trägen einen bedeutsamen Ausbau erhalten. "„Es scheint," so schließt der Verfasser seine Betrachtung, „der Weg gefunden zu sein zum Ausbau einer alle europäischen Staaten umfassenden Rechts, und Friedensordnung; wie im MittA- alter die Landfriedensverträge das Fehdewesen einschränkten, so schränken die Weltfriedensver- träge den völkerrechtlichen Krieg ein, und es winkt als letztes Ziel bk Hoffnung, daß, wie der ewige Landfrieden endlich das Fehdewesen gänzlich be- fertigte, auch ein ewiger Weltfrieden den Krieg auf solche Fälle beschränken wird, welche die Exi- stenz ober Unabhängigkeit oder Ehre eines Staates berühren."
Umschau.
Fortschritte deutschen Fleißes.
Naher die Fortschritte deutschen Fleißes schreibt die „Köln. Ztg.": Das Patentwesen beherrscht heute zum größten Teil die Industrieproduktion, sowohl die Herstellung wie das Fabrikat, und der Schluß von der Zahl der Patenterteilungen auf die Beteiligung am internationalen Weltmarkt darf einen starken Grad von Wahrscheinlichkeitt für sich in Anspruch nehmen. Zu einer solchen Vergleichung kommt gerade eine soeben erschienene ungemein fleißige und interessante Arbeit des Kölner Oberlandesgerichtsrats Dr. Neukamp gelegen, die er als tabellarische Uebersicht zu seinen Vorträgen in Essen zur Fortbildung der Ingenieure und Techniker ausgearbeitet hat und die bei Neubner in Köln erschienen ist. Aus dieser umfassenden und auch zum Handgebrauch als Nachweis für die zahllosen Ein-elgesetze von allen in Betracht kommenden 126 Staaten des Erd- balls höchst wertvollen Statistik ergibt sich, daß in Frankreich z. B. an den im Jahre 1904 erteilten 13 293 Patenten Frankreich selbst mit 7023 beteiligt ist, Großbritannien mit 917, die Vereinigten Staaten von Amerika mit 1540, wähnend Deutschland 2248 Patenterteilungen aufziiweisen hat. Oder nehmen wir Italien: Italien selbst war an den 4500 Erteilungen des Jahres 1904 mit 1602 Lizenzen, Nordamerika mit 314, Groß- britannien mit 337, Deutschland jedoch mit 1025 beteiligt. In der Schweiz war es 1902 so, daß das Heimatland 759 eigene Patente hatte, während Großbritannien 119, Nordamerika 204, Deutschland aber 686 aufweisen konnte. Drei Länder gibt es sogar, in denen Deutschland das Heimatland überflügelt hat: Oesterreich, Norwegen und Rußland. Von den 2811 Patenten, die Oesterreich im Jahre 1904 erteilte, fielen auf österreichischen Fleiß 671, auf deutschen aber 962, toäbrenb Großbritannien und Amerika in weiten Abständen folgen. Norwegen konnte seinen eigenen Landeskindem im Jahre 1903 290 Patente zusprechen, während deutsche Erfinder 373 davontrugen. Rußlands letzte Statistik vom Jahre 1901 besagt, daß dort beim Wettbewerbe des Erfindungsfleißes Großbritannien 146 Prämien erhielt, Nordamerika 196, Rußland selbst 289,
feiner Duft stieg aus dem Gewebe mtf, ein wunderbarer, sinnverwirrender Dust.
Egon schloß die Tür und setzte sich an den Tisch, den Kragen legte er vor sich hin.
Allmählich begann sein Gehirn regelrecht zu funktionieren. Er dachte, er überlegte, und er ärgerte sich.--Nicht nur über sich.
Dieser Herr von Georges war — allerdings, er war ein Esel. Und er selbst nicht minder, daß er auf die fannisch lüsternen Bemerkungen dieses Herrn hereinfiel. Jawohl, hereinfiel, täppisch wie ein junger Jagdhund. Und was war die Folge?
Die reizende kleine Episode mit dem kleinen Mädchen war zu Ende, sie hatte ihm seine unge- ftüm deutlichen Werbungen um ihre Gunst übel genommen. Natürlich; er benahm sich ja auch danach.
Und nun konnte er sich mit der Erinnerung an ein paar Küsse und Umarmungen genügen lassen. Aber wer konnte wissen, ob nicht besser so als anders. Die Sache hatte rechtzeitig ihren Abschluß gefunden, besser jetzt als später. Und einmal mußte die Sache ja doch zu Ende sein.
Er stand auf, löschte die Lampe aus und der- ließ das Teehaus.
Am nächsten Morgen fand das Mädchen Margas Schulterkragen auf einem Sessel im Salon.
Einige Tage später machte Exzellenz beim ersten Frühstück ein sehr ernstes Gesicht. Die Post- fachen lagen wie stets neben ihren Plätzen auf dem Eßtisch. Ein Brief hatte wohl auch die schlechte Stimmung des Generals verschuldet. Das nahm aber Marga wunder, denn sie hatte auf einem Brief Hanns' Handschrift erkannt, wie sie denn auch selbst eine Karte von dem Bruder erhielt, deren Inhalt glückstrahlend war.
Das junge Paar befand sich in Wien, beabsichtigte aber in diesen Tagen an die oberitalie- nischen Seen zu reifen.
Marga schien übrigens in den letzten Tagen körperlich lehr schlecht disponiert au fein, wenig-
Deutschland jedoch mit 438 bei weitem an bet Spitze marschiert.
Politische Unerzogenheit.
Man sollte es nicht für möglich halten, daß ist einem georbneten Rechtsstaate wie dem Deutsches Reiche das Volk 80 sozialdemokratifche Vertrete! in das Reichspavlament wählt, deren einzig« Tätigkeit in der fortwährenden widersinnigen Verurteilung aller unserer Einrichtungen, in bei Verkennung aller unserer Kultur-Fortschritte, in der Ablehnung jeden Ausbaues sozialer Gesetzgebung, in der 83ertoeigerung jeder Wehr in Lam und See und im uneingeschränkten Lobe unserer Gegner besteht, seien es nun die Engländer, ei* südamerikanischer Raubstaat, eine Negerrepublkk oder die edlen Völker der Herero oder Hotten« totten. Mit Unrecht pocht die Sozialdemokrat« auf ihre 3 Millionen Wähler von der letzt«« Reichstagswahl. Viel richtiger , ist es für bfe reichstreuen Blätter, auf die wett größere An» zahl von Millionen jener Staatsbürger hinzuweisen, welche in politischer Unerzogenheit ihre vornehmste Pflicht, daS Wahlrecht, überhaupt nicht ausgeübt haben. Hierin, in dieser schlaffen, und unglückseligen Lauheit bei den wichtigsten politischen Pflichten, zeigt sich die Unreife unzich. liger unserer Mitbürger.
Wählen schon bei dm Reichstagswahlen viel« Millionen nicht mtt, wo doch das Wohl und Weh» des gefaulten deutschen Vaterlandes auf da» Spiele steht, so tritt diese Erscheinung mangel» den politischen und staatsbürgerlichen Pflichtsg» fichls noch viel krasser bei den Landtag swahle» ober gar bei den Gemeindewahlen zutage, um von Wahlen für Handels- und Gewerbekammern ganz zu schweigen. Haben doch kürzlich in einer Großstadt Mitteldeutschlands 12 000 Bürger bei den Stadtverordnetenwahlen auf die Ausübung ihres Stimmrechts verzichtet, wodurch einer Anzahl Sozialdemokraten der Weg in das Gemeinde Parlament geöffnet wurde.
Ist diese Erscheinung nicht ein Zeichen, das den staatserhaltenden Pa-teien lebhaft zu denke» geben muß und dringend Abhilfe erheischt? Wie ivett müssen erft die Feinde der bestehmden Staats- und Gesellschaftsordnung gef ommer sein, ehe das Bürgertum sich auf die Ausübuni der ersten Bürgerpflicht, des Wählens bei bet Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahlen, besinnt? Uebte jedermann am Tage der Wahl diese Tätigkeit aus, betrachtete jeder sein Wahlrecht oll eine vor Gott und dem Vaterlande zu verantwov- tende Wahlpflicht, so sähe es besser um uns aus. Darum sollten die maßgebenden Kreise, btt nationalen Blätter nicht müde werden, unaufhör- lich den Finger auf diese klaffende Wunde an unserem Volkslörper zu legen. Lernen wir nicht rechtzeitig von der Opferwilligkeit und dem Pflichtgefühl unserer inneren Gegner, und gefährden wir durch unsere politische Unerzogenheit immer mehr das Bestehen des neugeschaffenen Reiches, so sind wir des Blutes nicht würdig, das
stens machte sie zuweilen ein Gesicht, daß ei selbst dem alten Herrn auffiel. Er schob diel aber auf eine kleine Erkältung, vielleicht bei dy Trauung in der Kirche, oder darauf, daß dü Kleine ihrem Magen zuviel zugemutet hatte.
Marga sah recht blaß und trübe aus, zuweilen traten ihr sogar die Tränen in die Augm. Aber sie beherrschte sich. Es war ihr so Weh um dal Herz. Im einen Auaenblick aussauchzend vor Glück, und bann — bann lag es in Scherben. Und nicht ein Wort hatte er für sie. _ Wenn er sich noch nicht entschuldigt ober eine Zeile der Ab« bitte geschrieben hätte. Aber nichts, garnichts.
Eine leise Hoffnung beherrschte sie noch, — er kam wohl aip nächsten Sonntag, alles toicbcr gut zu machen.
Das Frühstück wurde von beiden schweigend eingenommen.
Exzellenz grübelte, klopfte von Zeit zu Zeit nervös auf den Tisch und schien froh zu sein, all er aufstehen konnte.
Marga geleitete ihn vorstchfig in sein Zimmer, sorgte dort für seine Bequemlichkeit und fragte bann, ob sie ihm Bettung vorlegen sollte.
„Nein, kleine Maus, jetzt nicht!" meinte er, „Aber bleibe noch etwas hier. Du mußt nicht übel nehmen, daß ich heute schlechter Laune bin. Bist aber jetzt mein Töchterchen und mußt nun auch die Schattenseiten dieser Stellung kennen lernen. Ja, ja, es hat alles seine zwei Seiten, und eine sogenannte gute Nachricht kann auch eine reckst peinliche Wirkung ausüben."
„Das verstehe ich nicht, Papachen," meinte fk und setzte sich auf den Schreibtischsessel so, daß fte dem durch das Fenster fallen ben matten Licht den Rücken wendete. „Wie kann man denn eine angenehme Sache unangenehm finden? Du wolltest ja auch so gut fein, mir nachher Hanns' langen Brief -n r<r-en. Mein Bruder schrieb nur einige 3.: ■/' '
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Die Entwicklung des deutschen Rechts tat letzten Jahrzehnt.
Der Verleger der rühmlichst bekannten „Deut- scheu Juristen-Zeituu,;", Otto Liebmann-Berlin, hat anläßlich des zehnjährigen Bestehens dieser Zeitschrift am 1. Januar eine Jubiläumsnummer erscheinen lassen, die durch ihre vornehme Ausstattung sowohl als auch durch ihren Inhalt dem Verleger und den Herausgebern alle Ehre macht. Der hervorragende deutsche Staatsrechtslchrer Professor Dr. Paul Laband in Straßburg, der mit an her Wiege dieses Unternehmens gestanden hat und heute noch an erster Stelle als HerauZ- geber der Zeitung zeichnet, eröffnet auch in der Jubilaumsnummer wieder den Reigen der Mi. arbeitet burch eine tiefgründige interessante Ab- Handlung über „Die Fortschritte des Rechts 1896 bis 1905". Er bezeichnet darin daS letztverflos- fene Dezennium als daS wichtigste der ganzen deutschen Rechtsgeschichte hinsichtlich des Zivil- rechtes; denn es brachte für das ganze Reich die Einheit des Privatrechts und die Ausrottung der zahlreichen, aus vergangenen Zeiten überfom- menen Partikularrechte; eS brachte daS Bürgerliche Gesetzbuch und eine Reihe zu seiner Ergänzung ober Ausführung ergangener Reichs- und Landesgesetze. Dieses juristtsch so wichttge Ereignis zeitigte im vergangenen Jahrz^nt eine Periode zivilistischer Literatur, wie sie, niemals Vorher, weder in Bezug auf die Quantität noch auf die Qualität dagewesen ist. Und noch un- Mittelbarer, wie die Wissenschaft, wurde die Pra- xis durch die neue Gesetzgebung in Anspruch genommen. Hier bewirkte der Neujahrstag des Jahres 1900 eine tiefe Cäsur. Hier gab es kein Zaudern und Besinnen, wie es dem Schriftsteller gestattet ist, bevor er seine Arbeit schließt; die Ar- beit des Gesetzgebers mußte sogleich in die Wirk- l-chkeit des Lebens eingeführt iverden. Daß diese ^schwierige Aufgabe glücklich und gut gelöst toor- roen ist, wird allgemein anerkannt. Wenn man aber insbesondere die verständnisvolle und scharfsinnige Auslegung des B. G.-B. in den zahl- reichen Urteilen des Reichsgerichtes rühmt, so ,nmß man. ohne diesen Ruhm irgendwie schmälern zu wollen, nach Labands Ansicht doch aner-
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83 (Nachdruck verboten.)
Die Brücke.
Roman von Willy Scharla».
P (Fortsetzung.!
! »Dich noch einmal sehen und sprechen will ich, Marga," sagte er rasch und faßte sie an der Hand. '„Morgen ganz früh muß ich fort, wer weiß, wann ich wiederkommen kann."
i „Schon morgen früh, Egon?" klagte sie. „Und davon sagst Du mir erst jetzt?"
j „Ich mochte garnidjt daran denken, wollte mir die Stimmung nicht verderben. — Ich muß Auch noch sprechen, Marga, — aber nicht hier, — die Mädchen können jeden Augenblick zurück- .kommen. Komm in das Teehaus, Liebste."
Sie wollte Einwendungen machen.
„Nein, nein, — so spät, — wenn jemand —* Gr schnitt ihr aber jedes weitere Wort ab, in. ^ern er halblaut hastig zu ihr sagte und dabei mtt Der Hand nach der Treppe deutete:
. „Du kommst — ja. Du kommst. — Pst! dort oben."
.. Marga wollte ihm nach, ihm zurufen, sie wurde nicht kommen, aber sie blieb wie angewurzelt stehen, kein Laut kam über ihre Lippen. Sie Mußte hingehen, mußte ihn noch einmal sprechen, cenn he_ batte ihn doch ebenso lieb wie er sie. i flog mehr, als sie ging, die Treppe hinauf, wart den teibenen, schwangefutterten Schulter- tragen um, denn sie trug noch das nach Vorschrift her ausge'chnittene Festkleid, und eilte, wie sie wm. die Treppe wieder hinab, über die Diele durch das Wohnzimmer und Speisezimmer zu der »uf die Veranda führenden Glastür. Wie ge- Dohnlich stockte der Schlüssel im Schloß.
. Ein en Augenblick raffte sie ihr Kleid zufam- ncn und lief den Weg entlang, welcher zum Tee- Mus führte.
Ego^ halte die Hängelampe angezündet. Sie sisiwe ia kommen, die Süße. Er war in fieber« rttter Erregung, Wein und Erwartung übten
kennen, daß das größte Verdienst den Richtern der ersten Instanz und den Rechtsanwälten anzurechnen ist, denn sie erhalten den juristischen Roh- stosf zur Bearbeitung. Der letzten Instanz ttt bereits vorgearbeitet, und sie bat nur eme Uebet- Prüfung vorzunehmen. Jedenfalls aber tvird dein deutschen Juristenstand die Art, tote er der neuen Gesetzgebung des verflossenen Jahrzehnts gerecht geworden ist, zum unvergänglichen Rtchme gereichen. — Auch der Rechtsunterricht wurde rn neue Bahnen gewiesen. Die Pandekten mußten ihre dominierende Stellung im Lehrplan den Vorlesungen über daS B. G.-B. einräumen, und das sog. gemeine deutsche Privatrecht wurde auf „Grundzüge" reduziert. Aber nicht nur der Stoff, auch die Methode des Rechtsuitterrichts hat eine Veränderung erfahren, indem jetzt den Stu- dierenden die Teilnahme an praktischen Hebungen und die Bearbeitung praktischer Fälle zur Pflicht gemacht ist. Da nun diese Arbeiten mit Zensuren versehen und bei Meldungen zum Examen mtt einzureichen sind, so werden die Studierenden, wie bar Verfasser schreibt, geradezu verlockt, sich fremder Hilfe zu bedienen. Es würde zu wett führen, die übrigen der gegenwärtigen Einrichtung der Praktika anhaftenden Mängel aufzuzählen; nützlicher jedenfalls, als alle Reglementierung der Universitätsstudien, würde eine einheitliche Ordnung des Prüfungswesens fein. Ms- her aber sind nur für das juristische Doktor- eramen unter den Bundesregierungen einheitliche Grundsätze vereinbart, um dem unwürdigen Handel mit juristischen Doktordiplomen ein Ziel zu setzen. — Auf dem Gebiete der Rechtsent. Wicklung dürste nunmehr, soweit das Privatrecht in Betracht kommt, eine dringend wünschenswerte Ruhevause eintreten; dagegen steht jetzt die Umgestaltung das Strafrechts und des Strafprozesses im Vordergrund des Interesses. Während für die Reformen des Strafprozesses wenigstens schon eine Gnmdlage gewonnen ist, ist die Reform des Strafrechts nulst sobald zu erwarten. — Die Militärstrafgerichtsordnung ist schon durch das Gesetz vom 1. Dezember 1898 umgostaltet worden. Wenn sie auch noch nicht allen Garantien einer unabhängigen Rechtsprechung genügt, so bedeutet sie nach Laband doch immerhin einen großen Fortschritt gegen die früheren, auf ganz veralteten Anschauungen beruhenden Vorschriften. Cbarak- teristisch für die Rechtsentwicklung des letzten Jahrzehnts ist ferner der Fortschritt der sozialpolitischen Gesetzgebung; ebenso war auch für das Staatsrecht das letzte Dezennium sehr ergiebig (Vergrößerung des Heeres, der Marine, Steuer- gesetzgebung 2C.). Das Privatsürstenrecht, das naben dem modernen Staats- und Verwaltungsrecht sehr in den Schatten getreten war, erlebte durch den lippischen Thronfolgestreit eine neue Beleuchtung und Vertiefung. Das Völkerrecht endlich hat durch Staatsverträge über die Abwendung von Seuchen, über Post, Telegraphie, Seeschiffahrt 2c., bann vor allem auch durch bie Schlußakte der Haager Friedenskonferenz und durch den Abschluß von zahlreichen Schiedsver
eine Wirkung auf ihn aus, bie ihm zwar bie Be. finitung nicht ganz raubte, aber ihn an nichts denken ließ, als an die Gegenwart.
Jetzt öffnete sich die Tür, Marga erschien.
Rasch zog er bas Mädchen in das Gemach und schloß die Tür toieber.
„Wie Du schön bist," flüsterte er unb betrachtete sie mit glühenden Blicken.
Sie zuckte zusammen, es wurde ihr plötzlich so unheimlich. Eine heftige Furcht überkam sie, eine Angst vor Unbekanntem.
„Wie Du schön bist," wiederhotte er. „Das mußte ich Dir noch einmal sagen, Du Allerliebste, unb wie ich Dich Heb habe. Morgen kann ich es ja nicht mehr. — Marga, küsse mich!"
Sie stand tote gelähmt da, bie ©lieber versagten ihr den Dienst. Sie wollte fort, sie wollte schreien, es ging nicht. Willenlos duldete sie feine heiße Umarmung, feine gierigen Küsse.
Diese Schultern, diese Nackenlinien, dieser --so sagte Herr von Georges, so brauste es verlockend vor seinen Ohren.
Und alles verbarg der neidische Schulter- fragen.
Egon wußte nicht mehr, was er tat. Er riß den Kragen herunter, daß er zur Erde fiel, und bedeckte Hals und Schultern deS jungen Mäd- chens mit wilden, leidenschaftlichen Küssen.
„Wie ich Dich liebe," rief er und kniete vor ihr, ihren Leib umfassend.
Da auf einmal gewann sie ihre Kraft wieder. Glühende Röte schoß ihr über Schultern, Hals und Gesicht bis zu den Schläfen.
„Egon!" schrie sie auf. „Das ist abscheulich!"
Im Nu war sie an der Tür, riß sie auf unb flüchtete eilenden Schrittes zum Haus, als ver- folge sie jemand.
War war denn geschehen?
Egons leichter Rausch war noch nicht ganz verflogen.
Aber da lag ja der Schulterkragen auf der Erde. — Er hob ihn auf. — Ein feiner, ganz