitgliedern hat man deutsche Mili­tärwaffen gefunden! Tas verdiente jedenfalls, dem deutschen Reichstage bekannt gegeben zu werden.

Petersburg, 12. Jan. Während eines Kampfes bei der Marienburg im Kreise Hasen- poth wurden 93 Rebellen erschossen. In diesem Kreise find 28 Güter abgebrannt. Der ge­heimnisvolle Agitator, der die Revolution in den baltischen Provinzen, besonders in Riga, leitete und unter dem Namen .Maxim" auf­trat, heißt Sokolowski.

Die deutsche Hilfs«ktw«.

Königsberg, 12. Jan. Mehrfache An­fragen über die Hilfsaktion für die auS Ruß­land flüchtenden Deutschen auS anderen Pro-

Aus Schule und Kirche.

+' Ueber den Genuß alkoholischer Getränke im schulpflichtigen Alter wurde in Nordhausen eine statistische Unter­suchung angestellt. Nach einem Bericht der Thüringer Rundschau" ergab sich folgende? traurige Resultat: In der 7. Klasse einer Volks­schule (siebenjährige Kinder) hatten von 49 Kin­dern 38 schon Wein, 40 schon Schnaps und alle zum Teil regelmäßig Bier getrunken. In einer 4. Klasse hotten von 28 Mädchen 27 schon Wein, 14 schon Schnaps und 28 schon Mer bekommen, 21 gaben an, daß sie gern Mer trinken, besonder? Lagerbier, 14 trinken regelmäßig,weil man davon stärk wird", 16 gaben an,leicht betrun« ken" gewesen zu sein, zumeist bei Hochzeiten, Partien, oder wenn bei Vaters Geburtstag un- üblich ein Fäßchen getrunken wird.

+ Die Gustav-Adolf-Kindergabe brachte im letzten Jahre nach Abzug der Unkosten 10 600 Mark, die der lothringischen Gemeinde Nilvingen zu Gute kamen. Flugblätter werde» an Helserkreisen wie Kindergottesdienste und son- stige Interessenten in beliebiger Zahl umsonst und pchtfrei gesandt, doch wird dann unbedingt auck die Einsendung einer Gabe erwartet.

In Cas sel überreichten, so wird beet Reichsboten" geschrieben, vier bisher ev an gWe­lisch-reformierte Gemeinde« d« Kirchen- und Staatsbehörden die einstimmigen Beschlüsse ihrer Presbyterien, hinfort von vc« Zusatzreformiert" keinen Gebrauch mehr M machen, sondern sich auf Grund neuerer SyrwA- ordnungen sich nur noch alsevangelischen Kirchengemeinden zu bezeichnen. Der Amch»^ einer Reihe weiterer Gemeinden Hessens sst «

ferungen für die Stadt bedacht worden seien. ES sei dieses u. a. dos Dach für das neue Kammer­gebäude, die Lieferung der Kanalröhren für die neuen Straßen, mit der eine Gießener Firma betraut wurde, die später nicht lieferte, und jetzt die Fenster für die neue Volksschule.

Am 18. d. M. war die Eisbahn zugefronm, inan freute sich schon auf das Eis; am nächsten Tage gab es Schnee und Tauwetter. In einigen Geschäften ist elektrische Probebeleuchtung zu sehen, jedoch ist das Werk noch nicht ganz fertig gestellt.

Am 20. Dezember machte man die Entdeckung, daß in der Elisabethkirche aus dem Kreuz auf dem Hochaltar eine Anzahl unächter Edelsteine ausge­brochen und gestohlen seien. Der Dieb war am Blitzableiter auf den unteren Umgang der Kirche geklettert, hatte mittelst einer mit Seife be­schmierten Bettvorlage ein Fenster eingedrückt und tft dann mittelst eines Strickes, an dem er sich heruntergelassen, in die Kirche gelangt. Aus dem Kreuz hat er dann eine Anzahl Steine aus- gebrochen. Der Dieb muß eine eilige Flucht ge­habt haben, denn seine Diebswerkzeuge hat er zurückgelassen. Bor seinem Abstieg von: äußeren Umgang hat er diesen noch verunreinigt, von ihm selbst fehlt jede Spur. Einen Teil des Strickes, mit dem er sich herabgelassen hat, fand man im Hof eines Nachbargebäudes an der Firmanei- strvße. Das Kruzifix wurde nach dem Entwurf des Konservators Dr. Bi stell am 1. Mai 1883 bei Gelegenheit des 600jährigen Jubläums an- geferttgt und der Kirche geschenkt. Die Stadt hatte 1000 Mark dazu gefristet. Grüne Weih­nachten und schönes trockenes Wester.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Jan.

Se. Majestät der Kaiser hütet infolge der Erkältung immer noch das Zimmer, sonstige Beschränkungen bestehen jedoch nicht. Zur letzte« Abendtafel waren verschiedene Einladungen er« gangen. ,

Der Bundesrat hat, demLokalanzeiger" zufolge, in seiner gestrigen Sitzung die N o v ell« zum Börsengesetz genau in der Gestast verabschiedet, welche die Kommission des Reichs­tages in der vorigen Tagung dem Gesetzentwurf gegeben hat. In Bundesratskreisen rechne man, meint das Blatt, nut Besfimmcheit darauf, daß der Reichstag nunmehr die Vorlage glast un­schnell annehmen werde.

Einer imReichsarbeitsbl." veröffentlich­ten Statisstk eistnchmen wir, daß zur Zeit im Deutschen Reiche 414 Gewerbege­richte vorhanden sind und zwar 388 kommu- nale Gewerbegerichte, 7 Berg-Gewerbegerichte und 19 gemäß § 85 des Gewerbegerichtsgese^s fortbestehenden Gewerbegerichte. Von sämtlichen 414 Gerichten kommen 241 oder 58 Prozent, von den kommunalen 226 oder gleichfalls 58 Prozent auf Preußen. Von den übrigen Bundesstaa­ten besitzen: Bayern 37, Sachsen 33, Württem- berg 23, Baden 12, Hessen 12, Mecklenburg. Schwerin 3, Sachsen-Weimar 7, Oldenburg 3, Braunschweig 6, Sachsen-Meiningen 3, Sachsen- Altenburg 4, Sachsen-Koburg-Gotha 6, Anhalt 6, Schwarzburg-Rudolstadt 1, Reuß a. L. 2, Reuf j. L., 1, Lippe-Detmold 3, Bremen 2, Hamburg 2, Lübeck 1, Elsaß-Lothringen 6 Gewerbegerichte, Im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, sowie in den Fürstenstimern Schwarzburg-Sondershausen, Schaumburg-Lippe und Waldeck gibt es noch keine derartige Gerichte.

Der Berliner Magistrat hat beschlossen, den allgemeinen deutschen Schulverein

Neueste Telegramm.

Serif«, 12. Januar. Das gestern Mittag über das Befinden deS Staatssekretärs Frhr. v. Richthofen ausgegebene Bullettn lautet: Die Aufhellung des Bewußtsein« schreitet fort. DaS Allgemeinbefinden ist den Umständen entsprechend befriedigend.

Berit», 12. Januar. Der japanische Ver­treter am hiesigen Hofe, Jnouhe, besuchte gestern den Reichskanzler, um seine Ernennung zum Botschafter anzuzeigen.

Serif«, 13. Jan. Die Kaiserin richtete gestern an den Staatsminister a. D. Schönstedt ein Telegramm, in welchem sie erklärt, daß sie gern bereit sei, daS ihr angetragene Protektorat über das Komitee zur Errichtung einer Muster­anstalt zur Bekämpfung der Säuglingssterblich­keit zu übernehmen. Die Kaiserin hofft, daß eS der vereinten Arbeit so vieler Männer bald gelingen möge, ein für das Dolkswohl so be­deutendes Werk zur Vollendung zu bringe«.

Göttingen, 12. Jan. Die Vertreter der nichtkonfessionellen Korporationen lehnten die Aufforderung deS Senats, den Studentenaus­schuß als eine Vertretung der nichtkonfesfionellen Verbindungen zu bezeichnen, ab.

Weimar, 13. Jan. Wie die Zeitung .Deutschland" in Weimar meldet, tritt der Großherzog Ende des Monats nach Ablauf der Trau-rzeit, eine Reise nach Indien an.

Hamburg, 13. Jan. Ein Ersatztransport für Südwestafrika, bestehend auS 36 Offizieren, 7 Portepee - Unteroffizieren und 593 Unteroffi­zieren und Mannschaften, tritt am 18. Januar unter FührLNg des HauptmannS v. Rappard mit dem Postdampftt »Erna Woermann" die Ausreise an.

Parts, 12. Jan. Der Ministerrat beschloß, daß die Wahlen des Präsidenten der Republik am 17. ds. Mts. stattfinden sollen. DaS be­treffende Dekret wird morgen im Amtsblatt er­scheinen. Ministerpräsident Rouvier erklätte in den Wandelgängen des Senats, daß daS Gerücht, nach dem er für die Präsidentschaft der Repubik kandidiere, durchaus unbegründet sei.

Madrid, 12. Jan. Mehrere hiesige Blätter bringen Betrachtungen über die bevorstehende Konferenz von Algeciras. DaS Blatt ,61 Liberal" erinnert an die Erklärungen deS früheren Ministerpräsidenten Maura über die marokkanische Küste, die man nach Maura's Ansicht im Interesse der Unabhängigkeit und Sicherheit als spanische Grenze bezeichnen müsse.

Häuser 1465, unbewohnte Gebäude 33, Haushal­tungen 3542, einzellebende Personen 299. Die Einwohnerzahl beträgt: männlich 10 055, weib­lich 10 078, zusammen 20133, darunter 672 Militärpersonen.

Um von dem Rest der 5 Millionenanleihe nichts zu veräußern, da eben der Kurs zu niedrig ist, so werden bei der Sparkasse 150 000 Mark entnommen.

Der durch die Explosion beschädigte Bau am Gymnasium wird wieder hergestellt. Die Decke ist herausgenommen und wird neu gemacht.

Der früher Runkelsche Garten am Stadtpark wird mst Anlagen versehen, die schönen Obst­bäume hat man alle entfernt. An der Uferstraße und an der Friedrichstraße werden einige Grund­stücke enteignet

Am _ 15. Dezember fand im Freidhofschen Saale eine Bürgerversannnlung statt, die von ungefähr 200 Personen besucht. Es handelt sich um eine Demonstration gegen den Magistrat wegen der Vergebung der Fenster der Volksschule nach Weimar. Tie Versammlung war vom Ge­werbe- und Kaufmännischen Verein und von den Innungen einberufen worden. Es wurde daS höchste Bedauern darüber ausgesprochen, daß diese Arbeiten und Lieferungen außerhalb vergeben wurden und in diesem Sinne-eine Resolufion an den Magistrat abgesandt mit dem Ersuchen:

Daß der Magistrat bei Vergebung von städtischen Arbeiten und Lieferungen auf Grund des am 17. November d. I. rechtskräftig gewor­denen Submissionsstatuts mehr als seither auf die Förderung der Interessen der gesamten Bür- gerschast bedacht sein soll."

Es kam zur Sprache, daß in letzterer Zeit ge­rade auswärtige Firmen mit Arbeiten und Äe-

Marburg

Sonntag. 14. Januar 1906.

Die rote Internationale.

Das Internationale sozialisfische Bureau, daS für den 20., 21. und 22. Januar d. I. nach Brüssel berufen war, wird zu diesem Datum nicht zusammen treten, auf Antrag der deutschen SDefe- gation, divaus Gründen der Propaganda" nicht anwesend fein kann. Die französische Delegation hält aber die Versammlung, bie sich besonders mit dem Antrag Vaillant über die Haltung ber sozialistischen Parteien im Kriegsfälle beschäf- tigen sollte, für dringend notwendig. Der inter- nationale Sekretär bat also die dänische Dele­gation, ein anderes, nicht zu entferntes Datum für die Zusammenkunft vorzuschlagen. Ter An­trag Vaillant, im Namen der französifchen sozia­listischen Partei verfaßt, hat folgenden Wortlaut:

Sobald irgendwelche geheimen oder offen- kundigen Ereignisse einen Konflikt zwischen Re­gierungen befürchten lassen, oder einen Krieg möglich oder wahrscheinlich machen, sollen die so­zialistischen Parteien der betreffenden Länder sofort aus eigener Initiative und auf Antrag des Internationalen sozialisfischen Bureaus sich mit- einander in direkte Verbindung setzen, zur Be­ratung über die Mittel, die die Arbeiter gemein­sam anwenden können, um dem Krieg zuvorzu­kommen und ihn ganz zu verhindern.

Zu gleicher Zett wird das Internationale Bureau die Parteist der übrigen Länder benach­richtigen und sobald wie möglich eine internatio­nale Konferenz zusammenrufen, um für alle in­ternationalen sozialistischen Parteien und für die gesamte internationale Arbeiterklasse die Takfik festzustellen, die am besten zur Verhinderung des Krieges geeignet erscheint."

Außerdem haben dieGenossen" Olaf Krmgen (Norwegen) und Branting (Schweden) einen Bericht über die politischen Ereignisse in diesen beiden Ländern angemeldet.Genosse" BebÄ hat bekanntgegeben, daß er auf die Ausführungen Plechanows über die Möglichkeit einer deutschen Intervention in Rußland erwidern toill. Die schweizerische Sozialdemokratie beantragt, daß die Arbeiter der ganzen Welt am 22. Januar den dollen Betrag chres Tagelohnes den russischen Revoluttonären opfern.

, Die spanische und die nordamerikanische Ar- veiterpartei wird am 22. Januar nicht bloß Volks­versammlungen, sondern auch Straßendemon­strationen veranstalten. Dagegen hat die un­garische Partei den wie dieLeipziger Volks­zeitung" meint,seltsamen" Standpunkt ein­genommen, daß es in Ungarnleider nicht mög­lich sei, am 22. Januar irgendwas zur Gedäckst- nisfeier der russischen Revolution zu veranstalttn, weil sie jetzt alle ihre Kräfte zur Eroberung des allgemeinen Wahlrechts anwenden muß." Die Rührigkeit der roten Internationale verdient die schärfste Aufmerksamkeit seitens der deutschen Re­gierung, soiveit Deutschland in Bettacht kommt.

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Beiträge zur Chronik von Marburg.

Von L. Müller.

1905. November. Die Ausführung und Lieferung der Fenster (Schreinerarbeit) im neuen Schulhaus hat der Magistrat dem Hofglaser Fauser in Weimar für den Preis von 16 000 M. übertragen, trotzdem die hiesigen Schreinermeister sich alle Mühe gaben, daß die Arbeit in Mar­burg blieb.

5. Dezember fällt der erste Schnee.

8. Dezember. Kurz vor 8 Uhr erschütterte em dumpfer Knall die Lust. Im Ghmnasimn war eine ähnliche Gasexplosion erfolgt wie 1901 im Universitätsgebäude. Durch einen Defekt an der Gasleitung hatte sich der untere Ramn des neuen Anbaues am Gymnasium, nach der Universitäts- und Kasernenslraße, das Bibliotbek- zimmer und der Raum daneben mit Gas gefüllt. Als nun früh der Hausbursche des Gymnasiums mir einer brennenden Lampe diesen Raum betrat, erfolgte eine Explosion, deren Knall weithin ver­nommen wurde. Der 18jährige Mann wurde zu Boden geschleudert und brannte lichterloh. Die Flammen teilten sich den im Inneren befindlichen Gegenständen mit und schlugen zum Fenster heraus. In dem dem Gymnasium gegenüber« lügenden Laden ging eine große Spiegelscheibe in Trümmer, ebenso im Museum. Der mit schweren Brandwunden bedeckte junge Mann starb nach sswlgen Stunden in der Klinik.

dem g t. M. sind die beiden Turbinen '^"o>latowerk hn Betrieb und am 13. . M brannte das erste elektrische Licht in der anstatt. S)te Hundesteuer wird auf 15 Mk. er- 1 -st» Das Ergebnis der Volkszählung am 1. ßttzember ist folgendes: Marburg hat: Wohn«

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg utti> Kirchham.

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