mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. z
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Marburg
Jomitag, 7, Januar 1906.
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Druck und Berlage Joh. klug. Koch, UmversitStr-vuchdruckerei 41. JllW.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
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Zur Flottcnfrage.
hat neulich der bekannte Professor Dr. Ado' Wagner in einer Versammlung der Berliner v tionalen Studentenschaft eine vortreffliche Rei gehalten, die wir unfern Lesern nicht voventhai feit wollen, weil sie den Kern der Sache trifft. Der greise Gelehrte wies mit jugendlicher Be> geisterung auf die deutsche Geschichte hin, indem «v folgendes ausführtc:
Der Neied ist es, nur der Neid über unsere Entwickolung, der unS immerfort die Gehässigkeit anderer Mächte zuzieht. WaS haben wir denn eigentlich getan? Nichts als waS nicht andere auch getan haben — daS gibt man zu — wir wollen unsere Flotte erweitern. Italien hat seine Flotte, Oester rich eine in seiner Weise kleine, aber tüchtige Flotte; Frankreich, daS im auswärtigen Handel lange nicht erreicht, hat die ziveite Flotte der Welt; Nordamerika möchte zunächst uiindesiens Frankreich, dann aber England gleichkommen. Und uns verdenkt man's, wenn wir zum Schutze unseres Handels und unserer Kolonien das Schwert gefchliften und das Pulver trocken halten wollen?
Mr sind, so fuhr Professor Wagner fort, auch heute noch Idealisten; nur rin Nnwrschied ist: wir haben in den letzten hundert Jahren gelernt, das; man, um Iteal zu sein, auch realistisch sein muß! Um Kunst, Wissenschaft. Kultur zu pflegen, bedarf ein Volk vor allem der Unabhängigkeit und nationalen Sicherheit. Die zu schaffen, reichte di« Philosophie nichts aul, sondern wir brauchen dazu Schwerter und Kano, neu. Für uns im 20. Jahrhundert liegt die Zukunft allein nicht mehr im Mutterboten, sondern auch auf dem Wasser! Täuschen wir uns nicht: man gönnt uns nicht einmal den engen Raum, den wir besitzen. Die letzten Seekriege haben gelehrt, daß nur di« großen Schiffe mit der besten Artillerie ausschlagebend sind. Warum würde auch England sonst die größten Panzer bauen? Sollen allein wir »ns daS nicht ge. trauen? Wir müssen große Schiffe haben. Dir neue Flottenvorlage hat allgemein durch ihre Mäßigung überrascht. Es sind wirklich bescheidene Forderungen, die sie stellt. Was wir müssen, sollen wir auch.
27 (Nachdruck verboten.)
Die Brücke.
Roman von Willy Scharla«.
(Fortsetzung.)
Hier würde sehr bald eine Amderuna ein- :treten, das war klar. Bei dem gnädigen Fräulein wäre er geblieben, aber ein Herr Oertel — bloß O.'rtel — nicht einmal von — o nein. Wie konnte sich nur eine vornehm« Dame derartig cherabwiirdigeu.
Bis jetzt war er sehr diplimatisch seinem freunde, dem Kanimerdiener Ihrer Hoheit, gegen- Mer zu Werke gegangen. Er hatte auf das An- erbieten desselben, ihm eine Stelle als Tafeldecker .verschaffen zu wollen, weder ja, noch nein gesagt, obgleich» er wußte, daß man als unverheirateter Mann bei Hofe die besten Chancen für autes Vor- wärtskommen hat. Jetzt war er entschlossen, cm- zunehmen.
Bloß Oertel — unglaublich.
x Während er bei Tische bediente, vermochte niemand auf dem vornehm, glattrasierten Gesicht zu ilesen, wie tief die sittliche Entrüstung des Eigen- jtümers tvar.
, „lind was wird nun heute abend, Hanns?" ffragte Erzellenz Plötzlich. „Du weißt ja, daß Vgon heute früh noch Frau von Schulz absagen -mußte, da er so plötzlich zum Bataillon zurückge- Scufeu wurde. Er fehlt ihr also schon."
„Um Gotteswillen," rief sie entsetzt, „daran pachte ich noch gar nicht. Und nun so kurz vorher." ■' „Absagen halte ich für ausgeschlossen," meinte Dxzellenz. „Jetzt gerate den Zorn von Frau Schulz zu erregen, würde ich für unklug halten." ' „Wie abscheiilich!" rief Hanns. Denke Dir," «.'endete sie sich an Oertel, „Egon und ich waren *iir heute abend zu Frau von Schulz eingeladen. ,^ntergesellschaft, nur junges Gemüse, wie Papa Zuweilen sagt. Ich würde in der Tat am liebsten »bschreiben, Gnmd genug ist doch dazu vor- <-.u-bcn."
Nicht bloß di« Pauzerlieferanlen haben ein Interesse daran. Auch die Arbeiter sollen sich sagen: es ist ihre Sache! Glaubt man, daß England etwa vor den neutralen Häfen Achtung ha- ten würde, wenn im Kriegsfall unsere Jrümstrw- erzeugnisse dort dttrchgehen unb unter fremder Flagge dort nntergebracht weten sollten? Eng- lattd hat ja die human« Entwicklung des Seerech- tes fett Jahrhunderten verhindert, sodaß es nnmer noch beim Seeraub bleibt. Die Arbeiter sollen bedcnken, daß 18 sich im Kriegsfall nicht mehr um Aussperrungen und Streiks handelt, sondern einfach um die Vernichtung unseres Handels und unserer 3tt • dnstrie. Jeder Führer, der nicht durch die Parieileitenschaft ganz und gar verblendet rst, sollte das einselM.
Wie steht e» nun abe mit unserer finan- . i eilen Tragfähigkeit? Die Lasten für die Vermehrung sind ja gewiß nicht leicht, aber sie lassen sich dnrchm-s tragen. Sollen wir, ein Volk von 60 Millionen, nicht leisten können, was Frankreich mit seinen 39 Millionen leistet, wo doch kein Volk Europas einen so glänzenden Aufschwung erlebt hat. wie Deutschland? Di« deutschen Finanzen sind die besten ter West! DaS sage ich aus bester Sachkenntnis als Fachmann auf diesem Gebiete! Was? wird man fragen, haben wir nicht in 30 Jahren Jahren 3Vs Milliarden Schulden gemacht, und klagt Mm nickst überall? Trotz alledem: wir haben die besten Finanzen ter Welt! Wir haben nämlich kein« Schulten, die unS Steuern kosten, soirtern aus den Ueberschüssen können wir, ni(f]t nur di« Zinsen decken, sondern auch noch übrig behalten. Auf Preußen gerechnet, bleibt uns nach Verzinsung und Tilgung jährlich noch eine drittel Milliarde Mark übrig, um ohne auf Steuern zu greifen, für das Heer verwendet zu werten. Dann bleiben für Sen Kopf nur noch 6—7 Mark zu zahlen. Die Franzosen haben 23—24 Mark zu zahlen, die Briten 30 Mark. Selbst nach den nativen, digsten geringen Erhöhungen werten wir dann immer noch verhältnismäßig geringe Steuerlasten haben. Wie die Dinge in ter Welt einmal stehen, so können unS die törichten Vorträge der braven, schwärmerischen Frau v. Suttner gar nichts nützen.
Professor Wagner schloß mit folgendem Reime, ter von ihm selbst herrührt:
Starke Flott und starkes Heer: Schwere Last doch nicht zu schwer. Wo es gilt die deutsch« Ehr.
Weit mehr Last die Väter trugen, Di« sich mit den Welschen schlugen Um ihr armes Vaterland.
Mr, Sie Enkel, sollten klagen, Könnten solche Last nicht tragen In dem reich gewordneu Land? Dec Gedanke, welche Schänd.
Oertel schwieg, als aber Erzellenz ihn fragend ansah. meinte er:
„Ich kenne die hiesigen Verhältnissc gar nicht, ich kann also nur meinem momentanen persön- lichen Empfinden Ausdruck geben. Es ist der einzige Abend, ten wir für uns haben."
„Sichst Du, Papa, da« meine ich auch. Aber freilich. Du magst recht haben. Richtiger und klüger ist es entschieden, Farbe zu bekennen, um so mehr als Frau von Schulz es mit hoch anrechnen wird, wenn sie die erste ist, welche von unserer Verlobung erfährt, und sie so gewissermaßen als Lady patronetz eingesetzt wird. SBir wollen schon in ten sauren Apfel beißen, Liebster."
„Durchaus meine Ansicht," sagte Herr von Lingen, intern er sich vorn Tisch erhob.
Frau von Schulz geriet in einen Zustand, als erlitte sie einen leichten Schlaganfall. Sie las Fräulein von Lingens Brief, in welchem ihr die- selbe mittetlte, sie wäre Braut und bäte, ihren Verlobten, Dr. Hans Oertel, auch ohne vorher- gegangenen Besuch oder besontere Einladung heute Abend mitbringen zu dürfen, um ihn ter lang jährigen Freundin des Hauses vorzustellen, und bedurfte dann längere Zeit, ehe sie im staute war, einige liebenswürdig« Antwortzeilen zu schreiben.
Dann eilt« sie, Herrn von Schulz aufzusuchen, um ihn an der Neuigkeit teilnehmen zu lassen. Der Gatte aber war nicht zu Haus. So setzt« sich Frau von Schulz an Sen Schreibtisch und arbeitete die kleine Tischrete, aus, welche ter Gemahl imter diesen Umständen auf daS Brautpaar halten mußte. •
Wenn sie nicht zu lang war, lernt« er sie wohl nock auswendig.
Herr von Schulz galt für einen guten un- geistreichen Tischredner, ter stets unvorbereitet sprach.
Um neun Uhr war die ganze Gesellschaft, etwa ztvanzig Personen, versammelt. Der schwarze Rock war nur tn zwei Exemplaren vertreten, außer Oertel trug ihn nur noch eht ebenfalls zu Besuch
wär«, daß der Straz durch seine Agitation die Deut- chen überall aufrüttele und wie in dem Posenschen Städtchen Pudewitz zur Gründung „Deutscher Vereine" führe.
Ausland.
Rußland. Der in der letzten Zeit oft genannte Gras Ignatjew, der großen Einfluß am Zarenhofe hat, stellt folgende interessant, Ausführungen über Rußlands zukünftig» Polik in Ostafien zur Verfügung: »Vor« läufig läß sich zwar nicht im Einzelnen präzi« fieren, in welcher Weise Rußland vorgehen muß, nachdem es ein Abkommen mit Jcrpan getroffen hat, und der englisch-japanische Vertrag zustande gekommen ist. Zweifellos ober, meint Graf Ignatjew, wird Rußland nicht auf derselben Bahn fortschreiten, die die verschiedensten Personen gegangen sind, die im Namen Rußlands in den letzten fünfzehn Jahren im fernen Osten
in Wflhelmsburg befindlicher Regierungsrefercn- Sar; di« anderen Herren waren in Uniform.
Herr von Schulz trug dieselbe- grundsätzlich bei allen sich bietenden Gelegenheiten., Daß die Abzeichen eines Rittmeisters bei einem alten Herrn mit schneeweißem, ausrasierten Bart fast komisch wirkten, bemerkte in Wilhelmsburg niemand.
Di« von allen Seiten Hanns von Lingen aus- gesprochenen Glückwünsche klangen sehr herzlich, sie bemerkte aber nur zu gut, daß es bloße Phrasen waren, die man vorbrachte.
Die beiden Fräulein von Herzog Haaren von überströmender Zärtlichkeit und mit gutem Grund da sie jetzt ein für allemal eine gefährliche Kon- furrentin los waren.
„Hast Tu ähnliches nicht erwartet?" flüsterte die eine ter anderen zu. „Wie ist so etwas möglich?"
Frau von Schulz nahm den Bräutigam sehr bald zur Seite und verwickelte ihn in ein Gespräch, Sas einem Verhör glich wie ein Ei dem anderen. Oeriel mußte fast lachen, als er ihre Bemühungen wahrnahm, immer mehr, alles ?u erfahren.
Er ersparte ihr schließlich die Mühe zu fragen.
Sie las noch nichts ans seiner Feder, so ver- sprach er, durch seine Braut einiges zu senden.
„Ich schicke ater voraus, gnädige Frau," fügte er hinzu, „daß „Gartenlaube" und „Daheim" die Kinder meiner Muse grundsätzlich ablehnen. Sic sind meistens etwas modern."
„So!" meinte sie gedehnt, aber doch etwas interessiert, „ich kann mir ja Handschuhe zmn Lesen anziehen."
„Oder wenigstens eine Sange zum Umblat- lern nehmen," ergänzte er. „Ich versuchte «8 einmal m Zeiten schwerer Not, anders zu schreiben, es ging nicht. Man soll seine Eigenart nicht verleugnen."
In ten Zeiten schwerer Not. Na, danach schien ia dieser Doktor von dem Ertrag seiner Feber git leben. Frau von Schulz fand das
empörend. Zu seinem Vergnügen einen Roman schreiben, auch das kleine Honorarchen dafür ein« zustreichen — das war anständig. Ater rnchr — unS dann schrieb ter Mann gar unter eigenem Namen. Wer tat denn das? Wäre sie wohl je auf den Gedanken aekommen gekommen,. ten alten Namen derer von Schulz der öffentlichen Kritik anszu setzen? Niemals!
Sie schrieb unter dem Namen A. von ter Este, denn mit Estewasser war sie getauft.
Um zehn Uhr ging man zu Tisch, Herr von Sckulz hielt eine improvisierte Rete auf bti* Brautpaar, dann brannte der Christbaum.
„Entzückend, nicht wahr?" sagte ein Husar zu Fräulein von Herzog, neben der er m nach, lässiger Halümg stand, etwas vornübergebeugt, das Monokel im Auge. Er ließ das Glas fallen, um besser sehen zu können, und erzählte dann von dem« Fest beim Prinzen, dem er beigewohnt. „Großartig — Hoheit waren sehr gnädig, —« Säuerte nur, wie immer, höllisch lange. Hoheit liebt das ja." „ . „
Oertel trat zu einigen Herren, die etfrtg mW einander sprachen. In dem Augenblick stockte bal Gespräch. Einer der Offiziere, fragte ihn, bet welchem Regiment er Reserveoffizier sei. !
Gar nicht; er war überhaupt nicht Soldat, Auf seine Dienst« im Frieden hätte ter «Staat schon verzichten müssen, da er ter einzige Ev nährer seiner Schwester sei. *
Man sah sich an, ter lange Husar klemmt« das Monokri in das Auge, mutmaßlich, um test Sprecher nicht gut sehen zu können.
So etwas kommt ja wohl beim Prmetariol vor, aber man spricht doch nicht darüber. _ i
Man tanzt«. Oertel tanzt« nicht schlecht, abq Walzer. . . ,, 1
Dieser Tanz ist bei Hof verpönt, durchaus um fein. Man läßt ihn spielen, kehrt sich aber nichf daran, sondenr tanzt irgend etwas. >
'(Fortsetzung folgt.)*
Deutsche Kolonien.
Neu-Gute »a. Die Möglichkeit, in Neu« Guinea Kautschuk unb Guttapercha in größere« Mengen und in einerden Ansprüchen des Marktet genügenden Qualität zu gewinnen ist von hervorragender Wichtigkeit nicht nur für das Schutzgebiet selbst, sondern auch für daS heimisch« Wirtschaftsleben. Daher liegt eS im beiden festigen Jntereffe, die Versuche zur Gewinnung von Kautschuk und Guttapercha mit amtlich« Mitteln zu unterstützen. Die Versuche solle» durch eine besondere Expedition angestellt werden, die von dem kolonialwirtschostlichen Komitee, dem Zentralverein deutscher Kautschukwaren« Fabriken unb bem Zentralverbande deutscher Industrieller entsand wirb unb drei Jahre dauer« soll. Die Kosten sind aus 200000 Mark veranschlagt, von denen die Kolonialverwaltung 75 000 Mark übernimmt, davon sind jetzt 25000 Mark in den Etat eingestellt.
Fahrmarke«.
In der „Frankfurter Zeitung" macht A. Neumeister aus Karlsruhe den Vorschlag, die Eisenbahnfahrkarten abzuschaffen, da sie durch den Aufenthalt und das Gedränge am Schalter, daS sie verursachen, nicht mehr in unsere Zeit hineinpassen. ES sollen dafür allgemeine Kilometerkarten eingeführt werden. A. Neumeister sagt darüber:
Ich denke sie mir ähnlich wie die Briefmarken; einer, fünfer, zehner, hunderter Kilometerkarten. Diese Marken muffen für jede entsprechende Kilometeranzahl, die sie bezeichnen, gelten und zur Fahrt ohne weiteres berechtigen. Sie müssen ebenso wie die Briefmarken am Postschalter, so am Eisenbahnschalter unb an verschiedenen Stellen der Stadt jederzeit zu kaufen sein. Haben wir diese Kilometermarken, so fallen alle Schwierigkeiten, die wir mit den Fahrkarten haben, ganz von selbst fort. Die ganze Umständlichkeit des Kaufens, Geldwechseln- und was damit sonst noch zusammenhängt am Abgangsort, fällt fort, eS ist einzig und allein die Abstempelung einer einzigen Kilometermarke mit dem Ab- fahrtSort und dem Datum nötig. Denn die Bezahlung findet nicht mehr am Abgangsort statt, an dem jede Sekunde für andere Dinge nötig ist, sondern am Ankunftsort, an dem der Reisend« nach der erfolgten Ankunft in Ruhe Zeit hat. Bor der beabsichtigten Reise hat der Reisende alle Kräfte und alle Zeit nötig zur Durchführung seiner Reise. Nach Vollendung der Reise ist der Reisende frei, er hat
I bann Zeit. Die Bezahlung finbet außerdem nicht i« Umschau. Geld statt, sondern in Kilometermarken. An bat
I Ausgangsschranken wirb durch bett Beamten auS bet A«S de« Ostmarke». I gestempelten Marke bei Absatzrtsorts bet zurückgelegtt
Von ben Fortschritten des StrazvereineS. dessen I Kilometerweg ersehen und von dem Reifenden werd« Tätigkeit wir Deutschen im Augen behalten müssen, I die abgefahrenen Kilometer in Kilometermacken ah ifi mancherlei zu berichten. Trotz des etwas schwer- I gegeben, die bann entwertet werben. Man sieht, Mj fälligen Beamtenapparates, dessen der polnische i Sache ist außerordentlich einfach. Auch durchführbar? Kampfverein bedarf, — allein die Provinz Posen I — Gewiß. Das Land Baden zeigt es durch feint hat 42 Starosten (Kreisvorsitzende) —, geht die I Kilometerhefte, die, obgleich ihnen noch viele» vo« Propagandatätigkeit in wirklich nachahmenswerter 1 ben Fahrkarten anhastet (z. B. da» vorherige Ei«« Weise vonstatten. In der Provinz Posen allein find I schreiben bet Kilometer, eine außerordentliche Bereis» bis jetzt gegen 40 Versammlungen abgehalten worden. I fachung de» Reiseverkehrs für Beamte und Reisend« In Westpreutzen sind die Anfänge einer Organisa- I bedeuten. Noch größer würde diese Einfachheit, noch tion vorhanden, Oberfchlesien und Berlin sollen mög- I mehr würde die Eisenbahn an Beamten und Arbeit sichst bald in Angriff genommen, aber auch Mittel- 1 sparen und das Publikum an Bequemlichkeit getoitt». und Niederschlesien, die ja al8 „altes Piastenland" I nen, wenn die noch einfachere Kilomeiermarke (Fahr« von den Polen auch mit Beschlag belegt werden. I marke» die Fahrkarte ersetzen würde. Durch dal sollen nicht vergessen werden. Nur die polnischen Ar- I immer mehr wachsenden Eisenbahnverkehr werde« beiter Westfalens, die eine nationale Klaffenbewegung I die Eisenbahnbehörden über kurz oder lang zu einte wollen unb durch ihr Ziel sich bis zu einem gewissen I umwälzenden Reform des FahrkarienwesenS ge« Grade der Sozialdemokratie nähern, stehen dem Ver- I zwungen werden. Ein Versuch würde bald zeige«, ein noch kühl gegenüber. Indes ist eS durchaus nicht I daß diese Reform auf dem hier angegebenen W« ausgeschlossen, daß die Schöpfung KoscielskiS da» I leicht und nutzbringend für Eisenbahn und Reisen« auf polnischer Seite wird, WaS Volksverein und Ka- | durchzuführen ist. tholikentage für das Zentrum sind, daß sie nämlich ben Sammelpunkt bildet für wirtschaftlich sehr verschiedenartige Elemente, die durch eine gemeinsame Idee — hier die nationale, dort die konfessionelle — auch für das politische Handeln zusammengeschweißt werden. Neben diesem ideellen Ziele, dessen Lösung in stetiger Organisationsarbeit versucht wird, trägt der „Straz" auch den wirtschaftlichen und kulturellen Bedürfnissen der Polen Rechnung, predigt fleißig ben Boykott ber deutschen Geschäfte, besonders für die Weihnachtszeit, empfiehlt polnisches Spielzeug, weist Stellen nach für Aerzte usw. ufto. Zu wünschen