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Freisinn und Mittelstand.
Wenn es noch eines Beweises tobiirftc, to-B die politische Belebtlng der breiten Schichten des Mittelstandes durch eine besondere Organisation vder Vereinigung wünschenstvert und notwendig mar. so erscheint dieser Beweis erbracht angesichts der Tatsache, das; sich setzt fortgesetzt auch frersin. nige Zeitungen lebhaft mit der Lage des Mittelsrandes bescMftigen. Sind auch die von freisin. trigen Politikern dem Mittelstand zugeinuteten Verhaltungsmaßregeln nur zu oft herzlich wenig wert, ja laufen die meisten hier in Betracht koin-
Konsnmenten eine starke Jiitcresjensolidarität besteht. ,
Die Gerechtigkeit fordert aber zum Schluß noch einen Satz des freisinnigen Blattes als richtig zu unterstreichen: „Der Mittelstand darf nicht die Geschäfte feiner Feinde selbst besorgen." Dieser Satz kann aber nur dahin gedeutet werden: Der Mittelstand hat den Werbungen des Freisinns ebenso sein Ohr zu verschließen, wie denen der Sozialdemokratie.
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„Auf Wiedersehen--nachher."
Die Jugend hat das Recht, dachte Exzellenz, als sein zukünftiger Schwiegersohn hinter der Tür verschwand. Wir Alten haben aber auch ent Recht, und zwar das Recht auszuruhen, wenn wir dafür gesorgt haben, daß der neuen Generation die Pfade geebnet sind.
Ausruhen, ja ausruhen. Für ihn war es Zeit, und so beschloß er bald zu tun, was ihm noch zu tun übrig blieb.
Fraglich war es, ob er das Frühjahr noch erleben würde. Er wußte das so gut wie der Sanitätsrat, welcher auf seinen ausdrücklichen Wunsch ihm reinen Wein hatte einschenken müssen. Dazu aber würde es noch langen, daß er Hanns' Glück vollständig sehm könnte, und mußte er alles Glück schlucken, welches der Apotheker in feinen Glasflaschen hatte.
Dann aber wollte er ausruhen, es tat ihm so nötig.
Er mußte dem Diener klingÄn. welcher ihm ein Kissen in den Rücken legen und die Tropfen reichen mußte. . .
Wenn er nur Egon hätte in den Hafen ein- laufen sehen, der Junge schied diesmal nicht sehr freundlich von ihm.
Hanns vermochte kaum, dem Diener, welcher Herrn Dr. Oertel meldete, ein ruhiges „ich lasse bitten" zu antworten.
Sie befand sich in dem flehten Salon, dem Musikzimmer, in toeldyem der Flügel stand. Vom großen Salon aus führte hieicher eine breite Tür, welche durch schwere, dunkle Vorhänge geschlossen war.
Und dann stand er da im Rahmen des schweren Vorhangs mit blitzenden Augen und vorgesireckten Händen.
„Lieber, lieber Freund," sagte sie.
Dann fühlte sie sich umschlungen und lag an
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46.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain,
Sonntagsbeilage: Ivustrtrtes Sonntaasblatt. ,
Bad, n. - den- raße, :prtL sr.
Menden freisinnigen Zeitungsanfsätzc iogar wdrq- lich darauf hinaus, den Samen der Zwietracht in die Reihen des Mittelstandes zu werfen, so ist doch immerhin ein Fortschritt unverkennbar. .loch kurz vor seinem Tode konnte Abg. Nicket tm Reichstage unter dem Beifall seiner Freunde <ms. rufen: „Ich weiß nicht, was Mittelstand ist . Dre heutigen Freisinnigen wissen es, und das ist unleugbar die Folge der vom Mittelstand tn den letzten Jahren entfalteten größeren Rührigkeit.
Um die Früchte dieser schon jetzt hier und da Erfolge zeitigenton Aufklärungsarbeit wurde sich aber der Mittelstand selbst betrügen, wollte , er denen Gehöl vir !si seinen Reihen tm»
mer neue Gegensätze eittdecken. Eugen Richters „Freie Deutsche Presse" hatte noch kurz vor dem | Weihnachtsfäste diesen vermeintlichen Interessengegensätzen einen langen Leitanfsatz gewidmet. Da wird betont, wie die bösen Agrarier alle ihre Preise möglichst hoch schrauben, die Handtverker aber ihren Bedarf an Lebens- und Produktionsmitteln möglichst billig einkaufen (vollen, tote die kleinen Detaillisten angeblich mit Neid zu, den großen Detailgeschäften aufblicken und tote andererseits die Konsumettteu, insbesondere dte Be- amten und Privatbeamten, in ihrem Streben nach billigen Waren in Gegensatz zu den Detatlltiwn kommen müssen, wie weiter auch die Reuten Gewerbetreibenden und Hausbesitzer von Natur entgegengesetzte Bestrebungen verfolgen, und etnge- denk ' des Hauptgrundsatzes freisinniger Polittk „teile rind herrsche!" wird dann natürlich mit hoher Befriedigung festgestellt, daß durch die Fleischnotdebatten in einzelne Kreise der Fleischer in der Tat schon Mißtrauen gegen dw Mittel- standsverernigung und den Bund der Landwirte getragen worden ist.
Diese von der freisinnigen Zeitung mit sicht, lichern Behagen besprochenen Interessengegensätze wären nur dann vorhanden, wenn eine zum Mittelstand gehörige Berufsgruppe tatsächlich darauf hinausginge, durch maßlose Verteuerung ihrer Produkte andere ErwerbsgruPPen gewissenlos auszutouchern. Solche Bestrebungen kennt aber nur die Phantasie jener Freisinnigen, die die Zahl ihrer Anhänger immer mehr zusammen- schmilzen sehen und nun bemüht sind, am Fever der Uneinigkeit des Mittelstandes sich eine neue Parteisuppe zu kochen. In WirRichkeit woll'n z. B. unsere Landwirte nicht maßlos hohe, sondern mittlere und stetige Preise, die die Kosten der Produktion mit bescheidenem Gewinne decken. Ginge es aber nach dem Freisinn, dann müßten unsere Landwirte ihre Produktionsmittel zu dem hohen Jnlandpreise einkaufen und gleichzeitig ihre Produktion zu dem billigen Auslandspreise zur Verfügung stellen. Der Handwerker aber wird sich diesen mittleren Preisen der Lebensmittl leicht anpassen können, wenn er auch seinerseits für seine Produktton ausreichende und stetige Preise erhält. Und endlich wird auch der Konsument seinen Etat am sichersten aufstellen können, wenn die Preise seiner Lebens- und Bedarfsmittel einige Stetigkeit aufweisen. Man beherzige nur allzeit die alte Lehre, daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist, und man tvird bald finde», daß zwischen allen Produzenten und richtig verstanden auch den
(Nachdruck verboten.);
Die »rücke.
Roman von Willy Scharia».
(Fortsetzung.)
Der Mann, welcher um die Hand, seiner tollster warb, war nicht so, tote er sich ihn ge- ivünscht oder im Geiste ettoa vorgestellt. Aber er Var nicht so, daß der Vater ein Recht oder sogar fine Pflicht gehabt hätte, dem Willen der Tochter rin starres Nein entgegenzusetzen. Er war klug, oerständig, dachte so wie anständige Leute denken sollen und machte auch äußerlich einen vorteilhaften Eindruck. Die Frage, welche so oft an Schwiegersöhne zu richten ist, nämlich die nach Schulden, war schon int verneinenden Sinne to- lmtwortet.
Freilich, ein so behagliches Leben wie bisher, konnte Hanns nicht weiter führen, von, Luxus keine Rede: aber das wußte sie und wollte sie.
Einen Augenblick schwieg Exzellenz, denn ihm «ourde auch jetzt noch nicht ganz leicht, was er sagen wollte. Dann aber sagte er:
1 „Ich bin ein alter Mann, Herr Doktor Oertel, pas viele Sprechen bat mich angestrengt. Wollen Eie zu meiner Tochter gehen? Franz wird Ihnen sagen, wo sie ist."
- In den Worten lag die Erfüllnng aller seiner Wünsche, es durchzllckte ihn wie ein elektrischer Schlag.
* Er wollte sprechen, aber der alte Herr sagte leise:
; „Nein, nein! Jetzt nicht. Ich bin tvirklich rtwas angegriffen."
• Er Ringelte dem Diener, der den Auftrag er- iielt, Herrn Dr. Oertel dem gnädigen Fräulein iti melden.
l Er winkte dem jungen Manne und sagte int Mündlichen Toner
Ruhe zu gönnen." . , .
Sie saßen nebeitetnander tn dem kleinen Sofa und sprachen von dem großen Glück, von der Herr- lichen Zukunft, die sich schon vor chnen anstatt Dann schtviegen sie, sahen sich lauge an, und sagten nichts. Plötstich fragte Hanns:
' „Und Marga? Wir sind so selbstsüchtig, gar nicht an sie zu tonten, und ich bin doch überzeugt, ihre Gedanken sind immer bei Dir."
„O nein, nicht nur das; sie sind auch ebenso bei Dir. Ganz eifersüchtig könnte ich zuweilen werden, denn sie hat Dir einen Altar erbaut, — nun ja, sie bringt Dir täglich Opfer. Täglich frische Blumeii in die Vasen neben Deinem Bild, und als ich es wagte, selbst einmal solche zu eben dem Zwecke mitzubringeu, machte sie ein bitter- , .. .
böses Gesicht. Uebn'gens habe ich sie Dir mttge, I wcht Vorkommen > .
bracht, wenn auch mir M Bilde.- ' ‘ " Wortfetztmg folgt.)
Das Abonnement
die „Oberheffische Zeitung", das größte, «reistselesenfte und weit- verbreitetste Blatt Marburgs und ? e Umgegend kostet vierteljährlich nur fc.25 Mk. Inserate haben beste« Erfolg. i ___________________________
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In verschiedenen vornehmen Hausern war SR in Stellung, aber so etwas hätte da in der TH
^^Äls Franz, der Diener, das Paar aus dem großen Saal auf die Diele treten sah, wo er sich zufällig befand, hatte er eiwGefühl^tom ähnlich, als bisse er auf ein Pfefferkorn. raufet» von Lingen hatte ton Arm ihres Verlobten erfaßt, und sagte zu dem Diener:
„Wollen Sie nachsehen, ob Exzellenz uns empfangen will." ,
Franz hatte ein fernes Empfinden. , ...
Er übersah die Situation und sein Gefühl sträubte sich Aber sein Gesicht glättete sich, tonn er hatte selbstverständlich für alles, was um ihn vorging, toetor Augen noch Ohren wenn er niI eine besondere Erlaubnis dazu erhielt. Er hort« nie ettvas von Tischgesprächen, sah nichts es toM -hm ein Verhängnis, daß er nachher alles wußte.
9([§ sich die Tür von Exzellenz Zwirners hinwr dem Paar schloß, ging Franz auf die Dtelezuruck. Wozu horchen, da er doch alles wußte. Das toar also die Folge der uiibegreiflichen Sorglosigko^ mit der Erzellenz tont Fräulein Tochter alle Frei«
Deutscher Reich.
B e r l i n, 5. Januar.
— Seine Majestät der Kaiser begab sich gestern nachmittag im Automobil nach Hundekehle und machte von da auS mit Admiral a la smte von Müller und Major und Flügeladjulont v. Neumann- Cosel einen Spaziergang nach Jagdschloß Grünewald. Zur Abendtafel waren mehrere Einladungen ergangen.
— Gestern ist im Kultusmisterium eine Konserenz zusammengetreten, die sich mit einer Neuorganisation der höheren Mädchenschule sowie der Vorbildung für dte Lehrerinnen und die künftigen UniversitätS - Studentinnen be'chaf- tigen soll.
— Es ist im hohen Grade erireuiich wie namentlich imSüden Deutschlands reges Interesse für den Ausbau der Flotte zum Ausdruck kommt. Besonders in Württemberg tritt dabet her- vor, daß das Bemühen der Lehrerschaft, ausllarend zu wirken, von sichtlichem Erfolge begleitet tu. Selbst in kleinen Orten scheuen die Lehrer keine Muhe, um der Jugend wie den Erwachsenen Einblick tn Wesen, Bedeutung und Zweck einer ausreichend starken Flotte zu verschaffen. Auch im Elsaß regt sich trotz des elsässischen Abg. Ricklin das Interesse an der Flotte ungemem lebhaft was besonders aus den Anmel- düngen der Elsässer zum Marinedienst zum Ausdruck gelangt. Unter den 1472 Rekruten auf der Nordsee- station des Jahrganges 19C5 befanden sich nicht weniger als 541 Elsaß-Lothringer.
Hanns konnte sich nicht satt sehen an dem reizenden, blonden Mädchenkopf.
„Sie ist ein wonniges Geschöpf, rief sie.
„Utid so lieb und gut," ergänzte Oertel. „Wer sich Marga einmal erwirbt, gewinnt das große
Komm," sagte sie schnell, „wir wollen ihr einige Zeilen schreiben, wir beide. Das totrd nuferem Schwesterchen Freude machen. ;
Die Glocke in des Vaters Zimmer erklang. ( „Jetzt können wir zu ihm gehen," .sagw ttoinns. Mir ist immer, als besäße ich nietn Gluck nut halb,, so lange uns Papa nicht zufammengesehen
Ausland.
Grotzbrilannien. Die Wahlrede, die Chamberlain am Montag abend in West-Birmingham hielt, war in dem energischen Tone geh ilten, den der Exkolonialsekretär anzuschlagen pflegt, wenn er sich an die Arbeiterschaft wendet. Die Schlußsätze lauten wie folgt: „Das Ziel unserer Politik ist, Beschäftigung zu schaffen, ohne dte Preise zu erhöhen. Es würde nicht protektiv, sondern defensiv sein und wäre keineswegs un> vereinbar mit dem wahren Geiste des Freihandels. ES würde unS im Gegenteil dem von Cobden versprochenen, aber niemals erreichten Zustande näherbringen. (Dies bezieht sich auf Cobdens Behauptung, daß fünf Jahre nach Einführung des Freihandels in England alle zivilisierten Nationen dem englischen Beispiele zu folgen genötigt sein würden.) Es mag andere Methoden geben, zu diesem Ziele zu gelangen, aber ich kenne sie nicht. Wenn wir jedoch über daS Ziel nicht im Zweifel find, so glaube ich sicher, daß wir imstande sein werden, zur geeigneten Zeit unS über die Mittel zu einigen. Unsere Politik ist eine aufbauende und -
seiner Brust, den Kopf an seiner Schulter bergend. .
„Wie ich Dich liebe. Du Einzige," horte sie ihn flüstern. „Wie ich Dich liebe. Mr ist, als Bote mir das Leben alles, was es zu geben tmftanto ist. Nicht mehr konnte es mir versprechen, als Deine Liebe, nichts mehr tun, als sein Versprechen einlösen." , ,
„Du Lieber," flüsterte sie und hob ihr Gesicht zu ihm empor. .
Da küßte er sie auf den Mund, leise und innig, Hanns aber schauerte zusammen.
Nun war alles so, wie sie es gewollt.
„Komm," sagte sie, . „wir wollen zu Papa gehen, er muß wissen, wie glücklich er uns gemacht bat. Der alte, liebe Herr. Nicht wahr. Du toirit ihn auch lieb gewinnen?"
„Das habe ich jetzt schon. Liebste," erwiderte er. „Ich stellte ihn mir ganz anders vor, und bin nun ganz befangen von seiner Güte und Freund- lichkeit. Wir müssen aber tourten. Dein Vater ist angestrengt, und es dürfte ratsam sein, ihm
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Reimte Telegramme.
Berti«. 5. Zllsi, Ter Minister für öffentliche Arbeiten setzte die tägliche Arbeitszeit in fcen Werkstätten der preußisch-hessischen Staat»- eisenbahnverwaltung auf 9 Stunden herab. In den EisenbahndirektionSbezirken Berlin, Frank- urt a. M., Magdeburg und Posen ist der Neun- tundentag seit dem 2. Januar eingeführt, die ibrigen Bezirke folgen, sobald feststeht, daß etliche Bedenken dagegen nicht vorliegen.
Rom, 4. Jan. Der Papst empfing unter Führung des Gesandten v. Rotenhan den Geheimrat Kaufmann aus dem Reichsamt deS Indern und Profeffor Steinemann, die im Auftrage des Kaisers den zweiten Band des Werkes siber die Capella Sistina üb-rreichten.
Petersburg, 4. Jan. (Petersb. Tel.-Ag.) Im Marineministerium sind drei besondere Kommissionen gebildet worden, die erste zur Unter- suchung der näheren Umstände der Seeschlacht von Tsuschima, die zweite zur Untersuchung der Uebergabe der vier Panzerschiffe, die von Rebogatow besehligt wurden. — Wegen der Uebergabe sind angeklaqt Nebogatow und die Kapitäne Gregoriew, Lischin und Smirnow.
Die dritte Kommission soll eine Untersuchung pegen der Uebergabe des Torpedobootes »Bedovoi" anstellen.
Cap tzailien, 4. Jan. (ReuterZ Die Anhänger des flüchtigen Präsidenten MoraleS jvurden bei Puerto Plata auf San Domingo von den Truppen des Generals, Vizepräsidenten «azeres, vollständig geschlagen und zersprengt. General Rvdrignez ist gefallen. Die Verluste find auf beiden Seiten groß.
praktische. Die Politik unserer Gegner ist eine zerstörende und theoretische. Die Einigkeit des Königreiches zu zerstören, die freundlichen Anerbietungen unserer Kolonien zu ignorieren, unS zu weigern, die besten Kunden auch nun im geringsten bester zu behandeln, als unse« eifrigsten Konkurrenten, dem Ausländer au« Privilegien unsere» Markte« zu gewähre^ ohne den kleinsten Beitrag zu unseren Kosten zu verlangen, den ausländischen HungerlohnaV- beiter mit offene» Armen zu empfangen, während der englische Arbeiter auswandert oder hungert, die einheimischen Industrien auS dem Lande zu treiben, während die Armensteuer im Lande wächst — das sind Dinge, die kein Programm bilden, da» den Beifall der Arbeiter von Birmingham finden könnte."
liebet die künftigen Wahlen zum U'steryause verbreitet da» Reutersche Bureau nachfolgende Meldung: In 29 Wahlkreisen find kerne um. artistischen Kandidaten aufgestellt, vorauSfichtlrch werden mehr Liberale ohne Gegenkandidaten als Unionisten gewählt werden. So werden mithin die Verhältniffe der letzten Wahl umgekehrt werden. Die Liberalen nahmen Arbeiter- kandidaten in 42 Wahlkreisen an, während letztere in 34 Wahlkreisen als Gegenkandrdaten der Liberalen und Unionisten auftreten.
Japan. Nach der Erklärung des ouslän- dischen Komitees, daS sich zur Unterstützung der von der Hungersnot betroffenen Bevölkerung gebildet hat, sind annähernd 3 Mrllrsnen tn den 3 Nordprovinzen von der schwersten Hungersnot bedroht. CS wird erklärt, daß, wenn nicht zureichende Maßnahmen getroffen werden, dte Hungersnot mehr Menschenleben kosten werd« al» der Krieg mit Rußland. Angesichts der großen Zahl der von der Hungersnot Betroffe- neu vermöge man einer Regierungserklärung schwer zuznstimwen, welche besagt, daß dte Hungersnot nicht so ernst sei, daß ausländische Hilfe nötig sei. Die Hungersnot ist mehr al» ernstlich, fie ist kritisch. Es chernt. daß dte Regierung von falschem Nationalstolz beetn- flußt ist.
Die revolutionäre Bewegung in Rußland
Aus den Ostsceproviuzen.
In die baltischen Provinzen sind mit Hilfe tos Eisbrechers „Jermak" ans Kronstadt 2 Bataillone abgegangen, formrert aus der 14. und 8. Flottenequipage; einige Kanonen und Mw schinengetoehre werden mitgefuhrt. Fast alle Matrosen und Offiziere sind Freiwillige; ne gebeten haben, sie dorthin zu senden, damit sie ihr Verhalten toi den Kronstädter Revolten letzt sirh- "^Nach^einer Zusammenstellung der „Revaler Zig." sind in Estland auf 93 Gütern entweder dre Wohnhäuser oder Brennereien durch Aufständische
TT Marburg 41.1-Hr«.
M 4 JnsertronSgebühr: die gespaltene Zeile oder veren Raum 10 Pfg. S0NNllI>eNd, 6. JUNUUr 1906. 3KarSur3, 2t £el<M°n
Reclamen: die Zelle 25 Pfq.